Dissoziative Identitätsstörung

Was ist eine ‘Dis’?


Eine Dis (Dissoziative Identitätsstörung – früher: Multiple Persönlichkeitsstörung) ist die Aufspaltung des eigenen Selbst in viele unterschiedliche Persönlichkeiten/Persönlichkeitsaspekte.

Im Prinzip hat sie jeder auf eine Art, diese unterschiedlichen Rollen von sich – da gibt es z.B die Rolle der Kollegin/Kollege, die Mutter/Vater, die Freundin/Freund usw. in die man schlüpft – Diese Rollen sind jedoch immer die gleiche Person, man verhält sich eben nur ein bisschen anders auf Arbeit, wie zuhause, man ist sich aber zu JEDER Zeit sicher, man selbst zu sein.

Bei einer Dis ist es nun so das sich diese Rollen/Aspekte “verselbständigen” bzw. anfangen sich autonom zu verhalten, d.h eine eigene Persönlichkeit mit eigenem Aussehen, Vorlieben, Abneigungen, Talenten, Erinnerungen usw. entwickeln. Dies ist meistens notwendig, um in einer traumatischen Situation angemessen agieren zu können.

Die Dis ist die schwerste Form der traumatischen Folge”störungen” (mir gefällt “Innenveränderung” oder “Innenstrukturveränderung” allerdings besser als Störung, denn im Prinzip ist ja nichts gestört, dass Innenleben hat sich nur entsprechend angepasst).


Wie entsteht die ‘Dis’ und wie funktioniert
sie?


Als Kind ist unsere Persönlichkeit noch nicht voll ausentwickelt, d.h es existieren noch viele unterschiedliche Aspekte/Selbstanteile von uns, die sich erst in einem normalen Umfeld irgendwann zu einer ganzen Persönlichkeit zusammenschließen (Babys oder Kleinkinder können z.B bitterlich weinen und im nächsten Moment herzlich lachen -> das sind diese unterschiedlichen Aspekte).

Wird ein Kind nun aber in sehr jungen Jahren, d.h vor dem 6. Lebensjahr (manche sprechen auch vom 8. Lebensalter – also im Endeffekt bevor die einzelnen Anteile zusammenwachsen können), extrem schwer und auch langanhaltend traumatisiert (kein Monotrauma), schaltet das Gehirn dieses kleinen Lebewesen’s auf einen Überlebensmodus um – es fängt an zu dissozieren und damit das traumatische Erlebnis abzuspalten.

Die einzelnen Anteile des Kindes können so nicht, wie bei einem “normalen” Menschen, zusammenwachsen – Das kleine Wesen bleibt zersplittert.

Befindet sich das Kind also in einer Situation in der es Todesangst verspürt und hat es niemanden der ihm hilft, d.h es hat also auch keine Bezugspersonen an die es sich wenden kann, die ihm Sicherheit oder Hilfe bieten könnten (es gibt quasi kein Entrinnen aus der Situation), fängt es bzw. sein Gehirn an einzelne Personen bzw. Traumaträger abzuspalten, um das Überleben zu sichern.

Neurologisch gesehen hat jeder dieser Personen ein Inselarenal im Gehirn, d.h für jede Person werden unterschiedliche Gehirnstränge genutzt, daher ist es auch möglich das die eine Person nichts von den Erinnerungen der anderen Person weiß.

Die erste Spaltung muss zwar vor dem 6.Lebensjahr geschehen sein, weitere Spaltungen können sich danach aber jederzeit vollziehen, also auch im Erwachsenenalter noch, sobald dies erneut erforderlich wird.
Ich versuche das etwas näher zu erklären:


Wie funktioniert das mit den
Persönlichkeiten?


Wir haben zum einen die Innenpersonen die das Kind (später den Teenager/Erwachsenen) in der traumatische Situation schützen, indem sie das Trauma erleben. Diese Personen entstehen einzig für das Trauma und bleiben auch in diesem gefangen (sie bleiben meist in dem Alter in welchem sie das Trauma erlebten, daher kann es z.B Säuglinge oder 4/6/10… jährige Kinder im System geben (-> diese können im Laufe der Zeit aber auch altern). Sie sind es auch, die auf bestimmte Trigger u.a mit Flashbacks reagieren.


⬇❗(Triggergefahr)❗⬇ Anfang

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Nehmen wir das Beispiel eines kleinen Mädchens
Im normalen Alltag ist sie Person X.
Nun wird sie von ihrem Vater missbraucht – extra dafür entsteht jetzt Person A.
Kommt nun hinzu das sich plötzlich mehrere Männer daran beteiligen, kann Person B entstehen, die dies wiederum erträgt.
Wird dem kleinen Mädchen nun außerdem extra körperlicher Schmerz zugefügt, entsteht Person C, die nun den physischen Schmerz aushält.
Nun kann es zusätzlich die Situation geben, wo all dies gefilmt und ein gewisses “freudiges” Engagement vom Mädchen gefordert wird und rein dafür entsteht jetzt Person D.
Dann gibt es vll noch eine Person E, die wiederum rein für das Antören erwachsener Männer zuständig ist (,,Lolita” -> Täter fühlen sich dadurch gerne bestätigt und behaupten dann Sachen wie “Die kleine Schl*mpe wollte es doch”). Person F erträgt nun vll den S** mit, tierischen Lebewesen.
Person X wiederum weiß von alledem nichts und kann so ganz normal in die Schule gehen, spielen, mit ihrem Vater Ausflüge machen usw.
Auch weiß höchstwahrscheinlich Person A nichts von dem was Person C passiert und diese weiß nichts von Person E usw.
[Mittlerweile geht man übrigens davon aus das bei der Entstehung einer Dis in über 90% der Fälle schwere rituelle und/oder sexuelle Gewalt vorausging.]

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⬆ ❗(Triggergefahr)❗⬆ Ende


Da das Kind nun aber bereits gespalten bzw. nie wirklich zusammengewachsen ist, gibt es die wirkliche, wahre Urform dessen was das eigentlich Kind einmal hätte werden sollen/können nicht mehr.

Eine sogenannte Gastgeberpersönlichkeit (Host) entsteht (diese können im Verlauf der Zeit aber auch wechseln, d.h es muss nicht immer nur DIE EINE Gastgeberpersönlichkeit geben und auch diese ist nicht die Ursprungspersönlichkeit), welche die meiste Zeit nach außen agiert.

Diese Persönlichkeit hat keinerlei Erinnerungen an die Traumata (das wäre hier also z.B Person X), denn als Traumaträger fungieren die EP – die emotionalen Persönlichkeitsanteile (Person A, B usw.)

Person X ist durch diese Amnesiebarrieren fähig ein “normales” Leben zu führen.

Der Host kann sich mit dem Körper und dessen (Geburts)Namen identifizieren oder aber kann für sich selbst auch einen ganz eigenen Namen haben.
[Möglich ist aber auch ein “Alltagsteam”, d.h es gibt nicht eine feste Persönlichkeit, die die Alltagsaufgaben übernimmt bzw. der Host ist, sondern mehrere Selbstanteile, die sich diese Aufgabe teilen und nach Außen nur wie eine Person wirken]

Zudem können mehrere Alltagspersönlichkeiten (bzw. ANP – Anscheinend normaler Persönlichkeitsanteil) entstehen. Das sind jene, die kein Trauma tragen und meist für wichtige Aufgaben im Alltag zuständig sind, z.B kann es eine Persönlichkeit geben die zur Arbeit oder zur Schule geht, eine die sich um die sozialen Kontakte kümmert, eine die alles managt, eine die für sexuelle Kontakte zuständig ist usw.
Je nachdem was eben benötigt wird.

Meistens hat die eine Person von der anderen keine Ahnung (es existiert eine Amnesiebarriere), was wiederum zu häufigen Zeitlücken führt.

Wichtig noch dazu: Es besteht durchaus die Möglichkeit das du Erinnerungen an früher hast, z.B an einen Ausflug, ein Gespräch usw, obwohl DU nicht dabei warst. Erinnerungen können hin und her geschoben werden, sodass die Host bzw. nach außen agierende Persönlichkeit durchaus “normal” im Alltag agieren kann und nicht permanent (auch ihr selbst) auffällt das irgendetwas nicht stimmt.


Innenpersonen müssen aber übrigens nicht immer zwangsgebunden Menschen sein, auch Tiere, Dämonen, Feen, sogar Gegenstände sind möglich, es kommt eben ganz darauf an was in dem Moment des Traumas oder für das alltägliche Überleben am dringendsten gebraucht wird/wurde.


Es ist nicht immer so das es für das agieren der Persönlichkeiten jedesmal einen offensichtlichen ‘Switch’ (mit Amnesie) geben muss. Viele dieser Anteile wirken aus dem Innen, durch passiven Einfluss d.h die “Host”-Persönlichkeit ist noch da und bekommt auch soweit alles mit, aber aus dem Innen wirkt/unterstützt sie eine der Innenpersonen.
Der Betroffene oder Angehörige merkt das vll daran das derjenige plötzlich etwas anders redet als sonst, eine andere Meinung zu etwas hat (als üblich), anders handelt, etwas kann was er vorher nicht konnte (z.B zeichnen, extrovertiert ist, usw.) oder sich seine Stimmung oder Mimik plötzlich verändert (mehr dazu unter Dis – Symptome)

Grundsätzlich sind solche Innensysteme aber so aufgebaut das sie unter keinen Umständen nach Außen auffallen. Diese Systeme entstehen um das Überleben der Person zu sichern und um Schutz vor dem Außen zu bieten.

Es ist also nicht so das Betroffene plötzlich wie ein Gangster-Rapper laufen (statt vorher wie eine zierliche Frau) oder plötzlich mit tiefer Stimme sprechen ect.
Das ist natürlich möglich, aber solange es essentiell wichtig ist für diese Systeme im Außen nicht aufzufallen, wird das seltenst so passieren. Für Angehörige ist es also nicht unbedingt so leicht zu erkennen das sie eine Multiple Persönlichkeit vor sich haben, wie es immer in Filmen dargestellt wird.
Schon gar nicht wenn sie nichts davon wissen oder sich nicht damit beschäftigen.


Wie groß kann so ein System werden?


Das ist ganz unterschiedlich.
Es gibt Systeme mit nur 2 Personen, durchschnittlich sind so 20-30 Innenpersonen völlig normal.
Viele die aus einem kulturellen Hintergrund kommen (und wo eine gezielte Spaltung durch die Täter stattgefunden hat) beherbergen Anteile im 3stelligen Bereich in sich (ein Kulthintergrund ist da aber nicht zwingend), aber auch bis zu über 1000 sind möglich. Ich glaube das höchste, von dem ich hörte, waren 2000 Persönlichkeiten.

Im Prinzip kommt es da aber ganz individuell auf die einzelne Person an. Personen mit dem gleichen Traumahintergrund können ein ganz unterschiedlich großes System entwickeln. Die Anzahl der Innenperson lässt also auch nicht auf die Art und Dauer des Traumas schließen.


Gibt es gefährliche Anteile bei der Dis?


Ich würde sagen – nein, nicht direkt. Das System dient dem Überleben und dem Schutz der traumatisierten Person und nicht dem wilden, lustvollen Morden, wie es oftmals in Filmen dargestellt wird.

Es kann aber Täterloyale-Innenpersonen und Täterintrojekte geben, welche das Weltbild der Täter übernommen haben. Diese sind aber nicht “böse”, sondern haben jahrelang die Traumata übernommen und dadurch Erfahrungen gemacht, die sich ein “normaler” Verstand nicht einmal vorstellen mag. Wenn du dein Leben lang Schei** erlebt hast, wärst du auch ziemlich angepisst, oder?


Letztendlich…


Ob eine Spaltung im Kindesalter eintritt oder nicht, kommt immer nochmal auf verschiedene individuelle Faktoren an:
Zum einen ob das Kind irgendwelchen Rückhalt erfahren hat oder über eine andere sichere Basis verfügt, ob und inwieweit die Fähigkeit zum dissozieren überhaupt ausgebildet ist (nicht jeder scheint dazu “fähig “), ob das Trauma durch enge (eigentliche) Bezugspersonen ausgelöst wird usw.

Die Schätzungen der Häufigkeit liegt bei ca. 1% der Bevölkerung, die Dunkelziffer scheint aber WEITAUS höher!
D.h in Deutschland sind mehr Menschen davon betroffen (offiziell fast 1 Millionen) als es Obdachlose gibt (und davon haben wir leider auch mehr als genug).

Ist also gar nicht so selten, oder?
Man kann nun in etwa vll abschätzen wie hoch unser Problem mit ritueller, se*ueller und psychischer Gewalt gegenüber Kindern eigentlich ist.

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