Schlagwort-Archive: Anteile

Frontwechsel & innerer Struggle

Eigentlich übernehme ich nur so etwas wie eine Stellvertreterrolle für „Franzi“ , jedoch fühlt sich momentan vieles sehr merkwürdig an.
Bei uns sind Frontwechsel nicht so, dass eine Person mit komplett konrären Erscheinungsbild wechselt, sondern jeder der nach vorn kommt, schlüpft quasi in die Rolle von „Franzi“ – Das bringt auch sie, als Anteil, dazu, momentan immer stärker zu hinterfragen, wer und was sie eigentlich ist.

Und auch mich belastet das stark, da ich nun vorn bin, aber nicht die sein kann, die ich bin.
Ich fühle mich immer wieder in eine Rolle gedrängt, die ich gar nicht bin – Oder doch?

Wer nach vorn kommt bei uns, der übernimmt automatisch die Rolle der Außenerscheinung, das „garantiert“ das wir nicht auffallen. Das unser Erscheinungsbild einheitlich ist und die Dis nicht auffällt.

Einerseits mögen wir das. Wir wollen nicht als Zirkuspferd hevorstechen und jedes Mal erklären müssen, warum wir gerade sind, wie wir sind. Bisher waren wir sehr zufrieden damit, dass man uns für eine Einzelperson hielt. Vor Freunden sowieso, aber auch im näheren Bekanntenkreis.

Warum?

Dafür könnten wir mehrere Gründe nennen:
Zum einen wollen wir im tiefsten Inneren gar nicht so anders sein. Uns belastet seit je her der gesellschaftliche Ausschluß, weil wir schon immer anders waren – allein aufgrund der Neurodivergenz.
Alles andere beudetet noch mehr Ausschluß.
Wir wollen aber Nahestehende auch nicht belasten, obwohl wir gleichzeitig auch der Meinung sind, dass echte Freundschaft so etwas aushalten muss. Man kann nicht nur befreundet sein, wenn der eine die Erwartung des anderen erfüllt oder alles immer schön ist. Wem es nicht passt, der kann gehen – Das ist nicht das Problem, das Menschen-loslassen. Nicht im rationalen Verstand.
Aber auch nur, weil wir uns erst gar nicht tief genug auf diese Menschen einlassen. Wir wissen manchmal nicht, wann wir belasten & wann es okay ist.

Wir wollen aber auch nicht dass jemand etwas über unser System weiß, denn das bedeutet Gefahr & warum sollten wir jemand ernsthaft vertrauen? Bisher hat jeder Mensch, dem wir nahestanden, bewiesen, dass Menschen es nicht wert sind, dass man ihnen vertraut. Und ja, womöglich zählen wir uns darunter. Dadurch das wir nicht vollständig vertrauen, rate ich nur begrenzt dazu auch uns vollständig Vertrauen zu schenken.

Schenkten wir bisher Vertrauen & verrieten einen Bruchteil über unser System, dann würde dieses Vertrauen kurz danach missbraucht. Ganz zu schweigen won anderen Situationen, in denen wir vertrauten. Wir sortieren streng danach, wem wir Freund nennen & das sind bisher nur 2 Personen & auch diesen können wir uns nicht öffnen. Immer ist die Fassade da.  Jedoch würden wir uns für diese 2 Freunde auch nicht vor eine Kugel werfen (für jemand anderen dagegen schon), daher ist offen, ob wir diesen 2 Menschen überhaupt genug vertrauen. Zu wenig jedenfalls, um unser Leben für sie zu opfern & diese Gefahr besteht, wenn wir uns offen zeigen würden.

Wir verstehen zudem auch nicht, warum jemand etwas über unser System wissen möchte. Welche Rolle spielt es, wer & was gerade da ist, wenn wir doch nur 2 Körper sind, die sich gerade unterhalten (ist da vllt. doch noch eine fehlende Akzeptanz in der eigenen Geschichte oder ist es ein Unverständnis, warum man alles bis ins kleinste unterteilen muss?)?

Und es gibt noch mehrere Gründe.

Und trotzdem merken wir jetzt, wie anstrengend es ist, ständig die Fassade aufrecht zu erhalten.
Wir wollen es nicht mehr & wollen es doch & dieses innere Zereissen macht völlig apathisch.

Obwohl ich jetzt da bin, bin ich es doch nicht. Oftmals fehlen mir Tage komplett, was mir Probleme bereitet, am Vergangenen anzuknüpfen, was bei „Franzi“ nicht der Fall war. Ist das nun gut (weil die Dissoziation der Dissoziation wegfällt oder schlecht, weil es tatsächlich mehr Blackouts gibt? Obwohl es die gar nicht wirklich gibt: Hier fühlt es sich an, als wären sie nicht, bis kaum mehr da & trotzdem weiß ich nichts davon, was zwischendurch passiert). Liegt es daran, dass ich nicht fest als Frontperson eingesetzt bin? Aber ich soll es ja doch sein. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe unser Syteem nicht mehr. Vieles ist plötzlich sehr anders.

Wir sind kaum mehr fähig dazu die Fassade aufrecht zu erhalten & ICH möchte es sowieso nicht. Ich habe kein Interesse daran jemand zu spielen, der ich nicht bin.
Und trotzdem tue ich es, sobald ich vorn bin. Ich rutsche in diese Außenerscheinung, so wie jeder andere, der nach vorn kommt.
Wenn ich, wie sonst, im Co-Bewusstsein da war, konnte ich Ich sein & daran erinnere ich mich auch noch, aber jetzt verschwimmt diese Grenze immer weiter. Das belastet mich. Ich mag mich nicht auflösen, in etwas, das ich nicht bin.

Obwohl ich auch nicht weiß, wer diese Außenerscheinung ist: Ist sie nur ein konstruiertes Bild der Täter oder sind das tatsächlich Wir? Wir spüren, wer wir laut Täter sein sollen. Was unsere Rolle war. Und währenddessen hat sich die Außenerscheinung stark verändert. Wir sind schon sehr lange, nicht mehr die, die wir früher waren. Und wir mögen, wer wir jetzt sind.
Ist es daher gut, wen wir jetzt im Außen darstellen? Ist auch das ein Sammelsurium von uns allem, dass sich dann im Einen äußert oder sind wir noch immer so kontrolliert, dass wir kein Ich finden? Dagegen weigern wir uns, aber hat das etwas zu sagen oder nicht? Aber ein Ich fühlen wir mittlerweile & trotzdem fühlt es sich komisch an.

„Franzi“ will exakt diese Rolle aber auch nicht erneut übernehmen.
Ich kann diese Aufgabe nicht mehr abgeben.
Man muss wohl aufpassen, für was man sich begeistert.
Meine anfängliche Freunde darüber, dass ich jetzt „frei“ bin, hat sich daher schnell verflüchtigt. Ich wünsche mir den alten Zustand zurück, denn da fühlte ich mich viel freier, während „Franzi“ das aber nicht tat & tut. Sie ist viel weiter in ihren Gedanken & ich frage mich, ob ich eigentlich all die Jahre nur stagnierte?
Ich dachte, ich wäre Ich & ich wäre frei & sobald ich den Weg dazu habe, dies zu zeigen, könnte ich hier einen ganz neuen Wind wehen lassen, aber jetzt fühle ich mich, als hätte man mir Ketten angelegt.
ICH HASSE DAS!

Kann es reale Außenpersonen im Innensystem geben?

Diese Frage las ich schon 2x auf anderen Seiten und da sie mir vor einiger Zeit auch persönlich gestellt wurde, scheint sie wohl doch einiges an Relevanz zu haben.

Daher vorab: Ja, das gibt es. Und es kommt noch nicht einmal ganz so selten vor. Ihr seid also weder verrückt noch bildet ihr euch irgendetwas ein.

Wer sind diese Anteile genau?

Gemeint sind damit reale Personen (also keine Filmfiguren etc.), die man im Außen kennt, die aber auch als Person im (dissoziativen) Innensystem auftauchen. Zum Beispiel kann es Persönlichkeiten im Inneren geben, die sich für die Mutter (des Körpers) halten, oder die Lehrerin, die Nachbarin oder aber auch für einen der Täter. Sie haben das gleiche Aussehen, die gleiche Stimme und sind auch überzeugt diese (Außen)Person zu sein. Anfangs leugnen sie meist Teil eines DIS-Systems zu sein, da sie überzeugt sind, dass es sie im Außen gibt (was ja auch nicht grundlegend falsch ist). Sie müssen erst lernen, dass sie zwar quasi ein Klon sind, aber trotzdem eine eigenständige Person. Sie dürfen anders Denken, Fühlen und Handeln. Aber das braucht Zeit, um das zu verstehen.

Warum entstehen sie?

Dafür kann es verschiedene Gründe geben:

Reaktive Täterintrojekte

Zum einen kann es Anteile geben, die wie ein Täter aussehen und sich auch so benehmen. Oft sind das Täterintrojekte, die aber, auch wenn es erst einmal so wirkt, nichts mit dem Täter gemein haben. Sie hatten früher (und oft noch heute) eine ganz wichtige Schutzfunktion inne und müssen heute erst lernen, dass dieser Schutz (nämlich so sein wie der Täter oder gut finden was der Täter macht, also das Erlebte durch Identifikation/Mitmachen/nicht widersprechen/etc. in seiner erfahrenen Schwere abmildern) heute nicht mehr nötig ist. Viele dieser Anteile entstanden in Todessituationen. Wie hätte man denn sonst so eine destruktive und gefährliche Umgebung überstehen sollen? Gäbe es sie nicht, hätten wir/ihr vieles womöglich gar nicht überlebt.

Gezielt gesetzte Täterimitationen

Es kann aber auch Anteile geben, die direkt vom Täter eine (für den Täter) wichtige Aufgabe erhielten. Und indem sie wie der Täter aussehen und sich damit identifizieren, geht das natürlich einfacher (sie haben sich das nicht ausgesucht). Bei uns gibt es bspw. jemanden, sobald er in die Nähe kommt, bringt er ein Paranoiagefühl zu mir. Ich habe dann Sätze in meinem Kopf wie: „Ich hab dir doch gesagt, ich erfahre alles“ – „Ich kann deine Gedanken lesen, ich weiß stets was du vor hast“ – „Ich sehe und weiß immer wohin du gehst und was du tust. Vor mir kannst du dich nicht verstecken“ usw. Er ist der Meinung (…) zu sein und spult diese Worte, was (…) sonst im Außen gesagt hat, im Inneren ab. Er überwacht mich quasi im Inneren und ruft mir immer wieder in Erinnerung, dass ich mich nur nicht zu sicher fühlen sollte. Ob er mittlerweile langsam merkt, dass er derjenige gar nicht ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Er ließ nämlich einmal durchklingen, dass er nicht aufhören darf. Er fühlt sich zwar wie (…), aber er hat Angst – Und solange er Angst hat, wird er auch sicherlich nicht so schnell damit aufhören. Verständlicherweise.

Dann kann es aber auch Täterimitationen geben, die bestimmte Gewalttaten im Inneren ausführen, z.B. gegen Innenkinder oder andere. Diese sollen dafür sorgen, dass die jeweilige Konditionierung aufrechterhalten bleibt. Sie hatten damals aber keine Wahl. Wenn du zu jemand gemacht wirst, hinterfragst du das erstmal nicht. Auch sie sind stark konditioniert. Viele (Außen)Menschen wissen selbst im hohen Alter noch nicht, wer sie eigentlich sind und das ohne gezielte Konditionierung. Stellt euch also vor, wie schwer es für diese Innenpersonen sein muss, ein neues Denken zu finden. Sich von dem zu lösen, was sie ihr Leben lang eingetrichtert bekommen haben…

Positive Introjekte

Es kann aber auch Anteile geben, die einer realen Außenperson extrem ähneln, weil diese eine positive Eigenschaft hatte.
Zum Beispiel könnte die Nachbarin (die dann im Inneren entstand) ein sehr sicheres Auftreten gehabt und sich mutig anderen Menschen gestellt haben. Oder sie wurde als sehr hübsch empfunden, weshalb sie viel Aufmerksamkeit bekam (die man als Kind aus missbräuchlichen Strukturen meist nicht bekam, besonders keine positive). Oder sie war sehr witzig, weshalb alle sie mochten … Also eine Eigenschaft, die früher selbst gebraucht wurde (und damit auch dem Schutz und dem Überleben diente).

Unterstützende Helferpersonen

Noch eine andere Möglichkeit wäre, dass eine Person im Innensystem entstand, weil ihr Pedant in der Außenwelt eine wichtige und unterstützende Person war.
Bspw. wenn sie eine gute Freundin war oder einen in Schutz nahm, o.Ä., dann kann es ebenfalls sein, dass diese Person im Inneren entsteht. Diese Innenpersonen kümmern sich dann auch oft um unterstützende Aufgaben, meist im sozialen Bereich. Sie kümmern sich entweder um die inneren Kinder oder verletzten Anteile oder übernehmen auch im Außen soziale Aufgaben. Nicht selten unterstützen sie auch den inneren Heilungsprozess.

Und bestimmt gibt es da auch noch viele weitere Varianten und Ursachen.

System-Fragen beantwortet

Heute gehe ich auf einige Fragen ein, die in den letzten Monaten/im letzten Jahr so hereinschneiten…

Warum sprichst du so wenig über euer System?

Weil wir das nicht wollen. Äh, Punkt? 😅

Nein, ich führe das natürlich etwas aus. Mir ist bewusst, dass es Dis-Systeme gibt, die mehr über sich erzählen. Wo z.B auch die unterschiedlichen Anteile vorgestellt werden und auf das zielte diese Frage wohl auch ab. Ich persönlich finde es auch absolut interessant, wenn Anteile sich vorstellen, von sich und ihren Anschauungen, etc. berichten. Nur bei uns geht das nicht. Einer der Hauptgründe liegt darin, dass systeminterne Informationen etwas sehr gefährliches sind, womit schnell Schindluder betrieben werden kann.

Aber auch darin, dass wir ein unglaubliches Problem mit Namen haben. Ich kann euch nicht sagen, warum das so ist. Tatsächlich reden wir uns auch untereinander nicht oder nur in Ausnahmefällen mit Namen an. Wer angesprochen ist oder wem man versucht anzusprechen, funktioniert mehr auf einer „energetischen“ Ebene. Es läuft viel über spüren/fühlen, wer gerade gemeint ist, ab. Dumme Beschreibung, ich weiß. Ich denke, dass ist aber auch ein Grund, warum Innenkommunikation recht schwierig bei uns ist. Funktioniert halt nicht immer richtig mit: „Hey du da!“ . Mir ist aber aufgefallen, dass ich auch in der Außenwelt selten Menschen mit ihren Namen anspreche. Nur wenn´s halt gerade nicht anders geht. Oder wenn ich etwas deutlich machen will. Vor einiger Zeit sagte auch mal jemand ständig meinen Namen, wenn er mit mir sprach. Und mich hat das so irritiert, dass ich erstmal googeln musste, warum jemand das tut. Ich wusste halt nicht ob dahinter eine manipulative Absicht steckt oder eine freundliche oder wie ich das einschätzen soll 😅.

Um zum Thema zurück zu kommen: Wir haben ein Problem mit Namen. Und wenn man keine Namen verrät, ist es logischerweise auch schwierig Anteile, die Auftauchen, für Außenstehende auseinanderzuhalten. Was sollten wir da sagen? „Heute ist die Person da, die vorletzte Woche schon mal da war, aber nicht der ist, der gestern da war“ ? Also weißte, das macht halt wenig Sinn.

Außerdem…

…Haben systeminterne Informationen für uns auch etwas sehr privates. Das ist unsere Welt und wenn wir uns dazu bereit fühlen, teilen wir davon etwas mit. Und wenn nicht, dann eben nicht. Ähnlich verhält es sich übrigens mit Informationen über andere Systeme. Wir können tatsächlich gar nicht so gut damit umgehen, wenn man uns zu schnell, sehr private Systeminformationen nennt. Das Problem liegt da aber nicht beim Anderen bzw. Gegenüber, sondern einfach darin, dass das FÜR UNS eine große Nähe und Intimität bedeutet, die wir erstmal einordnen lernen müssen.

Diese Nähe ist rational zwar sehr cool, signalisiert innerpsychisch aber Gefahr. Wir brauchen unsere Zeit damit umzugehen. Umgedreht bedeutet es im näheren Kontakt zu anderen Menschen aber nicht, wenn wir nichts über uns mitteilen, dass grundsätzlich kein Vertrauen da ist oder der andere etwas falsch macht.

Weiß euer Umfeld von der Dis?

Das nähere Umfeld schon, ja. Und anderen Menschen gegenüber: Wir posaunen es nicht ständig in die Welt hinaus, gehen mittlerweile aber immer entspannter damit um. Wer’s weiß, weiß es eben. Zum Beispiel wenn jemand auf dem Blog stößt o.Ä.

Mit unserem nahen Umfeld sprechen wir aber trotzdem nicht darüber. Kaum systeminterne Informationen und unterschiedliche Anteile kennt auch keiner mit Namen. Bei einer Freundin zeigten sich in letzter Zeit einige und sprachen mit ihr (allerdings ohne ihren Namen zu nennen). Und mit unserer besten Freundin konnten wir früher relativ gut drüber reden. Da zeigten sich auch das erste Mal welche richtig vor jemand Außenstehenden. Wie die ganze Freundschaft zwischen uns auseinander ging, war aber eher ein herber Vertrauensbruch für viele im Inneren.

Mit dem Rest besteht da kein wirklicher Bedarf drüber zu reden. Wir haben es ein paar Mal vorsichtig versucht, aber es kamen viele Relativierungen: „Ach das hat doch jeder.“ – „Na das ist doch normal.“ usw. Und irgendwie ist mir das zu blöd, da jedes Mal gegenzureden und zu erklären, dass es eben doch ein bisschen anders ist, als bei anderen Menschen. Das kostet Energie und letztendlich führen diese Relativierungen dazu, auch wenn sie 100% nicht böse gemeint sind, dass wir das Gefühl bekommen, uns wird nicht geglaubt. Oder das man sich beweisen müsste und darauf haben wir wirklich keine Lust. Manchmal, wenn wir etwas erzählt haben, wurde sich darüber auch ausgeschwiegen und schnell das Thema gewechselt. Das ist auch nur so ein mittelprächtiges Gefühl.

Wir belassen es daher dann auch dabei. Letztendlich begegnet dem Gegenüber doch sowieso nur eine Außenerscheinung. Und das diese Wechselhaft im Verhalten ist, ist ja nichts Neues für irgendjemand. Und den Rest machen wir eh mit uns selbst aus.

Warum müssen alle „Franzi“ genannt werden?

Müssen sie nicht. Am liebsten ist uns, wenn ihr einfach gar keinen Namen verwendet. Und wenn es z.B um sowas geht wie: „Hey guck doch mal“ und wir sind gemeint, aber mehrere (Außen)Personen mit anwesend, dann passt „Franzi“ . Das ist der Frontname und in seiner Abkürzung relativ positiv besetzt. Tatsächlich geht es bei „Franzi“ nicht darum, dass [ich] die anderen nicht anerkenne und deshalb alle „meinen“ Namen tragen sollen, wie oft vermutet.

Wir haben uns einfach darauf geeinigt, da es die leichteste Lösung ist. Manches hat auch eindach nur pragmatische Gründe😅.

Es gibt noch Zwei, die uuuunlgaublich viel wert darauf legen, jeden, sobald sie da sind, vor den Latz zu knallen, dass sie jetzt gerade wirklich nicht „Franzi“ sind. So mitten im Gespräch: „Ja ich bin jetzt aber auch nicht Franzi“ . Blöd ist es dann halt, wenn sie gefragt werden, wer dann da sei. Denn darauf antworten sie auch nicht. Da kommt dann so ein: „….Jaaa….nee….Franzi passt schon“ . Ich weiß aber nicht, ob es daran liegt, dass sie ihren Namen nicht nennen wollen, also so sagen sie es. Oder ob sie da vllt doch hauptsächlich versuchen, mehr auf den Rest Rücksicht zu nehmen.

Dann könnten wir jetzt zwar noch die Anfangsbuchstaben der Einzelnen mit hinschreiben oder sagen „B.“ ist gerade vorn oder hat den Text verfasst. 1. gibt es aber ja jeweils nicht nur einen Anteil mit diesem Anfangsbuchstaben, also käme man (als Außenstehender) auch durcheinander. Und 2. existiert da auch immer noch die innere Angst, über den Anfangsbuchstaben und Verhaltensweisen könnte herausgefunden werden, wer derjenige gerade ist.

Wer schreibt auf dem Blog?

Mehrere, wenn auch nicht sehr viele. Allerdings war [ich] bisher immer mit im Co-Bewusstsein. Spätestens wenn es an die Veröffentlichung geht.

Manche schreiben Beiträge komplett. Oftmals ist es tatsächlich aber auch ein Mix pro Beitrag, zumal wir auch nicht alle Artikel an einem Stück zu Ende schreiben.

Generell schreiben wir viele Beiträge vor und veröffentlichen sie erst einige Zeit später. Manchmal packt uns die Muse und wir schreiben mehrere Beiträge in einer Woche, aber dann sind auch Phasen dabei, wo wir wochen- bis monatelang überhaupt nichts schreiben können. Dafür sind die vorgeschriebenen Beiträge dann sehr gut. Und diese Beiträge werden immer auch gegengelesen. Von mir, da ich den Blog nach Außen hin repräsentiere und schon Wert auf einige Dinge lege. Und im Inneren checkt auch immer jemand, ob das so okay ist, was geschrieben wurde oder ob jemand zu viel preis gab, was dann abgeändert werden muss.

Daher auch nochmal ganz wichtig: Social Media ist nicht die Realität. Nur weil wir z.B. (fast) jede Woche etwas veröffentlichen, heißt das nicht, dass wir mehr Energie haben, als andere oder Dinge leichter laufen. Das Vergleichen kann man nicht abstellen, aber vllt. hilft es euch, das immer mal wieder mit im Kopf zu behalten. Ihr seid nicht schlechter, fauler oder what ever, nur weil bei euch manches oftmals nicht geht. Schreiben hilft uns beim Verarbeiten und auch einen sinnvollen Zweck im Leben zu finden sowie eine Verbindung zur Umwelt aufzubauen. Euch helfen dagegen aber vllt. ganz andere Dinge und diese sind genauso wichtig und wertvoll!

Wer ist der „Host“ ?

Offiziell könnte man sagen, das ist Franzi. Allerdings kann ich, wenn ich mich als „Franzi“ vorn fühle, nicht mal sagen was genau diesen Anteil ausmacht. Ich selbst habe ein Aussehen im Inneren, fühle dieses Individuum aber nie allein vorn. Ich persönlich weiß nicht was „Franzi“ genau definiert und was nicht. Ob es überhaupt einen einzelnen Anteil mit diesem Namen gibt oder nicht. Vllt gibt es jemand, der überwiegend vorn ist und den man als Host bezeichnen könnte. Aktuell könnte ich darüber allerdings überhaupt keine zuverlässige Aussage treffen.

In Momenten, wo Zweifel am Trauma etc. aufkommen, kann es uns helfen unsere Individualität zu verstehen und begreifen. Im normalen Alltag ist es uns mittlerweile allerdings egal wer und wie viele wann vorn sind. Das kostet einfach so viel Energie und führt im Gegenteil eher oft zu noch mehr Zweifeln, als wenn wir alles einfach sein lassen, wie es ist.

Wie groß ist euer System?

Auch so eine beliebte Frage. Auch keine grundlegend verkehrte. Neugierde darf mehr als sein. Wir haben allerdings schon vor einer ganzen Weile aufgehört zu zählen und mittlerweile ist es uns auch egal. Aktuell gibt es noch immer eine große Blockade bzgl. innerer Landkarte. Vllt ändert sich unsere Einstellung also irgendwann wieder, wenn auch sowas wieder möglich ist. Momentan wüsste ich aber sowieso nicht, was eine exakte Zahl ändern sollte.

Wenn ein bestimmtes Trauma vorliegt, ist es egal ob 20 oder 200 Anteile existieren. Das Trauma bleibt ja das Gleiche. Wichtig finde ich, dass keiner unter den Teppich fällt. Aber ob er nun Anteil 8 oder 568 ist, ist doch nun wirklich Wurst.

Vllt hat sich bei mir auch eine bestimmte Resignation eingestellt, ich weiß es nicht. Aber für mich ist das Was, Wer, Wie, Wo gar nicht mehr so wichtig, sondern das, was aktuell ist. Wer was im aktuellen Moment erlebt, fühlt und denkt ist real und nicht woher er kommt. Das aufmerksame Beobachten der eigenen Vorgänge (als Anteil) führt ja automatisch zu den eigenen Hintergründen. Manchmal schneller, manchmal langsamer. Letztendlich hängen wir aber alle zusammen und wer das eine erkennt, hilft damit auch dem anderen. Kollektive Reflexionsarbeit quasi, jedem so, wie es ihm möglich ist. Und wer nicht weiterkommt, dem hilft manchmal die Erkenntnis des Anderen.

Habt ihr Anteile, die gegen euch arbeiten?

Im alltäglichen Erleben ist es ein ständiges Auf-und Ab. Was heute funktioniert, wird morgen völlig blockiert, ohne Begründung. Die Hintergründe herauszufinden, ist oftmals eine kräftezerrende Aufgabe und nicht immer fruchtbar. Hier ist also durchaus nicht alles Heididei. Und auch nicht jeder kann jeden leiden. Das stelle ich mir auch recht unrealistisch vor. Zu inneren Zwistigkeiten und Meinungsverschiedenheiten kommt es also definitiv. Dennoch stelle ich bei uns eine gewisse Form der Zusammenarbeit fest. Das heißt nicht, dass jeder Hand in Hand zusammenarbeitet, sondern nur das es ein übergeordnetes Ziel gibt. Wann das festgelegt wurde, weiß ich nicht. Oder ob es überhaupt wie in einer Art Konferenz festgelegt wurde, oder viel mehr vllt ein Wunsch ist, den alle teilen. Kann ich euch nicht sagen. Es scheint aber schon so, als würde sich daran langehangelt.

Das heißt aber NICHT(!), dass das ganze System zusammenarbeitet oder es nicht noch immer Anteile gibt/geben kann, die versteckt (ohne das es mir bewusst ist) einem anderen Ziel folgen.

Wie geht ihr mit täterloyalen Anteilen und Täterintrojekten um?

Grundsätzlich gilt: Ernst nehmen. Aber ohne Angst. Zu erkennen wie wenig Macht ich im System habe, war Anfangs mehr als beängstigend. Hat mir am Ende aber geholfen, den anderen mit weniger Angst zu begegnen. Ich kann es ja schließlich sowieso nicht ändern.

Die haben ihre Gründe für ihr Handeln und Fühlen. Ich kann das nur ernst nehmen. Es bringt nichts, wenn ich sie ständig runter mache, mich gegen sie stemme und ihnen sage wie behindert ich sie finde. Die Anfangszeit hat das nur zu noch unangenehmeren Abwehrreaktionen geführt, was jeden belastet hat. Ich persönlich habe so wenig Macht im System, dass ich sowieso niemand etwas vorschreiben kann … Also bin ich irgendwann dazu übergegangen, einfach meine Sichtweise der Dinge zu schildern und warum ich etwas denke und will. Meine Logik bzw. Kosten-Nutzen-Rechnung erklärt. Und gesagt, dass ich aber jederzeit für ein besseres Argument zu haben bin. So gehe ich ja auch mit Außenstehenden um.

Die Grundidee dahinter ist einfach nur das ernst nehmen. Wir haben ein Grundziel und verschiedene Wege/Betrachtungen/Versuche dahin zu kommen. Der sinnvollste und effektivste Weg (egal welcher Form) gewinnt. Der springende Punkt dabei ist aber, dass es nicht manipulativ gemeint ist.

Irgendwann war mir manches einfach wirklich Wurst. Zumal doch eh getan wird, was „gewollt“ wird. Ich kann daher auch nix dazu sagen, ob täterloyale Anteile und wir tatsächlich an einem Strang ziehen, nur einige oder gar keine (und ich nur an der Nase herum geführt werde). Logisch ist für mich aber, dass ich sie nicht über Bevormunden, Bestrafen, Ablehnung, Kritisieren oder Manipulation ins Boot holen kann 🤷‍♀️.

DIS: Blackout & Greyout

Heute sprechen wir mal über die kleinen Unterschiede bei Blackouts….

Blackouts

Zum Blackout kommt es, wenn eine Persönlichkeit vor wechselt, zu der die amnestischen Barrieren noch sehr hoch sind.
Letztendlich fühlt es sich so an, wie man sich einen Blackout vorstellt. Von einer auf die nächste Sekunde ist bspw. die Sonne bereits untergegangen oder es ist früher Morgen, obwohl eben noch Abend war. Oder du stehst gerade noch draußen und suchst deinen Schlüssel und im nächsten Moment bist du in deiner Wohnung und kochst dir etwas zu essen. Dabei hast du keinerlei Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert ist. Es ist, als würde jemand mit dem Finger schnippen und plötzlich ist Zeit vergangen. Dabei können bis zu mehrere Stunden, Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre fehlen.

>>Kennt ihr das?
Wenn ihr aufwacht
Und ihr dreht euch noch mal um
Und schlaft dann ein
Und auf einmal seid ihr fünf Jahre älter
Schäbig ist das<<

Prezident


Dazu muss man aber sagen, dass einem das nicht immer auffällt. Bei mir bestand lange Zeit, und besteht noch heute oft, die Amnesie zur Amnesie. Oftmals fällt mir dann nur auf, dass ich nicht da war, wenn etwas ohne mein Wissen in der Wohnung verändert wurde. Eigentlich machst du normalerweise einfach weiter, als wäre nichts gewesen, weil es dir gar nicht gravierend auffällt. Dissoziation „sei Dank“.

Es gibt aber auch Persönlichkeiten, die bspw. vorn sind und dann rausgekickt werden und plötzlich wieder in der Innenwelt sind. Und es gibt auch welche, die, soweit ich das von hier weiß, gar keine Blackouts erleben, da sie eine Beobachterposition innehaben.

Seit dem neuen ICD-11 gibt es auch eine neue Unterteilung der DIS-Typen.
Dabei wird in Typ 1 unterschieden, wo es zu Wechseln bzw. volldissoziierten Handeln nur in Stresssituationen kommt und in Typ 2, wo volldissoziiertes Handeln auch im normalen Alltag ständig auftaucht.
Die Aussage: „Nur wenn man den ganzen Tag über viele Blackouts hat, hat man auch eine DIS“ stimmt so also nicht ganz.

Hier ist es z.B. auch so, dass es keine extremen Wechsel gibt. Also ich denke, das hat mehrere Faktoren: Zum einen, dass wir eine viel ruhigere und sicherere Umgebung als früher haben. Das macht sehr viel aus. In Hochstresssituationen bin ich z.B. kaum noch anwesend. Zum anderen denke ich aber, dass wir generell nicht wild durch die Gegend wechseln (mit vollständigen Blackouts). Und offen schon gar nicht, also so, dass es anderen besonders auffallen würde. Ich habe mich z.B. auch noch nie plötzlich in einer anderen Stadt wiedergefunden … Glaub ich 🤔

Greyouts

Greyouts sind eine Art Miniblackout. Das ist eher die Form, die überwiegend auftritt, also besonders oft über den Tag verteilt.
Man merkt das bspw. daran, wenn man sich in einem Gespräch befindet und plötzlich feststellt, dass man einen Teil davon nicht mitbekommen hat. Das kann natürlich „nur“ mit dissoziieren zusammenhängen (z.B. wenn es ein schwieriges Thema ist) oder aber es kann zwischendurch auch eine andere Person vor wechseln (das fällt meist daran auf, wenn man das Gespräch problemlos weitergeführt hat und sich z.B. wundert, was man angeblich gesagt haben soll).

Hier ist es dann so, dass oft Information zu geschoben werden (was ich auch schon von einigen anderen so gehört habe). Also dass entweder derjenige, der vorn war, öfter aber macht es jemand, der sich im Hintergrund auffällt und eher beobachtet, dir wie auf einem Notizzettel zuschiebt, was eben passierte. Wenn guter Kontakt zu demjenigen besteht, dann ist es mehr wie ein richtiges Gespräch. Größtenteils kommt das bei mir aber so an wie ein spontaner Einfall oder Gedanke, der sich aufdrängt. So als würde ich einen Filmausschnitt sehen (nur halt ohne sehen 🤔 – Vllt. trifft es ‚fühlen‘ besser, hier läuft so vieles über Fühlen ab, eher wie ein 6. Sinn) und dann wissen „Ah, da war das und das los“ .

Auch das macht es schwierig, solche (Mini)Blackouts als das zu erkennen, was sie sind. Du denkst ja dann, du wärst eben nur mal wieder unaufmerksam gewesen. So wird nach Außen aber auch ein besseres Bild von „normal“ aufrechterhalten (und auch für die Frontpersonen, besonders, solange auch sie nichts von der DIS wissen sollen).
Bei solchen Gesprächssituationen kann es für Außenstehende dann z.B. so wirken, dass man plötzlich während des Gesprächs eine ganz andere Meinung bekommt oder die Stimmung stark schwankt oder man sich eben nicht daran erinnert, worüber man gerade gesprochen hat. Mein Lieblingssatz, den ich eigentlich in fast jedem Gespräch mindestens 1x sage ist: „Um was ging’s gerade?“

Weiter zeigen sich solche  „Miniblackouts“ darin, dass generell Sekunden oder Minuten fehlen. Sowas bekommst du normalerweise gar nicht mit, es sei denn du guckst den ganzen Tag akribisch auf die Uhr. Oder an anderen Kleinigkeiten, wie z.B., wenn ich den Aufwasch mache und zum Glas greifen will, um es abzuwaschen und dann steht es bereits fertig aufgewachsen neben der Spüle, obwohl es eben noch dreckig war. Auch wenn die Tasse plötzlich ausgetrunken oder der Teller aufgegessen ist und du dich nicht oder nur kaum daran erinnern kannst. Also so, als hättest du es nur von irgendwo ganz wage mitbekommen.
Oder du hast eben noch deinen Schlüssel in der Hand und willst ihn in die Tasche stecken, machst sie auf und plötzlich liegt er schon drin. Und dann guckst du die andere Hand ganz verwundert an und denkst dir nur so „Hä?“ . Fragst dich dann aber auch nicht weiter.

Also hier ist es auf jeden Fall so, dass es dazu den ganzen Tag über kommt. Eigentlich fühlt es sich für mich an, als wäre ich den ganzen Tag anwesend. Wenn ich mich dann aber an den Tag erinnern will, eher so, als hätte ich im Zug gesessen und alles nur an mir vorbeirauschen sehen. Manches habe ich mitbekommen. 50 – 60% aber eher, als wäre ich gar nicht richtig mit dabei gewesen oder hätte nicht hingeschaut (wie in der Zuganalogie).

Schlusswort

Ihr seht, es ist also gar nicht ganz so leicht, eine DIS nur an Ihren vielen Blackouts festzumachen. Vieles bekommt man manchmal gar nicht mit und auch hier gilt wieder: Nicht jedes System ist gleich.
Die einen wechseln besonders viel am Tag (und bekommen es mit) und andere wechseln weniger oft. Auch das hat nichts mit der Schwere des Traumas oder der Echtheit des jeweiligen zu tun, sondern damit, was das System als sinnvoll erachtet und braucht.

Ein Unterschied zur pDIS und ESD ist eher darin zu ziehen, dass es bei der DIS mehrere ANP’s gibt. Generell muss ich manchmal aber sagen, dass es (finde ich) eigentlich ziemlich Wurst ist, ob DIS oder pDIS. Die Behandlung ist gleich, die Traumata oft auch. Macht euch da bitte keinen Stress, das immer so exakt unterteilen zu müssen.
Guckt, gerade wenn sich Anteile nicht vor trauen bspw. in der Therapie und nur indirekt (von Innen beeinflussen/Co-Bewusst) auftauchen, lässt sich ganz schwer zwischen DIS und pDIS unterscheiden. Bei uns ist es z.B. auch ein Problem gewesen, dass wir schon seit Jahren allein wohnen und Switches mit niemand abgleichen können. Wenn du die Blackouts dissoziierst, kannst du auch nicht angeben, dass du welche hast.
Bei uns stand deshalb ganz lange die pDIS Diagnose. Dass die Diagnose am Ende in eine DIS umgeändert wurde, hat jedoch an der Echtheit der anderen bzw. des gesamten Systems, unserer Traumata und auch an unserem Heilungsweg absolut nichts geändert. Macht euch da also keinen Stress.

*Der Vollständigkeit halber noch der Unterschied zur ESD:
Bei der ESD hast du wie bei der pDIS auch nur einen ANP und mehrere EP’s. Jedoch sind diese nicht so weit abgespalten wie bei der pDIS/DIS. Bei der ESD gibt es noch das Kern-Ich und von diesem haben sich mehrere EP’s abgespalten, sind jedoch noch immer ein Teil deines Selbst. Sie haben zwar eigenständige Bedürfnisse und Gefühle, jedoch noch kein vollständig eigenes Bewusstsein. Es bestehen auch keine Amnesien zu ihrem Handeln. Ich schaue mal, dass ich die Unterschiede demnächst nochmal versuche grafisch darzustellen.


(Und auch noch interessant zu wissen vllt.: Innerhalb eines pDIS/DIS-Systems kann es auch Anteile mit ESD geben, genauso wie einige ihre eigene DIS haben können. Und auch Frontpersonen können eine pDIS haben, das macht die Diagnosestellung dann umso schwerer, da man wie eine ESD oder pDIS wirkt, obwohl dahinter eigentlich eine DIS liegt)

Zweifel vs. Lügen

,,Wissen Sie wovor ich manchmal Angst habe? “ – ,,Nein, wovor denn?“ – ,,Das ich eines Tages hier her komme und Sie mich wegschicken. Das Sie dann wütend sind und sagen, dass Sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, weil sie meine ganzen Lügen durchschaut haben“ .

Mit dieser Aussage ging ich einmal in eine Therapiestunde. Ich saß im Wartezimmer und plötzlich überkam mich die fürchterliche Angst, dass genau das passieren könnte.

Das Gefühl zu Lügen ist aber anders als die Zweifel. Wenn wir an der Diagnose zweifeln, dann sind wir unsicher. Unsicher ob das alles stimmen kann, ob man sich das nicht doch alles nur einbildet. Ob man das nicht vllt doch nur alles erzählt und macht, weil man Aufmerksamkeit möchte oder etwas anderes für alles der Grund ist, was wir uns nur nicht eingestehen wollen. Man fragt sich dann: ,,Existieren die anderen wirklich oder bin das alles ich? Erfinde ich das alles nur? Haben sich auch die Behandler getäuscht? Oder habe sogar ich sie getäuscht?“ – Akzeptanz all dessen würde dazu führen, dass man auch das Trauma anerkennen, akzeptieren und realisieren muss. Oder das Erinnerungen bewusst werden, die aus einem guten Grund nicht mehr zugänglich sind.
Deshalb zweifelt man (oft).
Man ist sich unsicher und schwankt ständig zwischen Akzeptanz und dem Schmerz des nicht wahrhaben wollens/könnens. Und das kann einen extremen Leidensdruck mit sich ziehen.

Wenn mich jedoch das Gefühl überkommt, ich wäre ein Lügner, dann zweifele ich nicht mehr. Ich bin ÜBERZEUGT davon, dass ich lüge.

Als ich vor Wochen von der Massage kam (die der Fonds für s. Missbrauch übernimmt – Naja, zumindest wenn er denn auch mal zahlen würde), stand ich z.B danach zuhause in der Küche, bereitete das Essen zu und hatte auf einmal diese Sätze (+ dazugehörige Überzeugung) im Kopf:
,,Krass wie du es geschafft hast den Fond davon zu überzeugen, du wärst missbraucht worden und das die dir das jetzt einfach bezahlen. Naja, das klappte ja aber nur, weil du deine Therapeutin auch davon überzeugen konntest. Wahnsinn wie du das gemacht hast! Du hattest ein ganz normales, schönes Leben und hast es geschafft, jeden von deinen Märchen zu überzeugen! Das ist schon fast wieder beeindruckend!

Und das sind dann keine Gedanken, ob ich das VLLT gemacht haben könnte, sondern ich bin felsenfest davon überzeugt. Daran lässt sich dann nicht rütteln.
Ich lüge.
Die ganze Zeit.

Da hilft dann auch kein Realitycheck mehr, keine Listen oder Gegenüberstellungen. Nichts.
Diese Überzeugung ist so stark, so überstülpend, so absolut und nicht mit den Zweifel-Phasen vergleichbar (obwohl diese wirklich auch sehr stark und extrem belastend sein können!).
Da ist einfach keine Kontrolle mehr darüber möglich.
Auch egal welches Argument hergenommen wird (z.B das es Amnesien, Stimmen hören oder andere Symptome bereits gab, lange BEVOR ich überhaupt wusste was eine Dis ist), es wird von Innen ein Grund gefunden, dieses „logisch“ aus dem Weg zu räumen.
Und zwar damit, dass ich einfach Lüge. Chronisch.
,,Ich bin krank, wirklich krank“ ist dann immer wieder im Kopf. Krank, weil ich so ein abartiger Lügner bin. „Ich habe mein Lügen nicht mehr im Griff. Ich kann es einfach nicht beenden. Ich bin wirklich richtig krank und sollte mich lieber darauf behandeln lassen!“ (und im schlimmsten Fall kommen dann leider auch Selbstverletzungsgedanken/-handlungen verschiedenster Art).

Auch wenn ich manchmal Kommentare oder Mails bekomme, worin man mir sagt man finde sich in meinen Beschreibungen wieder, verstehe „ich“ das dann oftmals gar nicht.
,,Ich lüge doch. Ich erfinde das doch alles nur?! Wie kann sich da jemand darin wiederfinden?
Und dann werde „ich“ ganz verzweifelt.
,,Schau was für ein verdammt guter Lügner du bist! Bei wie vielen Menschen du geschafft hast, dass sie dir glauben! Therapie, Fonds, Podcast, Videos und ein Blog! Wenn die wüssten, dass du alles nur erfindest! Du bist gefährlich und schwer gestört! Die schadet allen Menschen nur!“ .

Die Angst zu lügen, begleitet Sie ja aber öfters…“ antwortete die Therapeutin damals auf unsere Befürchtung.
Ja, richtig, sie ist sehr oft präsent.
Aber warum?
Wir können schon lügen.
Ganz klar.
Und wir können genauso unauffällig lügen, wie wir uns Schmerz nicht anmerken lassen können. Wenn es notwendig ist und z.B irgendetwas Privates (durch Außenstehende) bedroht scheint.
Aber wir haben noch nie über unsere Geschichte gelogen. Es im Gegenteil eher noch relativiert.
Also woher kommt diese Angst oder gar diese Überzeugung?

Weil damals immer gesagt wurde, man wäre ein Lügner? Nichts würde stimmen, was man sagt. Und scheinbar gäbe es nicht mal einen erkennbaren Grund für diese ganzen Lügen (etwas das unsere Mutter stets betonte – ein Kind, das ihr aus reiner Willkür das Leben kaputt zu machen versucht).
Hat sich diese Überzeugung bei einigen deshalb so im Inneren verfestigt??
Ich weiß es nicht.

Wie innere Kommunikation aussehen kann

Ich muss jetzt den gleichen Satz, wie beim Beitrag zum Co-Bewusstsein, verwenden: ,,Klar, schreib erstmal was, wovon du so gaaarr keine Ahnung hast.“ Toootaaal hilfreich für andere 😂

Im Bezug auf das Leugnen und Zweifeln stellte das für mich lange echt ein großes Problem dar. Ich habe Fachbücher und -artikel am Anfang verschlungen, weil ich wissen wollte: ,,Wie läuft das mit der Kommunikation jetzt genau ab? Kann das bei mir sein, wenn das so und so ist oder ist das jetzt nur meine rege Fantasie?“ . Irgendwie dachte ich nämlich, es darf bloß ganz klare und laute Stimmen im Inneren geben und alles andere hängt dann nicht mit diesem Thema zusammen. Mittlerweile können wir das ein bisschen differenzierter sehen…

Stimmen hören

Ich hab das schon in anderen Beiträgen erwähnt. Da es für mich anfangs aber ein unglaublich wichtiges Thema war und ich auch mehrfach danach gefragt wurde, möchte ich das nochmal aufgreifen. Ich ging anfangs davon aus, dass „Stimmen hören“ automatisch und immer so gemeint ist, dass die Stimmen auch akustisch wahrgenommen werden. Akustisch heißt: Ein männlicher Anteil redet z.b im Inneren mit männlicher tiefer Stimme. Ein anderer mit männlich hoher Stimme. Es ist eine klar kindliche, frauliche usw. Stimme hör- und deshalb auch auseinanderhaltbar.

Hier ist das nicht der Fall.

Manchmal kann ich eine Stimmfarbe kurzzeitig wahrnehmen. Kindlich oder männlich. Meist ist es jedoch so, dass die „Stimmen“ eher in der gleichen Form erscheinen wie normale Gedanken. Bsp.: Es gibt eine Gedankenstimme, die aber nicht akustisch erscheint, sondern anders. Das ist die, die z.B erscheint, wenn ich lese oder denke, aber nicht automatisch auch meine Stimme im Außen ist. Sowas dürften die meisten kennen. Und in dieser Form der „Stimme“ erscheinen meist auch die anderen. Der Unterschied (zur Lesestimme usw.) ist der, das sie sehr intrusiv sind. Sie „drängen“ sich quasi auf. Sie kommen nicht von mir. Sind „lauter“. Intensiver. Eindringlicher. Als würden sie aus einem anderen Teil der Wohnung kommen und nicht aus meinem Mund (übertragen auf das Innerliche).

Weiter dachte ich lange Zeit, es müssten immer klare und ausformulierte Sätze erscheinen. Bei einigen ist das nämlich so. Hier nicht. Meist kommen nur einzelne Worte/Wortfetzen und der Rest des Satzes erscheint mehr als eine Art „Gefühl“ (ich höre/weiß also trotzdem was gesagt wird – Hier ist aber kein Körpergefühl damit gemeint). Ich weiß quasi was gesagt/gemeint ist, ohne das aber ein Wort für Wort ausformulierter Satz gesprochen wird.

Das Problem dabei

In der Therapie saß ich dann da und wenn meine Therapeutin fragte, was die anderen zu einer Sache/einem Vorhaben meinen/denken, dann konnte ich schwer direkt darauf antworten. [Ich] erwartete von uns, dass sofort jemand sagt: ,,Ja, also ich denke da dies und jenes und dann noch das dazu“ . Manchmal passiert das, meist ist es aber so das ich da sitze und die Frage gar nicht beantworten kann. Wenn ich aktiv am Reden/in der Situation bin, ist das hier kein lautes herum Geschreie, sondern viele äußern sich dann anders (dazu gleich mehr).

Für mich war das dann in der Situation aber wiederum ständig die Bestätigung: ,,Siehste, du bildest dir das alles ein. Du lügst und bindest jeden einen Bären auf!“ , weshalb ich dann wieder blockte und ein konstruktives Arbeiten in der Therapie diesbezüglich oft schwer möglich war. Mittlerweile tasten wir uns aber ganz langsam an die verschiedenen Arten der Kommunikation heran. Und das bringt wiederum etwas Entspannung rein. Dabei versuche ich als Mantra zu behalten: ,,Was gerade nicht möglich ist, ist eben nicht möglich. Nur weil das Eine aber nicht geht, schließt es das andere nicht aus.“ . Das klappt mal besser, mal schlechter.

(Übrigens hab ich gehört, kann sich das mit der Zeit bessern. Also wenn z.B durch die Therapie der Innenkontakt gestärkt wurde, kann es auch sein das man die anderen klarer und deutlicher hören kann. Muss aber nicht)

Weitere Möglichkeiten der Kommunikation

Wie gesagt, wir sprechen jetzt nur von dem, was wir bisher ausmachen konnten. Dabei will ich unbedingt erwähnen, dass es Systeme gibt, wo die einzelnen Anteile unterschiedlich kommunizieren (so wie auch hier). Das es aber ebenso Systeme gibt, wo alle Reden oder wo sich alle nur über Gefühle äußern (es also gar kein Stimmen hören gibt), usw. So unterschiedlich wie wir alle als Individuum sind, ist auch das, was wir wahrnehmen! Wenn bei dir niemand redet, heißt das nicht, dass er nicht da ist. Das alle (p)Dis-Systeme Stimmen hören müssen, ist längst überholt!

Gefühle und Körperreaktionen

Hier nehme ich zumindest klar wahr, dass ich selten allein da bin. Um sich mitzuteilen muss hier niemand nacheinander rauswechseln. Im Prinzip bin ich ständig irgendwie beeinflusst, nur ist es ein langer Weg und eine schwierige Aufgabe auszuklamüsern, wann etwas rein von mir kommt und wann jemand anders seine Finger mit ihm Spiel hat.

Vieles funktioniert hier auch über Gefühle. Nicht nur: ,,Boar, den finde ich jetzt aber total scheiße!“ (also direkte Gefühle wie Ablehnung, Wut, Trauer oder Freude, die parallel im direkten Kontrast zu meinem Empfinden stehen können). Sondern auch Botschaften werden über Gefühle mitgeteilt. Das „Halt den Mund“ taucht bei uns zwar auch als klare Sätze auf, oft jedoch sogar eher als Gefühl. Dann stellt sich dieser unbeschreibliche Drang ein, jetzt bloß kein weiteres Wort mehr zu sagen. [Ich], die das rational betrachtet und den Sinn dahinter nicht versteht, versucht dann weiter zu reden. Manchmal kann das dann klappen (wenn z.B nur Scham-Anteile etwas gegen das Reden hatten) oder es kann aber auch sein, dass der Mund plötzlich wie zugeklebt ist oder ich anfange zu dissozieren.

Ich verliere dann total den Faden. Weiß nicht mehr um was es überhaupt ging. Oder hab gedanklich noch das Gefühl da, was ich sagen wollte. Kann es aber nicht mehr ausdrücken. Die Worte fehlen dazu. Als würde sie jemand unter Verschluss halten/wegnehmen. Das kann sowohl im Gespräch mit Außenstehenden passieren, wie aber auch wenn ich selbst nur über etwas nachdenke. Es gibt Themen, wenn ich mich diesen nähere, da gibt es einfach kein Weiterkommen. Der Vorgedanke ist weg und erst recht der, wie es weiter gehen sollte. Rein das Gefühl bleibt bestehen, dass doch da gerade etwas war und es jetzt irgendwie nicht weiter geht.

Das kann dann auch Schmerzen an verschiedenen Körperstellen zu Folge haben („Hör jetzt auf damit, sonst tut es gleich noch mehr weh!“ ) oder das „ich“ plötzlich aufstehe, weil mir etwas ganz anders einfällt, was ich machen muss (sodass das Thema nicht weiterverfolgt werden kann).

Innere Bilder

Das hat lange gedauert, das zu kapieren. Ich habe das immer als Einbildung, Pseudo-Halluzination usw. abgetan. Tue ich auch jetzt noch oft, aber ich kann mittlerweile den entsprechenden Anteil(en) auch zugestehen, dass das ihre Art der Kommunikation ist.

Damit ist gemeint, das z.B abends im Bett (also meist bei Ruhe, das kann aber auch tagsüber auftauchen) innere Bilder erscheinen. Verschiedene. Für mich ist noch immer sehr schwer auszuklamüsern, was nun eine Art der Kommunikation, was ein Bild anderer (im Innen) und was eine bildhafte Intrusion ist. Also an sich lässt es sich schon auseinander halten. Mit inneren/anderen Personen kann ich manchmal sprechen (bzw. sie bewegen sich auch, agieren, reagieren), bei Intrusionen fühlt es sich wie die Vergangenheit an (auch wenn ich nicht jede Szene selbst kenne) und auch maladaptive Träume fühlen sich ganz anders an. – Da spielt halt das Leugnen-Ding mit rein und so, naja.

Bei den Bildern (in Form der Kommunikation) ist es dann so, dass derjenige Anteil keine Worte verwendet, sondern mir über Bilder mitteilt was er gerade von etwas hält. Das (Bild) kann auch manchmal etwas recht banales sein. Das funktioniert so ähnlich, wie wenn sich z.B das Unterbewusstsein mittels Bild-/Symbolsprache in den Träumen bemerkbar macht. Ist er/sie/es z.B gerade gut drauf, kann auch mal etwas total witziges kommen, wo ich dann lachen muss und denke: ,,Äh ja, oookay? 😂. Schön das du darüber so einen Spaß hast.“ .

Oder es kommen sehr düstere Bilder. Zur Unterscheidung: Da gibt es einmal die Bilder, die wie die Darstellung eines Traumas aus der Sicht eines anderen aussehen und dann gibt es die, die manchmal einem Gruselfilm gleichen (Fratzen, Monster, Clowns, Verletzungen, usw.). Die aber keinen (konkreten) realen Charakter haben, sondern mehr ein deutliches Gefühl/Wahrnehmung widerspiegeln. Statt Worte wie etwas erlebt wird/wurde, also ein entsprechendes Bild dazu. Als würde sich jemand Stummes versuchen über Bilder mitzuteilen.

Schriftlich

Viele Systeme arbeiten mit sogenannten Kontaktbüchern, wo jeder die Möglichkeit hat, sich schriftlich in einem gemeinsam zugänglichen Buch auszudrücken und mitzuteilen. Das klappt hier überhaupt nicht. Also so null komma niente nada gar nicht 😅🙈. Was aber möglich ist, ist das z.B eine eMail an die Therapeutin geschrieben wurde (was aber eher selten passierte) oder auch das an manchen Beiträgen auf dem Blog andere mitarbeiten. Dann wird zwar trotzdem oft mir das tippen überlassen, aber fast keine Aussage in den entsprechenden Texten kommt auch tatsächlich rein von mir. So im Lesen solcher Mails und Texte im Nachhinein, lese ich dann sehr oft andere heraus.

Andere müssen dich, wenn sie schriftlich kommunizieren wollen, also nicht immer komplett rauskicken (mit Amnesie) oder für dich klar auffällig deine Hand/Finger übernehmen (obwohl ich schon von Depersonalisation sprechen würde 🤔 – in dem Moment check ich das meist nur gar nicht so richtig). Vllt interessant dazu noch zu sagen ist, dass ich beim Schreiben dieser Texte zwar meist dabei bin (und oft auch Erinnerung daran habe mit dem Schreiben angefangen zu haben), aber nicht mehr weiß um was es eigentlich ging, was wir da schrieben oder was überhaupt das Thema des Textes war. Das stelle ich dann erst im Nachhinein fest.

Weiter gibt’s bei uns aber z.B auch eine Form der inneren, schriftlichen Kommunikation und zwar über Post-it’s. Der klebt dann halt einfach nur im Inneren und nicht nicht irgendwo im Außen. Ist aber genauso beschriftet. Lustigerweise sind diese Post-it’s scheinbar nur leider irgendwie nie für mich bestimmt 😅. Ich seh den halt kleben und lese auch den Text darauf, aber in der nächsten Sekunde ist der Post-it dann direkt wieder weg und mit dazu das, was drauf stand. Also ich weiß noch wie viel Text und das überhaupt Text darauf war und das ich den auch gelesen habe, aber irgendjemand klaut mir dann einfach das Wissen über den Inhalt 🤷‍♀️. Der Briefverkehr scheint mich wohl nix anzugehen 😅.

Wie gut die Kommunikation momentan bei uns abläuft

Ich würde sie eher als sehr einseitig beschreiben.

Wer im inneren Bock hat kommentiert oder redet. Wenn ich Bock habe zu reden, bekomme ich jedoch nur selten eine Reaktion oder gar die, die ich erwarte/mir erhoffe.

Klar kann ich Fragen stellen und bekomme manchmal auch Antworten. Vor allem mit denen, die eh meist mit da sind, klappt das mittlerweile recht gut. Antwort heißt dabei aber auch, dass ich durchaus mal 3 verschiedene Antworten bekommen und logischerweise damit so gut wie gar nichts anfangen kann.

Das heißt aber nicht, das wir nicht manchmal echt gute Diskussionen führen oder auch miteinander lachen können. Das heißt lediglich, dass es hier halt einfach nur nicht so hinhaut, wie oft beschrieben oder von einem selbst (mir) auch gewünscht wird. Vor allem da ich leider zu vielen einfach gar keinen Kontakt habe/bekomme.

Und auch ein Problem ist hier, dass wenn der Kontakt besser wird (obwohl ich nicht weiß, an was es letztendlich wirklich liegt), das Leugnen wieder unglaublich stark anfängt (auch wenn sich das für manche blöd anhören mag, aber das unterliegt eben nicht immer deiner bewussten Kontrolle, von wegen „Dann hör halt einfach auf damit“ ). Und danach ist es dann ein bisschen so, als würde ein Reset-Knopf gedrückt und alles wieder auf Anfang zurückgesetzt. Bisher war das 2x so. Aktuell hatten wir so einen Fall im Winter.

Trauma und Dissoziation

Anfangs wollte ich unbedingt wissen, was genau passiert ist. Mir gingen alle möglichen Sachen durch den Kopf, wie ich an die verschüttenten Erinnerungen ran kommen könnte. Hypnose, schamanische Reisen mit irgendwelchen Pflanzen, usw.
Ich bin da so unglaublich naiv rangegangen, wenn ich daran heute manchmal so zurückdenke.
Ich dachte damals, wenn ich alles wüsste, dann könnte ich das ganz rational bearbeiten und das Hauptproblem wäre einfach nur, dass ich nichts mehr weiß. Klar wird das dann irgendwie erstmal doof sein und kurz schocken, aber … so what?

Letztens las ich einen Kommentar unter einem Video. Dort wurde bemängelt, dass direkt nach dem Thema rituelle Gewalt die Haarfarbe derjenigen thematisiert und zuviel gekichert wurde und das unpassend wäre. Und dabei musste ich so an mich denken.
Wir haben ja nicht nur Traumata in der Kindheit, sondern auch genug aus dem Erwachsenenleben, an die ich auch (teilweise) Erinnerungen habe.
Und ich sprach eigentlich IMMER so darüber.
Vergewaltigungen wurden besprochen und zwischendrin mal eingeworfen ob das Top überhaupt zur Hose passt.
Ernster Blick wechselt sich mich lauten Lachen über irgendeine Absurdität oder die lustige Fliege an der Wand ab.

💁‍♀️ Dissoziation, Baby 💁‍♀️.
Dissoziation machts möglich.

Rational war mir natürlich bewusst, dass das alles nichts Schönes ist und dementsprechend gab es auch ein schlechtes Gefühl dazu. Natürlich. Nur fühle ich generell sehr flach. Ich habe noch nie gefühlt, was wirklich zu den Traumata dazugehört.
Das war immer alles sehr rational. Ich wusste ich wurde vergewaltigt und das Vergewaltigungen schlimm sind. Also muss ich das schlimm finden was mir passiert ist, war meine rationale Verknüpfung. Aber da war und ist nichts. Nicht bei [mir].

Ich muss mich anstrengen ein passendes Gefühl dazu zu zeigen, um anderen Außenstehenden wenigstens irgendwie den ernst der Lage rüberzubringen. Wer glaubt schließlich schon das sowas schlimm ist, wenn man sachlich und ruhig davon erzählt und zwischendrin mal lacht*? Die Ärztin im Krankenhaus wollte mir damals jedenfalls erst nicht glauben. Ich wirkte zu wenig verstört, zu gefasst.

(*lachen ist diesbezgl. übrigens recht weit verbreitet: Es entschärft die Situation, nimmt ihr den Schrecken. Es lässt einen stärker erscheinen, als man eigentlich ist und wirkt sympathischer auf andere. Ich liebe lachen und Humor und erachte diesen auch als wichtige Eigenschaft, aber das viele Lachen in solchen Situationen ist oft eher entweder ein unbewusster Schutzmechanismus oder dem geschuldet, dass die entsprechenden Gefühle dazu so wegdissoziierst sind, dass man übers Trauma genauso wie übers Bügeln spricht)

Und irgendwie dachte ich immer, das wäre normal so. Ich kannte es ja nie anders.
Daher glaubte ich, wenn ich herausfinde was damals passiert ist und was zu der Spaltung geführt hat, würde sich das genauso flach anfühlen. Es würde auftauchen, ich fände es rational schlimm, würde drüber reden und das wars.

Aber dann gab’s einen Schlüsselmoment.
Ich war zuhause und ließ mich aufs Bett fallen. Es war tagsüber und ich wollte eigentlich auch direkt wieder aufstehen.
Plötzlich ging mir intrusiv eine Szene eines alten Disney-Films durch den Kopf. Nur eine kurze. Und auch keine relevante oder besondere. Ich mag den Film noch nicht einmal sonderlich.
Und dann war es, als hätte jemand eine Tür geöffnet. Nur einen winzigen Spalt, durch den etwas hindurchdrang.
Gefühle.
Echte Gefühle.
Unerträgliche.
So unfassbar unerträgliche Gefühle.
Ein so unfassbar furchtbares Gefühl von Angst, Panik und Verzweiflung habe ich noch nie zuvor empfunden. Ich kann es wirklich nicht beschreiben.

Ich wollte nur noch das es aufhört. Das es weg geht und wieder hinter seiner Tür verschwindet. Das war das erste Mal, dass ich ein echtes Gefühl bekam und das ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, ob ich wirklich alles wissen will. Es war nur ein Hauch und wurde mir bereits zuviel. Schändlich oder?
Ich denke, das war vllt auch der Moment wo Innere festgestellt haben, dass ich nicht die Bohne so bereit dafür bin, wie ich ständig behauptet habe. Oder vllt wollten sie mir damit auch nur vor Augen führen, wie lächerlich ich mich benehme und was es bedeutet WIRKLICH eine Ahnung vom Trauma zu haben, sodass ich aufhöre so zu bohren. Ich weiß es nicht.
Seitdem kommt jedenfalls maximal alle paar Monate mal ein winziger Brocken. Aber nie etwas konkretes. Auch keine Gefühle.
Und ich glaube allmählich, ich würde es, so auf einen Schlag, sowieso nicht tragen können.

Mittlerweile bin ich nicht mehr so erpicht darauf, dass ich alles wissen muss. Ich glaube auch nicht mehr, dass es besser wird, wenn man (sofort) alles weiß oder das es überhaupt notwendig ist, das [Ich] alles wissen muss. Mittlerweile hat sich das Ziel geändert.
Ich hoffe das sich die betroffenen Anteile irgendwann mitteilen können, denn ich kann mir nicht im Ansatz vorstellen, wie schrecklich es für sie sein muss, all das allein tragen zu müssen.
Ich möchte nicht ignorant sein und sie, aus Angst, weiter allein damit lassen. Aber ich bohre nicht mehr so unerlässlich. Das hilft weder ihnen noch mir. Das hilft keinem von uns.
Meine Neugierde und den inneren Detektiv kann ich trotzdem nicht abstellen. Aber so allmählich sickert in meinem Hirn ein, dass das alles kein Spaß ist und es auch nicht mit dem (bildlichen/rationalen) Wissen um das was passiert ist, getan ist.

Q&A – Teil 2

Nein keine Sorge, ihr habt den 1. Teil nicht verpasst.

Für Teil 1 haben wir uns nämlich mit Dis Ding und SeelenNetzwerk zu einem kleinen YouTube-Plausch getroffen (🥳👏) . Ende der Woche müsste daher der 1. Teil des Q&A als Video online kommen. Wenn es soweit ist, gebe ich euch dann aber auf jeden Fall nochmal bescheid, inkl. Link!

Heute starten wir aber erst schon einmal mit den Fragen, die wir nicht mehr ins Video mit geschafft haben aufzunehmen… Vor ein paar Tagen kamen nochmal ein paar (zusammenhängende) Fragen herein, für die ich aber gerne einen eigenen Beitrag machen möchte. Also nicht wundern das die hier fehlen. Ich beabsichtige diesen für nächsten Sonntag fertig zu bekommen, sodass auch die ganze Q&A Sache nächste Woche abgeschlossen ist und ihr nicht ewig warten müsst. Allerdings kann es auch sein, dass wir erstmal wieder eine kurze Pause einlegen. Ich weiß es ehrlich gesagt gerade noch nicht.

#1 Bemerkst du wenn du „weg“ bist und wie ist das für dich?

Nein ich merke nicht, wenn eine andere Person herauswechselt und ich für diese Zeit nicht anwesend bin. Ich habe dann einfach eine Amnesie (Blackout). Oft ist es sogar auch so, dass mir Stunden fehlen können, aber ich (beim wiederkommen) noch (bzw. wieder) an der gleichen Tätigkeit sitze. Mir fällt der Wechsel dann maximal anhand der fehlenden Stunden auf.

➡️ So etwas kann z.B zum Sinn haben (also von den anderen so beabsichtigt), dass der Frontperson eben der Wechsel nicht auffällt. Was die dann in dieser Zeit tun – keine Ahnung 🤷‍♀️.

#2 Wie erlebst du Co-Bewusstsein?

Bei der Frage würde ich euch einfach direkt auf einen Beitrag von mir zum Co-Bewusstsein weiterleiten. Der ist zwar schon ein bisschen älter, aber im Prinzip kann ich nicht so extrem viel Neues dazu sagen.

#3 Hast du viele Amnesien?

Alltagsamnesien? Ne, ich glaube nicht. Aber dazu muss man halt auch sagen, dass es äußerlich gerade recht ruhig ist und das nicht wirklich notwendig sein dürfte bzw. ich es, wenn, eh nur sehr selten checke. Also man muss ja zu den Amnesien sagen, dass das auch nicht immer welche von Stunden oder Tagen sind. Minuten Amnesien gibt es hier auf jeden Fall viele. Das definitiv. Oder was sehr, sehr häufig vorkommt ist, dass ich mich generell kaum an den Tag erinnern kann. Dazu habe ich dann keinen kompletten Blackout, aber was wirklich vorgefallen ist, weiß ich auch nicht mehr.
Aber so Situationen, dass ich mich plötzlich in einer ganz anderen Stadt wiederfinde, die gibt es eigentlich nicht.

#4 Kannst du dich an deine Kindheit erinnern?

Temporär ja. Also ich habe auf jeden Fall so ein Bild im Kopf, was konstant erscheint. Erst bei näheren hinschauen habe ich bemerkt, dass ich eigentlich kaum Erinnerungen habe. Also Weihnachten, Geburtstage, Ostern oder andere Feiertage: Da gibt es jeweils vllt 3-4 einzelne Szenen, das war es. Und auch sonst fangen die Erinnerungen, die man vllt als annähernd konstant/flüssig/zusammenhängend bezeichnen könnte, wohl eher so ab 12/13 Jahren an. Frühstens. Vorher ist viel schwarz, aber mein Hirn hat die wenigen Erinnerungen halt auf die dementsprechende Länge gestreckt (siehe auch „Falsche Erinnerungen„), sodass es mir immer vorkam, als wüsste ich eigentlich sehr viel.
Es gibt, was ich im Abgleich mit einer alten Schulfreundin so festgestellt habe, allerdings schon eeeecht viele schwarze Stellen. Also mega viele Situationen die in meinem Hirn einfach so gar nicht existieren 😅🤷‍♀️ .

Auch erzählte sie z.B mal, dass ich früher in der Schule zu Wochenbeginn oft meinte, dass ich das gesamte Wochenende durchgeschlafen hätte und daher nichts davon wüsste oder mich auch deshalb nicht mit ihr treffen konnte. Davon weiß ich überhaupt nichts mehr und ohne den Abgleich mit ihr, wüsste ich davon bis heute nichts. Auch in einem früheren Tagebuch gibt es teilweise Monate bis zu einem Jahr Abstand zwischen den Einträgen. Inwieweit das mit einer Amnesie zusammenhängt oder ich da einfach nur keine Lust hatte reinzuschreiben, weiß ich nicht.

Und so im Alter von vllt 6-11 existieren fast überhaupt keine Erinnerungen. 2-3 vllt, aber das auch nur ohne konkrete zeitliche Zuordnung. Meine Grundschulzeit fehlt fast komplett.

Um die Frage also zu beantworten: Ich denke, dass ich mich sehr gut erinnere. Erinnere mich in Wirklichkeit aber an so gut wie überhaupt nichts.

#5 Kennst du dissoziative Situationen manchmal auch als „Ich bin mir voll bewusst, aber mein Hirn ist komplett lahmgelegt“ ?

Also ich weiß nicht, ob ich das so richtig verstehe, aber ich antworte jetzt einfach mal so, wie ich es mit diesem Kontext verbinde.

Also hier gibt es sehr oft die Situation, dass ich z.B total abtrifte oder auch im Supermarkt vor einem Regal stehe und ewig vor mich hinstarre. Ich bin dann noch da, aber es funktioniert halt nichts mehr. Es fühlt sich ein bisschen so an, als wäre im Kopf einfach etwas falsch verdrahtet worden. Du stehst da und checkst schon was abgeht (ich höre und sehe auch andere Menschen), aber kannst halt nicht wirklich etwas tun. Manchmal funktioniert es dann, dass ich wenigstens von Innen rufen und drauf aufmerksam machen kann, dass gerade nichts geht. So ein: „Nun mach schon. Spring wieder an!“ . War das damit gemeint? Wenn ja, dann kenne ich das definitiv auch so.

#6 Ich habe keine visuellen Flashbacks. Ist das normal?

Ja! Definitiv ja! Ich dachte am Anfang auch, dass man nur ein Trauma haben kann, wenn man visuelle Flashbacks hat, wie man das halt so aus Filmen oder auch der Literatur kennt. Tatsache ist aber, dass ich mittlerweile, glaube 🤔erst einen richtigen, „typisch“ visuellen Flashback im Alltagsbewusstsein hatte. Überwiegend sind es tatsächlich emotionale oder somatoforme (körperliche), gustatorische (schmecken – z.B kam ich im Sommer mal gar nicht klar, weil erst das Wasser bei meiner Freundin wie Blut schmeckte und ich noch dachte: „Naja, die haben halt einen hohen Eisenanteil im Wasser“, aber später einmal schmeckte auch mein Wasser so. Du trinkst dann und willst dich am liebsten direkt ins Glas übergeben, weil es einfach so widerlich ist), usw.

Was ich allerdings öfter habe sind visuelle Flashbacks in Träumen. Das ist halt schwierig zu erklären, wo da der Unterschied zu normalen Alpträumen liegt. Ich persönlich finde aber, wenn man so einen Flashback erstmal im Traum hatte, weiß man das es einer war. Also klar gibt es da die Zweifel (Zweifler), die all das trotzdem abstreiten. Aber man merkt den Unterschied einfach. Ich verlinke euch dazu nochmal den Beitrag, den ich dazu mal schrieb. Vllt hilft der da etwas.
Aber so generell habe ich auch kaum visuelle Flashbacks und ich denke das ist auch relativ normal bei einer kPTBS bzw. gerade wenn eine dissoziative Störung noch dazu kommt. Hätte man, via Flashback, das Trauma jedesmal vor Augen gerufen, wäre doch auch alles viel zu leicht 😅. Also der Sinn einer dissoziativen Störung ist es ja, traumatisches so gut wie möglich aufzuspalten. Logischerweise werden daher auch Details des Traumas weiterhin von einem ferngehalten. Interessant wäre dazu auch noch zu sagen, dass du auch einen visuellen Flashback haben kannst, aber dir von einer anderen Innenperson die Erinnerung daran wieder geklaut wird, sodass eine Amnesie für den Flashback entsteht.

#7 Mir wurde eine Dis diagnostiziert, ich höre aber keine Stimmen. Hörst du Stimmen? Habt ihr eine gute Kommunikation und wie habt ihr das geschafft?

Also das mit den Stimmen habe ich ja schon mal in ‚pDis/Dis – Formen und Unterschiede‚ näher erklärt. Ja, du kannst auch eine Dis haben, wenn du keine Stimmen hörst. Stimmen kommen (akustisch oder auch nicht akustisch) oft vor, sie sind aber keine Voraussetzung.

Zur Kommunikation: Nein 😂. Unsere Kommunikation ist absolut unterirdisch. Also so zu vllt einer handvoll existiert ein recht „guter“ Kontakt (aktuell sogar zu noch weniger), aber das war es auch schon. Und die sind genauso unwissend wie ich. Das wir uns jetzt also über etwas wirklich relevantes austauschen könnten, davon lässt sich höchstens träumen 😅.
Ich weiß jedoch aber eigentlich, dass z.B sowas wie Meditation zu einer besseren Kommunikation bei uns führt. Bevor ich von der Diagnose wusste und noch recht viel meditiert habe, klappte das super (aber Vorsicht! Viele kommen auf Meditation gar nicht klar!). Also ich dachte da zwar noch, es wären Außerirdische oder irgendwelche esoterischen Tierchen 😅, aber wir haben sehr viel gesprochen.

Seit der Diagnose bzw. seit Realisierung klappt das mit dem Meditieren nicht mehr wirklich. Ich blocke da total und auch alles was an inneren Kommunikationsversuchen ankommt, schmettere ich sehr oft ab.
Auch in der Therapie werden Versuche die Innenkommunikation zu verbessern sehr abgeschmettert (von anderen, aber auch von mir). Also von daher, so nach insgesamt 2,5 Jahren jetzt, kann ich auch nur sagen das die Kommunikation echt noch seeehr schlecht ist und wir auch der Meinung sind, dass das wohl noch ein echt langer Weg sein wird. Man weiß nie was kommt, aber wir rechnen nicht damit, dass wir in den nächsten Jahren einen besonders guten Kontakt herstellen können.

#8 Kannst du die anderen sehen? Seid ihr sehr unterschiedlich?

Nach Außen hin definitiv nicht. Es wechseln aber halt meist auch nur die entsprechenden Anteile heraus, die sich in der Situation ohne Probleme wie die sonst nach außenhin zu erscheinende Person ausgeben können. Nach Außen hin wird man das kaum merken.
Obwohl ich da jetzt noch dazu sagen muss, dass auch ICH (also die, die den Blog größtenteils führt) im Inneren anders als der Körper aussieht, ein anderes Alter hat (ob ich auch einen anderen Namen hab, weiß ich nicht – Franzi fühlt sich richtig und gut an – obwohl wir da auch zu zweit drauf reagieren 🙈, auf Franziska wiederum reagiere ich echt allergisch und fühle mich auch nicht wirklich angesprochen 🤷‍♀️) und ich meistens eigentlich auch nur eine Rolle spiele. Also so fühle ich mich zumindest. Ich könnte euch jetzt nicht sagen, WAS genau die für Außenstehende zu sehende Frontperson ausmacht und was ich dafür spiele, aber das bin auch nicht 100%ig ich. Vllt ergeben wir auch im Mix zusammen, dass was andere sehen und als „Franziska“ kennen 🤔. Keine Ahnung, kann ich euch gerade nicht sagen 🤷‍♀️.

Innerlich sind wir aber definitiv sehr verschieden.
Also so generell ist unser System sehr Fabelwesenlastig. Logischerweise sind einige Anteile KOMPLETT unterschiedlich zu anderen. Es gibt z.B Dämonen in unseren System, die eher ein geringschätziges Empfinden gegenüber der menschlichen Welt/den menschlichen Empfindungen haben. Und die darfst du auch nicht in Gespräche setzen, wo es nur im Ansatz um Okkultismus geht😅. Da gibt es SEHR deutliche Meinungen, die nicht unbedingt den meinen entsprechen und die ich manchmal auch eher unter Verschluss halten würde (und oft auch gehalten werden).

Aber es gibt z.B auch mindestens einen Vampir. Es gibt Narben auf dem Körper, die allein nur aus dem Grund zugefügt wurden, dass man an das Blut heran kommt. Vampire und so halt😅. Also gerade bei Blut gehen einige richtig ab. Das ist schon seeeeeehr unterschiedlich zu mir bzw. dem normalen Alltagsteam. Oder es gibt z.B jemand der eher wie ein Geist ist. Wie eine formlose Wolke. Also ja, wir sind INNERLICH definitiv SEHR unterschiedlich.

Auch Meinungen, Alter und Aussehen unterscheiden sich stark. Also richtig stark. Aber alles was so nach Außen wechselt (was jetzt aber auch nur mein aktuelles Empfinden/Wahrnehmen ist – vllt ändert sich diese Meinung irgendwann), tut so, als wäre es genau das Gleiche, wie das/der Vorhergehende.

Achso und zu dem sehen können: Ja, das kann ich. Teilweise. Als innere Bilder, die auftauchen. Manchmal ist es aber auch so, dass sich eine Person zeigt, ohne das ich ein Bild sehe. Ich bekomme dann ganz viele Gefühle dazu und habe dadurch ein Bild vorm inneren Auge. Das ist aber richtig blöd zu beschreiben.

#9 Habt ihr eine innere Welt?

Äh, keine Ahnung? 😅
Also, ja. Es gibt definitiv eine Welt in der ich die anderen z.B sehe. Die ist sehr grün. Also, ich glaube, ich habe bisher fast jeden irgendwo in einer grünen Natur-Umgebung gesehen.
Und dann gibt es noch einen anderen, eher „mechanischen“ Teil.
Aber das meiste davon kann ich eigentlich nicht betreten, weshalb eine Aussage dazu recht schwierig ist.
Aber es gibt definitiv auch Orte, die wohl mehr imaginativ sind, glaube ich. Also so, wie wenn man in der Therapie einen sicheren Ort erschafft. Ich weiß nicht recht. Irgendwann waren diese Landschaften einfach da, aber gleichzeitig waren sie auch eine Art imaginatives Ding🤔. Wieder schwer zu beschreiben.

#10 Träumst du manchmal von den anderen bzw. kann jemand anderes den Traum
träumen, aber du bist ebenfalls mit im
Traum?

Also erstmal: Ja ich träume von den anderen. Wir begegnen uns schon lange im Traum und einige habe ich ich erst über die Träume (äußerlich) kennengelernt. Das passierte aber schon lange vor der Diagnose (bzw. dem Wissen darum, da eine Diagnose ja schon 4 Jahre, bevor ich davon wusste, existierte). Im Traum bin ich sehr oft eine andere Person. Ich sehe mich als andere Person in einem Spiegel, erlebe deren Leben oder oft gibt es z.B auch eine Kommentatorstimme.
In manchen Alpträumen z.B führt mich diese Kommentatorstimme durch den Traum. In einem Haus voller Dämonen und Monster z.B sagte sie mir mal wo ich hingehen muss, um sicher zu sein. Oder steht mir zur Seite, wenn Träume bzw Traumtode (also eigene) zu schlimm zu werden scheinen, etc.

Manchmal haben wir auch so eine Art „Filmträume“. Dort ist es dann so, als sähe man einen Film über andere, ohne das man selbst involviert ist. Inwieweit das aber mit der Diagnose zusammenhängt, weiß ich nicht.

Ob jemand anderes den Traum aber träumt und ich bin nur dabei, kann ich nicht wirklich beantworten.
Es ist schon so, dass ich in Träumen manchmal nur eine Art „Statistenrolle“ habe, aber inwieweit das dann ein Traum eines anderen ist oder nicht, weiß ich nicht.

Was ich aber manchmal habe/bekomme sind eine Art von „Intrusion“. So würde ich sie jedenfalls beschreiben. Das sind dann aber keine Träume, höchstens vllt maladaptive Träume (sehr lebhafte Tagträume) 🤔. Dort sehe ich dann Erlebnisse aus der Beobachterperspektive. Als Beispiel sah ich ein kleines Mädchen gefes*elt in einem Keller. Das bin dann aber nicht ich, sondern ich sehe da andere Personen. Normale Intrusionen erlebt man ja sonst auch eher aus der Ego-Perspektive.

Wir, [Ich], Ich, „Ich“, Anteile, innere Personen – Was ist gemeint?

Manchmal verwenden wir hier ein paar komische Zeichen/Bezeichnungen, die vll auf den ein oder anderen erstmal befremdlich wirken können. Daher wollten wir mal eine kurze Legende dazu machen, wann was wie gemeint ist:

[Ich]

Damit bin ich (Franzi) gemeint, die auch sonst den Blog überwiegend verwaltet. Damit drücke ich meine ganz persönliche und eigene Meinung aus.

Ich

Damit ist der Körper als Gesamtperson gemeint bzw derjenige der einfach gerade schreibt. Das ist hier nicht wirklich leicht auseinander zu halten, ob man gerade alleine ist (wo ich nicht mal weiß, ob das überhaupt vorkommt🤔) oder wer man gerade überhaupt ist. So leicht erkennbar wie in manchen Dokus oder in Filmen dargestellt (wo immer nur eine Person da ist und es daher klar ersichtlich ist), empfinde ich das auf jeden Fall nicht. Oft sind wir auch wieder im Leugnen drin, dann fällt logischerweise auch nur der Begriff ICH, egal wer gerade da ist oder vorwiegend agiert. Manchmal regt sich auch nur einer auf oder schreibt etwas aus seiner Perspektive (obwohl vll trotzdem mehr da sind, was man jetzt aber nicht unbedingt checkt), dann fällt ebenfalls der Begriff.

Und, ganz wichtig: wird das ICH generell eigentlich für alles was mit Außenstehenden (vor allem außerhalb des Blogs) zu tun hat verwendet. Du kannst ja nicht in irgendeiner Mutti-Facebookgruppe oder so anfangen ständig in der WIR-Form zu reden 😅. Also kannst’e schon, birgt aber unnötiges Stresspotenzial. Im realen zwischenmenschlichen Gespräch ist da zudem auch eine Blockade drin. Nicht mal vor unserer Therapeutin klappt das mit dem WIR. Beim Schreiben geht das besser.
Außerdem muss und wollen wir auch gar nicht, dass ständig alles ausklamüsert wird (von uns und anderen in der Öffentlichkeit) wer und wie viele nun ganz genau da sind. Wenn’s für [MICH] offensichtlich und gerade relevant ist, dann erwähne ich das schon mal am Rande mit. Aber sonst ist der Körper im Alltag und im Außen (also gegenüber Fremden oder Bekannten) eine Gesamtperson und so agiert bzw redet man auch.

„Ich“

Ich erkläre es am besten an einem Bsp: Ich bin mit anwesend, XY reagiert jedoch sehr forsch auf irgendwas. Im Nachhinein checke ich, dass diese Reaktion gar nicht von [MIR] kam, weiß aber auch nicht wer es war. Wenn ich jetzt über diese Situation z.B schreiben will, kann ich logischerweise weder sagen XY war es (entweder weil ich den Namen nicht sagen will oder eben weil ich es selbst nicht weiß), noch das [ICH] es war, daher dann das „ICH“.

Wir/Uns

Logischerweise ist damit die Mehrzahl von Personen/Ansichten gemeint. Das hat aber nichts damit zu tun, das dann immer auch mehrere gleichzeitig schreiben und sich quasi hin und her schubsen dabei 😅. Zum Beispiel wenn [ICH] schreibe über.. . k.A… Wie toll Blumen sind. Als Bsp. Und 2 andere finden das in dem Moment (oder in einem vorhergehenden, wo wir drüber sprachen) auch, dann spreche ich in der Mehrzahl. Einfach weil es nicht nur meine Ansicht ist. Oder es geht z.B um eine Entscheidung, die nicht alleine getroffen wurde.

Wenn wir in der WIR-Form sprechen heißt das aber nicht ALLE sind der gleichen Meinung. Das wird wohl sehr wahrscheinlich niemals vorkommen 😂🙈. Damit ist wirklich eher gemeint, dass da gerade mehrere die gleiche Ansicht haben. Die stehen dann da übrigens auch nicht in Reih und Glied und sagen ihr Zeugs, oder so. Ich weiß auch selten genau, was von wem kommt (so gut ist die Kommunikation nämlich noch nicht wirklich). Manche werfen einfach ihren Senf dazu ein und andere teilen sich z.B über ein Gefühl mit. Und dann geht ICH sagen halt manchmal schwer, weil du einfach in dem ganzen Thema gerade nicht allein denkst oder entscheidest.

WIR kann aber auch heißen, es sind gerade bewusst wirklich mehrere da/gleichzeitig aktiv. Oder wenn es z.B um so Themen geht wie „unsere Wohnung, unser Körper, unsere Mutter, usw.“ – Es ist nach wie vor nur ein Körper, logischerweise bewohnen wir also auch alle die gleiche Wohnung, etc.

Warum sagen wir Anteile?

Letztens wurde kommentiert, dass dieser Begriff im Rahmen der Dis eher nicht so passend ist. Und der Sinn dahinter ist für mich klar nachvollziehbar: Anteile hat jeder Mensch, nur sind sie bei der (p)Dis soweit abgespalten, dass sie ein eigenes Bewusstsein entwickelt haben. Und ja, mich nervt es auch, wenn jemand sagt: ,,Ach, das haben wir doch alle“ – Ja ne, habt ihr eben nicht. Das ist etwas komplett unterschiedliches.

Zur Unterscheidung: [ICH] kann auch verschiedene Rollen haben. [ICH] kann witzig oder traurig sein. [ICH] benehme mich privat anders, wie bei öffentlichen Terminen, usw. Das sind unterschiedliche Rollen, die man einnimmt – Ja, hier kommt auch nicht für jeden Schrips ein anderer raus. Wenn jemand anderes aber kommt, dann ist der kein Zuhause-Ich oder Arbeits-Ich, sondern eine eigenständige Persönlichkeit mit eigenem Denken, Fühlen und Handeln. Er ist keine Rolle von [MIR] selbst, sondern jemand eigenständiges mit Bewusstsein.
Dahingehend ist uns auch oft schon der Begriff „Mensch/en“ über den Weg gelaufen, also das einige diesen in dem Zusammenhang lieber mögen. Da würden wir zustimmen, da das jedem Anteil seine eigene Lebendigkeit zuspricht und nicht zu etwas kaltem, klinischen herabstuft.

Warum sagen wir nun also trotzdem vornehmlich „Anteil/e“?

Aus 2 Gründen:

  • 1. Sind wir trotzdem alle nur ein Teil von einem Gehirn. Jeder von uns ist ein (An)Teil eines Gehirns und eines Körpers. [MICH] eingeschlossen. Daher finden wir den Begriff „Anteile“ gar nicht so unpassend. Jemand natürlich stumpf nur als Anteil zu bezeichnen nimmt ihn durchaus die Lebendigkeit. Definitiv. Da stimmen wir zu. Etwas ähnliches meinte ich ja schon mal, als ich über die verschiedenen „Rollen“ wie Beschützer, usw. geredet habe. Keiner von uns ist ja nur ein Begriff, eine Aufgabe, Anhängsel o.ä, sondern wir haben ein Bewusstsein. Und nur weil wir alle Teil eines Gehirns (also etwas Materiellen) sind, nimmt uns das ja nicht in irgendeiner Form die Lebendigkeit. Einer Einzelperson, mit Bewusstsein, die auch nur auf das eine Gehirn zugreift, würde man diese ja schließlich auch nicht absprechen. Letztendlich und da kommen wir zu Punkt …
  • 2. Ist dieser Begriff aber auch der für andere am leichtesten zu verstehende. Ich rede auf dem Blog ja nicht nur über (p)Dis. Das findet ja erst in letzter Zeit viel mehr Beachtung, weil ich mich endlich damit ansatzweise arrangieren kann. Heißt: Es sind hier auch nicht nur Menschen unterwegs, die automatisch wissen, was ich gerade meine. Und ich finde, ich kann anderen Leuten (die also nicht betroffen sind oder dieses Thema regelmäßig verfolgen) nur schwer verständlich machen, was ich meine, wenn ich von anderen „Menschen„, etc. rede. Nicht weil das falsch wäre, sondern weil ich dann das Gefühl habe, in jedem Text zu viel extra erklären zu müssen. Also wann sind reale außenstehende Personen gemeint, wann innere usw., zumal wir ja auch keine Namen von den anderen nennen.

Also kurz: Wir finden den Begriff „Anteil“ für andere am leichtesten zu verstehen und auch nicht gänzlich unpassend.

Innere Personen

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, mag ich diese Bezeichnung gar nicht. Mir fällt nur immer nix anderes dafür ein. „Innere Personen“ suggeriert irgendwie, dass sich alle nur „drin“ aufhalten, während [ICH] hier draußen alles manage und das ist Schwachsinn. So gesehen ist jeder eine innere Person, sobald er nicht „draußen“ unterwegs ist. Auch ich. Der Einfachheit halber und um für andere verständlich zu machen, was gerade gemeint ist, benutzen wir diesen Begriff aber trotzdem. Vll fällt uns ja irgendwann noch was besseres ein…

(Erzwungene) Soziale Isolation

Ja, der Titel ist irgendwie kacke, aber mir fiel kein passenderer ein 🤷‍♀️. Im Beitrag von vor ein paar Wochen „Wie Selbstbestrafung auch aussehen kann“ (die beiden Beiträge hängen also zusammen) meinte ich ja, dass ich nochmal auf das Ding mit der sozialen Isolation, in Bezug auf Selbstbestrafung, näher eingehen möchte.

Edit: Ich les das gerade Korrektur und dabei fällt mir auf, dass ich schon wieder dermaßen um den heißen Brei herumrede. Es geht kurz und einfach um andere (innere) Personen, die ein Problem mit manchen Themen haben.

Naja, wollen ist die eine Sache

Können die andere. Nein, nicht weil mal wieder ,,Das daaarfst duu nicht maachen“ (stellt euch das bitte total theatralisch gesagt vor, wie in so einem schlechten Hollywoodstreifen – Ja ich werd schon wieder fies 🙈) kommt. Nö, eher hätte ich das wohl gleich abtippen sollen. Wenn dann einige Zeit ins Land gegangen ist, habe ich so gut wie keinen Zugang mehr zu dem was da ablief (brauch also auch gar keiner sagen ,,Sei mal still“ ). Also schon. Ich notiere ja auch immer so ein paar Sachen, während solcher Phasen. Aber irgendwie auch nicht.

Stellt euch meinen Kopf wie eine große Schublade vor, in der sich ganz viele Aktenorder befinden, die mit Karteikarten von einander getrennt sind. Während so einer „Phase“ befinde ich mich im Aktenordner XY und dann springe ich einfach wieder 3 Aktenordner zurück in den „Alles ist doch total normal. Gibt’s etwa ein Problem?“ . Und hier in dem Ordner ist alles so chillig (okay, jetzt übertreibst du), dass ich gar kein Verständnis mehr dafür hab, was in Aktenordner XY so schlimm gewesen sein soll. Versteht diesen Vergleich einer?🤔

Naja, ist ja auch Wurst. Wir tun alle einfach so als ob. Ich hab mich auf jeden Fall entschlossen eine E-Mail von uns (an unsere Thera.) hier zu veröffentlichen. Dann kann ich danach nämlich näher drauf eingehen. Das macht es ein bisschen leichter, einen Faden zu finden. Selbstverständlich (oder leider, je nachdem ob aus unserer oder eurer Sicht gesehen) habe ich die Mail zensiert. Erstmal habe ich sie gekürzt und dann die wichtigen Stellen mit „(…)“ ersetzt. Ihr könnt sie dann mit lesen oder auch nur den anderen Teil. Ich denke eine Triggerwarnung braucht es aber nicht.

Die Mail (1. Teil)

,,Hallo Frau (…),
ich versuche das was die letzten Tage los war irgendwie einmal zusammenzufassen. (…)
Am Mittwochmorgen zeigte es mir auf Facebook eine Erinnerung an, von einem Beitrag den ich letztes Jahr postete. Es ging um einen Text von Frau Huber, der sich um (…) drehte. Ich mag gerade nicht näher darauf eingehen. Und ich weiß nicht genau, was dann der ausschlaggebende Grund war, warum oder was da genau passierte. Ich war auf jeden Fall sehr getriggert. Meine Körper fühlte sich an, als würde er brennen, meine Haut fing an zu jucken und es fühlte sich an, (…) Aber das rollte alles langsam an und kam nicht schlagartig.

Ich tippte dann einfach ins Handy ein, was im Kopf los ging. Welche Worte und Gedanken sich immer wiederholten und veröffentlichte das, ohne drüber nachzudenken, auf dem Blog. Normalerweise bereite ich alle Beiträge vor und lese sie mehrmals Korrektur, bevor ich sie öffentlich stelle. Aber da tippte ich einfach auf veröffentlichen, weil mir das in dem Moment so richtig vorkam. Weil es einmal so echt war und nicht mit so vielen Filtern überzogen und verpackt.

(…) Das ich das veröffentlicht habe, war, glaube ich, nicht so gut. Ich bekomme die genaue zeitliche Abfolge bzw. was was ausgelöst hat aber nicht mehr so gut auf die Reihe, daher versuche ich das einfach niederzuschreiben wie ich es im Kopf habe. (…) Wir sind dann jedenfalls raus. Und ich lief so schnell es nur ging. Sodass es bereits weh tat. Ich wollte das es weh tut. Und dann hab ich irgendwie einen Hänger im Kopf.“

Kommentar dazu

Es ging um einen Post den ich veröffentlichte (ist mittlerweile wieder rausgenommen). Das war ne unüberlegte Handlung, ich weiß auch gar nicht warum ich das gemacht hab. Ich hab das später noch versucht zu retten, indem ich noch etwas dazu schrieb. Mit eher mittelmäßigen Erfolg. Allerdings weiß ich bis heute nicht, was so dramatisch daran war, aber gut. Der war aber nicht der Auslöser. Das hat irgendwie alles komisch zusammengespielt und lag wahrscheinlich eher daran, dass ich mich mit einem bestimmten Thema gedanklich „zu viel“ auseinandergesetzt habe bzw. es kurzzeitig tatsächlich ernsthaft in Betracht zog. Naja egal, weiter im Text…

Die Mail (2. Teil)

,,Als (…) da war, kamen mir manchmal Sachen komisch vor. Schon im Sommer habe ich das beobachtet. Also, also ich komm mir so dämlich vor darüber überhaupt nachzudenken. Ich weiß nicht, er wusste so oft Dinge gar nicht mehr und er war so oft einfach ein anderer (…) und dann wieder ganz normal und ja keine Ahnung. Ich fand einfach Dinge komisch. Und an irgendeinem Abend ging mir auch (…) so durch den Kopf und so Sachen eben. Und ich weiß nicht mehr ob ich am Mittwoch, also am gleichen Tag wie oben, auf diesen Gedanken kam oder vorher. Es fühlt sich an, als hätte ein Sturm in meinem Kopf gewütet und jetzt liegt nichts mehr da, wo es mal lag oder liegen sollte.

Ich hoffe das Sie irgendwie verstehen worauf ich vllt. hinauswill / was ich meine. Ich kann das nicht sagen oder ausschreiben. Bei dem Gedanken daran, kommt da gerade unheimlich viel Scham auf, aber das löst auch noch mehr aus. Ich muss das irgendwie versuchen nur anzureißen.

Auf Instagram folgt mir und folge ich einer Betroffenen, die auch eine Dis hat (…). Ich weiß nicht warum ich das gemacht habe, aber mir fiel niemand anderes ein, den ich hätte fragen können. Also jemand der so direkt betroffen ist. Ich hab gar nicht viel geschrieben, nur kurz angerissen um was es mir geht und wie und ob überhaupt man sowas überhaupt bei (…) merken kann. (…) Ihre Antwort war sehr freundlich und sie hielt sich auch sehr an der Oberfläche auf. Da war also nichts schlimmes (…) Nach ihren Antworten wimmelte ich sie jedoch, so gut es ging, gleich wieder ab und sagte das ich nicht näher darauf eingehen will und da auch nichts ist. Ich weiß nicht, ich hätte nicht schreiben dürfen und ich weiß auch nicht warum ich das gemacht habe. Und ich weiß auch nicht warum ich das ausgerechnet an diesem Tag machen musste.

Auch hier fehlt mir die zeitliche Abfolge. Im Kopf jedoch ging ein totales Chaos los. Und ich verstehe das nicht. (…) Aber nachdem ich dieser Frau geschrieben habe, ich weiß nicht, vllt. war es zu konkret was ich angesprochen habe, wirklich ich weiß es nicht, aber da ging ganz viel los.
(…) ,,Nie mehr darfst du dich mit anderen so austauschen. Nie mehr. Gar nicht mehr mit ihnen schreiben. Du kannst nicht mit anderen in Kontakt treten. Schäm dich. Du lügst. Du lügst jeden an und alle merken es.“ (…)
Ich kann mich nur mit Mühe und Not zusammenreißen und nicht den ganzen Blog löschen. Ich will das nämlich nicht. (…) Aber diese Gedanken mit niemand mehr zu sprechen sind überwältigend. Es ist kein Verbot. (…) Das ist anders. (…) fühlen sich an, als kämen sie von mir selbst. „

Kommentar dazu

Ja da ging es um eine Sache, die ich auch hier nicht näher erläutern werde. Nachdem ich geschrieben hatte, ging es zwar richtig los, aber ich glaube das war nur das Tröpfchen, was das Fass zum Überlaufen brachte. Es ging wahrscheinlich um das Thema, das da im Kopf präsent war. Mittlerweile hat sich einiges wieder gelegt und mir ist auch wieder klar, dass mir Gedanken daran auch schon einige Zeit vorher kamen. Immer mal wieder. Und ich weiß nicht, ob der Trigger vorher diese Gedanken dann so konkret im Kopf gemacht hat oder was es nun war. Auf jeden Fall ging hier ganz schön was los und ich hatte immer weniger Kontrolle. Jetzt ist alles wieder ganz weit weg geschoben und auch emotional total abgekapselt. Also alles wieder chillig. Oder, naja, so in der Art jedenfalls.

Was ich da auch anspreche ist das, was im Kopf abgespult wurde. Mit „es ist kein Verbot“ meinte ich, dass niemand sagt „Du du du☝ , dass darfst du aber nicht“ . Mir war bewusst das diese Gedanken nicht von mir kommen, sie wurden aber so rüber gebracht, als kämen sie von mir selbst. Das ist echt scheiße zu beschreiben. Und die waren nicht primär darauf ausgelegt mir zu erzählen wie kacke ich bin. So wie ich das oft von den üblichen Beleidigungen und Beschimpfungen kenne. Die haben durch ihre Worte/Gedanken eher zu einer Trennung zur Außenwelt hin geführt. Ich versuch’s gleich nochmal besser zu erklären. Das ist echt doof zu beschreiben irgendwie.

Die Mail (3. Teil)

,,In Folge kam auch das Leugnen wieder so stark. ,,Nichts ist echt. Nichts von alle dem.“ (…) Als wir uns gestern gesehen haben war das so laut im Kopf. ,,Das ist alles eine Lüge. Ich lüge. Und ich brauche keine Therapie. Das ist Schwachsinn.“ Ich weiß nicht warum ich trotzdem hinkomme. Ich glaube, weil ich nicht aufhören will in die Therapie zu kommen. Aber ist das nicht wieder ein Beweis für meine Lügen? Wenn es so schlimm wäre, käme ich nicht mehr. Und dann muss ich an meine Familie denken. (…) Gerade die Paranoia macht mir momentan sowieso starke Probleme, da mir manche Dinge wieder hochkamen, wie z.B die Emails meiner (…) damals oder auch das mein (…) genau dem Tag, nachdem ich den Antrag für den Fonds ausgefüllt habe, aufkreuzte usw. (…)

Und ich möchte gerne mit Ihnen darüber reden (…)
Als ich dann gestern bei Ihnen saß wollte ich so viel ansprechen und sagen, aber es ging nicht. Also es ging wirklich nicht. Ich will es sagen und ich habe die Worte im Kopf, aber sie gehen nicht über meine Lippen. Da zu sein fühlte sich schon so falsch an. Und als wir dann draußen waren und ich neben Ihnen lief, ging es die ganze Zeit in meinem Kopf: ,,Feind. Feind. Feind.“.
Ich weiß, dass Sie nicht mein Feind sind, aber ich weiß nicht was ich gegen diese Gedanken, und das was sie in meinem Körper auslösen, tun soll und wenn ich leugne, dann richtet das aber auch soviel in mir an. So viel Selbsthass. Der ist kaum erträglich.

Ich komme nur aus allem raus, wenn ich zurück in meine Filterblase rutsche, wo alles nur ein Spiel ist und alles nicht echt. Nicht real. Und wenn ich mit Ihnen rede, also das was wirklich los ist, dann kann ich nicht in dieser Blase bleiben und dann geht das im Kopf wieder los. Und ich weiß nicht, wie ich das stoppen kann. Wenn ich mit anderen rede, so über das Echte was gerade los ist, nicht über das Freigegebene, dann löst das etwas aus, über das ich nicht weiß, wie Herr darüber werde. Wie ich dann weiterleben soll. Es übernimmt einfach meine Gedanken und Gefühle.

Es ist wie eine Parallelwelt. Eine Welt, in der ich und meine Gedanken jetzt existieren, aber diese fühlt sich so oberflächlich an. Dort fühle ich mich so einsam, weil ich mit niemand reden kann und wo mich niemand wirklich kennt. Und eine, wo meine echten Gedanken sitzen, aber die darf ich nicht betreten. Vllt. will ich es auch nicht. Aber vllt. will ich es nur nicht, weil dann sofort dieses Chaos im Kopf los geht. Aber vllt. bin ich auch ein zwanghafter Lügner. So oder so möchte ich, dass das weg geht, aber ich weiß nicht wie. Wirklich nicht. Immer wenn Sie mit etwas anfangen, was mein Innerstes betrifft, baut sich diese große Mauer auf und da kommt soviel Scham. Ich weiß nicht, wie ich das ändern kann und das löst wieder soviel Ohnmacht und Verzweiflung in mir aus. (…)“

Was war da denn nun los?

[Nur kurz zu oben noch: Weil in der Therapiestunde halt gar nichts ging, sind wir zusammen raus spazieren und im obersten Absatz geht es um Familienmitglieder. Zu dem Familienmitglied bzgl des Fonds bestand bis dato, seit einiger Zeit, kein Kontakt mehr. Nun allerdings wieder.]

Das war wie ein Domino-Effekt. Erst wurde ein Stein umgeworfen und dann fiel einer nach dem anderen. Wie eine Lawine im Kopf, die los geht und mich komplett überrollt und mitzieht. Es geht dann mit „harmlosen“ Dingen los, wie Gedanken z.B das ich mit niemanden reden darf. Aber das sind nicht die typischen „Halt deinen Mund“ -Dinger, so wie wenn es eine Person „neben dir“ sagt, sondern das ist überwältigend. Das kapert meinen ganzen Kopf und Körper. Und umso mehr ich dann versuche mit jemand in Kontakt zu treten (wie z.B meiner Therapeutin), umso intensiver wird das. Und ich bringe dann auch kein Wort raus, selbst wenn ich es noch so sehr will. Auch das Leugnen spielte plötzlich wieder eine große Rolle (obwohl das längst besser war).

Da gibt’s dann keine anderen (inneren) Personen mehr, denn dazu bräuchte man ja ein Trauma. Und man glaubt am besten, dass man gerade auf dem totalen Holzweg ist, sich Sachen einbildet und total irre ist, wenn man noch nie ein Trauma erlebt hat, oder nich? Wie gesagt: Mir war das parallel dazu aber alles bewusst und das da gerade irgendwas komisches abgeht, aber ich hatte keine handhabe mehr darüber. Das geht dann weiter (also wenn ich von einen Thema/Vorhaben z.B nicht ablasse), dass ich mich selbst verletzen will oder auch tue, bis hin zu starken Selbstmordgedanken. Ähm … und wo ich halt auch nicht weiß, ob es da letztendlich eine Grenze gibt. Vll nachvollziehbarerweise versucht hier aber auch keiner wirklich auszutesten, ob es eine Grenze geben könnte.

Und was hat das jetzt mit der Isolation zu tun?

Das begrenzt sich eben nicht darauf, dass ich dann nur über ein bestimmtes Thema nicht reden kann. Ich spüre richtig, wie sich eine Mauer zwischen mir und der Außenwelt reinschiebt. Trauma-Betroffene fühlen sich generell von anderen getrennt und nicht mit ihnen verbunden. Das ist auch hier ein üblicher Zustand. Aber die meiste Zeit bekommen wir zumindest so ein gewisses Level hin. Dann geht aber gar nichts mehr. Es kommt diese unglaubliche Überzeugung, dass es furchtbar schädlich ist, mit jemand Kontakt zu haben. Das wird mir nur schaden.

Man darf das aber nicht verwechseln: Meine Alltagsmaske (für andere) funktioniert trotzdem weiterhin (fast) fehlerfrei. Ich kann Smalltalk halten (wenn unbedingt nötig), Witze reißen usw. Ich kann bei allem bleiben, was oberflächlich und kurzweilig ist. Aber wehe es geht an irgendwas anderes. Das braucht auch überhaupt nichts mit dem Thema zu tun haben. Ich wollte meiner Freundin z.B etwas anderes sagen, was mir auf dem Herzen lag. Aber sofort bröckelte die all-days-smiley-Maske und ich bekam kein Wort mehr heraus. ,,Nicht reden. Das ist schwach. Du musst JETZT nach Hause.“ (➡ Ich war bei ihr zu Besuch – Ein Abend den ich dann auch wirklich bereute. Wir hatten wieder D&D-Abend und da der nur so selten stattfindet und sich alle drauf freuen, wollte ich nicht absagen. Das ging dann am laufendem Band, sodass die Gesellschaft der anderen Leute teilweise fast unerträglich wurde und ich am liebsten heulend rausgerannt wäre.)

Es kommt einfach diese überwältigende Überzeugung auf, dass es das Beste und Gesündeste für mich ist, jegliche Kontakte auf ein absolutes Minimum zu begrenzen. Kontakte sind nicht gut. Kontakte sind böse. Und bloß nicht den Mund aufmachen, dann zeigen dir die Kontakte nämlich wie böse und schädlich sie wirklich sind … Ja, das trifft es so in etwa. Heute, jetzt und hier, bin ich übrigens der Meinung das ich da total übertreibe. So schlimm wars gar nicht. Ne kurze Down-Phase: ,,Pff, mach mal nicht so ein Drama draus“ – Tja 🤷‍♀️😏