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Borderline (oder doch eine kPTBS?)

= auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Was ist Borderline?

Borderline heißt übersetzt “Grenzlinie” und damit sich auf einer schmalen Grenze zu bewegen. Betroffene sind stark davon gekennzeichnet sehr schnell von einem Extrem ins andere zu schwanken. Also sich immer auf einer Grenzlinie zu befinden, die sie zu beiden Seiten abwechselnd ständig übertreten (“Ich Liebe dich – Ich hasse dich” ; “Hau ab – Verlass mich nicht”).

Ungefähr 2% der Bevölkerung (aber 6% der jungen Menschen) sind daran erkrankt.

Früher sagte man übrigens das sich Borderliner auf der Grenze zwischen Neurose und Psychose befinden – Das ist mittlerweile veraltet und überholt und stimmt so nicht.

Laut ICD-10 müssen für eine Diagnose mindestens 3 der genannten Merkmale vorliegen:

  • Neigung zu Streitereien und Konflikten, vor
    allem wegen impulsiven und unerwarteten
    Handlungen
  • Neigung zu unerwarteten Handlungen ohne
    Berücksichtigung der Folgen
  • Neigung zu Wut oder Gewaltausbrüchen und
    Unfähigkeit, das explosive Verhalten zu
    kontrollieren
  • Schwierigkeiten, Handlungen beizubehalten,
    die nicht unmittelbar belohnt werden
  • Unbeständigkeit und Unberechenbarkeit der
    Stimmung

Und mindestens 2 der folgenden:

  • Unsicherheiten im Selbstbild bzw. in der
    eigenen Identität
  • Unsicherheiten bei eigenen Zielen und
    Vorlieben
  • Neigung zu intensiven, aber instabilen
    Beziehungen
  • übertriebene Bemühungen, nicht verlassen zu
    werden
  • wiederholte Androhung oder Durchführung
    von selbstverletzendem Verhalten
  • anhaltende Gefühle der Leere

Wodurch entsteht Borderline?

Man geht davon aus das sowohl genetische wie auch traumatische Bedingungen und Einflüsse des äußeren Umfeldes zu der Persönlichkeitsstörung beitragen.

Was das genetische angeht, so ist nicht direkt Borderline vererbbar, aber die Veranlagung dazu bzw. die Tendenz generell schneller an psychischen Störungen zu erkranken, z. B durch Traumata die bereits die Eltern, Großeltern usw. erlitten –> ganz richtig: Traumata gehen in unser genetisches Erbgut über (man denke dabei wieder an die beliebte Kriegswaffe ‘Vergew*ltigung’ 😉).

Zu der genetischen Komponente kommen in fast allen Fällen traumatische Erlebnisse in der Kindheit hinzu (meist durch Missbrauch – ob nun körperlicher, sexueller, emotionaler oder alles zusammen). Und hier wird es nämlich interessant:

Borderline oder kPTBS – Was denn nun?

Die Borderline-PS und die komplexe PTBS haben überraschend viele Überschneidungen und daher werden beide auch noch sehr oft falsch diagnostiziert. Nachfolgend habe ich für euch mal eine Tabelle, welche die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigt:

Borderline

  • Impulsivität in mind. 2 selbstschädigenden Bereichen
  • Wiederholte suizidale Handlungen
  • Affektive Instabilität und Stimmungsschwankungen .
  • Chronisches Gefühl der Leere
  • Unangemsessene und heftige Wut
  • Ausgeprägte Instabilität des Selbstbildes/Selbstwahrnehmung
  • Vorübergehende paranoide oder dissoziative Symptome
  • Muster instabiler aber intensiver zwischenmens. Beziehungen (Idealisierung/Entwertung)
  • / (keine somato. Beschwerden)
  • Verzweifeltes Bemühen Verlassenwerden zu vermeiden
  • / (keine fehlende Zukunftsperpektive oder Verlust persönlicher Überzeugungen)

kPTBS

  • Störung der Affektregulation mit impulsiven u risikoreichem Verha.
  • Selbstverletzendes und suizidales Verhalten
  • Störung der Affektregulation, Impulsivität und autodestruktives / risikoreiches Verhalten
  • / (keine chronische innere Leere)
  • Schwierigkeiten Ärger zu modulieren
  • Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, Scham, Gefühl isoliert zu sein
  • Dissoziative Symptome .
  • Extremes Misstrauen, Tendenz wieder zum Opfer zu werden .
  • Somatoforme Beschwerden
  • / (kein verzweifeltes Bemühen Verlassenwerden zu vermeiden)
  • Fehlende Zukunftsperspektive, Verlust persönlicher Grundüberzeugungen

Ihr seht also: Auf den ersten Blick scheinen sich beide Störungen sehr zu gleichen und daher ist es auch verständlich, das viele Ärzte beides schnell einmal verwechseln. Erst bei genauerer Betrachtung fallen einem nämlich die kleinen, aber doch markanten Unterschiede auf. Man muss dabei ja auch beachten das Borderline Patienten in fast allen Fällen selbst sehr viele Traumata erlebten, was, denke ich, auch zu den vielen Gemeinsamkeiten führt.

Der Herr Marcus Jähn bringt dabei ins Spiel das Borderliner mehr dazu neigen ihre Gefühle externalisierend auszuleben, also nach Außen hin. Betroffene von kPTBS stattdessen jedoch internalisierend, also eher nach innen hin.

Bei mir wurde damals auch eine Borderline-PS diagnostiziert, jedoch habe ich immer wieder gesagt, das ich mich zwar in einigen Punkten wiederfinde, nicht jedoch in allen. Mit der Diagnose kPTBS fühle ich mich da nun schon viel wohler und meine Thera. hat mir die Diagnose Borderline auch nicht mehr gegeben.

Ich habe z.B keine übertriebenen Verlassensängste bzw. tue alles um ein Verlassenwerden zu vermeiden. Extreme Wut kenne ich nicht, also klar kann ich wütend werden, aber das schwankt bei mir nicht ständig von dem einen Extrem ins Andere.

Auch das chronische Gefühl der inneren Leere kenne ich persönlich nicht. Anmerken muss ich dazu aber das in meinem Klinikbericht steht, dort wo die Borderline-PS gestellt wurde, das ich mich mit dem Gefühl der inneren Leere identifizieren könne (das also wohl scheinbar doch mal gesagt habe) und mein damaliger Mitbewohner meinte auch das ich sowas wohl öfters geäußert hätte – Ich jedoch weiß weder das ich das gesagt haben soll, noch kenne ich dieses Gefühl 😅. Kein Plan wer sich da leer fühlt, ich für mich wüsste jedoch keine Situation wo ich jetzt sagen könnte: ,,Ah, jetzt fühle ich mich innerlich so richtig leer.” 🤷‍♀️

–> Allerdings sei dazu gesagt, dass ein Gefühl innerer Leere auch bei Depressionen oder anderen Erkrankungen durchaus einmal vorkommen kann. Wer dieses Gefühl also schon einmal erlebt hat, hat deshalb nicht gleiche eine Borderline PS (es geht eben um das chronische Gefühl)

Wie kommt es zu diesen ganzen “gestörten” Gefühlen?


Guckt, ich versuche euch das mal so zu erklären:
Wenn du deine gesamte Kindheit hindurch, also genau die Zeit wo sich dein Welt- und Selbstbild formt, vermittelt bekommen hast das du unnütz, nicht erwünscht, nicht liebenswert, ein schlechter und böser Mensch bist usw. ist es völlig logisch das sich genau diese Aussagen als dein eigenes Bild im Kopf abspeichern (siehe Täterintrojekte) und du kein gefestigtes, eigenes, positives Selbstbild entwickelst.

Wenn dich dein Leben lang die Menschen nur verraten haben, dann ist es ebenso logisch das du dich auf der einen Seite nach jemanden sehnst den du endlich vertrauen kannst, auf der anderen Seite dich aber deine Erfahrung steht’s mahnt vorsichtig zu sein und bloß nicht leichtfertig zu vertrauen, daher stößt du dann vll sogar Menschen weg.

Wenn du nie Liebe erfahren hast, woher soll dann dieses innere Ausgefülltsein kommen? Es ist doch die Liebe die uns ausfüllt.

Zudem ist es so, dass sich die gleiche Art von Traumata gerne immer und immer wieder in unser Leben einschleicht. Durch diese sogenannte Reinszenierung werden nicht nur Traumata wie Vergew*ltigungen oder häusliche Gewalt wiederholt, sondern wir geraten auch immer wieder an den gleichen Typ Mensch, nämlich an den Tätertyp.

Meine Mutter z.B war stark narzisstisch und lustigerweise (also genau deshalb) hatte ich bisher auch ein gutes Händchen für narzisstische Männer. Meine beiden Ex-Partner haben sich in diesem Fall gegenseitig selbst übertroffen. Gerade mein letzter Ex-Freund hatte so eine bestimmte Art drauf, meine Wahrnehmung komplett zu verdrehen (was ich aus Gründen nicht die Spur witzig finde), mir Schuld an völlig lächerlichen Dingen zu geben und mir permanent Vorwürfe zu machen (aus Prinzip – seinem Prinzip – durfte die Wohnungstemperatur z.B nicht über 20 Grad steigen und als sie dieses dann doch tat, war das mal ein extremes Drama, …) usw. und genau bei dieser Art von Menschen, also dort wo ich das Gefühl habe das meine Gefühle und Bedürfnisse gar keine Rolle spielen, wo mein Gesagtes gar nicht – stattdessen sogar etwas ganz anderes gehört wird – dort habe ich es z.B sehr schwer ruhig zu bleiben und nicht emotional zu reagieren.

Aber ganz ehrlich? Wer hat bei solcher Art von Menschen nicht ein ähnliches Problem? Der Unterschied ist jedoch das man mit entsprechender Vorerfahrung schneller und leichter dazu neigt sich eben solchen Menschen wieder zuzuwenden und wie im Falle der Borderline-Erkrankung durch diese Tatsache eben auch weniger beständige Beziehungen zu haben. Also d.h wenn ich durch die Trauma-Reinszenierung immer wieder an einen Typ Mensch gerate der mich unheimlich triggert, dann ist es völlig natürlich das solcher Art Beziehungen nicht von langer Dauer sind und meist mit einem großen Tam-Tam auseinander gehen.

D.h aber übrigens nicht das alle Partner von Borderline Patienten Narzissten o.ä sind. Gerade im Fall der Borderline Erkrankung, fällt es den Betroffenen oft schwer ein gesundes Mittelmaß zu finden, also nicht zwischen ,,Dieser Mensch ist der Einzig wahre für mich” und ,,Ich hasse diesen Menschen, er soll verschwinden” (bei entsprechenden Trigger) zu schwanken. Im Beitrag zur Ego-State (https://good4know.de/2021/01/29/ego-state-disorder/) und strukturellen Dissoziation (https://good4know.de/2021/02/06/strukturelle-dissoziation/) habe ich das etwas näher erklärt.

Was kann ich als Angehöriger tun?

Es verstehen.

Wie oben erwähnt sind Borderline-Erkrankte traumatisierte Menschen. Es hilft rein gar nichts wenn ihr ihnen mit Ablehnung und Abscheu begegnet. Wenn ich mir z.B manchmal Vorträge von Ärzten anschaue oder auch damals in der Klinik gesehen habe wie mit mir oder Mitpatientinnen umgegangen wird – Gott, das ist furchtbar! Selbst Ärzte sprechen teilweise mit einer Abscheu über Borderliner, als hätten sie die Brut Satans höchstpersönlich vor sich🤦‍

Zu diesem Thema habe ich übrigens auch noch mit einer persönlichen Geschichte aufzuwarten:

Als die Diagnose Borderline damals rauskam, wurde sie sowohl von einem Teil meiner Familie, wie auch von meinem Ex-Partner genutzt (natürlich kamen da auch noch andere Sachen dazu), in der Hoffnung mir das Sorgerecht entziehen zu können. Gerade für das Jugendamt ist Borderline ein gefundenes Fressen und in einem gewissen Maße verstehe ich das sogar. Wenn die Störung akut und ausgeprägt vorliegt, dann kann gerade das ständige Gefühlshin und -her (“Ich liebe dich – Ich hasse dich”) für Kinder selbst wieder extrem traumatisierend wirken. Mit mir persönlich wollte man damals aber nicht mal richtig sprechen (denn aufgrund des angeblichen Diagnosebildes hätte ich mich ja sowieso nur als Opfer gesehen, hätte gelogen, manipuliert und war daher ,,nicht ernst zu nehmen”), wodurch ich vll einiges hätte aufklären können und wenn ich heute manchmal darüber nachdenke was das für ein Kampf um mein Kind war, aufgrund von derart vielen Lügen und Intrigen , dann weiß ich echt manchmal nicht wie ich das überstanden habe…

Und was ich dabei erschreckend finde: Gerade Borderline Diagnosen werden an junge Patienten wie gratis Bonbons verteilt (zumindest kommt mir das so vor ,,Ach sie haben ein kolpexes Beschwerdebild? Na dann geben wir Ihnen mal Borderline”), gleichzeitig werden diese Leute aber behandelt, als wären sie ein bösartiges Monster. Nochmal: Wir sprechen hier von bereits traumatisierten Menschen!

So aber weiter im Text😅

Wer also etwas tun möchte der bietet den Betroffenen eine stabile Umgebung und aufrichtiges Verständnis (Verständnis heißt nicht alles gut zu heißen☝). Viele Betroffene sind es gewöhnt im laufe ihres Lebens permanent runtergemacht und gekränkt zu werden, versucht es doch also einfach mal mit nett sein?🤷‍

Seid ehrlich und bietet auch den Betroffenen einen ehrlichen Rahmen zum Reden an (das hat nichts damit zu tun einen Therapeutenersatz zu spielen, aber etwas mit Interesse und Aufmerksamkeit an dem Gegenüber und nicht nur an sich selbst => völlig egal welches oder ob überhaupt ein Diagnosebild: Wer ständig über sich selbst reden will, ohne Rücksicht auf den Anderen zu nehmen, ist ganz einfach ein Ar*chloch 🤷‍) und unterstützt sie, sich ihrer Vergangenheit zu stellen (nicht durch Ratschläge und Forderungen, sondern durch Vertrauen und das Gefühl von Sicherheit), denn am Ende können sie nur durch sich selbst genessen.

Übrigens gibt es natürlich Borderliner die richtige Ar*chlöcher sind, die gibt es auch unter Depressiven ect., dass hat aber nichts automatisch mit der Diagnose an sich zu tun, sondern damit das auch Ar*chlöcher an psychischen Erkrankungen leiden können. Ich persönlich würde mir jetzt aber trotzdem keinen Partner o.ä suchen, der an einer Borderline PS leidet. Das hat aber einfach damit etwas zu tun, das ich selbst nicht alle Tassen im Schrank habe 😅 und daher eher Menschen in meiner Nähe brauche, die selbst wenigstens annähernd stabil sind.

Und natürlich kann es bei Borderline auch zu Komorbiditäten, wie einer Narzisstischen oder einer Antisozialen PS kommen, was den Gegenüber dann manchmal schon etwas gefährlicher machen kann 😅. Allerdings, wie gesagt, es gibt nun mal toxische Menschen und manche machen das bewusst und manche unbewusst und davon darf sich dann jeder problemlos distanzieren.

Ich denke auch, das es für Angehörige sehr schwierig sein kann, mit Persönlichkeitsstörungen oder andere Sachen umzugehen. Und das ist übrigens auch in Ordnung. Niemand muss sich aus Mitgefühl o.ä selbst kaputt machen. Darum geht es mir auch nicht, sondern mehr darum Menschen mit Borderline nicht generell von vorn herein mit Abscheu, Ekel, Angst oder Ablehnung zu begegnen (wie ich es leider oft erlebe), sondern ihnen erst einmal eine Chance zu geben.

Wir sind alle nur Menschen und so sollten wir auch versuchen uns zu begegnen 😊

Direktes SSV (Ritzen, Selbstmord, …)

Was ist selbstschädigendes Verhalten?

Wir unterscheiden in indirekt und direkt selbstschädigendes Verhalten.

Direktes:

Hier sprechen wir von direkten Verletzungen am Körper, also sich selbst Brandwunden zufügen, Haare ausreißen, Ritzen, Kopf aufschlagen ect. und ganz klar fallen Suizidgedanken bzw -versuche mit darunter.

Indirektes:

Im Prinzip alle möglichen Süchte – Arbeitssucht, Sportsucht, Kaufsucht, Schönheitsucht (ÜBERTRIEBEN viele OPs, Korrekturen ect.) usw und natürlich Drogen-, Alkohol- und Medikamentemissbrauch. Aber auch sehr exzessives Verhalten im Sexualleben, Ausleben von Extremsportarten sowie generell risikofreudiges Verhalten, absichtliches Ignorieren von gesundheitlichen Ratschlägen (bzgl gefährlicher Folgen) sowie Essstörungen usw usf.

Ihr seht, dass Spektrum ist da recht umfangreich 😌

Und warum machen Menschen das?


Genau genommen ist sich die Psychologie darüber selbst noch uneins, daher erzähle ich einfach mal aus meinen eigenen Erfahrungen.

Ich habe eine Freundin die sich damals in der Schulzeit die Arme aufritzte und sie beschrieb es mal so als wäre ihr Innerstes eine Cola-Flasche die man richtig doll geschüttelt hat, sodass sie kurz vorm platzen ist (innerer Druck) und indem sie die Flasche öffnete (ihre Haut verletzte) konnte dieser Druck entweichen. D.h also, die ganzen Gefühle die sie in sich trug, konnte sie nicht anders los werden, weil sie nie eine Möglichkeit lernte (wie manch einer vll in einem liebevollen Zuhause) diese Gefühle adäquat rauszulassen.

Man kann also davon ausgehen das SSV dann verwendet wird, wenn kein richtiger Umgang mit Gefühlen bzw. Emotionen erlernt wurde.

Sprechen dir die Eltern z.B immer wieder deine Gefühle als nichtig oder lächerlich ab und nehmen dich nicht ernst, zwingen dich zu Sachen, lassen dich mit deinem Emotionen alleine usw, dann besteht die Möglichkeit das entstandene Emotionschaos zu regulieren, indem du extreme Verhaltensweisen anwendetest, denn diese greifen ja wieder in den bereits durcheinandergebrachten Hormonhaushalt “positiv” ein (Adrenalinkick z.B, Schmerzen spüren, Drogen,…-> den “Kick” oder sich selbst spüren können).

Wie war das bei mir?

Auch meine Oberschenkel zieren lange, tiefe Narben. Dennoch war es bei mir damals kein direkt (mir bewusstes) Druck ablassen. Ich fing damit erst Anfang 20 an und tat das meist, zum einen nach emotional extrem anstrengenden Situationen (hier würde also vll das Druck ablassen zutreffen) und zum anderen, aus einem damals ganz unbeschreiblich schrecklichen Gefühl.

Das waren die Zeiten als ich auch unter schweren, depressiven Episoden litt und da gab es Momente in denen sich relativ “plötzlich” ein Gefühl in mir ausbreitete das tatsächlich nicht zu beschreiben ist 😅. Wie ein schwarzes Loch das sich ganz langsam in deiner Brust ausbreitet und alles von und in dir verschlingt (es war jedoch keine innere Leere und auch keine Panikattacke und mit der Depression selbst, weiß ich auch gar nicht mehr so ganz genau, ob es zusammenhängt). Um dieses Gefühl wegzubekommen hätte ich damals so ziemlich alles getan und das Verletzen meiner Haut verschaffte mir tatsächlich zumindest eine kleine Ablenkung (zudem beruhigt mich der Anblick von Blut seltsamerweise 🤔🤷‍).

Scham spielt bei mir alledem eine sehr große Rolle. Ich verletzte z.B meine Oberschenkel, weil ich Angst hatte das es jemanden auffällt und man mir dann sagt, ich wolle nur Aufmerksamkeit. Viele Mädchen verstecken deshalb z.B auch ihre Arme stets unter langen T-Shirts oder Pullovern.

Übrigens erzählte mein Ex-Freund auch genau das später den Ärzten damals in der Klinik – das ich das alles nur mache um seine Aufmerksamkeit zu bekommen (obwohl ich es auch vor ihm bis dato ganz gut geheimhielt) 😒.

Leute! Das geht gar nicht!

Niemand der sich tiefe, schmerzhafte Wunden zufügt, macht das nur damit ihn jemand bemitleidet, sondern derjenige hat tiefsitzende, ernsthafte Probleme.
Echt mal, manchmal frag ich mich echt, was in den Köpfen anderer Menschen vor sich geht 🤦‍

Passt auf: Aufmerksamkeit spielt in unser aller Leben eine extrem große Rolle. Wir geben ständig welche ab oder bekommen sie. Aufmerksamkeit, das Gefühl beachtet zu werden und eine real existierende, berechtigte Rolle auf dieser Welt einnehmen zu dürfen, ist für uns alle extrem wichtig und ein grundlegendes Bedürfnis für Kinder.

Wer dieses Bedürfnis in der Kindheit nicht gestillt bekam, durch z.B extreme Vernachlässigung, der kompensiert dieses mangelnde Bedürfnis natürlich irgendwie, irgendwann in seinem Leben. Also vom daher: Ja, natürlich spielt Aufmerksamkeit eine Rolle, aber nicht so wie es sich manche einbilden.

Selbstmordgedanken und -versuche

So und nun sind wir auch schon recht dicht am Thema Selbstmordversuche dran, denn ständig höre ich diesen Quatsch “Ach der will doch nur Aufmerksamkeit” auch jetzt noch ständig über andere Menschen mit Selbstmordgedanken – Wer bereit ist sich sein Leben zu nehmen, der hat definitiv noch ein paar andere Sorgen als nur Aufmerksamkeit.

Die Gründe warum sich Menschen das Leben nehmen wollen sind auch hier wieder extrem vielschichtig, aber man kann davon ausgehen das fast immer eine extreme Verzweiflung die Grundlage dafür ist.

Und auch hier kann ich wieder nur am besten aus meiner Erfahrung erzählen: Ich hab, hmm🤔, naja sagen wir so einige Selbstmordversuche hinter mir😅.

(Vorsicht TRIGGER!)

*

Die ersten waren als Kind und von daher noch recht stümperhaft 😅. Es gab zwar jeweils einen Abschiedsbrief, aber ich hatte nur Aspirin und ähnliche Tabletten (und etwas Alkohol) zur Verfügung und hab davon einfach ganz viele genommen und naja….Das wurde nix.

Als Teenie fanden dann die nächsten statt, aber auch da waren die Verletzungen nicht tief genug (ganz ehrlich? Eigentlich bin ich voll schmerzempfindlich, keine Ahnung was mich da manchmal geritten hat) und dann gabs als Erwachsene noch ein paar. Die waren schon weitaus konkreter mit Tabletten geplant, aber bis auf einmal (was in der Klinik endete), bin ich meist nach ca.10h (trotz Dosissteigerung) wieder aufgewacht – manchmal war das echt frustrierend 😌 –> Irgendwie wollte der Tod mich wohl nicht 😅.

Warum wollte ich mich umbringen?

Das ist schwierig zu beschreiben – Manchmal sind da einfach Gefühle da, die kaum auszuhalten sind und oft war da soviel Sinnlosigkeit (,,Warum weiter machen?”) und aber auch Abscheu mir selbst gegenüber. Ich denke das war eine Mischung aus vielem, also ich könnte jetzt zumindest nicht DEN EINEN Grund dafür nennen. Mittlerweile bin ich, seit einigen Jahren, von diesen Akutgedanken und -plänen aber weg 🙂 (Ich würde gerne Tipps geben wie, aber ehrlich? Ich hab keinen Plan warum es besser wurde)

*

(Trigger Ende)

Ich möchte damit nur einmal aus meiner Sicht schildern das es den Menschen meist nicht um ein lapidares bemitleiden geht oder sie gar einfach nur zu feige sind, sich ihren Alltagsproblemchen zu stellen und deshalb weglaufen, denn meist steckt dahinter weniger harmloses als manche glauben.

Übrigens, finde ich, sieht man Menschen, die wirklich Selbstmordgefährdet sind, jenes selten an. Bei mir hat zwar mein näheres Umfeld mitbekommen das ich nicht dauerhaft gut drauf war, aber das und warum und wie ernsthaftig ich es versuchte, hat nie jemand mitbekommen. Nicht einmal mein damaliger Freund. Ich habe sowohl an solch einem Tag, wie auch am Tag nach dem Versuch, einfach alles weggelächelt. Humor war schon immer mein liebstes Mittel für alles 😄, naja und wirklich tief blicken tun Menschen nun mal auch selten 😅.

Wie handle ich als Angehöriger?

Wenn jemand also Andeutungen macht und sich in Selbstmordgefahr befindet, dann nehmt das bitte ernst. Für mich wäre es damals zwar eine Katastrophe gewesen, hätte man mich einfach in eine Klinik gesteckt, für andere wiederum kann es genau die richtige Rettung sein, aber das ist eben sehr individuell. Wichtig ist nur das ihr den Menschen nicht alleine lasst!

Ich persönlich finde zudem, so wie ich es generell immer empfehle: Redet mit den Leuten darüber, nehmt sie ernst, seid aufmerksam, fragt was los ist, wie es ihnen geht, warum sie solche Gedanken haben und versucht GEMEINSAM Lösungstrategien zu finden (ohne Forderungen und Zwang!) und meist lässt sich damit schon eine Akutsituation zumindest etwas entschärfen.

Warum ich aufhörte meine Haut selbst zu verletzen

Mein Köper ist etwas ganz tolles und ich wollte und will ihm so etwas nicht mehr hinzufügen. Er kann schließlich nichts dafür. Zudem hat es für mich ja keinen Mehrnutzen, sondern bringt nur noch mehr unnötiges mit sich. Die frischen Verletzungen und Narben verbergen. Die komischen Blicke und Fragen der anderen usw.

Ich habe aslso angefangen mehr auf mich zu hören – Es kommt immer ganz darauf an, meist muss ich nach sehr stressigen Situationen erst nicht und nach einer Weile dafür ganz allein sein (und das äußere ich auch deutlicher als früher).

Wenn ich wütend bin hilft mir raus gehen, Musik in die Ohren und laufen (die angestaut Energie in etwas umwandeln). Wenn ich traurig bin mache ich es mir gemütlich und mache Sachen die mir gut tun. Ich habe immer noch Probleme mit Traurigkeit- oder Verzweiflungsgefühlen und fühle mich dann oft aufgeschmissen, aber der Gedanke das dass bald wieder vorbei sein wird und es immer eine Lösung für alles gibt, hilft mir meist extrem und daher bekomme ich mich mittlerweile meist viel schneller wieder gefangen.