Schlagwort-Archive: Projektion

Arten dissoziativer Persönlichkeitsanteile – Teil 2

So und heute solls dann ein bisschen detaillierter um die verschiedenen „Jobs“ gehen. Ich habe dazu im Internet gestöbert und wollte das gerne so aufschlussreich wie möglich schreiben (sodass alles mit abgedeckt ist), aber ganz ehrlich? Viele unterteilen das ganz unterschiedlich und auch teilweise in zig Arten von Anteilen. Das ist mir zu kompliziert 😅.

Wir nehmen deswegen jetzt einfach mal die üblichen/gängigsten Formen und das, wo wir uns eher zurecht finden bzw. wie wir sie benennen würden. Falls ihr da aber manches anders wahrnehmt, könnt und dürft ihr uns jederzeit voll gerne ergänzen😊 .

Übrigens: Das sind jetzt alles keine unveränderlichen Rollen, sondern sie sind eher fluid. Die sexuellen Anteile lassen sich z.B sowohl zu den Beschützern, wie auch zu den Täter-Anteilen rechnen. Die nicht-menschlichen können sowohl Beschützer, Kinder, Täterintrojekte etc. sein. Usw. Das soll einfach alles nur eine grobe Übersicht darstellen.

Die Beschützer

Beschützende Anteile sind die, die versuchen die Gesamtperson (also alle Anteile und den Körper) vor weiterem Leid und Traumata zu schützen. Sie greifen auch oft ein, wenn ein traumatisierter Anteil getriggert wird und stellen sich dann vor diese. Aber wie ich schon in „Innere Landkarte erstellen“ sagte, erkenne ich bei fast allen irgendwo eine schützende Intention heraus 🤷‍♀️. Wir nehmen hier jetzt einfach die üblichen, die auch sonst da mit hinein gezählt werden:

Die kämpferischen Anteile:

Das sind die, die auch sehr forsch nach Außen agieren. Die z.B eine starke Abwehrhaltung einnehmen („Warum sollte ich hier jetzt mitwirken?!“ = es ist eine große Skepsis da, die eigentlich das gesamte System dadurch beschützen will).

Oder auch die, die aggressiv (körperlich oder durch Beleidigungen z.B) nach Außen reagieren. Das wirkt auf andere sehr befremdlich (und gerade körperliche Aggression ist definitiv Außenstehenden nicht zuzumuten) und teilweise auch sehr auf einen selbst. Letztendlich soll dieser (prophylaktische) Angriff auf andere aber auch nur wie ein Schutzwall wirken. Stellt euch das wie eine Art Mauer vor, die eine Gruppe Überlebender in einer Zombieapokalypse gebaut hat. Und auf dieser Mauer befinden sich jetzt jede Menge Schützen, die auf die kleinste Bewegung außerhalb der Mauer feuern. Das ist nicht böse gemeint, sondern soll stattdessen die Überlebenden hinter der Mauer schützen.

Junge; Alter; verpiss dich“ – Daran merke ich oft, dass hier jemand mit da ist, der sehr ablehnend und stinkig reagiert. Der ist durchaus ein wenig launisch. Ich persönlich empfinde seine Art aber als unglaublich hilfreich, gerade wenn wir wieder mal vor Angst und Scham im Erdboden versinken könnten. Die ganze Angst und Scham ist dann nämlich wie weggepustet und statt wie ein verschüchtertes Opfer aufzutreten, strahlen wir Stärke aus.

Die rationalen Anteile:

Mit dieser Bezeichnung können wir was anfangen. Ob es die jetzt so auch offiziell gibt, weiß ich nicht. Diese Anteile reagieren nicht stark emotional in irgendeine Richtung, sondern übernehmen die Situation/Handlung eher ruhig und besonnen, um den (möglichen) Schaden auf ein Minimum zu reduzieren. Das kann dann z.B zur rationale Entscheidung führen, die jetzige Situation ganz schnell zu verlassen oder in ein Gespräch sehr ruhig und besonnen einzugreifen.

Die sozialen Anteile:

Die sozialen Charaktere sind hier die, die freier nach Außen agieren. Das heißt nicht, dass sie nicht auch vorbelastet sein können. Viel mehr fallen ihnen soziale Interaktionen einfach leichter als mir (oder anderen). Einige mögen die Gesellschaft von anderen (was hier oft zu Diskrepanzen führt: Der eine will sich verabreden und tut es sogar. Der andere, mich eingeschlossen, bekommt deshalb ne Krise). Andere wiederum tun das zwar nicht (Gesellschaft anderer übermäßig mögen), können deshalb aber trotzdem recht gut mit Außenpersonen/-situationen umgehen.

Ich persönlich bin z.B gar nicht so nett und selbstbewusst, wie ich manchmal wirke/gesagt bekomme. Aktiv ist dabei oft noch jemand anderes (/andere). Gerade z.B die, die ich in „Innere Landkarte“ angesprochen hatte, ist da meist mit aktiv. Fast schon überschwänglich. Wenn sie mit anwesend ist, merke ich das daran, dass ich auf einmal plappere wie ein Wasserfall und auch noch Gefallen daran finde. Sie geht auch eher die sozialen Risiken ein, wo ich und andere sich manchmal innerlich an die Stirn schlagen und sich fragen ob das gerade wirklich Not tut. Sie ist wohl eher die draufgängerische, würde ich sagen. Wäre ich rein nur im sozialen z.B anwesend, dann wäre unser Auftreten wahrscheinlich ein nicht immer so positives🙈. Ich mag schon Kontakte, manchmal jedenfalls. Mit meiner sarkastisch-zynischen Art gäbe es aber wahrscheinlich viel mehr Anstoßpunkte.

Die Täteranteile – Eigentlich auch nur Beschützer

Hört sich erstmal befremdlich an. Ich jedoch empfinde sie – durchaus natürlich als extrem anstrengend und teilweise sehr destruktiv (klar, das auf jeden Fall) – aber auch als sehr beschützend.

Als Bsp. will ich die hier extrem lauten „Halt deinen Mund„-Anteile nehmen. Die sind manchmal so krass übergreifend, über das gesamte System, dass nicht nur Worte und Gedanken entzogen werden (sodass ein weiterreden kaum mehr möglich ist), sondern das sie auch zu diesem extremen Leugnen bis hin zu Selbstmordgedanken/-absichten führen. Ich weiß aber, dass dieses Verhalten, teilweise zumindest, auch nur einen Schutz bieten soll. Zum einen natürlich vor den Tätern. Denn normalerweise sagen dir Täter ja nicht: ,,Ohja, geh ruhig raus und erzähl allen was los war. Das macht überhaupt nichts. Dir wird deshalb auch gar nichts schlimmes passieren.“

Zum anderen hat einer auch einmal durchsickern lassen, dass zumindest er einen Schutz vor zu viel (Trauma)Information geben will. Sagen wir mal so: Es stoßen da 2 unterschiedliche Meinungen aufeinander und ich finde seine Methoden nicht unbedingt sehr hilfreich, kann aber auch seine Sicht der Dinge verstehen.

Wenn wir nicht drüber reden und leugnen, bleibt die Sache unreal. Unreal heißt auch, dass der Schutz vor dem Trauma weiter gegeben ist. Sofern der (die) ANP(’s) mit in das Trauma einbezogen werden, bedeutet das auch, dass das ganze System durcheinander gebracht wird, was das normale Weiterleben stark beeinflusst. Die Mittel sind vll übel, aber der Sinn dahinter (von den Anteilen selbst – die Rede ist nicht von den Tätern) ist kein Böser.

Täterloyale-Anteile

Und das betrifft auch genau jene. Ich weiß, dass es Anteile gibt, die bestimmte Praktiken nicht nur tolerieren, sondern sogar gut finden. Für jede Praktik gab es ursprünglich einmal einen nachvollziehbaren Grund. Egal ob man diesen nun moralisch gut oder schlecht findet. Wir leben in einer Welt, in der wir manche Dinge nicht immer von Anfang an frei entscheiden und bewerten dürfen, da unser Überleben davon abhängt.

Stell dir vor, du wächst in der Wildnis auf und bist zum Überleben gezwungen Tiere zu töten – Nur als Beispiel. Auch wenn du Tiere toll findest, würdest du verhungern, würdest du es nicht tun. Moralisch kann man das schlecht finden, aber in dieser Situation ist es notwendig. Du tust es, um weiter leben zu können und rechtfertigst dadurch deine Tat. Es ist nicht nur eine Ausrede, es ist Realität in diesem Moment und dieses Weltbild bleibt eben bestehen. Zu den täterloyalen können dann übrigens auch die inneren Berichterstatter zählen. Also die, die den Tätern noch immer erzählen was gerade so abgeht, beabsichtigt und getan wird.

Die Täterintrojekte

Bei einer Projektion übertragen wir unsere inneren Zustände auf eine andere Person. Was uns an uns selbst stört, auch wenn es uns vll nicht einmal bewusst ist, sehen wir in anderen und stören uns daran bzw. kritisieren es. Bei einer Introjektion ist es jetzt genau das Gegenteil. Die inneren Zustände (Angst, Lust, Begierde, usw.) des anderen, nehmen wir in uns auf und denken nun, es wären unsere eigenen Empfindungen. So kann es dann z.B zu Anteilen kommen, die sexuelle Lust gegenüber Kindern oder bei Vergewaltigungen empfinden u.ä. Ich schrieb dazu aber schon mal Hier einen eigenen Beitrag.

Die sexuellen Anteile

Also hier gibt es die, die Sex lieben und diesen eigentlich auch viel öfter praktizieren würden, als er stattfindet. Und das sind auch die, die eine sehr krasse Reaktion beim Sex zeigen. Ich persönlich bin beim Akt anwesend (also kein Blackout, soweit ich zumindest weiß). Habe allerdings keinerlei Empfindung dabei. Also ich empfinde schon ein angenehmes Gefühl und mag vor allem die Nähe, aber ein Orgasmus o.ä ist nicht möglich. Ginge es nach mir, könnte ich auch total teilnahmslos rumliegen. Es gibt aber jemand (welche? – k.A) die sehr stark körperlich reagieren und damit auch die Männerwelt bisher (soweit die Rückmeldung) sehr glücklich machten. Für mich persönlich war das früher immer sehr schräg, da meine Wahrnehmung und die des Partners (über den Körper) total auseinander trifteten. Warum das alles einmal nötig war, versuche ich momentan jedoch irgendwie noch weit von mir wegzuschieben.

Es gibt außerdem die (wo ich nicht weiß, inwieweit es vll die gleichen wie oben sind), die hemmungslos flirten (bei Männern wie auch bei Frauen) und wo ich heute manchmal denke: ,,Jetzt reicht es aber!„. Durchaus kann es da aber auch zu sehr witzigen Situationen kommen. Z.B wenn ich mit einem Mann unterwegs bin und plötzlich die bin, die die Frau hinter der Theke abzuschleppen scheint und nicht er, so wie der sich das anfangs vorstellte 😂🙈.

Und dann gibt es noch jene, die eher in das Repertoire „Täteranteile“ fallen, da sie … Naja… sehr merkwürdige, sexuelle Vorstellungen haben. Vll führen wir das irgendwann mal näher aus.

Die überwachenden Anteile

Oft gibt es sogenannte Gatekeeper, die sich darum kümmern wer wann nach außen geschickt wird. Es ist also nicht so, dass jeder nach Lust und Laune wechseln darf, wie er gerade Bock hat. Bei manchen Systemen (und auch manchen Anteilen) ist das schon so, aber meist gibt es jemand, der dafür zuständig ist, zu schauen was gerade los ist und wer gerade am sinnvollsten im Draußen agieren kann.

Von hier weiß ich (bisher) das es jemand gibt, die schlichtend im Inneren wirkt und schaut was wann gerade angemessen ist. Das bedeutet nicht, dass nicht trotzdem jemand irgendetwas Unangemessenes sagen kann oder unvorteilhaft herauswechselt. Stattdessen heißt das nur, dass z.B ein sexuelles Täterintrojekt nicht in aller Öffentlichkeit plötzlich von seinen Vorlieben/Gedanken anfängt zu erzählen o.ä. Schließlich könnte das schlimme Folgen haben. Ob sie jetzt aber wirklich diese „Gatekeeper“-Funktion inne hat, weiß ich nicht.

Es kann dabei aber auch Anteile geben, die einfach nur zuschauen und gar nirgends eingreifen. Protokollanten z.B. Das sind Anteile die zwar alles mitbekommen und abspeichern, jedoch nicht eingreifen (können). Hier gibt es auch jemand, mit dem ich mal sprach, bevor ich von allem wusste. Der ist eher wie so eine formlose Rauchwolke, die weit „oben“ thront und zuschaut (genau genommen nehme ich ihn rechts oben im Kopf wahr, wahrscheinlich entsteht deshalb dieses Bild er säße oben 🤔)

Nicht-menschliche Anteile

Der Name erklärts ja schon. Da können jetzt drunter fallen: Tierische Anteile, Fabelwesen (Feen, Elfen, Drachen, Zauberer, usw.) oder auch religiöse. Hier gibt es z.B einen jungen Dämon. Früher dachte ich oft, ich würde in Wirklichkeit von einer Dämonenfamilie abstammen. Das Denken/Gefühl kam jedoch eigentlich von ihm. Er meckert auch immer sehr rum, wenn ich in seinen Augen Dämonen in ein schlechtes Licht rücke😅 . Auch Engel, Teufel, Götter usw. können vorhanden sein. Sogar Gegenstände sind übrigens möglich. Also Anteile dir sich z.B für einen Tisch oder Stuhl halten. Da es hier (soweit bisher bekannt) sowas aber nicht gibt, kann ich dazu nicht viel sagen. Anteile können auch menschlich sein, aber dazu Flügel haben oder Tentakel. Sie können ihre Gestalt wechseln usw.

Ich glaube bei uns gibt es übrigens einen Zwerg. Ich hab da allerdings null Zugang zu. Wir wurden nur einmal getriggert. [Ich] war total dissoziiert und plötzlich war da diese Überzeugung ein Zwerg zu sein. Also so richtig mit Statur und allem drum und dran. Das war als wäre sein Körper in dem großen Körper drin bzw. als würde die Hälfte des Körpers einfach oben „überhängen“ und er war selbst total irritiert, was da jetzt los ist. Das war voll schräg.

Die verletzten (Trauma) -Anteile

Hier brauchen wir eigentlich nicht viel erklären, oder? In gewisser Weiße haben natürlich auch alle vorhergehenden mit einem Trauma zu tun. Es gibt aber auch die, die rein nur dafür entstanden sind, das Trauma zu ertragen. Das Alter spielt dabei jetzt erst einmal keine Rolle. Es gibt bei uns z.b eine Jugendliche bzw. junge Erwachsene (das Alter ist unklar), die immer wieder in Träumen auftaucht und auch in einer Art Intrusion, die Dinge mit meinem Vater erlebt hat. Dinge, wovon weder ich noch andere etwas mitbekommen haben (und es daher leugnen). An sie gibt es (bisher) kein rankommen, keine Kommunikation o.ä. In den Träumen endet es meist so, dass sie Tod ist oder im Koma liegt. Daher gehe ich davon aus, dass sie sich vll auch derzeit noch in einer Art Stasis befindet. Ist aber nur eine Vermutung.

Dann kann es Anteile geben, die rein die Schmerzen des psychischen Missbrauchs auf sich genommen haben (den man vll selbst kognitiv mitbekam, aber nicht fühlte). Dabei erinnert man sich zwar an Worte, Verhalten usw. empfindet aber erst etwas, wenn per Trigger der entsprechende Anteil dazu hervorgeholt wird. Welcher dann im Hintergrund (oder auch Außen) das Denken und Handeln beeinflusst. Oder die den physischen Missbrauch auf sich nahmen und nur dafür rauskamen oder eben den sexuellen usw. Das sind dann alles meist auch die Anteile, die emotional und für andere (Außenstehende) fast schon unlogisch (der Situation nicht entsprechend) agieren. Und jene, vor die sich dann oft die „Beschützer“ werfen.

Sie sind es, die quasi wie ein Nerv offen liegen und über die sich dringend sofort eine Art Schutzschirm legen muss, da der Schmerz sonst zu groß wird, würden sie noch weiter verletzt. Sie kamen wenn es unerträglich wurde und gingen wenn die Lage für die anderen wieder aushaltbar war. Das auch diese Anteile also nicht immer nur am weinen sind, sondern manchmal ganz schön viel Wut in sich tragen, ist irgendwo schon verständlich, oder? Jene sind übrigens auch die, die meist sehr viel Scham in sich beherbergen und auf den Rest übertragen (auch das ist ein Schutzmechanismus). Auch selbstverletzendes Verhalten kommt bei ihnen oft vor.

Die kindlichen Anteile

Du, die könnte man in jede dieser oberen Kategorien packen. Ich möchte sie trotzdem mal extra erwähnen.

Alison Miller meinte nämlich mal, dass selbst die, die sich für z.B 20 , 30 oder 40 Jahre halten in Wirklichkeit kindliche Anteile sind (weil in der Kindheit entstanden). Ich kann das hier nur so angeben, kann aber nicht wirklich sagen, ob das bei uns so wohl (für alle) stimmt oder nicht. Ist aber auch irgendwo Wurst, denke ich. Wenn sich jemand als 30 Jährige/r fühlt, weiß ich nicht ob das so Not tut, den jetzt aufzuzwingen das er eigentlich erst 6 ist 🤷‍♀️.

Die kindlichen Anteile sind oft auch die traumatisierten. Dennoch gibt es auch die, die ganz „normale“ Kinder sind. Hier gibt es z.b eine Kleine die sehr fröhlich, leider aber auch manchmal sehr naiv ist. Dieses berühmte: ,,Der weiße Van parkt da und hält nen Lolli raus“ und sie springt drauf an. Das hört sich im ersten Moment furchtbar gefährlich an, dennoch ist es auch sie, die uns manchmal aus der Paranoia herausholt. Die Spaß am Leben hat und viel Positives sieht. Die sich über die kleinsten Dinge mega freut und die unbeschwert durchs Leben geht. Auf der einen Seite gefährlich, auf der anderen aber so unglaublich wichtig und wertvoll.

Dann gibt es die, die einfach nur spielen und Kind sein wollen oder die, die bereits als Kind Aufgaben von Erwachsenen übernommen haben. Die, die sehr verschüchtert sind oder die einfach nur bei irgendjemand auf den Arm genommen und gedrückt werden wollen. Meistens ist es hier so, dass deren Emotionen und Bedürfnisse übergreifen und sie eher selten (ich kann nicht sagen wie oft, da keine Information darüber da sind – Wir leben wie gesagt allein, da lässt sich sowas schwierig abgleichen) herauswechseln. Ich bin dann also noch ich (sprich anwesend), aber sie handeln und „fordern“ durch mich. Und da merke ich oft auch die eher beschützenden Anteile, die versuchen schnell wieder eine Trennung/Distanz reinzubringen (zumindest vor anderen Leuten). Das Verhalten der Gesamt-Person wirkt dann oftmals auf andere sehr widersprüchlich.

3 Leitsyptome eine (K)PTBS: #3 Intrusion (2) – Wiederholungszwang

Wie angekündigt, soll es heute um die Trauma-Reinszenierung gehen. Eine Form der Intrusion, die sich u.a im Handeln des Menschen ausdrückt…

Was ist der Wiederholungszwang?

Freud prägte den Begriff Wiederholungszwang anfang des 20.Jh. In seiner Arbeit dazu setzte er sich mit den Fragen auseinander, warum so viele neurotische Patienten Verhaltensweisen, die ihnen nachweislich schaden, einfach nicht ablegen können und stattdessen immer wieder erneut reinszenieren. Dieses ganze Szenario der Reinszenierung war aber natürlich schon lange vor Freud bekannt.

Alles im Leben neigt nämlich eigentlich zur Wiederholung: Einatmen – Ausatmen. Leben – Vergehen. Das Pumpen unseres Herzens … Und auch unsere Psyche wiederholt Dinge, vor allem die, die sie nicht versteht. Nicht begreift. Dinge die unbewusst in uns schlummern. Und selbstverständlich haben sich diesem Thema schon viele Menschen gewidmet.

Ich meine, kennt ihr das nicht auch? Immer wieder landen wir in den gleichen Beziehungsmustern: Wir geraten wiederholt an Männer, die Gewalt an uns ausüben oder wir sind schon wieder an eine Frau gekommen, die uns fremdgeht. An Freunde die uns ausnutzen, wir werden immer wieder Opfer von Mobbing oder erleben stets aufs Neue wie wir ausgeschlossen werden. Es gibt Dinge an uns, die wir einfach nicht schaffen abzulegen und Situationen, die sich wie ein Fluch wiederholen und wir verstehen nicht warum das passiert...

Und gerade bei diesen sich wiederholenden Beziehungsmustern und Erlebnissen denke ich mir oft, dass es doch meine Schuld sein muss. Wenn es in alledem immer nur diese eine Konstante – und zwar mich – gibt, welche andere Schlussfolgerung bleibt einen da eigentlich auch noch? Es können ja schließlich nicht immer die anderen sein.

Aber genau dieses Prinzip der Wiederholung erklärt eben, dass wir nicht selbst SCHULD sind. Stattdessen sind wir handelende und agierende Figuren in unserem eigenen Leben. Wir tragen nicht die Schuld für das Verhalten anderer uns gegenüber. NIEMALS! Nein, es zeigt uns eher auf, dass wir nicht ewig Spielball unserer Umgebung bleiben müssen. Das wir selbst auch eine Rolle in unserem Leben spielen dürfen, statt das das nur die Wünsche und Gelüste anderer tun. Um Schuld geht es dabei überhaupt nicht.

Warum kommt es dazu?

,,Was man nicht versteht, lässt einen nicht los.

Finde ich genial und total passend diesen Satz. Guckt mal, ein Trauma ist nicht immer nur eine Vergew*ltigung, ein Überfall oder eine Naturkatastrophe. So viele Dinge wirken traumatisch auf uns ein. Die frühe Trennung von unseren Eltern, Konflikte in der Familie usw. Natürlich sind die Ausmaße anders, aber d.h ja nicht, dass so etwas keine Folgen hat. Solange etwas aber noch unbewusst ist, wir also gar nicht begreifen, dass es da überhaupt etwas gibt, was in uns schlummert. Solange können wir es auch nicht in der Vergangenheit lassen, abschließen damit und nehmen es stattdessen immer wieder mit in unsere Gegenwart.

Bisher geht man davon (und da ist die Forschung noch lange nicht am Ende angelangt), dass diese ständige Reinszenierung stattfindet, weil wir dadurch versuchen können, den Ausgang der Situation, heute anders zu gestalten. Themen die uns damals ohnmächtig machten und verletzt und verständnislos zurückließen, könnten so durch erneutes Erleben umgestaltet werden. Der Kerngedanke ist also neu erleben, ein positives Ende herbeiführen, unsere Macht zurück gewinnen und das Thema so integrieren.

NOCHMAL: Das meiste passiert davon völlig unbewusst! Tipps wie: ,,Nun such die halt einfach mal einen anständigen Mann“ bringen daher nicht viel. Rational ist uns bewusst was besser laufen könnte, aber da wir die Ursache hinter all dessen nicht verstehen, können wir auch nichts verändern.

Formen der Reinszenierung

Beispiel 1: Gefahrvolle Situationen

Zum Beispiel neige ich dazu, mich in durchaus gefährliche Situationen mit fremden Männern zu begeben. Ich stoße in sehr merkwürdige Gruppen dazu und ich provoziere. Extrem. Nie böswillig, aber ich tue es. Alles andere wäre gelogen. Ich merke das, kann es aber nicht stoppen. Oder ich tue sehr unüberlegte Sachen. Meist ging das gut aus (=mehr Glück als Verstand). Allerdings gab es eben auch Fälle, wo es nicht so gut ausging. Wo es zu Übergriffen kam, verschiedenster Art. Gewollt oder bewusst provoziert habe ich davon jedoch nie etwas.

Dennoch, wenn ich das heute versuche zu reflektieren: Wenn ich mich in diese Situationen begeben habe, hoffte ich, dachte ich, dass diese Leute anders sind. Sie nichts mit mir anstellen und mich einfach nur lieb haben. So wie ich bin. Egal wie ich bin. Ich wollte das Gefühl haben okay zu sein. Natürlich war das meistens nicht der Fall, da ich mich in einem sehr toxischen Umfeld befand. Aber mein unbewusster (!) Wunsch, dass ich angenommen und nicht benutzt werde, stand im Vordergrund und der war (ist?) so stark, dass ich alles andere ignorierte.

Beispiel 2: Beziehungsstrukturen (Bindungstrauma)

Meine Mutter war ein sehr narzisstischer Typ Mensch, genau so wie er im Buche steht. Die Welt drehte sich um sie. Als ich ein Baby war, hat mir meine Oma einmal erzählt, war sie unheimlich versessen auf mich. Kaum einer durfte mich überhaupt halten oder gar sehen. Ich war ihr Püppchen. Bis zu ca. 1 Jahr, hielt sie mich quasi „unter Verschluss“. Dann verlor sie die Lust. Sowas war üblich für meine Mutter. Danach empfand sie mich zunehmends als störend. Sie fing an einen richtigen Hass und Ekel auf mich zu richten und ließ mich diesen auch deutlich spüren.

In meinem Erwachsenenleben geriet ich nun immer wieder in Beziehungsmuster zu Menschen, die mich am Anfang unheimlich toll fanden. In den Himmel lobten und, lustigerweise, nach kurzer Zeit das Interesse verloren. Aber nicht nur das, sie fingen an mich abstoßend zu finden. Sie projizierten ihren ganzen Hass auf mich und ich habe noch NIE eine Erklärung bekommen, warum das eigentlich so ist bzw. war. Ich blieb stets lediglich zurück, mit dem schlechten Gefühl das ICH schlecht bin. Unausstehlich. Jemand, der alle anderen vertreibt. Den niemand will.

Das Ding ist, wenn ich das näher und ehrlich betrachte: Ich begebe mich immer wieder in Beziehungen (partnerschaftlich, wie aber auch freundschaftlich) zu Menschen, die ähnlich narzisstisch veranlagt sind. Da mein Selbstwert eigentlich noch nie wirklich weit oben war, stellt die schnelle Belobigung von diesen Menschen, das schnelle ‚geliebt-werden‘ etwas dar, nach dem ich mich regelrecht verzerre. Eine Beziehung ist stabiler wenn sie langsam aufgebaut wird, klar, aber wenn du nie wirklich echte Liebe erfahren hast, bist du wie ein Junkie auf Entzug. Du nimmst alles was dem gleich kommt und dessen Wirkung sofort einsetzt = Schnelle „Liebe“. Auch promiskuitives Verhalten spielt(e) da mit rein (bei mir zumindest früher).

Beispiel 3: Beziehungsstrukturen (benutzt werden)

Dieses Muster durschaute ich erst vor kurzem. Meine Therapeutin riet mir vll einfach mal eine Art „Familienaufstellung“ zu machen. Dabei schrieb ich zu jedem Familienmitglied auf, was mir gerade so dazu durch den Kopf ging. Wie ich die Beziehung empfand. Ohne etwas herunterzuspielen, aus der Sicht des anderen sehen zu wollen o.ä

Meinen Vater habe ich vergöttert. Wir saßen oft lange draußen am Lagerfeuer oder drinnen am Kamin und redeten meist die halbe bis ganze Nacht lang. Wir fuhren mit den Hunden spazieren, gingen gemeinsam einkaufen oder verschworen uns gegen meine Mutter (wenn er und sie Streit hatten). Tolle Erinnerungen, die ich auch heute noch behalten werde. Egal was war (und was vll noch war). Wir sprachen, seit ich winzig klein war, über Gott, Politik und Familiengeschichten. Wir philosophierten oftmals ewig darüber. Nun stelle man sich einen Knirps von 3 Jahren vor, der über Politik mitredet. Ich fand das super toll, als Kind. Ich fühlte mich wichtig. Als wichtigen Teil seines Lebens. Jedoch kann ich mich nicht daran erinnern, dass sich die Gespräche auch einmal ernsthaft um mich drehten. Um meine Gedanken und Wünsche und wenn, dann nur mit viel Spott von seitens meiner Eltern. Es gab auch nichts was ich ihm im Vertrauen hätte erzählen können. Alles wurde meiner Mutter erzählt und ja …

Im Gespräch mit meiner Therapeutin fiel mir dann auf: Mich seinen Gesprächen anzupassen, seinen Themen folgen, war damals als Kind, besser als gar kein Reden. Ein 3-Jähriges Kind interessiert sich aber nicht wirklich für Politik o.ä. Er jedoch hat mich schlicht einfach nur benutzt. Ich war sein Freund- und Partnerersatz.

Und dieses Muster verfolgte ich vor allem in meinen freundschaftlichen Beziehungen. Menschen, bei denen es ausschließlich um sie ging. Ich hatte da zu sein. Ihrer Befriedigung zu dienen. Sicher erhob ich auch mal das Wort, über mich. Nach spätestens 10min bekam ich jedoch meist gesagt, nun sei aber auch mal gut. Die Welt drehe sich nicht nur um mich. Oder für mich wichtige Themen wurden ganz fallen gelassen. Es wird einfach darüber geschwiegen oder nicht ernst genommen.

Reinszenierung im Kinderspiel

Ganz deutlich wird die Trauma-Reinszenierung bereits im kindlichen Spiel. Das normale kindliche Spielen ist flüssig, es ist leicht und unbeschwert und ja, auch traumatisierte Kinder spielen ganz viel, ganz normale Spiele! Die Trauma-Reinszenierung findet nicht permanent statt!

Wenn sie aber einsetzt, dann wird das kindliche Spiel sehr düster. Verhaltensweisen wiederholen sich zwanghaft und lassen sich kaum unterbrechen. Gerade wenn Kinder sexuelle Handlungen immer wieder nachspielen wird das sehr deutlich oder ein anders…

Beispiel: Eine alte Schulfreundin erzählte mir von einem Spiel bei ihr, zwischen uns. Wir spielten mit Stofftieren. Als ich dran war, starb meine Figur, was sie jetzt nicht so super fand [Generell sterben IMMER die Figuren, mit denen ich spiele. Zugegeben ist das bis heute oft so. Im Spiel mit der 4-Jährigen Tochter meiner Freundin musste ich mich letztens z.B extrem zusammenreißen, ihre süßen Bauernhof-Kühe und Pferde nicht qualvoll abnippeln zu lassen 🙈]. Sie fand das damals nicht so toll und wollte das Stofftier reanimieren. Tod war halt irgendwie ein doofes Spiel für Kinder in unserem Alter. Meine Stimmung änderte sich aber abrupt ins Düstere und Kalte: ,,Was tot ist, kann man nicht wiederbeleben! Das bleibt tot!„.

Etwas anderes ist z.B das ich fast schon manisch eine Hand oder Fuß von meinen Puppen und Spielfiguren entfernt habe. Blut spielte zudem eine extrem große Rolle. Ich malte immerzu alles rot an. Bei meinen Stofftieren (die ich liebte, schließlich passten sie nachts auf mich auf) war es jedoch so, dass ich sie dadurch versuchte immer wieder zu verarzten und zu retten. Ein sehr anderes düsteres Spiel war einmal, als wir noch ein Häuschen im Wald hatten. Ich zog meinen Puppen sämtliche Kleider aus, band sie so mit dem Kopf nach unten an die Bäume, rings ums Haus, und ließ sie da „als Strafe“ hängen. Oder meine Schwester hatte z.B einen großen Teddy in ihrem Spielzeit, den sie regelmäßig vergewaltigte. Wortwörtlich. Meine Eltern tauften ihn „liebevoll“ ihren „Fic*bär“.

Nein, sowas sind keine normalen Kinderspiele. Das Trauma muss darin nicht automatisch 1:1 wiedergegeben werden, aber irgendetwas stimmt da ganz sicher nicht zuhause.

Die Übertragung

Zum Beispiel denken wir unwillkommen zu sein oder das uns jemand nicht mag. Wir machen das an allerhand Dinge aus. Der Reaktion des anderen. Seinen Blicken. Einer zu langen Pause, bis die Antwort des Gegenüber kommt, usw. Dieses eigene Gefühl übertragen wir jetzt auf den anderen. Wir halten unsere Vermutung für die Realität. Nehmen wir z.B an, wir wären unwillkommen, dann verhalten wir uns distanziert, kühl, deprimiert, vll sogar ablehnend (nach dem Motto: ,,Angriff ist die beste Verteidigung„). Unser Gegenüber sieht die Situation jedoch ganz anders: Vll war er gestresst. Oder wegen etwas genervt, das ihm vorher durch den Kopf ging oder was er eben erlebt hat (einen Streit z.B). Nichts, was mit uns zu tun hat. Durch unsere Reaktion, hervorgehend aus unsere Angst/Befürchtung, provozieren wir jedoch nun genau die Reaktion, vor der wir ja eigentlich Angst haben und die wir vermeiden wollen.

Beispiel wieder: Ich reagiere unheimlich auf die Stimmungen anderer. Wird die Luft dick, warum auch immer, ist mein erster Gedanke: ,,DU hast etwas falsch gemacht! Du musst irgendetwas tun, um das wieder gerade zu biegen!“. Dann gibt es aber in mir diesen Teil, der darauf wirklich keine Lust mehr hat, es anderen Recht machen. Der nicht kapiert, warum er länger für die Launen anderer herhalten sollte. Also reagiert dieser Teil teilweise wirklich schon sehr pissig. Bevor sich dieser Teil erniedrigt (indem er sich anpasst), geht er lieber auf Abstand oder bricht den Kontakt ganz ab. Mein Gegenüber ist dadurch natürlich vor den Kopf gestoßen und denkt sich das gleiche, was ständig in mir rum geht: ,,Warum darf ich nicht auch mal schlecht drauf sein? Was soll das jetzt?! Gut, dann lass es halt!“

Ergo = Derjenige geht selbst auch auf Abstand. Was meine innere Überzeugung nicht richtig zu sein, etwas falsch gemacht zu haben, abgelehnt zu werden, wieder bestärkt: ,,Da, schon wieder! Siehste, alle hassen dich!“.

Der Crux bei allem

Die Frage, die ich mir dabei immer wieder stelle: ,,Wie schaffe ich es nur mir, aus der Fülle der Menschen und möglichen Situationen, immer wieder toxische herauszusuchen?“ Es ist ja nicht so, als würden sie ein klar sichtbares Schild vor sich her tragen, oder? Als würde ich aus 99 super Leuten, die eine giftige Schlange heraussuchen. Absichtlich…

Gehen wir nochmal auf das mit der schnellen Liebe ein: Auch Narzissten fehlt es chronisch an erlebter, erhaltener Liebe. An innerer Fülle. Das wonach ich mich sehne, geben sie sofort, weil sie ebenfalls das gleiche wollen. Man ergänzt sich also, auch wenn letztendlich die Ausprägungen unterschiedlich sind. Was dann wieder zu einer Menge gegenseitigem Leid führt (ja auch Narzissten leiden).

Es gibt sie also, diese Anzeichen. Anzeichen, die wir bewusst ignorieren oder sogar herunterspielen. Meist weil unser unbewusster Wunsch der Traumaauflösung, der Wunsch nach einem glücklichen Ende, uns alles andere ausblenden lässt. Umso mehr wir uns danach sehnen, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit in toxische Umstände zu geraten. Nach einer Studie von Diana Russel wurden z.B 60% der vergewaltigten Frauen, bereits im Kindesalter vom Vater oder anderen nahestehenden Personen missbraucht. Das Risiko wiederholt missbraucht zu werden, steigt bei bereits misshandelten Frauen (oder auch Männern, obwohl diese auch oft, nicht alle!, eher mit Aggression nach Außen reagieren) um mehr als das Doppelte!

Wir kennen diese (gefährlichen) Situationen ja bereits. Sie sind uns bekannt. Wir haben nie gelernt, dass wir auch Grenzen haben dürfen. Es existiert so gut wie kein Selbstschutz. Nein sagen? Du sagst nicht Nein als Kind! Das darfst du dir gar nicht erlauben. Dein physisches und psychisches Überleben hängt davon ab, zu gehorchen. Mitzuspielen.

Was können wir also heute tun? Wie das verändern?

Wir können es uns bewusst machen. Unsere Verhaltensweisen und Muster durchschauen. Sie erkenn- und erlebbar machen.

Je weniger uns etwas in uns bewusst ist, desto eher wird es auf die äußere Umgebung, auf Situationen und Personen übertragen. Wir können unsere Muster nicht verändern, wenn wir nicht wissen, warum sie so sind, wie sie sind.

,,Es ist, als würden wir versuchen uns von unserem eigenen Schatten zu lösen, indem wir immerzu nach vorn springen.“

So wahr und so treffend, dieses Zitat. Erst wenn uns unser Verhalten bewusst wird und es nicht mehr nur wie ein Automatismus im Hintergrund abläuft, können wir beginnen neue Strukturen aufzubauen.

Das Verstehen dieser Strukturen löst nicht unser Problem jetzt, sofort und auf der Stelle. Das ist, nach dem Erkennen, ein langer Weg. Aber nur wenn wir sie eben erstmal verstehen können, können wir auch sehen, welcher Schmerz, welches Thema dahinter liegt. Welcher Schmerz aufgelöst werden möchte. Dadurch erforschen wir auch unsere eigenen Grenzen näher und lernen sie so, langsam, auch für uns zu vertreten. Das Erkennen unserer eigenen Innenwelt hilft uns also, neue Muster aufzubauen und selbst-bewusster zu handeln. Nicht mehr nur Opfer zu sein.

Täterintrojekte

Was sind Projektionen?

Wir alle kennen sie – Projektionen.
Wir haben auf der einen Seite den Projektor stehen und dieser wirft sein Bild/Film auf die ihm gegenüberliegende Leinwand.

Im Falle von uns Menschen ist das so, dass wir oft viele unserer innersten Verhaltensweisen, Wünsche, Begierden, Abneigungen ect. auf die uns gegenüberstehende Person projizieren. Wenn nun ein Mensch z.B sehr eifersüchtig ist, kann es passieren das ihm genau diese Verhaltensweise an seinem Partner besonders auffällt und er diese ausgesprochen oft kritisiert, ohne zu merken das es eigentlich sein eigenes Verhalten ist, welches ihn stört.

Er projiziert etwas aus seinem Innersten auf die ihm gegenüberliegende Leinwand, sieht dort den (in diesem Fall unangenehmen) Film ablaufen und bildet sich nun ein, er käme von der Leinwand selbst, ohne aber zu merken das dieser Film eigentlich von ihm stammt.

Was ist nun Introjekte?

Eine Introjektion ist nun genau das Gegenteil.

Wir nehmen eine Verhaltens- oder Denkweise von unserem Gegenüber, in unser Innerstes auf und denken nun es käme von uns selbst.


Beispiel:

In meinem Kopf steckt immer wieder dieser Gedanke „Du lügst! Sei still, dir glaubt sowieso keiner.“

Ich persönlich bin ein Mensch der sehr gerne analysiert, für mich ist das essentiell wichtig, um zu wissen warum was wie geschieht. Also bin ich der ganzen Sache einmal auf die Spur gegangen…

Tatsächlich war es so das ich früher als Kind sehr viel gelogen habe. Ich denke ich habe die ganze Bandbreite durch, was man seinen Mitschülern und Lehrern so erzählen kann, warum man wieder nicht zur Schule kommt oder nicht am Sportunterricht teilnimmt 😅. Und auch in anderen Gelegenheiten habe ich oft gelogen, da sich die Wahrheit selten positiv anbot. Schlussfolgerung wäre jetzt also das ich aus der Erfahrung mit mir selbst weiß das ich oft gelogen habe und dies sich daher in mir verfestigt hat, also der Gedanke das ich lüge.

Nun ist das aber schon lange nicht mehr der Fall, d.h ich weiß selbst ganz genau wann ich die Wahrheit sage und wann nicht und warum ich das tue. Wenn ich nun etwas erzähle das der Wahrheit entspricht, weiß ich das ich dies aus meiner inneren Überzeugung (aufgrund von Fakten oder meiner persönlichen Meinung) stammt und nicht gelogen ist. Umso wichtiger mir das Erzählte aber ist, umso größer ist dieses Innere „Du lügst!“.

Rational gesehen ergibt das überhaupt keinen Sinn, da ich alleine durch die innere Selbstbeobachtung so ein selbst eingebautes Programm längst durchbrochen hätte.
Wenn ich in dem Moment wo ich etwas sage zu 100% weiß das es der Wahrheit entspricht, ist es vollkommen unlogisch das ich mir selbst vorwerfe zu lügen.

Anders sieht es aber aus wenn ich diese Botschaft aus dem Außen so verinnerlicht habe, das ich nun denke ich würde es mir selbst sagen bzw. denken.
DAS ist ein Täterintrojekt.

Ein anderes Beispiel:

Männer (natürlich auch Frauen) die in ihrer Kindheit geschlagen wurden oder gesehen haben wie z.B ihre Mutter geschlagen wird, neigen sehr häufig dazu selbst ihre Kinder und/oder Frauen zu schlagen (täterimitierendes Verhalten).

Warum sie das tun, wissen sie meist selbst nicht wirklich. Natürlich spielen da noch einige andere Faktoren eine Rolle, wie mangelnde Impulskontrolle, falsche Wutkompensation, …. Trotz alledem steckt meist der Täter noch immer in ihnen bzw. in ihrem Verhalten.
Das Gleiche gilt für Sexualverbrechen – die meisten Sexualverbrecher waren in ihrer Kindheit selbst in irgendeiner Form Opfer von sexueller Gewalt.

❗Wichtig❗➡ unsere Vergangenheit ist lediglich eine Erklärung für unser heutiges Verhalten, NIEMALS eine Entschuldigung!
Aufgrund der Erkenntnise über unsere Vergangenheit können wir unsere derzeitigen Verhaltensweisen bearbeiten und zum Positiven verändern, wer aber etwas Schlechtes tut und ganz genau weiß das es schlecht ist, kann nicht aufgrund seiner schlechten Vergangenheit mit einer milden Strafe rechnen! Ihr seid nun erwachsen und verantwortlich für das was ihr anstellt und diese Verantwortung müsst ihr auch übernehmen!

Noch ein Beispiel:
Viele Frauen (und natürlich wieder Männer) kenne diesen inneren Gedankengang „Du bist nichts wert“ oder „Du bist nicht gut genug“.

Auch das ist ein Täterintrojekt.

Unsere Eltern oder Großeltern müssen solche Botschaften nicht immer gezielt bösartig eingesetzt haben. Oft werden solche Botschaften sogar sehr subtil vermittelt, durch Situationen und Sätze wie: „Musst du immer so schlechte Noten schreiben?!“ ; „Warum musst du dich immer so benehmen?!“ ; „Reiß dich zusammen, wenn die anderen das können, kannst du das auch!“ oder „Wenn du dich so benimmst, wird dich nie ein(e) Mann/Frau wollen“ usw usf.

Ich sag es nochmal: Eltern müssen das nicht böse meinen und in den wenigsten Fällen ist ihnen überhaupt bewusst, was sie da anrichten. Viele geben auch nur weiter was sie selbst erfahren haben. Es geht auch nicht um Schuldzuweisungen, wichtig ist aber für uns zu verstehen, das diese Gedanken NICHT WIR SELBST sind. Nur dann können wir sie durchbrechen.

Was können wir dagegen tun?

Auch Täterintrojekte sind „Programme“ (nicht im Sinne der rituellen Programmierung!) die wir hacken können und dazu brauchen wir nicht einmal den Täter.

Achtsamkeit spielt da eine extrem große Rolle. Wichtig ist ja erst einmal herauszufinden welche Meinung und Worte überhaupt zu uns gehören und welche zu denen gehören die uns immer und immer wieder solche Botschaften vermittelt haben. Mir hilft es ab und zu meinen (destruktiven) Gedanken zu folgen, um herauszufinden woher sie kommen und warum sie da sind.

Beispiel:
Warum sollte ich mir selbst sagen das ich schlecht bin, woher kommt das? Warum tue ich das? Und da dürft ihr euch nicht mit den oberflächlichen Erklärungen abspeisen lassen, die euer Gehirn euch, wie in diesem Beispiel, bringen wird => „weil ich keine Karriere mache“, „weil ich hässlich bin“, „weil ich dick bin“, „weil ich Single bin“… usw.

Fragt euch dann weiter: Ja, warum findest du dich dick oder hässlich und was ist das Problem daran? Was stört DICH selbst wirklich und was stört dich, weil du denkst das es das Außen stören könnte? Was hat das damit zu tun das du schlecht bist? Wo ist die Verbindung und wo kommt diese Verbindung her?

Also versteht ihr das Prinzip? Klamüsert eure Gedanken soweit aus das ihr erst einmal wisst, welche überhaupt eure eigenen sind. Dann könnt ihr versuchen ein neues, eigenes „Programm“ aufzuspielen, indem die negative, in sich verankerte, Sichtweise in eine realitätsnähere, positive umgewandelt wird.
Und schämt euch in gar keinem Fall professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist EXTREM schwer sowas selbst zu lösen!

Täterintrojekte bei dissoziativen Störungen

Bei einer dissoziativen Störung, wie der Dis oder pDis, ist es möglich das sich diese Täterintrojekte soweit abgespalten sind, dass sie autonom reagieren und denken können (weshalb sie aber auch irgendwann eine Änderung in ihrem Verhalten bewirken können).

Gibt es positive Introjektionen?

Die gibt es 😊.

🌞Introjektionen können auch auf positiver Art und Weise stattfinden.

Unser Gehirn ist so gestrickt das wir schnell auf Emotionen anspringen. Das geht bei negativen, aber genauso gut eben auch bei positiven Emotionen. Verhält sich unser Gegenüber z.B sehr offen und liebevoll zu uns, ist es also ebenso möglich das wir diese Verhaltensweise in uns aufnehmen und somit an andere weitergeben 😊
Ist doch irgendwie ein Grund sich netter und aufmerksamer anderen gegenüber zu verhalten, oder?😁