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Wir, [Ich], Ich, „Ich“, Anteile, innere Personen – Was ist gemeint?

Manchmal verwenden wir hier ein paar komische Zeichen/Bezeichnungen, die vll auf den ein oder anderen erstmal befremdlich wirken können. Daher wollten wir mal eine kurze Legende dazu machen, wann was wie gemeint ist:

[Ich]

Damit bin ich (Franzi) gemeint, die auch sonst den Blog überwiegend verwaltet. Damit drücke ich meine ganz persönliche und eigene Meinung aus.

Ich

Damit ist der Körper als Gesamtperson gemeint bzw derjenige der einfach gerade schreibt. Das ist hier nicht wirklich leicht auseinander zu halten, ob man gerade alleine ist (wo ich nicht mal weiß, ob das überhaupt vorkommt🤔) oder wer man gerade überhaupt ist. So leicht erkennbar wie in manchen Dokus oder in Filmen dargestellt (wo immer nur eine Person da ist und es daher klar ersichtlich ist), empfinde ich das auf jeden Fall nicht. Oft sind wir auch wieder im Leugnen drin, dann fällt logischerweise auch nur der Begriff ICH, egal wer gerade da ist oder vorwiegend agiert. Manchmal regt sich auch nur einer auf oder schreibt etwas aus seiner Perspektive (obwohl vll trotzdem mehr da sind, was man jetzt aber nicht unbedingt checkt), dann fällt ebenfalls der Begriff.

Und, ganz wichtig: wird das ICH generell eigentlich für alles was mit Außenstehenden (vor allem außerhalb des Blogs) zu tun hat verwendet. Du kannst ja nicht in irgendeiner Mutti-Facebookgruppe oder so anfangen ständig in der WIR-Form zu reden 😅. Also kannst’e schon, birgt aber unnötiges Stresspotenzial. Im realen zwischenmenschlichen Gespräch ist da zudem auch eine Blockade drin. Nicht mal vor unserer Therapeutin klappt das mit dem WIR. Beim Schreiben geht das besser.
Außerdem muss und wollen wir auch gar nicht, dass ständig alles ausklamüsert wird (von uns und anderen in der Öffentlichkeit) wer und wie viele nun ganz genau da sind. Wenn’s für [MICH] offensichtlich und gerade relevant ist, dann erwähne ich das schon mal am Rande mit. Aber sonst ist der Körper im Alltag und im Außen (also gegenüber Fremden oder Bekannten) eine Gesamtperson und so agiert bzw redet man auch.

„Ich“

Ich erkläre es am besten an einem Bsp: Ich bin mit anwesend, XY reagiert jedoch sehr forsch auf irgendwas. Im Nachhinein checke ich, dass diese Reaktion gar nicht von [MIR] kam, weiß aber auch nicht wer es war. Wenn ich jetzt über diese Situation z.B schreiben will, kann ich logischerweise weder sagen XY war es (entweder weil ich den Namen nicht sagen will oder eben weil ich es selbst nicht weiß), noch das [ICH] es war, daher dann das „ICH“.

Wir/Uns

Logischerweise ist damit die Mehrzahl von Personen/Ansichten gemeint. Das hat aber nichts damit zu tun, das dann immer auch mehrere gleichzeitig schreiben und sich quasi hin und her schubsen dabei 😅. Zum Beispiel wenn [ICH] schreibe über.. . k.A… Wie toll Blumen sind. Als Bsp. Und 2 andere finden das in dem Moment (oder in einem vorhergehenden, wo wir drüber sprachen) auch, dann spreche ich in der Mehrzahl. Einfach weil es nicht nur meine Ansicht ist. Oder es geht z.B um eine Entscheidung, die nicht alleine getroffen wurde.

Wenn wir in der WIR-Form sprechen heißt das aber nicht ALLE sind der gleichen Meinung. Das wird wohl sehr wahrscheinlich niemals vorkommen 😂🙈. Damit ist wirklich eher gemeint, dass da gerade mehrere die gleiche Ansicht haben. Die stehen dann da übrigens auch nicht in Reih und Glied und sagen ihr Zeugs, oder so. Ich weiß auch selten genau, was von wem kommt (so gut ist die Kommunikation nämlich noch nicht wirklich). Manche werfen einfach ihren Senf dazu ein und andere teilen sich z.B über ein Gefühl mit. Und dann geht ICH sagen halt manchmal schwer, weil du einfach in dem ganzen Thema gerade nicht allein denkst oder entscheidest.

WIR kann aber auch heißen, es sind gerade bewusst wirklich mehrere da/gleichzeitig aktiv. Oder wenn es z.B um so Themen geht wie „unsere Wohnung, unser Körper, unsere Mutter, usw.“ – Es ist nach wie vor nur ein Körper, logischerweise bewohnen wir also auch alle die gleiche Wohnung, etc.

Warum sagen wir Anteile?

Letztens wurde kommentiert, dass dieser Begriff im Rahmen der Dis eher nicht so passend ist. Und der Sinn dahinter ist für mich klar nachvollziehbar: Anteile hat jeder Mensch, nur sind sie bei der (p)Dis soweit abgespalten, dass sie ein eigenes Bewusstsein entwickelt haben. Und ja, mich nervt es auch, wenn jemand sagt: ,,Ach, das haben wir doch alle“ – Ja ne, habt ihr eben nicht. Das ist etwas komplett unterschiedliches.

Zur Unterscheidung: [ICH] kann auch verschiedene Rollen haben. [ICH] kann witzig oder traurig sein. [ICH] benehme mich privat anders, wie bei öffentlichen Terminen, usw. Das sind unterschiedliche Rollen, die man einnimmt – Ja, hier kommt auch nicht für jeden Schrips ein anderer raus. Wenn jemand anderes aber kommt, dann ist der kein Zuhause-Ich oder Arbeits-Ich, sondern eine eigenständige Persönlichkeit mit eigenem Denken, Fühlen und Handeln. Er ist keine Rolle von [MIR] selbst, sondern jemand eigenständiges mit Bewusstsein.
Dahingehend ist uns auch oft schon der Begriff „Mensch/en“ über den Weg gelaufen, also das einige diesen in dem Zusammenhang lieber mögen. Da würden wir zustimmen, da das jedem Anteil seine eigene Lebendigkeit zuspricht und nicht zu etwas kaltem, klinischen herabstuft.

Warum sagen wir nun also trotzdem vornehmlich „Anteil/e“?

Aus 2 Gründen:

  • 1. Sind wir trotzdem alle nur ein Teil von einem Gehirn. Jeder von uns ist ein (An)Teil eines Gehirns und eines Körpers. [MICH] eingeschlossen. Daher finden wir den Begriff „Anteile“ gar nicht so unpassend. Jemand natürlich stumpf nur als Anteil zu bezeichnen nimmt ihn durchaus die Lebendigkeit. Definitiv. Da stimmen wir zu. Etwas ähnliches meinte ich ja schon mal, als ich über die verschiedenen „Rollen“ wie Beschützer, usw. geredet habe. Keiner von uns ist ja nur ein Begriff, eine Aufgabe, Anhängsel o.ä, sondern wir haben ein Bewusstsein. Und nur weil wir alle Teil eines Gehirns (also etwas Materiellen) sind, nimmt uns das ja nicht in irgendeiner Form die Lebendigkeit. Einer Einzelperson, mit Bewusstsein, die auch nur auf das eine Gehirn zugreift, würde man diese ja schließlich auch nicht absprechen. Letztendlich und da kommen wir zu Punkt …
  • 2. Ist dieser Begriff aber auch der für andere am leichtesten zu verstehende. Ich rede auf dem Blog ja nicht nur über (p)Dis. Das findet ja erst in letzter Zeit viel mehr Beachtung, weil ich mich endlich damit ansatzweise arrangieren kann. Heißt: Es sind hier auch nicht nur Menschen unterwegs, die automatisch wissen, was ich gerade meine. Und ich finde, ich kann anderen Leuten (die also nicht betroffen sind oder dieses Thema regelmäßig verfolgen) nur schwer verständlich machen, was ich meine, wenn ich von anderen „Menschen„, etc. rede. Nicht weil das falsch wäre, sondern weil ich dann das Gefühl habe, in jedem Text zu viel extra erklären zu müssen. Also wann sind reale außenstehende Personen gemeint, wann innere usw., zumal wir ja auch keine Namen von den anderen nennen.

Also kurz: Wir finden den Begriff „Anteil“ für andere am leichtesten zu verstehen und auch nicht gänzlich unpassend.

Innere Personen

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, mag ich diese Bezeichnung gar nicht. Mir fällt nur immer nix anderes dafür ein. „Innere Personen“ suggeriert irgendwie, dass sich alle nur „drin“ aufhalten, während [ICH] hier draußen alles manage und das ist Schwachsinn. So gesehen ist jeder eine innere Person, sobald er nicht „draußen“ unterwegs ist. Auch ich. Der Einfachheit halber und um für andere verständlich zu machen, was gerade gemeint ist, benutzen wir diesen Begriff aber trotzdem. Vll fällt uns ja irgendwann noch was besseres ein…

Arten dissoziativer Persönlichkeitsanteile – Teil 2

So und heute solls dann ein bisschen detaillierter um die verschiedenen „Jobs“ gehen. Ich habe dazu im Internet gestöbert und wollte das gerne so aufschlussreich wie möglich schreiben (sodass alles mit abgedeckt ist), aber ganz ehrlich? Viele unterteilen das ganz unterschiedlich und auch teilweise in zig Arten von Anteilen. Das ist mir zu kompliziert 😅.

Wir nehmen deswegen jetzt einfach mal die üblichen/gängigsten Formen und das, wo wir uns eher zurecht finden bzw. wie wir sie benennen würden. Falls ihr da aber manches anders wahrnehmt, könnt und dürft ihr uns jederzeit voll gerne ergänzen😊 .

Übrigens: Das sind jetzt alles keine unveränderlichen Rollen, sondern sie sind eher fluid. Die sexuellen Anteile lassen sich z.B sowohl zu den Beschützern, wie auch zu den Täter-Anteilen rechnen. Die nicht-menschlichen können sowohl Beschützer, Kinder, Täterintrojekte etc. sein. Usw. Das soll einfach alles nur eine grobe Übersicht darstellen.

Die Beschützer

Beschützende Anteile sind die, die versuchen die Gesamtperson (also alle Anteile und den Körper) vor weiterem Leid und Traumata zu schützen. Sie greifen auch oft ein, wenn ein traumatisierter Anteil getriggert wird und stellen sich dann vor diese. Aber wie ich schon in „Innere Landkarte erstellen“ sagte, erkenne ich bei fast allen irgendwo eine schützende Intention heraus 🤷‍♀️. Wir nehmen hier jetzt einfach die üblichen, die auch sonst da mit hinein gezählt werden:

Die kämpferischen Anteile:

Das sind die, die auch sehr forsch nach Außen agieren. Die z.B eine starke Abwehrhaltung einnehmen („Warum sollte ich hier jetzt mitwirken?!“ = es ist eine große Skepsis da, die eigentlich das gesamte System dadurch beschützen will).

Oder auch die, die aggressiv (körperlich oder durch Beleidigungen z.B) nach Außen reagieren. Das wirkt auf andere sehr befremdlich (und gerade körperliche Aggression ist definitiv Außenstehenden nicht zuzumuten) und teilweise auch sehr auf einen selbst. Letztendlich soll dieser (prophylaktische) Angriff auf andere aber auch nur wie ein Schutzwall wirken. Stellt euch das wie eine Art Mauer vor, die eine Gruppe Überlebender in einer Zombieapokalypse gebaut hat. Und auf dieser Mauer befinden sich jetzt jede Menge Schützen, die auf die kleinste Bewegung außerhalb der Mauer feuern. Das ist nicht böse gemeint, sondern soll stattdessen die Überlebenden hinter der Mauer schützen.

Junge; Alter; verpiss dich“ – Daran merke ich oft, dass hier jemand mit da ist, der sehr ablehnend und stinkig reagiert. Der ist durchaus ein wenig launisch. Ich persönlich empfinde seine Art aber als unglaublich hilfreich, gerade wenn wir wieder mal vor Angst und Scham im Erdboden versinken könnten. Die ganze Angst und Scham ist dann nämlich wie weggepustet und statt wie ein verschüchtertes Opfer aufzutreten, strahlen wir Stärke aus.

Die rationalen Anteile:

Mit dieser Bezeichnung können wir was anfangen. Ob es die jetzt so auch offiziell gibt, weiß ich nicht. Diese Anteile reagieren nicht stark emotional in irgendeine Richtung, sondern übernehmen die Situation/Handlung eher ruhig und besonnen, um den (möglichen) Schaden auf ein Minimum zu reduzieren. Das kann dann z.B zur rationale Entscheidung führen, die jetzige Situation ganz schnell zu verlassen oder in ein Gespräch sehr ruhig und besonnen einzugreifen.

Die sozialen Anteile:

Die sozialen Charaktere sind hier die, die freier nach Außen agieren. Das heißt nicht, dass sie nicht auch vorbelastet sein können. Viel mehr fallen ihnen soziale Interaktionen einfach leichter als mir (oder anderen). Einige mögen die Gesellschaft von anderen (was hier oft zu Diskrepanzen führt: Der eine will sich verabreden und tut es sogar. Der andere, mich eingeschlossen, bekommt deshalb ne Krise). Andere wiederum tun das zwar nicht (Gesellschaft anderer übermäßig mögen), können deshalb aber trotzdem recht gut mit Außenpersonen/-situationen umgehen.

Ich persönlich bin z.B gar nicht so nett und selbstbewusst, wie ich manchmal wirke/gesagt bekomme. Aktiv ist dabei oft noch jemand anderes (/andere). Gerade z.B die, die ich in „Innere Landkarte“ angesprochen hatte, ist da meist mit aktiv. Fast schon überschwänglich. Wenn sie mit anwesend ist, merke ich das daran, dass ich auf einmal plappere wie ein Wasserfall und auch noch Gefallen daran finde. Sie geht auch eher die sozialen Risiken ein, wo ich und andere sich manchmal innerlich an die Stirn schlagen und sich fragen ob das gerade wirklich Not tut. Sie ist wohl eher die draufgängerische, würde ich sagen. Wäre ich rein nur im sozialen z.B anwesend, dann wäre unser Auftreten wahrscheinlich ein nicht immer so positives🙈. Ich mag schon Kontakte, manchmal jedenfalls. Mit meiner sarkastisch-zynischen Art gäbe es aber wahrscheinlich viel mehr Anstoßpunkte.

Die Täteranteile – Eigentlich auch nur Beschützer

Hört sich erstmal befremdlich an. Ich jedoch empfinde sie – durchaus natürlich als extrem anstrengend und teilweise sehr destruktiv (klar, das auf jeden Fall) – aber auch als sehr beschützend.

Als Bsp. will ich die hier extrem lauten „Halt deinen Mund„-Anteile nehmen. Die sind manchmal so krass übergreifend, über das gesamte System, dass nicht nur Worte und Gedanken entzogen werden (sodass ein weiterreden kaum mehr möglich ist), sondern das sie auch zu diesem extremen Leugnen bis hin zu Selbstmordgedanken/-absichten führen. Ich weiß aber, dass dieses Verhalten, teilweise zumindest, auch nur einen Schutz bieten soll. Zum einen natürlich vor den Tätern. Denn normalerweise sagen dir Täter ja nicht: ,,Ohja, geh ruhig raus und erzähl allen was los war. Das macht überhaupt nichts. Dir wird deshalb auch gar nichts schlimmes passieren.“

Zum anderen hat einer auch einmal durchsickern lassen, dass zumindest er einen Schutz vor zu viel (Trauma)Information geben will. Sagen wir mal so: Es stoßen da 2 unterschiedliche Meinungen aufeinander und ich finde seine Methoden nicht unbedingt sehr hilfreich, kann aber auch seine Sicht der Dinge verstehen.

Wenn wir nicht drüber reden und leugnen, bleibt die Sache unreal. Unreal heißt auch, dass der Schutz vor dem Trauma weiter gegeben ist. Sofern der (die) ANP(’s) mit in das Trauma einbezogen werden, bedeutet das auch, dass das ganze System durcheinander gebracht wird, was das normale Weiterleben stark beeinflusst. Die Mittel sind vll übel, aber der Sinn dahinter (von den Anteilen selbst – die Rede ist nicht von den Tätern) ist kein Böser.

Täterloyale-Anteile

Und das betrifft auch genau jene. Ich weiß, dass es Anteile gibt, die bestimmte Praktiken nicht nur tolerieren, sondern sogar gut finden. Für jede Praktik gab es ursprünglich einmal einen nachvollziehbaren Grund. Egal ob man diesen nun moralisch gut oder schlecht findet. Wir leben in einer Welt, in der wir manche Dinge nicht immer von Anfang an frei entscheiden und bewerten dürfen, da unser Überleben davon abhängt.

Stell dir vor, du wächst in der Wildnis auf und bist zum Überleben gezwungen Tiere zu töten – Nur als Beispiel. Auch wenn du Tiere toll findest, würdest du verhungern, würdest du es nicht tun. Moralisch kann man das schlecht finden, aber in dieser Situation ist es notwendig. Du tust es, um weiter leben zu können und rechtfertigst dadurch deine Tat. Es ist nicht nur eine Ausrede, es ist Realität in diesem Moment und dieses Weltbild bleibt eben bestehen. Zu den täterloyalen können dann übrigens auch die inneren Berichterstatter zählen. Also die, die den Tätern noch immer erzählen was gerade so abgeht, beabsichtigt und getan wird.

Die Täterintrojekte

Bei einer Projektion übertragen wir unsere inneren Zustände auf eine andere Person. Was uns an uns selbst stört, auch wenn es uns vll nicht einmal bewusst ist, sehen wir in anderen und stören uns daran bzw. kritisieren es. Bei einer Introjektion ist es jetzt genau das Gegenteil. Die inneren Zustände (Angst, Lust, Begierde, usw.) des anderen, nehmen wir in uns auf und denken nun, es wären unsere eigenen Empfindungen. So kann es dann z.B zu Anteilen kommen, die sexuelle Lust gegenüber Kindern oder bei Vergewaltigungen empfinden u.ä. Ich schrieb dazu aber schon mal Hier einen eigenen Beitrag.

Die sexuellen Anteile

Also hier gibt es die, die Sex lieben und diesen eigentlich auch viel öfter praktizieren würden, als er stattfindet. Und das sind auch die, die eine sehr krasse Reaktion beim Sex zeigen. Ich persönlich bin beim Akt anwesend (also kein Blackout, soweit ich zumindest weiß). Habe allerdings keinerlei Empfindung dabei. Also ich empfinde schon ein angenehmes Gefühl und mag vor allem die Nähe, aber ein Orgasmus o.ä ist nicht möglich. Ginge es nach mir, könnte ich auch total teilnahmslos rumliegen. Es gibt aber jemand (welche? – k.A) die sehr stark körperlich reagieren und damit auch die Männerwelt bisher (soweit die Rückmeldung) sehr glücklich machten. Für mich persönlich war das früher immer sehr schräg, da meine Wahrnehmung und die des Partners (über den Körper) total auseinander trifteten. Warum das alles einmal nötig war, versuche ich momentan jedoch irgendwie noch weit von mir wegzuschieben.

Es gibt außerdem die (wo ich nicht weiß, inwieweit es vll die gleichen wie oben sind), die hemmungslos flirten (bei Männern wie auch bei Frauen) und wo ich heute manchmal denke: ,,Jetzt reicht es aber!„. Durchaus kann es da aber auch zu sehr witzigen Situationen kommen. Z.B wenn ich mit einem Mann unterwegs bin und plötzlich die bin, die die Frau hinter der Theke abzuschleppen scheint und nicht er, so wie der sich das anfangs vorstellte 😂🙈.

Und dann gibt es noch jene, die eher in das Repertoire „Täteranteile“ fallen, da sie … Naja… sehr merkwürdige, sexuelle Vorstellungen haben. Vll führen wir das irgendwann mal näher aus.

Die überwachenden Anteile

Oft gibt es sogenannte Gatekeeper, die sich darum kümmern wer wann nach außen geschickt wird. Es ist also nicht so, dass jeder nach Lust und Laune wechseln darf, wie er gerade Bock hat. Bei manchen Systemen (und auch manchen Anteilen) ist das schon so, aber meist gibt es jemand, der dafür zuständig ist, zu schauen was gerade los ist und wer gerade am sinnvollsten im Draußen agieren kann.

Von hier weiß ich (bisher) das es jemand gibt, die schlichtend im Inneren wirkt und schaut was wann gerade angemessen ist. Das bedeutet nicht, dass nicht trotzdem jemand irgendetwas Unangemessenes sagen kann oder unvorteilhaft herauswechselt. Stattdessen heißt das nur, dass z.B ein sexuelles Täterintrojekt nicht in aller Öffentlichkeit plötzlich von seinen Vorlieben/Gedanken anfängt zu erzählen o.ä. Schließlich könnte das schlimme Folgen haben. Ob sie jetzt aber wirklich diese „Gatekeeper“-Funktion inne hat, weiß ich nicht.

Es kann dabei aber auch Anteile geben, die einfach nur zuschauen und gar nirgends eingreifen. Protokollanten z.B. Das sind Anteile die zwar alles mitbekommen und abspeichern, jedoch nicht eingreifen (können). Hier gibt es auch jemand, mit dem ich mal sprach, bevor ich von allem wusste. Der ist eher wie so eine formlose Rauchwolke, die weit „oben“ thront und zuschaut (genau genommen nehme ich ihn rechts oben im Kopf wahr, wahrscheinlich entsteht deshalb dieses Bild er säße oben 🤔)

Nicht-menschliche Anteile

Der Name erklärts ja schon. Da können jetzt drunter fallen: Tierische Anteile, Fabelwesen (Feen, Elfen, Drachen, Zauberer, usw.) oder auch religiöse. Hier gibt es z.B einen jungen Dämon. Früher dachte ich oft, ich würde in Wirklichkeit von einer Dämonenfamilie abstammen. Das Denken/Gefühl kam jedoch eigentlich von ihm. Er meckert auch immer sehr rum, wenn ich in seinen Augen Dämonen in ein schlechtes Licht rücke😅 . Auch Engel, Teufel, Götter usw. können vorhanden sein. Sogar Gegenstände sind übrigens möglich. Also Anteile dir sich z.B für einen Tisch oder Stuhl halten. Da es hier (soweit bisher bekannt) sowas aber nicht gibt, kann ich dazu nicht viel sagen. Anteile können auch menschlich sein, aber dazu Flügel haben oder Tentakel. Sie können ihre Gestalt wechseln usw.

Ich glaube bei uns gibt es übrigens einen Zwerg. Ich hab da allerdings null Zugang zu. Wir wurden nur einmal getriggert. [Ich] war total dissoziiert und plötzlich war da diese Überzeugung ein Zwerg zu sein. Also so richtig mit Statur und allem drum und dran. Das war als wäre sein Körper in dem großen Körper drin bzw. als würde die Hälfte des Körpers einfach oben „überhängen“ und er war selbst total irritiert, was da jetzt los ist. Das war voll schräg.

Die verletzten (Trauma) -Anteile

Hier brauchen wir eigentlich nicht viel erklären, oder? In gewisser Weiße haben natürlich auch alle vorhergehenden mit einem Trauma zu tun. Es gibt aber auch die, die rein nur dafür entstanden sind, das Trauma zu ertragen. Das Alter spielt dabei jetzt erst einmal keine Rolle. Es gibt bei uns z.b eine Jugendliche bzw. junge Erwachsene (das Alter ist unklar), die immer wieder in Träumen auftaucht und auch in einer Art Intrusion, die Dinge mit meinem Vater erlebt hat. Dinge, wovon weder ich noch andere etwas mitbekommen haben (und es daher leugnen). An sie gibt es (bisher) kein rankommen, keine Kommunikation o.ä. In den Träumen endet es meist so, dass sie Tod ist oder im Koma liegt. Daher gehe ich davon aus, dass sie sich vll auch derzeit noch in einer Art Stasis befindet. Ist aber nur eine Vermutung.

Dann kann es Anteile geben, die rein die Schmerzen des psychischen Missbrauchs auf sich genommen haben (den man vll selbst kognitiv mitbekam, aber nicht fühlte). Dabei erinnert man sich zwar an Worte, Verhalten usw. empfindet aber erst etwas, wenn per Trigger der entsprechende Anteil dazu hervorgeholt wird. Welcher dann im Hintergrund (oder auch Außen) das Denken und Handeln beeinflusst. Oder die den physischen Missbrauch auf sich nahmen und nur dafür rauskamen oder eben den sexuellen usw. Das sind dann alles meist auch die Anteile, die emotional und für andere (Außenstehende) fast schon unlogisch (der Situation nicht entsprechend) agieren. Und jene, vor die sich dann oft die „Beschützer“ werfen.

Sie sind es, die quasi wie ein Nerv offen liegen und über die sich dringend sofort eine Art Schutzschirm legen muss, da der Schmerz sonst zu groß wird, würden sie noch weiter verletzt. Sie kamen wenn es unerträglich wurde und gingen wenn die Lage für die anderen wieder aushaltbar war. Das auch diese Anteile also nicht immer nur am weinen sind, sondern manchmal ganz schön viel Wut in sich tragen, ist irgendwo schon verständlich, oder? Jene sind übrigens auch die, die meist sehr viel Scham in sich beherbergen und auf den Rest übertragen (auch das ist ein Schutzmechanismus). Auch selbstverletzendes Verhalten kommt bei ihnen oft vor.

Die kindlichen Anteile

Du, die könnte man in jede dieser oberen Kategorien packen. Ich möchte sie trotzdem mal extra erwähnen.

Alison Miller meinte nämlich mal, dass selbst die, die sich für z.B 20 , 30 oder 40 Jahre halten in Wirklichkeit kindliche Anteile sind (weil in der Kindheit entstanden). Ich kann das hier nur so angeben, kann aber nicht wirklich sagen, ob das bei uns so wohl (für alle) stimmt oder nicht. Ist aber auch irgendwo Wurst, denke ich. Wenn sich jemand als 30 Jährige/r fühlt, weiß ich nicht ob das so Not tut, den jetzt aufzuzwingen das er eigentlich erst 6 ist 🤷‍♀️.

Die kindlichen Anteile sind oft auch die traumatisierten. Dennoch gibt es auch die, die ganz „normale“ Kinder sind. Hier gibt es z.b eine Kleine die sehr fröhlich, leider aber auch manchmal sehr naiv ist. Dieses berühmte: ,,Der weiße Van parkt da und hält nen Lolli raus“ und sie springt drauf an. Das hört sich im ersten Moment furchtbar gefährlich an, dennoch ist es auch sie, die uns manchmal aus der Paranoia herausholt. Die Spaß am Leben hat und viel Positives sieht. Die sich über die kleinsten Dinge mega freut und die unbeschwert durchs Leben geht. Auf der einen Seite gefährlich, auf der anderen aber so unglaublich wichtig und wertvoll.

Dann gibt es die, die einfach nur spielen und Kind sein wollen oder die, die bereits als Kind Aufgaben von Erwachsenen übernommen haben. Die, die sehr verschüchtert sind oder die einfach nur bei irgendjemand auf den Arm genommen und gedrückt werden wollen. Meistens ist es hier so, dass deren Emotionen und Bedürfnisse übergreifen und sie eher selten (ich kann nicht sagen wie oft, da keine Information darüber da sind – Wir leben wie gesagt allein, da lässt sich sowas schwierig abgleichen) herauswechseln. Ich bin dann also noch ich (sprich anwesend), aber sie handeln und „fordern“ durch mich. Und da merke ich oft auch die eher beschützenden Anteile, die versuchen schnell wieder eine Trennung/Distanz reinzubringen (zumindest vor anderen Leuten). Das Verhalten der Gesamt-Person wirkt dann oftmals auf andere sehr widersprüchlich.

Arten dissoziativer Persönlichkeitsanteile – Teil 1

Letzte Woche (in „Innere Landkarte„) sprach ich es schon mal an: Ich persönlich kann nicht gut mit dieser Art von Rollenverteilung arbeiten oder vll fällt es mir auch einfach nur sehr schwer. Da wir noch ziemlich am Anfang stehen und kein guter Kontakt untereinander herrscht bzw. viele (mich eingeschlossen) eher noch viel zu weit voneinander getrennt sind, haut das einfach nicht so gut hin. Außerdem fühlt es sich etwas falsch an zu sagen XY ist ein Beschützer und ZX ist ein Täterintrojekt usw. Irgendwie nimmt ihnen das … ja, die Lebendigkeit?

Wisst ihr was ich meine? Das ist so wie wenn man sagt: ,,Ich bin Krankenschwester.“ Ja ne, eigentlich bist du keine Krankenschwester, sondern du arbeitest als Krankenschwester. In erster Linie bist du aber immer noch du. Ein Mensch mit Bewusstsein und Leben und kein starrer Beruf, so als wäre man nur ein Roboter. Und so kommt es mir eben auch vor, wenn ich dann so Rollen an alle vergeben will. Ich mag es lieber zu sagen XY wirkt gerade beschützend, so als wäre es sein Job. So wie es meiner ist, sich um den Alltag zu kümmern …

Hmm naja, irgendwie gibts da auch nicht soviel Unterschied, wie man das wohl letztendlich sagt 🤔. Hach ich weiß auch nicht, irgendwas stört daran einfach.

Aber das ist sowieso nur die momentane Meinung und ich weiß ganz genau, wie sehr es helfen kann manches zu kategorisieren (ich als Listen-Fan😅). Es kann so vieles einfach greifbarer und echter machen und daher gucken wir uns jetzt auch mal das ganze Thema der verschiedenen Arten von Persönlichkeitsanteilen näher an…

ANP – Anscheinend normaler Persönlichkeitsanteil

Darunter falle ich. Hallo. Guten Tag 🙋‍♀️😄

Wenn wir uns die gesamte Person als einen Kuchen vorstellen und diesen Kuchen nun in viele kleine Stückchen teilen, dann ist jedes Stück immer noch ein Teil des ganzen Kuchens, gleichzeitig aber auch ein eigenständiges Stück für sich. Bei den ANP’s handelt es sich dabei um das Stückchen Kuchen, dass sich um den normalen Alltag kümmert. Also d.h einkaufen gehen, putzen, Termine wahrnehmen, usw. Das ist der Anteil, der die meiste Zeit nach Außen hin agiert und deshalb leider fälschlicherweise auch von vielen als die „Ursprungspersönlichkeit“ wahrgenommen/eingeteilt wird.

Ich will nicht ausschließen, dass das bei einigen vll sogar so ist (ich weiß es ja nicht). In den meisten Fällen ist es aber so, dass wir auch nur ein Teil des Ganzen sind. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass selbst bei einer Ego-State Disorder oder einer pDis (wo es ja eigentlich nur einen ANP gibt) dieser nichts mehr mit der „reinen“ Ursprungspersönlichkeit zu tun hat. Allerdings könnte man da jetzt anfangen zu philosophieren und wenn wir das machen, haben wir letztendlich noch 5000 Wörter hier stehen 😅.

Bei einer Dis ist es so, dass sich mehrere Anteile um den Alltag kümmern, also sprich es gibt mehrere ANP’s. Es gibt Dis-Systeme, wo manche ANP’s tatsächlich sogar komplette Parallelleben nebeneinander her führen. Hier würde ich jetzt (momentan) behaupten, ist das eher nicht der Fall. Bei uns gibt es auch keinen permanenten starren Wechsel, sodass immer nur einer da ist, sondern meist sind mehrere da und greifen ineinander über.

ANP’s – Gefühle und Traumata

Ein weiteres Merkmal eines ANP ist, dass er sich meistens an keine Traumata erinnern kann und seine Gefühlswelt eher sehr flach ausfällt.

Das heißt aber nicht, dass ein ANP keine Emotionen und Gefühle haben kann, nur reichen sie meist nicht so tief. Als Beispiel:

Links, das bin ich. Rechts bezeichne ich als „normal“. Ich kann durchaus verschiedene Gefühle haben, aber es ist eher, als würde ich da aus einer flachen Schale schöpfen. Dabei ist der Teil, oberhalb der Linie, meine Wahrnehmung/Empfindung. Bei mir herrscht die Rationalität und das Analysieren vor. Wenn [Ich] Emotionen empfinde ist es immer so, als wäre da noch viel mehr möglich, aber ich habe keinen Zugriff darauf. Als wären sie eben nicht sehr ausgeprägt.

Und das Gleiche ist es, was die Traumata betrifft. Ein ANP kann durchaus auch Traumata erlebt haben und sich daran erinnern. Dass das immer alles ausschließlich auf die EP’s zurückfällt mag bei einigen so sein, hier jedoch definitiv nicht. Viele Traumata, die so im normalen (erwachsenen) Alltagsleben stattfanden, habe auch ich mitbekommen. Auf jeden Fall zumindest rational.

Weitere Merkmale

Da unsere Aufgabe die ist, im Alltag so normal wie möglich zu agieren, sind wir es auch meist, die als letzte etwas von den anderen mitbekommen. Wenn du anfängst das Ausmaß so einer Traumafolgestörung zu erkennen und was nötig ist, bis sich Persönlichkeitsanteile abspalten, dann funktionierst du in aller Regel erstmal nicht mehr so super im Alltag. All dem gegenüber amnestisch und ablehnend/verleugnend eingestellt zu sein, ist also irgendwo notwendig, um die Aufgabe, den Alltag so normal wie möglich weiter zu führen, auch umsetzen zu können.

Was oft noch bei vielen Alltagspersönlichkeiten zu beobachten ist, sind verschiedene Zwänge, diffuse Ängste und Depressionen. Ich würde zwar sagen, das ist hier auch so. Allerdings kann ich das noch nicht wirklich einschätzen, was von wem kommt. Die Zwänge gehören, glaube ich, z.B nicht ausnahmslos zu mir, da sie nur temporär auftreten.

Wenn ich von mir spreche, kann ich aber auf jeden Fall sagen, dass [Ich] keine große Entscheidungsgewalt hier habe. Ich bin hier also weder die „Hauptperson“, noch die, die den Ton angeben kann. Ich kümmere mich einfach nur um die normalen, anstehenden Dinge.

Um das aber nochmal zu betonen: Ich kümmere mich zwar um die alltäglichen Dinge. Das ist mein Job. Ich bin aber trotzdem mehr als einfach nur ein Anteil mit starrer Aufgabe. Das trifft auf uns alle zu (irgendwas wurmt einfach an dieser Rollenverteilungssache 🤔🤷‍♀️).

EP – Emotionaler Persönlichkeitsanteil

Das sind die, die normalerweise auch in irgendeiner Form mit dem Trauma in Verbindung stehen. Oft stecken sie zeitlich auch noch irgendwo dort fest, wo sie entstanden. Wenn so ein Anteil vollständig rauswechselt kann es so z.B sein, das die Person plötzlich total regressiv wird und sich wie ein kleines Kind verhält, sehr wütend oder traurig wird o.ä.

Was ich wiederum oft mitbekomme ist, wenn so jemand (innerlich) in die Nähe zu mir kommt, dass ich z.B oft kurzzeitig nicht mehr weiß wo und wann ich bin. Also ich bin schon noch da (kein Blackout), bekomme aber dessen Gedanken und Gefühle in voller Breitseite zu spüren. Manchmal wirkt es auch, als würde sich das Zimmer verändern (was es optisch aber nicht wirklich tut). Letzens war es z.B so, dass ich kurzzeitig dachte ich wäre wieder in meinem alten Elternhaus, im Wohnzimmer. Das war kein Flashback im herkömmlichen Sinne (von heute nach damals zurück), sondern mehr so als wäre „ich“ von früher, plötzlich in die heutige Zeit katapultiert worden (also genau umgedreht) und muss mich erstmal orientieren. Oder „ich“ denke, dass ich doch in einer ganz anderen Stadt sein oder einem anderen Bett aufwachen müsste und das da gerade irgendwas nicht passt, usw.

Und generell kann sich so alles, was diejenigen Personen und Fragmente fühlen und denken, intrusiv auf den Anteil auswirken der gerade vorn ist. Wie ich oben schon ansprach, hat hier auf jeden Fall jemand krassere Zwänge als ich. Und diese bekomme dann auch ich zeitweise (wenn derjenige eben gerade Nahe ist) stärker zu spüren.

Sooo und nun ließe sich dann in weitere „Kategorien“ einteilen. Also Beschützer, Täteranteil, nicht-menschliche usw. Das besprechen wir dann aber im 2. Teil, nächste Woche.

Innere Landkarte erstellen

Als meine Therapeutin damit ankam hat mich das, ehrlich gesagt, total überfordert. Sie zeigte mir Bilder aus einem Buch, wie andere sowas gestalteten und wie man das machen kann und da waren so geile Dinge dabei, dass ich fast verzweifelt bin. Denn: Ich kann wirklich nicht malen! Ich hab oft so tolle Bilder in meinem Kopf, aber wenn ich dann versuche jene zu Papier zu bringen, könnte ich beim Ergebnis oft weinen.

Heute möchte ich also einmal vorstellen, was das natürlich erst einmal überhaupt ist und zum anderen eine Möglichkeit, wie man sowas auch als zeichnerisch absolut untalentierter Mensch zu Papier bringen kann…

Was ist eine innere Landkarte?

Es geht darum, die inneren Zustände zu verbildlichen. Bei „normal“ strukturierten Menschen (was für ein dämlicher Begriff 🤔, kennt jemand einen besseren?) geht es darum Gefühle, Gedanken und innere Muster aufzuzeichnen. Wenn wir so etwas bildlich vor uns sehen, können wir viel besser damit arbeiten. Da ich leider keine „innere Landkarte“ bei Pixabay o.ä gefunden habe und nur ungern einfach welche aus Google kopieren möchte, rate ich euch dazu, einfach einmal selbst die Worte „Innere Landkarte“ bei Google einzugeben. Dort findet ihr jede Menge toller Beispiele.

Eine ähnliche Art des Ausdrucks wäre da aber z.B diese Zeichnung von uns:

Dabei können einzelne Gefühle oder Gedankengänge ein ganz eigenes Bild bekommen. Angst kann z.B als großer Drache dargestellt werden, der Hintergrund bei bestimmten Themen ganz dunkel usw. Dabei ist alles erlaubt.

Eine innere Landkarte für (p)Dis-Systeme

Hier schaut das Ganze ein bisschen anders aus. Im Prinzip geht es aber um ähnliches: Die inneren Zustände greifbar auf ein Blatt Papier bringen.

Innere Anteile sollen hier wiedergegeben werden, sodass man einen groben Überblick bekommen kann. Das heißt sie sollen mit Aussehen, Charakter und Aufgabe zu Bild (oder Schrift) gebracht werden. Zum Thema Aufgabe muss ich allerdings sagen, dass ich damit nicht sehr gut arbeiten kann. Sicherlich lässt sich teilweise relativ leicht an einigen erkennen, wer eine eher deutlich schützende Aufgabe hat (gerade die sozialen Charaktere). Aber ganz ehrlich? Haben sie die nicht irgendwo alle?

Also wenn ich mir jetzt auch so die eher als Täterintrojekt erkennbaren Anteile anschaue, dann erkenne ich dahinter auch nur eine schützende Aufgabe 🤷‍♀️. Dieses unendliche ’schlecht-reden‘, dieses ,,Halt deinen Mund, sonst passiert was!“ oder auch das sexuelle, eher sehr destruktive: [Ich] finde dieses Verhalten zwar scheiße und absolut kontraproduktiv, letztendlich machen die das ja aber nicht aus Jux und Tollerei. Und auch die verletzten Anteile, die „Flucht-Anteile“ (die sich in SSV oder Selbstm*rd retten wollen) haben diese Schutzfunktion auf irgendeine Art und Weise. Ich persönlich kann daher mit diesem ganzen Aufgaben-Ding wenig anfangen. Derzeit zumindest noch. Vll ändert sich das noch…

Wie fängt man das Ganze an?

Ich persönlich fand das ein Mammut-Projekt. Kaum setze ich mich mit der Intention vor ein Stück Papier, ist GAR NICHTS mehr da. Nichts. Nada. Wenn man mit sowas beginnt, finde ich, sollte man also auch in der entsprechenden „Stimmung“ sein. Es nützt nicht viel, bei mir zumindest nicht, wenn man sich versucht unter Druck zu setzen. Irgendwann ist der Zugang nach Innen etwas gelockert und man merkt, dass es jetzt auch geht. Dann und wahrscheinlich nur dann, sollte man sich auch dran setzen.

Die erste innere Landkarte erstellte ich letztes Jahr, ohne eigentlich genau zu wissen, dass es überhaupt eine ist. Ich schrieb einfach nur meine inneren, unterschiedlichen Gedankengänge nieder. Die verschiedenen Parteien, so wie ich sie im Kopf wahrnehme. Dabei ging es absolut nicht um ‚handfeste‘ Anteile o.ä., sondern nur um das was einfach im Kopf so los ist. Da ich sowieso unglaublich im Leugnen gefangen bin und meist sofort dicht mache, sofern es um dieses Thema geht, half mir das auch sehr.

Keine Ahnung ob man meine furchtbare Schrift überhaupt lesen kann 🙈, aber so in etwa sah das dann aus. Mich in der Mitte, so wie ich mich wahrnehme und alles was drum herum an Einflüssen innerlich kommt. Dabei habe ich versucht, farblich zu kennzeichnen, was ich (welche Gedanken und Impulse) als zu mir gehörig empfinde und welche ich eher als intrusiv und „fremd“ empfinde. Welche also Ich, ein eigenständiger Anteil und welche „nur“ ein Zustand/Ego-State sein könnten.

Mein Problem

Der 2. Versuch sollte dann, nach Aufgabe meiner Therapeutin, die inneren Anteile eeeetwas konkreter darstellen😅 . Ich persönlich empfinde das in mir teilweise aber meist mehr als riesengroßen, zusammengeklebten Klumpen, weshalb ich diese Aufgabe wohl so schwierig fand/finde.

Manchmal bin ich fast etwas neidisch auf andere, wenn ich das anschaue, wie sie „so schnell“ (man beachte aber, dass das auch nur das Bild ist, was wir nach Außen hin zu sehen bekommen), so viele in sich deutlicher ausmachen können/konnten. Ich merke zwar, wenn jemand anderes das Steuer über mein Verhalten, Handlungen oder Aussagen übernimmt (manchmal zumindest) aber ich kann dabei selten ausmachen, wer (und wie viele) das nun ist. Stimmen in mir nehme ich zudem nicht akustisch wahr oder zumindest nur extrem selten, sodass ich auch niemand anhand der Stimme auseinanderhalten kann. Das geht eigentlich nur am Gefühl, aber wenn ich denjenigen noch nicht kenne (was auf die meisten zutrifft) klappt das logischerweise auch nicht wirklich.

Wie bin ich es trotzdem angegangen?

Mein größtes Problem: Nichts falsch machen! Nachher wird vll noch jemand mit falschen Namen dargestellt, falschen Aussehen usw. – KATASTROPHE! … Ja, für mich jedenfalls. Alles was falsch dargestellt wird, wird von mir (?) sofort als: ,,Siehste, also lügst du doch!“ abgestempelt. Meine Thera. meinte, dass sich die entsprechende Person schon zu Wort melden wird, wenn ich da was falsch in der Beschreibung mache. Und so habe ich das dann auch versucht anzugehen.

Beim erstellen dieser Landkarte sagte ich mir immer wieder auf: ,,Du machst das jetzt einfach, wie du es wahrnimmst. Wenn du jemand falsch darstellst, hat derjenige die Möglichkeit sich zu melden. Und wenn er das nicht tut: Sein Pech. Und wenn in Wirklichkeit niemand von allen existiert, weil du dir das alles einbildest, dann sind das eben deine imaginären Freunde. Diese Sachen existieren ja trotzdem in deinem Kopf. Bescheuert bist du so oder so. Entweder eben also auf die eine oder halt auf die andere Art.“ – Der innere Drang nach Perfektion, die Angst zu lügen und die Angst sich alles einzubilden bleibt natürlich trotzdem bestehen. Aber so ein Mantra ist ja immerhin besser als nichts, oder?

So sah es dann aus

Ich kann nicht alles zeigen, sorry 🙈.

Ich nahm ein A4 Blatt (obwohl das echt eng wurde, nächstes mal probiere ich es mit A3 😅) und packte wieder „mich“ in die Mitte. Mein „Ich“ gibt es nicht nur einmal. Was ich deutlich wahrnehme, ist das „Ich“ von vor ein paar Jahren (das noch existiert) und mich heute, auch mit Alter und Aussehen. Zumindest grob in der Gesichtsform u.ä.

Von da ab positionierte ich die einzelnen Anteile. Einzelne nehme ich deutlich wahr, auch wo sie sitzen. Ich „höre“ ihre Stimmen auch aus dieser Richtung (im Kopf) kommend und empfinde sie, mehr oder weniger, auch als dort zugehörig (kennt dieses Phänomen eigentlich irgendjemand sonst noch?) . Aber wie gesagt, dass ist nur mein erster Eindruck. Ändern kann sich da noch viel.

Ich habe dann entweder Bilder selbst erstellt oder per Google ausgedruckt, ausgeschnitten und wieder Kreisförmig um die Mitte herum geklebt. In der Mitte befinden sich auch 2 leere Stühle, die eigentlich darstellen sollen, dass meistens mehrere gleichzeitig da sind.

Anteile beschreiben: Bei klarer Wahrnehmung

Anteile, die ich relativ klar „vor Augen“ habe, habe ich über „Sims 3“ erstellt (es gibt aber auch andere Avatar-Erstellungsprogramme, auch kostenlose). Das ist eine super Sache, da man dort Persönchen erstellen und ihnen eine spezielle Kleidung, Gesichtsformen oder auch Haare verpassen kann. Einige hatten z.B auch bestimmte Wünsche, wie die Kleidung auszusehen hatte (gibt mal „B.“ nicht ihre Lederjacke, MIT Nieten 🤦‍♀️) und was sonst wichtig war.

2 darf ich da vorstellen:

  • Die junge brünette Dame da, ist etwas älter als ich und nur sehr wenig älter als der Körper (derzeit). Sie spielt im sozialen eine große Rolle. Ist viel entspannter, redseliger. Sie kann sich viel leichter um nervige Angelegenheiten oder Termine kümmern, ist aber auch die, die manchmal echt bekloppte Ideen hat. Ich würde sie also leider nicht in allen Dingen unbedingt als extrem verantwortungsbewusst einstufen, auch wenn sie sich Mühe gibt (🙈) und sonst echt eine wahre Bereicherung ist.
  • Die andere ist die ältere Dame. Für sie habe ich keinen Namen und nenne sie daher momentan einfach nur „Mutti“, da sie das verkörpert, wie man sich eine Mutter eigentlich vorstellt. Sie ist es, die mich (innerlich) in den Arm nahm (lange bevor ich wusste, dass da mehr sind), wenn es mir sehr schlecht ging. Für mich war das immer eine Art imaginative Freundin, die halt nur auch dann handelte, wenn ich es eben, naja, nicht bewusst imaginierte. Ob sie nach Außen hin auch handelt, weiß ich nicht. Ich spüre sie bisher nur im Inneren stark. Sie achtet auf vieles und lässt nicht alles, von anderen (das innerlich so kommt) durchgehen. Hat also auch einen sehr überwachenden Charakter und kann durchaus auch einmal streng durchgreifen.

Mit Namen habe ich übrigens keine angegeben, da es das letzte mal (als ich meiner Thera. einen Namen sagte) von Innen ziemlich stunk gab. Wo ich es wusste (oder denke zu wissen) habe ich teils nur den Anfangsbuchstaben hingeschrieben. Auch Alter ließ ich weg, da ich mir beim Erstellen (was ja nun auch wieder ein bisschen her ist) noch nicht wirklich sicher war. Zu jedem gab’s eigentlich nur eine ganz kurze Charakter Beschreibung.

Anteile beschreiben: Bei unklarer Wahrnehmung

Andere, die ich lediglich als Gefühl und/oder Stimmen wahrnehme (also wo Aussehen, Namen, etc. fehlt), habe ich anders dargestellt. Z.B gibt es die SSV-Anteile (wichtig finde ich dabei aber noch zu sagen, dass nicht alles von denen kommt – ich bin zu solchen Gedanken und Handlungen durchaus auch selbst fähig), die ich in eine Ecke gepackt und mit der gleichen Farbe markiert habe. Das Gleiche machte ich dann mit den kindlichen (wo völlig unklar ist wie viele und wer wer ist) usw.

Da ich also keine Ahnung habe/hatte, wie viele (oder wenige) wirklich hinter solch einem Gefühl, einer Handlung oder einer „Stimme“ stecken, gab es deshalb jeweils nur ein Symbolbild, das deren „Thema“ widerspiegelt.

Dafür suchte ich bei Google nach geeigneten Fotos, Skizzen, etc. Für SSV z.B ein Bild einer Person die sich ritzt und einen Koffer (=Flucht-Gedanke). Bei einem eher se*uell gewaltvollen Anteil suchte ich ein Bild raus, wo eine Frau verprügelt wird. Die „Null-Bock“ Abteilung wiederum bekam ein Bild eines genervten Teenagers. Also alles was sie im Sinnbild passend darstellt.

Und was ich demnach ähnlich zusammengehörig empfand, bekam auch eine Farbe. Die kindlichen z.B gelb, usw. Sodass einfach eine grobe Übersicht entsteht. Und wie viele dann wirklich jeweils hinter diesen Symbolbildern stecken, wird sich (hoffentlich) irgendwann mit der Zeit zeigen.

Letztendlich…

Reicht sowas! Ihr müsst nicht sofort alles detailliert beschreiben können oder auch erzählen, selbst wenn ihr es dann wisst! Das war dann zumindest irgendwann meine Erkenntnis und die war mega beruhigend.

Außerdem sind das auf der letzten Landkarte übrigens auch nicht alle gewesen. Die, die ich überhaupt nicht zuordnen konnte (wozu z.B nur ein inneres Bild aber sonst nichts existiert) oder wozu ich zu wenig Informationen/Zugang hatte, habe ich weggelassen. Ich wollte kein wildes Kunstwerk erstellen, wo letztendlich womöglich die Hälfte falsch ist (irgendwas falsches triggert nur die Zweifel wieder extrem an). Mir wars lieber später besser einige nachzutragen, als am Ende 10 wieder streichen zu müssen oder so.

Mittlerweile könnten wir übrigens die Landkarte auch wieder etwas erweitern. Allerdings schlauchte das bisher ganz schön und war immer wieder mit erneuten, automatischen (und echt anstrengenden) Verleugnen danach verbunden, weshalb wir uns jetzt erstmal versuchen mehr auf die Kommunikation zu konzentrieren, als darauf alle konkret wahrnehmen/darstellen zu wollen (also mehr auf das zu reagieren was gerade kommt, statt von wem genau). Das ständige was ist was und wer ist wer bringt hier ziemlich viel Unruhe rein und seit ich es momentan etwas ruhiger angehen lasse, klappt es zumindest in kleinen Teilen mit der Kommunikation und der Akzeptanz besser. (Vorerst zumindest – Wie war das, wenn man sowas sagt? 3x auf Holz klopfen oder so?😅)