Archiv der Kategorie: Gefühle und Bindung

Das Trauermodell

Letztens besprachen wir die eigentliche Ursache unserer Gefühle bzw. das, was sie uns vermitteln wollen. Der Bereich der Trauer hat jedoch, finde ich, noch einmal seinen ganz eigenen Raum verdient und lässt sich nur schwer in einem Kapitel abarbeiten.

Zunächst erst einmal weil ich die unterschiedlichen Stufen der Trauer gerne extra besprechen möchte, aber auch, weil Trauer oft nur mit dem Verlust nahestehender Wesen in Verbindung gebracht wird. Jedoch können wir über vieles trauern, u.a auch über unsere verlorene Kindheit o.ä. Und gerade da dies ein Traumablog ist, wollen wir das heute einmal ansprechen.

Was Trauer uns mitteilt

Trauer empfinde ich als ein ganz schwerwiegendes, ja schmerzhaftes Gefühl. Wir fühlen uns nicht nur völlig leer, sondern wir können auch nicht mehr schlafen und empfinden sogar körperlichen Schmerz. Ein Schmerz, der uns zu zerreißen droht.

Der Kinderpsychologe John Bowlby setzte den Grundbaustein für die Bindungstheorie. Darin erforschte und stellte er dar, wie wichtig Bindung für uns Menschen ist. Wir sind keine Wesen, welche völlig allein überleben können, sondern sozial und emotional auf unsere Umgebung angewiesen. Auf Dauer verhungern wir in unseren emotionalen Bedürfnissen, wenn wir keine (sicheren) Bindungen eingehen können. Wir streben nach Kontakt, nach Nähe und Liebe. Und wenn wir nun einen engen Kontakt verlieren oder etwas, das unser Bedürfnis nach Verbindung gestillt hat, trifft uns ein tiefer Schmerz.

Trauer zeigt uns den Bruch einer Verbindung an. Sie signalisiert den Schmerz über die verlorene Nähe und etwas, das uns wichtig war. Für unseren Körper bedeutet das höchste Gefahr, da etwas überlebenswichtiges (!) in unserem Leben wegfällt.

Das Trauermodell

Die Schweizer Psychologin Verena Kast entwickelte dieses Modell, angelehnt an den Prozess, welchen Menschen durchleben, die einen geliebten, nahestehenden Menschen verloren haben.

Dieser Prozess zeigt den Beginn und das Ende, inklusive Neuorientierung, der Trauerphase an. Wie lange diese aber dauert, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt keine Zeitangabe und auch kein: „Reiß dich mal zusammen, XY kam nach 2 Monaten schon wieder klar. Warum kannst du das nicht?!“ . Ebenfalls laufen die gleich folgenden Phasen nicht automatisch nach einander ab, sondern überschneiden sich sehr oft. Manchmal kommt daher auch die 3. vor der 1. usw. Es können sogar Phasen ausbleiben. Ebenso können sich verschiedene Phasen auch wiederholen, sodass man den Eindruck bekommt, es käme zu Rückschritten. All das ist dennoch mehr als normal!

Im Laufe der Zeit wurde dieses Modell übrigens weiter über- und ausgearbeitet, sodass sich teilweise auch unterschiedliche Phasenbegriffe finden lassen.

1.Leugnen

Wir erhalten die Nachricht, dass etwas schreckliches passiert ist. Etwas das uns wichtig ist, ein geliebter Mensch, unsere Gesundheit oder die heile Vergangenheit ist fort. Jemand ist gestorben, wir erhalten die Nachricht unter einer schweren Krankheit zu leiden oder das wir schweren Missbra*ch ausgesetzt waren. Die sonst so heile Welt bricht zusammen. Nichts ist mehr wie vorher. Als Schutzmaßnahme wendet unsere Psyche nun die Verleugnung an. Was nicht da ist, was niemals geschehen ist, kann uns auch nicht belasten.

Typische Sätze sind hier z.B: „Das stimmt nicht! – Das hast du dir nur ausgedacht! – Ich bilde mir das nur ein. – Das ist nie passiert. – usw.“

Die Phase der Verleugnung kann wenige Minuten, Stunden oder sogar Wochen bis Monate oder länger betragen. Wichtig ist hier zu verstehen, dass die Psyche des Menschen so reagiert und alles verleugnet, weil die Konfrontation mit der Realität sonst zu viel wäre. Ihr könnt, als Angehörige, demjenigen die Hand reichen, alltägliches abnehmen und auch immer wieder, sehr sachte, versuchen auf die Realität anzustupsen. Lasst ihn nicht alleine, das stärkt die Resilienz. Aber ihr könnt ihn nicht dazu bringen, sich eher, als seine Psyche bereit ist, damit auseinanderzusetzen. Das macht der Körper und die Psyche irgendwann, wenn sie dazu bereit sind, von ganz allein. Unterstützt denjenigen aber auch nicht in seiner Scheinrealität!

2.Wut

Sobald das Ereignis realisiert wurde, fahren die Emotionen Achterbahn. Wut stellt sich über den Verlust ein. Vor allem sucht die Wut hier einen Verantwortlichen, auf den sie sich richten kann. Der Verursacher eines Unfalls z.B, der den geliebten Menschen nahm. Oder die Krankheit oder deren Ursache. Oder auf das, was z.B zu dem traumatischen Ereignis führte.

Wut ist wichtig, da sie uns Kraft gibt. Sie kanalisiert unsere Energie und lässt uns aufstehen und den Tag durchhalten. Sie lässt uns oft nach ausgleichender Gerechtigkeit suchen und bringt uns damit ins Handeln. Das ist in der Praxis nicht immer gut, da es auch dazu führen kann, eigentlich unschuldigen Menschen z.B Vorwürfe etc. zu machen.

Wut sollte dennoch ausgelebt und nicht unterdrückt werden. Sonst kann sie sich nicht integrieren und wächst (oft versteckt) weiter. Du darfst dich über die Ursache deines Leides aufregen. Tue das ruhig einmal so richtig. Läster über die Krankheit oder die verursachenden Menschen oder Umstände ab. Ich mag generelles Lästern nicht sehr, aber hier darfst du deiner Wut diesen Freiraum einmal einräumen. Vllt hilft es dir auch Beleidigungen oder Schimpfwörter, die im Inneren auftauchen, niederzuschreiben. Schlage auf einen Boxsack ein und/oder schreie ganz laut. Räume deiner Wut einen Raum frei, wo sie sich, ohne anderen (unschuldigen) zu schaden, frei entfalten kann.

3.Verhandeln und Suchen

Wir realisieren, dass wir dem bereits Geschehenen nicht ausweichen können. Diese Phase ist meist von dem Versuch geprägt, trotz alle dem noch einen Funken Kontrolle erhalten zu können. Nichts ist für uns schlimmer, als ohnmächtig zu sein. Oft suchen wir hier die Schuld bei uns. Im Falle der Krankheit z.B, versuchen wir jetzt gesünder zu leben. „Wenn ich das und jenes tue, kann ich vllt noch X Monate/Jahre leben und ZY mitbekommen.“

Im Sinne einer traumatischen Vergangenheit suchen wir hier die Punkte, wo wir vllt eine Mitverantwortung trugen. Etwas, das uns das Gefühl gibt, es in einer ähnlichen Situation besser machen zu können. Oder auch, wo z.B die Bezugsperson (/der Täter) doch nicht so extrem schlimm war, denn schließlich hatten wir ja eine Mitschuld. Ohne uns (unsere Verhalten, etc.), hätte er nicht so schlimme Dinge getan. Vllt Denken wir auch es ist alles gar nicht so schlimm, WIR übertreiben nur. Oder im Bereich des verloren gegangenen, suchen wir oft nach etwas, dass uns (heute hier) ähnlich erscheint. Die (schöne) Vergangenheit quasi wiederaufleben lässt.

Diese Phase kann von unglaublich viel Schmerz geprägt sein. Sie zeigt uns unsere Suche nach dem Schönen auf. Nach dem Heilen, das verloren ging. Egal ob wir die Schuld bei uns suchen oder versuchen Vergangenes wiederaufleben zu lassen: Letztendlich versuchen wir hier, ebenfalls, wieder Kontrolle zurück zu erlangen. Diesmal versuchen wir dies aber nicht über das Außen (wie bei der Wut), sondern über uns.

4.Realisierung

Oft wird diese Phase auch die ‚Depressive‘ genannt. Mir persönlich gefällt aber „Realisierung“ besser. Denn nichts anderes geschieht hier. Wir realisieren vollends, was geschehen ist. Wir realisieren, dass weder wir etwas an der Situation ändern können, noch ein anderer. Vergangen und Geschehen ist, was ist. Daher ist diese Phase meist von schlimmen depressiven Episoden geprägt.

Das Klarwerden über unsere Handlungsunfähigkeit, über unsere Ohnmacht gegenüber dem Leben, stürzt uns oftmals in ein tiefes Loch. Auch das ist normal. Vieles können wir steuern und kontrollieren, aber eben nicht alles. Egal wie wir uns ernähren, benehmen, handeln oder nicht handeln. Das Leben ist eine Komponente, welche außerhalb unseres Handlungsspektrums liegt. Daher meinte ich auch einmal, dass negative Dinge eben manchmal einfach geschehen. Wir müssen das nicht positiv oder gut finden. Wir dürfen darüber wütend sein und weinen, dennoch bleibt uns letztendlich nicht mehr als die Akzeptanz dessen übrig.

In dieser Phase können wir uns allein, einsam, schwach und hilflos fühlen. Wir glauben keinerlei Kontrolle mehr zu haben, was uns die Hoffnung nimmt. Ich glaube in dieser Phase laufen wir daher auch die größte Gefahr „stecken“ zu bleiben. Vllt hilft zu verstehen wo man die Kontrolle hat, denn die hat man in sehr vielen Momenten, und wo nicht. Das es Dinge gibt, die wir beeinflussen können und welche, über die wir keine Macht haben.

5.Akzeptanz

In dieser Phase erreichen wir die Akzeptanz. Wir akzeptieren den Verlust eines geliebten Menschen oder unseren eigenen (baldigen) T*d. Wir akzeptieren unser Trauma und was uns widerfahren ist. Akzeptanz bedeutet nicht automatisch Integration, ist aber der beste Schritt dahin.

Akzeptanz kann dazu führen, dass wir auch die positiven Dinge unseres Lebens oder der verloren gegangenen Beziehung wieder schätzen lernen. Vllt ziehen wir uns aber auch in dieser Phase zurück. Isolation ist nicht immer nur ein negatives Zeichen, auch wenn Angehörigen dies oftmals Sorgen bereitet. Wir brauchen diese Zeit um all die vergangenen Emotionen und Erlebnisse verarbeiten zu können. Um uns selbst wieder zu stabilisieren. Und allmählich empfinden wir vllt sogar wieder Glück und Freude.

Auf die Kindheit bezogen – Se*ualität

Ich habe festgestellt, dass ich mich aktuell in der Trauerphase um meine Kindheit befinde. Dinge die so nie oder falsch stattfanden.

Ich trauere um mein 1. Mal. Nicht nur um das verlorengegangene, unbewusste erste Mal, sondern auch um das bewusste 1. Mal. Auch das war nicht von Liebe oder Zärtlichkeit geprägt. Sondern fand mit einem viel zu alten Mann statt (ich war 14 und er 27). Wir waren in keiner Beziehung und es gab auch keinen Respekt mir gegenüber. Im Gegenteil wurde sich später mit den, ebenfalls erwachsenen, Kumpels darüber lustig gemacht. Ich hatte meine ganze Schul- bzw. Jugendzeit nie einen Freund, in den ich verliebt war und er in mich. So wie andere. Nur Se*ualpartner. Und darüber trauere ich heute. Ich denke oft an mein verloren gegangenes 1. Mal. Und ich wünsche es mir heute, so wie es damals hätte sein sollen.

Ich trauere über das gegenseitige Verliebtsein unter Teenagern, das ich nie erleben durfte. Das gemeinsame Ausgehen. Händchenhalten oder sich verliebte Briefe schreiben. Und über die ersten verschüchterten, intimen Versuche, die ich nie hatte. Meine ersten bewussten Erfahrungen mit Männern (und leider nicht Jungs), waren geprägt vom Rein-und-Raus-und-jetzt-mach-dich-weg.

Es ist wichtig, dass wir darum trauern, finde ich. Das jeder von uns darum trauern darf. Lange Zeit gab ich mir die Schuld: „Kein Wunder, wenn man sich so nuttig anzieht. Oder direkt zu jedem ins Bett steigt.“ Aber wisst ihr, ich bin nicht Schuld, dass erwachsene Männer ein Kind benutzt haben. Und ja, das ist man in diesem Alter. Egal wie viel Hüfte man hat.

Auf die Kindheit bezogen – Eltern

Und ich trauere um die Eltern, die ich brauchte, aber nie hatte. Meine Eltern haben selbst ihre Traumata und es liegt mir fern, sie als von Geburt an schlechte Menschen einzustufen. Grundlegend fern. Denn es gab auch schöne Momente. Es gab tolle Momente mit meinem Vater und sogar mit meiner Mutter. Und diese werde ich auch versuchen mir im Herzen zu behalten, egal was sonst war. Das Negative löscht nicht das Positive aus. Das Positive hebt aber auch das Negative nicht auf. Beides darf bestehen.

Ich trauere um die emotionale Nähe, die mir fehlte. Das in den Arm genommen werden, wenn ich Schmerzen hatte. Oder die liebevollen Umarmungen, das fehlende: „Ich habe dich lieb. Egal was kommt.“ . Die fehlende seelische Unterstützung bei einer Trennung oder wenn ich mich allein fühlte. Ich trauere darum, dass sie meinem Kind keine Großeltern waren, wie er es verdient hätte. Die Oma, die ihm Süßigkeiten unterjubelt, worüber ich mich furchtbar aufgeregt hätte. Oder der Opa, der ihm das Schnitzen zeigt. Ich trauere um meine Geschwister, die ich nicht aufwachsen sehen konnte. Um meine eigenen Kinder, die ich vllt noch hätte aufwachsen sehen können, aber nie tun werde. Um meine eigene Familie, die ich vllt gehabt hätte.

Ich glaube es ist wichtig, dass wir auch über unsere eigene Vergangenheit trauern können. Und wahrscheinlich befinden wir uns alle, mehr oder weniger, in dieser Trauerzeit. Jeder in seiner Phase. Und so schlimm sich diese Phasen auch anfühlen, sehen wir es doch „einfach“ so: Diese Phasen kennzeichnen Punkte, auf dem Weg unserer Heilung…

Gefühle und Emotionen (und was sie uns mitteilen)

Gefühle beeinflussen uns regelmäßig, eigentlich den ganzen Tag über, maßgeblich. Auch jene, welche behaupten sie würden auf Gefühle nichts geben.

Und solange wir Gefühle wie Glück oder Liebe empfinden, freuen wir uns auch und machen uns wenig Gedanken darüber. Erst wenn die Gefühle in die „negative“, „destruktive“ Richtung abgleiten, nehmen wir sie bewusst wahr und ärgern uns über sie.

Da es aber, genau genommen, nichts zu ärgern gibt, möchte ich heute einmal über die Hintergründe verschiedener Gefühle sprechen und was wir vllt auch produktives aus ihnen ziehen können. Deswegen fühlen sie sich nicht weniger schlimm an, aber vllt können wir einen liebevolleren Umgang mit ihnen lernen.

Bewusst habe ich heute übrigens die Trauer ausgelassen. Für diese wird es einen extra Beitrag geben.

Unterschied zwischen Gefühl und Emotion

Sehr oft werden diese beiden Begriffe synonym verwendet. Dennoch gibt es einen kleinen Unterschied.

Emotionen sind eine Mischung aus einem innerem Empfinden und unserer Reaktion darauf. Steigt in uns z.B Angst auf, setzt unser Körper Stresshormone frei, welche verschiedene Reaktionen wie schwitzen, Herzrasen etc. auslösen. Die Hormone wiederum haben Einfluss auf unsere Gedanken und Entscheidungen. Hinter einer Emotion steckt also eine Kombination aus Gefühlen (z.B Freude, Trauer), Körperreaktion (Bluthochdruck, Schwindel,… ) und Denkprozessen (entscheiden, vergleichen, etc.).

Gefühle sind demnach nur ein Teil einer Emotion. Sie beschreiben ausschließlich unsere Empfindung im Jetzt.

Angst

Angst warnt uns vor einer drohenden Gefahr und ist daher ein zutiefst normales und vor allem wichtiges Gefühl.

Gerät sie jedoch aus dem Gleichgewicht, was oft zu einer Angsterkrankung führt, macht sie uns das Leben meist mehr als schwer. Wir reagieren dann mit Panik, schwitzen, Schwindel, Wortfindungsstörungen, Depersonalisation, Herzrasen und Isolation. Bei einer Angsterkrankung haben Ängste bereits ein Eigenleben angenommen. Sie sind so übersteigert, dass sie mit der JETZIGEN Realität nicht mehr viel gemein haben. Hinter jeder „übersteigerten“ Angst steht aber immer eine frühere Realität, die nur durch etwas aktuelles getriggert wurde. Wir erinnern uns: Angst schützt vor einer drohenden Gefahr und die frühere Realität, die angetriggert wurde, bedeutete Gefahr. Unser Gehirn kann diese äußere und innere (zeitlich vergangene) Realität nicht auseinander halten und kann diese Ängste daher auch nur durch neue Lernerfahrungen abbauen. Nicht durch Rationalität.

Wenn wir z.B Angst vor Menschen oder deren Bewertung empfinden, haben wir früher oft die Erfahrung gemacht, dass wir nicht so gut waren, wie wir sind. Vllt wurde uns vermittelt, dass wir besser sein müssten. Etwas leisten sollen, was wir nicht konnten. Das wir nicht geliebt wurden, für das was und wer wir sind. Hinter der Angst vor menschlicher Nähe oder zu engen Räumen, steckt oftmals die frühere Erfahrung, dass ein zu enger (menschlicher) Kontakt oder eine (räumliche) Umgebung, aus welcher wir nicht fliehen konnten, uns ohnmächtig fühlen lassen hat. Wir wurden wortwörtlich eingeengt.

Eins möchte ich persönlich noch hinzufügen und zwar das ich glaube, dass hinter vielen andere Emotionen wie Wut, Neid, Eifersucht, etc oft eigentlich nur Angst steht.

Ekel

Ekel soll vor Schaden durch potenziell gefährliche Inhalte bewahren, wie z.B Infektionen, Ur*n oder Erbr*chenen. Er entwickelt sich meist lernbedingt. Zum Beispiel durch das was die Eltern vorleben (oder generell die Kultur/vorhergehenden Generationen) oder durch persönliche, negative Erfahrungen.

Der Ekel vor verschimmelten Lebensmitteln hat so gesehen also einen wertvollen Zweck und zwar den, unseren Körper vor einer möglichen Erkrankung zu schützen.

Und auch im Traumakontext entwickelte Phobien wie z.B vor Körperfl*ssigkeiten, stellen eine wichtige Funktion dar. Früher bedeuteten eben diese Schaden am Körper, infolgedessen hat sich ein chronischer Ekel davor entwickelt. Werden Körperfl*ssigkeiten gemieden, kann auch kein solcher Schaden wie früher mehr geschehen (in der Logik des Körpers). Auch hier geschieht die Bewältigung der Phobie meist nur über positive, neue Erfahrungen.

Wut

Wut ist ein Gefühl, welches uns signalisiert: „Hallo! Hier wird grad ein für dich ganz wichtiges Bedürfnis nicht gestillt oder/und eine Grenze übertreten!“ .

Sei es Respekt, Anerkennung, Liebe, Aufmerksamkeit (man kennt es von Kindern z.B, die vieles anstellen, um Aufmerksamkeit zu erhalten – Ein überlebenswichtiges Bedürfnis) o.ä was wir benötigen, aber nicht erhalten. Wut ist furchtbar schädlich, wenn sie unreflektiert auf uns oder unsere Umgebung trifft. Ohne Diskussion. Dennoch entsteht erst dann, wenn ein inneres Bedürfnis nicht gestillt wird. Und nein, das hat nicht immer etwas mit der Außenwelt zu tun. Oft tritt Wut auch dann auf (auf uns oder andere), wenn wir selbst unsere Grenzen nicht kennen. Wenn wir sie übertreten lassen, ohne klar eine Linie zu ziehen oder wenn wir sie selbst übertreten.

Ein Bsp. wäre da der Chef, der immer wieder zu Überstunden auffordert und der Angestellte einfach nicht „Nein“ sagen kann. Immer mehr Wut keimt in dem Angestellten auf. Gegenüber seinem Chef (im besten Falle), oder gegenüber ihm Selbst oder seinem/r Partner/in (durch Übertragung), etc.

Wenn du ein wütender Mensch bist, schau wo deine Bedürfnisse nicht erfüllt werden/wurden. Teile das deiner Außenwelt (bzw. den Betroffenen/Nahestehenden) mit, vllt lässt sich etwas ändern. Und wenn nicht, schaue wo du deine eigenen Grenzen besser vertreten kannst.

Im nächsten Beitrag werde ich noch etwas näher auf die Wut eingehen.

Langeweile

Langeweile hat man nur, wenn man nichts tut“ höre ich oft. An sich ist daran nicht prinzipiell etwas falsch. Bezogen ist dies aber oft auf Faulheit, Luxus und Wohlstand. Auch hier möchte ich nicht generell widersprechen. Allerdings fällt dieser Satz meist verknüpft mit dem zutiefst preußisch geprägten Denken: „Nur wer etwas leistet, ist etwas wert“ .

Dennoch gibt es auch Menschen die einen für die nächsten 365 Tage ausgefüllten Terminkalender haben. Kein Mensch würde behaupten diese wären untätig. Und trotzdem empfinden viele oft Langeweile und Leere. Langeweile bei jedem 2. Meeting. Langeweile bei jedem Buisness-Essen und Langeweile bei den zwischenmenschlichen Gesprächen. Liegt es nun am „zu wenig tun“ ? Wahrscheinlich nicht. Der Glaubenssatz man würde einfach nicht genug tun (oder wäre zu faul etwas zu tun), hinkt also.

Es liegt eher daran, dass du unterfordert bist. Natürlich sind wir Wesen, welche produktiv sein wollen. Aber produktiv und ständig beschäftigt sein, sind 2 verschiedene Dinge.

Wenn du Langeweile (und Leere) empfindet, frage dich bzw. sehe es als Hinweis, dass die aktuelle Situation dich nicht ausfüllt. Langeweile kann uns inspirieren kreativ zu werden, mehr auf uns zu schauen und auf das, was wir wirklich möchten.

Neid

Neid empfinden wir, wenn wir etwas bei jemand anderes sehen, was wir selbst gerne hätten. Ganz oft wird Neid als das ultimativ böse angesehen, aber er signalisiert uns auch, was uns in unserem Leben fehlt. Wichtig ist zu verstehen, dass es nicht darum geht, dass der andere das Problem ist (der hat, was wir uns wünschen) oder das wir selbst zu schlecht oder unwürdig dafür wären, dies ebenfalls zu bekommen oder zu erreichen. Neid kann uns Missstände in unserem Leben aufzeigen. Wenn wir unseren Blick nicht nach Außen richten, sondern in uns, kann er unglaublich wertvoll sein.

Im Falle der Kollegin z.B, die „den perfekten Partner“ hat, kann Neid uns zeigen, wo da unser unerfülltes Bedürfnis steckt.

Bsp.: „Was sehe ich in der Partnerschaft der beiden, was ich mir auch wünsche? Fühle ich mich einsam, weil meine Gefühle in meiner Partnerschaft nicht gesehen werden oder weil ich Single bin und mir auch jemand an meiner Seite wünsche? Oder hat dieser Partner einen guten Job? Ist es Sicherheit, welche ich mir also eigentlich (symbolisiert durch das finanzielle) wünsche?“ Ein anderes Bsp. wäre der Neid auf die Karriere eines anderen: „Was macht mich daran neidisch? Vllt die Anerkennung und das Ansehen welches diesem entgegengebracht wird, weil ich früher immer kritisiert wurde und mir eben diese Anerkennung daher heute auch wünschen würde?

Neid kann uns also bei der Frage helfen: „Was will ich selbst in meinem Leben und wie kann ich es erreichen?

Eifersucht

Neid ist das, wo wir etwas begehren, was wir nicht haben. Eifersucht dagegen ist ein Gefühl, das hoch kommt, wo wir etwas verlieren könnten, das wir bereits „haben“ und was uns wichtig ist (aus Liebe oder weil es ein Befurfnis von uns stillt).

Bei der Eifersucht gehen wir also in die Verlustangst. Starke Verlustangst speißt sich meist aus der Erfahrung früher nicht gut genug gewesen zu sein (z.B durch emotional unerreichbare Eltern, Missbr*uch, etc.). „Wenn ich nicht ausreiche, dann wird man mich auch (für etwas besseres) verlassen“ . Oftmals haben wir in der Vergangenheit auch die Erfahrung machen müssen, dass wir Wesen, welche wir liebten, verloren haben. Vllt durch die Trennung der Eltern, durch den T*d eines geliebten Wesens oder weil uns ein Partner betrogen hat. Was man liebte, war also irgendwann weg. All das (und mehr) KANN oftmals später chronische Eifersucht verursachen.

Das Gefühl der (normalen) Eifersucht kann uns aufzeigen, was uns in unserem Leben wichtig ist und was wir nicht verlieren möchten. Um was sich ein Kampf lohnt. Übersteigerte Eifersucht dagegen hängt meist mit dem eigenen Selbstwertgefühl zusammen und dem Bruch im (Ur-)Vertrauen zu seiner Umwelt.

Scham (und Schuld)

Scham dient besonders als Warnsignal vor sozialer Ausgrenzung. Wenn wir das Gefühl haben etwas falsches getan zu haben, etwas das nicht richtig war und gesellschaftliche Ächtung mit sich bringen könnte (oder schon mal brachte), empfinden wir Scham. Und infolgedessen auch oft Schuldgefühle, welche sehr eng mit der Scham korrelieren. Sie können uns daher als Selbstschutz dienen. Den Schutz sich in der Öffentlichkeit nicht zu „blamieren“ und sozialer Ausgrenzung und Verachtung zum Opfer zu fallen. Was das sein kann, änderte sich im Laufe der Geschichte immer wieder und ist auch kulturell völlig unterschiedlich.

Aber Scham (und Schuld) kann uns, wenn sie überwunden wird, auch bei der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. Sie kann uns helfen, eigene (oder fremde, wie bei der Fremdscham) Handlungsmuster zu hinterfragen und uns dadurch beim reflektieren helfen.

Zu krankhafter Scham kommt es wiederum oft durch Gewalt und stark destruktives Verhalten. Kinder bzw. Menschen die z.B immer wieder gesagt oder vermittelt bekamen, sie wären nichts wert, schämen sich oft ein Leben lang für sich selbst. Ebenso kann sich krankhafte Scham durch andere traumatische Erlebnisse, wie z.B se*uelle Gewalt oder Mobbing (etc.), entwickeln. Das Gefühl ausgeliefert zu sein und sich nicht wehren zu können, kann tiefe Scham hervorrufen. Diese kann aber auch entstehen, weil Täter (oder andere Menschen) das Opfer abwerten und selbst zum Täter machen („Du wolltest es doch. – Kein Wunder, wenn du so herumläufst. – „Du hättest dich ja wehren können. – usw.“ ) .