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,,Wie geht es dir?“

Mal so einige persönliche Gedanken (keine Feststellungen!) zu dieser Frage …

Wie ich diese Frage haassssee!

Sind wir doch mal ehrlich: Wie oft antwortet man darauf schon ehrlich?

,,Wie geht es dir?“ wurde zu einer Floskel, die mittlerweile fast jeder als Gesprächseinstieg verwendet. Daran ist ja grundsätzlich auch erst einmal nichts verwerflich. Nur wie oft wollen wir das eigentlich wirklich wissen? Und wie oft wollen wir eigentlich wirklich darüber reden?

Beispiel: Du triffst Gertrude im Supermarkt. Du und Gertrude, ihr seid gute Bekannte. Nicht gerade die engsten Freunde, aber ihr könnt euch ausstehen. ,,Mensch Gertrude, dass ist ja schön dich mal wiederzutreffen! Wie gehts dir?“ … Ehrlich? Du hüpfst in den Supermarkt, weil du nur eben schnell ne Packung Mehl kaufen willst und interessierst dich wirklich für mehr, als für Small-Talk? Willst du wirklich wissen, wie es Gertrude geht oder suchst du nur einen Gesprächseinstieg, weil ihr euch eben kennt?

Und will man überhaupt antworten?

Diese Frage nötigt eigentlich ständig dazu, zu lügen und ich mag gar nicht lügen. ,,Ja, dann tus halt nicht und sei ehrlich!“ – Vll will ich aber gar nicht ständig jedem erzählen, wie es mir gerade geht?

Und angenommen ich wollte es, dann habe ich wenig Interesse daran jemand anderen meine tiefsten Gefühle und Gedanken vorzusetzen, während dieser eigentlich nur belanglosen Smalltalk wollte. Du breitest jemand dein Innerstes aus und der nickt nur kurz: „Ja, das ist ja doof! … (peinliche Stille) … Du die Preise im Supermarkt steigen aber auch immer mehr, nich?“ . Also da kannste dir auch direkt ins Gesicht spucken lassen. Ne du, darauf ehrlich antworten, macht auf verschiedenen Ebenen nicht so viel Spaß.

Ma Butter bei de Fische

Du kannst der empathischste und einfühlsamste Mensch der Welt sein und trotzdem kannst und willst du das nicht immer hören. Das hat nichts damit zu tun, dass du egoistisch oder toxisch oder sowas bist. Ich meine, sei doch einfach mal ehrlich zu dir: Hast du jedes Mal, wo du diese Frage stellst, wirklich Lust und Zeit die Antwort zu hören? Und dann auch darauf einzugehen? Denn wenn sich jemand ehrlich öffnet (auf deine Nachfrage hin), dann solltest du das doch bitte tun.

Also ich hab nicht jedes Mal die Zeit, die Lust oder auch die nervliche Verfassung dazu 🤷‍♀️.

Aber wenn wir das nicht haben, warum nötigen wir den anderen dann dazu sich entweder nackig zu machen und womöglich mit einem schlechten Gefühl rauszugehen [Naja, oder man geht selbst mit einem schlechten Gefühl raus, weil man gerade zugeblubbert wurde, worauf man überhaupt keinen Bock hatte, aber nicht unhöflich sein wollte]. Oder nötigen ihn zum lügen?

Und was ich daran auch sehr nervig empfinde ist, dass wenn ich diese Frage aus ernsthaften Interesse stelle oder sie mir umgedreht jemand aus ernsthaften Interesse stellt, man es ebenfalls nur als übliche Floskel einstuft. Einfach weil die Frage durch ihre inflationäre Verwendung völlig an Bedeutung verliert. Woher sollte jemand auch wissen, ob sie gerade ernstgemeint ist oder nicht?

Wie wärs besser?

Tja. Da überlege ich auch schon voll lange rum und werde aber auch nicht so richtig fündig. Ich versuch’s dann manchmal mit so Sachen wie: ,,Was geht bei dir?„. Irgendwie verstehen das viele allerdings falsch und sagen dann: ,,Gut und dir?“ drauf. Ja naja, das ging irgendwie schief 😅.

Grundsätzlich fänd ich’s aber gut, keine Fragen mehr zu stellen, deren Antwort man (gerade) gar nicht hören will (oder auch kann). Also das betrifft viele Bereiche. Wenn ich z.B weiß das mich die Antwort irgendwie belasten wird, versuche ich meist einfach von vornherein gar nicht mehr zu fragen (scheiß auf die Neugierde). Vll sollten wir dazu übergehen nur noch Fragen zu stellen, auf welche wir auch eine ernsthafte Antwort hören wollen? Und andersherum versuche ich mittlerweile auf Fragen eine ehrliche Antwort zu geben (was nicht immer klappt – Manchmal antworte ich auch gar nicht und übergehe die Frage dann einfach).

Aber was es so als besseren Gesprächseinstieg (gerade wenn man länger nichts miteinander zu tun hatte) als „Wie geht es dir?“ gibt, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht nicht so recht 🤷‍♀️😅 …

Co-Narzissmus

Da sich letztens ein Beitrag zu diesem Thema gewünscht wurde, versuchen wir das heute mal anzugehen. All das hier stellt aber selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit dar und auch nicht in jedem Fall läuft es so, wie gleich beschrieben.

Und noch wichtig ist zu sagen: Nicht jede Beziehung mit einem narzisstischen Menschen nennt man Co-Narzissmus!

Da Co-Narzissmus eine Form der Co-Abhängigkeit ist, möchte ich zuerst einmal darauf eingehen was Co-Abhängigkeit überhaupt ist. Beide stellen jedoch kein eigenes Diagnosebild dar, sondern sollen einem vorhandenen Verhalten, nur einen Namen geben.

Co-Abhängigkeit (am Bsp. Alkoholsucht)

Wenn ein naherstehender Mensch, z.B der Partner oder ein Elternteil, beginnt an einer Sucht zu leiden, durchlaufen meist auch die Angehörigen einen Prozess. Bisher wurden 3 Phasen davon beschrieben, die wir hier einmal ansprechen möchten:

Verleugnung

Dem Abhängigen wird zu Beginn meist Verständnis entgegengebracht und das Problem wird versucht klein zu reden/zu bagatellisieren. Man versteht das getrunken wird aufgrund des vielen Stresses auf Arbeit, psychischer Probleme, usw. Vor dem äußeren Umfeld, dem das ungesunde Trinkverhalten vllt bereits auffällt, werden immer wieder Ausreden, Erklärungen und Verharmlosungen gefunden.

Kontrolle

Da mittlerweile die Sucht bereits schlimmer wird und kaum noch zu verleugnen geht, versuchen Angehörige oft selbst, die Sucht unter Kontrolle zu bringen. Zum Beispiel begeben sie sich auf die Suche nach dem versteckten Alkohol, um diesen wegzukippen. Oder sie übernehmen immer mehr Aufgaben des Abhängigen (übernehmen also alle Verantwortung allein). Gleichzeitig schützt der Angehörige den Erkrankten weiter vor der Außenwelt. Sie versuchen das Gerüst, alles sei in Ordnung, weiter krampfhaft vor anderen aufrechtzuerhalten.

Anklage

Es kommt zu immer mehr Konflikten und mittlerweile auch zu psychischen und/oder körperlichen Problemen beim Angehörigen. Die Schuld und Wut wird immer weiter auf den Erkrankten abgeschoben, was teilweise zu Aggressionen und Verachtung diesen gegenüber führen kann. Oft kommt es hier zu Drohungen, den Erkrankten zu verlassen und Betroffene versuchen sich Hilfe im Außen zu suchen (Familie, Freunde).

Was ist Co-Narzissmus?

Man spricht beim Co-Narzissmus davon, dass der Narzisst durch den Betroffenen in seinem Narzissmus unterstützt und komplementiert wird. Ähnlich wie oben bei der Co-Abhängigkeit, im Falle des Alkoholkranken (nur haben wir bei einer Beziehungs-Co-Abhängigkeit meist noch den Strudel des Missbrauchs) .

Hier gibt es jetzt zweierlei Thesen. Die eine und diese möchte ich wirklich als Problem anführen ist, dass (jeder) Co-Narzissmus selbst eine Form des Narzissmus wäre. Ich führe nachher an, was die Gründe dafür sein können, in Co-Abhängigkeiten (gerade in Beziehungen) zu geraten und dann versteht ihr vllt, warum diese These so gefährlich und in vielen (nicht jeden) Fällen leider auch völlig falsch ist. Es gibt Narzissten die sich ebenfalls (unbewusst) Narzissten zum Partner suchen. Oft kommen da der grandiose und der verdeckte Narzissmus zusammen. Wenn man nach meinen Eltern geht, dann hat man da z.B einen super Fall von antisozialer PS und verdeckten Narzissmus mit histrionischer PS. Die beiden haben sich tatsächlich wahnsinnig gut ergänzt und ergeben ein fast bilderbuchartiges Bsp.

In den meisten Fällen steckt hinter dem Co-Narzissten aber „einfach nur“ ein bereits bindungstraumatisierter Mensch (ohne Narzissmus!). Natürlich nicht immer. Co-Narzissmus kann sich auch ausbilden, wenn weder eigener Narzissmus vorliegt, noch eine toxisches Vergangenheit gegeben war. Aber da die Bindungstraumatisierung öfter die Grundlage ist, sprechen wir heute vorwiegend darüber.

Symptome des Co-Narzissmus

  • Man passt sich in allen Bereichen völlig an den anderen an (Selbstaufgabe)
  • „Helfersyndrom“ / Selbstaufopferung
  • Beziehungssucht (Sucht gebraucht zu werden, um uns selbst einen Wert zu geben)
  • „Harmoniesucht“ (Angst vor Konflikten, da diese wieder das Gefühl vermitteln falsch zu sein und nicht geliebt zu werden)
  • Wir geben nicht aus dem Glück und der Freude heraus, sondern aus der Angst (hoffen auf Bestätigung, Liebe oder Sicherheit)
  • Der Glaube den anderen verändern zu können (der Versuch Kontrolle auszuüben, um Sicherheit zu erlangen)
  • „nicht ohne ihn/sie sein können“ (was aber oft eigentlich traumabonding ist)
  • Lügen, „schön reden“ gegenüber der Außenwelt (siehe Co-Abhängigkeit oben – Der andere wird dadurch versucht zu schützen, was auch den Grund hat, dass man vor sich selbst länger die heile Welt aufrecht erhalten kann)

Was steckt dahinter?

Gehen wir davon aus, man wächst in einem Elternhaus auf, welches ebenfalls mindestens einen narzisstischen oder anderweitig sich stark toxisch verhaltenden Elternteil hat. Immer wieder wird es dann zu Situationen gekommen sein, wo du dich erst einmal beweisen musstest. Du musstest etwas leisten um „Liebe“ zu erhalten. Und wurdest immer wieder reglementiert, kritisiert und zurechtgewiesen. Ein gesunder Selbstwert („ich bin gut so wie ich bin“ ) konnte sich also nie entwickeln. Auch Selbstbehauptung hat man nie lernen können, denn wehe du hast widersprechen wollen.

In dieser Zeit lernte man, dass man nur gewollt und akzeptiert wird, wenn man sich anpasst. Perfekt wird für den anderen. Das kennt man. Diese Situation ist bekannt und alles Bekannte bietet für uns immer eine gewisse Sicherheit (auch wenn es noch so toxisch ist). (Emotionaler) Missbrauch ist als Liebe erlernt worden ➡️ An dieser Stelle möchte ich unbedingt auf meinen Beitrag zum Wiederholungszwang verweisen.

Aufgeschlüsselt

Wenn du nun gelernt hast, dass emotionaler Missbrauch normal ist, wirst du dir auch unbewusst wieder jemand suchen, der ähnlich agiert. Wie gesagt, es ist das Bekannte. Das hat aber nichts mit „na dann biste auch selbst Schuld“ zu tun. So einfach funktioniert unsere Psyche dann leider doch nicht.

Wir rutschen wieder zurück in das Muster, man müsste erst geben, um etwas zu erhalten. Wir glauben ja auch immer noch, dass wir um unserer Selbstwillen niemals geliebt werden könnten. Letztendlich sind wir hier wieder beim gleichen Thema, wie in den meisten anderen Beiträgen: Wir befinden uns wieder im alten Trauma. Man passt sich meist vollständig an die Bedürfnisse des anderen an, wenn man denkt, man müsse für ihn perfekt sein, um dessen Liebe (Bestätigung!) und Sicherheit zu erhalten. Wenn wir keine Selbstbehauptung besitzen und nicht für uns eintreten können („ich bin ja eh nichts wert“ ), dann werden unsere Grenzen auch immer wieder übertreten. Wenn wir uns selbst keinen Wert geben können, benötigen wir jemand anderes dazu.

Indem wir versuchen uns um den anderen herum zu biegen, um eben die gewünschten Sachen (Liebe, Sicherheit, etc.) zu erhalten, versuchen wir aber gleichzeitig auch (meist unbewusst!) Kontrolle über denjenigen zu erlangen: ,,Wenn ich das und das tue, bringe ich den anderen da und dazu („ich habe es in der Hand“ ➡️ der oft unbewusste Wunsch sich in der Traumasituation nicht mehr ohnmächtig zu fühlen)“ . Und so werden wir durch unsere Selbstaufgabe nicht nur zum Spielball der Krankheit des anderen (ob nun Alkoholsucht, Narzissmus, usw.), womit wir auch ihm kein Stück helfen. Im Gegenteil. Sondern auch wir tragen unseren Teil zu der toxischen Beziehung bei.

Selbstverantwortung

ES GEHT NICHT UM SCHULD!

Weder um „selbst schuld“ , noch darum man hätte Schuld an der toxischen Beziehung (dann würden wir wieder dahin abgleiten, selbst die Verantwortung für alles allein übernehmen zu wollen = Kontrolle „wenn ich Schuld bin, kann ich es Nächstes mal besser machen“ ).

Es geht viel mehr darum zu sehen, warum wir in solche Situationen geraten (denn das zeigt uns wo unsere Wunde liegt und wie wir sie heilen können). Was dahinter steckt. Zu sehen, warum gebe ich meine Bedürfnisse, Wünsche und Ziele für den anderen komplett auf? Warum habe ich das Gefühl, ohne den anderen nicht leben zu können? Warum brauche ich krampfhaft seine Bestätigung, wofür ich alles tun würde? Wieso bleibe ich in dieser Beziehung? Was sind die Gründe dafür? Und ganz wichtig: Die eigene Definition von Liebe zu hinterfragen, kann krasse Erkenntnisse zu Tage fördern (ich bin da übrigens immer noch bei – es ist also ein langer Prozess und wir werden trotzdem immer mal wieder in toxische Situationen geraten – das ist mehr als normal und auch völlig okay!).

(Perspektivenwechsel) – Warum Narzissten in solche Beziehungen geraten

Oft klingt es so, als würde der Narzisst (gezielt) vom Betroffenen ausgesucht oder umgedreht. Realität ist aber, dass sich in solchen Beziehungen meist 2 bindungsgestörte Menschen finden. Dieses Narzisst und Empathen Ding, da bin ich immer etwas vorsichtig. Das hört sich an, als käme der „arme, gute, überempfindsame Empath“ einfach so in die Fänge des „bösartigen Narzissten“ . Mir ist diese Anschauung etwas zu schwarz-weiß/gut-böse gedacht.

Es gibt zwar oft die Meinung, Narzissten kämen bereits so auf die Welt und da ich kein Mediziner bin, werde ich auch nicht versuchen dem zu widersprechen. Ich persönlich teile aber die Meinung, dass die meisten narzisstischen Menschen, sicher auch durch eine physische Prädestination, sich letztendlich aber durch äußere Einflüsse so entwickelten. Den meisten Narzissten liegt ebenfalls ein Trauma zu Grunde (dazu kommt auch bald nochmal ein Beitrag). Während der Co-Narzisst versucht Kontrolle durch Unterwerfung zu erlangen (siehe Beitrag „Die 4 Traumareaktionen“ ), versucht es der Narzisst durch Dominanz.

Ein Mensch der zu Unterwerfungsreaktionen neigt, ist für jemand der Dominanz ausüben möchte logischerweise auch ein besserer Partner, als jemand der gesunde Grenzen setzt und sagt: „Hör mal, mach dein Zeug, aber so garantiert nicht mit mir. Das habe ich nicht nötig.“ . Dahingehend bin ich mittlerweile auch der Meinung, lohnt sich die Frage immer mal: „Ist das hier wirklich Liebe? Von meiner und von der Seite des anderen aus? Oder sind wir nur eine „Trauma-Nutzgemeinschaft“ ?“ (also wir stellten fest, daß vieles was wir damals als Liebe ansahen, auch von unserer Seite aus eigentlich überhaupt keine echte war).

Was kann man tun?

Lernen Grenzen zu ziehen und sich selbst wertzuschätzen.

Ja, hört sich an, wie so eine dämliche Floskel. Als müsse man nur wollen und schwupp die wupp klappt alles. Wenn man das so einfach könnte, wäre man ja schließlich gar nicht erst in so einer Verstrickung. Aber letztendlich ist das der einzige Nenner, auf den ich es wüsste herunter zu brechen.

Es ist mega unfair, dass man Dinge überhaupt erfahren hat, die zu solchen Reaktionen führen. Und noch unfairer ist es, dass man schon wieder in einer missbräuchlichen oder zumindest, nett gesagt, ungleichmäßigen Beziehung steckt. Es ist unfair, dass man überhaupt erst Missbrauch erfährt und dann auch noch mit den Folgen sehen muss klar zu kommen, um den gleichen Rotz nicht wieder zu erleben. Das definitiv!

Nur leider ist das Leben nicht fair. Wir sind geprägt von Hollywood, wo die „Guten“ immer gewinnen und die „Bösen“ zur Rechenschaft gezogen werden. So ist aber die Realität nicht. In der Realität passieren schlechte Dinge und sie müssen weder immer einen Sinn haben, noch werden sie stets ausgeglichen und bereinigt.

Wir können (und so sollte es sogar sein) Hilfe in Anspruch nehmen. Egal bei was. Aber letztendlich kann all das nur eine Unterstützung sein. Uns kann die Hand zum Aufstehen gereicht werden. Heilen müssen wir jedoch selbst. Wenn wir also zu solchen Beziehungen neigen und daran etwas ändern wollen, bleibt uns kaum etwas anderes übrig, als Selbstachtung und -liebe zu erlernen und umzusetzen.

Der neuste Trend

Ne, tatsächlich werde euch jetzt nichts von der neusten Lederhandtasche in Lachsrosa (das ist die einzige Farbe, die ich im Bereich rosa noch kenne😂🙈) erzählen.

Nö, immer wenn ich mich ziemlich einsam fühle und kacke drauf bin, packe ich Tiktok aus (jaja, ich weiß wie effektiv Soziale Medien sind, wenn man sich schlecht fühlt 😅). Und wisst ihr welcher neue Trend mir da stark ins Auge sticht?

Fehler machen.
Unperfektion.

Ja, es gibt tatsächlich Menschen, die ihre Fehler zugeben. Die nicht immer in der perfekt sitzenden Hose vor der Kamera sitzen. Kennt ihr diese Hosen und diese Pose?
Bauch rein. Arsch und Brüste raus und das alles schön on von der Seite filmen.
Sorry für den Ausdruck, aber selbst Mobby Dick sähe in dieser Pose aus wie ein unterernährtes Laufstegmodel 🤷‍♀️.
Und was hat das zur Folge?
Also diese Sucht nach Perfektion in unserer Generation?

Das wunderschöne, junge Mädels ihren Körper hassen. Das wir in einer immer zunehmend surrealer und imaginativeren Welt leben, wo keiner auch nur eine öffne Pore, eine Hautfalte oder gar sonst einen Fehler zeigen darf.
Perfektion.
Pseudoperfektion.

Versteht mich nicht falsch.
Ich bin ein Fan davon, dass wir alle das bestmögliche aus uns heraus holen sollten. Aber ich meine das, was wirklich in uns steckt. Das wir unseren wahren Wert nicht auf halber Strecke liegen lassen sollten.
Nicht, dass wir uns bis zur Unkenntlichkeit verunstalten. Das wir uns gegenseitig das blaue von Himmel herunterlügen und uns dafür eigentlich alle nicht mehr als selbst hassen.

Denn die Wahrheit ist, dass auch der perfekt trainierteste Körper Hautfalten am Bauch hat. Spätenstens beim sitzen. Das es Bullshit ist, dass man nur hübsch wäre, wenn man die perfekten Maße hat. Was bitte sind denn die perfekten Maße? Was ist normal? Das was die Mehrheit irgendwann mal als normal festgelegt hat. Wann haben wir angefangen Pickel oder verstopfte Poren als fehlerhaft anzusehen? Einen natürlichen Körper?

Kommt, jetzt bin ich gerade im Schwafelfieber, also erzähl ich euch auch diese Geschichte 😅:

Vor Jahren nahm ich einmal LSD (und das wird um Himmels Willen keine Hyme an Drogen – Ich habe da echt crazy und kaputte Leute kennengelernt. Probiert euch gerne aus, aber Drogen braucht man definitiv für keinerlei Erkenntnisse) und saß draußen. Ich hasste Insekten. Tue ich eigentlich immer noch. Diese vielen, kleinen krabbelten Wesen machen mich ganz wahnsinnig. Und mal ehrlich: Sie sind echt hässlich. Ach kommt schon. Schönheit liegt da wahrlich im Auge des Betrachters, will man meinen.

Joar und da sind wir auch schon da, worauf ich hinaus wollte. Ich hasse diese Viecher. Aber dann saß ich so da draußen in der Wiese und überall krabbelt etwas über die Decke. Über mich und saßen neben mir. Auf mir.
Ich betrachtete sie.

Und ich habe noch nie so etwas schönes gesehen.
Ich meine das jetzt nicht auf die: „Uh year Hässlichkeit ist so schön“-Tour. Sie waren, sie sind nicht hässlich. Nicht mal im entferntesten. Ich meine das ernsthaft. Und hier spricht ein richtiger Phobiker.
Was für unglaublich schöne, filigrane Wesen.
Wisst ihr was den Unterschied gemacht hat?
Tatsächlich meine Betrachtungsweise.

Habt ihr euch diese Tiere mal angesehen? So richtig? Das war der Moment als ich die Unperfektion so lieben gelernt habe. Und nein, nicht die Unperfektion von Wesen und Menschen die halt hässlich sind. Was für ein absurder Begriff. Ich rede von der echten Unperfektion die das Leben ausmacht. Wären wir alle gleich, alle dem mal wieder aktuell vorherrschenden Ideal gerecht werdend (was, wir wir ja wissen, sich eh permanent ändert – versucht man dem hinterherzukommen, braucht man eine echt gute Ausdauer), wären wir nichts als Roboter. Bioroboter.
Wollt ihr das?
Ich nicht.
Definitiv nicht.

Ich sehe das z.B so, dass Äußerlichkeit definitiv eine Rolle beim ersten Eindruck spielt. Beim darüber Nachdenken ob ein jener bzw eine jene überhaupt für mich sexuell in Frage kommt. Alles andere halte ich für gelogen. Aber das, was ich für schön empfinde, sagt dem anderen überhaupt nicht zu. Es scheint also gar kein allgemein gültiges Ideal zu geben, dem wir alle entsprechen müssten (männlich, wie weiblich oder was auch immer dazwischen). Alles liegt an UNSERER Betrachtungsweise. An dem was wir schätzen und gut finden.

Und was wollen wir bitte demnach mit jemand der uns nicht so gut findet, wie wir sind? Der uns nur gut findet, weil wir 10cm dicke Schminke auftragen oder eine Rolle spielen? Der uns nicht mag mit all unseren Makeln (und aber ebenso auch all unseren Vorteilen)?
Ich liebe diesen Trend, wo Menschen endlich einmal zu dem stehen, wer sie sind.
Sich mit all ihren Haut- und „Fett“falten (fies ausgedrückt, ich weiß – aber wisst ihr, dass mein Gesamtfettanteil bei 22% liegt und ich meinen Körper trotzdem teilweise so ekelhaft finde? Ihn am liebsten mit seinem ganzen „Fett“ im nächsten Ozean versenken würde? Auch da spielt also die Betrachtungsweise eine enorm große Rolle und nicht irgendein als „normal“ angesehenes Ideal) zeigen.
Ich liebe es, weil es mir die Kraft und die Zuversicht gibt, mich auch zu zeigen. Wir können uns so gegenseitig die Kraft geben, sein zu können, wer wir wirklich sind. Durch Ehrlichkeit. Scheiß auf die, die lieber der Illusion hinterherhängen wollen.

Sind wir doch mal ehrlich: Was passiert schon wirklich, wenn wir uns mit unseren Fehlern zeigen? Hassen uns Menschen? Klar. Sowieso und immer 😅. Wer von allen geliebt wird, macht definitiv was falsch und passt sich zu sehr an. Aber ab- und ausgestoßen wird man doch nur, wenn wir wirklich ehrlich sind, von Leuten, zu denen weiterer Kontakt eh keinen Bestand hätte. Höchstens auf der Basis: „Ich bin für dich da, aber stecke all mein persönliches zurück. “ Kein Mensch, den wir wirklich in unserem Leben wollen, also so wirklich im Sinne von (okay, ich rede jetzt vllt auch nur von mir): Dieser Mensch gibt uns genauso viel, wie er nimmt. Was wollen wir mit dem Rest? Hand aufs Herz. Was wollt ihr mit Menschen vor denen ihr ein Schlankheitsideal, eine perfekt reine Haut (so toll diese auch ist) oder sonst welche Perfektion vorspielen müsst? Was wollt ihr, was wollen wir mit diesen Menschen in unserem Leben?

Ich liebe also all die Menschen, die sich mit all ihrer psychischen Nicht-Perfektion zeigen. Die erzählen, wie scheiße es ihnen oft geht. Wie unperfekt sie im Alltag laufen. Wie sie sich im zwischenmenschlichen daneben benehmen und wie fucking normal ihr Körper ist, trotz angeblicher Makel.
Ich liebe diesen Trend!
Und hoffe so sehr, dass es ein Trend ist, der Bestand hat! Das brauchen wir! Keine Wir-sind-alle-so-perfekt-Illusion!

Wir wachsen nicht, indem wir uns alle gegenseitig vorlügen wie perfekt wir sind.
Sind wir nicht. Punkt.
Keiner von uns.
Gott sei Dank!
Stellt euch vor, wie langweilig das Leben dann wäre!
Wir wachsen nur. Wir können uns gegenseitig nur helfen (und damit gesellschaftlich wachsen), wenn wir unsere Unperfektion offen zeigen.
Nein. Fehler machen ist nicht schlimm. Fehler vertuschen (und das tun ich, du, wir alle – einfach weil wir so aufgewachsen sind, wo Fehler etwas ganz schlimmes sind), das schadet uns allen wirklich.
Ich liebe jedes einzelne Video, wo Frauen ihre Pickel zeigen. Ich liebe jedes einzelne Video, wo Männer über ihre Verletzlichkeit sprechen und verdammt nochmal merke ich, wie es mir besser geht, wenn ich über meine „Fehler“ spreche.

Mehr als Ich sein kann ich nämlich nicht. Entweder werde ich dafür geliebt oder gar nicht. Alles andere ist nur Show, die irgendwann zusammenbricht und keinen Bestand hat. Und das will ich nicht.
Wollt ihr das? Ein Leben basierend auf einer Show?
Nein? Dann rufe ich hiermit auf: Zeigt euch mit all euren Fehlern. Das ist sowas von geil! Ich liebe diesen Trend!

Was ich mir von anderen wünschen würde

Bitte versteht das hier jetzt nicht wie eine Auflistung von Vorwürfen an die Welt da draußen.

Bei allem, was ich hier anspreche, muss auch ich lernen, darauf zu achten. Bspw. manches nicht zu relativieren, so nobel die Gründe auch sein mögen (z.B weil man die Situation für den anderen entschärfen möchte), usw. Dementsprechend bin ich der Meinung, dass vieles auch von anderen einfach unbeabsichtigt und auf keinen Fall bzw sehr, sehr selten aus böswilligen Gründen geschieht. Ich denke es hilft aber, wenn man seine eigenen Bedürfnisse und Gedanken dazu einfach einmal laut äußert und ausspricht (naja, eher ausschreibt 😄).

Versteht diesen Beitrag also mehr als eine Wunschliste, so wie zu Weihnachten. Aber ebenso als eine Art Anleitung, für persönliches Wachstum, an die auch ich mich versuchen will zu halten. Schließlich möchte ich nicht von anderen ganz viel Rücksicht und Liebe erwarten und selbst benehme ich mich wie die Axt im Walde.

1. Kein Relativieren

Das steht für mich ganz oben auf der Liste. Bitte nehmt mich ernst!

Dieses: ,,Ich bin auch manchmal schlecht drauf“ oder ,,Das war doch gar nicht so wild“ oder ,,Es hätte ja auch schlimmer kommen können“ oder ,,Du musst das nur positiv sehen“ usw. lösen in mir das Gefühl aus, dass das was ich fühle und gerade erlebe oder erlebt habe nicht ernst genommen wird. Ich fühle mich dann falsch und lächerlich. Ich denke dann, dass ich übertreibe und mich nicht zu sehr anstellen darf. Aber dadurch das ich mich dann selbst nicht ernst nehme, kann ich auch nicht heilen. Und ja, natürlich ist das richtig, dass wir uns zu aller erst selbst lieben und glauben usw. müssen. Aber wir sind nicht getrennt von der Außenwelt. Wir können das nicht im Alleingang schaffen. Und wenn du da immer wieder die gleichen Botschaften von deiner Außenwelt bekommst, wird es eben einfach schwer mit dem neue Glaubenssätze aufstellen.

2. Keine Phrasen

Bitte hör mit richtig zu und verwende keine Phrasen wie: ,,Du steigerst dich in was hinein“ oder ,,Du bist doch nur getriggert“ oder ,,Du übertreibst total“ usw. Auch das fällt alles wieder unter: Bitte nimm mich ernst!

Wenn ich etwas sage oder emotional reagiere, dann tue ich das, weil es mich gerade ehrlich belastet. Egal ob es die jetzige Situation ist oder ich tatsächlich durch das Jetzige „nur“ getriggert wurde (wo trotzdem die aktuelle Situation eine Rolle spielt) und es etwas Altes mit hochholt. Wenn du solche Phrasen verwendest, dann hört und fühlt sich das so an, als wären meine jetzigen Gefühle absolut unrelevant und nervig. Irgendwas, was durch eine dumme Laune der Natur ausgelöst wurde und gleich wieder vorbei ist. Wie eine Fehlfunktion bei einem Computer.

Frag doch einfach nach. Such einen Dialog mit mir. Vll auch nicht sofort in der Situation. Warte ruhig bis du dich und ich mich beruhigt haben. Aber wisch mich nicht mit sowas weg.

3. Kein Vergleichen

Das mache ich selbst schon ständig. Bitte tu mir das nicht auch noch an!

Vor fast 2 Jahren erzählte ich einem damaligen Freund von meiner Diagnose und das ich in eine Fachklinik möchte. Eine die sich wirklich mit Trauma auskennt und nicht wieder eine, die alles nur noch schlimmer macht. Er erzählte mir dann von einer, in der er war und das ich da unbedingt hin soll. Dort wären sogar Frauen gewesen die Reinigungsmittel getrunken hätten und denen es deshalb viel schlim… Da biss er sich auf die Zunge. Ich weiß aber was er sagen wollte: ,,Denen es viel schlimmer ging, als dir.“ Sowas tut einfach nur weh.

Ich habe eine fantastisch fest sitzende Maske. Die kann ich auch in Extremsituationen kaum ablegen. Nicht vor außenstehenden Menschen. Und nur weil ich viel lächle und mit anderen kaum über das rede, was gerade WIRKLICH in mir und privat (wenn ich alleine bin) los ist, heißt das nicht, mir fehlt nichts oder „weniger“ als anderen. Nur weil ich nicht jeden, bei jeder Begegnung all meine Traumata in allen Einzelheiten um die Ohren klatsche und ständig betone WIE schlecht es mir doch geht, bin ich nicht „weniger schlecht dran“.

Und seht ihrs? Schon fange wieder damit an: Ich rechtfertige mich. Ich fange an zu erklären und machen. Das will ich aber gar nicht. Ich will einfach nur ernst genommen werden. Ich fühle mich durch solches Vergleichen minderwertig und unsichtbar. Unrelevant. ,,Die anderen sind wichtig, aber nicht du.“ – Das ist die Botschaft, die dadurch immer wieder bei mir ankommt.

4. Erklären, statt übergehen

Manchmal ist es so, dass man einfach nicht weiß wie man auf etwas reagieren soll. Das ist total normal. Aber wenn ich mich schon einmal traue, mich ein wenig zu öffnen und über meine Gefühlswelt zu reden, dann ignoriere das bitte nicht.

Mit ignorieren meine ich, dass einfach gar nicht mehr reagiert wird, aus Angst vllt. das Falsche zu sagen oder aus Überforderung o.ä. Wenn ich dir etwas sehr privates erzähle und du mich daraufhin anguckst wie ein Esel, der ne andere Sprache spricht und dann einfach schnell das Thema wechselst, verletzt mich das. Für mich ist es okay, wenn du über bestimmte Themen nicht reden willst. Solche Themen haben wir alle. Oder wenn du mit der Situation gerade total überfordert bist oder what ever. Aber dann sag mir das einfach. Mit sowas kann ich umgehen. Wenn ich jedoch einfach ignoriert werde, dann signalisiert mir das wieder: ,,Du bist unwichtig“ und noch viel schlimmer, holt das Dinge hoch und ich fühle mich wieder wie ein Gegenstand. Einer der höchstens zum benutzt werden gut ist.

Manchmal hilft ein einfaches: ,,Wie fühlst du dich?“ oder ,,Was brauchst du gerade?“ oder ein ehrliches: ,,Ich habe dich gehört und stehe hinter dir“ schon vollkommen aus. Es müssen keine Lösungswege vorgeschlagen (das Problem lösen kann eh niemand außer man selbst) oder sonst was getan werden. Das Gefühl nicht allein zu sein und Rückhalt zu bekommen, reicht mehr als aus. Es ist nicht schön immer allein zu sein und sich durch ignoriert werden, weiter allein zu fühlen.

5. Keine leeren Versprechungen

Oder auch: Meine das, was du sagst.

Für mich ist Sicherheit unglaublich wichtig. Mir ist bewusst, dass es sowas wie Sicherheit eigentlich nie gab oder geben wird. Man kann nichts voraus planen und sich immer sicher sein. Trotzdem habe ich nicht das normale Resilienz-Paket von vllt. manch anderem. Um überhaupt irgendwie durch den Tag zu kommen, brauche ich ein gewisses Maß an gefühlter Sicherheit. Alles andere bedeutet für mich Hochstress.

Wenn du mir jetzt immer wieder Zusagen machst, aber nichts davon einhältst, dann steigt auch mein Stresslevel. Für dich mag das nicht von Bedeutung sein, aber für mich ist es sehr wichtig das ich wieder lerne Vertrauen aufzubauen. Wenn ich aber ständig mit dieser Unsicherheit konfrontiert bin und nie richtig einschätzen kann, wann sich wer wie verhält, bleibe ich in diesem Dauer-Hochstresszustand, weil das: ,,Du kannst NIEMAND vertrauen und glauben“ permanent bestätigt wird. Es sind manchmal tatsächlich die kleinen Sachen, die entscheidend sind.

6. Keine Ratschläge

,,Ratschläge sind auch nur Schläge“ – Das lese ich oft. Ich will Ratschläge aber gar nicht so allgemein verteufeln. Ich denke die Art der Kommunikation und ob man mit dem Vorgeschlagenen in Resonanz gehen kann, spielt da immer eine sehr große Rolle. Und da sind wir eigentlich auch schon beim Kernpunkt: Die Kommunikation.

Ratschläge werden oft auf dieser: ,,Du musst das so und so machen“ und ,,Na ich hab alles schon genauso durch und weiß es deshalb besser„-Tour rüber gebracht. Nein, du hast so etwas noch niemals GENAUSO durchgehabt. Niemand ist gleich. Auch wenn du denkst, du wüsstest wie ich ticke, ist das nicht so. Du siehst die Welt aus deiner Perspektive und ich aus meiner. Also respektiere bitte meine Meinung, über mein Leben. Du hast etwas ähnliches durch und kannst mir deshalb davon erzählen wie du gehandelt hast. Das bietet mir die Chance, einen Weg aus einer anderen Perspektive zu sehen. Es ist eine neue Sichtweise und eine neue Möglichkeit, die mir dadurch eröffnet wird. Tun muss ich davon aber überhaupt nichts, weil niemand weiß, ob dieser Weg FÜR MICH der Richtige sein wird oder nicht.

Zeig mir neue Wege. Zeig mir neue Sichtweisen. Aber bitte nötige mich nicht dazu, diese auch zu übernehmen. Lass mich selbst entscheiden. Das heißt auch kein: ,,Na wenn du meinst“ o.ä. Nichts was ein schlechtes Gewissen/Gefühl auslösen soll, weil ich eine eigene Entscheidung treffe und nicht deine exakt übernehme.

7. Loyalität

Eigentlich ist das unter (echten) Freunden oder Partnern eine Selbstverständlichkeit. Eigentlich.

Sagen wir, ich habe Streit mit Person XY, wegen irgendwas zwischenmenschlichen. Irgendwas, wegen was man sich halt mal streitet. Dann ist das ein Ding zwischen mir und dieser Person. Ich kann mit jemand anderes darüber sprechen, mich auskotzen oder mir Rat holen. Zu erwarten das derjenige, mit dem ich darüber spreche, wegen sowas jedoch Partei ergreift, halte ich für nicht richtig. So die normalen Streitthemen, die es eben mal gibt, sollte man untereinander klären und nicht zu einem Parteienkrieg erklären. Das halte ich für kontraproduktiv und meine ich damit also auch nicht.

Mir geht es darum, dass im Fall eines definitiv missbräuchlich stattfindenden Verhaltens (emotional, physisch und/oder sexuell) nicht auf: „Ne, ich bin da total neutral“ gemacht wird. Früher habe ich solches Verhalten immer und immer wieder durchgehen lassen. Heute gibt’s dafür, von mir, keine 2. Chance mehr. Es kann einfach nicht angehen, dass man sich selbst als Freund o.ä betrachtet, aber dann mit Menschen zusammen sitzt und chillt, die mir offensichtliche Gewalt zugefügt haben. Heute, rückblickend und reflektierend, muss ich wirklich sagen: „Wie Charakterlos muss man sein, wenn man bei traumatisch, missbrauchenden Verhaltensweisen auf Neutralität bestehen möchte?„. In diesem Fall ist für mich Schweigen Zustimmung.

Schaut, da ist eine Person die dich jeglicher Macht beraubt. Demütigt, verletzt und hilflos fühlen lässt und dann sitzt du, als eigentlicher Freund da und regst dich nur nicht nicht auf, sondern verbringst weiter freiwillig deine Zeit mit diesem Menschen. Man muss manches gar nicht sagen, die Handlung spricht oft mehr als tausend Worte. Die glasklare Botschaft ist, egal ob dir das bewusst ist oder nicht, dass du 1. Meinen Schmerz überhaupt nicht siehst und ernst nimmst und 2. Das dir die Person, die sich akut missbrauchend verhielt (wir reden hier nicht von einem Fubar), wichtiger ist, als ich. Das Signal ist: „Lieber übersehe/relativiere/rechtfertige ich akuten Missbrauch, als das ich für dich Position beziehe und einstehe„.

Von fremden Menschen ist dieses Verhalten verletzend, aber von einer Person, der man Vertrauen schenkt (einem Freund eben) ist es für mich persönlich nicht minder traumatisierend, als der Missbrauch (welcher Art auch immer) selbst. Von so einer nahestehenden Person ist es die Bestätigung wertloser zu sein, als ein Mensch der sich derart abartig verhielt.

Ich persönlich habe mittlerweile solche Menschen aus meinem Leben entfernt. Vllt. regt es aber den ein oder anderen, der einen auf Schweiz versucht zu machen, mal zum darüber Nachdenken an. 100pro ist das meist nicht die beabsichtigte Botschaft, aber ob Absicht oder nicht ändert ja nichts an den Auswirkungen 🤷‍♀️.

8. Kein Druck

Ja, es gibt Menschen die unter Druck zu Höchstleitungen auflaufen. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ganz im Gegenteil funktioniert unter Druck bei mir überhaupt nichts mehr.

Indem du mich also ständig darauf hinweist, was dir an mir oder meinem Handlungen falsch erscheint (ausgenommen KONSTRUKTIVE Kritik) und wie ich das denn endlich mal besser machen könnte, hilfst du mir nicht im geringsten. Wenn man Resilienz aufbauen möchte/muss, dann ist es wichtig und wertvoll auch einmal wieder positive Seiten an sich oder generell dem Leben zu erfahren. Ich mein jetzt nicht permanente und völlig unangebrachte Lobhudeleien damit. Sondern eher, dass man mal versucht nicht nur die negativen Dinge anzusprechen, sondern genauso die positiven. Wir neigen als Menschen heutzutage so sehr dazu unseren Mund nur aufzumachen, wenn uns etwas nicht passt. Und konstruktive Kritik ist, wie gesagt, definitiv wichtig und richtig. Nicht nur für die gegenseitige Kommunikation, sondern auch für das persönliche Wachstum.

Das ganze andere, ständige Gemecker führt aber in den meisten Fällen nur zu Selbstwert und -bewusstseins Problemen. Zu Druck und dem Gefühl erst dies und jenes erfüllen zu müssen, um vollwertig zu sein. Nehmen wir die Beispiele A.: Obwohl ich immer recht schlank war, kamen früher (als noch Kontakt bestand) ständig Kommentare meiner Oma wie dick meine Oberschenkel mal wieder geworden wären. Wenn dein Gegenüber 300kg wiegt und du dir ernsthaft gesundheitliche Sorgen um denjenigen machst, dann geht ein ähnlicher Hinweis mögl. klar. Aber welchen produktiven Nutzen hat solches Gemecker? Mit solchen oder ähnlichen Aussagen erreichst du doch nicht mehr, als das der andere unter Druck gerät etwas schlimm zu finden oder plötzlich verändern zu „wollen“, was ihn überhaupt nicht gestört hätte. Es ist dein Problem. Mach es nicht zu dem des anderen.

Oder B.: Las ich z.B mal auf einen Profil einer KPTBS-Betroffenen einen Kommentar, dessen Aussage grob war: „Du machst jetzt schon so lange Therapie, warum bist du immer noch nicht weiter gekommen? Eigentlich müsstest du schon mal bisschen besser klar kommen“ – Was soll so etwas deinem Gegenüber bringen? Das mag ja deine Meinung sein und das ist durchaus okay, aber was denkst und erwartest du, bringt dieser Kommentar? Ich sag’s dir. Nichts anderes als Druck und Selbstvorwürfe (was den Selbstwert wieder negativ beeinflusst). Mag vllt gar nicht so gemeint sein, aber ich finde mittlerweile, dass man von einem erwachsenen Menschen durchaus erwarten und verlangen darf, dass er vorher auch mal darüber nachdenkt, ob die beabsichtigte Aussage gerade für irgendwem einen echten und produktiven Nutzen hat oder zumindest zu einem produktiven Diskurs beitragen kann.

9 Formen von Amnesie

Was ist Amnesie?

Das Wort Amnesie leitet sich aus den griechischen Begriffen “a” (nicht, ohne) und “mnesis” (Erinnerung) ab und steht für einen Gedächtnisverlust.

Meistens wird die Amnesie durch etwas bestimmtes ausgelöst und ist zeitlich begrenzt. In seltenen Fällen kann es aber auch dazu kommen, dass sich die Erinnerungen nie wieder einstellen.

Ursachen für Amnesien

Organische:

  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch
  • Vergiftungen
  • Gehirnerschütterung
  • Migräne
  • Demenz
  • Epilepsie
  • Schlaganfall
  • Hirntumor
  • Gehirn- und Hirnhautentzündungen
  • Herzstillstand
  • organisch bedingte psychische Störungen
  • Mangelernährung ( Thiaminmangel)

Psychische:

  • extreme Stressbelastung (psychisches Trauma)
  • Psychosen

Formen von Amnesien

1. Anterograde Amnesie

So sogenannte vorwärtswirkende Amnesie kommt am häufigsten vor. Dabei ist das Kurzzeitgedächtnis gestört und Betroffene können neue Gedächtnisinhalte nur noch schwer abrufen. So werden neue Sachen oft schon nach 1-2 Minuten wieder vergessen. Im Prinzip wird also alles vergessen, was nach der Ursache für die Anterograde Amnesie passiert.

Meist kennt man diese Form der Amnesie aus dem Bereich der Demenz und Alzheimer. Dort wird sie also durch neurodegenerative Krankheitsprozesse verursacht. Als weitere Ursache kommen aber auch Läsionen im Gehirn (z.B durch Kopfverletzungen oder Schlaganfälle ausgelöst) in Frage, sowie Nervengifte.

2. Kongrade Amnesie

Bei der kongraden Amnesie existiert eine Amnesie für das schädigende Ereignis selbst (psychisch oder physisch). Dabei erinnert man sich aber trotzdem noch an alles vor dem Ereignis und auch an alles danach.

3. Retrograde Amnesie

Betroffene erinnern sich hier an nichts mehr was vor dem auslösenden Ereignis stattfand. Man kann sich z.B absolut nicht mehr daran erinnern, was vor einem Unfall geschah und was ihn überhaupt ausgelöst hat. Oft ist die retrograde Amnesie zeitlich begrenzt und Betroffene bekommen ihre Erinnerungen bereits nach wenigen Minuten, Stunden oder Tagen zurück.

Auslöser für eine retrograde Amnesie könnten z.B traumatische Erfahrungen sein (also starker psychischer Stress) oder auch Infektionen. Genauso könnten aber auch eine Mangelernährung (Korsakow-Syndrom), ein Schädelhirntrauma oder neurochirurgische Eingriffe in Frage kommen.

4. Transiente globale Amnesie

Bei der transienten globale Amnesie kommen die anterograde und retrograde Amnesie zusammen. Diese Form der Amnesie tritt meist schlagartig auf und Betroffene können sich meist an nichts mehr aus der nahen Vergangenheit erinnern (retrograd). Ebenso nehmen sie keine neuen Inhalte mehr auf bzw. können sich diese nicht mehr merken (anterograd). Meist wissen die Betroffenen noch wer sie selbst sind, können sich aber nicht mehr erinnern wo sie sind und wie sie da hin kamen.

Als ich vor ein paar Jahren retraumatisiert wurde, brachen plötzlich die Blackouts durch und wurden für mich bemerkbar. Vorher (und leider auch heute oft wieder) habe ich die einfach nicht bemerkt (Amnesie für die Amnesie). Logischerweise fand ich das damals ziemlich gruselig und hab im Internet gesucht und geschaut, was denn mein Problem sein könnte. Ja und da bin ich auf die transiente globale Amnesie gestoßen. Ich habe da z.B über eine Frau gelesen, die in ihrem Auto saß und das noch sicher eingeparkt und abgestellt hat. Sich aber weder daran, noch an die Zeit vor dem Einparken oder danach erinnern konnte. Der fehlten einfach mehrere Stunden.

Deshalb dachte ich, dann kann ich nur das haben (Spoiler: War nicht so😅). Die transiente globale Amnesie ist nämlich auch nichts schlimmes. Die hört sich total gruselig an, hat aber (soweit bisher bekannt) keine schlimmen Ursachen oder Folgen. Von daher hatte ich eine Erklärung für die Blackouts, hatte auch keine Angst mehr das es etwas schlimmes sein könnte und hab’s deshalb dann halt einfach so hingenommen und auch nicht untersuchen lassen o.ä. Ab und an hab ich halt mal nix mehr mitbekommen – Gehörte dann eben einfach zu mir.

Sie kann übrigens zu Amnesien von 1-24h führen und kommt bei den meisten nur einmalig vor. Außerdem bleiben, bis auf die Amnesie für diesen Zeitraum, keine Schäden zurück.

5. Globale Amnesie

Sie gilt als die schwerste Form der Amnesien. Auch hier kommen anterograde und retrograde Amnesie zusammen, also es besteht sowohl keine Erinnerung mehr an die Vergangenheit und zudem können auch keine neuen Erfahrungen mehr abgespeichert werden. Gespeicherte Abläufe die vor der Amnesie erlernt worden, wie Fahrrad- oder Autofahren, können die Betroffenen aber meist noch ausführen.

In ihrer vorübergehenden Form kennt man sowas nach zu viel Alkohol oder auch durch Drogen- oder Medikamentenmissbrauch (Benzos z.B).

6. Amnestisches Syndrom (Korsakow-Syndrom)

Dabei ist das Langzeitgedächtnis gestört, weshalb sich Betroffene nicht mehr an länger zurückliegende Ereignisse erinnern können. Aber auch das Kurzzeitgedächtnis kann ebenfalls gestört sein, weshalb manche dann Neues nicht mehr richtig lernen können. Sie haben Probleme sich zeitlich zu orientieren und wirken oft auch desorientiert. Gewohnte Handlungsabläufe stellen dabei meist jedoch kein Problem dar. Viele Patienten füllen ihre Gedächtnislücken dann auch mit erfunden Material.

Meist tritt diese Form der Amnesie bei Langzeitalkoholikern auf, aber auch Erkrankungen des Gehirns können eine Ursache dafür sein (organisch amnestisches Syndrom).

7. Infantile und Puberale Amnesie

Von der infantilen Amnesie sind die allermeisten Menschen betroffen. Bei ihr geht es nämlich darum, dass man alles vergessen hat, was vor dem 3. Lebensjahr passiert ist.

Die puberale Amnesie ist jedoch schon etwas spezifischer. Bei ihr wird alles vergessen, was sich um sexuelle Inhalte vor der Pubertät dreht. Jugendliche vergessen dabei also beim Eintreten und fortlaufen der Pubertät, dass sie jemals Doktorspiele gemacht haben oder sich anderweitig mit sexuellen Inhalten beschäftigten. Aber auch das Vergessen/Verdrängen eines erlebten sexuellen Missbrauchs zählt mit dazu.

8. Psychogene (dissoziative) Amnesie

Die dissoziative Amnesie ist eine Unterform der kongraden Amnesie, bei der ein traumatisches Erlebnis und/oder ein hohes Stresslevel Ursache für das Nicht-Erinnern ist. Autobiografisches wird schneller vergessen, Allgemeinwissen bleibt wiederum verfügbar. Dabei kommt es meist also auch zu einer retrograden Amnesie, eine anterograde fehlt jedoch. Neues kann also ganz normal aufgenommen und abgespeichert, altes jedoch nicht mehr abgerufen werden. Dabei kann die Amnesie von wenigen Sekunden oder Minuten bis hin zu mehreren Jahrzehnten reichen.

Wie das Gehirn so etwas überspielen und einem vorgaukeln kann, dass man sich an alles erinnern würde, habe ich in „Falsche Erinnerungen“ schon mal beschrieben. Mir fiel das tatsächlich erst im Laufe der letzten 2 Jahre richtig auf, WIE VIEL mir eigentlich wirklich fehlt.

9. Amnesien zwischen dissoziativen Persönlichkeitsanteilen

Das ist nochmal ein bisschen was anderes, als die dissoziative Amnesie. Die Anteile sind zwar ebenfalls durch dissoziative Barrieren von einander getrennt, welche einmal durch traumatische Erlebnisse entstanden. Jedoch kommt es dann später zur Amnesie („Blackout“) wenn die Anteile untereinander wechseln (eben weil sie durch diese Barrieren getrennt von einander sind) und nicht nur, wenn etwas traumatisches passiert. Das ist also anders, als bei der kongraden, retrograden usw.

Guckt, stellt euch die dissoziativen Wände im Gehirn und zwischen den Anteilen jetzt einmal wie die Wände in diesem Parkhaus vor. Auf jeder Parkebene steht ein Auto und links ist für alle der Ausgang. Den Ausgang stellen wir uns jetzt als das „vorn/draußen“ sein vor. Auf dem linken Bild kann das untere Auto nach vorn fahren. Für diese Zeit, wo das untere Auto raus fährt, parkt das obere und bekommt nichts mit.

Und das gleiche auf dem rechten Bild. Dort muss das untere Auto warten, während das obere Auto rausfahren kann und auch nur das obere Auto in diesem Moment mitbekommt, was sich draußen abspielt. Das untere kanns ja nicht mitbekommen, da es drinnen parkt und durch die dicke Wand nichts sehen kann. Wenn wiederum zwischen manchen Parkebnen/Autos die Wände Löcher haben, wie bei einem Gitter z.B, dann kann es sein, das auch das Auto das noch drin parkt ein bisschen was von dem mitbekommt, was das andere Auto „draußen“ erlebt.

Ohwei, war das Beispiel jetzt überhaupt nachvollziehbar 🤔😅?

Empathie

Was ist Empathie?

Das Wort Empathie leitet sich aus dem altgriechischen „empátheia“ ab und bedeutet soviel wie „Mit-leiden“ oder „Mit -fühlen„.

Als mögliche Erklärung dafür werden übrigens unsere Spiegelneuronen in Betracht gezogen, welche im Stirnlappen des Gehirns dafür sorgen, dass wir die selben neuronalen Aktivitätsmuster zeigen, sowohl wenn wir eine Handlung ausführen, als auch wenn wir sie nur bei anderen beobachten. Und bei Emotionen ist das ebenso möglich, da die Spiegelneuronen dabei genauso aktiviert werden.

Empathie ist etwas unglaublich wundervolles und wertvolles, da sie uns die Möglichkeit eröffnet uns in andere Wesen hineinzuversetzen, hineinzufühlen und mit ihnen mit zu fühlen. Aber nicht nur andere können wir dadurch besser verstehen, sondern sogar auch uns selbst (wenn wir uns objektiv aus der Meta-Ebene betrachten).

Dennoch ist Empathie nicht gleich Empathie…

Welche Formen der Empathie gibt es?

Emotionale Empathie

= emotionale Sensitivität (affektiv)

Hier liegt das Hautaugenmerk beim Mitfühlen. Du siehst und verarbeitest die Gefühle eines anderen nicht nur, sondern du fühlst sie auch selbst. Es ist fast ein bisschen als würde man davon „angesteckt“.

Das kann soweit gehen, dass wenn z.B jemand in den Raum reinkommt und schlecht drauf ist, ich sofort spüren kann, dass da irgendwas nicht in Ordnung ist. Oft kann ich nicht genau zuordnen was es ist. Ich glaube das liegt aber oft auch an den konfusen Emotionen des anderen. Wir selbst empfinden ja schließlich auch nur selten ausschließlich Wut oder Trauer etc, sondern es ist oft ein Mix aus mehreren Gefühlen gleichzeitig. Oder wenn ich z.B Tiere in Gefangenschaft sehe, dann empfinde ich ihren Schmerz. Das Gefühl gefangen zu sein. Die Angst. Die Wut. Deshalb gehe ich z.B auch nicht gerne in Zoos oder Tierparks.

Die emotionale Empathie macht es uns möglich, sanfter und passender auf andere einzugehen, weil wir spüren was der andere braucht. Wenn jemand gerade total geladen ist oder traurig und du spürst das, dann kannst du deine eigenen Reaktionen ganz anders anpassen. Gleichzeitig kann sie aber auch unheimlich belastend wirken, da wir ständig allen möglichen Emotionen ausgesetzt sind, die wir gar nirgends richtig zuordnen können und dabei sogar noch denken, es wären unsere Gefühle. Wir fühlen uns dabei dann z.B plötzlich grundlos schlecht und wissen gar nicht warum.

Kognitive Empathie

= Perspektivenübernahme

Bei der kognitiven Empathie versteht und erkennt man die Emotionen des anderen, aber man fühlt sie nicht. Ich sehe also z.B dann das du gerade traurig bist, könnte aber nicht mit dir mitfühlen. Das hört sich so banal an, so nach: „Na das sieht ja aber jeder“ – Ja, ne 😅. Es gibt so Menschen, vor denen kannst du tränenüberströmt sitzen und die checken trotzdem nicht das es dir gerade nicht gut geht.

Aber es geht dabei nicht nur um das sehen der Gefühle, sondern auch um das Nachvollziehen der Gedanken(gänge), Absichten und Motive eines anderen. Seine Perspektive einnehmen zu können und zu sehen, was denjenigen antreibt. Auch die Körpersprache wird deshalb sehr gut lesen gelernt.

Die kognitive Empathie ist nicht angeboren, sondern erlernbar und ist, glaube ich, für den richtigen Umgang mit der emotionalen Empathie ungemein wichtig. Einfach weil man dann diese ganzen fremden Gefühle zuordnen und anders damit umgehen kann. Ich halte sie also für extrem wichtig, wenn man mit der Gabe des Mitfühlens richtig umgehen lernen möchte. Also so, dass sie man sie positiv einsetzen kann, statt sich davon beherrschen zu lassen. Wenn ich zuordnen kann, woher das alles kommt, übermannen mich die fremden Gefühle nicht mehr so stark.

Die kognitive Empathie wird z.B auch oft von Menschen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung erlernt und benutzt. Meist zur Manipulation, dennoch halte ich sie da auch im Therapiesetting sehr wertvoll. Wenn sie richtig erlernt wird, dann gibt das Menschen, die zu keiner emotionalen Empathie fähig sind (z.B durch Trauma, eine PS, usw.), eine unglaublich wichtige Ressource im sozialen Alltagsleben.

Soziale Empathie

Diese Form der Empathie bezieht sich auf ganze Gruppen und nicht nur auf Einzelwesen. So hat man z.B ein recht sicheres Gespür dafür, wie sich eine Gruppe verhalten wird oder warum sie etwas tut. Das wiederum gibt auch die Möglichkeit diese Gruppen zu beeinflussen. Gerade im Job, in Führungspositionen bspw., ist das eine sehr wichtige Gabe.

Das sowas aber gleichzeitig auch wunderbar zur Manipulation, wie z.B zu Propagandazwecken eingesetzt werden kann, muss ich jetzt nicht extra erwähnen, oder 👉👈😶🙈?

Sie hilft uns aber auch uns z.B in fremde Kulturen, Religionen, Geschlechter oder auch Weltanschauungen hineinzufühlen und diese verstehen zu können. Ich möchte mal behaupten, das ist uns großflächig (von allerlei „Seiten“) aber vll ein bisschen dezent abhanden gekommen? 🙊 (ich bin schon still jetzt😅)

Wie kann ich Empathie erlernen?

Es gibt verschiedene Wege, einige stelle ich hier jetzt einmal vor:

  • Nr. 1 – Achtsamkeit: Das A und O, egal bei was. Beobachte deine eigenen Gefühle wenn sie kommen: Was fühlst du gerade? Wieso ist dieses Gefühl da, was war der Auslöser? Wie fühlt es sich an? Wie äußert es sich? Wenn sich jetzt jemand ähnlich verhält, du eine ähnlich Emotion wahrnehmen kannst, dann versuche daran zu denken wie du dich gefühlt hast und was dir guttat oder was du dir in dem Moment gewünscht hast und versuche das in diesen Moment mit hineinzubringen.
  • Nr. 2 – Aufmerksamkeit: Ohne den anderen zu beobachten klappt das aber natürlich nicht. Deshalb sei aufmerksam! Schaue dir andere Leute genau an. Wie verhalten sie sich? Wie reagieren sie in bestimmten Situationen? Und wie interagieren sie miteinander? Welche Körperhaltung nehmen sie z.B ein, wenn jemand etwas in einem bestimmten Ton sagt? usw.
  • Nr. 3 – Beobachten: Beobachte dich selbst in der Interaktion mit anderen. Wie reagiert dein Gegenüber auf etwas von dir? Wie reagierst du? Welche Körperhaltung nimmst du ein? Wo stehen deine Füße oder die deines Gegenüber (weg von dir? will er lieber gehen?) ? Unterbrichst du andere oder wirst du unterbrochen? Wie reagierst du dann? Wie reagiert dein Gegenüber?
  • Nr. 4 – Hinterfragen: Wenn wir jemand in eine Schublade packen wollen, dann passiert das meist aufgrund unserer eigenen Gedanken, die wir auf den anderen projizieren. Bevor du also jemand verurteilst, hinterfrage erst einmal seine Absichten. Warum hat er so reagiert? Warum das gesagt? Was könnte das für einen Hintergrund haben? Welche Anzeichen deuten auf den möglichen Hintergrund hin? Da ist wieder genaues zuhören wichtig. Versuch dabei objektiv zu bleiben und dich nicht von deinen eigenen Emotionen übermannen zu lassen.
  • Nr. 5 – Rollentausch: Stell dir vor, wie es wäre im Körper und Denken des anderen zu stecken. NICHT in seinem Körper, aber mit deinem Denken (das führt zu Verurteilung). Sowas kann z.B über Theaterspiele sehr gut funktionieren. Du bist jetzt nicht mehr Petra z.B, sondern du schlüpfst in die Rolle von Hans-Werner. Du ziehst nicht nur seine Kleidung an, sondern du musst die ganze Theateraufführung lang Hans-Werner SEIN und dich so verhalten. So etwas erlaubt dir aus deiner Perspektive/Sichtweise herauszukommen und den anderen besser verstehen zu lernen.

Gibt es ein Gegenteil von Empathie?

Türlich, es gibt doch für alles ein Wort 😂.

Ekpathie.
Ekpathie bezeichnet dabei aber nicht die Gefühlskälte oder Gleichgültigkeit gegenüber anderen, sondern kann eher als eine Art Schutzmechanismus bezeichnet werden. Dabei geht es darum sich nicht so leicht ausnutzen oder missbrauchen zu lassen.

Wie schon erwähnt, kann uns Empathie auch ganz schöne Probleme bereiten. Stell dir einen Kollegen oder meinetwegen auch Partner vor, der herausfindet das du plötzlich viel mehr Rücksicht auf ihn nimmst, selbst mehr zurücksteckst oder alles mögliche für ihn tust, sobald du merkst das es ihm schlecht geht. Dieses Verhalten ist eine wundervolle Sache und ich mache das auch ständig, aber es ebnet eben auch den Weg für Manipulation und Missbrauch. Der andere kann seine Emotionen so nach Belieben einsetzen und dich für seine Zwecke ausnutzen.

Bei der Ekpathie lassen wir uns weniger auf die Emotionen anderer ein. Wenn der andere also gerade einen Wutanfall bekommt, dann grenzen wir uns davon emotional ab, statt uns davon mitreißen zu lassen. Es geht nicht darum, nicht mehr mit dem andern mitzufühlen, sondern darum eine Grenze zwischen sich selbst und dem anderen zu ziehen.

Empathie und Trauma

So, ich hatte das bei der Hochsensibilität ja schon angeschnitten und wollte heute noch einmal näher drauf eingehen, warum es z.B für komplex traumatisierte Menschen wichtig war, Empathie, vor allem die kognitive, so gut auszubilden. Ich versuche das wieder mit Beispielen näher zu erklären:

Unberechenbarkeit

Als Kind brauchen wir vor allem Sicherheit. Wir haben keinerlei Ressourcen, aus denen wir schöpfen könnten, sollten die Zeiten einmal unsicher werden. Und wenn wir nun in einer Umgebung aufwachsen, die absolut unvorhersehbar ist, dann ist es für uns ungemein wichtig sie irgendwie vorhersehbar zu machen. Zumindest das Gefühl von Kontrolle zurückzuholen.

Meine Mutter war z.B nie wirklich gut einzuschätzen. Sie saß am Tisch und machte Scherze und im nächsten Moment flippte sie völlig aus oder wurde sehr gemein. Was der Grund war, wusste man nie wirklich. Mal wars ein falsches Wort (das vorher noch nie störte), ein „falscher“ Blick, mal war ich zu fröhlich, mal zu schlecht drauf. Mal war ich falsch weil ich keine Freunde hatte, dann wiederum sollte ich bloß keine mitbringen, usw. Wie ihr die Laus halt gerade über die Leber gelaufen ist. Dafür habe ich sie früher gehasst. Für diese Unvorhersehbarkeit. Meist hatte ich auch das Gefühl es ist mehr meine Existenz die sie stört und all die anderen Gründe waren nur ein Vorwand. Aber auch wenn [ich] keine Erinnerung daran habe, weiß ich, dass sie durchaus auch sehr nett sein konnte.

Interessanterweise habe ich jedoch gar keine Erinnerung an irgendwelche Strafen. Nicht eine einzige. Meine Eltern habe ich eher sehr desinteressiert in Erinnerung. Ich habe jedoch Szenen im Kopf, wo ich versucht habe mir selbst Strafen geben, wenn ich was angestellt habe, in der Hoffnung das ich dann keine von ihnen bekomme. Und heute noch habe ich furchtbare Angst vor einer möglichen Strafe wenn ich etwas falsch mache, was mir irgendwo sagt, dass es dann wohl doch welche gegeben haben muss.

Eine Szene ist mir da z.B in Erinnerung: Ich muss noch sehr klein gewesen sein. Höchstens 3-4 Jahre alt. Ich saß in meinem Zimmer, an so einer Kinderschminkkommode und ich weiß noch, dass es vorher einen Streit gab bzw. ich Ärger bekam. Ich zog eine der Schubladen an dieser Kommode auf und die war voller kleiner Papierschnipsel. Von einem Blatt Papier in meiner Hand riss ich weiter Stückchen ab und freute mich dabei unheimlich, weil ich dachte jetzt keine Angst haben zu müssen, dass ich verhungere, falls sie mir jetzt nichts zu essen geben sollten. Ich dachte ihnen mit dem Papier ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Keine Ahnung wies weiter ging oder was vorher war. Ich schätze aber nicht, dass ein Kind in diesem Alter auf so einen Gedanken kommt, ohne das es dazu bereits einen Hintergrund gab …

Sich anpassen

Wenn du jetzt also ständig Angst haben musst, dass der kleinste Fehler eine schlimme Strafe zur Folge hat, dann versucht du alles um das zu vermeiden. Das betrifft ja nicht nur die Kindheit. Dieses Phänomen lässt sich auch in Beziehungen zu stark narzisstischen Partnern beobachten oder z.B bei Geiselnahmen, usw.

Es ist wichtig zu lernen, wie dein Gegenüber gerade drauf ist. Welche Emotionen er hat, um dich darauf einstellen zu können. Es ist wichtig seine Körpersprache lesen zu lernen oder seine Absichten schnellst möglich zu erkennen, um für dich am sichersten darauf reagieren zu können. Wenn du ein kleines Detail übersiehst, kann das für dich schlimme Konsequenzen haben. Also beobachtet man und lernt. So kann man versuchen die Gefahr schon von vornherein zu neutralisieren oder wenigstens zu minimieren.

Bewusst ist uns das eher selten. Wir stellen uns darauf ganz unterbewusst ein und merken meist erst irgendwann später, dass wir wirklich gut im lesen anderer Leute sind. Das schützt uns nicht automatisch vor erneuten Missbrauch, kann aber tatsächlich die Gefahr, noch mehr Leid erdulden zu müssen, enorm reduzieren.

Hochsensibilität

Hochsensibilität und Empathie sind, glaube ich, nicht immer ganz einfach voneinander zu trennen. Der übersichtskeithalber haben wir das jetzt trotzdem einmal gemacht. Heute versuchen wir also erst einmal die Hochsensibilität auseinander zu klamüsern und nächste Woche schauen wir uns dann das Thema Empathie näher an.

Was ist Hochsensibilität eigentlich?

Hochsensibilität ist weder eine klinische Diagnose, noch wird sie als Störung angesehen. Man könnte sie vll eher als Eigenschaft oder Persönlichkeitsmerkmal betrachten.

Hochsensible Menschen reagieren dabei viel stärker auf äußere, sensorische Einflüsse. Also d.h alles was über die Sinne wahrgenommen werden kann.

In gewisser Weiße ist sie da der Hypervigilanz recht ähnlich und wird daher auch oft mit ihr verwechselt oder über einen Haufen geworfen, da es bei beiden z.B schnell zu einer Reizüberflutung und Überlastung des Nervensystems kommen kann. Hochsensible Menschen nehmen äußere Reize ebenfalls sehr stark und in hohem Maße auf, weshalb sie sich in einer reizüberfluteten Umgebung nicht wohl fühlen und schnell „überladen“. Das ist bei der Hypervigilanz ähnlich, nur das die Reizüberflutung meist aus dem permanenten Abscannen der Umgebung und der ‚Hab-Acht‘ Stellung kommt, was das Nervensystem einfach irgendwann überreizt. Das permanente ‚Angespannt sein‘, die ständige Befürchtungs-, sowie Angsthaltung oder das schnelle Überkochen der Emotionen, sind also eher der Hypervigilanz zuzuordnen und kommen bei der Hochsensibilität nicht zwangsläufig vor.

Weiter liegt ein wichtiger Unterschied darin, dass die Hypervigilanz durch Trauma entsteht, wo hingegen jedoch die Hochsensibilität bereits angeboren sein und auch ohne Trauma existieren kann. Beides kann aber selbstverständlich auch gleichzeitig vorhanden sein.

Arten der Hochsensibilität

Ich persönlich weiß nicht, ob man das immer so genau einteilen muss. Manchen jedoch hilft es zu wissen, was genau wie mit ihnen los ist. Daher gehen wir auf die möglichen Unterschiede trotzdem einmal näher ein. Die meisten Hochsensiblen finden sich übrigens in mehreren Gruppen wieder. Bei wem nur eine zutrifft, der ist wahrscheinlich nicht hochsensibel.

Sensorische Hochsensibilität

Betroffen sind dabei meist nur 1-3 Sinnesorgane. Es können im Ausnahmefall aber auch alle betroffen sein. Zudem können die Ausprägungen (von – bis) auch total unterschiedlich auftreten.

  • Akustische: Die Lärmempfindlichkeit kommt sehr häufig vor. Dabei ist aber nicht gemeint, dass laute Musik, Baulärm o.ä an sich für schlimm empfunden und gemieden wird. Viele können das asogar problemlos „überhören“. Eher hört man viel leichter und schneller Geräusche und stört sich daran, als nicht-hochsensible Menschen. Das Brummen des Kühlschranks z.B oder das Surren einer Lampe. Besonders bestimmte Frequenzen stellen für viele auch ein großes Problem dar.
  • Taktile: Dabei ist die Haut unheimlich empfindlich. Jede noch so kleine Kleinigkeit, wie ein Haar auf dem Arm, eine Wimper auf der Wange, die Nähte der Kleidung, ein Krümel im Bett (,,Die Prinzessin auf der Erbse„), Stückchen im Essen (gerade bei Kindern) oder sogar Luftbewegungen werden extrem deutlich wahrgenommen und als unheimlich störend empfunden. Auch ein erhöhtes Schmerzempfinden gehört dazu, sodass nicht nur ärztliche Untersuchungen, sondern sogar auch das Nägel und Haareschneiden Schmerzen bereiten können. Sogar Bewegungen im Körper können von einigen wahrgenommen werden. Auch Hitze und Kälte werden z.B viel stärker registriert. Bereits kleine Temperaturunterschiede können da z.B schon zum Problem werden. Es gibt sogar Menschen die Tumore, wie bspw. Brustkrebs, ertasten können.
  • Olfaktorische: Hier ist der Geruchssinn unheimlich gut ausgebildet. So können manche Ärger, Stress und sogar Angst beim Gegenüber riechen. Sie nehmen körpereigene Gerüche viel stärker wahr und können Personen dadurch problemlos allein an der Kleidung auseinanderhalten, usw.
  • Gustatorische: Die feinsten Geschmäcker werden wahrgenommen. Ich schmecke z.B sofort, wenn etwas nur im geringsten Maße Schimmelsporen enthält, während andere jenes noch problemlos essen, da sie überhaupt nichts bemerken. Den rieche ich z.B auch viel eher als andere.
  • Visuelle: Besonders Licht spielt hierbei eine große Rolle. Entweder kann z.B besonders viel (Sonnen)Licht, für eine ausgeglichene Stimmung, notwendig sein oder umgedreht wird versucht grelle Lichtquellen zu meiden. Was ich z.B auch gar nicht abkann ist flackerndes Licht. Da könnte ich ausrasten.

Geistige Hochsensibilität/Hochsensitivität

Eigentlich reden wir hier schon vom sogenannten „6. Sinn„. Alles was in den Bereich der übersinnlichen Wahrnehmung fällt, läuft unter diese Kategorie und auch hier gibt es wieder Ausprägungen von bis. Einige haben z.B prophetische-/Wahrträume, also Träume von der Zukunft, die sich dann auch erfüllen. Ich sehe zwar keine Aura, nehme sie bei manchen Menschen aber sehr deutlich wahr, also vom Fühlen her. Wesenheiten, Schwingungen aus der Umgebung und von den Mitmenschen, magnetische Felder, etc. können wahrgenommen werden, uvm.

➡️ Ich persönlich halte eine übersinnliche Wahrnehmung übrigens auch nicht für „Möchtegern-Esoterischen Schwachsinn“ o.ä. Alles was wir kennen, was die Physik kennt, ist auf Energie, Schwingung und Frequenzen aufgebaut. Ich wüsste keinen logischen Grund, warum einige Menschen diesbezüglich nicht eine feinere Wahrnehmung haben sollten. Man denke da nur an die unterschiedliche Wahrnehmung zwischen einigen Tieren und Menschen z.B.

Ethische Hochsensibilität

Dabei geht es um ein starkes Gerechtigkeitsempfinden und ein sehr gutes Gespür für richtig und falsch. Viele sind auch sehr pflichtbewusst und neigen leider zur Selbstaufgabe. Zudem wird viel schneller wahrgenommen, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht.

Kognitive Hochsensibilität

Ich finde den Begriff: ,,Holistische Denkweise“ da besser. Es wird also nicht nur einem Gedankengang linear gefolgt, sondern an diesen einen Gedanken werden viele andere angeknüpft. Alte, abgespeicherte Informationen werden damit verbunden und dieser eine Gedanke teilt sich wie ein Prisma in viele verschiedene Richtungen auf. Situationen und Themen werden ganzheitlich (holistisch) und von oben gesehen, statt wie in einem Tunnel.

Emotionale Hochsensibilität

Gefühle werden viel stärker und auch länger wahrgenommen und empfunden. Auch die Gefühle aus der Umgebung und von anderen Wesen schwappen auf einen über. Und hier kommen wir dann auch in den Bereich der Empathie. Darum gehts dann nächste Woche.

Bin ich Hochsensibel?

Die Psychologin Elaine Aron entwickelte speziell dazu einen Test, welcher sich auch bis heute durch viele wissenschaftliche Studien stützen ließ. Ich habe auch schon mal so einen Test gemacht (25 treffen zu 😅), allerdings finde ich den nicht unbedingt notwendig. Meistens spürt man ja, das irgendetwas mit einem anders ist und man stärker auf manche Dinge reagiert, als andere. Wenn mehr als 14 Aussagen zutreffen oder aber auch wenn weniger zutreffen, diese dafür aber in besonders starken Ausmaß, ist es wahrscheinlich hochsensibel zu sein. Übrigens sind ca. 15 – 20 % der Bevölkerung Hochsensibel.

Zum Test

  1. Ich fühle mich leicht überwältigt durch starke Sinneseindrücke.
  2. Offenbar habe ich eine feine Wahrnehmung für Unterschwelliges in meiner Umwelt.
  3. Die Stimmungen anderer Menschen beeinflussen mich.
  4. Ich reagiere eher empfindlich auf körperlichen Schmerz.
  5. Ich habe an geschäftigen Tagen das Bedürfnis, mich zurückzuziehen – entweder in ein dunkles Zimmer oder an einen anderen Ort, wo ich allein sein und mich von der Stimulation erholen kann.
  6. Auf Koffein reagiere ich heftiger als viele andere Menschen.
  7. Ich fühle mich schnell überwältigt von Dingen wie grelle Lichter, starke Gerüche, raue Textilien auf meiner Haut oder Martinshörner in meiner Nähe.
  8. Ich besitze ein reiches, vielschichtiges Innenleben. (könnte man so sagen😂🙈)
  9. Laute Geräusche bereiten mir Unbehagen.
  10. Kunst oder Musik bewegen mich tief.
  11. Manchmal liegen meine Nerven derart blank, dass ich nur noch alleine sein möchte.
  12. Ich bin ein gewissenhafter Mensch.
  13. Ich bin schreckhaft.
  14. Es bringt mich leicht aus der Fassung, wenn ich in kurzer Zeit viel erledigen muss.
  15. Wenn andere Menschen sich in einer Umgebung unwohl fühlen, weiß ich eher als manche andere, was notwendig ist, um Wohlbefinden herzustellen (zum Beispiel durch eine Veränderung der Beleuchtung oder der Sitzordnung).
  16. Ich werde ärgerlich, wenn man von mir erwartet, zu viele Dinge gleichzeitig zu tun.
  17. Ich gebe mir große Mühe, Fehler zu vermeiden oder Dinge nicht zu vergessen.
  18. Fernsehsendungen und Spielfilme mit Gewaltszenen meide ich.
  19. Ich fühle mich unangenehm erregt, wenn sich um mich herum viel abspielt.
  20. Hungergefühle stören nachhaltig meine Konzentration und beeinträchtigen meine Stimmung.
  21. Veränderungen in meinem Leben treffen mich sehr heftig.
  22. Ich bemerke und genieße feine Düfte, Geschmäcker, Klänge oder Kunstwerke.
  23. Ich empfinde es als unangenehm, wenn ich mich mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigen muss.
  24. Für mich ist es sehr wichtig, mein Leben so zu organisieren, dass ich Situationen vermeide, in denen ich mich ärgern muss oder die mich überwältigen.
  25. Laute Geräusche, chaotische Szenen und ähnliche starke Reize stören mich.
  26. Wenn ich mit anderen Menschen konkurrieren muss oder beobachtet werde, während ich eine Aufgabe erfülle, macht mich das so nervös und unsicher, dass ich weitaus schlechter abschneide, als ich eigentlich könnte.
  27. Als Kind haben meine Eltern und Lehrer mich als sensibel oder schüchtern angesehen.

Hochsensibilität – Fluch oder Segen?

Wenn äußere Reize stärker wahrgenommen werden, werden sie logischerweise auch schneller zum Problem. Was andere Leute überhaupt nicht stört, treibt einen selbst in den Wahnsinn. Große Veranstaltungen? – ,,Bäh, bitte. Viel zu stressig!„. Hochsensible Menschen sind zudem auch auffallend häufiger Introvertiert, so richtig der „Partycrasher“ wird man also auch nicht. Ständig mit diesen starken Reizen und Erleben konfrontiert zu sein, kann also extrem anstrengend und problematisch sein. Leider kann das sogar zu sozialer Isolation führen, welche dann wiederum anfängt krank zu machen.

Dennoch glaube ich, wenn man gelernt hat annähernd damit umzugehen, ist die Hochsensibilität eher eine wundervolle Gabe als ein Fluch. Eigentlich eher wie eine Superkraft bei den Avengers 😅. Ich meine, Hallo? Es gibt Menschen die das Innenleben ihres Körpers spüren oder Elektrizität in der Luft riechen können. Oder man läuft quasi als menschlicher Lügendetektor oder Schimmelfrüherkennungs-Warnsystem herum. Ziemlich geil ist das doch schon, oder nicht?

Hochsensibilität und Trauma

Henne oder Ei? Was war zuerst da?

Es ist schon richtig, dass Hochsensibilität (gerade z.B das sensorische Empfinden) oft bereits angeboren ist. Dennoch finde ich die Verbindung von ihr und Trauma sollte nicht unter den Tisch fallen. Wirklich aussagekräftige Studien habe ich dazu leider nicht gefunden, da sich die Ärzte und Forscher diesbezüglich sehr widersprechen. Hier geht es jetzt also eher um meine persönliche Meinung.

Nehmen wir erstmal die angeborene Sensibilität: Sensible Kinder reagieren viel schneller auf äußere Einflüsse, als andere. Verletzungen, und nichts anderes ist ein Trauma ja (= eine seelische Verletzung), spielen bei diesen Kindern eine viel größere Rolle, da sie tiefer und intensiver erlebt werden. Ich bin also der Meinung, dass ein von Geburt an sehr sensibles Kind schneller traumatisiert ist, als andere. In Folge dieser stark erlebten Verletzung prägt sich die Hochsensibilität in einigen Bereichen, bei dem endsprechenden Kind, jetzt zudem vll auch sogar noch mehr aus. Das soll aber nicht heißen, dass das Erlebnis einer nicht hochsensiblen Person deshalb weniger schlimm o.ä ist!

Entwickelte Sensibilität: Wenn wir bei den letzten 3 Kategorien von oben schauen, dann hat das für mich eher etwas damit zu tun, das es früher notwendig war, diese Bereiche zu stärken und besser auszuprägen, z.B weil man in einem sehr toxischen Umfeld aufwuchs. Dort kann es nur vom Vorteil gewesen sein, bestimmte Sinne stärker auszuprägen. Ich denke also schon, dass die Übergänge zur Hypervigilanz da manchmal ziemlich fließend sein können. Menschen denen zudem selbst einmal schmerzhaftes Leid widerfahren ist, neigen eher zu einem sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Wie ich generell darüber denke

Ich persönlich muss für mich zuhause jetzt jedoch nicht genau ausklamüsern, was nun angeboren ist und was sich danach herausgebildet hat oder wo die haargenauen Unterschiede zwischen Hochsensibilität, Empathie und Hypervigilanz liegen. Ich weiß das ich in vielen Bereichen sehr sensibel auf viele Dinge reagiere und manches sehr stark wahrnehme und eigentlich reicht mir persönlich das.

Hochsensibilität ist aber übrigens kein:

  • wehleidig sein
  • sich zu sehr anstellen
  • selbst schuld sein, wenn man so überempfindlich ist o.ä!!!

Ganz ehrlich?

Gegenfrage: ,,Warum bist du nicht so empfindlich? Warum spürst du nicht, was ich spüre? Wenn du dir ein bisschen mehr Mühe mit dem Fühlen geben würdest, hättest du keine Probleme in unserer Kommunikation. Selbst schuld, was stellst du dich auch so an? Wie schrecklich, so unempfindlich zu sein!“ – Man kann sowas auf tolle und ironische Weiße, auch wunderbar umdrehen 😉

Artifizielle Störung (und imitierte Dis)

Grrr, in mir sträubt sich gerade alles das zu schreiben 😑. Ansprechen, was das ist, will ich es aber trotzdem mal…

Als ich nämlich mal wieder tief in meinem Wahn steckte, dass ich mir alles nur einbilde und alles dramatisiere usw., bin ich auf die Artifizielle Störung gestoßen. Eigentlich wollte ich mir mit der Suche irgendwie mein: ,,Ich bin ein Lügner und nichts von dem was ich erzähle stimmt“ bestätigen (maaasochiiiistisch – ich sag´s doch 🤦‍♀️), ich schaff´s aber trotzdem immer mal wieder mich da rauszuziehen.

Besprechen wir jetzt also erstmal was das oben genannte ist und später erzähle ich euch, wie ich das abgleiche bzw. mich da dann versuche wieder rauszuholen.

Lest das bitte nur, wenn ihr stabil seid und euch nicht gerade in einer Phase des Zweifels bzgl der (p)Dis befindet! Ansonsten geht lieber direkt weiter zu „Mein Senf dazu“ und überspringt den Rest.

Was ist eine artifizielle Störung?

(Achtung! Ich finde das sehr triggend!)

Im ICD-10 ist sie als F68.1 Artifizielle Störung [absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen Symptomen oder Behinderungen] angegeben.

,,Der betroffene Patient täuscht Symptome wiederholt ohne einleuchtenden Grund vor und kann sich sogar, um Symptome oder klinische Zeichen hervorzurufen, absichtlich selbst beschädigen. Die Motivation ist unklar, vermutlich besteht das Ziel, die Krankenrolle einzunehmen. Die Störung ist oft mit deutlichen Persönlichkeits- und Beziehungsstörungen kombiniert.“

Ist die Störung auf einen selbst bezogen, nennt man es oft auch das Münchhausensyndrom. Die Betroffenen geben wiederholt vor an einer Krankheit zu leiden. Sie übertreiben die Symptome stark oder lügen diesbezüglich und sie stellen sich oft kränker oder stärker beeinträchtigt dar, als sie sind.

Vorgetäuscht werden kann im Prinzip alles: Von verschiedenen Schmerzzuständen, Herzerkrankungen, Atemstillstände, epileptische Anfälle bis hin zu psychologischen Beschwerdebildern.

Symptome

  • Sie nennen Symptome die auf eine bestimmte Krankheit hindeuten (wie z.B einen Herzinfarkt) oder können aber auch Symptome nennen, deren Ursache auf verschiedene Erkrankungen hinweisen
  • Oft wissen sie über die Erkrankung, die sie vortäuschen, meist sehr gut bescheid (gutes medizinisches Wissen)
  • Sie können evtl. Änderungen an der Krankenakte vornehmen, um zu beweisen das sie krank sind
  • Es kann vorkommen, dass sie sich selbst Schaden zufügen, um bestimmte Symptome hervorzurufen (z.B stechen sie sich in den Finger, um einer Urinprobe Blut beizumischen)
  • Durch ihr umfangreiches Wissen, wissen sie die Behandler oft gezielt zu täuschen, welche sie dann in Kliniken einweisen oder sogar Operationen veranlassen
  • Die Täuschung geschieht absichtlich, der Grund ihres Handels bleibt ihnen jedoch größtenteils unbewusst
  • Betroffene wandern oft von Arzt zu Arzt und von Klinik zu Klinik

Das Klinikum Stuttgart sagt dazu:

,,Sie reagieren auffällig empathielos auf den Leidensdruck anderer.

Es besteht eine hohe Komorbidität mit dissozialen
Persönlichkeitsstörungen, Borderlinestörungen, depressiven Syndromen, Essstörungen, narzistischen und histrionischen Persönlichkeitsstörungen“

Diagnose

Ärzte erkennen diese Störung oft an folgenden Punkten:

  • Die Krankengeschichte der Patienten ist oft sehr dramatisch, dennoch aber widersprüchlich
  • Die Behandlungen und Eingriffe machen die Symptome nicht besser, sondern oft schlimmer (nach anfänglicher, kurzer Besserung finden die Betroffenen neue, andere Symptome oder verschlimmern die vorherigen)
  • Sie unterziehen sich freiwillig und gewollt diagnostischen Tests und (gefährlichen) Eingriffen
  • Sie wollen nicht, dass die Ärzte mit Angehörigen sprechen
  • Andere Erkrankungen wurden ausgeschlossen
  • Es gibt Hinweise auf Fälschungen, Übertreibungen oder Änderungen der Vorgeschichte
  • Es gibt keine offensichtlichen Gründe oder Anreize für den Betroffenen, die Erkrankung vorzutäuschen (z.B ein milderes Strafverfahren dadurch, Schadensersatzansprüche, usw.)

Fügt eine Person einer anderen Schaden zu, wie z.B Mütter ihren Kindern nennt man das das Münchhausen-by-proxy-Syndrom. Dort präsentieren sich die Mütter oft besonders besorgt und aufopferungsvoll und bestehen auf medizinische Eingriffe (bei den Kindern), bei welchen sie meist weniger besorgt sind.

Ursache

Genau geklärt, wann und warum so etwas auftritt, wurde es noch nicht. Höchstwahrscheinlich haben die Betroffenen in früher Kindheit viele Traumata erlitten, weshalb sie das Gefühl hatten nicht gesehen zu werden. Die Störung kann daher auch ein Leben lang bestehen bleiben.

Das Klinikum Stuttgart äußert diese Möglichkeiten:

,,Als mögliche Motive, allerdings ohne empirischen Nachweis werden u.a. diskutiert:

  • Verschaffen von Aufmerksamkeit, Fürsorge und Einzigartigkeitsgefühlen
  • Regulation von Effekten und Spannungen
  • Reinszenierung traumatischer Erfahrungen
  • Regulierung und Stabilisierung konfliktreicher Paarbeziehungen“

Und:

,,Trotzdem sind diese Patienten krank und benötigen Hilfe! Sie können für ihr Verhalten nicht oder nur teilweise moralisch verantwortlich gemacht werden.“

Was ist eine imitierte Dis?

Die imitierte Dis kann jetzt eine Form der artifiziellen Störung sein. Der Betroffene glaubt selbst darunter zu leiden, erfindet die Symptome jedoch.

Auffällig ist dabei meist, dass die Betroffenen ihre Symptome und „Persönlichkeitsanteile“ besonders begeistert und betont zur Schau stellen, was im Gegensatz zur typischen Verleugnung der Dis/pDis steht. Ebenfalls werden die Symptome meist nur sehr oberflächlich beschrieben und gehen daher wenig in die Tiefe. Auch werden eher die bekannten Symptome genommen und vieles, was sonst für die dissoziativen Störungen üblich, aber eher unbekannt ist, ausgelassen.

(Unbewusste) Gründe können dafür sein, dass Betroffene eine besonders ausgefallene oder schwerwiegende Erkrankung haben möchten. Möglich wäre aber auch die Imitation (was dann keine artifizielle Störung wäre), weil sie einer Haftstrafe entgehen wollen oder andere Vorteile daraus ziehen möchten.

Mein Senf dazu…

Dadurch ergibt sich jetzt auch ein klareres Bild für mich, warum so viele Dis-Betroffene anderen so was wie Hier (,,Die faken doch alle“) unterstellen. Ich könnte mir vorstellen, im Zuge der Verleugnung, sind so einige ebenfalls auf die artifizielle Störung gestoßen und übertragen das jetzt einfach auf andere – Wer sich selbst nicht glaubt, glaubt auch anderen nicht.

Vieles was da beschrieben wird, habe ich in den Trauma-Gruppen so nämlich (als Vorwurf gegenüber anderen) teilweise wortwörtlich gelesen.

Um das aber nochmal klar zu stellen: IHR HABT, nur weil es so etwas gibt, TROTZDEM NICHT DAS RECHT DAZU, JEMAND SO ETWAS ZU UNTERSTELLEN!

Ich muss immer wieder darauf zurückkommen: Mit welchem Recht wollt ihr wissen, anhand weniger Informationen, dass da gerade jemand faket? Weil bei euch etwas anders ist? Ihr anders damit umgeht? Sorry man, das ist so dermaßen arrogant und überheblich 🤷‍♀️.

Ich streite auf gar keinen Fall ab, dass es das gibt. Aber ich glaube nicht das irgendjemand, der mit den Leuten nix weiter am Hut hat, das Recht zusteht, so zu tun als wüsste er ob jemand ehrlich an etwas erkrankt ist oder nicht.

Zudem finde es auch sehr schwierig mich mit dieser Störung überhaupt näher auseinanderzusetzen, weil ich mir sowieso schon ständig einrede, dass ich mit allem lüge und völlig übertreibe. Ob man sich das als Betroffene dann gegenseitig noch vorwerfen muss (sodass man sich nicht einmal dort aufgehoben fühlen kann und ständig im Rechtferigungszwang ist) halte ich für fragwürdig.

Bin ich davon betroffen?

Keine Ahnung. Vielleicht?

Ich versuche (wenn die Verleugnung sehr stark wird) immer wieder zu reflektieren, was da steht und was bei mir Tatsache ist. Ich geh da mal kurz etwas näher drauf ein…

Also: Ich bin z.B nicht überzeugt von meinen Symptomen und schwäche sie eher ab, als das ich sie besonders darstelle. Mich kotzt das eigentlich im Gegenteil sogar extrem an, dass mein Erleben allein zuhause ein ganz anderes ist, als das in der Öffentlichkeit. Manchmal wünsche ich mir wirklich, ich könnte etwas davon nach Außen präsentieren. Einfach weil ich das Gefühl habe, dass man mich dann vll ernster nehmen würde. Das man dann sehen würde, wie es mir wirklich geht. Mitleid will ich da jedoch keins (damit kann ich sowieso nicht umgehen, das ekelt mich an), nur ernst genommen werden (also nicht ständig dieses: ,,Wieso? Sie sehen doch gut aus, ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihnen etwas fehlt“).

Ich erachte mein Leiden weiter auf keinen Fall als schlimmer oder wichtiger, als das der anderen. Das Gegenteil ist eher der Fall. Mit verschiedenen Symptomen und Krankheiten kenne ich mich recht gut aus, würde ich behaupten. Was aber auf jeden Fall daran liegt, dass mich interessiert was mit mir los ist und wie ich mir oder aber auch anderen helfen kann. Generell interessiert mich das Thema Psychologie schon seit meiner Kindheit stark.

Symptome erfinde ich keine, sondern ich erzähle was und wie ich es erlebe. Dennoch kommt es mir zu jeder Sekunde vor, als würde ich lügen. Aber auch da lässt sich eben schnell ein Faktencheck machen: Erlebe ich die Sachen wirklich, die ich erzähle oder erlebe ich sie nicht? Fertig. Glauben tue ich mir deshalb trotzdem nicht wirklich besser, aber objektiv lässt sich so zumindest auf ein Ergebnis kommen.

Seit ich mich mehr mit den verschiedenen dissoziativen Symptomen beschäftigt habe, nehme ich auch mehr wahr. Das trifft zu. Allerdings habe ich eigentlich fast alles davon auch vorher schon erlebt (also es ist nix neues für mich). Ich glaube, ich achte mittlerweile nur mehr darauf was wann wie auftritt. Vorher habe ich vieles einfach gar nicht als „unnormal“ angesehen.

Anteile besonders präsentieren?

Anteile stelle ich auch auf keinen Fall zur Schau. Solange ich das unter Kontrolle halten kann, lasse ich niemand raus 🙈 und rede auch möglichst nicht über sie. Auch nicht bei meiner Therapeutin. In meinem Büchlein habe ich verschiedene Namen stehen und auch Skizzen, von denen, die ich im Inneren glaube gesehen zu haben. Allerdings hat das noch keiner zu Gesicht bekommen und ich gebe auf meine Notizen auch keine Garantie. Einmal sagte ich meiner Therapeutin den Namen einer Persönlichkeit, was aber ziemlich nach hinten los ging. Nicht von seitens der Thera. aus, mehr weil es im Inneren deshalb ziemlichen Tumult gab.

Ich merke die Veränderung im Inneren schon manchmal und bestimmt wäre es sinnvoll, das in der Therapie auch direkt anzusprechen, um endlich mit damit arbeiten zu können, aber dazu ist meine Schamgrenze einfach zu hoch. Ich versuche es lieber zu ignorieren und so zu tun, als wäre nichts. Außerdem, selbst wenn ich es ansprechen würde, hätte ich eh das Gefühl gerade eine riesengroße Lügengeschichte aufzutischen. Das belastet mich dann zusätzlich, weshalb ich das darüber-Reden auch stark versuche zu vermeiden.

Aber ganz ehrlich?

Selbst wenn…

…es bei dir anders ist, weil du vll einen guten Kontakt zu deinem Innensystem hast und sich deine Leute eben einfach so zeigen wollen wie sie sind, ist das keine Bestätigung für das da oben.

Jeder geht mit der Sache anders um. Manche Verleugnen krass alles was dazu gehört, manche nicht. Manche wollen ihr System so anerkannt haben, wie es ist und manche nicht.

Selbst wenn du vll von Klinik zu Klinik „wanderst“, weil du dringend Hilfe suchst, welche du einfach nicht bekommst, ist das auch keine Bestätigung. Du suchst eben einfach nur Hilfe.

Nur weil du vll nicht die gleichen Symptome wie andere hast oder bei dir andersrum tatsächlich die „Lehrbuchsymptome“ im Vordergrund stehen und du darüber reden möchtest, ist das auch keine Bestätigung dafür, dass du dir alles nur einbildest oder es imitierst.

Ich glaube, gerade wer sich immer wieder fragt, ob er sich alles nur einbildet, übertreibt, lügt usw., da ist es eher wahrscheinlich das die Symptome auch echt sind. Ich meine, aus welchem Grund solltest du dir das alles einbilden und ausschmücken und dich gleichzeitig runtermachen dafür? So richtig Sinn ergibt das nicht 🤷‍♀️. Genau genommen, würde dieses Verhalten an sich schon sehr gespalten wirken 😉.

Im Endeffekt hilft aber vll auch eine Gegenüberstellung von dem was du tatsächlich erlebst (vll mit einem Ereignis, welches dir als Beispiel dient), wobei du dir nicht ganz sicher bist und von dem was nicht (was du aber sagst zu erleben). Schreib es auf. Mach greifbar, was sich sonst nur in deinen Gedanken abspielt. Bestimmt stellst du dann fest, dass du dir gar nicht soviel ausdenkst, wie du glaubst.

Und denkt bitte daran, dass wir von klein auf eingeredet bekommen haben, dass unsere Wahrnehmung falsch ist und wir nur schauspielern und lügen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sowas speichert sich tief drin ab und verankert sich fest in unserem Denken! Das wir uns nicht glauben, uns für Lügner halten und denken wir würden alles nur für Aufmerksamkeit machen, ist doch völlig logisch. Was soll man denn anderes glauben, wenn man genau diese Worte, über sich, sein halbes Leben lang gehört hat?

Stoppt die Rasterpsychotherapie!

Bzgl all dessen nahm ich auf Instagram und Facebook schon einmal Stellung, aber ich möchte auch hier noch einmal darauf aufmerksam machen. Die aktuelle Petition dagegen findet ihr unter Aktuelles oder auch Hier. Bitte unterzeichnet fleißig und verbreitet die Petition weiter, denn es betrifft uns alle!

Ist möglicherweise ein Bild von Text „Das Problem: NICHT ERST SEIT DER AKTUELLEN CORONALAGE GIB ES VIEL ZU WENIG KASSENFINANZIERTE, PSYCHOTHERAPEUTISCHE BEHANDLUNGSPLÄTZE. DIE WARTEZEITEN SIND LANG UND OFT MUSS MAN FÜR EINEN GEEIGNETEN THERAPIEPLATZ BIS ZU 3 -18 MONATEN WARTEN.“
Ist möglicherweise ein Bild von Text „Die Losung: SYMPTOMBEKÄMPFUNG, STATT URSACHENBEHEBUNG Das Gesundheitsministerium legte einen Vorschlag vor, nach welchem noch vor Therapiebeginn eine Diagnose gestellt werden soll und nach dieser wird dann die Behandlungsdauer angepasst D.h würden für eine Depression beispielsweise 12 Monate Behandlungsdauer festgesetzt, dann müsste die Behandlung auch nach 12 Monaten abgebrochen werden, völlig gleich ob der Patient in diesem Zeitraum wirklich schon genesen ist oder nicht.“
Ist möglicherweise ein Bild von eine oder mehrere Personen und Text „Das Ergebnij. Definitiv mehr freie Behandlungsplätze,aberauch weniger erfolgreich therapierte Patienten Natürlich gibt es dann mehr Behandlungsplätze, die Absicht dahinter möchte ich daher noch nicht mal pauschal verteufeln. Nun ist es doch aber kaum möglich eine klare Diagnose, noch vor Therapiebeginn zu stellen. Wenn ich mit Symptomen einer Depression zum Therapeuten gehe, dann ist es sehr, sehr wahrscheinlich das die Depression nur eine Begleiterscheinung einer ganz anderen Erkrankung t.Wie soll so etwas direkt am Anfang festgestellt werden können? Vieles zeigt sich schließlich erst nach Monaten oder sogar Jahren Behandlung und nach viel Vertrauen zum Therapeuten.“
Ist möglicherweise ein Bild von Text „Was noch: Vertrauen, da sind wir schon beim nächsten Punkt: Es fällt sehr schwer Vertrauen aufzubauen, sich zu öffnen, wenn man unter dem Druck steht zu einer bestimmter Zeit eine bestimmte Leistung erbracht zu haben. Christina Jochim, Psychotherapeutin hierzu: "Es könnte von vornherein ein massiver Leistungsdruck für Patienten entstehen, nicht genug Zeit zu haben, ihr Leid ausreichend zu schildern, weil sie das Gefühl haben, dass das Problem sowieso vorzeitig beendet wird."“
Ist möglicherweise ein Bild von eine oder mehrere Personen und Text
Ist möglicherweise ein Bild von Text „zur petition: Eine entsprechende Petition gegen diesen, pardon aber, Schwachsinn, findet ihr auf meiner Website: https://good4know.de nter,Aktuelles" Oder unter: http://chng.it/hD6cWRCYDk http://chng Bitte unterzeichnet und verbreitet sie fleißig!“

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Aktualisierung:

Und Widerstand lohnt sich eben doch!
Die Rastertheraphie ist vorerst vom Tisch

https://www.br.de/nachrichten/bayern/psychotherapie-reform-therapeuten-und-betroffene-wehren-sich,SZ5bpIP

Thema: Selbstdiagnose

Ein heikles Thema, welchem ich mich heute trotzdem einmal annehmen möchte.

Klären wir erstmal:

Was ist eine Diagnose?

Wikipedia sagt dazu:

,,Eine Diagnose entsteht durch die zusammenfassende Gesamtschau und Beurteilung der erhobenen Befunde.“

Heißt schlicht, dass eine Diagnose gestellt wird, aus den vorliegenden Symptomen und Beschwerden. Im Normalfall wird dazu auch die Vorgeschichte mit einbezogen. Welche (medizinische) Diagnose dann z.B gestellt wird, richtet sich nach den einzelnen Gruppen/Kategorien, welche in den offiziellen Diagnosehandbüchern bisher verzeichnet sind.

Eine klare, umfassende und sichere Diagnose kann demnach auch nur geschultes Personal durchführen.

Stellt euch vor, ihr seid in einem Gebäude Hausmeister und sollt nun plötzlich eine Diagnose über die Statik des Hauses anstellen. Sehr sicher und zuverlässig klingt das dann nicht, oder?

Im Endeffekt, behaltet das im Hinterkopf, geht es aber bei der Diagnosestellung nur darum, dem Kind einen Namen zu geben. Ihr habt Symptome und um diese auf etwas Greifbares einzugrenzen, sodass man euch danach richtig behandeln kann, wurden die gängigen Diagnosebilder entwickelt. Eine Diagnose ist aber immer nur der VERSUCH eure Symptome einzugrenzen, sie sagt niemals etwas darüber aus wer oder was ihr seid!

Fehldiagnosen

Wie ihr wisst, sind Ärzte aber auch nur Menschen und Menschen machen nun mal Fehler. Das kann leider passieren.

Diesbezüglich kann es verschiedene Faktoren geben:

  • Bei Diagnosestellung waren nicht alle Symptome bekannt (sowohl dem Arzt, wie aber auch dem Patienten)
  • Die Vorgeschichte des Patienten wurde nicht gründlich mit einbezogen
  • Aus Zeitmangel wurde der Patient nur oberflächlich begutachtet
  • Das medizinische Personal ist in einem bestimmten Bereich nicht geschult und kann die Symptome daher nicht richtig zuordnen
  • Der behandelte Arzt ist von seiner Grandiosität überzeugt und lässt keine andere Meinung zu, sondern handelt rein nach seinem Ermessen
  • usw.

Zu einer Fehldiagnose kann es also durchaus schnell einmal kommen. Genau deswegen wird ja auch immer wieder angeraten, sich eine 2. und 3. Meinung einzuholen.

So und das ist der Punkt, den ich so schade finde. Denn gerade im Bereich der Psychiatrie/Psychotherapie habe ich es z.B immer wieder erlebt, dass vorher gestellte Diagnosen einfach übernommen wurden. Ohne dies selbst noch einmal zu überprüfen.

Bei mir hat das dazu geführt, dass ich jahrelang mit einer Borderline-Diagnose herumgelaufen bin und auch dementsprechend behandelt wurde. Für mich führte das zu viel Negativen.

Andere wiederum, z.B gerade im Bereich der dissoziativen Störungen, laufen jahrelang mit einer Schizophrenie-Diagnose durch die Gegend. Das die falsche Behandlung dieser 2 unterschiedlichen Diagnosefelder weitreichende Folgen haben kann, erklärt sich von selbst.

Auch wenn man immer wieder über falsche Krebs-Diagnosen ließt, macht einen das hellhörig. Hier habe ich euch einen Artikel verlinkt, wo es darum geht, dass 10 von 11 Brustkrebs-Diagnosen schlicht weg einfach falsch sind und Frauen unnötigerweise die Brust amputiert wurde.

Selbsteinschätzung

In den Trauma“selbsthilfe“gruppen, in welchen ich angemeldet war, kam es immer wieder zu diesen Momenten: Neue Mitglieder stießen dazu, schilderten ihre Symptome, gaben ihre Selbsteinschätzung ab und fragten nach der Meinung der anderen (für mich logisch, dass sie Leute fragen, die selbst betroffen sind – Wer sollte es sonst besser wissen?).

Mein erster Gedanke war dabei aber immer: ,,Na, wollen wir wetten, wie lange es dauert, bis der Rest der Gruppe seine Mistgabeln und Fackeln rausholt?“

Sich selbst einzuschätzen, ist ja da dermaßen verpönt.

Warum?

Ich finde es ungemein wichtig, sich selbst ein Bild über sich zu machen. Das ist meiner Meinung nach eine Voraussetzung dafür, dass man wieder den Weg zu sich selbst findet. Ich kann mich doch nicht nur darauf verlassen, was andere sagen. Wie wir eben besprochen haben, kann das nämlich auch schnell mal in die Hose gehen.

Wie nehme ich mich wahr? Was erlebe ich? Was fühle ich?

Und mit dieser Selbsteinschätzung kannst du dann auch beim Arzt abklären, was wirklich Sache ist. Der Arzt kann dir erst so erklären, wo vll der Unterschied zwischen deiner Selbstwahrnehmung und dem liegt, was pathologisch nachweisbar ist. Ihr könnt darüber reden, was er wahrnimmt und wo die Punkte sind, wo sich eure Wahrnehmung unterscheidet. Und genau diese Punkte könnt ihr dann näher erörtern.

So lernst du doch auch viel besser mit dir und deiner Selbstwahrnehmung umzugehen, als wenn du ausschließlich darauf wartest, dass dir ein anderer sagt, was mit dir los ist.

Vorsicht ist trotzdem geboten

Schnell kann das Symptome googlen aber dazu führen, dass man sich in etwas hineinsteigert.

Die meisten dürften sowas hier nämlich kennen: Du gibst bei Google Husten und Kopfschmerzen ein und schwupp hast du das Ergebnis Krebs. Faszinierenderweise spuckt ja so gut wie jedes Symptom Krebs aus 😅. Wer dann jetzt vll noch ganz leicht dazu veranlagt ist, hypochondrisch zu reagieren, naja … Der macht sich auf jeden Fall nicht gerade gesünder, durch seine Suche.

Des weiteren sollte niemals eine Selbstmedikation, aufgrund selbst gestellter Diagnosen, erfolgen. Mal abgesehen davon, dass das generell nie zu empfehlen ist, kann sowas eben kann schön kräftig nach hinten los gehen. Wenn du eine ganz andere Krankheit hast, als du glaubst zu haben, kannst du dir mit solchen Selbstbehandlungsversuchen, am Ende nur richtig schaden.

Appell an die Eigenverantwortung

Ihr dürft euch aber trotzdem selbst einschätzen. Punkt.

Ihr selbst tragt die Verantwortung für eure Heilung. Nicht der Täter. Nicht der Arzt und nicht der Psychotherapeut.

Voraussetzung dafür ist, dass ihr wieder in Kontakt mit euch kommt.

Ihr dürft also sehr wohl eine Meinung über euch haben und diese Meinung dürft ihr auch vertreten. Ärzte sind nicht allwissend. Sie sind keine Götter und vor allem wissen sie nicht, was in euch vorgeht (im Bereich der Psychiatrie/Psychotherapie z.B).

Dennoch hört euch auch an was sie zu sagen haben und winkt das nicht gleich ab. Bis man wirklich weiß was mit einem los ist, dauert das manchmal lange Zeit und es bedarf vieler Meinungen und Einschätzungen.

Was ich wichtig finde

Für mich ist es unheimlich wichtig alle möglichen Eventualitäten mit einzubeziehen. Nur wenn ich z.B weiß wie der Eine das und das erlebt, kann ich sagen: ,,Aha das erlebe ich auch so“ oder ,,Ne, das hab ich überhaupt nicht“.

Und nur wenn ich meiner Therapeutin sage: ,,Hören Sie mal, ich erlebe das und das und das und habe dieses Gefühl dazu. Wie beurteilen Sie das?“ und ich dann ihre Meinung dazu bekomme, kann ich für mich etwas schlüssiges daraus ziehen.

Viele Dinge erlebe ich, seit ich mich erinnern kann. Ich kenne sie nicht anders. Oder andere Sachen haben sich so in den normalen Alltag eingeschlichen, dass ich sie gar nicht für ungewöhnlich erachte. Woher soll ich also wissen ob das normal oder pathologisch ist, wenn ich nicht nachfrage und das abgleiche?

Ich finde es auch ein bisschen frech und beleidigend, wenn direkt davon ausgegangen wird, dass man sich deshalb gleich in eine Diagnose hineinsteigert oder sie sogar ausschmückt/Symptome dazu erfindet usw.

Mir gibt dies das Gefühl, als würde man mir nicht zutrauen selbst beurteilen zu können, ob ich etwas erlebe oder nicht. Als würde ich dann auf alles, auch wenn es mich gar nicht betrifft, mit ,,JaJaJa!!“ antworten.

Ich bin ein erwachsener Mensch und erachte mich als so eigenverantwortlich, dass ich beurteilen kann, ob ich etwas erlebe oder nicht. Wenn ich z.B noch nie einen dissoziativen Krampfanfall hatte, hatte ich eben noch keinen. Um zu wissen was das aber ist, muss ich ja erstmal nachschauen/nachfragen. Und es gibt Menschen, die bzgl. dieses Differenzierens Probleme haben. Das ist vollkommen okay. Dennoch sollten jene dies aber nicht auf andere projizieren und diese dafür angreifen, weil sie wissen wollen, wo sie selbst stehen.

Ein persönliches Beispiel

Ich bin durch ein Buch, einer Betroffenen, auf die dissoziativen Symptome gekommen. Das Buch bekam ich geliehen und hatte dazu überhaupt keinen persönlichen Bezug. Also ich las das nicht, um etwas über mich zu erfahren o.ä

Diese Geschichte war so abgedreht, dass es eigentlich fast unmöglich war, das mir davon irgendwas bekannt vorkam. Tat es aber.

Also suchte ich im Internet weiter und stieß auch auf einen YouTube-Kanal einer Betroffenen. Mir kamen immer mehr Sachen bekannt vor, aber ich dachte: ,,Naja, das ist trotzdem echt schräg. da ist schon nix.“. Irgendwann dachte ich: ,,Naja vll KÖNNTE es doch in den Bereich ….. gehen“ (eine klare Diagnose nenne ich hier nicht). Einige Tage später holte ich meine Unterlagen, von meiner Anwältin ab (was wirklich ein dummer, zeitlicher Zufall war). Dabei befand sich ein Klinikbericht von mir aus dem Jahre 2015. Eine meine Oma´s kopierte diesen damals und reichte ihn vor Gericht ein (der Sinn dahinter war, dem Gericht zu zeigen wie durchgeknallt ich doch sei, sodass mein Kind bloß nicht zu mir zurückkommt und beim Vater bleiben soll), weshalb er letztendlich auch bei meiner Anwältin landete.

Das was ich vermutete, stand da schon längst als Diagnose drauf. Schon vor Jahren. Nur soviel zu dem Thema wie richtig oder falsch so eine Selbsteinschätzung sein kann. Auch die Borderline-Diagnose habe ich mittlerweile nicht mehr. Ich sagte damals immer wieder, dass ich mich in einigen Punkten wiederfinde, aber eben nicht in allen. Und genau das sind die Punkte, die den Unterschied zur kPtbs machen (ich verlinke euch die Tabelle mal Hier).

Ich selbst wusste von den Diagnosen des Arztes übrigens nichts. Dieser Klinikbericht ist bis heute auf mysteriöse Weise verschwunden (meine Oma hat ihn aber nicht, die kopiert sich solche Sachen nur, das wäre sonst zu auffällig) und es existiert (für mich auffindbar zumindest) nur die Kopie, die beim Gericht vorgelegt wurde. Auch mit dem Arzt konnte ich damals nicht mehr darüber sprechen, da ,ich‘ mich vorher selbst aus der Klinik entließ.

Mein Schlusswort

Ich persönlich werde mich trotzdem davor hüten zu sagen: ,,Also das und das habe ich definitiv!“. Dazu warte ich einen weiteren (oder weitere) Klinikaufenthalt(e) ab (da man dort ganz anders diagnostizieren kann) und auch was sich in meinem Erleben weiterhin noch tun wird. Ein wildes switchen, wo jede Woche jemand anderes meiner Therapeutin was erzählt, gibt es z.B nämlich nicht.

Ich habe meine Selbsteinschätzung, die Einschätzung der früheren Ärzte und die meiner Therapeutin. Und was sich weiterhin zeigt und was nicht, wird die Zeit bringen, Manches ist so wie man denkt und manches ist am Ende ganz anders.

Lasst euch bitte von niemand einreden, ihr könntet nicht wissen was mit euch los ist. Steigert euch nicht rein, bleibt ehrlich zu euch selbst, klärt aber trotzdem ruhig alles mögliche einmal ab. Und hört auf euer Gefühl.

Ihr dürft das tun 😊.