Blog offline: Was los war und ist

Triggerwarnung!!
Ich schreibe aus meinen aktuellen Gefühlen und Gedanken, diese sind sehr pessimistisch und können sich jederzeit ändern. Sind aktuell aber, was sie sind. Wenn ihr selbst destruktive Gedanken oder Hoffnungslosigkeit erlebt, dann lest das bitte nur, wenn ihr diese Worte von euch und eurer Situation abgrenzen könnt.

Blog offline

Mein Blog war lange offline.
Dafür gab es mehrere Gründe.
Einer dieser Gründe war, das Vergleichen. Das Gefühl, einfach per se schlechter als andere zu sein. Gar nicht mehr zu wissen, warum ich überhaupt mit dem Schreiben anfing.

Das es mir psychisch nicht gut geht, war mir schon als Teenager klar. Aber ich habe mich nie damit ernsthaft befasst. Dachte immer, dass ich das schon hinbekomme. Keine Therapie brauche und eigentlich einfach nur mit mir etwas nicht stimmt. Das ich mich nur mehr auf die Reihe bekommen müsste. Diese Gedanken kamen nicht nur rein aus mir, sondern diese wurden mir so auch stets von Außen widergespiegelt (das muss ich mir gerade wieder bewusst machen, um diese Gedanken nicht zu sehr mit mir zu identifizieren).
Wer aus psychischen Gründen nicht kann, der ist „nur zu faul“ . Schließlich „könnte er ja“ .

Diese Botschaften waren in meiner Familie stets Gang und Gäbe. So „treibt“ sich die Familie heute noch an.
Und so tut es auch der Rest der Gesellschaft.
In einer Leistungsgesellschaft musst du Leistung erbringen, wie eine Maschine. Und wenn du keine Leistung mehr erbringst, dann wirst du auch wie eine kaputte Maschine aussortiert.
Mit dir ist etwas komisch! Warum bist du nicht einfach wie andere? Wo ist das Problem? Einfach machen!

Und irgendwann fragst du dich diese Fragen selbst.
Bei mir waren sie sooo lange hinter einem dicken Schleier an Dissoziation verborgen. Also so, dass ich mir diese nie übermäßig stellte oder sie fühlte.
Klar, ich sollte es als gutes Zeichen ansehen, dass es jetzt anders ist: Dissoziative Barrieren fallen und so … Kann man so sehen, muss man aber nicht so fühlen.

Zudem kam aber auch mein (ich weiß nicht, ob ich es objektives Denken nennen kann?), dass ich kein Versager bin, nur weil ich kein Rädchen im System bin. Deshalb bin ich nicht schlechter als andere. Innerlich fühle ich das irgendwo.
Mir ist schon klar, was ich im Gegensatz zu vielen, die so etwas sagen und oft nicht „viel mehr“ (wenn gleich auch jeder seine Sorgen und Probleme hat, nur sind sie diesen scheinbar weniger bewusst, sonst würden sie anders reden – Wer tatsächlich „echte“ Probleme hat, der redet nicht so, sondern fühlt mit), leisten, erreicht habe.

32 Jahre überleben.

Ich persönlich finde es noch immer schräg so etwas zu sagen, denn „Überleben“ impliziert für mich Krieg und Katastrophe.
Aber richtig reflektiert, zurückgeblickt: War nicht genau das mein Leben?
Keine Gewehre, nein. Aber die ständige Angst am Abgrund zu stehen. Nicht zu wissen, ob es weiter gehen wird.
Nicht nur das Gefühl. Das war die Realität.
Heute zurücküberlegt, weiß ich nicht, wie ich bisher überhaupt überleben konnte. Körperlich wie psychisch.
Ich weiß es wirklich nicht.
Ich kann nur meinem Körper dafür danken. Eine andere Erklärung weiß ich nicht.

Es war immer der Gedanke:
Ein Schritt nach dem Nächsten. Nicht nachdenken, nur handeln“ – Das ist aber kein Leben, das ist ein Überlebensmodus. Fühlen kann ich das nicht, aber würdest du mir das als Außenstehender so erzählen, dann wäre es das, was ich dir antworten würde.

Warum war mein Blog offline?

Das überwältigende Gefühl nicht gut genug zu sein. Abgeschnitten von der Umwelt zu sein. Falsch zu sein.

Das Gefühl, dass alles an mir falsch ist.
Das ich allein bin.
Und das Gefühl, dass sich das niemals ändern wird.
Das ich immer alleine bleiben werde, emotional, menschlich. Weil ich falsch bin. Ich bin anders und Andersartigkeit will niemand. Auch das Gefühl, dass einfach zu viel an mir kaputt ist, als das sich jemals jemand langfristig damit abgeben würde. Das so viel kaputt ist, dass es niemals heilen kann.

Und das trotz aller meiner Bestreben, ich bisher niemals etwas daran ändern konnte.
Der Gedanke kam also, und er ist noch nicht weg, dass ich trotz all meiner Handlungen keine Änderung herbeiführen kann. Denn ich habe es ja versucht. So sehr.
Die Hoffnung ist verflogen diesen Sommer, also die, die uns die ganze Zeit am Leben erhielt.

Und dann kam diese unbeschreibliche Scham.
Nur die Scham konnte und kann sich gegen all die rationalen Gedanken von: „Das ist doch nicht so. Sieh was du alles erreicht hast“ durchsetzen.
Die Scham, sich überhaupt in die Welt hinausgewagt zu haben. Der Gedanke: „Wie konntest du das zulassen?! Du weißt doch, dass die Welt gegen uns ist!
Infolgedessen also noch Schuld mit. Die Schuld dafür, Inneren durch meine Öffentlichkeitssuche geschadet zu haben. Obwohl das Gefühl der Schuld eher zweitrangig ist. Schon immer. Das ist zwar stark.
Die Scham falsch zu sein und allen zu schaden ist der aber der Haupttreiber.

Rationale Gedanken…

Helfen hier nur bedingt.
Rational ist mir „alles“ bewusst:

Mir ist bewusst, dass meine Gedanken „nur“ aus der Depression heraus kommen.
Depressionen hatte ich schon seit ich denken kann. 2 Jahre hatte ich sie einmal nicht, nur deshalb kenne ich den Unterschied, sonst würde ich behaupten: „So fühlt man sich doch normal, oder nicht?
Und schon oft gingen positive Gedanken in schweren Episoden verloren. Aber noch nie die Grundhoffnung. Der Glaube daran, dass sich irgendwann alles zum Besseren wenden wird.
Irgendetwas gab es im Inneren immer, dass uns am Laufen erhielt. Das dafür sorgte, weiter zu machen. In allem etwas sinnvolles zu sehen.
Ich bezeichne es, als das „Feuer, das uns am Leben erhielt“ .

Und das fühlt sich wie erloschen an.
Irgendwas ist da immer noch, sonst würde ich heute hier nicht schreiben.
Auch das sehe ich als Funken der Hoffnung an.
Aber etwas hat sich verändert.
Und das ist bitter zu schlucken.

Denn ohne dieses Gefühl bringt all die Rationalität, dass „alles etwas sinnvolles mit sich trägt, aus dem man lernen/wachsen kann“ nichts mehr. Und wenn der nicht mehr da ist, fragt man sich hier: „Warum weiter machen? Warum, wenn sich keine Hoffnung auf Änderung mehr ergibt?

Nicht spontan

Das kam, rückblickend, aber nicht spontan.
So hat es sich zwar angefühlt, ja.
Aber eigentlich war es das nicht. Ich spürte schon länger, dass ich meinen Alltag nur noch mit Sport und TikToks verbringe, weil ich sonst keinen Sinn mehr sehe.
Anfang August kam eine „Banalität“ (meine Therapeutin sagt, es wäre keine gewesen, daher setze ich das in Gänsefüsschen), die als Auslöser dafür galt.
Das war quasi der Moment, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Aber ein Fass kann eben auch nur überlaufen, wenn vorher schon Unmengen hineinflossen … Wie groß dieses Fass ist, ist bei jedem ganz unterschiedlich.

Und ich würde einmal behaupten, dass bei den allermeisten Traumatisierten dieses Fass eh schon, von klein auf, bis fast zum Rand gefüllt ist.
Eine gesunde Umgebung kann dabei helfen, vieles davon abzuschöpfen. Ob dieses Fass jemals leer werden kann dadurch, weiß ich nicht. Aber ein gesundes Umfeld kann dabei helfen, es zu leeren.

Trauma hat es aber leider so an sich, dass man sehr oft eben jenes wieder rekonstruiert, was man erlebte.
Man kommt immer wieder in toxische Umgebungen, diese kennt man so ja auch.
Sie vermitteln, scheinbare, Sicherheit.
Es ist also fast schon ein Te*felskreislauf an Leid.
Wie sollst du also heilen, wenn du all das, was das Fass überhaupt erst so voll machte, wieder und wieder erlebst?

Reflexionen dazu

Klar… : Also rational klar, nicht emotional. Denn emotional finde ich das extrem unfair … Aber wie heißt es so schön? „Das Leben ist nicht fair“ …. Cooooole Aussage. Wieder so ein Motivationsschub. Aber falsch ist sie auch nicht. Nur halt Scheiße.

Aber faktisch ist erstmal „klar“ , dass man diesen Te*felskreislauf nur selbst durchbrochen bekommt. Keiner kann einen das abnehmen. Das toxische Umfeld, das man so unfreiwillig angesammelt hat und ansammelt, sicher nicht. Warum sollten die etwas ändern? Sonst wären sie ja gar nicht erst so toxisch.
Also kann man das nur selbst. Rational soweit klar.

Aber dazu braucht man Energie. Kraft.
Und woher nimmt man diese Kraft, wenn sie von nirgends zu einem zurückkommt? Es keine äußere Quelle dafür gibt?
Wenn das Leben wie ein einziger Kampf erscheint? Ein Kampf, der dir jedes Mal jegliche vorhandene Energie abzieht.
Aber diese Kämpfe übersteht man eben auch nur, wenn man überhaupt erstmal Kraft hat.
Ohne, wäre man direkt verloren.
Das ist also schon wieder so ein Te*felskreislauf.
Unsere Energie, für die bisherigen Kämpfe und die bisherige „positive“ Einstellung kam nur aus dem Gedanken, dass irgendwann alles gut wird. Alles besser.

Das war der Antreiber.
Er kam also aus uns selbst.
Und Selbstliebe usw. ist natürlich die Grundessenz. Ohne Selbstliebe (also das, was Kraft in deinem Inneren erzeugt, der Gedanke das du es überhaupt wert bist ), wirst du Liebe von Außen niemals echt und nachhaltig zu schätzen wissen. Vllt. Das glaube aber auch nur ich.
Aber Selbstliebe ist eben auch nur bis zu einem gewissen Grad möglich, denn du bist immer noch ein Mitglied der Außenwelt. Wie lässt sich Selbstliebe aufrecht erhalten, wenn du keine Form von Liebe aus der Umwelt erfährst? Woher soll deine Kraft, deine Motivation kommen? … Also außer du bist eh sehr destruktiv, dann schöpfst du deine Power vllt. daraus, dass Menschen sich so eklig gegenüber eingestellt sind, wie sie es sind. Who knows. Menschen sind ja unterschiedlich…


Nietzsche sagte mal: „G*tt ist tot“ und aktuell fühle ich das auch. G*tt ist für mich universell und nicht für unsere einzelnen Bedürfnisse zuständig (wenn Leid geschieht sehe ich „ihn“ also als nicht verantwortlich), aber wenn auf dieser Welt keine Liebe (generell, partnerschaftliche ist im besten Falle nur ein Teil davon) mehr existiert, wie kann ich noch auf Besserung vertrauen? Wie kann ich noch an G*tt glauben?
Das ist daher sehr bitter, dass ich meine Verbindung dahingehend aktuell als verloren fühle. Die Verbindung zum Universellen, zur Umwelt, entwickelte sich erst im letzten Jahr und gab mir soviel Kraft.
Ich empfinde die Welt gerade als so sehr leer und grau. Obwohl etwas in meinem Inneren immer noch nach dem Gegenteil schreit.

Aber das ist gerade auch nur meine Grenze. Womöglich gibt es noch viel mehr/ist immer noch da. Sehen kann ich es gerade aber nur schwer.

Der Funke, der also da war, der alles am Laufen erhielt, ist nun weg. Naja, oder zumindest auf Sparflamme, von der eh bisherigen Sparflamme.
Die Kraft fehlt also.
Und die Frage ist da: „Woher die Kraft nun nehmen? Und wofür sie überhaupt ausschöpfen, wenn der Sinn fehlt?

Therapie und der innere Kampf

In der Therapie sagte meine Therapeutin letztens: „Das Leben ist kein Kampf. Ihr Leben war es bisher, ja. Aber das generelle Leben ist kein Kampf. Lassen Sie uns dahin kommen

Kann ich das fühlen? Nein.
Gibt es mir aber zumindest einen Funken Kraft?
Ja.
Es scheint Menschen zu geben, bei denen es also anders ist. Also muss das doch erreichbar sein. Es kann keine Utopie sein.
Hier kommen dann aber Gedanken auf von: „Für andere ist es das, ja. Aber für dich nicht. Weil du falsch bist. Du hast dieses Recht auf Glück in diesem Leben nicht. Lass es sein

Momentan ist es so, dass ich nicht weiß an was ich glauben will. Ob ich überhaupt für die Rückkehr zur Hoffnung kämpfen will, weil sich diese für mich so anfühlt, als wäre sie dafür verantwortlich, mich in diesem Leben gefangen zu halten. Am liebsten würde ich auch den letzten Kern von ihr, der noch übrig ist, bekämpfen wollen.

Die letzten Wochen wollte ich aus dem Bett gar nicht mehr aufstehen.
Wenn es mir schlecht geht, dann „gönne“ ich es mir oftmals, mich dann ins Bett zurückzuziehen. Aber diesmal wollte ich generell nicht mehr aufstehen. Ich wollte keine aufmunternden Aussagen aus dem Inneren mehr. Keine Hoffnung mehr. Ich habe alle aus dem Inneren, aus meinen Gedanken verbannt, was leider auch zu vermehrten Blackouts führte.
Und dazu, dass ich überhaupt kein Gefühl mehr für diese Realität habe. Als wäre ich nur noch Zuschauer. Nur noch ein Statist, während die anderen machen. Aber das eben auch nur in Destruktivität.


Das Alkohol-trinken nahm daher wieder Überhand. Ungesund Überhand. Betäuben. Ich weiß, wer dafür „verantwortlich“ ist. Und ich kann es nicht verübeln. Denn im Juni erst, in der Therapie, da versprach ich da zu sein. Ich meinte das ernsthaft so. Ich fühlte es sogar. Deshalb dieses innere Gefühl der Besserung. Ich versprach die Verantwortung zu übernehmen und zu kämpfen. Deshalb gab es Veränderungen sogar im Inneren. Aber dieses Versprechen konnte ich nicht einhalten. Ich habe, beim für mich kleinsten Ding, aufgegeben. Also was erwarte ich? Was sollte ich weiterhin versprechen?


Daher also erneut ein Gefühl von: „Täglich grüßt das Murmeltier. Warum versuchst du überhaupt noch was?“ .

Auf der anderen Seite, spüre ich aber immer noch den Kampf darum, dass alles wieder Reine wird. Alles „wieder gut“ .
So wie vorher.
Da war der Kampf gegen die Depression da und das sogar relativ erfolgreich (bis vor dem Rückfall eben). Und so viel positives Gefühl. Der ernsthafte Glaube daran, dass sich jetzt etwas ändern wird. Weil sich so viel änderte Das gab so viel Kraft.

Aber heute erscheint mir dieser Glaube daran, wie eine Pharse. Wie ein schlechter Scherz.
Ein Trigger von früher, glaube ich: Die Hoffnung/der Glaube an etwas Schönes, der dann so bitter enttäuscht wurde. Die kindliche Freunde auf etwas, dem etwas Böses folgt.
Wie die Lockung mit dem Lolli in den dunklen Van …
Vllt. lehne Ich auch deshalb aktuell das Innere, das an Besserung glaubt, so stark ab. In der Hoffnung, so nicht mehr enttäuscht zu werden.

Schlusswort

Ich wollte mit diesem Blog nichts mehr zu tun haben, weil er für mich das Sinnbild meiner Scham war. Das Sinnbild dessen, in dieser Welt falsch zu sein.

In den letzten Wochen versuchte ich mich viel mit TikTok abzulenken (wer nicht denkt, fühlt halt auch nicht) und dort wurden mir wieder einmal (wie auch schon zuvor auf anderen Plattformen) einige Interpreten angezeigt, die Musik machten oder andere Kunst. Und die auch viele Hindernisse kannten, aber nicht aufhörten, weil ihnen ihre Kunst wichtig war.
Und ja. Das sollte es mir auch sein.
Die Wochen, wo ich nicht schrieb, spürte ich deutlich. Es gab schon öfters Zeiten, längere sogar, wo ich nicht schrieb. Aber diesmal tat ich es aus dem Gedanken heraus, dass ich es nie wieder tun dürfte. Und das setzte zu.

Aber ich muss das gar nicht für andere machen.

So ist mein Blog ja aber eigentlich aufgebaut: Aufklärung für andere.
Und das tue ich aus tiefsten Herzen. Und das möchte ich langfristig so auch weiter fortsetzen, weil ich anderen das anbieten möchte, was ich am Anfang meiner Reise vermisste (was andere so auch anbieten, nur diese fand ich damals nicht).
Aber ich muss auch mehr zu mir zurückkommen. Das dieser Blog für MICH existiert.
Allein diese Zeilen wieder zu schreiben, tut mir so gut.

In den nächsten Wochen, eine zuverlässige Zeit wann ich Posts veröffentliche kann, kann ich derzeit nicht angeben, aber ich möchte einige meiner Reflexionen der letzten Wochen schreiben.
Ich versuche etwas mehr aus dem „Perfektionismus“ herauszukommen. Inwieweit ich das schaffe, wird sich zeigen.
Aber ich möchte wohl endlich FÜR MICH schreiben. Das habe ich bisher nur zum Teil.

Ihr seid herzlich eingeladen, mir dahingehend zu folgen. Wer es aber nicht tut und mir entfolgt (zu diesen Erfahrung schreibe ich nächstes Mal etwas), der darf das natürlich auch tun.
Und irgendwann, vllt. eher, vllt. später, wird der Blog vllt zum Alten zurückfinden, aber erstmal möchte ich bei mir bleiben.
Fur mich fühlt sich das übrigens gerade an falsch das so zu schreiben, weil ich das Gefühl habe, der Außenwelt etwas schuldig zu sein. Schräg oder?
Es Bedarf also wohl noch viel Reflexion

Sinnfragen

Als ich klein war, gab es einen Moment, wo ich ausgelassen und fröhlich die Treppe hochhüpfte. Ich dachte mir nichts dabei und war einfach gut gelaunt.
Meine Mutter stauchte mich daraufhin zusammen, weil sie mein Verhalten sehr störte.
An sich ist diese Szene nicht wirklich nennenswert, war sie schließlich keine Ausnahme. Aber ich erinnere mich noch so genau an das Gefühl, was in diesem Moment damals in mir aufkam. Diese Überraschung, die Angst und der Schmerz, hatte ich doch keine bösen Absichten gehabt. Es war nur ein kurzer Moment der Freude, der jedoch nicht sein durfte.

Ich erinnere mich daran, weil diese Szene so sinnbildlich für mein ganzes Leben ist. Nicht weil mir jemand kein Glück vergönnt, sondern dieses Gefühl ist es, was mich stets begleitet. Der Wunsch einfach nur glücklich und ausgelassen zu sein und die furchtbare Angst vor den Folgen, wenn ich mir dies zugestehe. Die Angst vor diesem inneren Schmerz.

Es ist auch so ein Gefühl, als würde das Gute direkt hinter der nächsten Tür warten. Als wäre es gerade mal einen Wimpernschlag entfernt. So nah, dass ich es fast greifen kann. Und ich wünsche es mir so sehr, also versuche ich mich dafür zu öffnen. Mich meinen Ängsten zu stellen und meine Mauern abzubauen. Ich gestehe mir sogar den Hauch einer Vorfreude zu, weil ich es wirklich zulassen will.
Aber kurz bevor ich das Glück berühren kann, tritt an seine Stelle das Gegenteil. Und wieder ist er dann da: der Schmerz. Und der Ärger darüber, die Deckung fallen gelassen und sich der Illusion auf Änderung hingegeben zu haben.

Ich integriere Traumata, baue dissoziative Barrieren ab, lerne den Kontakt zu meinem Körper zurückzufinden, mich selbst zu lieben und für mich zu sorgen. Grenzen zu setzen, konfrontiere mich mit meinen Ängsten, reflektiere ohne Ende, hinterfrage alles, decke Glaubenssätze auf und wandele sie um, löse Gefühlsblockaden auf. Sorge für meinen Körper und meine Seele, öffne mich gegenüber Menschen, versuche bewusst und achtsam mit meinen Gedanken umzugehen, versuche meinen Blick auch auf die schönen Dingen zu legen, verstehe die Mechanismen der psychologischen Vorgänge und weiß mittlerweile in sehr vielen Fällen, wie ich mich beruhigen und mit Situationen umgehen kann. Ich versuche es, ich gebe mir wirklich Mühe und trotzdem … Trotzdem sitze ich noch in „Täglich grüßt das Murmeltier“ fest.

Langsam fehlt mir die Motivation.

Mir ist auch durchaus bewusst, dass es mich wieder volle Kanne in die Depression gekickt hat und diese Sinnfragen und meine Gefühle daher kommen. Aber da sind wir schon beim nächsten Punkt: In den letzten Monaten konnte man dabei zu sehen, wie ich mich immer weiter aus der Depression herauskämpfte.
Mein Ziel für dieses Jahr war: endlich Schuss mit der Depression. Ich will endlich leben!

Mir ist auch bewusst, dass es immer wieder Rückschläge gibt. Das gehört dazu. Mir ist sogar bewusst, was ich tun könnte, um aus den jetzigen Gefühlen wieder herauszukommen. Schließlich habe ich das immer und immer wieder getan. Und ich weiß auch, dass ich das kann. Daran habe ich keinerlei Zweifel.
Vor einigen Tagen gab es eine Situation, die für sich gesprochen nicht wirklich schlimm war. Nicht auf der objektiven Ebene, aber sie hat meinen (DEN) großen Haupttrigger getroffen. Logisch also, dass es mich jetzt so weggekickt hat. Die Sache ist beseitigbar und das wahrscheinlich sogar ohne enorme Anstrengung. Mir ist sogar bewusst, in welche gute Richtung das weiter gehen könnte.

Alles ist da in meinem Kopf.
Die Lösung, die notwendige Handlung und auch das wahrscheinliche Ergebnis.
Alles vorhanden.
Ich brauche nichts lesen oder mich mit jemand darüber austauschen. Ich bin auch nicht verzweifelt, wütend, traurig oder blockiert.

Ich bin einfach nur müde.

Ich weiß gerade nicht mehr, was ich überhaupt noch bereit bin, zu tun. Es ist nicht so, dass mir die Hindernisse in meinem Leben unüberwindbar erscheinen. Ganz im Gegenteil. Ich weiß nur nicht, wie viel Sinn es überhaupt macht, meine Energie dafür noch aufzuwenden, wenn das Ergebnis am Ende eben doch stets das Gleiche bleibt. Wenn auch in unterschiedlichen Abstufungen. Aber das ist auch der Knackpunkt: Nur weil der eine Dreck weniger stinkt, als der andere, will ich mich damit zufriedengeben?

Ich denke auch nicht (mehr), dass das Leben mich bestrafen will, ab und an vllt. noch. Aber das ist es alles nicht.
Ich frage mich stattdessen, warum ich immer wieder aufstehe und weiter kämpfe, wenn das letztendlich ein Nullsummenspiel bleibt?
Ich bin nicht hoffnungslos in dem Sinne. Mir ist bewusst, dass ich auch aus dem Trigger wieder herauskomme. Dass das Gefühl nachlässt, dass ich sogar wunderbar mit diesem Trigger demnächst arbeiten könnte. Aber ist das der Sinn vom Leben? Aufstehen und kämpfen, nur um wegen jeder Kleinigkeit wieder an den Anfang des Weges zurückgeworfen zu werden? Um dann wieder aufzustehen und zu kämpfen, nur das dann alles wieder von vorn los geht?
Warum sich aus der Depression kämpfen, wenn das kleinste Ding bereits ausreicht, sie wieder vollends hervorzuholen?
Will ich wirklich ständig darum kämpfen, aus den psychischen Leiden herauszukommen? Einfach nur glücklich sein zu dürfen? Oder ein normales Leben zu leben? Oder gesehen und gehört zu werden? Oder mich frei zu fühlen? Oder Liebe zu erfahren? Oder akzeptiert zu werden? Oder ich sein zu dürfen? Oder oder oder
Ist das das Leben? Ein einziger Kampf? Jeden Tag aufs Neue?
Wofür kämpfe ich denn aber? Um weiter kämpfen zu dürfen?
Ich weiß nicht, ich denke, das entspricht nicht meiner Vorstellung vom Leben.

Mir ist alles bewusst, was ich tun muss, um meine jetzige Situation zu verändern. Ich weiß auch, dass ich das hinbekomme. Locker. Aber ich will nicht mehr ständig nur handeln. Ich bin allmählich zu müde zum Kämpfen. Mir fehlt einfach der Sinn dahinter. Wofür denn? Dass es mit den Menschen stets gleich ausgeht? Für das Gefühl eh nie dazuzugehören? Oder für die Isolation und Einsamkeit, die sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht? Oder doch eher für die ständigen Trigger oder dem Realisieren, was einem eigentlich alles angetan wurde? Wofür?
Guck dir Welt doch mal an. Wo soll denn hier irgendwas Positives um die Ecke kommen?

Mir ist auch bewusst, dass ich gerade völlig im pessimistischen Denken drin bin. Natürlich sind Dinge nicht „Immer“ und „stets“ so. Auch das ist mir alles bewusst und das weiß ich sogar vom Gefühl her. Aber ich WILL daran gerade gar nichts ändern. Ich möchte so fühlen. Hört sich merkwürdig an, aber ich will gar nicht zurück in diese Scheinillusion von „Alles wird gut“ . Denn: wozu?

Für mein Kind stehe ich auf. Natürlich. Aber auch dieses zu sehen ist seit Jahren ein einziger Kampf. Sich auf die gemeinsame Zeit zu freuen, ist schwer, sitzt mir doch ausnahmslos dabei etwas anderes mit im Nacken. Und mittlerweile plant er seine Zukunft auch bereits um seine Familie dort vor Ort, 800 km entfernt von mir. Ich denke, die Hoffnung, dass er irgendwann zu mir zurückkommt, geht Jahr um Jahr weiter gen Null.

Es fühlt sich an, als wäre mein Leben im Dauerausnahmezustand und das hört nicht wirklich auf. Vllt. tut es das doch und es fühlt sich nur für mich so an, käme aber so oder so auf das Gleiche heraus. Ob es nun wirklich so ist oder nur mein Gefühl nicht aufhört … Gehupt wie gesprungen.

Ich könnte weiter Faktenchecks machen und meinen Blickwinkel ändern, jop. Kostet aber auch wieder Kraft und lohnt es sich wirklich, diese in scheinbar sinnlose Unternehmungen zu investieren? Oder für ein Leben aufzuwenden, das ich so eigentlich gar nicht will? Ein Leben im Dauerkampf?
Keine Ahnung, wer weiß das schon.

Ich möchte bitte auch keine aufmunternden oder andere Worte hierzu. Ich brauch’ gerade und will momentan auch mit niemand reden, aber ich möchte mir Dinge von der Seele schreiben.
In den nächsten Wochen geht’s erstmal noch mit den Beiträgen weiter, die ich vor der Sommerpause geschrieben habe und dann gucke ich mal, wie ich mit dem Blog und dem ganzen Zeug weiter verfahre. Ich schätze mal, ich finde „meine“ Motivation wieder und dann geht das Ganze wieder von vorn los. Klug geschissenes Blabla, Selbstarbeit und kämpfen, bis dann irgendwann hoffentlich auch endlich mal die letzte Kraftreserve aufgebraucht ist. Ist mir sowieso ein Rätsel, woher immer wieder diese Drecks-Kraftfunken kommen. Es ist, als würde dich jedes Mal, wenn du gerade einschlafen willst, jemand erneut mit etwas wach halten.

Unterschied: Schuld und Verantwortung

(In den nächsten Wochen mache ich ein Update zum Sommer, derzeit mache ich hier aber mit den Beiträgen erstmal ganz normal weiter)

Heute möchte ich den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung näher beleuchten …

Dabei versuche ich zwar auf allgemeine Definitionen einzugehen, letztendlich wird dies aber ein Beitrag über meine eigene Definition dieses Themas. Ich glaube, so unterschiedlich wie die Menschen und ihre Wahrnehmung (geprägt durch eigene Erlebnisse, Denkmuster und Kulturverstrickungen) sind, so unterschiedlich dürfte also auch die jeweilige Definition dessen ausfallen. Ihr seid daher herzlich eingeladen eure eigene Form der Wahrnehmung dessen mitzuteilen. Ich persönlich glaube, ein richtig oder falsch gibt es dahingehend nicht wirklich.

Was ist Schuld?

,,Heute herrschend ist der von Reinhard Frank begründete normative Schuldbegriff, wonach Schuld die persönliche Vorwerfbarkeit vorsätzlichen oder fahrlässigen Verhaltens bedeutet. Der Verhaltensvorwurf beruht auf dem Gedanken der Willensfreiheit. Vorwerfbarkeit des Verhaltens setzt voraus, dass der Täter sich anders hätte entscheiden können. Nach der Theorie des Determinismus, welche bei rückschauender Betrachtung das Handeln des Menschen in anlage- und umweltbedingten Bestimmungskräften begründet sieht, ist in Ermangelung der Fähigkeit des Menschen, sich frei zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden, dem Schuldprinzip der Boden entzogen. Die Verantwortlichkeit des einsichtsfähigen und gesunden Menschen wird dadurch aber nicht berührt. (…) Der psychologische Schuldbegriff betrachtet Schuld als die Beziehung des Täters zu seiner Handlung anhand der Gesichtspunkte Kenntnis/Unkenntnis (kognitive Elemente) und Wollen/Nichtwollen (voluntative Elemente).“

Wikipedia – Schuld (Strafrecht)

Handelt ein Mensch also bewusst oder unbewusst (bzw. vorsätzlich oder nicht) destruktiv gegen seine Umwelt, ist ihm eine bestimmte Schuld zulasten zu legen. Im Strafrecht ist es oft so, lässt sich z.B eine Geisteskrankheit beim Täter feststellen, wird dieser (je nach Umstand) für Schuldunfähig erklärt. Ihm konnte (aufgrund der Krankheit) sein Handeln und mögliche Konsequenzen nicht bewusst sein. Heißt umgekehrt, dass jeder der in Vollbesitz seines Verstandes ist, für schuldfähig erklärt wird, auch wenn ihm die Folgen bei Handlungsausführung nicht vollkommen bewusst bzw. beabsichtigt waren (z.B ein Autorennen in der Innenstadt fahren).

Schuld(gefühle) im allgemein sozialen Leben

Im sozialen Gefüge (abseits des Strafrechts) hat Schuld einen ganz ähnlichen Charakter. Geschieht etwas, mit dem mindestens eine beteiligte Partei unzufrieden ist (/in irgendeiner Form geschädigt wurde) wird versucht zu schauen, wer oder was diese Situation verursacht hat.

In einem gut funktionierenden Rechtssystem gibt es einen Missstand. Ein Vorwurf entsteht, der mittels Beweisen zu bekräftigen versucht wird. Sprechen die Beweise für oder gegen den Angeklagten, entsteht daraus ein Schuld- oder Freispruch. Im sozialen Gefüge gestaltet sich das etwas anders. Zwar wird ebenfalls ein Grund gefunden, woraus sich ein Vorwurf gestaltet. Die Beweislegung erfolgt allerdings meist sehr subjektiv.

Ich möchte hier das Bsp. nehmen, welches viele Opfer se*ualisierter o.Ä. Gewalt kennen: Der Täter entschuldigt seine destruktiven Taten oftmals damit, das er „nicht anders konnte“ . Das Opfer trug zu knappe Kleidung und reizte ihn (den Täter) damit. Oder der Täter schlug nur zu, weil das Opfer der Gewalttat ihn verbal zu sehr provozierte, usw. Völlig egal wie sich das Opfer verhielt, die Handlung hat jedoch der Täter begangen. Die Schuld wird aber dem Opfer zugeschoben. Täter-Opfer-Umkehr = Der Täter ist quasi nur das Opfer des eigentlichen Opfers, welches hier als Täter dargestellt wird. Dem Opfer werden so Schuldgefühle gemacht bzw. entwickeln sich bei diesem.

Meine persönliche Definition von Schuld

Wie im oberen Beispiel nimmt sich der Täter aus der Verantwortung und macht sich selbst zum Opfer (egal ob er selbst daran glaubt oder es nur für andere so darstellt).

Ein weniger dramatisches Beispiel ist ein Streit mit z.B dem Partner. Wenn 2 Menschen aneinander geraten, sind auch immer 2 Menschen involviert. Wenn Person A sagt: „Ich habe dich nur beleidigt, weil du mich hintergangen hast“ und Person B sagt: „Ich habe dich nur hintergangen, weil du mir keine Beachtung mehr schenkst“ haben zwar beide aus ihrer Perspektive recht, nehmen sich aber trotzdem beide aus der Verantwortung: „Ich habe nur gemacht was ich gemacht habe, weil DU…

Für das eigene Handeln, Denken, etc. wird also der andere verantwortlich gemacht. Ich nehme meinen Teil (die Handlung, also das was im Außen ankommt) und schiebe ihn von mir. Entweder entlade ich alles auf die gesamte Umwelt oder nur den anderen bzw. ein Individuum. Wenn ich aber den Teil der Verantwortung des Anderen zugeschoben bekomme, kann ich daran nichts verändern. Ich kann mir meiner eigenen Verantwortung bewusst werden und daran etwas verändern. Nicht jedoch an dem, was jemand anderen betrifft.

Die Schuldfrage bzw. -zuschiebung ist also etwas, was in die Handlungsunfähigkeit und damit Stagnation führt. Auf beiden Seiten. Sie kann etwas sehr erdrückendes, ohnmächtiges mit sich bringen.

Praktisches Bsp.

Um zu verdeutlichen was ich meine, nehme ich mal ein aktuelles Beispiel:

Die Missstände auf der Welt sind mittlerweile ja kaum noch zu übersehen. Es ist egal ob wir von Kriegen sprechen, Kapitalismus, Umweltzerstörung, Hungersnöten, usw. Bleiben wir einmal bei Deutschland, dann spüren wir, wie die Bevölkerung in immer kleinere Teile gespalten wird. Und jede Partei hat sich einen anderen Schuldigen auserkoren: Allen voran der Staat. Oder eine Elite, Konzerne, etc. Nicht das das grundlegend falsch wäre. Es gibt unheimlich viel Korruption, Propaganda und Lügen. Egoismus sorgt für die Zunahme von Rohstoffen, und demnach Machtmitteln, in der Hand weniger (Großkonzerne, etc.). Der springende Punkt dabei ist aber, dass all das nicht aus dem Nichts entstand. Wir selbst, jeder Einzelne von uns, trägt das System und den Zustand der heutigen Welt.

Der Gedanke, der Staat (bzw. Staaten) sei Schuld. Oder eine weltumspannende Elite, etc. und wenn die endlich etwas ändern oder gestürzt werden, können wir alle wieder glücklich sein, ist zwar naheliegend, würde in der Praxis aber nicht funktionieren. Wir sind keine handlungsunfähigen Kinder mehr, daher hat auch kein Staat o.Ä. die alleinige Verantwortung für das Heute, in dem wir leben. All das was wir verantwortlich machen, ist nur ein Symptom. Erst wenn wir unseren eigenen Anteil erkennen, das was wir im einzelnen tun und verändern können, wird sich langfristig kollektiv etwas ändern.

Was ist Verantwortung?

,,Verantwortung ist vorrangig die Fähigkeit, das eigene Können und die möglichen Folgen von Entscheidungen einzuschätzen und so zu handeln, dass die erwarteten Ziele mit größter Wahrscheinlichkeit erreicht werden.

Häufig ist damit das Bewusstsein verbunden, im Falle des Scheiterns Schuld und Scham zu tragen.

In diesem Zusammenhang kann aus der Verantwortung die freiwillige (verantwortungsbewusste) oder (bei Unwissenheit oder Fremdbestimmung) unfreiwillige Übernahme einer Verpflichtung hervorgehen, für die möglichen Folgen einer Handlung oder einer getroffenen Entscheidung einzustehen und gegebenenfalls dafür Rechenschaft abzulegen oder Strafen zu akzeptieren. Verantwortungsgefühl setzt ein Gewissen, die Kenntnis der Wertvorstellungen sowie der rechtlichen Vorschriften und sozialen Normen voraus.“

Wikipedia – Verantwortung

Persönliche Definition von Verantwortung

Wenn wir in die Verantwortung gehen, kommen wir aus der Schuldfrage heraus. Wenn wir, wie in der Schuldfrage, jemand oder etwas anderes für unser Denken, Handeln und Fühlen verantwortlich machen (oder gegenteilig, selbst alle Schuld übernehmen und den Gegenüber damit aus seiner Verantwortung nehmen), begeben wir uns selbst in die Rolle des handlungsunfähigen Statisten. Ich versuche das anhand dieses Beispiels zu erklären:

Bsp.: Wie im oberen Beispiel eines Streits mit bspw. dem Partner, ist und bleibt jeder für seine eigenen Handlungen verantwortlich. Eins bedingt nicht selten das andere, aber was ich tue, ist und bleibt in meiner Verantwortung. Nehmen wir eine Streitsituation wie sie oftmals in missbrauchenden Beziehungskonstellationen anzutreffen ist. Durch Gaslighting, Schuldumkehr und weitere emotionale Gewalt kommt es nicht selten vor, dass der missbrauchte Partner emotionaler (gar „hysterisch“) reagiert, als er es jemals sonst getan hätte oder tun würde (außerhalb dieser Situation). Der missbrauchende Part treibt den Partner soweit, sich wie ein in die Ecke gedrängtes Tier zu verhalten. Weil er wortwörtlich auch dahin gedrängt wird.

Die Verantwortung für das missbrauchende Verhalten liegt hier zu 100% beim Ausübenden. Und wenn wir uns so unreflektiert destruktiv verhalten, liegt zudem durchaus auch eine Verantwortung für das bei uns, wie sich uns gegenüber verhalten wird. Das lässt sich also nicht ganz so schwarz-weiß sehen, als jeder ist nur für sich selbst verantwortlich.

Im Falle des (in diesem Fall) missbrauchten Partners, liegt seine Verantwortung darin, die Situation und sich selbst bewusst wahrzunehmen. Rechtfertige ich die Situation („sich schön reden“)? Lege ich die Veränderung in die Hände des Partners oder in meine eigenen? Wie gehe ich in Zukunft mit den Verletzungen um? Gebe ich dem Täter die Kontrolle über meine Heilung oder übernehme ich hierfür selbst die Verantwortung?

Unterschied Schuld – Verantwortung

In der Definition ist es manchmal ein schmaler Grad. Wenn es z.B heißt, Opfer missbräuchlicher Beziehungsmuster haben ihren Anteil daran, geht das oftmals schnell in die Richtung: ,,Na du hättest ja einfach gehen können“ – ,,Ich hätte das nicht solange mitgemacht“ , usw. Außeracht werden dabei aber völlig verschiedene psychologische Vorgänge gelassen. Eins davon ist z.B das Traumabonding, welches zum Täter aufgebaut wird. Das „Zuckerbrot und Peitsche“ (Zuneigung und Ablehnung/Strafe) Spiel löst z.B nachweislich im Gehirn ähnlich suchterzeugende Vorgänge wie Drogenkonsum aus. Hier geht es also nicht um eine bewusste Freiwilligkeit. Mit oben genannten Sätzen wird diese aber suggeriert, was wiederum Schuldgefühle auslöst.

Wenn wir in die Selbstverantwortung gehen, ist daher viel mehr gemeint zu verstehen, warum man selbst überhaupt erst (anhand dieses Beispiels) in so eine Beziehungskonstellation geraten ist. Was einen darin verharren lässt (ohne Wertung). Was man selbst will, was nicht und wie man dies erreichen kann.

Wir sind soziale Wesen und werden ständig von unserer Umwelt beeinflusst. Das ist höchstwahrscheinlich unumgänglich. Die Frage ist aber, wo bin ich in alle dem? Was macht mich aus? Was fühle ich und was möchte ich? Wo sind meine Grenzen? Und was kann ICH verändern? Was liegt in meiner Macht?

Ein sehr gutes Beispiel ist das sexuell, emotional oder körperlich tätliche Verhalten von Selbsttraumatisierten. Opfer, welche selbst Traumatisierungen erlitten und im späteren Leben zu Tätern werden, kommen durchaus nicht selten vor. Auch Formen der Antisozialen-Persönlichkeitsstörung (und in ihrer ausgeprägtesten Form die „Psychopathie“) lassen sich oftmals (aber nicht immer!) auf frühe, schwere Traumatisierungen zurückführen. Ebenso sieht man auch die narzisstische Persönlichkeitsstörung in nicht wenigen Fällen als Folge eines Schock- oder komplex Traumas an.

Für die Traumata und demnach die Ursache der Erkrankung ist der Betroffene nicht verantwortlich. Jedoch dafür, wie er damit umgeht. Wenn ich mich (aktiv) dazu entscheide, jemand äußerlich oder emotional zu verletzen, dann tue ich das aus meiner Entscheidung heraus. Die Traumatisierung mag mein Denken dahingehend beeinflusst haben, aber welche Handlung ich letztendlich ausführe, liegt in MEINER Macht.

Verantwortlich handeln heißt entweder vorausschauend (und andere Komponenten mit einbeziehend) zu denken und/oder zu handeln, dann aber mit den Konsequenzen meines Handelns zurechtzukommen. Im Falle der Straftat wäre das die entsprechende Strafe und auch die Konsequenzen meines eigenen Gewissens (dessen man sich nicht durch Verleugnung oder Schuldumkehr versucht zu erleichtern). Im weniger extremen Fall bedeutet das z.B mit einem Kontaktabbruch, einer Kündigung oder ähnlichen zurecht zu kommen. Aber auch dazu zu stehen, wenn wir jemand verletzt haben. Nicht die Verantwortung abzugeben, sie auf den anderen oder einen anderen Umstand abzuwälzen. Zu dem zu stehen, was den anderen verletzt hat. Und dann kann man auch seine Sichtweise mit einbringen, solange sie nicht als Rechtfertigung genutzt wird.

Das Gefühl unwichtig zu sein

Leider ist das ein Gefühl, was sich sehr tief in mir abgespeichert hat.
Geprägt wurde es bereits früh in der Kindheit. Sofort fällt mir eine Situation ein, als ich mit meinen Eltern im Urlaub und am Pool war. Meine Eltern lagen vor dem Pool. Meine Mutter las und mein Vater zog sich um und machte irgendwas. Ich spielte im Pool, auf den ersten Stufen, wo ich noch stehen konnte. Ich war vllt. 6 oder 7 und konnte noch nicht schwimmen. Dann rutschte ich ab, in den tiefen Bereich und drohte zu ertrinken. Ich sank immer wieder unter, versuchte mich über Wasser zu halten, bis ich irgendwann die Stange am Rand des Pools sah und versuchte diese zu greifen, was eine gefühlte Ewigkeit dauerte. Ich dachte ich ertrinke. Naja, ich dachte es nicht nur, ich war gerade dabei.
Als ich endlich die Stange gegriffen bekam und mich rausziehen konnte, sagte ich meinen Eltern was passierte. Ich wollte Trost und Schutz, denn ich hatte gerade um mein Leben gekämpft. Aber sie lachten mich beide nur aus und sagten mir, dass ich gar nicht fast ertrunken wäre. Das hätte ich mir nur eingebildet. Ich würde mal wieder übertreiben. Nur Aufmerksamkeit wollen … Ich meine, sie saßen vllt. 3m daneben. Es ist unmöglich, dass sie das nicht mitbekommen haben.

Eine andere Situation fällt mir ein, als ich mit vllt. 4-6 Jahren (+-) einen schweren Holzstuhl die Dachbodentreppe heruntertragen wollte und stürzte. Ich fiel die gesamte Treppe rein und der Stuhl über mich drüber. Ich hätte mir das Genick brechen können. … Aber nichts. Keine Reaktion. Keine Besorgnis. Spott stattdessen, wie ich sowas Dummes auch machen kann. Ich hätte das ja besser wissen müssen. Selbst Schuld.

Manchmal ist der Gedanke heute erträglicher, dass sie das als „Abhärtung“ betrachtet haben und ich wenigstens den materiellen Nutzen hatte – irgendeine Bedeutung für sie – als so unwichtig für sie zu sein, dass sie nicht einmal mein Tod interessiert.

Wegwerfware.

Aber auch meine Oma kommt mir da in den Sinn. Warum hat sie die Augen so verschlossen, vor dem was passierte und mir nicht geholfen? Wenn ich heute mit ihr spreche, dann geht es nur um sie. Wie schlecht es ihr geht, was mit ihr ist und besonders keinerlei Verständnis für meine Handlungen:
Ich hätte doch bei meinem Ex bleiben können. Wie er mich behandelt hat? Egal. Ich hatte es doch finanziell gut dort.
Ich könnte doch mal meine andere Oma besuchen. Was sie mir angetan hat? Egal. Ist doch Familie.
Und warum nehme ich nicht endlich Kontakt zu meinen Geschwistern auf? Weil sie bei meinen Eltern leben und ich das nicht riskieren darf? Nach allem was meine Eltern taten? Egal. Ich übertreibe und bin eine schlechte Schwester.
Gut das meine Oma mir auch regelmäßig sagt, wie sehr mein Vater meine Schwester lobt. Was für ein gutes Mädchen sie ist.
Der bitterste Gedanke, den ich jemals wahrgenommen habe, war: „Wahrscheinlich fic*t sie auch noch besser als ich“ – Ich liebe meine Schwester und ich ertrage das Gefühl sie zurückgelassen und keinen Kontakt zu ihr zu haben nur mit unendlich viel Verdrängung und Dissoziation. Das ich so etwas dachte, fühlte sich wie mein persönlicher Tiefpunkt an.

Meine Oma war der einzige gute Punkt in meiner Kindheit. An sie habe ich die einzigen schönen Erinnerungen, die nicht mit etwas Schlimmen gekoppelt sind. Und trotzdem lebt sie in einer Scheinwelt. In einer Fake-Harmonie Welt, wo nicht der Täter zur Rechenschaft gezogen wird, sondern sich das Opfer nur mehr zusammenreißen muss. Ich fühle mich verraten von ihr. Ich fühle mich so unwichtig, dass ich es nicht mal wert bin, dass man mir zuhört oder zumindest meine Entscheidungen nachvollziehen kann. Das man nicht mal sauer darüber wird, was mir angetan wurde.

Und so geht es weiter.
Richtig in mein Gehirn eingesickert WIE egal ich Menschen bin, war nach der Gruppenvergewltigung. Meine „Freunde“ ignorierten es oder taten es ab, als hätte ich von einer Lappalie erzählt. Während sie mich gleichzeitig über Monate mit ihren Beziehungsdramen und anderen Mist volllaberten. „Es reicht jetzt auch mal mit diesem Thema“ , bekam ich gesagt, nachdem ich zum 2.Mal(!) darüber sprechen wollte und auch nur darüber, dass ich Zeugen für die Polizei suche und die Namen der Täter. Ich forderte noch nicht einmal Mitgefühl, obwohl ich es so dringend gebraucht hätte. Über Monate, Tag ein Tag aus, musste ich mir anhören, warum die Freundin Schluss gemacht hat und wie schlimm das doch war und unfair. …. Hmmm… Vllt. reagiere ich auch deshalb heute so allergisch auf Beziehungsdramen. Oder ich wurde ganz ignoriert oder das Thema schnell wieder umgelenkt auf etwas anderes, sobald ich etwas sagen wollte. Und der Vater meines Kindes verbot mir den Kontakt zu diesen deshalb. Weil ich so widerlich wäre und sicher kein guter Kontakt für es. „Sorry das ich mit hab vergew“ltigen lassen. Hast recht, ich bin ein schlechter Mensch“
Der Typ will heute auf Personenschützer machen, es ist so absurd … Ich meine, er ist furchtbar. Ich weiß das. Ein schrecklicher Mensch und selbst einer meiner Täter und trotzdem tut es weh. Denn andere Frauen beschützt er, wenn sie von ihrem Mann geschlagen werden. Es tut so weh, dass ich niemand genug bedeute, wengestens einmal sauer zu werden. Das es bei allen scheinbar schlimm ist, nur bei mir nicht.

Das ist nur mein Gefühl, das ist mir bewusst.
Aber warum hört das nicht auf?

Auch meiner besten Freundin damals war es das nicht wert. Auch sie überging die Geschichte. Über alles mögliche regte sie sich auf, aber nicht darüber.
Meine Therapeutin damals fand es erst schlimm, weil ich an organisiertes Verbrechen geraten bin und nicht „Nur bei jemand fremdes im Bett aufwachte“, wie sie es sagte. Wir konnten in der Therapie auch keine wirkliche Traumaarbeit machen, weil ich ja kaum Erinnerungen an die Traumata in der Kindheit habe. Aber ich hatte doch so viele im Erwachsenenalter, an die ich mich erinnere. Keins davon sprach sie an, im Gegenteil überging sie vieles, wenn ich darüber sprechen wollte. Das fühlte sich so an, als wären diese Traumata wohl einfach nicht schlimm genug gewesen. Nichts für die Traumatherapie … Aber wenn ich mich mit anderen Menschen unhalte, dann haben sie nicht all diese Dinge erlebt und werden trotzdem ernst genommen. Machen trotzdem Traumaarbeit. Was war denn an meinen Erfahrungen anders?
Ich würde es einfach nur so gerne verstehen. Ich nehme mich heute ernst und ich find all diese Dinge sehr wohl schlimm. Und die Menschen reagieren doch auch auf andere. Warum wird bei mir stets so verhalten reagiert?

Nicht ernst genommen werden, unwichtig sein…
Ich weiß heute, dass das ein großer Trigger bei mir ist und Trigger lassen einen die Welt nicht unbedingt immer real betrachten. Oft interpretiert man Dinge falsch, weil sie einen so an das Schlimme von früher erinnern. In der heutigen Realität sind diese Sachen aber manchmal ganz anders.
Heute hab ich mich selbst auch lieb, sodass ich wirklich keinen logischen Grund weiß, warum man ausgerechnet mich ignorieren sollte. Ich weiß nicht, was an mir so schlimm sein sollte, dass man alles Mögliche auf der Welt schlimm findet, nur nicht das, was mit mir ist.
Rational weiß ich das.
Und das sage ich mir auch immer wieder.

Aber warum wird es dann immer wieder angetriggert? Liegt das nur an mir? Interpretiere ich das nur falsch? Bei anderen Dingen tue ich das doch auch nicht so stark. Oder erwarte ich einfach zu viel?

Das Gefühl anderen unwichtig zu sein, wie soll ich das aber selbst auflösen, ohne die anderen? Ohne positive, neue Erfahrungen? Ohne Erfahrungen, die mir das Gegenteil zeigen?

Wenn ich heute einer Freundin schreibe, dass meine Depressionen gerade wieder in einer schweren Phase sind und keine Antwort darauf kommt, tut das weh. Ich fragte sie, warum sie darauf gar nicht reagiert hat und sie sagte, dass sie nicht wusste wie. Ich glaube ihr das, sie ist kein schlechter Mensch und auch keine schlechte Freundin. Aber es tut trotzdem weh.
Noch viel mehr weh tut es, weil ich weiß, dass sie auf sowas reagieren kann. Denn mit einer anderen Freundin von ihr schreibt sie lange Chats. Geht auf sie ein, tröstet sie, ist für sie da. Während auf mich und wenn ich etwas erzähle, was mich gerade belastet, nur ein: „Hmm, ja echt doof…. Du, weißte was bei mir grad los ist?“ kommt. Das tut soooo weh. Warum bin ich es nicht wert, dass man mich tröstet oder für mich genauso da ist? Warum denken Menschen ständig, dass ich das nicht brauche? Warum ist es bei anderen so schlimm, aber bei mir so selbstverständlich?

Es tut auch weh wenn Menschen zu mir nach Hause kommen oder mit mir telefonieren und als erstes von sich und ihren Problemen erzählen. Und wenn ich von mir etwas nur irgendwo zwischendurch schnell einschieben kann. Schnell, weil es sich für mich so anfühlt. Ich muss die Lücke abpassen, die der andere im Reden lässt, um kurz etwas von mir zu erzählen. Und oft sind das auch nur Beispiele, die ich dann anbringe, weil es thematisch zu dem passt, was der andere erzählt. Also nichts, wo es wirklich um mich geht, sondern mit dem Erzählten möchte ich dem anderen dann zeigen: „Du bist nicht allein“ – „Ich verstehe dich“ – „Ich habe damals so und so reagiert, vllt. hilft dir diese Perspektive“ – usw.
Selbst wenn ich sage: „Mir geht es heute nicht so gut“ , dann wurde trotzdem einfach über sich geredet. Auch wenn ich gerade nicht über meine Themen sprechen möchte, würde ich mir so wünschen, dass man trotzdem einfach für mich da ist. Mir zeigt, dass es trotzdem mal um mich gehen darf. Egal wie. Und nicht nur umgedreht.

Ich bin gerne für andere da. Wirklich gerne. Aber ich verstehe nicht, warum bei diesen nicht der Gedanke aufkommt, dass ich das vllt. genauso brauchen könnte? Das ich es genauso brauchen könnte, dass es mal nur um mich geht und man mir einfach nur zuhört. Aufmerksam, ohne auf die Sekunde wartend, wo man endlich wieder über sich reden kann.
Aber auch das bilde ich mir nur ein. Nehme nur ich so wahr, wurde mir schon so oft gesagt … Ich weiß es nicht. Vielleicht. Vllt. fällt denjenigen das aber auch nicht auf und sie schieben deshalb alles von sich und geben meiner Wahrnehmung die Schuld.

Dann denke ich mir und manchmal sagen sie es auch, dass es ihnen eben so schlecht geht, dass sie keinen Raum für mich haben. Das ist okay und eine wichtige Grenze.
Aber wenn das ständig oder fast überwiegend der Fall ist, frage ich mich schon manchmal: „Geht es mir dann einfach doch nicht so schlecht? Sind die anderen doch schlimmer dran, als du? Denn wenn du dich zurückhalten kannst, um für denn anderen da zu sein und der das nicht kann, dann muss es dem ja schlechter gehen“ und weil ich das denke, halte ich mich dann wieder zurück. Bin weiter für den anderen da, höre zu, mache mir Gedanken und trete damit über meine eigenen Grenzen. Aber ich äußere doch schon deutlich wie es mir geht. Warum hören das die anderen nicht?
Und da bin ich wieder an dem Punkt, wo ich mich frage, wie laut ich rufen muss, um gehört zu werden?

Es wird zwar gesagt und angeboten: „Wenn du reden willst…“ , aber ich kann dann doch nicht reden. Sie hören gar nicht richtig zu. Sind mit etwas anderem nebenbei beschäftigt, abgelenkt, geistig nicht richtig anwesend, gelangweilt. Es tut so weh, wenn ich sehe, wie der Blick so langsam abtriftet, weil derjenige sich langweilt. Gelangweilt von meinem Schmerz ist. Von meinem Kampf ums Überleben.
Oder sie reden ständig zwischenrein. Also nicht so normal, weil einem ein Gedanke kommt, sondern ich werde dann so komplett überredet, sodass ich gar nicht richtig weiterreden kann und es doch wieder nur um den anderen geht.
Wieso nehme ich das denn wahr, wenn nichts davon stimmt? Wovon werde ich denn dann getriggert? Ich will es einfach nur verstehen, dann könnte ich vllt. auch besser damit arbeiten.

Oder es geht generell überwiegend nur noch um die Themen des anderen.
Beziehungstress, während ich da sitze und davon erzähle, dass ich Angst habe, dass noch Täterkontakt besteht, weil es Indizien dafür gibt. Während auch bei mir weiter im Trauma zu meinem Kind gerührt wird, von Täterseite. Während Traumaerinnerungen hochkommen usw. Es ist so viel los und wenn es dann im Chat oder Gespräch immer wieder auf dieses eine Thema des anderen zurückswitcht, fühlt es sich wieder an, als wäre ich unwichtig. Nur für andere da. Um benutzt zu werden….

Das ist so stark dieses Thema, seit letztem Jahr.
Manchmal ertrage ich es kaum noch. Dieses Gefühl für niemand wichtig zu sein. Nur für den Gebrauch. Ja, es ist schön, dass die Dissoziation fällt, aber das bringt auch soviel Schmerz ans Tageslicht.

Ja, die Menschen sagen, es ist nicht so. Das sie mich nicht benutzen.
Und das will ich ihnen auch glauben. Mein Umfeld ist lange nicht mehr das Gleiche, wie es das früher war. Auch meine Antennen für ausnutzendes Verhalten sind viel besser, ebenso ziehe ich heute sehr starke Grenzen.
Wie gesagt, rational weiß ich auch, dass es Quatsch ist. Es gibt keinen Grund, warum ich weniger als andere Wert sein sollte. Auch ich bin nicht der Nabel der Welt, bei dem alles anders ist.
Aber das Gefühl geht nicht weg.
Und ich habe ja Reaktionen kennengelernt, wenige, aber sie waren da, die mir zeigten: „Ah, so sieht es also aus, wenn jemand schlimm findet, was man dir antat“ – Wenigstens weil die Sache an sich schlimm ist. Ob ich demjenigen wichtig war, dass kann ich deshalb trotzdem nicht fühlen.

Und ich weiß nicht, was ich tun soll.
Soll ich noch mehr Menschen aussortieren? Da bleiben nur noch 2 übrig. Oder muss ich es einfach akzeptieren, weil die Welt und die Menschen nun einmal so sind? Aber bei anderen können sie das doch auch.
Oder jammere ich gerade nur herum? Gebe ich anderen die Schuld, muss ich mich noch mehr selbst kümmern?
Oder liegt es daran, dass ich noch immer die falschen Menschen anziehe? Muss ich erst noch mehr heilen?
Muss ich mich noch mehr anstrengen und meine Trigger bearbeiten? Liegt es daran? Bewerte ich alles nur falsch?
Aber irgendwie ist es mir auch zuwider, dieses „noch mehr machen müssen“ – Sind das nicht auch Traumagedanken? Das man erst dies und jenes tun muss, um sich geliebt zu fühlen? Weil es nicht reicht, das man einfach ist?
Aber wenn es an den Anderen liegt, dann kann ich auch nichts tun. Nicht handeln. Das ist also genauso Mist und nicht akzeptabel für mich.

Ich will das alleine schaffen. Niemand anderes dazu brauchen, auf niemand angewiesen sein. Obwohl auch das wieder nur Traumagedanken sind, oder?
Aber da ist sowieso der Punkt, wo ich scheitere. Ich weiß nicht wie ich das alleine hinbekomme. Ich habe Selbstliebe aufgebaut und trotzdem wünsche ich mir das Gefühl, auch einmal für jemand anderes wichtig und bedeutend zu sein.
Ja, manche Leute sagen es wäre so, aber ihre Handlungen lassen mich das nicht fühlen.

Ich stehe hier an einem Punkt, wo ich nicht weiß, wie ich das ohne die Hilfe anderer schaffe. Zumal es dabei ja um andere geht. Aber genau davor habe ich Angst. Denn dazu muss ich anderen erst einmal zeigen, dass ich sie brauche und wenn ich noch nicht mal das Gefühl habe, das ICH gesehen werde, wenn ich mit „Bröckchen“ (obwohl Depressionen und Vergew*ltigung jetzt auch keine Bröckchen sind) ankomme, dann wird es nur umso schlimmer, umso offener und verletzlicher ich mich noch zeige und wieder keiner Reaktion kommt. Ich will auch einfach nicht mehr darum kämpfen müssen, gesehen und geliebt zu werden. Jemand wichtig zu sein.
Ich fühle mich hier in einer Pattsituation, weil ich nicht weiß, wie ich dieses Thema ohne andere schaffe. Aber auch nicht, wie ich es mit schaffen soll. Ich gebe mir wirklich Mühe, aber es haut nicht hin. Keine Ahnung

Sommerpause, Gedanken und Änderungen

Bis vsl. August werde ich in Sommerpause gehen.
Weiter habe ich für mich beschlossen, dass ich keine engen, privaten Kontakte mehr über den Blog führen werde.
Ich muss das besser von meinem Privatleben trennen.
Nichts ändern wird sich daran, dass ihr mir selbstverständlich weiterhin jederzeit Fragen stellen oder euch auf anderer, informativ-konstruktiver Ebene mit mir austauschen könnt. Anschreiben ist also weiterhin kein Problem.
Jedoch werde ich keinerlei private Treffen oder Telefonate (außer diese gehen rein um den Blog und etwas, was damit in Verbindung steht) mehr umsetzen.

Es muss sich im Übrigen keiner Gedanken machen, dieser Entschluss hat nichts direkt mit jemand aus der Community zu tun. Es hat also keiner etwas falsch gemacht. Ich habe für mich nur neue Erkenntnisse dazu gewonnen, an deren Umsetzung ich mich jetzt machen werde.

Es gibt einige Bereiche im sozialen Kontext, wo ich noch immer zu spät meine Grenze setze.
Unter anderen hängt das damit zusammen, dass ich andere Menschen mit ihren Problemen nicht allein lassen möchte, denn ich weiß, wie es ist, allein mit alledem dazustehen. Ich möchte auch zuhören und ein offenes Ohr bieten, denn ich weiß, wie es ist, wenn einem niemand zuhört. Ich möchte dem anderen eine helfende Hand reichen, denn ich weiß, wie es ist, wenn man diese verwehrt bekommt und man sich mit allem allein herumschlagen muss.
Und daran möchte ich auch grundlegend nichts verändern, nur muss ich lernen diese Absichten und das Mitgefühl dosierter einzusetzen. Denn hierbei übertrete ich spürbar meine Grenzen und wenn es am Ende dann in eine Richtung geht von: „Hättest du ja nicht machen müssen“ … Äh ja, das verletzt, stimmt aber eben auch vollkommen. Niemand bittet mich darum. Das ist meine freie Entscheidung und deshalb muss ich daran jetzt etwas verändern und lernen, Mitgefühl besser zu dosieren. Es geht nicht um das Abschalten davon, das auf gar keinen Fall, aber um eine gesündere Dosierung dessen.

Aber es spielen womöglich auch (unbewusst) egobezogene Dinge mit rein (=das Ego, das den verletzten Kern schützt):
Helfe ich, bin ich wichtig für den anderen und das war ich sonst nie. Nur, wenn ich für irgendetwas nützlich war. Helfe ich nicht und lasse den anderen allein, riskiere ich vllt. auch eine Ablehnung und Ablehnung fühlte sich früher wie sterben an. Und da sein und helfen, kann auch verhindern, sich minderwertig zu fühlen.
Das sind traumabezogene Themen, die zwar bereits seit geraumer Zeit in Bearbeitung sind, aber womöglich doch noch in ungesunden Maße vorhanden. Das muss ich dringend noch näher beobachten und gegebenenfalls weiter korrigieren. Denn wenn diese für inkonsequentes Handeln in diesem Kontext verantwortlich sind, ist weder mir noch meinem Gegenüber geholfen.

Aber es gibt auch noch ein Charaktereigenes Thema:
Der einzige Weg für mich zu überleben war, Lösungen zu finden. Lösungen zu finden, wie ich mit meinen Gefühlen umgehen und sie ertragen kann. Wie ich schier aussichtslose Situationen irgendwie so unbeschadet wie möglich überstehe. Ich will wissen, warum ich fühle, was ich fühle, um diese Gefühle und Themen akzeptieren und integrieren zu können. Ich will wissen, wie Körper, Geist und Psyche zusammenhängt, um alles wieder in Einklang bringen zu können. Wenn ich mich zu dick fühle, obwohl ich es sichtlich nicht bin, dann will ich verstehen, warum ich so denke. Was dahinter steckt und mich selbst annehmen, statt in die Ablehnung zu gehen. Ich will die Hintergründe all meiner Probleme verstehen, um sie ändern zu können. Ich will eine gerechte Verteilung für mein Handeln und das des anderen sehen und verstehen, um so Konflikte besser be- und verarbeiten zu können, anstatt einen Schuldigen zu finden. Kurz: Ich möchte nicht im Leid gefangen bleiben.
Und ich bin unglaublich stolz darauf, wie ich mittlerweile mit Situationen umgehe und wie schnell ich eine Strategie finde, Probleme zu bewältigen. Deshalb sind sie nicht sofort gelöst, aber ich weigere mich, mich dauerhaft von Ihnen beherrschen zu lassen.

Hätte ich diese Strategien nicht entwickelt, bezweifle ich, dass ich heute noch am Leben wäre. Und unbewusst übertrage ich das auf andere, nur denkt und will das gar nicht jeder so oder ist generell an einem Punkt, wo es auch für ihn wichtig ist, dass er da anders denkt. Mir fällt es aber schwer, mit so jemand zu kommunizieren, weil es sich für mich wie unnötige Leidverzögerung anfühlt. Und langfristig gesehen ja auch nicht zu einer Besserung zu führen scheint. Also, wenn ich dann Erfolge sehen würde, könnte ich das besser verstehen, aber wenn es das offensichtlich nicht tut, dann fällt es mir schwer, den anderen richtig nachvollziehen zu können. Also z.B. auch alte Glaubensmuster verändern sich ja nicht von selbst, nur weil man herausfindet welche es sind. Daran muss man aktiv arbeiten und das ist extrem schwer. Aber dazu braucht es den Willen zur Veränderung und damit den Willen zum Leben …

Lösungen für Unangenehmes und Unerträgliches zu finden, bedeutet für mich also auch Veränderung und Veränderung ist für mich gleichbedeutend mit Leben. Das gesamte Leben ist Veränderung und Wandel unterworfen. Immerzu und ständig.
Ich ertrage keine Stagnation, Verhaftung und Leidspiralen, denn das bedeutet für mich Tod. Tod, Ohnmacht, gefangen sein.
Das heißt, dass ich an diesen Punkten also nichts verändern will. Ich möchte mich gar nicht mehr auf Gegenteiliges einlassen und trotzdem tue ich es noch.
Thema: Grenzen setzen.
Heißt, ich muss hierbei also noch mehr auf mein Umfeld achten. Mir ein Umfeld suchen, das ähnlich denkt oder teilweise auch leicht in seinen Themen ist. Ganz ohne Tiefe kann ich nicht, aber es muss nicht immer in die Tiefe gehen, das muss auch ich noch lernen. Wenn ich etwas Positives will, muss ich vielleicht sogar, hin und wieder, auf leichtere Themen setzen. Der berühmte goldene Mittelweg.

Und es ist vollkommen okay, wenn jemand anders denkt oder an einer anderen Stelle steht (ging mir ja selbst so – jeder steht immer wieder an verschiedenen Stellen und der Clou ist es wohl jemand zu finden, der an ähnlicher Stelle steht, sodass man sich nicht gegenseitig runter-, sondern weiterzieht), nur muss ich nicht (und will ich ja eigentlich auch gar nicht) solche Menschen in mein Leben lassen. Es gilt also nicht nur Menschen auszusortieren, die hochgradig toxisch sind (denn darin bin ich mittlerweile ziemlich gut), sondern auch jene (trotz dass ich sie mag und die auch keine falschen oder schlechten Menschen sind), die sich gerade einfach an einem ganz anderen Punkt als ich befinden. Man redet aneinander vorbei und am Ende fühlen sich alle schlecht.
Ich kann ebenso wenig versuchen diese Menschen an meinen Punkt zu ziehen, wie ich mich an ihren ziehen lassen möchte. Deshalb ist auch keiner falsch, sondern nur unterschiedlich und was nicht passt, passt eben nicht.

Was mich daran nur wurmt, ist, wenn ich genau das anspreche: „Wir stehen an unterschiedlichen Punkten und sollten erstmal getrennte Wege gehen, daran ist aber keiner Schuld„, das so nicht stehen gelassen wird. Für mich ist das eine Lösung, die jeden etwas bringt. Man versucht nicht sich gegenseitig zu verändern, jeder kann bei sich bleiben, triggert sich nicht weiter gegenseitig, keiner ist der „Schuldige“ für irgendwas und irgendwann kann man wieder zueinander finden. Ich verstehe nicht, warum das dann weiter ausdiskutiert wird, sodass man doch komplett auseinander geht.

Aber ich verstehe vieles nicht. Unter anderem z.B. warum man ein „das wird mir zu viel/das belastet mich“ erst vortanzen muss, bevor es verstanden wird. Warum ein „bitte schicke mir sowas nicht mehr“ ignoriert wird, weil man sein eigenes Bedürfnis durchsetzen will. Damit triggert man mich wissentlich (und zwar echt dolle), wenn auch nicht absichtlich. Warum nicht anerkannt wird, wenn ich von einem wahrgenommen Ungleichgewicht spreche: „Nein, das ist nicht so“ – „Du kannst deine Themen ruhig nochmal wiederholen, dann weiß ich das es wichtig ist“ … Das ist lieb gemeint, vllt. möchte ich aber gar nicht meine Themen 3x wiederholen, bevor man sie wahrnimmt und vllt. möchte ich auch generell nicht ausschließlich über Probleme sprechen? Wenn immerzu alles nur schlecht ist, kann auch ich irgendwann nicht mehr. Ebenso, wenn es immer das Gleiche und kein Fortschritt zu sehen ist.
Oder warum Versuche den anderen zu unterstützen, trotz eigener Themen, am Ende gedreht werden, als hätte man nur meinetwillen so viel darüber geredet. Das fühlt sich an wie: „Selbst Schuld, du wolltest es doch so“ .
Ich gebe mir auch wirklich Mühe, so gut es mir zumindest möglich ist, mich in andere hineinzuversetzen, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Zu schauen, wo derjenige gerade steht, unterschiedliche Optionen zu finden, verschiedenste Hintergründe zu beleuchten, betone immer wieder, dass nichts ultimativ gemeint ist, nenne meine Bedürfnisse und Grenzen … Und am Ende versteht man trotzdem das Gegenteil von dem, was ich eigentlich wollte und sagte. Ich fühle mich, als würde ich eine Sprache von einem fernen Planeten sprechen.
Im Endeffekt kann ich es also lassen, mir in solchen Kontexten Mühe zu geben.

Daher: Ich muss lernen vieles, viel dosierter einzusetzen.

Und es gab eine weitere wichtige Erkenntnis für mich in den letzten Tagen: Ich habe vor einiger Zeit festgestellt, dass ich zu all meinem eigenen Trauma, dem Blog (den ich liebe) und dessen Themen, einen positiven Ausgleich brauche. Ich kann und darf mich nicht nur mit diesen schweren Themen beschäftigen. Nur wusste ich nicht, welchen und wie.
Einige Zeit darauf stellte ich fest, was die Ursache meiner Depressionen ist (ich schreibe dazu noch einen eigenen Beitrag, wie und warum und womit das genau zusammenhängt) und bei mir hat es etwas mit sozialer Verbindung zu tun.
Ich brauche sehr dringend etwas Positives in meinem Leben. Und wenn ich mir weiter Menschen ins Leben hole, die an ganz anderen Punkten stehen, wie soll ich dann für mich im Moment richtige Verbindungen aufbauen?
Das funktioniert einfach nicht so, wie ich das bisher gemacht habe. Und daran hat auch keiner Schuld. Ich muss für mich lernen, dass nicht jeder Mensch die Welt sieht wie ich. Und das ist auch gut so, denn Unterschiede braucht es.
Und eigentlich weiß ich das auch, aber trotzdem fällt es mir oft schwer, mich in verschiedenste Denkmuster, die FÜR MICH stark destruktiv sind, hineinzuversetzen. Ich verstehe die Logik dahinter nicht. Und da muss ich ansetzen, dass ich das auch gar nicht verstehen muss.

Nicht mein Zirkus – Nicht meine Affen
Diesen Spruch muss ich endlich lernen, tiefer zu verinnerlichen. Aufhören, die Probleme anderer, zu meinen zu machen. Mich zu sorgen und emotional davon berühren zu lassen. Es geht nicht darum, dass es mir komplett egal wird, ich brauche für mich nur einen gesünderen Umgang damit. Und ich muss auch aufhören, allen möglichen Leuten ein offenes Ohr anzubieten.
Es ging letzten Endes bisher überwiegend in negative Richtungen (für mich), also sollte ich lernen auch das besser zu dosieren.
Es fühlt sich an, als würde ich den kleinen Finger reichen und den ganzen Arm genommen bekommen. Und nach meinem Veto wird einfach weiter gemacht, als hätte ich nichts gesagt.
Ich möchte etwas Gutes für andere tun, bleibe am Ende aber selbst auf der Strecke und so kann das jetzt wirklich nicht mehr weitergehen.

Womöglich muss ich Dinge auch noch direkter und deutlicher sagen, obwohl ich eigentlich das Gefühl habe, dass ich nicht gerade zu den Menschen gehöre, die sich sehr lange hinterm Berg mit ihrer Meinung halten. Aber irgendwie kommt es trotzdem nicht an, was ich sage … Ich versuche da scheinbar noch zu nett zu sein, den anderen nicht zu verletzen. Es trotzdem noch freundlich zu vermitteln. Das geht aber meist nur nach hinten los. Besonders wenn es am Ende heißt, in etwa, ich hätte ja eher etwas sagen können/müssen … Da beginne dann ich wieder an meiner Wahrnehmung zu zweifeln …
Also muss ich lernen, da direkt einen Cut zu setzen. Ohne stundenlanges zuhören und reden.
Weiter scheint es andere sowieso nicht zu bringen und mir raubt es auch Kraft, denn irgendwie vergesse ich (und andere) scheinbar ständig, dass ich selbst schwer traumatisiert bin und nur begrenzte Kapazitäten habe.
… Oder ich lasse mich demnächst dafür bezahlen. Sehe es nur noch rein auf beruflicher und nicht mehr auf freundschaftlicher Ebene.

Und ich muss raus aus dem Denken des „Unterstützen-Wollens“. Fragt mich schließlich keiner danach. Dieses „zu-viel“ bzw. das, was mir zu viel Energie absaugt, ist ja das, was ich freiwillig gebe, also muss ich schauen, dass ich da mehr bei mir bleibe und weniger gebe. Also weniger dahin gebe, wo der andere es gar nicht haben will.
Nur ist für mich da noch die Diskrepanz dazwischen, wie ich dann damit umgehe, wenn man mir trotzdem Dinge immer und immer wieder erzählt, auf dessen man gar keine richtige Antwort möchte.
Denn den anderen sich allein überlassen, fühlt sich für mich falsch an. Allerdings fällt mir nur das gerade ein. Vielleicht stellt sich hier aber auch ein Arschloch-Denken bei mir ein, weil ich denke, dass ich in den schlimmsten Zeiten meines Lebens auch allein war und gerade das mir am meisten geholfen hat selbstständig zu werden.

Vllt. auch nur noch dazu etwas sagen, wo der andere tatsächlich an einem Weiterkommen arbeiten möchte, nur denke ich ständig anderen wäre generell daran gelegen. Ich merke den Unterschied zwischen Jammertal und konstruktiv darüber sprechen scheinbar zu spät. Akzeptieren wäre noch wichtig, denn oft sind die Trigger beim anderen, dass das Gefühl aufkommt die Realität abgesprochen zu bekommen. Und das versuche ich auch, also das akzeptieren, aber nach dem dritten Mal das Gleiche werde ich ungeduldig, weil ich Veränderung anstrebe. Ich verstehe die Gedanken des anderen schon, mir geht es nicht darum dessen Realität abzusprechen, aber wenn die jetzige schlecht ist, muss man doch sehen wie man sie verändern kann. Aus meiner Sicht. Und das funktioniert nur über eine Veränderung im Denken.
Womöglich fehlt mir hier der Mittelweg. Da muss ich noch schauen, welche Lösung ich da für mich finde.

Hört sich auf den ersten Blick alles erstmal negativer an, als es sich für mich anfühlt.
Für mich sind viele wichtige Erkenntnisse in den letzten Tagen dabei gewesen, bis zu einem Tag, wo ich mich dann auch wirklich nicht mehr dagegen wehren konnte.
Aktuell fühlt es sich für mich an, als würde sich da viel in mir neu ordnen. Es brodelt und wirbelt und ist sich gerade sehr am Verändern. Ich habe auch das Gefühl, dass es für mich jetzt in eine neue Lebensphase geht und darauf freue ich mich wirklich sehr. Denn die Alte hat jetzt ausgedient.
Ich will raus aus diesem alten Leben. Aus der Destruktivität. Aus der Hoffnungslosigkeit und der Angst.
Vor einigen Tagen ist für mich ein Knoten geplatzt und jetzt kann und will ich nicht mehr zurück. Was nicht heißt, dass es mir nicht auch wieder schlechter gehen wird. Die Traumata, Depressionen, Ängste, usw. lösen sich dadurch ja nicht plötzlich in Luft auf. Und ein Leben nur mit Hochs sehe ich sowieso nicht als realistisch an, dennoch spüre ich, wie sich in mir etwas verändert hat. Und noch weiter verändern wird.
Jetzt gilt es aber erst einmal all das neu Aufgekommene sich ordnen zu lassen.
Ich habe in den nächsten Wochen also einiges zu tun und gönne mir daher eine Auszeit vom Blog.

Euch wünsche ich einen schönen Sommer ☀️✌️

System-Fragen beantwortet

Heute gehe ich auf einige Fragen ein, die in den letzten Monaten/im letzten Jahr so hereinschneiten…

Warum sprichst du so wenig über euer System?

Weil wir das nicht wollen. Äh, Punkt? 😅

Nein, ich führe das natürlich etwas aus. Mir ist bewusst, dass es Dis-Systeme gibt, die mehr über sich erzählen. Wo z.B auch die unterschiedlichen Anteile vorgestellt werden und auf das zielte diese Frage wohl auch ab. Ich persönlich finde es auch absolut interessant, wenn Anteile sich vorstellen, von sich und ihren Anschauungen, etc. berichten. Nur bei uns geht das nicht. Einer der Hauptgründe liegt darin, dass systeminterne Informationen etwas sehr gefährliches sind, womit schnell Schindluder betrieben werden kann.

Aber auch darin, dass wir ein unglaubliches Problem mit Namen haben. Ich kann euch nicht sagen, warum das so ist. Tatsächlich reden wir uns auch untereinander nicht oder nur in Ausnahmefällen mit Namen an. Wer angesprochen ist oder wem man versucht anzusprechen, funktioniert mehr auf einer „energetischen“ Ebene. Es läuft viel über spüren/fühlen, wer gerade gemeint ist, ab. Dumme Beschreibung, ich weiß. Ich denke, dass ist aber auch ein Grund, warum Innenkommunikation recht schwierig bei uns ist. Funktioniert halt nicht immer richtig mit: „Hey du da!“ . Mir ist aber aufgefallen, dass ich auch in der Außenwelt selten Menschen mit ihren Namen anspreche. Nur wenn´s halt gerade nicht anders geht. Oder wenn ich etwas deutlich machen will. Vor einiger Zeit sagte auch mal jemand ständig meinen Namen, wenn er mit mir sprach. Und mich hat das so irritiert, dass ich erstmal googeln musste, warum jemand das tut. Ich wusste halt nicht ob dahinter eine manipulative Absicht steckt oder eine freundliche oder wie ich das einschätzen soll 😅.

Um zum Thema zurück zu kommen: Wir haben ein Problem mit Namen. Und wenn man keine Namen verrät, ist es logischerweise auch schwierig Anteile, die Auftauchen, für Außenstehende auseinanderzuhalten. Was sollten wir da sagen? „Heute ist die Person da, die vorletzte Woche schon mal da war, aber nicht der ist, der gestern da war“ ? Also weißte, das macht halt wenig Sinn.

Außerdem…

…Haben systeminterne Informationen für uns auch etwas sehr privates. Das ist unsere Welt und wenn wir uns dazu bereit fühlen, teilen wir davon etwas mit. Und wenn nicht, dann eben nicht. Ähnlich verhält es sich übrigens mit Informationen über andere Systeme. Wir können tatsächlich gar nicht so gut damit umgehen, wenn man uns zu schnell, sehr private Systeminformationen nennt. Das Problem liegt da aber nicht beim Anderen bzw. Gegenüber, sondern einfach darin, dass das FÜR UNS eine große Nähe und Intimität bedeutet, die wir erstmal einordnen lernen müssen.

Diese Nähe ist rational zwar sehr cool, signalisiert innerpsychisch aber Gefahr. Wir brauchen unsere Zeit damit umzugehen. Umgedreht bedeutet es im näheren Kontakt zu anderen Menschen aber nicht, wenn wir nichts über uns mitteilen, dass grundsätzlich kein Vertrauen da ist oder der andere etwas falsch macht.

Weiß euer Umfeld von der Dis?

Das nähere Umfeld schon, ja. Und anderen Menschen gegenüber: Wir posaunen es nicht ständig in die Welt hinaus, gehen mittlerweile aber immer entspannter damit um. Wer’s weiß, weiß es eben. Zum Beispiel wenn jemand auf dem Blog stößt o.Ä.

Mit unserem nahen Umfeld sprechen wir aber trotzdem nicht darüber. Kaum systeminterne Informationen und unterschiedliche Anteile kennt auch keiner mit Namen. Bei einer Freundin zeigten sich in letzter Zeit einige und sprachen mit ihr (allerdings ohne ihren Namen zu nennen). Und mit unserer besten Freundin konnten wir früher relativ gut drüber reden. Da zeigten sich auch das erste Mal welche richtig vor jemand Außenstehenden. Wie die ganze Freundschaft zwischen uns auseinander ging, war aber eher ein herber Vertrauensbruch für viele im Inneren.

Mit dem Rest besteht da kein wirklicher Bedarf drüber zu reden. Wir haben es ein paar Mal vorsichtig versucht, aber es kamen viele Relativierungen: „Ach das hat doch jeder.“ – „Na das ist doch normal.“ usw. Und irgendwie ist mir das zu blöd, da jedes Mal gegenzureden und zu erklären, dass es eben doch ein bisschen anders ist, als bei anderen Menschen. Das kostet Energie und letztendlich führen diese Relativierungen dazu, auch wenn sie 100% nicht böse gemeint sind, dass wir das Gefühl bekommen, uns wird nicht geglaubt. Oder das man sich beweisen müsste und darauf haben wir wirklich keine Lust. Manchmal, wenn wir etwas erzählt haben, wurde sich darüber auch ausgeschwiegen und schnell das Thema gewechselt. Das ist auch nur so ein mittelprächtiges Gefühl.

Wir belassen es daher dann auch dabei. Letztendlich begegnet dem Gegenüber doch sowieso nur eine Außenerscheinung. Und das diese Wechselhaft im Verhalten ist, ist ja nichts Neues für irgendjemand. Und den Rest machen wir eh mit uns selbst aus.

Warum müssen alle „Franzi“ genannt werden?

Müssen sie nicht. Am liebsten ist uns, wenn ihr einfach gar keinen Namen verwendet. Und wenn es z.B um sowas geht wie: „Hey guck doch mal“ und wir sind gemeint, aber mehrere (Außen)Personen mit anwesend, dann passt „Franzi“ . Das ist der Frontname und in seiner Abkürzung relativ positiv besetzt. Tatsächlich geht es bei „Franzi“ nicht darum, dass [ich] die anderen nicht anerkenne und deshalb alle „meinen“ Namen tragen sollen, wie oft vermutet.

Wir haben uns einfach darauf geeinigt, da es die leichteste Lösung ist. Manches hat auch eindach nur pragmatische Gründe😅.

Es gibt noch Zwei, die uuuunlgaublich viel wert darauf legen, jeden, sobald sie da sind, vor den Latz zu knallen, dass sie jetzt gerade wirklich nicht „Franzi“ sind. So mitten im Gespräch: „Ja ich bin jetzt aber auch nicht Franzi“ . Blöd ist es dann halt, wenn sie gefragt werden, wer dann da sei. Denn darauf antworten sie auch nicht. Da kommt dann so ein: „….Jaaa….nee….Franzi passt schon“ . Ich weiß aber nicht, ob es daran liegt, dass sie ihren Namen nicht nennen wollen, also so sagen sie es. Oder ob sie da vllt doch hauptsächlich versuchen, mehr auf den Rest Rücksicht zu nehmen.

Dann könnten wir jetzt zwar noch die Anfangsbuchstaben der Einzelnen mit hinschreiben oder sagen „B.“ ist gerade vorn oder hat den Text verfasst. 1. gibt es aber ja jeweils nicht nur einen Anteil mit diesem Anfangsbuchstaben, also käme man (als Außenstehender) auch durcheinander. Und 2. existiert da auch immer noch die innere Angst, über den Anfangsbuchstaben und Verhaltensweisen könnte herausgefunden werden, wer derjenige gerade ist.

Wer schreibt auf dem Blog?

Mehrere, wenn auch nicht sehr viele. Allerdings war [ich] bisher immer mit im Co-Bewusstsein. Spätestens wenn es an die Veröffentlichung geht.

Manche schreiben Beiträge komplett. Oftmals ist es tatsächlich aber auch ein Mix pro Beitrag, zumal wir auch nicht alle Artikel an einem Stück zu Ende schreiben.

Generell schreiben wir viele Beiträge vor und veröffentlichen sie erst einige Zeit später. Manchmal packt uns die Muse und wir schreiben mehrere Beiträge in einer Woche, aber dann sind auch Phasen dabei, wo wir wochen- bis monatelang überhaupt nichts schreiben können. Dafür sind die vorgeschriebenen Beiträge dann sehr gut. Und diese Beiträge werden immer auch gegengelesen. Von mir, da ich den Blog nach Außen hin repräsentiere und schon Wert auf einige Dinge lege. Und im Inneren checkt auch immer jemand, ob das so okay ist, was geschrieben wurde oder ob jemand zu viel preis gab, was dann abgeändert werden muss.

Daher auch nochmal ganz wichtig: Social Media ist nicht die Realität. Nur weil wir z.B. (fast) jede Woche etwas veröffentlichen, heißt das nicht, dass wir mehr Energie haben, als andere oder Dinge leichter laufen. Das Vergleichen kann man nicht abstellen, aber vllt. hilft es euch, das immer mal wieder mit im Kopf zu behalten. Ihr seid nicht schlechter, fauler oder what ever, nur weil bei euch manches oftmals nicht geht. Schreiben hilft uns beim Verarbeiten und auch einen sinnvollen Zweck im Leben zu finden sowie eine Verbindung zur Umwelt aufzubauen. Euch helfen dagegen aber vllt. ganz andere Dinge und diese sind genauso wichtig und wertvoll!

Wer ist der „Host“ ?

Offiziell könnte man sagen, das ist Franzi. Allerdings kann ich, wenn ich mich als „Franzi“ vorn fühle, nicht mal sagen was genau diesen Anteil ausmacht. Ich selbst habe ein Aussehen im Inneren, fühle dieses Individuum aber nie allein vorn. Ich persönlich weiß nicht was „Franzi“ genau definiert und was nicht. Ob es überhaupt einen einzelnen Anteil mit diesem Namen gibt oder nicht. Vllt gibt es jemand, der überwiegend vorn ist und den man als Host bezeichnen könnte. Aktuell könnte ich darüber allerdings überhaupt keine zuverlässige Aussage treffen.

In Momenten, wo Zweifel am Trauma etc. aufkommen, kann es uns helfen unsere Individualität zu verstehen und begreifen. Im normalen Alltag ist es uns mittlerweile allerdings egal wer und wie viele wann vorn sind. Das kostet einfach so viel Energie und führt im Gegenteil eher oft zu noch mehr Zweifeln, als wenn wir alles einfach sein lassen, wie es ist.

Wie groß ist euer System?

Auch so eine beliebte Frage. Auch keine grundlegend verkehrte. Neugierde darf mehr als sein. Wir haben allerdings schon vor einer ganzen Weile aufgehört zu zählen und mittlerweile ist es uns auch egal. Aktuell gibt es noch immer eine große Blockade bzgl. innerer Landkarte. Vllt ändert sich unsere Einstellung also irgendwann wieder, wenn auch sowas wieder möglich ist. Momentan wüsste ich aber sowieso nicht, was eine exakte Zahl ändern sollte.

Wenn ein bestimmtes Trauma vorliegt, ist es egal ob 20 oder 200 Anteile existieren. Das Trauma bleibt ja das Gleiche. Wichtig finde ich, dass keiner unter den Teppich fällt. Aber ob er nun Anteil 8 oder 568 ist, ist doch nun wirklich Wurst.

Vllt hat sich bei mir auch eine bestimmte Resignation eingestellt, ich weiß es nicht. Aber für mich ist das Was, Wer, Wie, Wo gar nicht mehr so wichtig, sondern das, was aktuell ist. Wer was im aktuellen Moment erlebt, fühlt und denkt ist real und nicht woher er kommt. Das aufmerksame Beobachten der eigenen Vorgänge (als Anteil) führt ja automatisch zu den eigenen Hintergründen. Manchmal schneller, manchmal langsamer. Letztendlich hängen wir aber alle zusammen und wer das eine erkennt, hilft damit auch dem anderen. Kollektive Reflexionsarbeit quasi, jedem so, wie es ihm möglich ist. Und wer nicht weiterkommt, dem hilft manchmal die Erkenntnis des Anderen.

Habt ihr Anteile, die gegen euch arbeiten?

Im alltäglichen Erleben ist es ein ständiges Auf-und Ab. Was heute funktioniert, wird morgen völlig blockiert, ohne Begründung. Die Hintergründe herauszufinden, ist oftmals eine kräftezerrende Aufgabe und nicht immer fruchtbar. Hier ist also durchaus nicht alles Heididei. Und auch nicht jeder kann jeden leiden. Das stelle ich mir auch recht unrealistisch vor. Zu inneren Zwistigkeiten und Meinungsverschiedenheiten kommt es also definitiv. Dennoch stelle ich bei uns eine gewisse Form der Zusammenarbeit fest. Das heißt nicht, dass jeder Hand in Hand zusammenarbeitet, sondern nur das es ein übergeordnetes Ziel gibt. Wann das festgelegt wurde, weiß ich nicht. Oder ob es überhaupt wie in einer Art Konferenz festgelegt wurde, oder viel mehr vllt ein Wunsch ist, den alle teilen. Kann ich euch nicht sagen. Es scheint aber schon so, als würde sich daran langehangelt.

Das heißt aber NICHT(!), dass das ganze System zusammenarbeitet oder es nicht noch immer Anteile gibt/geben kann, die versteckt (ohne das es mir bewusst ist) einem anderen Ziel folgen.

Wie geht ihr mit täterloyalen Anteilen und Täterintrojekten um?

Grundsätzlich gilt: Ernst nehmen. Aber ohne Angst. Zu erkennen wie wenig Macht ich im System habe, war Anfangs mehr als beängstigend. Hat mir am Ende aber geholfen, den anderen mit weniger Angst zu begegnen. Ich kann es ja schließlich sowieso nicht ändern.

Die haben ihre Gründe für ihr Handeln und Fühlen. Ich kann das nur ernst nehmen. Es bringt nichts, wenn ich sie ständig runter mache, mich gegen sie stemme und ihnen sage wie behindert ich sie finde. Die Anfangszeit hat das nur zu noch unangenehmeren Abwehrreaktionen geführt, was jeden belastet hat. Ich persönlich habe so wenig Macht im System, dass ich sowieso niemand etwas vorschreiben kann … Also bin ich irgendwann dazu übergegangen, einfach meine Sichtweise der Dinge zu schildern und warum ich etwas denke und will. Meine Logik bzw. Kosten-Nutzen-Rechnung erklärt. Und gesagt, dass ich aber jederzeit für ein besseres Argument zu haben bin. So gehe ich ja auch mit Außenstehenden um.

Die Grundidee dahinter ist einfach nur das ernst nehmen. Wir haben ein Grundziel und verschiedene Wege/Betrachtungen/Versuche dahin zu kommen. Der sinnvollste und effektivste Weg (egal welcher Form) gewinnt. Der springende Punkt dabei ist aber, dass es nicht manipulativ gemeint ist.

Irgendwann war mir manches einfach wirklich Wurst. Zumal doch eh getan wird, was „gewollt“ wird. Ich kann daher auch nix dazu sagen, ob täterloyale Anteile und wir tatsächlich an einem Strang ziehen, nur einige oder gar keine (und ich nur an der Nase herum geführt werde). Logisch ist für mich aber, dass ich sie nicht über Bevormunden, Bestrafen, Ablehnung, Kritisieren oder Manipulation ins Boot holen kann 🤷‍♀️.

P*dophilie

Ich gehe hier heute das Thema P*dophilie an, daher gibts eine ausdrückliche Triggerwarnung! Für mich ist dieses Thema sehr schwer anzusprechen, weil ich mir gerade selbst immer wieder in den Kopf rufen muss, dass ich hier keinen Missbrauch verteidige.

Stattdessen will ich eben gerade auf die Differenzierung von P*dophilie und se*uellen Missbrauch hinweisen. Trotzdem fühlt es sich stellenweise an, als würde ich hier Täter in Schutz nehmen wollen 😒. Dieser Beitrag ist daher auch schon seit über einem Jahr in Arbeit. Naja, jetzt ist er endlich fertig…

Was ist P*dophilie?

P*dophilie bezeichnet, in seiner Wortbedeutung und früheren Verwendung, ursprünglich die Liebe oder Freundschaft zu Knaben/Kindern.

Heute ist damit die Neigung gemeint, sich von Kindern se*uell angezogen zu fühlen, welche noch nicht in der Pubertät sind (in der Regel unter 10-11 Jährige). Von der Diagnose Pädophilie spricht man allerdings erst, wenn wiederholt se*uelle Fantasien, Gedanken, Impulse oder auch Handlungen gegenüber Kindern auftreten. Und der Betroffene zudem selbst über 16 Jahre alt ist. Schätzungen zu Folge sind ca. 250.000 Menschen in Deutschland betroffen. Die Dunkelziffern scheint jedoch weitaus höher, da sich viele Menschen nicht an eine Fachstelle wenden wollen, aus Angst vor Verurteilung.

Der Betroffene kann von diesen Gedanken und Fantasien selbst stark beeinträchtigt und belastet sein. Die Neigung an sich bedeutet auch nicht automatisch, dass derjenige jemals zum Täter wird. Darum geht es mir, da das oft in einen Topf gehauen wird. Auch von mir früher. Dennoch ist allein die p*dophile Neigung nur eine se*uelle Ausrichtung, für welche sich der Betroffene nicht bewusst entscheidet. Entscheiden kann derjenige sich aber dafür, ob er zum Täter wird oder nicht…

Was ist Hebephilie?

Dies ist die Neigung von Menschen, welche sich von Kindern und Jugendlichen se*uell erregt fühlen, die bereits Merkmale der Pubertät aufweisen (11 – 14 Jahre meist).

Se*ueller Missbrauch von Kindern…

… steht nun auf einen ganz anderen Blatt. Tatsächlich gehen offizielle Schätzungen davon aus, dass nur 40 % der Missbrauchstäter auch wirklich p*dophil sind und demnach aus einem direkten, se*uellen Verlangen oder verdrehten Bedürfnis heraus handeln. In diese Gruppe fallen auch jene, die sich einreden, die Kindern hegten auch Gefühle für sie. Die glauben oder glauben wollen, ihre Handlungen und Übergriffe wären ein Ausdruck von Liebe. Andere aus dieser Gruppe wiederum wissen zwar, was sie den Kindern antun, ihnen fehlt jedoch die Empathie dafür.

Die große Mehrheit, 60 % also, hat jedoch keine direkte p*dophile Neigung, sondern wird ebenso von Erwachsenen se*uell erregt. Man spricht bei deren Missbrauch von Ersatzhandlungen. Das hört sich für mich aber so an, als würden sie nur auf ein Kind zurückgreifen, wenn gerade keine Frau zur Hand ist. Und weil sie ihren Trieb befriedigen wollen. Dem ist aber definitiv nicht so!

Warum Täter überhaupt vergew*ltigen

Der Mythos, die meisten Vergew*ltigungen fänden statt, weil der Mann seinen aufkommenden Trieb befriedigen möchte, hält sich hartnäckig. Aufreizende kurze Kleidung wird daher immer wieder dafür verantwortlich gemacht. Nach dem Motto: Bei all der nackten Haut, blieb dem armen Mann ja gar nichts weiter übrig🤷‍♀️ .

Tatsache ist aber, und das wurde mittlerweile mehrfach durch verschiedene Studien belegt, dass sich die meisten Täter Opfer aussuchen, welche eine hohe Passivität oder Unsicherheit ausstrahlen. Also jene, die in ihren Augen, zur Viktimisierung neigen. Warum ist das so?

Weil es schlicht und einfach nicht um Triebe geht, sondern um das Bedürfnis Macht auszuleben. Macht und Dominanz ausüben zu können! Kann ich das gut dort, wo das potenzielle Opfer sehr selbstbewusst auftritt und mir viel Gegenwehr bietet oder sogar eine Offenlegung droht? Natürlich nicht.

Viele Vergewaltigungstäter leiden an Persönlichkeitsstörungen, wie der dissozialen PS, einer Borderline oder narzisstischen PS usw. (was nicht bedeutet, dass alle mit einer solchen PS so etwas tun würden!). Bei diesen stehen oft ein verletzter Selbstwert, wenig Empathie/Einfühlungsvermögen und das Streben nach Anerkennung und/oder Macht im Vordergrund. Vergew*ltigungen geschehen überwiegend also nicht aus rein se*uell orientierten Beweggründen, sondern größtenteils aus Kompensationsversuchen. [Lässt den Täter schon weniger machtvoll erscheinen, oder?] – Und wo kann man all das, Macht und Dominanz ausleben, letzten Endes am besten? Richtig, bei Kindern. Vorzugsweise den eigenen (die sind schließlich am nähsten). Das ist ein Grund, warum der Großteil der Täter nach Außen ein ganz normales Familienleben lebt. Warum sie eben selten das Bild des „typischen P*dophilen“ mit Hornbrille, Halbglatze und die Kinder in ihren Van lockend (so wie medial oft dargestellt) abgeben.

Wer sind also die Täter?

In den letzten 2-3 Jahren wird immer klarer, dass Kindesmissbrauch eben kein Einzelfall ist, sondern großangelegt und sogar industriell betrieben wird (siehe Kinderp*noplattformen wie Boystown oder Elysium oder hochgenommene Kinderp*rnoringe wie Lügde, Münster, uvm.). Die Stimmen, pädophile Menschen also direkt von vornherein wegzusperren, kastrieren oder sogar hängen zu lassen, werden demnach immer lauter. Verständlicherweise, sieht man sich doch einen globalen Problem gegenüberstehend, das so groß und mächtig wirkt, dass man nicht weiß wo man überhaupt ansetzen sollte. Die Verursacher also direkt „entsorgen“, um diese Epidemie eindämmen zu können, scheint nachvollziehbar. Auf den ersten Blick.

Wie angesprochen, liegt das Hauptproblem des se*uellen Missbrauchs aber nicht an den Menschen mit p*dophiler Neigung, sondern zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten hindurch. Die Täter und auch Konsumenten von Kinderp*rnografie, sind an keinem klaren Merkmal zu erkennen oder definieren. Auch im Bereich der rit*ellen Gewalt finden wir nicht ausschließlich Menschen mit p*dophiler Neigung, sondern überwiegend Täter, welche durch Gewalt und Dominanz, Kontrolle ausüben wollen. Vllt. finden sich gerade deshalb so viele, welche hohe Ämter begleiten darin wieder.

Die Ursachen für Pädophilie

Bisher kann mann dazu noch keine klare Aussage treffen. Man geht davon aus, das Faktoren wie eine frühe Bindungsstörung, genetische und hormonelle Auffälligkeiten, sowie eigene Missbrauchserfahrungen eine Rolle spielen. Diese Faktoren erscheinen überwiegend aber nur als Teilaspekte. Über die genaue Ursache ist man sich jedoch noch unsicher.

Eigene Missbrauchserfahrungen

Es ist nicht sehr selten, dass sich (früh) erlebte Gewalt in uns als etwas abspeichert, was wir letztendlich selbst wieder ausleben. Immer wieder werden Berichte auffällig von Missbrauchsopfer (oder jenen, die sowas beobachten mussten), welche den frühen Missbrauch in ihre eigenen, se*uellen Fantasien und Regungen mit einbauen. Meist sogar ohne vom Missbrauch zu wissen. Das Bedürfnis oder das Gefühl z.B., nur von einer bestimmten se*uellen Stellung oder Handlung erregt zu werden, KANN so also das unbewusste Nachspielen einer einmal ebenso erlebten Stellung/Handlung, in Verbindung mit Gewalt, Angst und tiefer Erschütterung, sein.

So ein Erlebnis wird dann in uns als etwas umgepolt und abgespeichert, was wir gut finden und auch wollen (Introjekten). Das war in Wirklichkeit nicht so und ist stattdessen der Versuch unserer Psyche, ein so schreckliches und unbegreifliches Ereignis begreiflich zu machen. Indem wir etwas schreckliches, als für uns positiv abspeichern (unbewusst) und den Rest vergessen, versucht die Psyche all dem den Schrecken zu nehmen und wir können dadurch weiter funktionieren, ohne an dem Trauma kaputt zu gehen. Spezielle se*uelle Neigungen, Fetische oder Bedürfnisse können oftmals als einzige Symptome zurückbleiben. Manche Therapeuten und auch Betroffene berichten davon, dass sie solch eine Neigung etc. beheben konnten. Als sie das Trauma hinter all dem ausmachen und heilen konnten, verschwanden auch etwaige se*uelle Fantasien und Impulse.

Ist P*dophilie heilbar?

Nein. Generell nicht (obwohl sich das möglicherweise auch nicht pauschalisieren lässt). Genauso wenig wie Homosexualität, Heterosexualität o.ä.

Dennoch gestalten sich viele Therapien für p*dophile Menschen trotzdem nicht als sinnlos, sondern oft sogar als sehr erfolgreich. Allein die Neigung macht einem ja noch nicht zum Monster, sondern oft sind darunter auch Leute, welche nicht zum Täter werden wollen. Das Verständnis, was sie Kindern damit antun würden und das diese nicht die gleichen Empfindungen haben wie der Erwachsene, sind dort wichtig zu schulen. Ebenso wie mit der se*uellen Erregung umgegangen werden soll.

Zudem scheint es durchaus möglich, p*dophile Gedanken und Impulse bei stark dissoziativen Menschen zu beheben. Sofern das dafür zuständige Ursprungstrauma ausfindig gemacht und erfolgreich behandelt werden kann. Oft sind andere, innere Persönlichkeiten Träger dieser Fantasien und das meist aufgrund einer bestimmten Konditionierung oder sogar Programmierung. Die P*dophilie ist dort also nicht angeboren, sondern Ausdruck eines konkreten Traumas/Traumaträgers.

❎ Solltest du p*dophilen Gedanken oder Neigungen kennen, findest du Hilfe unter:

Gehört P*dophilie also gesellschaftlich akzeptiert?

Das Argument: Die Betroffenen können nichts für ihre Neigung, sondern haben eine angeborene, se*uelle Ausrichtung. Das gehört daher genauso akzeptiert, wie Homosexualität etc. Nicht jeder P*dophile wird zudem auch zum Täter.

Meine Meinung: Alles richtig, hört trotzdem auf Homosexualität mit P*dophilie, in diesem Kontext, über einen Kamm zu scheren oder es miteinander zu vergleichen! Bei der Homosexualität handelt es sich, im Normalfall, um sexuelle Impulse und Handlungen gegenüber erwachsenen Menschen, welche eben diesen aus freien Willen zustimmen, genauso wie bei heterosexuellen Menschen. P*dophilie jedoch bezieht sich auf minderjährige Schutzbefohlene. Und nein, Kinder haben nicht die gleiche Se*ualität wie Erwachsene und bräuchten daher se*uelle Selbstbestimmung (wie oftmals argumentiert).

Auch wenn ich es mittlerweile differenzieren kann, ob jemand nur p*dophile Gedanken hat, diese jedoch nie auslebt und sich sogar in Therapie begibt oder ob jemand zum Täter wird. Trotzdem gehört P*dophilie nur insoweit akzeptiert, dass die Menschen aufgeklärt und Betroffene angeregt werden sich an eine Hilfestelle/Therapie zu wenden. Pauschale Verurteilung führt nur zum Gegenteil. Das wars aber auch. Sorry 🤷‍♀️. Wenn ich solches Zeug höre, dass (diagnostizierte) p*dophile Menschen in Schulen oder Kindergärten die „Chance“ bekommen sollen, eine andere (nicht se*uelle) Beziehung zu Kindern aufzubauen. Oder das sie dort im täglichen (beruflichen) Alltag lernen sollen, dass sie Kindern sowas nicht antun dürfen und nur aus der Ferne betrachten sollen und weiterer ähnlicher Quatsch. Da kommt mir das blanke kotzen! Wer denkt sich nur immerzu solchen Mist aus?!

Das ist doch jetzt schon mehrfach schief gegangen. Erst vor kurzen las ich wieder von einem Übergriff in einer Kita, wo eben so etwas „probiert“ wurde. Ein anderer kürzlicher Fall ist ein Kindertherapeut, der in der Therapie ein Kind missbrauchte und nach seiner Haft wieder als Kindertherapeut arbeiten darf. Oder denken wir an das Kentler-Experiment (für was sich mittlerweile auch niemand mehr zu interessieren scheint)… Entweder werden wir von Idioten oder von Tätern regiert. Eine andere Erklärung habe ich für diesen Irrsinn nicht.

Auch wenn ich einem p*dophilen Menschen nicht unterstelle, direkt auch Täter zu sein, möchte ich ihn (auch trotz Therapie) nicht allein in der Nähe meines Kindes wissen. Das ein Wolf plötzlich einen Menschen frisst, wäre auch recht unwahrscheinlich (auch wenn der Wolf medial als Monster aufgebaut wird, das man sofort abschießen müsse). Dennoch würde ich mein Kind genauso wenig allein in dessen Gegenwart sitzen lassen. Ich meine, irgendwo ist ja auch mal gut mit all der Akzeptanz und Inkludierung. Zumindest wenn es um den Schutz derer geht, die dies nicht selbst können.

Strukturelle Dissoziation grafisch erklärt (vereinfacht)

Ganz oft höre ich, dass sich Menschen nicht vorstellen können, wie das mit der (p)Dis funktionieren soll.
Da die Dis jedoch kein Hexenwerk ist, dachte ich, ich probiere es einmal euch die Aufteilung im Kopf, grafisch darzustellen. Ich lerne visuell sehr gut und vllt. kann sich so auch der ein oder andere all das etwas besser vorstellen.

Beiträge, welche die genauen Störungsbilder ausführlicher behandeln, verlinke ich euch in den entsprechenden Kapiteln.

Wichtig ist (!):
All das ist stark vereinfacht dargestellt. Unser menschliches Gehirn funktioniert sehr komplex und auch die Aufteilung der inneren Anteile ist viel variabler.

Neurotypisches Gehirn

Stellen wir uns unser Gehirn und die darin existierenden Persönlichkeiten einmal wie ein Großraumbüro vor, in den jeder seinen Schreibtisch hat. Es gibt einen strengen Dresscode. Alle tragen daher die gleiche Uniform und haben die gleichen Haare .

Jeder Mensch hat unterschiedliche Rollen, in die er hin und wieder schlüpft. Bei den Kindern benimmt man sich ganz anders, als gegenüber dem Partner oder auf Arbeit. All diese „Persönlichkeiten“ (einzelne Gehirnareale) sitzen jedoch gemeinsam in dem Großraumbüro und arbeiten, Hand in Hand, zusammen. Sie alle zusammen ergeben, als ein Bewusstsein, die Gesamtpersönlichkeit des Menschen.

PTBS

Erleiden wir ein Trauma und entwickeln daraus eine PTBS, bekommt ein Großraumbüro-Mitarbeiter (=emotionaler Persönlichkeitsanteil/EP) nun die Aufgabe, sich darum zu kümmern. Alles wichtige, was mit dem erlittenen Trauma zusammenhängt, bekommt er nun in Aktenform auf den Tisch gelegt. Er bekommt zwei Trennwände neben seinen Tisch aufgestellt, entweder eine durchsichtige, sodass er noch sieht, was um ihn herum geschieht). Oder eine dunkle (wenn eine Amnesie zum Trauma, z.B den Unfallhergang oder zum Überfall, besteht). Jedoch bekommt er kein eigenes, abgetrennte Büro. Er arbeitet immer noch mit dem Rest der Mitarbeiter zusammen.
Wenn nun irgendetwas, was mit diesem Trauma zu tun hat/relevant wird (z.B wenn ein Trigger auftritt), wird alles an diesen zuständigen Mitarbeiter weitergeleitet.

KPTBS und Borderline

Mehrere Traumata, also mehr Akten die noch bearbeitet werden müssen, brauchen auch mehr Mitarbeiter, die sich darum kümmern (= mehr EP’s).
Noch immer tragen aber alle die gleiche Uniform, haben den selben Haarschnitt und sind mehr oder weniger Teil des Großraumbüros (= traumatische Gefühle wurden abgespalten und agieren bei Triggern autonom, z.B mit starker Wut oder Angst, aber haben kein eigenes Bewusstsein).

Ego-State-Disorder

Hier haben sich einige der Mitarbeiter bereits entschlossen aus dem „Schwarmwissen“ auszubrechen. Sie haben weiterhin hier ihren abgetrennten Schreibtisch, tragen aber auch schon andere Kleidung und haben sich die Haare gefärbt (= die emotionalen Anteile/Traumaträger haben bereits ein teilweise eigenes Bewusstsein, mit eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Erfahrungen).
Das Großraumbüro arbeitet aber immer noch zusammen (= und repräsentiert damit die Persönlichkeit des Gesamtmenschen).

Partielle dissoziative Identitätsstörung

Bei der pDis gibt es das Großraumbüro so nicht mehr. Jeder Mitarbeiter hat bereits sein eigenes, vollständig abgeteiltes Büro bekommen. Auch sitzt in diesem keiner mehr mit Uniform, sondern jeder trägt seine ganz individuelle Kleidung (= eigenes Bewusstsein, Erinnerungen und Meinungen). Allerdings sind die Wände der Büros aus Glas, sodass trotz allem jeder sehen kann, was der andere tut (= Co-Bewusstsein).
Der Mitarbeiter XY am anderen Ende des Büros kann so zwar möglicherweise noch, wenn er sich Mühe gibt, schauen was der Kollege ZX macht. Das heißt aber nicht, dass er auch automatisch mit ihm kommunizieren kann oder weiß welches Thema (=Erinnerung) er auf seinem Schreibtisch bearbeitet , schließlich befinden sich trotz allem Wände zwischen ihnen. Dazu müssten beide entweder die Türen öffnen oder ein Telefon nutzen.

Dissoziative Identitätsstörung

Hier gibt es nun auch keine verglasten Wände mehr. Jeder hat sein ganz eigenes Büro, mit festen, undurchschaubaren Betonwänden. Selbst wenn sich Mitarbeiter XY nun also ganz weit zurücklehnt und sich den Hals halb verrenkt, kann er nicht sehen was im Nebenzimmer geschieht. Um zu erfahren was die anderen Mitarbeiter machen und was deren Aufgabengebiet in der Firma ist, muss er sich also mit ihnen vor dem Büro treffen oder ihre Nummer herausfinden, um sie anrufen zu können. Wenn er sich irgendwann mit einem Kollegen richtig gut versteht, reißen beide möglicherweise die Wand ein und arbeiten zusammen in einem großen Büro.
Aufgrund der Einzelbüros kann es hier auch dazu kommen, dass unterschiedliche Mitarbeiter mit den Kunden (= der Außenwelt) reden, ohne zu wissen was ein anderer Mitarbeiter dem Kunden vorher erzählt hat.
Es kann aber auch Mitarbeiter geben, die eine Glaswand zum Büro des anderen haben (= Co-Bewusstsein).

DIS: Blackout & Greyout

Heute sprechen wir mal über die kleinen Unterschiede bei Blackouts….

Blackouts

Zum Blackout kommt es, wenn eine Persönlichkeit vor wechselt, zu der die amnestischen Barrieren noch sehr hoch sind.
Letztendlich fühlt es sich so an, wie man sich einen Blackout vorstellt. Von einer auf die nächste Sekunde ist bspw. die Sonne bereits untergegangen oder es ist früher Morgen, obwohl eben noch Abend war. Oder du stehst gerade noch draußen und suchst deinen Schlüssel und im nächsten Moment bist du in deiner Wohnung und kochst dir etwas zu essen. Dabei hast du keinerlei Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert ist. Es ist, als würde jemand mit dem Finger schnippen und plötzlich ist Zeit vergangen. Dabei können bis zu mehrere Stunden, Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre fehlen.

>>Kennt ihr das?
Wenn ihr aufwacht
Und ihr dreht euch noch mal um
Und schlaft dann ein
Und auf einmal seid ihr fünf Jahre älter
Schäbig ist das<<

Prezident


Dazu muss man aber sagen, dass einem das nicht immer auffällt. Bei mir bestand lange Zeit, und besteht noch heute oft, die Amnesie zur Amnesie. Oftmals fällt mir dann nur auf, dass ich nicht da war, wenn etwas ohne mein Wissen in der Wohnung verändert wurde. Eigentlich machst du normalerweise einfach weiter, als wäre nichts gewesen, weil es dir gar nicht gravierend auffällt. Dissoziation „sei Dank“.

Es gibt aber auch Persönlichkeiten, die bspw. vorn sind und dann rausgekickt werden und plötzlich wieder in der Innenwelt sind. Und es gibt auch welche, die, soweit ich das von hier weiß, gar keine Blackouts erleben, da sie eine Beobachterposition innehaben.

Seit dem neuen ICD-11 gibt es auch eine neue Unterteilung der DIS-Typen.
Dabei wird in Typ 1 unterschieden, wo es zu Wechseln bzw. volldissoziierten Handeln nur in Stresssituationen kommt und in Typ 2, wo volldissoziiertes Handeln auch im normalen Alltag ständig auftaucht.
Die Aussage: „Nur wenn man den ganzen Tag über viele Blackouts hat, hat man auch eine DIS“ stimmt so also nicht ganz.

Hier ist es z.B. auch so, dass es keine extremen Wechsel gibt. Also ich denke, das hat mehrere Faktoren: Zum einen, dass wir eine viel ruhigere und sicherere Umgebung als früher haben. Das macht sehr viel aus. In Hochstresssituationen bin ich z.B. kaum noch anwesend. Zum anderen denke ich aber, dass wir generell nicht wild durch die Gegend wechseln (mit vollständigen Blackouts). Und offen schon gar nicht, also so, dass es anderen besonders auffallen würde. Ich habe mich z.B. auch noch nie plötzlich in einer anderen Stadt wiedergefunden … Glaub ich 🤔

Greyouts

Greyouts sind eine Art Miniblackout. Das ist eher die Form, die überwiegend auftritt, also besonders oft über den Tag verteilt.
Man merkt das bspw. daran, wenn man sich in einem Gespräch befindet und plötzlich feststellt, dass man einen Teil davon nicht mitbekommen hat. Das kann natürlich „nur“ mit dissoziieren zusammenhängen (z.B. wenn es ein schwieriges Thema ist) oder aber es kann zwischendurch auch eine andere Person vor wechseln (das fällt meist daran auf, wenn man das Gespräch problemlos weitergeführt hat und sich z.B. wundert, was man angeblich gesagt haben soll).

Hier ist es dann so, dass oft Information zu geschoben werden (was ich auch schon von einigen anderen so gehört habe). Also dass entweder derjenige, der vorn war, öfter aber macht es jemand, der sich im Hintergrund auffällt und eher beobachtet, dir wie auf einem Notizzettel zuschiebt, was eben passierte. Wenn guter Kontakt zu demjenigen besteht, dann ist es mehr wie ein richtiges Gespräch. Größtenteils kommt das bei mir aber so an wie ein spontaner Einfall oder Gedanke, der sich aufdrängt. So als würde ich einen Filmausschnitt sehen (nur halt ohne sehen 🤔 – Vllt. trifft es ‚fühlen‘ besser, hier läuft so vieles über Fühlen ab, eher wie ein 6. Sinn) und dann wissen „Ah, da war das und das los“ .

Auch das macht es schwierig, solche (Mini)Blackouts als das zu erkennen, was sie sind. Du denkst ja dann, du wärst eben nur mal wieder unaufmerksam gewesen. So wird nach Außen aber auch ein besseres Bild von „normal“ aufrechterhalten (und auch für die Frontpersonen, besonders, solange auch sie nichts von der DIS wissen sollen).
Bei solchen Gesprächssituationen kann es für Außenstehende dann z.B. so wirken, dass man plötzlich während des Gesprächs eine ganz andere Meinung bekommt oder die Stimmung stark schwankt oder man sich eben nicht daran erinnert, worüber man gerade gesprochen hat. Mein Lieblingssatz, den ich eigentlich in fast jedem Gespräch mindestens 1x sage ist: „Um was ging’s gerade?“

Weiter zeigen sich solche  „Miniblackouts“ darin, dass generell Sekunden oder Minuten fehlen. Sowas bekommst du normalerweise gar nicht mit, es sei denn du guckst den ganzen Tag akribisch auf die Uhr. Oder an anderen Kleinigkeiten, wie z.B., wenn ich den Aufwasch mache und zum Glas greifen will, um es abzuwaschen und dann steht es bereits fertig aufgewachsen neben der Spüle, obwohl es eben noch dreckig war. Auch wenn die Tasse plötzlich ausgetrunken oder der Teller aufgegessen ist und du dich nicht oder nur kaum daran erinnern kannst. Also so, als hättest du es nur von irgendwo ganz wage mitbekommen.
Oder du hast eben noch deinen Schlüssel in der Hand und willst ihn in die Tasche stecken, machst sie auf und plötzlich liegt er schon drin. Und dann guckst du die andere Hand ganz verwundert an und denkst dir nur so „Hä?“ . Fragst dich dann aber auch nicht weiter.

Also hier ist es auf jeden Fall so, dass es dazu den ganzen Tag über kommt. Eigentlich fühlt es sich für mich an, als wäre ich den ganzen Tag anwesend. Wenn ich mich dann aber an den Tag erinnern will, eher so, als hätte ich im Zug gesessen und alles nur an mir vorbeirauschen sehen. Manches habe ich mitbekommen. 50 – 60% aber eher, als wäre ich gar nicht richtig mit dabei gewesen oder hätte nicht hingeschaut (wie in der Zuganalogie).

Schlusswort

Ihr seht, es ist also gar nicht ganz so leicht, eine DIS nur an Ihren vielen Blackouts festzumachen. Vieles bekommt man manchmal gar nicht mit und auch hier gilt wieder: Nicht jedes System ist gleich.
Die einen wechseln besonders viel am Tag (und bekommen es mit) und andere wechseln weniger oft. Auch das hat nichts mit der Schwere des Traumas oder der Echtheit des jeweiligen zu tun, sondern damit, was das System als sinnvoll erachtet und braucht.

Ein Unterschied zur pDIS und ESD ist eher darin zu ziehen, dass es bei der DIS mehrere ANP’s gibt. Generell muss ich manchmal aber sagen, dass es (finde ich) eigentlich ziemlich Wurst ist, ob DIS oder pDIS. Die Behandlung ist gleich, die Traumata oft auch. Macht euch da bitte keinen Stress, das immer so exakt unterteilen zu müssen.
Guckt, gerade wenn sich Anteile nicht vor trauen bspw. in der Therapie und nur indirekt (von Innen beeinflussen/Co-Bewusst) auftauchen, lässt sich ganz schwer zwischen DIS und pDIS unterscheiden. Bei uns ist es z.B. auch ein Problem gewesen, dass wir schon seit Jahren allein wohnen und Switches mit niemand abgleichen können. Wenn du die Blackouts dissoziierst, kannst du auch nicht angeben, dass du welche hast.
Bei uns stand deshalb ganz lange die pDIS Diagnose. Dass die Diagnose am Ende in eine DIS umgeändert wurde, hat jedoch an der Echtheit der anderen bzw. des gesamten Systems, unserer Traumata und auch an unserem Heilungsweg absolut nichts geändert. Macht euch da also keinen Stress.

*Der Vollständigkeit halber noch der Unterschied zur ESD:
Bei der ESD hast du wie bei der pDIS auch nur einen ANP und mehrere EP’s. Jedoch sind diese nicht so weit abgespalten wie bei der pDIS/DIS. Bei der ESD gibt es noch das Kern-Ich und von diesem haben sich mehrere EP’s abgespalten, sind jedoch noch immer ein Teil deines Selbst. Sie haben zwar eigenständige Bedürfnisse und Gefühle, jedoch noch kein vollständig eigenes Bewusstsein. Es bestehen auch keine Amnesien zu ihrem Handeln. Ich schaue mal, dass ich die Unterschiede demnächst nochmal versuche grafisch darzustellen.


(Und auch noch interessant zu wissen vllt.: Innerhalb eines pDIS/DIS-Systems kann es auch Anteile mit ESD geben, genauso wie einige ihre eigene DIS haben können. Und auch Frontpersonen können eine pDIS haben, das macht die Diagnosestellung dann umso schwerer, da man wie eine ESD oder pDIS wirkt, obwohl dahinter eigentlich eine DIS liegt)