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Sinn und Unsinn von Psychopharmaka

Da die Anzahl der psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren extrem gestiegen ist, wuchs natürlich auch die Menge der verschriebenen Psychopharmaka, was aber irgendwie mehr Schaden als Nutzen anzurichten scheint, wenn ich mich so umschaue.

Ich denke Psychopharmaka (oder auch andere Medikamente) können als Begleitmaßnahme eine wertvolle Unterstützung sein und sollten daher auch nicht grundlegend verteufelt werden.

Leider ist es aber so das viele Menschen Medikamente nicht mehr als Unterstützung ansehen, sondern als Patentlösung und genau da liegt auch das Problem der fehlenden Genesung.

Gerade wenn es um unsere Psyche geht ist eine rein medikamentöse Behandlung nämlich mehr als kontraproduktiv, da wir das Verdrängte (das müssen nicht immer schwere Traumata sein, sondern auch beruflicher Stress, Beziehungsprobleme ect.) dadurch noch weiter unterdrücken und was macht alles Unterdrückte irgendwann?

Jap genau – Es bricht mit voller Wucht aus und zwar an Stellen, die wir dessen gar nicht zuordnen können (körperliche Symptome, Zwänge, plötzliche Traurigkeit mit Weinanfällen, unkontrollierte Wut usw.).

Mein Weg

Bei mir hat es recht lange gedauert bis ich mich endlich dazu durchringen konnte nach Hilfe zu suchen (nicht aus Scham – Hilfe zu suchen ist keine Schande, ganz im Gegenteil! – eher aus dem Gedanken heraus “Ich schaff das schon alleine”).
Obwohl sich schon sehr früh angedeutet hat, das es da sicherlich einiges aufzuarbeiten gibt, habe ich wie ein Weltmeister alles unterdrückt, verdrängt und von mir geschoben was sich so im Laufe des Lebens angesammelt hat, bis GAR NICHTS mehr ging, ich einen völligen Zusammenbruch erlitt und dachte es zieht mir komplett den Boden unter den Füßen weg.

Beim Arzt angelangt erhielt ich Antidepressiva, die (Gott sei Dank) gar nicht erst bei mir anschlugen (da hätte ich auch Tic Tac´s essen können😅) und die ich daher nach ca. 0,5 Jahren wieder absetzte.

Zudem erhielt ich sedierende Medikamente gegen Panik und zum Schlafen. Die Medikamente zum Schlafen nahm ich knapp über ein Jahr, weil sie anfangs die Alpträume unterdrückten und natürlich ein schnelles Einschlafen förderten.

Das war alles was mir damals angeboten wurde bzw. habe ich auch gar nicht nach mehr gesucht. Eine Pille die alles unterdrückt und heile macht, ja, dass war einfach zu verlockend…


Das Ende vom Lied war (und das ist auch der Grund warum ich alles absetzte und so nie wieder nehmen würde) das ich zum Schluss bis zu 6 statt 1er von diesen Tabletten zum Schlafen benötigte, die Alpträume nicht nur wieder durchkamen, sondern schlimmer als je zuvor waren und auch die Dissoziationen wieder zunahmen oder zumindest so deutlich wie nie (mir bekannt) zum Vorschein kamen. Ehrlich gesagt stand ich damals völlig neben mir und irgendwie, so empfand ich, sollte das auch nicht Sinn und Zweck der ganzen Geschichte sein.

Stellt euch das ganze mal so vor:
Ihr habt da einen leeren Raum in eurer Wohnung und sämtlicher Müll der so rumliegt und sich ansammelt, den räumt ihr nicht auf oder bringt ihn weg, sondern packt alles in dieses leere Zimmer.
Da passt viel rein, doch irgendwann ist das Zimmer eben mal voll und ihr habt Probleme die Tür zuzubekommen. Also kauft ihr euch eine Menge Nägel und Bretter (<–Medikamente) um die Tür auch noch zuzubekommen wenn ihr noch mehr reinsteckt.
Das klappt eine Zeitlang ganz gut (Symptombekämpfung), doch irgendwann brechen sämtliche Nägel und Bretter, ja die ganze Tür unter dem enormen Druck zusammen und alles knallt euch entgegen. Nun habt ihr diese Unmengen an “Müll” überall in eurer Wohnung, völlig ungeordnet und konfus, herumliegen und seid vll sogar darunter begraben.
Irgendwie klingt es da doch sinnvoller das Angesammelte direkt wegzuräumen, oder?

Achtet auf eure Psyche und ignoriert die Symptome nie-niemals!

Medikamente – Ja, gerne. Behaltet jedoch stets im Hinterkopf das sie euch niemals heilen werden, sondern lediglich der Unterstützung dienen können. Heilen können wir uns (leider? – ne, Gott sei Dank, nicht leider! Gott sei Dank haben wir unsere Heilung selbst in der Hand, stellt euch mal vor wir bräuchten die Täter oder sonst jemand oder etwas auch noch dazu😵 ) nur selbst…

Indirektes SSV (Kompensieren, Süchte)

Wir haben im letzten Teil über die klar sichtbare SSV gesprochen.
Nun wenden wir uns dem selbstschädigenden Verhalten, welches nicht ganz so derart ersichtlich für die Umgebung ist, zu.

Was ist Kompensation?

Compensare ist lateinisch und bedeutet so viel wie “ersetzen” oder “ausgleichen”.

Wenn Menschen etwas kompensieren, dann ersetzen sie also etwas, dass in ihrem Innersten fehlt bzw. versuchen ein Ungleichgewicht auszugleichen – meist unbewusst natürlich.

Beispiele:

Bei der Sport- oder Schönheitssucht versuchen Menschen oft (nicht immer☝) einen sehr unsicheren und schwachen Selbstwert zu kompensieren, mit etwas das gleichermaßen wirkt, aber eben nicht ihr Innerstes (also das dauerhafte) sondern ihr Ego (das kurzweilige) anspricht.

Eine Frau die z.B von einer Schönheits-Op zur nächsten rennt, täglich 4 Stunden mit schminken verbringt oder ein völligst übertrainierter Mann (wo es also schon gesundheitschädlich wird), da kann man vll davon ausgehen, dass genau das ihr größter Mangel ist. Das sie sich nämlich selbst nicht schön finden (nur ist das ihr Innerstes, welches sie nicht mögen und lässt sich daher nicht äußerlich beheben). Das ist übrigens kein Vorwurf☝, DEFINITIV nicht!

Bei Menschen die krankhaft viel arbeiten oder sehr perfektionistisch sind, lässt sich davon ausgehen (wie gesagt: pauschalisieren lässt sich das niemals!) das sie sich selbst nicht gut genug sind und daher immer diesen Drang verspüren noch mehr, noch weiter zu machen – irgendetwas zu erreichen. Wenn ich mich selbst nicht gut genug finde, dann habe ich das Bedürfnis nach Außen hin zu zeigen WIE wertvoll ich doch aber bin.

Ich habe z.B auch einen total perfektionistischen Trieb in mir drin. Ich will ständig bloß keinen Fehler machen, da ich das Gefühl habe sonst nicht genug für andere zu sein. Das hat den Vorteil das ich sehr schnell lerne, aber den Nachteil das ich im Prinzip nie wirklich zufrieden mit mir sein kann – Perfektion ist ein utopisches Ziel und wird niemals nie erreicht werden, weil es einfach unmöglich ist es jeden und zusätzlich noch sich selbst, zu 100% recht zu machen.

Wer krampfhaft Einkaufen gehen muss, der könnte versuchen eine innere Leere, mit dem Anhäufen materieller Güter zu füllen.

Bei stark ausgeprägt, sexuell wechselnden Partnern wird oft eine fehlende oder fehlerhafte Beziehung zu einer damaligen Bezugsperson kompensiert.

Die typische Adrenalingier kann wiederum eine Ablenkung von Problemen sein, oder ein sich, durch ein inneres Leeregefühl, spüren wollen oder teilweise können dahinter sogar wirklich schon indirekte Suizidabsichten stecken.

Usw.

Ihr versteht das grobe Prinzip?

Das Innerste wird versucht durch etwas Äußeres (weil leichter greif- und sichtbar) zu ersetzen oder dadurch davon abzulenken (“nicht spüren wollen”).

Wer schlecht drauf ist und deshalb eine Tafel Schokolade isst, macht übrigens genau das Gleiche – er kompensiert ein inneres, schlechtes Gefühl 😉.
Jetzt werden manche sagen ” Ja, weil die Schokolade ja auch Glücksgefühle auslöst und uns daher besser drauf sein lässt” – Ja 😄, aber genau das machen alle anderen Kompensationsmöglichkeiten auch 🙃

Dann haben wir da natürlich noch die:

Kompensationsmöglichkeiten durch Alkohol, illegale Drogen und Medikamente

Ich habe z.B früher sehr oft zum Alkohol gegriffen, wenn es mir schlecht ging.

Was habe ich kompensiert? Definitiv Einsamkeit.

Menschen waren zwar immer irgendwie um mich herum, aber sehr, sehr selten Menschen bei denen ich das Gefühl hatte, da wäre mehr Interesse als diese oberflächliche Show, die ständig alle abziehen. Ich denke der ein oder andere weiß was ich meine.

Und dann war da damals auf jeden Fall das ein oder andere Gefühl das ich unterdrücken wollte bzw. einfach nicht wusste damit umzugehen.

Auch zu anderen Substanzen habe ich eine zeitlang gegriffen. Gerade aufputschende Mittel, bei denen ich nicht schlafen musste und die mich meine Gefühle nicht mehr so sehr spüren ließen, waren bei mir beliebt. Es gab Zeiten da wollte ich einfach nicht mehr einschlafen – einschlafen, aufwachen, träumen…

Süchtig war ich übrigens nie, auch wenn mir das gerne ständig jeder an jeder Ecke unterstellen wollte 😌 (lustig fand ich da die Leute, die sich am Tag 10g Amphetamin durch die Nase zogen oder 5g Gras pro Tag rauchten und mir dann erzählen wollten, ich solle mal weniger trinken…..Mehr sag ich dazu jetzt nicht) – Also mit süchtig meine ich, dass ich nie die Nase zum Aufstehen oder Funktionieren gebraucht habe. Beim Alkohol sah das eine zeitlang schon anders aus, aber Gott sei Dank kam es da nie zu einer körperlichen Abhänigkeit.

Ein Grund dafür war, meiner Meinung nach zumindest, das mir stets zu jeder Zeit bewusst war das ich kompensiere.

Die wenigen Male als mich jemand fragte warum ich tue was ich tue (und wo ich bei der Antwort keine Angst vor direkten, negativen Folgen für mich hatte), habe ich immer ehrlich geantwortet und auch mir selbst habe ich in diesem Zusammenhang nichts vorgemacht. Vll nützte das was…

Die Sucht fängt erst da an, wo die Kompensation unbewusst ausgeführt bzw. geleugnet wird, denn erst dann beginnt man den jeweiligen Ersatz als dringend benötigtes Mittel anzusehen (weil es den Ausgleich für etwas schafft, dessen Hintergrund man nicht versteht, verstehen will oder verstehen kann) und das sind dann meistens auch die Leute mit denen es wirklich keinen Spaß mehr macht, da sie ihre eigenen unterdrückten Sorgen und Probleme auf dich projizieren und selbst immerzu auf der Stelle tappen – wo es einfach kein weiterkommen mehr gibt (und das sind z.B viele der Menschen die ständig darüber reden wie “hart” sie “feiern”, die aber nur noch zum Totalabschuss weggehen).

Was kann ich tun?

Das wichtigste ist also erstmal, dass sich der Betroffene darüber im Klaren ist, das seine Verhaltensweisen einen Grund haben.

Wer weiß warum und mit was er gerade kompensiert, der kann sich langsam eine Alternativmöglichkeit einfallen lassen – also was kann er tun um das eigentliche Problem zu lösen und damit nicht weiterhin zu kompensieren bzw. zu verdrängen.
[ D.h alles übrigens nicht, das jede Art von Konsum direkt eine Kompensation ist – man kann sowohl mit Alkohol, wie auch mit anderen Sachen, entspannten Abend haben, OHNE deshalb gleich unter einem psychisches Problem oder einer Sucht zu leiden. Man kann ja auch Sport treiben oder Sex haben, ohne deshalb gleich danach süchtig zu sein ]

Ich persönlich habe irgendwann mal begonnen, konsequent auf Alkohol ect. zu verzichtent. Das ging ungefähr 1 Jahr lang so und auch heute trinke ich nur nochmal etwas, wenn ich mich mit einer Freundin treffe (Geburtstag, Spieleabend, usw.), aber nicht mehr wenn es mir schlecht geht, also ich betreibe nicht mehr dieses Betäuben, wie früher.

Zugegeben war das allerdings ein längerer Weg und in derAnfangszeit bestand in meinem Kopf, die Verbindung: mir geht es schlecht – ich will das mit irgendwas wegmachen, noch ganz stark. d.h ich musste diesem Drang schon jedesmal dolle widerstehen. 2019 gab´s diesbezüglich auch noch einmal einen Rückfall, wo ich kurzzeitig, als es mir schlecht ging, nochmal zum Alkohol griff. Und wer weiß ob das nicht wieder nochmal vorkommen wird…Ich weiß mittlerweile jedoch das jeglicher Konsum, zur Kompensation, das Problem am Ende nur größer und dadurch schlimmer macht und das will ich definitiv nicht mehr.

Als Angehöriger:

Macht dem Betroffen klar das alles eine Ursache hat und seid für ihn da, aber um Himmelswillen lasst diese dummen Ratschläge 🤦‍.

Wer Ratschläge verteilen will, der sollte dann auch helfen. Mir hat z.B immer nur jeder gesagt was ich falsch mache und was ich lassen soll, aber mir war selbst stets bewusst, was gut und was nicht gut ist.

Ich habe kompensiert weil ich keine andere Möglichkeit gesehen habe, weil ich allein völlig überfordert mit allem war und Ratschläge, sowie das Verurteilen wenn ich diese nicht einhalte, haben mir dabei nicht geholfen. Die Menschen ließen mich mit meinem Kernproblem ja trotzdem allein. Es war nach dem Ratschlag also alles wie vorher, nur mit dem zusätzlichen Druck “Wenn du nicht machst was derjenige sagt, dann will er nichts mehr mit dir zu tun haben”, aber den Ratschlag befolgen ging auch nicht, weil damit ja nicht mein Problem gelöst war.

Wenn ihr also nicht in irgendeiner Art und Weise helfen wollt oder könnt, dann haltet eure Klappe, hört auf zu verurteilen und schaut darauf wo ihr selbst kompensiert 😌.

Mein Ex-Freund hat mich damals z.B nach der Vergewaltigung beschimpft das ich das verdient habe, weil ich ein scheiß Junkie bin (glaubt mir, ich habe nicht einmal annähernd in einem Monat konsumiert was andere an einen Tag weghauen ) und das doch so wollte und bla bla bla …. Mal abgesehen das er und diese ganze Situation, die er fabrizierte, zu vielem beigetragen haben und er gar nicht das recht gehabt hätte das also zu sagen, sieht er mittlerweile selbst ziemlich ähnlich aus, wie diese krankhaften Bodybuilder…😉

Das Gleiche ist es mit Medikamenten:

Der eine wirft den anderen vor das er kifft oder sonst was, nimmt aber selbst brav jeden Tag seine Medikamente.
(Mir muss den Unterschied sowieso noch einmal jemand erklären warum Medikamente okay und illegale Drogen nicht okay sind🤷‍ Amphetamine z.B werden noch heute in der Medizin eingesetzt, als weißes Pulver ist es aber böse, Pfui, der Teufel🤦‍ Ich heiße Drogen deshalb ABSOLUT NICHT GUT, aber für mich ergibt sich da kein Unterschied zu legalen Medikamenten oder Alkohol – beides finde ich mindestens genauso schlimm und schädlich).