Ego-State-Disorder

= Ich-Zustand/Wahrnehmungs-Störung

Wir können die ESD nun quasi noch „vor“ der DSNNB und „nach“ der kPTBS (auf einem imaginären Zeitstrahl) einordnen. Viele bezeichnen sie als kleinen Bruder der DSNNB und leider wird auch (bisher) die gleiche Diagnose, nämlich die ‚Dissoziative Störung, nicht näher bezeichnet‘ für beide vergeben.
Ich persönlich finde das etwas verwirrend, da es bei beiden ja schon größere Unterschiede gibt 🤔.
Vll liegt das daran, dass man sowohl bei der DSNNB als auch bei der Ego-State-Disorder nur über einen ANP (anscheinend normalen Persönlichkeitsanteil) verfügt (anders als bei der Dis, wo es mindestens 2 gib), der jeweils unterschiedlich viele EP’s (emotionale Persönlichkeitsanteile/Traumaträger) abgespalten hat. Nur sind sie bei der DSNNB weiter abgespalten und handeln daher auch autonomer.

Aber was ist das denn jetzt genau?

Bei der ESD spaltet der Betroffene einzelne Gefühlszustände ab. Diese Rollen, welche man bei kleinen Kindern auch kennt, die bitterlich weinen und im nächsten Moment herzlich lachen können, so in etwa könnt ihr euch das vorstellen.
Der Betroffene weiß per Definition aber zu jeder Zeit das ER der gerade vorhandene Persönlichkeitsanteil ist, da es nur ihn selbst gibt, daher gibt es auch keine Amnesien zwischen der einzelnen Anteilen (dissoziative Amnesien zur Vergangenheit sind aber trotzdem möglich).

Diese einzelnen Rollen, die Menschen normalerweise haben, sind bei ihm aber besonders stark ausgeprägt.
Wer bei Borderlinern diese starken Emotionsausbrüche (starke Wut, starke Trauer, extreme Fröhlichkeit usw) schon mal gesehen hat – Das sind unterschiedliche States, die auch durch einen entsprechenden Trigger hervorgerufen werden können.

Aber auch bestimmte „Zustände“ sind möglich. Wer z.B früh gelernt hat das es in manchen Situationen notwendig ist, ein bestimmtes Verhalten an den Tag zu legen, der kann auch noch im Erwachsenenalter in ähnlichen Situationen in diesen Zustand zurückrutschen.
Nehmen wir z.B an, in der Kindheit wurde gefordert sich Männern anzubieten, dann kann dieses Verhalten als einzelner Zustand abgespalten werden, d.h im Erwachsenenalter kann man noch immer in Gegenwart von Männern das Gefühl haben, als müsste man sich ihnen anbieten (obwohl man das selbst eigentlich gar nicht möchte). Jedoch ist dieser Zustand/dieses Verhalten kein eigenständiger Persönlichkeitsanteil (wie bei der Dis), sondern noch immer ein Teil der eigentlichen Person.

Auch das innere Kind ist z.B so ein Ego-State, welches bei der ESD dann z.B soweit ausgebildet sein kann, dass der Betroffene in diesen kindlichen Modus reinrutscht. Er IST dann das Kind. Trotzdem weiß er noch das er er ist. Es ist kein autonomer Anteil (wie bei der Dis oder pDis) der herauswechselt.

Ego-State Betroffene können aber übrigens trotzdem die Stimmen der einzelnen Anteile hören, sie können vor ihrem inneren Auge eine Vorstellung davon haben wie sie aussehen und ganz wichtig: Die Anteile haben auch Bedürfnisse und wollen gehört und vll gerne einfach mal in den Arm genommen werden. Sie sind also auch völlig existent und real, so wie sie sind. Der einzige Unterschied zur Dis/PDis ist wirklich nur der, dass sie nicht so weit abgespalten sind das sie ein komplett eigenständiges Erleben und Empfinden haben (im Gegensatz zur nach Außen agierenden Person).

Entstehen kann die ESD im Endeffekt genauso wie jede andere Traumafolgestörung – durch anhaltend traumatischen Stress.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert