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Was ich mir von anderen wünschen würde

Bitte versteht das hier jetzt nicht wie eine Auflistung von Vorwürfen an die Welt da draußen.

Bei allem, was ich hier anspreche, muss auch ich lernen, darauf zu achten. Bspw. manches nicht zu relativieren, so nobel die Gründe auch sein mögen (z.B weil man die Situation für den anderen entschärfen möchte), usw. Dementsprechend bin ich der Meinung, dass vieles auch von anderen einfach unbeabsichtigt und auf keinen Fall bzw sehr, sehr selten aus böswilligen Gründen geschieht. Ich denke es hilft aber, wenn man seine eigenen Bedürfnisse und Gedanken dazu einfach einmal laut äußert und ausspricht (naja, eher ausschreibt 😄).

Versteht diesen Beitrag also mehr als eine Wunschliste, so wie zu Weihnachten. Aber ebenso als eine Art Anleitung, für persönliches Wachstum, an die auch ich mich versuchen will zu halten. Schließlich möchte ich nicht von anderen ganz viel Rücksicht und Liebe erwarten und selbst benehme ich mich wie die Axt im Walde.

1. Kein Relativieren

Das steht für mich ganz oben auf der Liste. Bitte nehmt mich ernst!

Dieses: ,,Ich bin auch manchmal schlecht drauf“ oder ,,Das war doch gar nicht so wild“ oder ,,Es hätte ja auch schlimmer kommen können“ oder ,,Du musst das nur positiv sehen“ usw. lösen in mir das Gefühl aus, dass das was ich fühle und gerade erlebe oder erlebt habe nicht ernst genommen wird. Ich fühle mich dann falsch und lächerlich. Ich denke dann, dass ich übertreibe und mich nicht zu sehr anstellen darf. Aber dadurch das ich mich dann selbst nicht ernst nehme, kann ich auch nicht heilen. Und ja, natürlich ist das richtig, dass wir uns zu aller erst selbst lieben und glauben usw. müssen. Aber wir sind nicht getrennt von der Außenwelt. Wir können das nicht im Alleingang schaffen. Und wenn du da immer wieder die gleichen Botschaften von deiner Außenwelt bekommst, wird es eben einfach schwer mit dem neue Glaubenssätze aufstellen.

2. Keine Phrasen

Bitte hör mit richtig zu und verwende keine Phrasen wie: ,,Du steigerst dich in was hinein“ oder ,,Du bist doch nur getriggert“ oder ,,Du übertreibst total“ usw. Auch das fällt alles wieder unter: Bitte nimm mich ernst!

Wenn ich etwas sage oder emotional reagiere, dann tue ich das, weil es mich gerade ehrlich belastet. Egal ob es die jetzige Situation ist oder ich tatsächlich durch das Jetzige „nur“ getriggert wurde (wo trotzdem die aktuelle Situation eine Rolle spielt) und es etwas Altes mit hochholt. Wenn du solche Phrasen verwendest, dann hört und fühlt sich das so an, als wären meine jetzigen Gefühle absolut unrelevant und nervig. Irgendwas, was durch eine dumme Laune der Natur ausgelöst wurde und gleich wieder vorbei ist. Wie eine Fehlfunktion bei einem Computer.

Frag doch einfach nach. Such einen Dialog mit mir. Vll auch nicht sofort in der Situation. Warte ruhig bis du dich und ich mich beruhigt haben. Aber wisch mich nicht mit sowas weg.

3. Kein Vergleichen

Das mache ich selbst schon ständig. Bitte tu mir das nicht auch noch an!

Vor fast 2 Jahren erzählte ich einem damaligen Freund von meiner Diagnose und das ich in eine Fachklinik möchte. Eine die sich wirklich mit Trauma auskennt und nicht wieder eine, die alles nur noch schlimmer macht. Er erzählte mir dann von einer, in der er war und das ich da unbedingt hin soll. Dort wären sogar Frauen gewesen die Reinigungsmittel getrunken hätten und denen es deshalb viel schlim… Da biss er sich auf die Zunge. Ich weiß aber was er sagen wollte: ,,Denen es viel schlimmer ging, als dir.“ Sowas tut einfach nur weh.

Ich habe eine fantastisch fest sitzende Maske. Die kann ich auch in Extremsituationen kaum ablegen. Nicht vor außenstehenden Menschen. Und nur weil ich viel lächle und mit anderen kaum über das rede, was gerade WIRKLICH in mir und privat (wenn ich alleine bin) los ist, heißt das nicht, mir fehlt nichts oder „weniger“ als anderen. Nur weil ich nicht jeden, bei jeder Begegnung all meine Traumata in allen Einzelheiten um die Ohren klatsche und ständig betone WIE schlecht es mir doch geht, bin ich nicht „weniger schlecht dran“.

Und seht ihrs? Schon fange wieder damit an: Ich rechtfertige mich. Ich fange an zu erklären und machen. Das will ich aber gar nicht. Ich will einfach nur ernst genommen werden. Ich fühle mich durch solches Vergleichen minderwertig und unsichtbar. Unrelevant. ,,Die anderen sind wichtig, aber nicht du.“ – Das ist die Botschaft, die dadurch immer wieder bei mir ankommt.

4. Erklären, statt übergehen

Manchmal ist es so, dass man einfach nicht weiß wie man auf etwas reagieren soll. Das ist total normal. Aber wenn ich mich schon einmal traue, mich ein wenig zu öffnen und über meine Gefühlswelt zu reden, dann ignoriere das bitte nicht.

Mit ignorieren meine ich, dass einfach gar nicht mehr reagiert wird, aus Angst vllt. das Falsche zu sagen oder aus Überforderung o.ä. Wenn ich dir etwas sehr privates erzähle und du mich daraufhin anguckst wie ein Esel, der ne andere Sprache spricht und dann einfach schnell das Thema wechselst, verletzt mich das. Für mich ist es okay, wenn du über bestimmte Themen nicht reden willst. Solche Themen haben wir alle. Oder wenn du mit der Situation gerade total überfordert bist oder what ever. Aber dann sag mir das einfach. Mit sowas kann ich umgehen. Wenn ich jedoch einfach ignoriert werde, dann signalisiert mir das wieder: ,,Du bist unwichtig“ und noch viel schlimmer, holt das Dinge hoch und ich fühle mich wieder wie ein Gegenstand. Einer der höchstens zum benutzt werden gut ist.

Manchmal hilft ein einfaches: ,,Wie fühlst du dich?“ oder ,,Was brauchst du gerade?“ oder ein ehrliches: ,,Ich habe dich gehört und stehe hinter dir“ schon vollkommen aus. Es müssen keine Lösungswege vorgeschlagen (das Problem lösen kann eh niemand außer man selbst) oder sonst was getan werden. Das Gefühl nicht allein zu sein und Rückhalt zu bekommen, reicht mehr als aus. Es ist nicht schön immer allein zu sein und sich durch ignoriert werden, weiter allein zu fühlen.

5. Keine leeren Versprechungen

Oder auch: Meine das, was du sagst.

Für mich ist Sicherheit unglaublich wichtig. Mir ist bewusst, dass es sowas wie Sicherheit eigentlich nie gab oder geben wird. Man kann nichts voraus planen und sich immer sicher sein. Trotzdem habe ich nicht das normale Resilienz-Paket von vllt. manch anderem. Um überhaupt irgendwie durch den Tag zu kommen, brauche ich ein gewisses Maß an gefühlter Sicherheit. Alles andere bedeutet für mich Hochstress.

Wenn du mir jetzt immer wieder Zusagen machst, aber nichts davon einhältst, dann steigt auch mein Stresslevel. Für dich mag das nicht von Bedeutung sein, aber für mich ist es sehr wichtig das ich wieder lerne Vertrauen aufzubauen. Wenn ich aber ständig mit dieser Unsicherheit konfrontiert bin und nie richtig einschätzen kann, wann sich wer wie verhält, bleibe ich in diesem Dauer-Hochstresszustand, weil das: ,,Du kannst NIEMAND vertrauen und glauben“ permanent bestätigt wird. Es sind manchmal tatsächlich die kleinen Sachen, die entscheidend sind.

6. Keine Ratschläge

,,Ratschläge sind auch nur Schläge“ – Das lese ich oft. Ich will Ratschläge aber gar nicht so allgemein verteufeln. Ich denke die Art der Kommunikation und ob man mit dem Vorgeschlagenen in Resonanz gehen kann, spielt da immer eine sehr große Rolle. Und da sind wir eigentlich auch schon beim Kernpunkt: Die Kommunikation.

Ratschläge werden oft auf dieser: ,,Du musst das so und so machen“ und ,,Na ich hab alles schon genauso durch und weiß es deshalb besser„-Tour rüber gebracht. Nein, du hast so etwas noch niemals GENAUSO durchgehabt. Niemand ist gleich. Auch wenn du denkst, du wüsstest wie ich ticke, ist das nicht so. Du siehst die Welt aus deiner Perspektive und ich aus meiner. Also respektiere bitte meine Meinung, über mein Leben. Du hast etwas ähnliches durch und kannst mir deshalb davon erzählen wie du gehandelt hast. Das bietet mir die Chance, einen Weg aus einer anderen Perspektive zu sehen. Es ist eine neue Sichtweise und eine neue Möglichkeit, die mir dadurch eröffnet wird. Tun muss ich davon aber überhaupt nichts, weil niemand weiß, ob dieser Weg FÜR MICH der Richtige sein wird oder nicht.

Zeig mir neue Wege. Zeig mir neue Sichtweisen. Aber bitte nötige mich nicht dazu, diese auch zu übernehmen. Lass mich selbst entscheiden. Das heißt auch kein: ,,Na wenn du meinst“ o.ä. Nichts was ein schlechtes Gewissen/Gefühl auslösen soll, weil ich eine eigene Entscheidung treffe und nicht deine exakt übernehme.

7. Loyalität

Eigentlich ist das unter (echten) Freunden oder Partnern eine Selbstverständlichkeit. Eigentlich.

Sagen wir, ich habe Streit mit Person XY, wegen irgendwas zwischenmenschlichen. Irgendwas, wegen was man sich halt mal streitet. Dann ist das ein Ding zwischen mir und dieser Person. Ich kann mit jemand anderes darüber sprechen, mich auskotzen oder mir Rat holen. Zu erwarten das derjenige, mit dem ich darüber spreche, wegen sowas jedoch Partei ergreift, halte ich für nicht richtig. So die normalen Streitthemen, die es eben mal gibt, sollte man untereinander klären und nicht zu einem Parteienkrieg erklären. Das halte ich für kontraproduktiv und meine ich damit also auch nicht.

Mir geht es darum, dass im Fall eines definitiv missbräuchlich stattfindenden Verhaltens (emotional, physisch und/oder sexuell) nicht auf: „Ne, ich bin da total neutral“ gemacht wird. Früher habe ich solches Verhalten immer und immer wieder durchgehen lassen. Heute gibt’s dafür, von mir, keine 2. Chance mehr. Es kann einfach nicht angehen, dass man sich selbst als Freund o.ä betrachtet, aber dann mit Menschen zusammen sitzt und chillt, die mir offensichtliche Gewalt zugefügt haben. Heute, rückblickend und reflektierend, muss ich wirklich sagen: „Wie Charakterlos muss man sein, wenn man bei traumatisch, missbrauchenden Verhaltensweisen auf Neutralität bestehen möchte?„. In diesem Fall ist für mich Schweigen Zustimmung.

Schaut, da ist eine Person die dich jeglicher Macht beraubt. Demütigt, verletzt und hilflos fühlen lässt und dann sitzt du, als eigentlicher Freund da und regst dich nur nicht nicht auf, sondern verbringst weiter freiwillig deine Zeit mit diesem Menschen. Man muss manches gar nicht sagen, die Handlung spricht oft mehr als tausend Worte. Die glasklare Botschaft ist, egal ob dir das bewusst ist oder nicht, dass du 1. Meinen Schmerz überhaupt nicht siehst und ernst nimmst und 2. Das dir die Person, die sich akut missbrauchend verhielt (wir reden hier nicht von einem Fubar), wichtiger ist, als ich. Das Signal ist: „Lieber übersehe/relativiere/rechtfertige ich akuten Missbrauch, als das ich für dich Position beziehe und einstehe„.

Von fremden Menschen ist dieses Verhalten verletzend, aber von einer Person, der man Vertrauen schenkt (einem Freund eben) ist es für mich persönlich nicht minder traumatisierend, als der Missbrauch (welcher Art auch immer) selbst. Von so einer nahestehenden Person ist es die Bestätigung wertloser zu sein, als ein Mensch der sich derart abartig verhielt.

Ich persönlich habe mittlerweile solche Menschen aus meinem Leben entfernt. Vllt. regt es aber den ein oder anderen, der einen auf Schweiz versucht zu machen, mal zum darüber Nachdenken an. 100pro ist das meist nicht die beabsichtigte Botschaft, aber ob Absicht oder nicht ändert ja nichts an den Auswirkungen 🤷‍♀️.

8. Kein Druck

Ja, es gibt Menschen die unter Druck zu Höchstleitungen auflaufen. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ganz im Gegenteil funktioniert unter Druck bei mir überhaupt nichts mehr.

Indem du mich also ständig darauf hinweist, was dir an mir oder meinem Handlungen falsch erscheint (ausgenommen KONSTRUKTIVE Kritik) und wie ich das denn endlich mal besser machen könnte, hilfst du mir nicht im geringsten. Wenn man Resilienz aufbauen möchte/muss, dann ist es wichtig und wertvoll auch einmal wieder positive Seiten an sich oder generell dem Leben zu erfahren. Ich mein jetzt nicht permanente und völlig unangebrachte Lobhudeleien damit. Sondern eher, dass man mal versucht nicht nur die negativen Dinge anzusprechen, sondern genauso die positiven. Wir neigen als Menschen heutzutage so sehr dazu unseren Mund nur aufzumachen, wenn uns etwas nicht passt. Und konstruktive Kritik ist, wie gesagt, definitiv wichtig und richtig. Nicht nur für die gegenseitige Kommunikation, sondern auch für das persönliche Wachstum.

Das ganze andere, ständige Gemecker führt aber in den meisten Fällen nur zu Selbstwert und -bewusstseins Problemen. Zu Druck und dem Gefühl erst dies und jenes erfüllen zu müssen, um vollwertig zu sein. Nehmen wir die Beispiele A.: Obwohl ich immer recht schlank war, kamen früher (als noch Kontakt bestand) ständig Kommentare meiner Oma wie dick meine Oberschenkel mal wieder geworden wären. Wenn dein Gegenüber 300kg wiegt und du dir ernsthaft gesundheitliche Sorgen um denjenigen machst, dann geht ein ähnlicher Hinweis mögl. klar. Aber welchen produktiven Nutzen hat solches Gemecker? Mit solchen oder ähnlichen Aussagen erreichst du doch nicht mehr, als das der andere unter Druck gerät etwas schlimm zu finden oder plötzlich verändern zu „wollen“, was ihn überhaupt nicht gestört hätte. Es ist dein Problem. Mach es nicht zu dem des anderen.

Oder B.: Las ich z.B mal auf einen Profil einer KPTBS-Betroffenen einen Kommentar, dessen Aussage grob war: „Du machst jetzt schon so lange Therapie, warum bist du immer noch nicht weiter gekommen? Eigentlich müsstest du schon mal bisschen besser klar kommen“ – Was soll so etwas deinem Gegenüber bringen? Das mag ja deine Meinung sein und das ist durchaus okay, aber was denkst und erwartest du, bringt dieser Kommentar? Ich sag’s dir. Nichts anderes als Druck und Selbstvorwürfe (was den Selbstwert wieder negativ beeinflusst). Mag vllt gar nicht so gemeint sein, aber ich finde mittlerweile, dass man von einem erwachsenen Menschen durchaus erwarten und verlangen darf, dass er vorher auch mal darüber nachdenkt, ob die beabsichtigte Aussage gerade für irgendwem einen echten und produktiven Nutzen hat oder zumindest zu einem produktiven Diskurs beitragen kann.

9 Formen von Amnesie

Was ist Amnesie?

Das Wort Amnesie leitet sich aus den griechischen Begriffen “a” (nicht, ohne) und “mnesis” (Erinnerung) ab und steht für einen Gedächtnisverlust.

Meistens wird die Amnesie durch etwas bestimmtes ausgelöst und ist zeitlich begrenzt. In seltenen Fällen kann es aber auch dazu kommen, dass sich die Erinnerungen nie wieder einstellen.

Ursachen für Amnesien

Organische:

  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch
  • Vergiftungen
  • Gehirnerschütterung
  • Migräne
  • Demenz
  • Epilepsie
  • Schlaganfall
  • Hirntumor
  • Gehirn- und Hirnhautentzündungen
  • Herzstillstand
  • organisch bedingte psychische Störungen
  • Mangelernährung ( Thiaminmangel)

Psychische:

  • extreme Stressbelastung (psychisches Trauma)
  • Psychosen

Formen von Amnesien

1. Anterograde Amnesie

So sogenannte vorwärtswirkende Amnesie kommt am häufigsten vor. Dabei ist das Kurzzeitgedächtnis gestört und Betroffene können neue Gedächtnisinhalte nur noch schwer abrufen. So werden neue Sachen oft schon nach 1-2 Minuten wieder vergessen. Im Prinzip wird also alles vergessen, was nach der Ursache für die Anterograde Amnesie passiert.

Meist kennt man diese Form der Amnesie aus dem Bereich der Demenz und Alzheimer. Dort wird sie also durch neurodegenerative Krankheitsprozesse verursacht. Als weitere Ursache kommen aber auch Läsionen im Gehirn (z.B durch Kopfverletzungen oder Schlaganfälle ausgelöst) in Frage, sowie Nervengifte.

2. Kongrade Amnesie

Bei der kongraden Amnesie existiert eine Amnesie für das schädigende Ereignis selbst (psychisch oder physisch). Dabei erinnert man sich aber trotzdem noch an alles vor dem Ereignis und auch an alles danach.

3. Retrograde Amnesie

Betroffene erinnern sich hier an nichts mehr was vor dem auslösenden Ereignis stattfand. Man kann sich z.B absolut nicht mehr daran erinnern, was vor einem Unfall geschah und was ihn überhaupt ausgelöst hat. Oft ist die retrograde Amnesie zeitlich begrenzt und Betroffene bekommen ihre Erinnerungen bereits nach wenigen Minuten, Stunden oder Tagen zurück.

Auslöser für eine retrograde Amnesie könnten z.B traumatische Erfahrungen sein (also starker psychischer Stress) oder auch Infektionen. Genauso könnten aber auch eine Mangelernährung (Korsakow-Syndrom), ein Schädelhirntrauma oder neurochirurgische Eingriffe in Frage kommen.

4. Transiente globale Amnesie

Bei der transienten globale Amnesie kommen die anterograde und retrograde Amnesie zusammen. Diese Form der Amnesie tritt meist schlagartig auf und Betroffene können sich meist an nichts mehr aus der nahen Vergangenheit erinnern (retrograd). Ebenso nehmen sie keine neuen Inhalte mehr auf bzw. können sich diese nicht mehr merken (anterograd). Meist wissen die Betroffenen noch wer sie selbst sind, können sich aber nicht mehr erinnern wo sie sind und wie sie da hin kamen.

Als ich vor ein paar Jahren retraumatisiert wurde, brachen plötzlich die Blackouts durch und wurden für mich bemerkbar. Vorher (und leider auch heute oft wieder) habe ich die einfach nicht bemerkt (Amnesie für die Amnesie). Logischerweise fand ich das damals ziemlich gruselig und hab im Internet gesucht und geschaut, was denn mein Problem sein könnte. Ja und da bin ich auf die transiente globale Amnesie gestoßen. Ich habe da z.B über eine Frau gelesen, die in ihrem Auto saß und das noch sicher eingeparkt und abgestellt hat. Sich aber weder daran, noch an die Zeit vor dem Einparken oder danach erinnern konnte. Der fehlten einfach mehrere Stunden.

Deshalb dachte ich, dann kann ich nur das haben (Spoiler: War nicht so😅). Die transiente globale Amnesie ist nämlich auch nichts schlimmes. Die hört sich total gruselig an, hat aber (soweit bisher bekannt) keine schlimmen Ursachen oder Folgen. Von daher hatte ich eine Erklärung für die Blackouts, hatte auch keine Angst mehr das es etwas schlimmes sein könnte und hab’s deshalb dann halt einfach so hingenommen und auch nicht untersuchen lassen o.ä. Ab und an hab ich halt mal nix mehr mitbekommen – Gehörte dann eben einfach zu mir.

Sie kann übrigens zu Amnesien von 1-24h führen und kommt bei den meisten nur einmalig vor. Außerdem bleiben, bis auf die Amnesie für diesen Zeitraum, keine Schäden zurück.

5. Globale Amnesie

Sie gilt als die schwerste Form der Amnesien. Auch hier kommen anterograde und retrograde Amnesie zusammen, also es besteht sowohl keine Erinnerung mehr an die Vergangenheit und zudem können auch keine neuen Erfahrungen mehr abgespeichert werden. Gespeicherte Abläufe die vor der Amnesie erlernt worden, wie Fahrrad- oder Autofahren, können die Betroffenen aber meist noch ausführen.

In ihrer vorübergehenden Form kennt man sowas nach zu viel Alkohol oder auch durch Drogen- oder Medikamentenmissbrauch (Benzos z.B).

6. Amnestisches Syndrom (Korsakow-Syndrom)

Dabei ist das Langzeitgedächtnis gestört, weshalb sich Betroffene nicht mehr an länger zurückliegende Ereignisse erinnern können. Aber auch das Kurzzeitgedächtnis kann ebenfalls gestört sein, weshalb manche dann Neues nicht mehr richtig lernen können. Sie haben Probleme sich zeitlich zu orientieren und wirken oft auch desorientiert. Gewohnte Handlungsabläufe stellen dabei meist jedoch kein Problem dar. Viele Patienten füllen ihre Gedächtnislücken dann auch mit erfunden Material.

Meist tritt diese Form der Amnesie bei Langzeitalkoholikern auf, aber auch Erkrankungen des Gehirns können eine Ursache dafür sein (organisch amnestisches Syndrom).

7. Infantile und Puberale Amnesie

Von der infantilen Amnesie sind die allermeisten Menschen betroffen. Bei ihr geht es nämlich darum, dass man alles vergessen hat, was vor dem 3. Lebensjahr passiert ist.

Die puberale Amnesie ist jedoch schon etwas spezifischer. Bei ihr wird alles vergessen, was sich um sexuelle Inhalte vor der Pubertät dreht. Jugendliche vergessen dabei also beim Eintreten und fortlaufen der Pubertät, dass sie jemals Doktorspiele gemacht haben oder sich anderweitig mit sexuellen Inhalten beschäftigten. Aber auch das Vergessen/Verdrängen eines erlebten sexuellen Missbrauchs zählt mit dazu.

8. Psychogene (dissoziative) Amnesie

Die dissoziative Amnesie ist eine Unterform der kongraden Amnesie, bei der ein traumatisches Erlebnis und/oder ein hohes Stresslevel Ursache für das Nicht-Erinnern ist. Autobiografisches wird schneller vergessen, Allgemeinwissen bleibt wiederum verfügbar. Dabei kommt es meist also auch zu einer retrograden Amnesie, eine anterograde fehlt jedoch. Neues kann also ganz normal aufgenommen und abgespeichert, altes jedoch nicht mehr abgerufen werden. Dabei kann die Amnesie von wenigen Sekunden oder Minuten bis hin zu mehreren Jahrzehnten reichen.

Wie das Gehirn so etwas überspielen und einem vorgaukeln kann, dass man sich an alles erinnern würde, habe ich in „Falsche Erinnerungen“ schon mal beschrieben. Mir fiel das tatsächlich erst im Laufe der letzten 2 Jahre richtig auf, WIE VIEL mir eigentlich wirklich fehlt.

9. Amnesien zwischen dissoziativen Persönlichkeitsanteilen

Das ist nochmal ein bisschen was anderes, als die dissoziative Amnesie. Die Anteile sind zwar ebenfalls durch dissoziative Barrieren von einander getrennt, welche einmal durch traumatische Erlebnisse entstanden. Jedoch kommt es dann später zur Amnesie („Blackout“) wenn die Anteile untereinander wechseln (eben weil sie durch diese Barrieren getrennt von einander sind) und nicht nur, wenn etwas traumatisches passiert. Das ist also anders, als bei der kongraden, retrograden usw.

Guckt, stellt euch die dissoziativen Wände im Gehirn und zwischen den Anteilen jetzt einmal wie die Wände in diesem Parkhaus vor. Auf jeder Parkebene steht ein Auto und links ist für alle der Ausgang. Den Ausgang stellen wir uns jetzt als das „vorn/draußen“ sein vor. Auf dem linken Bild kann das untere Auto nach vorn fahren. Für diese Zeit, wo das untere Auto raus fährt, parkt das obere und bekommt nichts mit.

Und das gleiche auf dem rechten Bild. Dort muss das untere Auto warten, während das obere Auto rausfahren kann und auch nur das obere Auto in diesem Moment mitbekommt, was sich draußen abspielt. Das untere kanns ja nicht mitbekommen, da es drinnen parkt und durch die dicke Wand nichts sehen kann. Wenn wiederum zwischen manchen Parkebnen/Autos die Wände Löcher haben, wie bei einem Gitter z.B, dann kann es sein, das auch das Auto das noch drin parkt ein bisschen was von dem mitbekommt, was das andere Auto „draußen“ erlebt.

Ohwei, war das Beispiel jetzt überhaupt nachvollziehbar 🤔😅?

Empathie

Was ist Empathie?

Das Wort Empathie leitet sich aus dem altgriechischen „empátheia“ ab und bedeutet soviel wie „Mit-leiden“ oder „Mit -fühlen„.

Als mögliche Erklärung dafür werden übrigens unsere Spiegelneuronen in Betracht gezogen, welche im Stirnlappen des Gehirns dafür sorgen, dass wir die selben neuronalen Aktivitätsmuster zeigen, sowohl wenn wir eine Handlung ausführen, als auch wenn wir sie nur bei anderen beobachten. Und bei Emotionen ist das ebenso möglich, da die Spiegelneuronen dabei genauso aktiviert werden.

Empathie ist etwas unglaublich wundervolles und wertvolles, da sie uns die Möglichkeit eröffnet uns in andere Wesen hineinzuversetzen, hineinzufühlen und mit ihnen mit zu fühlen. Aber nicht nur andere können wir dadurch besser verstehen, sondern sogar auch uns selbst (wenn wir uns objektiv aus der Meta-Ebene betrachten).

Dennoch ist Empathie nicht gleich Empathie…

Welche Formen der Empathie gibt es?

Emotionale Empathie

= emotionale Sensitivität (affektiv)

Hier liegt das Hautaugenmerk beim Mitfühlen. Du siehst und verarbeitest die Gefühle eines anderen nicht nur, sondern du fühlst sie auch selbst. Es ist fast ein bisschen als würde man davon „angesteckt“.

Das kann soweit gehen, dass wenn z.B jemand in den Raum reinkommt und schlecht drauf ist, ich sofort spüren kann, dass da irgendwas nicht in Ordnung ist. Oft kann ich nicht genau zuordnen was es ist. Ich glaube das liegt aber oft auch an den konfusen Emotionen des anderen. Wir selbst empfinden ja schließlich auch nur selten ausschließlich Wut oder Trauer etc, sondern es ist oft ein Mix aus mehreren Gefühlen gleichzeitig. Oder wenn ich z.B Tiere in Gefangenschaft sehe, dann empfinde ich ihren Schmerz. Das Gefühl gefangen zu sein. Die Angst. Die Wut. Deshalb gehe ich z.B auch nicht gerne in Zoos oder Tierparks.

Die emotionale Empathie macht es uns möglich, sanfter und passender auf andere einzugehen, weil wir spüren was der andere braucht. Wenn jemand gerade total geladen ist oder traurig und du spürst das, dann kannst du deine eigenen Reaktionen ganz anders anpassen. Gleichzeitig kann sie aber auch unheimlich belastend wirken, da wir ständig allen möglichen Emotionen ausgesetzt sind, die wir gar nirgends richtig zuordnen können und dabei sogar noch denken, es wären unsere Gefühle. Wir fühlen uns dabei dann z.B plötzlich grundlos schlecht und wissen gar nicht warum.

Kognitive Empathie

= Perspektivenübernahme

Bei der kognitiven Empathie versteht und erkennt man die Emotionen des anderen, aber man fühlt sie nicht. Ich sehe also z.B dann das du gerade traurig bist, könnte aber nicht mit dir mitfühlen. Das hört sich so banal an, so nach: „Na das sieht ja aber jeder“ – Ja, ne 😅. Es gibt so Menschen, vor denen kannst du tränenüberströmt sitzen und die checken trotzdem nicht das es dir gerade nicht gut geht.

Aber es geht dabei nicht nur um das sehen der Gefühle, sondern auch um das Nachvollziehen der Gedanken(gänge), Absichten und Motive eines anderen. Seine Perspektive einnehmen zu können und zu sehen, was denjenigen antreibt. Auch die Körpersprache wird deshalb sehr gut lesen gelernt.

Die kognitive Empathie ist nicht angeboren, sondern erlernbar und ist, glaube ich, für den richtigen Umgang mit der emotionalen Empathie ungemein wichtig. Einfach weil man dann diese ganzen fremden Gefühle zuordnen und anders damit umgehen kann. Ich halte sie also für extrem wichtig, wenn man mit der Gabe des Mitfühlens richtig umgehen lernen möchte. Also so, dass sie man sie positiv einsetzen kann, statt sich davon beherrschen zu lassen. Wenn ich zuordnen kann, woher das alles kommt, übermannen mich die fremden Gefühle nicht mehr so stark.

Die kognitive Empathie wird z.B auch oft von Menschen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung erlernt und benutzt. Meist zur Manipulation, dennoch halte ich sie da auch im Therapiesetting sehr wertvoll. Wenn sie richtig erlernt wird, dann gibt das Menschen, die zu keiner emotionalen Empathie fähig sind (z.B durch Trauma, eine PS, usw.), eine unglaublich wichtige Ressource im sozialen Alltagsleben.

Soziale Empathie

Diese Form der Empathie bezieht sich auf ganze Gruppen und nicht nur auf Einzelwesen. So hat man z.B ein recht sicheres Gespür dafür, wie sich eine Gruppe verhalten wird oder warum sie etwas tut. Das wiederum gibt auch die Möglichkeit diese Gruppen zu beeinflussen. Gerade im Job, in Führungspositionen bspw., ist das eine sehr wichtige Gabe.

Das sowas aber gleichzeitig auch wunderbar zur Manipulation, wie z.B zu Propagandazwecken eingesetzt werden kann, muss ich jetzt nicht extra erwähnen, oder 👉👈😶🙈?

Sie hilft uns aber auch uns z.B in fremde Kulturen, Religionen, Geschlechter oder auch Weltanschauungen hineinzufühlen und diese verstehen zu können. Ich möchte mal behaupten, das ist uns großflächig (von allerlei „Seiten“) aber vll ein bisschen dezent abhanden gekommen? 🙊 (ich bin schon still jetzt😅)

Wie kann ich Empathie erlernen?

Es gibt verschiedene Wege, einige stelle ich hier jetzt einmal vor:

  • Nr. 1 – Achtsamkeit: Das A und O, egal bei was. Beobachte deine eigenen Gefühle wenn sie kommen: Was fühlst du gerade? Wieso ist dieses Gefühl da, was war der Auslöser? Wie fühlt es sich an? Wie äußert es sich? Wenn sich jetzt jemand ähnlich verhält, du eine ähnlich Emotion wahrnehmen kannst, dann versuche daran zu denken wie du dich gefühlt hast und was dir guttat oder was du dir in dem Moment gewünscht hast und versuche das in diesen Moment mit hineinzubringen.
  • Nr. 2 – Aufmerksamkeit: Ohne den anderen zu beobachten klappt das aber natürlich nicht. Deshalb sei aufmerksam! Schaue dir andere Leute genau an. Wie verhalten sie sich? Wie reagieren sie in bestimmten Situationen? Und wie interagieren sie miteinander? Welche Körperhaltung nehmen sie z.B ein, wenn jemand etwas in einem bestimmten Ton sagt? usw.
  • Nr. 3 – Beobachten: Beobachte dich selbst in der Interaktion mit anderen. Wie reagiert dein Gegenüber auf etwas von dir? Wie reagierst du? Welche Körperhaltung nimmst du ein? Wo stehen deine Füße oder die deines Gegenüber (weg von dir? will er lieber gehen?) ? Unterbrichst du andere oder wirst du unterbrochen? Wie reagierst du dann? Wie reagiert dein Gegenüber?
  • Nr. 4 – Hinterfragen: Wenn wir jemand in eine Schublade packen wollen, dann passiert das meist aufgrund unserer eigenen Gedanken, die wir auf den anderen projizieren. Bevor du also jemand verurteilst, hinterfrage erst einmal seine Absichten. Warum hat er so reagiert? Warum das gesagt? Was könnte das für einen Hintergrund haben? Welche Anzeichen deuten auf den möglichen Hintergrund hin? Da ist wieder genaues zuhören wichtig. Versuch dabei objektiv zu bleiben und dich nicht von deinen eigenen Emotionen übermannen zu lassen.
  • Nr. 5 – Rollentausch: Stell dir vor, wie es wäre im Körper und Denken des anderen zu stecken. NICHT in seinem Körper, aber mit deinem Denken (das führt zu Verurteilung). Sowas kann z.B über Theaterspiele sehr gut funktionieren. Du bist jetzt nicht mehr Petra z.B, sondern du schlüpfst in die Rolle von Hans-Werner. Du ziehst nicht nur seine Kleidung an, sondern du musst die ganze Theateraufführung lang Hans-Werner SEIN und dich so verhalten. So etwas erlaubt dir aus deiner Perspektive/Sichtweise herauszukommen und den anderen besser verstehen zu lernen.

Gibt es ein Gegenteil von Empathie?

Türlich, es gibt doch für alles ein Wort 😂.

Ekpathie.
Ekpathie bezeichnet dabei aber nicht die Gefühlskälte oder Gleichgültigkeit gegenüber anderen, sondern kann eher als eine Art Schutzmechanismus bezeichnet werden. Dabei geht es darum sich nicht so leicht ausnutzen oder missbrauchen zu lassen.

Wie schon erwähnt, kann uns Empathie auch ganz schöne Probleme bereiten. Stell dir einen Kollegen oder meinetwegen auch Partner vor, der herausfindet das du plötzlich viel mehr Rücksicht auf ihn nimmst, selbst mehr zurücksteckst oder alles mögliche für ihn tust, sobald du merkst das es ihm schlecht geht. Dieses Verhalten ist eine wundervolle Sache und ich mache das auch ständig, aber es ebnet eben auch den Weg für Manipulation und Missbrauch. Der andere kann seine Emotionen so nach Belieben einsetzen und dich für seine Zwecke ausnutzen.

Bei der Ekpathie lassen wir uns weniger auf die Emotionen anderer ein. Wenn der andere also gerade einen Wutanfall bekommt, dann grenzen wir uns davon emotional ab, statt uns davon mitreißen zu lassen. Es geht nicht darum, nicht mehr mit dem andern mitzufühlen, sondern darum eine Grenze zwischen sich selbst und dem anderen zu ziehen.

Empathie und Trauma

So, ich hatte das bei der Hochsensibilität ja schon angeschnitten und wollte heute noch einmal näher drauf eingehen, warum es z.B für komplex traumatisierte Menschen wichtig war, Empathie, vor allem die kognitive, so gut auszubilden. Ich versuche das wieder mit Beispielen näher zu erklären:

Unberechenbarkeit

Als Kind brauchen wir vor allem Sicherheit. Wir haben keinerlei Ressourcen, aus denen wir schöpfen könnten, sollten die Zeiten einmal unsicher werden. Und wenn wir nun in einer Umgebung aufwachsen, die absolut unvorhersehbar ist, dann ist es für uns ungemein wichtig sie irgendwie vorhersehbar zu machen. Zumindest das Gefühl von Kontrolle zurückzuholen.

Meine Mutter war z.B nie wirklich gut einzuschätzen. Sie saß am Tisch und machte Scherze und im nächsten Moment flippte sie völlig aus oder wurde sehr gemein. Was der Grund war, wusste man nie wirklich. Mal wars ein falsches Wort (das vorher noch nie störte), ein „falscher“ Blick, mal war ich zu fröhlich, mal zu schlecht drauf. Mal war ich falsch weil ich keine Freunde hatte, dann wiederum sollte ich bloß keine mitbringen, usw. Wie ihr die Laus halt gerade über die Leber gelaufen ist. Dafür habe ich sie früher gehasst. Für diese Unvorhersehbarkeit. Meist hatte ich auch das Gefühl es ist mehr meine Existenz die sie stört und all die anderen Gründe waren nur ein Vorwand. Aber auch wenn [ich] keine Erinnerung daran habe, weiß ich, dass sie durchaus auch sehr nett sein konnte.

Interessanterweise habe ich jedoch gar keine Erinnerung an irgendwelche Strafen. Nicht eine einzige. Meine Eltern habe ich eher sehr desinteressiert in Erinnerung. Ich habe jedoch Szenen im Kopf, wo ich versucht habe mir selbst Strafen geben, wenn ich was angestellt habe, in der Hoffnung das ich dann keine von ihnen bekomme. Und heute noch habe ich furchtbare Angst vor einer möglichen Strafe wenn ich etwas falsch mache, was mir irgendwo sagt, dass es dann wohl doch welche gegeben haben muss.

Eine Szene ist mir da z.B in Erinnerung: Ich muss noch sehr klein gewesen sein. Höchstens 3-4 Jahre alt. Ich saß in meinem Zimmer, an so einer Kinderschminkkommode und ich weiß noch, dass es vorher einen Streit gab bzw. ich Ärger bekam. Ich zog eine der Schubladen an dieser Kommode auf und die war voller kleiner Papierschnipsel. Von einem Blatt Papier in meiner Hand riss ich weiter Stückchen ab und freute mich dabei unheimlich, weil ich dachte jetzt keine Angst haben zu müssen, dass ich verhungere, falls sie mir jetzt nichts zu essen geben sollten. Ich dachte ihnen mit dem Papier ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Keine Ahnung wies weiter ging oder was vorher war. Ich schätze aber nicht, dass ein Kind in diesem Alter auf so einen Gedanken kommt, ohne das es dazu bereits einen Hintergrund gab …

Sich anpassen

Wenn du jetzt also ständig Angst haben musst, dass der kleinste Fehler eine schlimme Strafe zur Folge hat, dann versucht du alles um das zu vermeiden. Das betrifft ja nicht nur die Kindheit. Dieses Phänomen lässt sich auch in Beziehungen zu stark narzisstischen Partnern beobachten oder z.B bei Geiselnahmen, usw.

Es ist wichtig zu lernen, wie dein Gegenüber gerade drauf ist. Welche Emotionen er hat, um dich darauf einstellen zu können. Es ist wichtig seine Körpersprache lesen zu lernen oder seine Absichten schnellst möglich zu erkennen, um für dich am sichersten darauf reagieren zu können. Wenn du ein kleines Detail übersiehst, kann das für dich schlimme Konsequenzen haben. Also beobachtet man und lernt. So kann man versuchen die Gefahr schon von vornherein zu neutralisieren oder wenigstens zu minimieren.

Bewusst ist uns das eher selten. Wir stellen uns darauf ganz unterbewusst ein und merken meist erst irgendwann später, dass wir wirklich gut im lesen anderer Leute sind. Das schützt uns nicht automatisch vor erneuten Missbrauch, kann aber tatsächlich die Gefahr, noch mehr Leid erdulden zu müssen, enorm reduzieren.

Hochsensibilität

Hochsensibilität und Empathie sind, glaube ich, nicht immer ganz einfach voneinander zu trennen. Der übersichtskeithalber haben wir das jetzt trotzdem einmal gemacht. Heute versuchen wir also erst einmal die Hochsensibilität auseinander zu klamüsern und nächste Woche schauen wir uns dann das Thema Empathie näher an.

Was ist Hochsensibilität eigentlich?

Hochsensibilität ist weder eine klinische Diagnose, noch wird sie als Störung angesehen. Man könnte sie vll eher als Eigenschaft oder Persönlichkeitsmerkmal betrachten.

Hochsensible Menschen reagieren dabei viel stärker auf äußere, sensorische Einflüsse. Also d.h alles was über die Sinne wahrgenommen werden kann.

In gewisser Weiße ist sie da der Hypervigilanz recht ähnlich und wird daher auch oft mit ihr verwechselt oder über einen Haufen geworfen, da es bei beiden z.B schnell zu einer Reizüberflutung und Überlastung des Nervensystems kommen kann. Hochsensible Menschen nehmen äußere Reize ebenfalls sehr stark und in hohem Maße auf, weshalb sie sich in einer reizüberfluteten Umgebung nicht wohl fühlen und schnell „überladen“. Das ist bei der Hypervigilanz ähnlich, nur das die Reizüberflutung meist aus dem permanenten Abscannen der Umgebung und der ‚Hab-Acht‘ Stellung kommt, was das Nervensystem einfach irgendwann überreizt. Das permanente ‚Angespannt sein‘, die ständige Befürchtungs-, sowie Angsthaltung oder das schnelle Überkochen der Emotionen, sind also eher der Hypervigilanz zuzuordnen und kommen bei der Hochsensibilität nicht zwangsläufig vor.

Weiter liegt ein wichtiger Unterschied darin, dass die Hypervigilanz durch Trauma entsteht, wo hingegen jedoch die Hochsensibilität bereits angeboren sein und auch ohne Trauma existieren kann. Beides kann aber selbstverständlich auch gleichzeitig vorhanden sein.

Arten der Hochsensibilität

Ich persönlich weiß nicht, ob man das immer so genau einteilen muss. Manchen jedoch hilft es zu wissen, was genau wie mit ihnen los ist. Daher gehen wir auf die möglichen Unterschiede trotzdem einmal näher ein. Die meisten Hochsensiblen finden sich übrigens in mehreren Gruppen wieder. Bei wem nur eine zutrifft, der ist wahrscheinlich nicht hochsensibel.

Sensorische Hochsensibilität

Betroffen sind dabei meist nur 1-3 Sinnesorgane. Es können im Ausnahmefall aber auch alle betroffen sein. Zudem können die Ausprägungen (von – bis) auch total unterschiedlich auftreten.

  • Akustische: Die Lärmempfindlichkeit kommt sehr häufig vor. Dabei ist aber nicht gemeint, dass laute Musik, Baulärm o.ä an sich für schlimm empfunden und gemieden wird. Viele können das asogar problemlos „überhören“. Eher hört man viel leichter und schneller Geräusche und stört sich daran, als nicht-hochsensible Menschen. Das Brummen des Kühlschranks z.B oder das Surren einer Lampe. Besonders bestimmte Frequenzen stellen für viele auch ein großes Problem dar.
  • Taktile: Dabei ist die Haut unheimlich empfindlich. Jede noch so kleine Kleinigkeit, wie ein Haar auf dem Arm, eine Wimper auf der Wange, die Nähte der Kleidung, ein Krümel im Bett (,,Die Prinzessin auf der Erbse„), Stückchen im Essen (gerade bei Kindern) oder sogar Luftbewegungen werden extrem deutlich wahrgenommen und als unheimlich störend empfunden. Auch ein erhöhtes Schmerzempfinden gehört dazu, sodass nicht nur ärztliche Untersuchungen, sondern sogar auch das Nägel und Haareschneiden Schmerzen bereiten können. Sogar Bewegungen im Körper können von einigen wahrgenommen werden. Auch Hitze und Kälte werden z.B viel stärker registriert. Bereits kleine Temperaturunterschiede können da z.B schon zum Problem werden. Es gibt sogar Menschen die Tumore, wie bspw. Brustkrebs, ertasten können.
  • Olfaktorische: Hier ist der Geruchssinn unheimlich gut ausgebildet. So können manche Ärger, Stress und sogar Angst beim Gegenüber riechen. Sie nehmen körpereigene Gerüche viel stärker wahr und können Personen dadurch problemlos allein an der Kleidung auseinanderhalten, usw.
  • Gustatorische: Die feinsten Geschmäcker werden wahrgenommen. Ich schmecke z.B sofort, wenn etwas nur im geringsten Maße Schimmelsporen enthält, während andere jenes noch problemlos essen, da sie überhaupt nichts bemerken. Den rieche ich z.B auch viel eher als andere.
  • Visuelle: Besonders Licht spielt hierbei eine große Rolle. Entweder kann z.B besonders viel (Sonnen)Licht, für eine ausgeglichene Stimmung, notwendig sein oder umgedreht wird versucht grelle Lichtquellen zu meiden. Was ich z.B auch gar nicht abkann ist flackerndes Licht. Da könnte ich ausrasten.

Geistige Hochsensibilität/Hochsensitivität

Eigentlich reden wir hier schon vom sogenannten „6. Sinn„. Alles was in den Bereich der übersinnlichen Wahrnehmung fällt, läuft unter diese Kategorie und auch hier gibt es wieder Ausprägungen von bis. Einige haben z.B prophetische-/Wahrträume, also Träume von der Zukunft, die sich dann auch erfüllen. Ich sehe zwar keine Aura, nehme sie bei manchen Menschen aber sehr deutlich wahr, also vom Fühlen her. Wesenheiten, Schwingungen aus der Umgebung und von den Mitmenschen, magnetische Felder, etc. können wahrgenommen werden, uvm.

➡️ Ich persönlich halte eine übersinnliche Wahrnehmung übrigens auch nicht für „Möchtegern-Esoterischen Schwachsinn“ o.ä. Alles was wir kennen, was die Physik kennt, ist auf Energie, Schwingung und Frequenzen aufgebaut. Ich wüsste keinen logischen Grund, warum einige Menschen diesbezüglich nicht eine feinere Wahrnehmung haben sollten. Man denke da nur an die unterschiedliche Wahrnehmung zwischen einigen Tieren und Menschen z.B.

Ethische Hochsensibilität

Dabei geht es um ein starkes Gerechtigkeitsempfinden und ein sehr gutes Gespür für richtig und falsch. Viele sind auch sehr pflichtbewusst und neigen leider zur Selbstaufgabe. Zudem wird viel schneller wahrgenommen, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht.

Kognitive Hochsensibilität

Ich finde den Begriff: ,,Holistische Denkweise“ da besser. Es wird also nicht nur einem Gedankengang linear gefolgt, sondern an diesen einen Gedanken werden viele andere angeknüpft. Alte, abgespeicherte Informationen werden damit verbunden und dieser eine Gedanke teilt sich wie ein Prisma in viele verschiedene Richtungen auf. Situationen und Themen werden ganzheitlich (holistisch) und von oben gesehen, statt wie in einem Tunnel.

Emotionale Hochsensibilität

Gefühle werden viel stärker und auch länger wahrgenommen und empfunden. Auch die Gefühle aus der Umgebung und von anderen Wesen schwappen auf einen über. Und hier kommen wir dann auch in den Bereich der Empathie. Darum gehts dann nächste Woche.

Bin ich Hochsensibel?

Die Psychologin Elaine Aron entwickelte speziell dazu einen Test, welcher sich auch bis heute durch viele wissenschaftliche Studien stützen ließ. Ich habe auch schon mal so einen Test gemacht (25 treffen zu 😅), allerdings finde ich den nicht unbedingt notwendig. Meistens spürt man ja, das irgendetwas mit einem anders ist und man stärker auf manche Dinge reagiert, als andere. Wenn mehr als 14 Aussagen zutreffen oder aber auch wenn weniger zutreffen, diese dafür aber in besonders starken Ausmaß, ist es wahrscheinlich hochsensibel zu sein. Übrigens sind ca. 15 – 20 % der Bevölkerung Hochsensibel.

Zum Test

  1. Ich fühle mich leicht überwältigt durch starke Sinneseindrücke.
  2. Offenbar habe ich eine feine Wahrnehmung für Unterschwelliges in meiner Umwelt.
  3. Die Stimmungen anderer Menschen beeinflussen mich.
  4. Ich reagiere eher empfindlich auf körperlichen Schmerz.
  5. Ich habe an geschäftigen Tagen das Bedürfnis, mich zurückzuziehen – entweder in ein dunkles Zimmer oder an einen anderen Ort, wo ich allein sein und mich von der Stimulation erholen kann.
  6. Auf Koffein reagiere ich heftiger als viele andere Menschen.
  7. Ich fühle mich schnell überwältigt von Dingen wie grelle Lichter, starke Gerüche, raue Textilien auf meiner Haut oder Martinshörner in meiner Nähe.
  8. Ich besitze ein reiches, vielschichtiges Innenleben. (könnte man so sagen😂🙈)
  9. Laute Geräusche bereiten mir Unbehagen.
  10. Kunst oder Musik bewegen mich tief.
  11. Manchmal liegen meine Nerven derart blank, dass ich nur noch alleine sein möchte.
  12. Ich bin ein gewissenhafter Mensch.
  13. Ich bin schreckhaft.
  14. Es bringt mich leicht aus der Fassung, wenn ich in kurzer Zeit viel erledigen muss.
  15. Wenn andere Menschen sich in einer Umgebung unwohl fühlen, weiß ich eher als manche andere, was notwendig ist, um Wohlbefinden herzustellen (zum Beispiel durch eine Veränderung der Beleuchtung oder der Sitzordnung).
  16. Ich werde ärgerlich, wenn man von mir erwartet, zu viele Dinge gleichzeitig zu tun.
  17. Ich gebe mir große Mühe, Fehler zu vermeiden oder Dinge nicht zu vergessen.
  18. Fernsehsendungen und Spielfilme mit Gewaltszenen meide ich.
  19. Ich fühle mich unangenehm erregt, wenn sich um mich herum viel abspielt.
  20. Hungergefühle stören nachhaltig meine Konzentration und beeinträchtigen meine Stimmung.
  21. Veränderungen in meinem Leben treffen mich sehr heftig.
  22. Ich bemerke und genieße feine Düfte, Geschmäcker, Klänge oder Kunstwerke.
  23. Ich empfinde es als unangenehm, wenn ich mich mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigen muss.
  24. Für mich ist es sehr wichtig, mein Leben so zu organisieren, dass ich Situationen vermeide, in denen ich mich ärgern muss oder die mich überwältigen.
  25. Laute Geräusche, chaotische Szenen und ähnliche starke Reize stören mich.
  26. Wenn ich mit anderen Menschen konkurrieren muss oder beobachtet werde, während ich eine Aufgabe erfülle, macht mich das so nervös und unsicher, dass ich weitaus schlechter abschneide, als ich eigentlich könnte.
  27. Als Kind haben meine Eltern und Lehrer mich als sensibel oder schüchtern angesehen.

Hochsensibilität – Fluch oder Segen?

Wenn äußere Reize stärker wahrgenommen werden, werden sie logischerweise auch schneller zum Problem. Was andere Leute überhaupt nicht stört, treibt einen selbst in den Wahnsinn. Große Veranstaltungen? – ,,Bäh, bitte. Viel zu stressig!„. Hochsensible Menschen sind zudem auch auffallend häufiger Introvertiert, so richtig der „Partycrasher“ wird man also auch nicht. Ständig mit diesen starken Reizen und Erleben konfrontiert zu sein, kann also extrem anstrengend und problematisch sein. Leider kann das sogar zu sozialer Isolation führen, welche dann wiederum anfängt krank zu machen.

Dennoch glaube ich, wenn man gelernt hat annähernd damit umzugehen, ist die Hochsensibilität eher eine wundervolle Gabe als ein Fluch. Eigentlich eher wie eine Superkraft bei den Avengers 😅. Ich meine, Hallo? Es gibt Menschen die das Innenleben ihres Körpers spüren oder Elektrizität in der Luft riechen können. Oder man läuft quasi als menschlicher Lügendetektor oder Schimmelfrüherkennungs-Warnsystem herum. Ziemlich geil ist das doch schon, oder nicht?

Hochsensibilität und Trauma

Henne oder Ei? Was war zuerst da?

Es ist schon richtig, dass Hochsensibilität (gerade z.B das sensorische Empfinden) oft bereits angeboren ist. Dennoch finde ich die Verbindung von ihr und Trauma sollte nicht unter den Tisch fallen. Wirklich aussagekräftige Studien habe ich dazu leider nicht gefunden, da sich die Ärzte und Forscher diesbezüglich sehr widersprechen. Hier geht es jetzt also eher um meine persönliche Meinung.

Nehmen wir erstmal die angeborene Sensibilität: Sensible Kinder reagieren viel schneller auf äußere Einflüsse, als andere. Verletzungen, und nichts anderes ist ein Trauma ja (= eine seelische Verletzung), spielen bei diesen Kindern eine viel größere Rolle, da sie tiefer und intensiver erlebt werden. Ich bin also der Meinung, dass ein von Geburt an sehr sensibles Kind schneller traumatisiert ist, als andere. In Folge dieser stark erlebten Verletzung prägt sich die Hochsensibilität in einigen Bereichen, bei dem endsprechenden Kind, jetzt zudem vll auch sogar noch mehr aus. Das soll aber nicht heißen, dass das Erlebnis einer nicht hochsensiblen Person deshalb weniger schlimm o.ä ist!

Entwickelte Sensibilität: Wenn wir bei den letzten 3 Kategorien von oben schauen, dann hat das für mich eher etwas damit zu tun, das es früher notwendig war, diese Bereiche zu stärken und besser auszuprägen, z.B weil man in einem sehr toxischen Umfeld aufwuchs. Dort kann es nur vom Vorteil gewesen sein, bestimmte Sinne stärker auszuprägen. Ich denke also schon, dass die Übergänge zur Hypervigilanz da manchmal ziemlich fließend sein können. Menschen denen zudem selbst einmal schmerzhaftes Leid widerfahren ist, neigen eher zu einem sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Wie ich generell darüber denke

Ich persönlich muss für mich zuhause jetzt jedoch nicht genau ausklamüsern, was nun angeboren ist und was sich danach herausgebildet hat oder wo die haargenauen Unterschiede zwischen Hochsensibilität, Empathie und Hypervigilanz liegen. Ich weiß das ich in vielen Bereichen sehr sensibel auf viele Dinge reagiere und manches sehr stark wahrnehme und eigentlich reicht mir persönlich das.

Hochsensibilität ist aber übrigens kein:

  • wehleidig sein
  • sich zu sehr anstellen
  • selbst schuld sein, wenn man so überempfindlich ist o.ä!!!

Ganz ehrlich?

Gegenfrage: ,,Warum bist du nicht so empfindlich? Warum spürst du nicht, was ich spüre? Wenn du dir ein bisschen mehr Mühe mit dem Fühlen geben würdest, hättest du keine Probleme in unserer Kommunikation. Selbst schuld, was stellst du dich auch so an? Wie schrecklich, so unempfindlich zu sein!“ – Man kann sowas auf tolle und ironische Weiße, auch wunderbar umdrehen 😉

Artifizielle Störung (und imitierte Dis)

Grrr, in mir sträubt sich gerade alles das zu schreiben 😑. Ansprechen, was das ist, will ich es aber trotzdem mal…

Als ich nämlich mal wieder tief in meinem Wahn steckte, dass ich mir alles nur einbilde und alles dramatisiere usw., bin ich auf die Artifizielle Störung gestoßen. Eigentlich wollte ich mir mit der Suche irgendwie mein: ,,Ich bin ein Lügner und nichts von dem was ich erzähle stimmt“ bestätigen (maaasochiiiistisch – ich sag´s doch 🤦‍♀️), ich schaff´s aber trotzdem immer mal wieder mich da rauszuziehen.

Besprechen wir jetzt also erstmal was das oben genannte ist und später erzähle ich euch, wie ich das abgleiche bzw. mich da dann versuche wieder rauszuholen.

Lest das bitte nur, wenn ihr stabil seid und euch nicht gerade in einer Phase des Zweifels bzgl der (p)Dis befindet! Ansonsten geht lieber direkt weiter zu „Mein Senf dazu“ und überspringt den Rest.

Was ist eine artifizielle Störung?

(Achtung! Ich finde das sehr triggend!)

Im ICD-10 ist sie als F68.1 Artifizielle Störung [absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen Symptomen oder Behinderungen] angegeben.

,,Der betroffene Patient täuscht Symptome wiederholt ohne einleuchtenden Grund vor und kann sich sogar, um Symptome oder klinische Zeichen hervorzurufen, absichtlich selbst beschädigen. Die Motivation ist unklar, vermutlich besteht das Ziel, die Krankenrolle einzunehmen. Die Störung ist oft mit deutlichen Persönlichkeits- und Beziehungsstörungen kombiniert.“

Ist die Störung auf einen selbst bezogen, nennt man es oft auch das Münchhausensyndrom. Die Betroffenen geben wiederholt vor an einer Krankheit zu leiden. Sie übertreiben die Symptome stark oder lügen diesbezüglich und sie stellen sich oft kränker oder stärker beeinträchtigt dar, als sie sind.

Vorgetäuscht werden kann im Prinzip alles: Von verschiedenen Schmerzzuständen, Herzerkrankungen, Atemstillstände, epileptische Anfälle bis hin zu psychologischen Beschwerdebildern.

Symptome

  • Sie nennen Symptome die auf eine bestimmte Krankheit hindeuten (wie z.B einen Herzinfarkt) oder können aber auch Symptome nennen, deren Ursache auf verschiedene Erkrankungen hinweisen
  • Oft wissen sie über die Erkrankung, die sie vortäuschen, meist sehr gut bescheid (gutes medizinisches Wissen)
  • Sie können evtl. Änderungen an der Krankenakte vornehmen, um zu beweisen das sie krank sind
  • Es kann vorkommen, dass sie sich selbst Schaden zufügen, um bestimmte Symptome hervorzurufen (z.B stechen sie sich in den Finger, um einer Urinprobe Blut beizumischen)
  • Durch ihr umfangreiches Wissen, wissen sie die Behandler oft gezielt zu täuschen, welche sie dann in Kliniken einweisen oder sogar Operationen veranlassen
  • Die Täuschung geschieht absichtlich, der Grund ihres Handels bleibt ihnen jedoch größtenteils unbewusst
  • Betroffene wandern oft von Arzt zu Arzt und von Klinik zu Klinik

Das Klinikum Stuttgart sagt dazu:

,,Sie reagieren auffällig empathielos auf den Leidensdruck anderer.

Es besteht eine hohe Komorbidität mit dissozialen
Persönlichkeitsstörungen, Borderlinestörungen, depressiven Syndromen, Essstörungen, narzistischen und histrionischen Persönlichkeitsstörungen“

Diagnose

Ärzte erkennen diese Störung oft an folgenden Punkten:

  • Die Krankengeschichte der Patienten ist oft sehr dramatisch, dennoch aber widersprüchlich
  • Die Behandlungen und Eingriffe machen die Symptome nicht besser, sondern oft schlimmer (nach anfänglicher, kurzer Besserung finden die Betroffenen neue, andere Symptome oder verschlimmern die vorherigen)
  • Sie unterziehen sich freiwillig und gewollt diagnostischen Tests und (gefährlichen) Eingriffen
  • Sie wollen nicht, dass die Ärzte mit Angehörigen sprechen
  • Andere Erkrankungen wurden ausgeschlossen
  • Es gibt Hinweise auf Fälschungen, Übertreibungen oder Änderungen der Vorgeschichte
  • Es gibt keine offensichtlichen Gründe oder Anreize für den Betroffenen, die Erkrankung vorzutäuschen (z.B ein milderes Strafverfahren dadurch, Schadensersatzansprüche, usw.)

Fügt eine Person einer anderen Schaden zu, wie z.B Mütter ihren Kindern nennt man das das Münchhausen-by-proxy-Syndrom. Dort präsentieren sich die Mütter oft besonders besorgt und aufopferungsvoll und bestehen auf medizinische Eingriffe (bei den Kindern), bei welchen sie meist weniger besorgt sind.

Ursache

Genau geklärt, wann und warum so etwas auftritt, wurde es noch nicht. Höchstwahrscheinlich haben die Betroffenen in früher Kindheit viele Traumata erlitten, weshalb sie das Gefühl hatten nicht gesehen zu werden. Die Störung kann daher auch ein Leben lang bestehen bleiben.

Das Klinikum Stuttgart äußert diese Möglichkeiten:

,,Als mögliche Motive, allerdings ohne empirischen Nachweis werden u.a. diskutiert:

  • Verschaffen von Aufmerksamkeit, Fürsorge und Einzigartigkeitsgefühlen
  • Regulation von Effekten und Spannungen
  • Reinszenierung traumatischer Erfahrungen
  • Regulierung und Stabilisierung konfliktreicher Paarbeziehungen“

Und:

,,Trotzdem sind diese Patienten krank und benötigen Hilfe! Sie können für ihr Verhalten nicht oder nur teilweise moralisch verantwortlich gemacht werden.“

Was ist eine imitierte Dis?

Die imitierte Dis kann jetzt eine Form der artifiziellen Störung sein. Der Betroffene glaubt selbst darunter zu leiden, erfindet die Symptome jedoch.

Auffällig ist dabei meist, dass die Betroffenen ihre Symptome und „Persönlichkeitsanteile“ besonders begeistert und betont zur Schau stellen, was im Gegensatz zur typischen Verleugnung der Dis/pDis steht. Ebenfalls werden die Symptome meist nur sehr oberflächlich beschrieben und gehen daher wenig in die Tiefe. Auch werden eher die bekannten Symptome genommen und vieles, was sonst für die dissoziativen Störungen üblich, aber eher unbekannt ist, ausgelassen.

(Unbewusste) Gründe können dafür sein, dass Betroffene eine besonders ausgefallene oder schwerwiegende Erkrankung haben möchten. Möglich wäre aber auch die Imitation (was dann keine artifizielle Störung wäre), weil sie einer Haftstrafe entgehen wollen oder andere Vorteile daraus ziehen möchten.

Mein Senf dazu…

Dadurch ergibt sich jetzt auch ein klareres Bild für mich, warum so viele Dis-Betroffene anderen so was wie Hier (,,Die faken doch alle“) unterstellen. Ich könnte mir vorstellen, im Zuge der Verleugnung, sind so einige ebenfalls auf die artifizielle Störung gestoßen und übertragen das jetzt einfach auf andere – Wer sich selbst nicht glaubt, glaubt auch anderen nicht.

Vieles was da beschrieben wird, habe ich in den Trauma-Gruppen so nämlich (als Vorwurf gegenüber anderen) teilweise wortwörtlich gelesen.

Um das aber nochmal klar zu stellen: IHR HABT, nur weil es so etwas gibt, TROTZDEM NICHT DAS RECHT DAZU, JEMAND SO ETWAS ZU UNTERSTELLEN!

Ich muss immer wieder darauf zurückkommen: Mit welchem Recht wollt ihr wissen, anhand weniger Informationen, dass da gerade jemand faket? Weil bei euch etwas anders ist? Ihr anders damit umgeht? Sorry man, das ist so dermaßen arrogant und überheblich 🤷‍♀️.

Ich streite auf gar keinen Fall ab, dass es das gibt. Aber ich glaube nicht das irgendjemand, der mit den Leuten nix weiter am Hut hat, das Recht zusteht, so zu tun als wüsste er ob jemand ehrlich an etwas erkrankt ist oder nicht.

Zudem finde es auch sehr schwierig mich mit dieser Störung überhaupt näher auseinanderzusetzen, weil ich mir sowieso schon ständig einrede, dass ich mit allem lüge und völlig übertreibe. Ob man sich das als Betroffene dann gegenseitig noch vorwerfen muss (sodass man sich nicht einmal dort aufgehoben fühlen kann und ständig im Rechtferigungszwang ist) halte ich für fragwürdig.

Bin ich davon betroffen?

Keine Ahnung. Vielleicht?

Ich versuche (wenn die Verleugnung sehr stark wird) immer wieder zu reflektieren, was da steht und was bei mir Tatsache ist. Ich geh da mal kurz etwas näher drauf ein…

Also: Ich bin z.B nicht überzeugt von meinen Symptomen und schwäche sie eher ab, als das ich sie besonders darstelle. Mich kotzt das eigentlich im Gegenteil sogar extrem an, dass mein Erleben allein zuhause ein ganz anderes ist, als das in der Öffentlichkeit. Manchmal wünsche ich mir wirklich, ich könnte etwas davon nach Außen präsentieren. Einfach weil ich das Gefühl habe, dass man mich dann vll ernster nehmen würde. Das man dann sehen würde, wie es mir wirklich geht. Mitleid will ich da jedoch keins (damit kann ich sowieso nicht umgehen, das ekelt mich an), nur ernst genommen werden (also nicht ständig dieses: ,,Wieso? Sie sehen doch gut aus, ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihnen etwas fehlt“).

Ich erachte mein Leiden weiter auf keinen Fall als schlimmer oder wichtiger, als das der anderen. Das Gegenteil ist eher der Fall. Mit verschiedenen Symptomen und Krankheiten kenne ich mich recht gut aus, würde ich behaupten. Was aber auf jeden Fall daran liegt, dass mich interessiert was mit mir los ist und wie ich mir oder aber auch anderen helfen kann. Generell interessiert mich das Thema Psychologie schon seit meiner Kindheit stark.

Symptome erfinde ich keine, sondern ich erzähle was und wie ich es erlebe. Dennoch kommt es mir zu jeder Sekunde vor, als würde ich lügen. Aber auch da lässt sich eben schnell ein Faktencheck machen: Erlebe ich die Sachen wirklich, die ich erzähle oder erlebe ich sie nicht? Fertig. Glauben tue ich mir deshalb trotzdem nicht wirklich besser, aber objektiv lässt sich so zumindest auf ein Ergebnis kommen.

Seit ich mich mehr mit den verschiedenen dissoziativen Symptomen beschäftigt habe, nehme ich auch mehr wahr. Das trifft zu. Allerdings habe ich eigentlich fast alles davon auch vorher schon erlebt (also es ist nix neues für mich). Ich glaube, ich achte mittlerweile nur mehr darauf was wann wie auftritt. Vorher habe ich vieles einfach gar nicht als „unnormal“ angesehen.

Anteile besonders präsentieren?

Anteile stelle ich auch auf keinen Fall zur Schau. Solange ich das unter Kontrolle halten kann, lasse ich niemand raus 🙈 und rede auch möglichst nicht über sie. Auch nicht bei meiner Therapeutin. In meinem Büchlein habe ich verschiedene Namen stehen und auch Skizzen, von denen, die ich im Inneren glaube gesehen zu haben. Allerdings hat das noch keiner zu Gesicht bekommen und ich gebe auf meine Notizen auch keine Garantie. Einmal sagte ich meiner Therapeutin den Namen einer Persönlichkeit, was aber ziemlich nach hinten los ging. Nicht von seitens der Thera. aus, mehr weil es im Inneren deshalb ziemlichen Tumult gab.

Ich merke die Veränderung im Inneren schon manchmal und bestimmt wäre es sinnvoll, das in der Therapie auch direkt anzusprechen, um endlich mit damit arbeiten zu können, aber dazu ist meine Schamgrenze einfach zu hoch. Ich versuche es lieber zu ignorieren und so zu tun, als wäre nichts. Außerdem, selbst wenn ich es ansprechen würde, hätte ich eh das Gefühl gerade eine riesengroße Lügengeschichte aufzutischen. Das belastet mich dann zusätzlich, weshalb ich das darüber-Reden auch stark versuche zu vermeiden.

Aber ganz ehrlich?

Selbst wenn…

…es bei dir anders ist, weil du vll einen guten Kontakt zu deinem Innensystem hast und sich deine Leute eben einfach so zeigen wollen wie sie sind, ist das keine Bestätigung für das da oben.

Jeder geht mit der Sache anders um. Manche Verleugnen krass alles was dazu gehört, manche nicht. Manche wollen ihr System so anerkannt haben, wie es ist und manche nicht.

Selbst wenn du vll von Klinik zu Klinik „wanderst“, weil du dringend Hilfe suchst, welche du einfach nicht bekommst, ist das auch keine Bestätigung. Du suchst eben einfach nur Hilfe.

Nur weil du vll nicht die gleichen Symptome wie andere hast oder bei dir andersrum tatsächlich die „Lehrbuchsymptome“ im Vordergrund stehen und du darüber reden möchtest, ist das auch keine Bestätigung dafür, dass du dir alles nur einbildest oder es imitierst.

Ich glaube, gerade wer sich immer wieder fragt, ob er sich alles nur einbildet, übertreibt, lügt usw., da ist es eher wahrscheinlich das die Symptome auch echt sind. Ich meine, aus welchem Grund solltest du dir das alles einbilden und ausschmücken und dich gleichzeitig runtermachen dafür? So richtig Sinn ergibt das nicht 🤷‍♀️. Genau genommen, würde dieses Verhalten an sich schon sehr gespalten wirken 😉.

Im Endeffekt hilft aber vll auch eine Gegenüberstellung von dem was du tatsächlich erlebst (vll mit einem Ereignis, welches dir als Beispiel dient), wobei du dir nicht ganz sicher bist und von dem was nicht (was du aber sagst zu erleben). Schreib es auf. Mach greifbar, was sich sonst nur in deinen Gedanken abspielt. Bestimmt stellst du dann fest, dass du dir gar nicht soviel ausdenkst, wie du glaubst.

Und denkt bitte daran, dass wir von klein auf eingeredet bekommen haben, dass unsere Wahrnehmung falsch ist und wir nur schauspielern und lügen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sowas speichert sich tief drin ab und verankert sich fest in unserem Denken! Das wir uns nicht glauben, uns für Lügner halten und denken wir würden alles nur für Aufmerksamkeit machen, ist doch völlig logisch. Was soll man denn anderes glauben, wenn man genau diese Worte, über sich, sein halbes Leben lang gehört hat?

Stoppt die Rasterpsychotherapie!

Bzgl all dessen nahm ich auf Instagram und Facebook schon einmal Stellung, aber ich möchte auch hier noch einmal darauf aufmerksam machen. Die aktuelle Petition dagegen findet ihr unter Aktuelles oder auch Hier. Bitte unterzeichnet fleißig und verbreitet die Petition weiter, denn es betrifft uns alle!

Ist möglicherweise ein Bild von Text „Das Problem: NICHT ERST SEIT DER AKTUELLEN CORONALAGE GIB ES VIEL ZU WENIG KASSENFINANZIERTE, PSYCHOTHERAPEUTISCHE BEHANDLUNGSPLÄTZE. DIE WARTEZEITEN SIND LANG UND OFT MUSS MAN FÜR EINEN GEEIGNETEN THERAPIEPLATZ BIS ZU 3 -18 MONATEN WARTEN.“
Ist möglicherweise ein Bild von Text „Die Losung: SYMPTOMBEKÄMPFUNG, STATT URSACHENBEHEBUNG Das Gesundheitsministerium legte einen Vorschlag vor, nach welchem noch vor Therapiebeginn eine Diagnose gestellt werden soll und nach dieser wird dann die Behandlungsdauer angepasst D.h würden für eine Depression beispielsweise 12 Monate Behandlungsdauer festgesetzt, dann müsste die Behandlung auch nach 12 Monaten abgebrochen werden, völlig gleich ob der Patient in diesem Zeitraum wirklich schon genesen ist oder nicht.“
Ist möglicherweise ein Bild von eine oder mehrere Personen und Text „Das Ergebnij. Definitiv mehr freie Behandlungsplätze,aberauch weniger erfolgreich therapierte Patienten Natürlich gibt es dann mehr Behandlungsplätze, die Absicht dahinter möchte ich daher noch nicht mal pauschal verteufeln. Nun ist es doch aber kaum möglich eine klare Diagnose, noch vor Therapiebeginn zu stellen. Wenn ich mit Symptomen einer Depression zum Therapeuten gehe, dann ist es sehr, sehr wahrscheinlich das die Depression nur eine Begleiterscheinung einer ganz anderen Erkrankung t.Wie soll so etwas direkt am Anfang festgestellt werden können? Vieles zeigt sich schließlich erst nach Monaten oder sogar Jahren Behandlung und nach viel Vertrauen zum Therapeuten.“
Ist möglicherweise ein Bild von Text „Was noch: Vertrauen, da sind wir schon beim nächsten Punkt: Es fällt sehr schwer Vertrauen aufzubauen, sich zu öffnen, wenn man unter dem Druck steht zu einer bestimmter Zeit eine bestimmte Leistung erbracht zu haben. Christina Jochim, Psychotherapeutin hierzu: "Es könnte von vornherein ein massiver Leistungsdruck für Patienten entstehen, nicht genug Zeit zu haben, ihr Leid ausreichend zu schildern, weil sie das Gefühl haben, dass das Problem sowieso vorzeitig beendet wird."“
Ist möglicherweise ein Bild von eine oder mehrere Personen und Text
Ist möglicherweise ein Bild von Text „zur petition: Eine entsprechende Petition gegen diesen, pardon aber, Schwachsinn, findet ihr auf meiner Website: https://good4know.de nter,Aktuelles" Oder unter: http://chng.it/hD6cWRCYDk http://chng Bitte unterzeichnet und verbreitet sie fleißig!“

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Aktualisierung:

Und Widerstand lohnt sich eben doch!
Die Rastertheraphie ist vorerst vom Tisch

https://www.br.de/nachrichten/bayern/psychotherapie-reform-therapeuten-und-betroffene-wehren-sich,SZ5bpIP

Thema: Selbstdiagnose

Ein heikles Thema, welchem ich mich heute trotzdem einmal annehmen möchte.

Klären wir erstmal:

Was ist eine Diagnose?

Wikipedia sagt dazu:

,,Eine Diagnose entsteht durch die zusammenfassende Gesamtschau und Beurteilung der erhobenen Befunde.“

Heißt schlicht, dass eine Diagnose gestellt wird, aus den vorliegenden Symptomen und Beschwerden. Im Normalfall wird dazu auch die Vorgeschichte mit einbezogen. Welche (medizinische) Diagnose dann z.B gestellt wird, richtet sich nach den einzelnen Gruppen/Kategorien, welche in den offiziellen Diagnosehandbüchern bisher verzeichnet sind.

Eine klare, umfassende und sichere Diagnose kann demnach auch nur geschultes Personal durchführen.

Stellt euch vor, ihr seid in einem Gebäude Hausmeister und sollt nun plötzlich eine Diagnose über die Statik des Hauses anstellen. Sehr sicher und zuverlässig klingt das dann nicht, oder?

Im Endeffekt, behaltet das im Hinterkopf, geht es aber bei der Diagnosestellung nur darum, dem Kind einen Namen zu geben. Ihr habt Symptome und um diese auf etwas Greifbares einzugrenzen, sodass man euch danach richtig behandeln kann, wurden die gängigen Diagnosebilder entwickelt. Eine Diagnose ist aber immer nur der VERSUCH eure Symptome einzugrenzen, sie sagt niemals etwas darüber aus wer oder was ihr seid!

Fehldiagnosen

Wie ihr wisst, sind Ärzte aber auch nur Menschen und Menschen machen nun mal Fehler. Das kann leider passieren.

Diesbezüglich kann es verschiedene Faktoren geben:

  • Bei Diagnosestellung waren nicht alle Symptome bekannt (sowohl dem Arzt, wie aber auch dem Patienten)
  • Die Vorgeschichte des Patienten wurde nicht gründlich mit einbezogen
  • Aus Zeitmangel wurde der Patient nur oberflächlich begutachtet
  • Das medizinische Personal ist in einem bestimmten Bereich nicht geschult und kann die Symptome daher nicht richtig zuordnen
  • Der behandelte Arzt ist von seiner Grandiosität überzeugt und lässt keine andere Meinung zu, sondern handelt rein nach seinem Ermessen
  • usw.

Zu einer Fehldiagnose kann es also durchaus schnell einmal kommen. Genau deswegen wird ja auch immer wieder angeraten, sich eine 2. und 3. Meinung einzuholen.

So und das ist der Punkt, den ich so schade finde. Denn gerade im Bereich der Psychiatrie/Psychotherapie habe ich es z.B immer wieder erlebt, dass vorher gestellte Diagnosen einfach übernommen wurden. Ohne dies selbst noch einmal zu überprüfen.

Bei mir hat das dazu geführt, dass ich jahrelang mit einer Borderline-Diagnose herumgelaufen bin und auch dementsprechend behandelt wurde. Für mich führte das zu viel Negativen.

Andere wiederum, z.B gerade im Bereich der dissoziativen Störungen, laufen jahrelang mit einer Schizophrenie-Diagnose durch die Gegend. Das die falsche Behandlung dieser 2 unterschiedlichen Diagnosefelder weitreichende Folgen haben kann, erklärt sich von selbst.

Auch wenn man immer wieder über falsche Krebs-Diagnosen ließt, macht einen das hellhörig. Hier habe ich euch einen Artikel verlinkt, wo es darum geht, dass 10 von 11 Brustkrebs-Diagnosen schlicht weg einfach falsch sind und Frauen unnötigerweise die Brust amputiert wurde.

Selbsteinschätzung

In den Trauma“selbsthilfe“gruppen, in welchen ich angemeldet war, kam es immer wieder zu diesen Momenten: Neue Mitglieder stießen dazu, schilderten ihre Symptome, gaben ihre Selbsteinschätzung ab und fragten nach der Meinung der anderen (für mich logisch, dass sie Leute fragen, die selbst betroffen sind – Wer sollte es sonst besser wissen?).

Mein erster Gedanke war dabei aber immer: ,,Na, wollen wir wetten, wie lange es dauert, bis der Rest der Gruppe seine Mistgabeln und Fackeln rausholt?“

Sich selbst einzuschätzen, ist ja da dermaßen verpönt.

Warum?

Ich finde es ungemein wichtig, sich selbst ein Bild über sich zu machen. Das ist meiner Meinung nach eine Voraussetzung dafür, dass man wieder den Weg zu sich selbst findet. Ich kann mich doch nicht nur darauf verlassen, was andere sagen. Wie wir eben besprochen haben, kann das nämlich auch schnell mal in die Hose gehen.

Wie nehme ich mich wahr? Was erlebe ich? Was fühle ich?

Und mit dieser Selbsteinschätzung kannst du dann auch beim Arzt abklären, was wirklich Sache ist. Der Arzt kann dir erst so erklären, wo vll der Unterschied zwischen deiner Selbstwahrnehmung und dem liegt, was pathologisch nachweisbar ist. Ihr könnt darüber reden, was er wahrnimmt und wo die Punkte sind, wo sich eure Wahrnehmung unterscheidet. Und genau diese Punkte könnt ihr dann näher erörtern.

So lernst du doch auch viel besser mit dir und deiner Selbstwahrnehmung umzugehen, als wenn du ausschließlich darauf wartest, dass dir ein anderer sagt, was mit dir los ist.

Vorsicht ist trotzdem geboten

Schnell kann das Symptome googlen aber dazu führen, dass man sich in etwas hineinsteigert.

Die meisten dürften sowas hier nämlich kennen: Du gibst bei Google Husten und Kopfschmerzen ein und schwupp hast du das Ergebnis Krebs. Faszinierenderweise spuckt ja so gut wie jedes Symptom Krebs aus 😅. Wer dann jetzt vll noch ganz leicht dazu veranlagt ist, hypochondrisch zu reagieren, naja … Der macht sich auf jeden Fall nicht gerade gesünder, durch seine Suche.

Des weiteren sollte niemals eine Selbstmedikation, aufgrund selbst gestellter Diagnosen, erfolgen. Mal abgesehen davon, dass das generell nie zu empfehlen ist, kann sowas eben kann schön kräftig nach hinten los gehen. Wenn du eine ganz andere Krankheit hast, als du glaubst zu haben, kannst du dir mit solchen Selbstbehandlungsversuchen, am Ende nur richtig schaden.

Appell an die Eigenverantwortung

Ihr dürft euch aber trotzdem selbst einschätzen. Punkt.

Ihr selbst tragt die Verantwortung für eure Heilung. Nicht der Täter. Nicht der Arzt und nicht der Psychotherapeut.

Voraussetzung dafür ist, dass ihr wieder in Kontakt mit euch kommt.

Ihr dürft also sehr wohl eine Meinung über euch haben und diese Meinung dürft ihr auch vertreten. Ärzte sind nicht allwissend. Sie sind keine Götter und vor allem wissen sie nicht, was in euch vorgeht (im Bereich der Psychiatrie/Psychotherapie z.B).

Dennoch hört euch auch an was sie zu sagen haben und winkt das nicht gleich ab. Bis man wirklich weiß was mit einem los ist, dauert das manchmal lange Zeit und es bedarf vieler Meinungen und Einschätzungen.

Was ich wichtig finde

Für mich ist es unheimlich wichtig alle möglichen Eventualitäten mit einzubeziehen. Nur wenn ich z.B weiß wie der Eine das und das erlebt, kann ich sagen: ,,Aha das erlebe ich auch so“ oder ,,Ne, das hab ich überhaupt nicht“.

Und nur wenn ich meiner Therapeutin sage: ,,Hören Sie mal, ich erlebe das und das und das und habe dieses Gefühl dazu. Wie beurteilen Sie das?“ und ich dann ihre Meinung dazu bekomme, kann ich für mich etwas schlüssiges daraus ziehen.

Viele Dinge erlebe ich, seit ich mich erinnern kann. Ich kenne sie nicht anders. Oder andere Sachen haben sich so in den normalen Alltag eingeschlichen, dass ich sie gar nicht für ungewöhnlich erachte. Woher soll ich also wissen ob das normal oder pathologisch ist, wenn ich nicht nachfrage und das abgleiche?

Ich finde es auch ein bisschen frech und beleidigend, wenn direkt davon ausgegangen wird, dass man sich deshalb gleich in eine Diagnose hineinsteigert oder sie sogar ausschmückt/Symptome dazu erfindet usw.

Mir gibt dies das Gefühl, als würde man mir nicht zutrauen selbst beurteilen zu können, ob ich etwas erlebe oder nicht. Als würde ich dann auf alles, auch wenn es mich gar nicht betrifft, mit ,,JaJaJa!!“ antworten.

Ich bin ein erwachsener Mensch und erachte mich als so eigenverantwortlich, dass ich beurteilen kann, ob ich etwas erlebe oder nicht. Wenn ich z.B noch nie einen dissoziativen Krampfanfall hatte, hatte ich eben noch keinen. Um zu wissen was das aber ist, muss ich ja erstmal nachschauen/nachfragen. Und es gibt Menschen, die bzgl. dieses Differenzierens Probleme haben. Das ist vollkommen okay. Dennoch sollten jene dies aber nicht auf andere projizieren und diese dafür angreifen, weil sie wissen wollen, wo sie selbst stehen.

Ein persönliches Beispiel

Ich bin durch ein Buch, einer Betroffenen, auf die dissoziativen Symptome gekommen. Das Buch bekam ich geliehen und hatte dazu überhaupt keinen persönlichen Bezug. Also ich las das nicht, um etwas über mich zu erfahren o.ä

Diese Geschichte war so abgedreht, dass es eigentlich fast unmöglich war, das mir davon irgendwas bekannt vorkam. Tat es aber.

Also suchte ich im Internet weiter und stieß auch auf einen YouTube-Kanal einer Betroffenen. Mir kamen immer mehr Sachen bekannt vor, aber ich dachte: ,,Naja, das ist trotzdem echt schräg. da ist schon nix.“. Irgendwann dachte ich: ,,Naja vll KÖNNTE es doch in den Bereich ….. gehen“ (eine klare Diagnose nenne ich hier nicht). Einige Tage später holte ich meine Unterlagen, von meiner Anwältin ab (was wirklich ein dummer, zeitlicher Zufall war). Dabei befand sich ein Klinikbericht von mir aus dem Jahre 2015. Eine meine Oma´s kopierte diesen damals und reichte ihn vor Gericht ein (der Sinn dahinter war, dem Gericht zu zeigen wie durchgeknallt ich doch sei, sodass mein Kind bloß nicht zu mir zurückkommt und beim Vater bleiben soll), weshalb er letztendlich auch bei meiner Anwältin landete.

Das was ich vermutete, stand da schon längst als Diagnose drauf. Schon vor Jahren. Nur soviel zu dem Thema wie richtig oder falsch so eine Selbsteinschätzung sein kann. Auch die Borderline-Diagnose habe ich mittlerweile nicht mehr. Ich sagte damals immer wieder, dass ich mich in einigen Punkten wiederfinde, aber eben nicht in allen. Und genau das sind die Punkte, die den Unterschied zur kPtbs machen (ich verlinke euch die Tabelle mal Hier).

Ich selbst wusste von den Diagnosen des Arztes übrigens nichts. Dieser Klinikbericht ist bis heute auf mysteriöse Weise verschwunden (meine Oma hat ihn aber nicht, die kopiert sich solche Sachen nur, das wäre sonst zu auffällig) und es existiert (für mich auffindbar zumindest) nur die Kopie, die beim Gericht vorgelegt wurde. Auch mit dem Arzt konnte ich damals nicht mehr darüber sprechen, da ,ich‘ mich vorher selbst aus der Klinik entließ.

Mein Schlusswort

Ich persönlich werde mich trotzdem davor hüten zu sagen: ,,Also das und das habe ich definitiv!“. Dazu warte ich einen weiteren (oder weitere) Klinikaufenthalt(e) ab (da man dort ganz anders diagnostizieren kann) und auch was sich in meinem Erleben weiterhin noch tun wird. Ein wildes switchen, wo jede Woche jemand anderes meiner Therapeutin was erzählt, gibt es z.B nämlich nicht.

Ich habe meine Selbsteinschätzung, die Einschätzung der früheren Ärzte und die meiner Therapeutin. Und was sich weiterhin zeigt und was nicht, wird die Zeit bringen, Manches ist so wie man denkt und manches ist am Ende ganz anders.

Lasst euch bitte von niemand einreden, ihr könntet nicht wissen was mit euch los ist. Steigert euch nicht rein, bleibt ehrlich zu euch selbst, klärt aber trotzdem ruhig alles mögliche einmal ab. Und hört auf euer Gefühl.

Ihr dürft das tun 😊.

Sinn und Unsinn von Psychopharmaka

Da die Anzahl der psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren extrem gestiegen ist, wuchs natürlich auch die Menge der verschriebenen Psychopharmaka, was aber irgendwie mehr Schaden als Nutzen anzurichten scheint, wenn ich mich so umschaue.

Ich denke Psychopharmaka (oder auch andere Medikamente) können als Begleitmaßnahme eine wertvolle Unterstützung sein und sollten daher auch nicht grundlegend verteufelt werden.

Leider ist es aber so das viele Menschen Medikamente nicht mehr als Unterstützung ansehen, sondern als Patentlösung und genau da liegt auch das Problem der fehlenden Genesung.

Gerade wenn es um unsere Psyche geht ist eine rein medikamentöse Behandlung nämlich mehr als kontraproduktiv, da wir das Verdrängte (das müssen nicht immer schwere Traumata sein, sondern auch beruflicher Stress, Beziehungsprobleme ect.) dadurch noch weiter unterdrücken und was macht alles Unterdrückte irgendwann?

Jap genau – Es bricht mit voller Wucht aus und zwar an Stellen, die wir dessen gar nicht zuordnen können (körperliche Symptome, Zwänge, plötzliche Traurigkeit mit Weinanfällen, unkontrollierte Wut usw.).

Mein Weg

Bei mir hat es recht lange gedauert bis ich mich endlich dazu durchringen konnte nach Hilfe zu suchen (nicht aus Scham – Hilfe zu suchen ist keine Schande, ganz im Gegenteil! – eher aus dem Gedanken heraus „Ich schaff das schon alleine“).
Obwohl sich schon sehr früh angedeutet hat, das es da sicherlich einiges aufzuarbeiten gibt, habe ich wie ein Weltmeister alles unterdrückt, verdrängt und von mir geschoben was sich so im Laufe des Lebens angesammelt hat, bis GAR NICHTS mehr ging, ich einen völligen Zusammenbruch erlitt und dachte es zieht mir komplett den Boden unter den Füßen weg.

Beim Arzt angelangt erhielt ich Antidepressiva, die (Gott sei Dank) gar nicht erst bei mir anschlugen (da hätte ich auch Tic Tac´s essen können😅) und die ich daher nach ca. 0,5 Jahren wieder absetzte.

Zudem erhielt ich sedierende Medikamente gegen Panik und zum Schlafen. Die Medikamente zum Schlafen nahm ich knapp über ein Jahr, weil sie anfangs die Alpträume unterdrückten und natürlich ein schnelles Einschlafen förderten.

Das war alles was mir damals angeboten wurde bzw. habe ich auch gar nicht nach mehr gesucht. Eine Pille die alles unterdrückt und heile macht, ja, dass war einfach zu verlockend…


Das Ende vom Lied war (und das ist auch der Grund warum ich alles absetzte und so nie wieder nehmen würde) das ich zum Schluss bis zu 6 statt 1er von diesen Tabletten zum Schlafen benötigte, die Alpträume nicht nur wieder durchkamen, sondern schlimmer als je zuvor waren und auch die Dissoziationen wieder zunahmen oder zumindest so deutlich wie nie (mir bekannt) zum Vorschein kamen. Ehrlich gesagt stand ich damals völlig neben mir und irgendwie, so empfand ich, sollte das auch nicht Sinn und Zweck der ganzen Geschichte sein.

Stellt euch das ganze mal so vor:
Ihr habt da einen leeren Raum in eurer Wohnung und sämtlicher Müll der so rumliegt und sich ansammelt, den räumt ihr nicht auf oder bringt ihn weg, sondern packt alles in dieses leere Zimmer.
Da passt viel rein, doch irgendwann ist das Zimmer eben mal voll und ihr habt Probleme die Tür zuzubekommen. Also kauft ihr euch eine Menge Nägel und Bretter (<–Medikamente) um die Tür auch noch zuzubekommen wenn ihr noch mehr reinsteckt.
Das klappt eine Zeitlang ganz gut (Symptombekämpfung), doch irgendwann brechen sämtliche Nägel und Bretter, ja die ganze Tür unter dem enormen Druck zusammen und alles knallt euch entgegen. Nun habt ihr diese Unmengen an „Müll“ überall in eurer Wohnung, völlig ungeordnet und konfus, herumliegen und seid vll sogar darunter begraben.
Irgendwie klingt es da doch sinnvoller das Angesammelte direkt wegzuräumen, oder?

Achtet auf eure Psyche und ignoriert die Symptome nie-niemals!

Medikamente – Ja, gerne. Behaltet jedoch stets im Hinterkopf das sie euch niemals heilen werden, sondern lediglich der Unterstützung dienen können. Heilen können wir uns (leider? – ne, Gott sei Dank, nicht leider! Gott sei Dank haben wir unsere Heilung selbst in der Hand, stellt euch mal vor wir bräuchten die Täter oder sonst jemand oder etwas auch noch dazu😵 ) nur selbst…

Psychose (und Wahn) – Unterschiede zur (p)Dis

Stimmen hören, Konzentrationsstörungen, Depressionen, Ängste, Derealisation und Depersonalisation….Ja, dass könnte alles auf eine dissoziative Störung hindeuten, KANN aber eben auch eine Psychose sein.
Wo ist da der Unterschied, was macht eine Psychose aus und wie gehe ich damit um?
Genau das klären wir heute 🙂

Was kennzeichnet eine Psychose/welche Symptome gibt es?

Betroffene beginnen ihre Umwelt verändert wahrzunehmen und verlieren dadurch oft auch den Bezug zu Realität.
Ein wichtiges Merkmal, welches Psychosen gerne begleitet, ist der Wahn. Unterschieden wird da in den:

  • Verfolgungswahn –> eine Frau sah z.B mal überall einen bestimmten Männertyp, der sie, wie sie fest überzeugt war, zu verfolgen schien und etwas böses im Sinn hatte oder jemand denkt, jeder will ihn vergiften oder ein Bekannter dachte, das die Polizei über ihn in einer Wohnung sitzt, um ihn abzuhören

  • Beziehungswahn, d.h allgemeine Ereignisse werden auf sich selbst bezogen –> der Bekannte ist z.B der Überzeugung das Rapper ihre Songs nur für ihn schreiben, um ihn dadurch Botschaften zu übermitteln oder ein anderer dachte, das ihm die Scheinwerfer der Autos Nachrichten zukommen lassen

  • Größenwahn –> oben genannter Bekannte ist z.B auch der Meinung die Wiedergeburt eines Gottes zu sein, da er u.a jedoch über ein 3/4 Jahr in seine Wanne pinkelte, weil er zu träge war seine Toilette reparieren zu lassen, lässt mich das dann an der Gottsache doch etwas zweifeln 😅🤷 ‍–> Realität und Vorstellung driften da also völlig auseinander, auch bei vielen Fanatikern die z.B glauben als einzige, einzigartige religiöse Erkenntnis zu besitzen, spielt das eine Rolle

  • Schuldwahn –> man denkt wahnhaft man wäre an allem Leid anderer Schuld

  • Liebeswahn –> Betroffene denken das eine andere Person, oft eine „höher“ gestellte, in sie verliebt sei und nehmen Kontakt auf ect. –> 1981 verübte z.B ein Mann ein Attentat auf Ronald Reagen, weil er dachte dadurch positiv mit Jodie Foster in Kontakt zu kommen

  • Eifersuchtswahn –> z.B kannte ich mal jemanden der 100% überzeugt war das seine Freundin ihm fremdging, sobald sie auch nur 5 min aus seinem Blickfeld verschwand, selbst wenn sie nur auf die Toilette ging

  • Hypochondrie –> die Gedanken kreisen dauerhaft um die Angst vor einer Krankheit

Wichtig ist, dass ein Wahn auch ohne Psychose auftreten kann, die Psychose jedoch meist von einem Wahn begleitet wird.

Interessanterweise ist mir aufgefallen das Betroffene nicht dazu neigen, ihr Wahrgenommenes zu hinterfragen, z.B ist es nicht so das ich nicht auch ein kleeeiiinwenig paranoid bin 👌😅 (Gott ich hasse es wenn Männer dicht hinter mir laufen oder ein Auto auch nur annähernd langsam neben mir her fährt), ich versuche dann jedoch einen Realitätscheck zu machen, also wie wahrscheinlich ist das was ich da gerade denke. Was passiert wirklich und was spielt sich gerade nur in meinem Kopf ab.

Würde ich z.B vermuten das über mir die Polizei sitzt, dann würde ich da wahrscheinlich klingeln und mir die Sache mal näher anschauen. Das ist bei Wahnhaften aber eher nicht mehr der Fall. Sie sind da voll drin, gefangen in dem Gedanken der sie überfällt.

Wichtig finde ich hier zu erwähnen das ein Wahn, wie immer, nicht einfach aus dem Nichts kommt. Bei der Frau, die glaubte ein bestimmter Männertyp verfolge sie, bei der ließ sich dieser Gedanke auf eine verdrängte Vergewaltigung zurückführen.

Ein Eifersuchtswahn KANN starke (verschachtelte) Verlassensängste als Grundlage haben, wie z.B bei dem jungen Mann den ich mal kannte (siehe „Eifersuchtswahn“). Als er ca. 13 od. 14 war verschwand seine Mutter einfach und ließ ihn zurück. Er kam ins betreute Wohnen, kam danach an die falschen Leute und wie das dann halt so weiter geht.

Ich will damit sagen, ein Wahn ist zwar für alle Beteiligten, gerade für die Angehörigen, eine extrem schwierige und anstrengende Sache, hat aber eben seine Gründe. Die Psyche macht nichts falsch, wichtig es da einfach der Ursache auf den Grund zu gehen.

Und nein, dass können die Betroffenen nicht mehr selbst, daher ist bei einer Psychose dringend Hilfe von Außen notwendig (meiner Meinung nach zumindest).

Es gibt noch viel, viel mehr Symptome, die könnt ihr aber hier z.B einmal nachschauen (sonst wird das hier zu lang😅 ) –> https://www.oberbergkliniken.de/krankheitsbilder/psychose

Unterschied zu dissoziativen Störungen

Nur auf einige wenige möchte ich mal eingehen, um gerade den Unterschied zu dissoziativen Störungen zu erläutern.

📌 Stimmen hören –> Psychosebetroffene hören die Stimmen im Außen – Betroffene von dissoziativen Störungen im Inneren (da die
Stimmen, wie man selbst auch nur, ein Teil der ursprünglichen Person sind ➡ Edit: Auch dissoziative Stimmen können einige von Außen kommend erleben).

Also als Beispiel: Das ich mal was mit Drogen am Hut hatte ist ja nun kein Geheimnis mehr 😅, jedenfalls war ich mal 2 oder 3 Nächte am Stück wach.
Ich trank wenig, aß nichts und schlief nicht und irgendwann ging mein Mitbewohner weg, aber ich hörte Musik ganz leise spielen, also dachte ich, er ließ vll einfach den Laptop im Nebenzimmer an und lässt eine Playlist laufen. Da ich die Musik nach Stunden aber immer noch hörte (und die Playlist längst hätte durch oder der Laptop aus sein müssen) fiel mir auf das überhaupt keine Musik in echt spielte.

ERST DA checkte ich das sich das nur in meinem Kopf abgespielt hat (damit meine ich das letztendlich unser Gehirn die Halluzinationen produziert), ich die ganze Zeit aber dachte ich würde die Geräusche im Außen hören -> DAS ist eine akustische Halluzination (bei mir eben durch Dehydration, Schlafmangel usw. ausgelöst)
Bei einer dissoziativen Störung nimmt man die Stimmen im Inneren wahr, eher wie Gedanken, dass sind keine Halluzinationen und man weiß auch das andere sie nicht hören können (schließlich spielen sie sich IM Kopf ab)

📌 Zum Thema Halluzinationen gibt es da z.B auch noch die optischen (Sehen), die sensorischen (Fühlen), die olfaktorische (Riechen) und gustatorischen (Schmecken) Halluzinationen.

Das erzähle ich deshalb, weil es da auch schnell eine Verwechslung mit einem Flashback geben kann. Ich bin relativ am Anfang nämlich bei meiner Therapeutin, mit einem Haufen Zettel, aufgeschlagen, weil ich der Überzeugung war das die Diagnose vll doch nicht passen kann und ich stattdessen eher eine Psychose hab 😅.

Nehmen wir den Punkt ‚Riechen‘: Ich rieche sehr häufig Gerüche (Parfüm, Chlor, und andere Gerüche) oder oftmals habe ich das Gefühl als würde jemand hinter mir stehen und mich festhalten, als würde jemand seine Arme um mich schlingen (nur eben mehr auf die negative Weise) oder meine Haut brennt am Oberarm, der Schulter oder am Handgelenk (kennt ihr das noch wenn andere eine ‚Brennnessel‘ bei euch machten? Wenn man die Haut so fest greift und sie dann dreht?), dass kann z.B eine Art Körpererinnerung sein (also ein Flashback) oder es steht eben mit nix in Beziehung und wird vom Gehirn „einfach so“ produziert, dann ist es eine Halluzination (ich persönlich finde die Unterscheidung da aber trotzdem recht schwierig, denn wer weiß schon woher Halluzinationen kommen und wofür die gut sind 🤷‍).

Achso, meine Therapeutin hat das übrigens gut 20min über sich ergehen lassen (von meiner Seite aus dachte ich, ich schaffe das gar nicht alles in 50min anzusprechen) und meinte dann irgendwann das ich endlich die Zettel weglegen soll…also doch keine Psychose 😅. Sie meinte da auch nochmal das ein entscheidender Unterschied zu Menschen ohne Psychose der ist, dass Psychotiker die Dinge nicht mehr aus der Metaebene betrachten (deswegen wird auch nicht hinterfragt/reflektiert was wahrgenommen wird).

Was man noch beachten sollte

Viele andere Symptome ähneln auch vielen anderen Krankheiten. Die Depression die sich z.B oft während einer Psychose entwickelt, kann eben auch bei fast jedem anderen Krankheitsbild (oder allein) vorkommen. Auch andere Sachen wie das starke Interesse an mystischen oder religiösen Themen ist nicht gleich ein Zeichen für eine Psychose. Da ist auch mehr das schon fast wahnhafte Reinsteigern gemeint. Nicht jeder der sich intensiv mit Religion oder Mystik beschäftigt, hat deshalb gleich eine Psychose.

Oder das Thema misstrauisch sein, dass bin ich z.B auch stark gegenüber anderen, dass liegt am mangelnden Vertrauen. Ich gehe jedoch nicht davon aus das mein Gegenüber mir definitiv schaden will. Ich ziehe es in Betracht das jeder zu allem fähig ist, erwarte es aber nicht prinzipiell (dann würde ich wohl wirklich durchdrehen), während jemand mit Verfolgungswahn jedoch genau das vom Gegenüber erwartet, also den mutwillig (geplanten) zugefügten Schaden.

Also entscheidend ist wirklich das Betroffene die Außenwelt stark verändert wahrnehmen und sich von diesem Denken/Wahrnehmen nicht befreien können.

Wodurch entsteht eine Psychose?

Psychosen können genetisch veranlagt sein (und auch weitervererbt werden), dort beginnen sie meist schon im Teenageralter schleichend, sie können auch durch ein traumatisches Erlebnis ausbrechen, durch viel (psychischen) Stress oder durch verschiedene Substanzen (Kokain, Amphetamin, psychodelische Drogen, usw) ausgelöst werden.

Zum Thema Drogen: Ich hab da so einige Leute mit einer Drogenpsychose kennengelernt und ich glaube…also es ist ja so das Drogen nicht nur vermehrt Glückshormone ausschütten, sondern auch andere Areale in unserem Gehirn stimulieren. Nicht umsonst heißt das ganze Zeug „Bewusstseinserweiterende Substanzen“, könnten wir schließlich das volle Potenzial unseres Gehirns nutzen, dann könnten wir viel viel mehr wahrnehmen als nur die plumpe Materie um uns herum. Es ist aber so das unser Gehirn und/oder unsere Psyche immer nur den Teil für uns erfahrbar macht, für den wir gerade bereit sind. Ich glaube mit Drogen kann da viel „abgekürzt“ werden, wenn ich aber noch nicht soweit bin, dann prasseln all diese Eindrücke (ob nun bisher unterdrückte Emotionen oder feinstoffliche Erlebnisse usw.) ungefiltert auf mich ein. Natürlich überfordert das dann nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche heillos.
Zumindest ist das meine Theorie zu dem ganzen Thema, ich glaube nicht das eine Drogeninduzierte Psychose einzig durch ein Durcheinander von Hormonen entsteht 🤷‍

Was kann ich tun?

Bitte geht schleunigst zum Arzt und/oder Therapeuten!

Zitat:

„Zunächst ist es für den Patientinnen wichtig, dass sie zur Ruhe kommen und die Reizüberflutung gemildert wird. Dabei hilft eine persönliche therapeutische Beziehung, die Orientierungshilfe und Selbstsicherheit bieten kann. Um die Reizüberflutung zu begrenzen, sind auch Medikamente hilfreich. Doch vor allem muss die „Chemie“ zwischen Therapeutin und Patient*in stimmen. Sie ist die Basis der Medikation, nicht umgekehrt. Um Psychosen zu therapieren, steht eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung. Da jede Psychose, jeder Mensch und jede Familie anders ist, ist es wichtig, dass sich die Therapie nach den Bedürfnissen der betroffenen Person und seiner Familie richten.
Die medikamentöse Therapie wird vor allem mit so genannten Antipsychotika durchgeführt. Je nach der im Vordergrund stehenden Problematik wird die Behandlung aber auch mit anderen Medikamenten ergänzt. Die medikamentöse Therapie sollte in Kombination mit psychologischen, sozialen und/oder anderen Therapien angewendet werden. Zahlreiche Therapieverfahren werden bei Psychosen erfolgreich eingesetzt:

•Psychoedukation
• Kognitive Verhaltenstherapie (VT)
• Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)
• Suchttherapie
• Familientherapie
• Ergotherapie, Kunsttherapie, Tanztherapie
• Soziotherapie
• Soziales Kompetenztraining (SKT)
• Metakognitives Training (MKT), CogPack

Durch die Kombination der verschiedenen Therapien wird ein „Überlaufschutz“ gegen Stress gebildet. Generell ist es wichtig, dass eine Therapie so früh wie möglich begonnen wird. Das gilt für die erste Psychose wie auch im Falle einer erneuten psychotischen Episode, also bei einem Rückfall.“

Was können Freunde und Angehörige tun?

„(….)Bei der Begleitung seelischer Krisen benötigen Angehörige Gelassenheit und Aufmerksamkeit zugleich, müssen balancieren zwischen Zuwendung und Begrenzung für die betroffene Person und Rückmeldungen darüber, was sie bei einem selbst auslöst. Sie brauchen Halt untereinander, aber auch professionelle Information und Unterstützung.“

Quelle: https://www.psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/psychosen.html

[Da stehen auch noch die Symptome, wie häufig eine Psychose vorkommt (öfter als man denkt) usw.]

Kurz: Lasst euch einfach helfen 😅

Das ist nichts, was man nicht wieder hinbekommt.
Von Medikamenten bin ich ehrlich gesagt nicht sonderlich begeistert, kann aber zur Unterstützung der Therapie erstmal hilfreich sein (bei Psychosen aber vll oft sogar sehr notwendig). Passt aber auf das jemand wirklich mit euch arbeiten will und euch nicht einredet, ihr müsstet ab jetzt immer Tabletten nehmen, um die Symptome in den Griff zu bekommen. Das halte ich für Quatsch.

Sollte euch eine drogeninduzierte Psychose begleiten, dann lasst doch bitte die Drogen weg 🙏. Mir ist schon klar das viele nicht einfach aufhören können oder wollen (schließlich haben alle ihre Gründe warum sie damit angefangen haben und diese Gründe sind ja nicht einfach weg), trotzdem wird’s, wie man sieht, dadurch nur schlimmer🤷‍. Und ja, die Leute in dem Milieu, dass sind immer alles ganz tolle Buddys, Best Friends und so, aber seid doch bitte ehrlich: Die haben alle ihre Probleme. Deshalb sind sie da wo sie sind. Ihr braucht ein stabiles Umfeld um gesund zu werden, keins das selbst krank ist.

Mein Schlusswort:
Psychotiker sind, auch wenn sie sehr anstrengend sein können (und ich rede da wirklich aus Erfahrung 😅), keine schlechten Menschen oder einfach nur durchgeknallt! Leistet euren Beitrag für eine bessere Welt, seid freundlich zueinander, schaut nicht weg wenn irgendwo irgendjemand Leid angetan wird. Klärt eure Kinder auf was Mobbing zur Folge haben kann und trainiert euch wieder mehr Empathie an, dann gibt es hoffentlich all diese schrecklichen „Ver-rückt-heiten“ der Psyche bald nicht mehr 😇.


Depression

„Ach, ich bin heute depressiv“ –
Diesen Satz hat bestimmt jeder schon einmal gehört oder vll sogar schon einmal selbst gesagt. Nicht jeder der das aber sagt, leidet tatsächlich gleich unter einer Depression und nicht jeder der darunter leidet, wird tatsächlich auch ernst genommen.

Was ist also eine Depression und wie äußert sie sich?

Eine Depression ist eine ernstzunehmende Krankheit und daher keine lapidare Verstimmung die man mit einem Kinobesuch wieder wegbekommt oder bei der man sich „einfach nur mal zusammenreißen“ muss.

Sie betrifft ungefähr bis zu 8% der Bevölkerung, d.h ca. 5.500.000 Menschen in Deutschland bekommen im laufe ihres Lebens mindestens einmal eine depressive Episode (die Dunkelziffer liegt, wie immer, weitaus höher).

Typische Symptome sind:

📌 Interessenverlust
📌 Freudlosigkeit
📌 Hoffnungslosigkeit
📌 Kraftlosigkeit
📌 sozialer Rückzug
📌 gedrückte Stimmung
📌 wenig Selbstbewusstsein
📌 Antriebslosigkeit
📌 dauernde Müdigkeit
📌 verringerter Sexualtrieb
📌 Appetitlosigkeit
📌 Gereiztheit
📌 Selbstmordgedanken (bis -versuche)

Psychische Erkrankungen sind nach wie vor aber sehr komplex, d.h nicht jeder muss die gleichen Symptome aufweisen. Nicht jeder Depressive lässt also die Schultern hängen oder weint sehr viel. Kann, muss aber nicht.

Einige leiden z.B auch unter einem besonders starken Morgentief, anderen geht es wiederum abends viel schlechter.

Manchen sieht man die Depression nach außen hin überigens auch überhaupt nicht weiter an, was aber nicht heißt das sie nicht bereits sehr weit fortgeschritten sein kann.

Das Hauptmerkmal ist die langanhaltende Hoffnungs-, Antriebs- und Freudlosigkeit, sowie der Interessenverlust an Dingen die bis dahin Spaß bereitet haben.
Wer jedoch nur einmal einen schlechten Tag mit mieser Laune oder einer „Null-Bock“ Phase hat, der ist nicht gleich an Depressionen erkrankt.

Zudem gibt es verschiedene Grade – von leichten kurzen (8-12 Wochen) und leichten, aber regelmässig wiederkehrenden, sowie schweren depressiven Episoden, bis hin zu teilweise psychotischen Erleben.

Bei der manischen Depression wechseln sich depressive Episoden mit manischen ab. In der
Manie ist genau das Gegenteil der Depression gegeben – Die Betroffenen spüren einen gesteigerten Antrieb/Energie, starkes Selbstbewußtsein, Risikobereitschaft, ein geringes Schlafbedürfnis, sie sind euphorisch und innerlich unruhig.

Ja, dass hört sich im Vergleich zu den depressiven Episoden toll an, endet jedoch oft damit das sehr viel Geld ausgegeben oder Kontakt zu Menschen aufgenommen wird, zu denen man sonst keinen Kontakt aufnehmen würde usw. Zudem kann die Manie auch oft mit einem Realitätsverlust einhergehen. Viele beschreiben die manischen Phasen sogar schlimmer, als die depressiven…

Wie entsteht eine Depression?

Wenn wir uns in einem Dauerstresszustand befinden, also schlicht einfach ständig überlastet sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken ziemlich hoch.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die genetische Veranlagung – in wessen Familie es bereits Depressionen gab, der hat ebenfalls ein erhöhtes Risiko daran zu erkranken.

Traumatische Erlebnisse, der Verlust nahestehender Personen, schwere Krankheiten, der Winter (durch das mangelnde Sonnenlicht) oder auch Lebenskrisen unterschiedlichster Art, können ebenfalls Depressionen auslösen.
Aber auch eine ungesunde Lebens- und Ernährungsweise, sowie verschiedene Medikamente die den Hormonhaushalt durcheinanderbringen (wie z.B die Pille), können eine Depression stark begünstigen.

Zudem kommt die Depression oft als Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen, wie z.B Persönlichkeitsstörungen, Angsterkrankungen, Dissoziativen Störungen usw.

Was kann man dagegen tun?

Nicht nur für den Betroffenen selbst ist eine Depression schlimm, nein
auch für Angehörige muss es furchtbar sein mit anzusehen wie ihnen nahestehende Personen, durch die Depression, langsam dahinsiechen.

Ich weiß viele Ratschläge sind gut gemeint, wie z.B ,,Du musst auch mal wieder aufstehen und raus gehen“ oder ,,Du musst einfach nur mal wieder etwas machen das dir Spaß macht“ – Ja, die sind gut gemeint und auch richtig 🙂, aber genau ist das ja das Problem bei einer Depression – es geht nicht.

Du willst nicht nur nicht mehr aufstehen und etwas tun, du kannst es auch nicht. Es ist als wärst du gelähmt, als hätte man dir etwas überlebenswichtiges weggenommen. Du siehst einfach keinen Sinn mehr darin. Zudem hast du wirklich keine Kraft und Energie dazu, dass ist nicht einfach nur eine faule Ausrede.

Das schlimmste was einen Menschen passieren kann ist, meiner Meinung nach, seine Hoffnung zu verlieren und genau deshalb bringen sich auch gut 15% der Depressiven um.

Sie nehmen sich ihr Leben, weil sie keinen Sinn mehr sehen und keine Hoffnung mehr haben (und nicht weil sie feige sind).
Meiner Meinung nach sind Depressionen mit das widerlichste was es gibt, von der Symptomatik her – falls es für einige aber vll ein kleiner Hoffnungsschimmer ist: Man kann die Depression überstehen und heilen und dann macht auch auf einmal das Leben wieder Sinn und Spaß. Die Stimme der Depression, die dir sagt das du unnütz bist und nicht mehr leben solltest, ist ein Lügner! Bitte hört nicht auf sie!

Bei leichten Depressionen:

Wichtig ist es, wie immer, die Ursache herauszufinden.
Bei wem die Depression noch schwach ausgeprägt ist, der kann sich z.B selbst erstmal anschauen ob er nicht Faktoren wie zu wenig Schlaf, die Pille (z.B ersetzen durch eine andere Verhütungsmethode), eine ungesunde bzw unausgewogene Ernährungsweise oder ein negatives Umfeld (wie die Arbeit oder der Bekanntenkreis ect.) aus dem Weg räumen kann.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wie verlockend Alkohol oder ähnliches (bei vielen z.B auch kiffen) dann sein kann, aber glaubt mir, damit wird es noch schlimmer. Auf Dauer verschlechtert sich euer Zustand dadurch nur noch mehr, also lasst es, wenn auch nur irgendwie möglich, weg bzw. reduziert die tägliche Menge.

Laut vieler Studien hilft zudem Sport besser als die meisten Medikamente, da durch die Bewegung vermehrt Endorphine und Serotonin ausgeschüttet werden, was wiederum für unser Wohlbefinden gut ist.

Pflanzliche Mittel wie Baldrian oder Johanniskraut können ebenfalls sehr gut funktionieren, da sie beruhigend wirken und die Interessefähigkeit wieder steigern (hat bei mir jetzt nix genützt, andere schwören aber darauf).

Und dann, wie ich es schon ansprach, ist die Ernährung das A und O. Bitte lasst Fertigprodukte und zu viel Zucker unbedingt weg!

Vitamin D und die B-Vitamine, vor allem B12, sowie Magnesium helfen außerdem ausgesprochen gut gegen Depressionen bzw. unterstützen den Genesungsprozess und verleihen wieder mehr Energie und Lebenslust – Ich spreche aus Erfahrung: Nicht umsonst fing ich schließlich an, mich so intensiv mit der Ernährung und allem was damit zusammenhängt, zu beschäftigen 😁.

Wer zudem erst leichte depressive Symptome an sich bemerkt, der sollte unbedingt darauf achten der inneren Antriebslosigkeit, solange es noch möglich ist, nicht zu sehr nach zu geben. Solange es noch geht, tut wirklich irgendwas und verkriecht euch nicht im Bett, sonst wird das Loch immer tiefer und größer.

Bei schweren Depressionen:

So, bei wem die Depressionen nun aber schon um einiges schlimmer sind – wer also wirklich schon keine Kraft mehr für irgendwas, keinen Sinn und keinen Antrieb mehr hat und wem vll sogar schon Selbstmordgedanken plagen, der sucht sich bitte schleunigst eine Therapie!

Die richtigen Ansprechpartner sind in diesem Fall Verhaltenstherapeuten, denn in der Verhaltenstherapie bzw. auch der kognitiven Verhaltenstherapie geht es u.a darum sich seine eigenen Gedanken- und Verhaltensmuster näher anzuschauen, denn leider begeben wir uns oft viel zu schnell, ohne das wir es merken oder bewusst etwas dafür können, in eine Negativgedankenspirale („alles ist schlecht, alle sind böse, alles an mir ist unausstehlich“ usw) die diese Depressionen erstmal auslösen bzw. stark verschlimmern.

Alles passiert auf freiwilliger Basis und mit einem guten Therapeuten klärt ihr im Vorfeld ab, was ihr wollt und was ihr braucht.

Die Erfolgschancen eine Depression mit einer Therapie wegzubekommen liegen übrigens bei 85-90% 😊!

Von Ärzten und Medikamenten bin ich jedoch nicht ganz so begeistert. Ein Psychiater kann wichtig sein um eine erste Diagnose zu stellen, oder aber auch um dich vorerst krankzuschreiben.

Was Antidepressiva angeht bin ich persönlich etwas vorsichtig. Leider werden sie nur viel zu häufig, viel zu schnell verschrieben, obwohl sie oft gar nicht nötig wären. Zudem sollte ein guter Psychiater eigentlich darauf bestehen das der Patient eine Therapie macht (denn leider machen gut 60% keine), wenn er ihm Psychopharmaka verschreibt. Meiner Meinung nach sollten diese nur das letzte Mittel sein, können aber bei sehr schweren Depressionen durchaus Sinn bringen, um den Betroffenen zumindest soweit stabil zu bekommen, sodass er eine Therapie auch beginnen kann.

Sie sollten aber NIEMALS dauerhaft eingenommen oder als Heilmittel angesehen werden! Psychopharmaka heilen euch nicht, sie unterdrücken nur die Symptome und wenn ihr nicht zusätzlich etwas gegen die Ursache macht, werdet ihr nie gesund, stattdessen sogar eher noch kränker, aufgrund der enormen Menge an Nebenwirkungen!

Was können Angehörige tun?

Ratschläge bringen nicht viel, obwohl ich durchaus der Meinung bin das man es ansprechen sollte, wenn der Betroffene nämlich einfach viel zu wenig Schlaf, dauerhaft Stress mit dem Partner usw. hat. Zwingt ihnen bloß nichts auf, von wegen ,,Du musst dies und das machen, sonst bist du ja selbst schuld“ (wie schon gesagt: Manches geht einfach nicht und dann braucht man Hilfe)!

Ansprechen sollte man es aber schon, denn manchmal fällt einem als Betroffener ja selbst oft etwas eigentlich offensichtliches einfach nicht auf.

Wenn ihr der Partner, die Mutter, der beste Kumpel oder sonst was seid, könnt ihr z.B selbst mit darauf achten das der Betroffene eine ordentliche Ernährung, Vitaminversorgung, Spaziergänge usw. bekommt. Nehmt ihn einfach öfters mal in den Arm und sagt ihm das alles gut wird und ihr das wieder hinbekommt – derjenige wird das kaum sofort freudig oder glaubhaft aufnehmen, dennoch sackert es in sein Unterbewusstsein und glaubt mir, auf Dauer bringt das was 😊.

Ihr könnt ihm helfen bei der Suche oder sogar selbst für ihn einen Therapeutenplatz finden (Voraussetzung!: Er will das auch).

Gebt ihm einfach wieder das, was er verloren hat – Hoffnung.

Wenn ihr selbst kaum Kraft habt, dann müsst ihr euch nicht selbst aufgeben, um am Ende selbst noch Depressionen zu bekommen, aber schaut dann wenigstens das der Betroffene Hilfe bekommt und nicht allein zurück gelassen wird, denn, wie gesagt, nicht selten endet so eine Depression auch im Selbstmord.

Ein Wort an die Betroffenen

In einer Depressionen verhält man sich oft auch nicht wie ein Musterschüler, dass ist normal und es ist vollkommen okay. Ihr müsst nicht den ganzen Tag funktionieren und wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht.

Setzt euch bitte nicht unter Druck (und als Angehörige setzt die Betroffenen nicht unter Druck), unter Druck wird es nur noch schlimmer.

Natürlich gibt es aber auch Ar*chlöcher, die unter Depressionen leiden und sich furchtbar benehmen oder schlicht alles ausnutzen was für sie getan wird – das müsst ihr nach eigenem Ermessen entscheiden, wie ihr damit umgeht, aber eine psychische Erkrankung ist kein Freifahrtsschein sich durchgehend rücksichtslos, respektlos und verletzend zu verhalten. Sollte das jemand tun, dann fühlt euch bitte nicht in der Verantwortung alles mögliche zu tun (inklusive euch selbst aufzugeben), damit es demjenigen besser geht. Ja er ist krank, deshalb aber noch lange kein hilfloses Baby

Sagt demjenigen wie ihr die ganze Sache empfindet und das er sich verletzend verhält – entweder ist es ihm egal und dann muss er eben selbst zusehen wie er zurecht kommt, oder (und das ist wahrscheinlicher) er hat sein Verhalten selbst gar nicht bemerkt.
Reden hilft immer irgendwie 🙃