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Neue Website

Wie ihr es vllt mitbekommen habt, setzen wir uns für das Thema ein, dass Menschen mit einer Maskenbefreiung endlich wieder uneingeschränkte ärztliche Versorgung erhalten.

Aus diesem Grund, zumal wir ja auch selbst betroffen sind, taten wir uns mit einer anderen Betroffenen zusammen und riefen „Behandlung statt Ausschluss“ ins Leben.

Auf dieser neuen Seite teilen wir unsere persönlichen Erfahrungen, Korrespondenzen mit verschiedenen Fachstellen und geben Informationen (welche Folgen das Maske tragen für manche Menschen haben kann, wie die rechtliche Lage ausschaut, was Dissoziationen überhaupt sind, etc.), sowie Hilfestellungen an die Hand.

Aktuell haben wir den Großteil hochgeladen, allerdings werden verschiedene weitere Erklärungen und Hilfestellungen dann mit der Zeit noch folgen.

Schaut gerne vorbei, teilt eure Geschichten mit uns und helft uns, die Geschichten derer, die keine Stimme haben, mit der Welt zu teilen.

https://behandlung-statt-ausschluss.de

Noch etwas zu unserer Pause

Da ich die letzten Tage und Wochen sehr intensiv an dem neuen Projekt bzgl der Maskenbefreiung saß, war leider noch nicht viel mit Pause, weshalb wir mindestens den ganzen Oktober noch keine neuen Beiträge veröffentlichen werden. Danach dürfte es dann aber wieder los gehen.

Neues Video mit Dis.Ding

Zum Video kommt ihr Hier

Schaut unbedingt einmal rein und teilt das Video auch gerne.

Wir besprechen alles rund zum Thema Maskenbefreiung im Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlung.

(So und jetzt geht’s für mich aber wirklich in die Pause 😅 – Eure persönlichen Erfahrungen könnte ihr mir aber TROTZDEM weiter zusenden unter good4know@mail.de)

Wichtig! – Bzgl. Maskenbefreiung

Kurze Zwischenmeldung aus der Pause :

Wenn ihr ebenfalls über eine Maskenbefreiung verfügt und euch deshalb eine ärztliche Behandlung verweigert wurde (oder falls ihr jemand damit kennt, leitet es unbedingt weiter) , dann habt ihr jetzt die Gelegenheit euch bei den zuständigen Beauftragten zu melden.

Der Bundespatientenbeauftragte möchte diesen Fall bei der nächsten Bundestagsdebatte vorlegen. Am Donnerstag den 08.09 wird jedoch der neue Entwurf des Infektionsschutzgesetzes verabschiedet. Es wäre wichtig, wenn sich VORHER so viele Betroffene wie möglich melden, sodass die Dringlichkeit unterstrichen, wie auch der Glaube es handle sich um Einzelfälle (um die sich aufgrunddessen nicht weiter gekümmert werden müsse) entkräftet werden kann.

Und mit etwas Glück wird dann vllt endlich ein neuer Absatz im Gesetz mit aufgenommen und zwar das eine Maskenbefreiung auch in Kliniken u.w akzeptiert wird.

Bitte richtet eure Mails mit euren Erfahrungen bis zum kommenden Donnerstag, den 08.09.2022 an:

patientenrechte@bmg.bund.de

z.H. Stefan Schwartze

Des Weiteren lohnt es sich die Mitarbeiter des Gesundheitsausschusses anzuschreiben (ihr könnt die gleiche Mail wie für den Patientenbeauftragten nutzen). Die Email-Adressen erhaltet ihr von mir. Schreibt mich dazu einfach kurz an.

Wie setze ich Grenzen?

Ich möchte heute darüber sprechen, was Grenzen sind und wie wir lernen können sie zu spüren und umzusetzen.

Wichtig: Es soll heute darum gehen, was wir tun können wenn wir erwachsen sind und uns nicht mehr im akuten Täterumfeld befinden. Das wir in hochtoxischen Verhältnissen, wo Täter aktiven Missbrauch betreiben, nicht „einfach“ Grenzen setzen können, ist nämlich etwas ganz anderes. Nicht das nach dem Artikel wieder einer um die Ecke kommt und zu jemand raushaut: „Na da hättest ja einfach Nein sagen können“ 🤦‍♀️.

Was sind persönliche Grenzen?

Erst einmal müssen wir klären worum es hier überhaupt geht:

Unsere persönlichen Grenzen definieren uns als Individuum und eigenständige Persönlichkeit. Sie schaffen uns einen eigenen Raum in dem wir existieren können und respektieren unsere Bedürfnisse.

Wenn wir keine Grenzen setzen, sind wir der Außenwelt ausgeliefert, welche dann so wiederum an unserer eigenen Lebensenergie saugt.

  • Gesunde Grenzen setzten wir dann, wenn wir das tun und selbst entscheiden, mit dem wir uns wohl fühlen. Wenn wir an den richtigen Stellen und zur richtigen Zeit „Ja“ und „Nein“ sagen und dadurch Kraft tanken können. Wir respektieren unsere Bedürfnisse, Wünsche und Werte und handeln dementsprechend.
  • Ungesunde Grenzen setzten wir, wenn wir sie durch andere bestimmen lassen. Wenn wir Dinge tun, die wir nicht möchten, mit denen wir uns nicht wohlfühlen oder mit denen wir an Kraft verlieren. Aber auch wenn wir alles und jeden von vornherein von uns wegstoßen und ablehnen, setzen wir ungesunde Grenzen. Letztendlich sind beides Selbstschutzmaßnahmen. Entweder setzen wir keine Grenzen aus Angst davor abgelehnt (und damit keine Liebe zu erhalten) oder aus Angst verletzt zu werden. Bei beiden Varianten missachten wir allerdings das, was wir wirklich brauchen und möchten.

Warum ist es so wichtig Grenzen zu setzen?

Weil euch sonst jeder benutzt wie seinen persönlichen Besitz 🤷‍♀️. Ich würde es gerne netter ausdrücken, aber genauso fühlte es sich für mich immer an. Und das Schlimme ist, umso öfter man seine Grenzen vor anderen Personen selbst übertritt und übertreten lässt, umso mehr vermittelt man unbewusst den Eindruck, dass dies okay wäre. Menschen verlieren den Respekt und sehen einen letztendlich nicht mehr als eigenständiges Individuum an.

Die Folgen gehen aber noch viel weiter. Wenn wir ständig entgegen unserer Bedürfnisse handeln, verlieren auch wir den Respekt vor uns selbst und beginnen uns zu verachten.

Gerade im Traumakontext, wo wir über Jahre und Jahrzehnte gezwungen wurden keine Grenzen zu haben, hat sich diese Sichtweise und dieses Handeln so internalisiert, dass Grenzen zu setzen heute dem Kennenlernen einer völligen neuen Welt gleicht. Um Selbstliebe aufzubauen, uns ernst zu nehmen, selbst zu respektieren und wieder als eigenständiges Individuum ansehen zu lernen und nicht nur als Spielball oder Befriedigungsobjekt der anderen, sind Grenzen setzen lernen allerdings, finde ich, unerlässlich. Ohne kommen wir nicht auf den Weg zur Heilung. Nur durch das Kennenlernen unserer eigenen Grenzen lernen wir, dass wir eine eigenständige und wertvolle Persönlichkeit sind.

Warum übertreten andere überhaupt meine Grenzen?

Wir können von anderen nicht erwarten, dass sie unsere Grenzen kennen und achten, wenn wir sie selbst nicht wissen (und dadurch kommunizieren können). Grenzen werden nicht immer absichtlich übertreten, sondern oft passiert das, wenn der andere ein Bedürfnis hat, welches er erfüllt haben möchte/braucht. Grenzübertretungen entstehen meist durch einen Mangel. Ein Mangel den der andere hat und dadurch auf uns projiziert oder umgedreht. Und soweit ist das auch erstmal absolut okay. Man kann so ein Gefühl nicht ausschalten. Hier kommen aber wir selbst ins Spiel. Hier zeigt man selbst wie weit es okay ist und ab wann die persönliche Grenze erreicht ist. Im Idealfall führt das dazu, dass wir gegenseitig lernen Respekt voreinander zu haben und auch wieder mehr auf uns zu schauen. Das z.B nicht der andere dafür da oder zuständig ist, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, sondern nur man selbst. Und auch das führt wieder zu mehr Selbstliebe.

Im weniger idealen Fall, und das erlebe ich in letzter Zeit immer häufiger (aber auch nur, weil ich sie immer öfter setze), werden Grenzen allerdings nicht einfach respektiert. Es ist wichtig, dass wenn wir Grenzen setzen, diese auch bereit sind durchzuziehen. Auch dann, wenn uns Wind entgegenschlägt und wir angefeindet werden (und eben wieder keine Liebe bekommen). Ich hatte erst vor wenigen Wochen einen Freund, zu dem ich deswegen den Kontakt abbrach. Er wollte nicht respektieren, dass ich jetzt einmal Ruhe brauchte (und mir nicht zum Xten Mal, seit 5 Monaten, exakt die gleiche Story über seinen Ex-Lover anhören konnte).

Ich sagte das ich aktuell keine Kapazität dafür frei habe, da es mir nicht gut geht und ich Ruhe benötige. Wir aber sehr gerne in ein paar Tagen telefonieren und darüber sprechen könnten. Das ignorierte er und redete stumpf weiter. Als hätte ich mit einer Wand gesprochen, weshalb ich nochmal betonte, dass ich jetzt nicht könne. Es kam keine Frage danach wie es mir geht oder was los ist. Nur (wieder mal) der Vorwurf wie egoistisch ich sei. Während es ihm schlecht ginge, würde ich mich nur für mich interessieren. ➡ Sowas entsteht oft aus Abhängigkeit, die der andere zu dir aufbaut und/oder mangelnder Selbstverantwortung (z.B bei Vorwürfen). Für sowas ist aber derjenige selbst verantwortlich, nicht du!

Arten von Grenzen

Emotionale Grenzen

Bei den emotionalen Grenzen geht es darum, dass deine Gefühle und Emotionen ernst genommen werden. „Stell dich nicht so an!“ oder „Du übertreibst total!“ sind z.B typische Sätze für emotionale Grenzüberschreitungen. Eure Gefühle sind wichtig, egal wie lächerlich sie gerade auf den anderen wirken mögen. Und so dürft ihr das auch um- und durchsetzen! Jeder verdient es ernstgenommen, respektiert und wertgeschätzt zu werden. Auch ihr! Wenn jemand eure Grenzen nicht ernst nimmt, liegt das daran, dass er sie nicht schätzt und respektiert.

Das Gleiche betrifft das Thema Trigger. Werden wir von jemand anderes getriggert, passiert das oft ganz unabsichtlich. Dafür kann derjenige erstmal nichts. Er kann das ja nicht riechen. Sobald wir aber sagen das uns dies und jenes triggert, hat der andere das zu achten. Punkt. Ich erlebe leider Gottes immer wieder, dass dann darüber diskutiert werden will. Von meiner besten Freundin bekam ich auf meine Frage, warum sie etwas bestimmtes immer wieder zu mir sagen muss und auf meine Aussage wie ich mich damit fühle, letztens erst mitgeteilt: „Ich kann nichts dafür, wie du darauf reagierst (…)“ .Was soviel heißt wie: „Geht mich nichts an, ob dich das, was ich sagte, triggert. Ich hör damit nicht auf. Musst du sehen, wie du damit klarkommst.“ . Sowas nennt man Verantwortungsverlagerung.

Oder ich sage jemand anderes, dass uns ein bestimmtes Wort schnell triggern kann (ein Name von uns) und bitte darum, dass die Alternative dazu verwendet wird. Darauf bekomme ich gesagt: „Könnte schwer werden das konstant zu lassen. Aber du kannst mich ja einfach korrigieren.“ . Was soll es nützen dann immer wieder zu korrigieren, wenn das Wort bereits ausgesprochen und der Trigger damit schon längst gesetzt ist? Auch hier findet wieder eine Verantwortungsverlagerung statt. So etwas sind emotionale Grenzübertretungen! Vor allem wenn man sie vorher deutlich geäußert hat. Auch ein schlechtes Gewissen machen oder emotionale Erpressung fällt darunter. Erpressung impliziert immer das man unter Androhung einer Strafe gezwungen wird etwas zu tun, was man nicht möchte oder leisten kann.

Physische Grenzen

Bei den physischen Grenzen schützen wir unseren physischen Körper und Raum. Wenn Kinder z.B ständig dazu genötigt werden, sich von der Tante ein Bussi aufzwängen zu lassen, überschreitet man damit ihre Grenzen. Ebenso wenn ich sage, dass ich gerade keine körperliche Nähe möchte und man mir trotzdem auf die Pelle rückt. Nach dem Motto: „Wenn ich oft genug Frage oder es einfach mache, wird sie schon nachgeben„. Sorry, aber „einfach machen bis sie sich nicht mehr wehrt“ nennt man umgangssprachlich auch Vergewaltigung 🤷‍♀️. Nein heißt Nein, egal ob es eine Umarmung betrifft. Kuscheln, Sex oder auch „nur“, ob ich jemanden mit mir gemeinsam auf dem Sofa sitzen oder ihn in meiner Wohnung haben möchte oder nicht.

Intellektuelle und ethische Grenzen

Hier sprechen wir von unseren Meinungen, Gedanken und Werten. Wir schauen was uns wichtig ist. Was wir für richtig und falsch erachten. Wo unsere moralische Grenze liegt und welche Meinung wir gebildet haben, aufgrund unseres aktuellen Wissensstandes. Für seine Meinung und Werte einzutreten, ist also ebenfalls eine Form seine Grenzen abzustecken.

Gerade in Dt. sehe ich in den letzten Jahren aber eine enorme und zunehmende Grenzüberschreitung der Gesellschaft (teilweise von der Politik unterstützt). Ich hasse Kampfbegriffe wie Verschwörungstheoretiker, Schwurbler, usw. Nicht weil ich nicht finde (Betonung liegt auf „Ich finde“ !) das einiges nicht doch etwas abgedreht ist, sondern weil man Menschen mit diesen Begriffen von vornherein herabwürdigt und als unglaubwürdig darstellt. Wir nehmen uns gegenseitig überhaupt nicht mehr ernst. Jeder will es nur noch besser wissen, obwohl keiner von uns die 100%ige Wahrheit über irgendetwas kennt. Meinungen, Gefühle, Ängste und auch Erlebnisse werden so direkt abgewürgt und diskreditiert. Das sind Grenzübertretungen par excellence.

Zeitliche Grenzen

Unsere Zeit ist das wichtigste Gut im Leben unseres materiellen Körpers. Wir müssen selbst entscheiden lernen wo wir unsere Prioritäten setzen. Was uns wichtig ist und was nicht. Will ich die Überstunden wirklich machen oder nicht? Möchte ich mich wirklich zu einer Party überreden lassen, auf die ich gar keine Lust und sicher auch keinen Spaß daran habe? Oder muss ich Besuch 3 Stunden länger da sitzen lassen, weil er das will, obwohl ich müde bin? Gestern meldete sich z.B eine Freundin spontan zum Besuch an. Allerdings hatte ich den Tag schon anders verplant und zwar ganz relaxt mit auf dem Sofa hängen und zocken.

Und so sagte ich ihr das auch, dass ich mich aber mega über ihren Besuch freuen würde. Nur eben nicht an diesem Tag. Gerne halte ich mir einen anderen Tag frei, an dem auch sie Zeit hat und wir kamen dann auf heute. Sie hat es ohne Diskussion oder mir ein schlechtes Gewissen zu machen akzeptiert. Früher hätte ich eine Ausrede erfunden, dass ich irgendwo wichtiges hin muss o.ä. Aber es ist meine Grenze und mein Bedürfnis und es ist wunderschön, wenn so etwas geachtet wird. – „Willst mich wohl nicht sehen. Schon gut.“ wäre z.B emotionale Erpressung und eine Grenzüberschreitung in solch einem Moment.

Soziale Grenzen

Wir entscheiden mit wem wir wann wie Kontakt haben möchten und mit wem nicht. Auf Arbeit oder in der Gruppe muss man irgendwie miteinander auskommen. Allerdings kann man das auch auf einer rein fachlichen Ebene. Wenn ich jemanden nicht mag oder er mir nicht gut tut, muss ich nicht bestFriend mit ihm spielen. Egal ob Familie oder außenstehende Menschen. Sich aufdrängen oder den anderen nötigen (egal in welcher Form) sind eine absolute Missachtung von persönlichen Grenzen!

Wie nehme ich meine Grenzen wahr?

  • Macht euch erst einmal bewusst das ihr überhaupt ein Recht habt Nein zu sagen. Ja habt ihr! Egal welche kleine (oder große) Stimme im Inneren jetzt gerade etwas anders behauptet.
  • Auch könnt ihr anderen Menschen erst dann richtig helfen, wenn es euch selbst gut geht. Eure Grenzen sind wichtig und ihr dürft diese äußern!
  • Geht dann einmal gedanklich in Situationen zurück, in denen ihr euch unwohl gefühlt habt: Welches Gefühl war das? Wart ihr verletzt? Wütend? Oder traurig? Durch was wurde dieses Gefühl ausgelöst? Bewertet dieses Gefühl gerade gar nicht, sondern nehmt es einfach nur kurz wahr.
  • Wo habt ihr Ja gesagt, obwohl ihr eigentlich Nein gemeint habt? Oder auch umgedreht: Wo habt ihr Nein gesagt (z.B jemand weggestoßen) obwohl ihr Ja meintet (z.B eine Aussprache oder eine Umarmung gebraucht/gewollt hättet)?

Wichtig!: Es geht gerade erst einmal nur darum die eigenen Grenzen überhaupt wahrnehmen zu lernen. Solange man seine Grenzen nicht kannte, konnte man sie auch nicht einhalten. Es gibt also keinen Grund sich zu verurteilen💚. Außerdem ist es ein unglaublich langer (aber teilweise auch sehr schöner) Weg die eigenen Grenzen kennenzulernen und dann auch durchzusetzen. Das wird nicht von heute auf morgen klappen. Wir machen das mittlerweile sehr gut und konsequent und trotzdem liegt noch ein langer Weg vor uns. Ihr macht also nichts falsch! Der Weg ist lang und es wird immer wieder Rückschläge geben, aber irgendwann kommen Momente, wo man den eigenen Fortschritt spürt und diese sind unbezahlbar 😊.

Wie setze ich meine Grenzen um?

  • Fangt klein an! Das kann z.B so aussehen das ihr darauf besteht, dass ihr heute einmal den Film aussucht, wenn das z.B sonst nicht der Fall ist. Oder das ihr heute das Restaurant auswählt. Und steigert euch dann Schrittweise. So tastet ihr euch auch selbst langsam an eure Grenzen heran und überfordert euch nicht.
  • Kommuniziert sie klar und deutlich.
  • Versucht auch mal auf eure Sprache zu achten: Ich stelle z.B in letzter Zeit immer häufiger fest, das wir gerne eine sehr wage Sprache benutzen. „Oder so; vielleicht; evtl; ich würde gern (besser wäre: ich möchte das) ; …“ . Das signalisiert dem Gegenüber, dass man sich nicht sicher ist. Man begibt sich also unbewusst in eine devote Haltung, was beim Gegenüber (übrigens auch meist ganz unbewusst) den Drang auslöst, sich dominant zu verhalten (und damit die Entscheidung zu übernehmen).
  • Droht nicht nur, sondern handelt! Ich habe jahrelang den Fehler gemacht, dass ich zwar deutlich gesagt habe das ich (z.B in der Beziehung) so nicht mehr weitermachen kann, aber dabei ist es geblieben. Es kommen ja dann Versprechungen vom anderen („Ab jetzt wird alles anders!“ ) und ich wollte dem glauben und habe deshalb weiter meine Grenzen übertreten lassen (denn natürlich ändert sich nichts, wäre der echte Wille da, wäre es bereits passiert). Und indem ich immer nur gedroht habe, mich dann aber wieder aufweichen ließ, machte ich meine Drohungen nicht nur unglaubwürdig (womit der Gegenüber sie ja getrost überhören konnte und nicht ernst zu nehmen brauchte), sondern auch mir selbst signalisierte ich immer wieder, dass ich mich nicht wehren kann. Steckt euch also realistische Ziele und kündigt nur an, was ihr auch wirklich durchziehen könnt!

Tipp: Eine 2.Chance gebe ich gerne, passiert Gleiches aber wieder, wird es erfahrungsgemäß (zumindest in naher Zukunft) nicht mehr besser.

  • Seid demnach bereit für Konsequenzen! Grenzen nur zu äußern bringt nicht viel, wenn ihr keine Konsequenz bei einer Überschreitung zieht. Auch hier wieder: Am Anfang wird euch kaum einer ernst nehmen. Rechnet damit. Wozu auch? Bisher ging es für die anderen schließlich auch ohne. Und auch ihr selbst werdet euch erst beginnen ernst zu nehmen, wenn ihr die Erfahrung gemacht habt, das ihr eure Grenze erfolgreich durchsetzen konntet. Wir diskutieren mittlerweile nicht mehr lange. Wir nennen unsere Grenze, weißen bei Übertretung 1-2x daraufhin, dass das gerade zu weit geht und wenn es dann immer noch nicht aufhört, beenden wir den Kontakt. Weh tut es immer noch unglaublich, aber dafür sind wir uns zu schade geworden. Und wenn man dann erstmal merkt, dass man das kann, man auch alleine zurechtkommt und sich sehr wohl wehren kann, fängt man an seine eigene Stärke zu spüren. Ab da wird es immer leichter.
  • Rechnet mit Gegenwind! Nicht jedem schmeckt es, wenn ihr auf einmal beginnt selbstständiger zu werden. Egoismus wurde mir z.B nicht nur einmal vorgeworfen. Und ihr werdet auch viele Menschen deshalb verlieren. Aber das ist okay. Ihr wollt ja raus aus der toxischen Spirale und das heißt auch, raus aus der gegenseitigen Abhängigkeit zu kommen. Ihr seid selbst für eure Bedürfnisse zuständig, ebenso wie alle anderen Menschen für die ihren selbst zuständig sind. Es ist ihre Aufgabe sich selbst darum zu kümmern. Nicht eure! Bleibt standhaft und lasst euch nicht verunsichern! Erstmal wird es womöglich eine schwierige und einsame Zeit, aber dann ist auch endlich Platz für Menschen die euch und eure Grenzen wahrhaftig schätzen und respektieren.
  • Setzt eure Grenzen aber bitte nicht als Bestrafung ein! Bei persönlichen Grenzen geht es darum eine Grenze zwischen euch und dem Außen und umgedreht aufzuzeigen. Ihr seid ein einzelnes Individuum, genauso wie der andere. Wenn eure Grenzen nicht respektiert werden, müsst ihr für euch eine Konsequenz ziehen. Wenn ihr das wieder auf den anderen verlagert (z.B mit anschweigen, ihm etwas wegnehmen, ihm wehtun, Vorwürfe machen, sich rächen, usw.) dann verschwimmt ja wieder alles zwischen euch und dem anderen. Für eure Bedürfnisse ist niemand außer ihr selbst verantwortlich!

Übrigens: Wer die Grenzen anderer nicht respektiert, respektiert auch oft seine eigenen nicht.

Selbsthilfegruppe – Habt ihr Interesse?

In letzter Zeit haben wir immer mal wieder mitbekommen, dass nicht nur wir große Probleme haben in einer Klinik angenommen zu werden (aufgrund der Maskenbefreiung), sondern auch viele andere Betroffene keinen Klinik-oder Therapieplatz bekommen.

Daher kam uns die Idee, man könnte sich vllt ab und an Online zusammenfinden. Quasi eine Online-Selbsthilfegruppe.

Unsere Idee war da evtl. über Discord (es sei denn jemand kennt eine andere, gute Plattform) eine Gruppe zu gründen, wo wir uns z.B 1x oder 2x im Monat treffen. Per Videochat oder für die, die sich nicht per Gesicht zeigen möchten, nur per Videotelefonie.

Für diese Gruppe hätten wir allerdings, aus Sicherheitsgründen, die Auflage, dass nur Betroffene (von dissoziativen Störungen, ktpbs o.ä) die wir in irgendeiner Form persönlich kennen oder die andere Betroffene, mit denen wir schon persönlicher Kontakt hatten, kennen/für sie bürgen) Einfach das nicht irgendjemand wildfremdes dann da mit drin hockt.

Dazu hatten wir noch an eine Gruppe gedacht, die offener gestaltet ist (ohne diese Auflage) und wo man sich untereinander schriftlich austauschen kann.

Es gibt ja auch viele Betroffene, die sich vllt gerne austauschen wollen, aber noch keinen persönlichen Kontakt mit uns hatten…

Generell kann man via Discord ja verschiedene Gruppen gründen, in denen man die Sicherheitseinstellungen unterschiedlich anpassen kann.

Auch für die kleinere, privatere Viedochatgruppe würden wir es, wenn, dann gerne so gestalten, dass man z.B einen Termin ausmacht, zu dem dann aber jeder dazustoßen kann, wie und ob er möchte. Also ohne Verpflichtung, etc.

Traumathemen bzw. Traumaarbeit können wir dort natürlich nicht leisten und auch moderieren können wir die Gruppe nicht, aber ich glaube das ist auch nicht nötig.

Wir fänden es schön, wenn wir uns gegenseitig unterstützen könnten, gerade in Zeiten wo von uns vllt keiner einen anderen Anlaufpunkt hat. Reden, uns austauschen usw. und das klappt manchmal schöner, wenn man direkt miteinander spricht, als wenn man sich nur via Kommentar oder Mailfunktion austauscht.

Wenn ihr Interesse haben solltet, könnte man die Regeln und Einzelheiten ja aber auch gemeinsam besprechen.

Lasst euch das ruhig mal in Ruhe durch den Kopf gehen und falls jemand Interesse haben sollte, könnt ihr mir gerne schreiben und dann können wir das demnächst ja vllt mal gemeinsam angehen 😊

,,Wie geht es dir?“

Mal so einige persönliche Gedanken (keine Feststellungen!) zu dieser Frage …

Wie ich diese Frage haassssee!

Sind wir doch mal ehrlich: Wie oft antwortet man darauf schon ehrlich?

,,Wie geht es dir?“ wurde zu einer Floskel, die mittlerweile fast jeder als Gesprächseinstieg verwendet. Daran ist ja grundsätzlich auch erst einmal nichts verwerflich. Nur wie oft wollen wir das eigentlich wirklich wissen? Und wie oft wollen wir eigentlich wirklich darüber reden?

Beispiel: Du triffst Gertrude im Supermarkt. Du und Gertrude, ihr seid gute Bekannte. Nicht gerade die engsten Freunde, aber ihr könnt euch ausstehen. ,,Mensch Gertrude, dass ist ja schön dich mal wiederzutreffen! Wie gehts dir?“ … Ehrlich? Du hüpfst in den Supermarkt, weil du nur eben schnell ne Packung Mehl kaufen willst und interessierst dich wirklich für mehr, als für Small-Talk? Willst du wirklich wissen, wie es Gertrude geht oder suchst du nur einen Gesprächseinstieg, weil ihr euch eben kennt?

Und will man überhaupt antworten?

Diese Frage nötigt eigentlich ständig dazu, zu lügen und ich mag gar nicht lügen. ,,Ja, dann tus halt nicht und sei ehrlich!“ – Vll will ich aber gar nicht ständig jedem erzählen, wie es mir gerade geht?

Und angenommen ich wollte es, dann habe ich wenig Interesse daran jemand anderen meine tiefsten Gefühle und Gedanken vorzusetzen, während dieser eigentlich nur belanglosen Smalltalk wollte. Du breitest jemand dein Innerstes aus und der nickt nur kurz: „Ja, das ist ja doof! … (peinliche Stille) … Du die Preise im Supermarkt steigen aber auch immer mehr, nich?“ . Also da kannste dir auch direkt ins Gesicht spucken lassen. Ne du, darauf ehrlich antworten, macht auf verschiedenen Ebenen nicht so viel Spaß.

Ma Butter bei de Fische

Du kannst der empathischste und einfühlsamste Mensch der Welt sein und trotzdem kannst und willst du das nicht immer hören. Das hat nichts damit zu tun, dass du egoistisch oder toxisch oder sowas bist. Ich meine, sei doch einfach mal ehrlich zu dir: Hast du jedes Mal, wo du diese Frage stellst, wirklich Lust und Zeit die Antwort zu hören? Und dann auch darauf einzugehen? Denn wenn sich jemand ehrlich öffnet (auf deine Nachfrage hin), dann solltest du das doch bitte tun.

Also ich hab nicht jedes Mal die Zeit, die Lust oder auch die nervliche Verfassung dazu 🤷‍♀️.

Aber wenn wir das nicht haben, warum nötigen wir den anderen dann dazu sich entweder nackig zu machen und womöglich mit einem schlechten Gefühl rauszugehen [Naja, oder man geht selbst mit einem schlechten Gefühl raus, weil man gerade zugeblubbert wurde, worauf man überhaupt keinen Bock hatte, aber nicht unhöflich sein wollte]. Oder nötigen ihn zum lügen?

Und was ich daran auch sehr nervig empfinde ist, dass wenn ich diese Frage aus ernsthaften Interesse stelle oder sie mir umgedreht jemand aus ernsthaften Interesse stellt, man es ebenfalls nur als übliche Floskel einstuft. Einfach weil die Frage durch ihre inflationäre Verwendung völlig an Bedeutung verliert. Woher sollte jemand auch wissen, ob sie gerade ernstgemeint ist oder nicht?

Wie wärs besser?

Tja. Da überlege ich auch schon voll lange rum und werde aber auch nicht so richtig fündig. Ich versuch’s dann manchmal mit so Sachen wie: ,,Was geht bei dir?„. Irgendwie verstehen das viele allerdings falsch und sagen dann: ,,Gut und dir?“ drauf. Ja naja, das ging irgendwie schief 😅.

Grundsätzlich fänd ich’s aber gut, keine Fragen mehr zu stellen, deren Antwort man (gerade) gar nicht hören will (oder auch kann). Also das betrifft viele Bereiche. Wenn ich z.B weiß das mich die Antwort irgendwie belasten wird, versuche ich meist einfach von vornherein gar nicht mehr zu fragen (scheiß auf die Neugierde). Vll sollten wir dazu übergehen nur noch Fragen zu stellen, auf welche wir auch eine ernsthafte Antwort hören wollen? Und andersherum versuche ich mittlerweile auf Fragen eine ehrliche Antwort zu geben (was nicht immer klappt – Manchmal antworte ich auch gar nicht und übergehe die Frage dann einfach).

Aber was es so als besseren Gesprächseinstieg (gerade wenn man länger nichts miteinander zu tun hatte) als „Wie geht es dir?“ gibt, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht nicht so recht 🤷‍♀️😅 …

Co-Narzissmus

Da sich letztens ein Beitrag zu diesem Thema gewünscht wurde, versuchen wir das heute mal anzugehen. All das hier stellt aber selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit dar und auch nicht in jedem Fall läuft es so, wie gleich beschrieben.

Und noch wichtig ist zu sagen: Nicht jede Beziehung mit einem narzisstischen Menschen nennt man Co-Narzissmus!

Da Co-Narzissmus eine Form der Co-Abhängigkeit ist, möchte ich zuerst einmal darauf eingehen was Co-Abhängigkeit überhaupt ist. Beide stellen jedoch kein eigenes Diagnosebild dar, sondern sollen einem vorhandenen Verhalten, nur einen Namen geben.

Co-Abhängigkeit (am Bsp. Alkoholsucht)

Wenn ein naherstehender Mensch, z.B der Partner oder ein Elternteil, beginnt an einer Sucht zu leiden, durchlaufen meist auch die Angehörigen einen Prozess. Bisher wurden 3 Phasen davon beschrieben, die wir hier einmal ansprechen möchten:

Verleugnung

Dem Abhängigen wird zu Beginn meist Verständnis entgegengebracht und das Problem wird versucht klein zu reden/zu bagatellisieren. Man versteht das getrunken wird aufgrund des vielen Stresses auf Arbeit, psychischer Probleme, usw. Vor dem äußeren Umfeld, dem das ungesunde Trinkverhalten vllt bereits auffällt, werden immer wieder Ausreden, Erklärungen und Verharmlosungen gefunden.

Kontrolle

Da mittlerweile die Sucht bereits schlimmer wird und kaum noch zu verleugnen geht, versuchen Angehörige oft selbst, die Sucht unter Kontrolle zu bringen. Zum Beispiel begeben sie sich auf die Suche nach dem versteckten Alkohol, um diesen wegzukippen. Oder sie übernehmen immer mehr Aufgaben des Abhängigen (übernehmen also alle Verantwortung allein). Gleichzeitig schützt der Angehörige den Erkrankten weiter vor der Außenwelt. Sie versuchen das Gerüst, alles sei in Ordnung, weiter krampfhaft vor anderen aufrechtzuerhalten.

Anklage

Es kommt zu immer mehr Konflikten und mittlerweile auch zu psychischen und/oder körperlichen Problemen beim Angehörigen. Die Schuld und Wut wird immer weiter auf den Erkrankten abgeschoben, was teilweise zu Aggressionen und Verachtung diesen gegenüber führen kann. Oft kommt es hier zu Drohungen, den Erkrankten zu verlassen und Betroffene versuchen sich Hilfe im Außen zu suchen (Familie, Freunde).

Was ist Co-Narzissmus?

Man spricht beim Co-Narzissmus davon, dass der Narzisst durch den Betroffenen in seinem Narzissmus unterstützt und komplementiert wird. Ähnlich wie oben bei der Co-Abhängigkeit, im Falle des Alkoholkranken (nur haben wir bei einer Beziehungs-Co-Abhängigkeit meist noch den Strudel des Missbrauchs) .

Hier gibt es jetzt zweierlei Thesen. Die eine und diese möchte ich wirklich als Problem anführen ist, dass (jeder) Co-Narzissmus selbst eine Form des Narzissmus wäre. Ich führe nachher an, was die Gründe dafür sein können, in Co-Abhängigkeiten (gerade in Beziehungen) zu geraten und dann versteht ihr vllt, warum diese These so gefährlich und in vielen (nicht jeden) Fällen leider auch völlig falsch ist. Es gibt Narzissten die sich ebenfalls (unbewusst) Narzissten zum Partner suchen. Oft kommen da der grandiose und der verdeckte Narzissmus zusammen. Wenn man nach meinen Eltern geht, dann hat man da z.B einen super Fall von antisozialer PS und verdeckten Narzissmus mit histrionischer PS. Die beiden haben sich tatsächlich wahnsinnig gut ergänzt und ergeben ein fast bilderbuchartiges Bsp.

In den meisten Fällen steckt hinter dem Co-Narzissten aber „einfach nur“ ein bereits bindungstraumatisierter Mensch (ohne Narzissmus!). Natürlich nicht immer. Co-Narzissmus kann sich auch ausbilden, wenn weder eigener Narzissmus vorliegt, noch eine toxisches Vergangenheit gegeben war. Aber da die Bindungstraumatisierung öfter die Grundlage ist, sprechen wir heute vorwiegend darüber.

Symptome des Co-Narzissmus

  • Man passt sich in allen Bereichen völlig an den anderen an (Selbstaufgabe)
  • „Helfersyndrom“ / Selbstaufopferung
  • Beziehungssucht (Sucht gebraucht zu werden, um uns selbst einen Wert zu geben)
  • „Harmoniesucht“ (Angst vor Konflikten, da diese wieder das Gefühl vermitteln falsch zu sein und nicht geliebt zu werden)
  • Wir geben nicht aus dem Glück und der Freude heraus, sondern aus der Angst (hoffen auf Bestätigung, Liebe oder Sicherheit)
  • Der Glaube den anderen verändern zu können (der Versuch Kontrolle auszuüben, um Sicherheit zu erlangen)
  • „nicht ohne ihn/sie sein können“ (was aber oft eigentlich traumabonding ist)
  • Lügen, „schön reden“ gegenüber der Außenwelt (siehe Co-Abhängigkeit oben – Der andere wird dadurch versucht zu schützen, was auch den Grund hat, dass man vor sich selbst länger die heile Welt aufrecht erhalten kann)

Was steckt dahinter?

Gehen wir davon aus, man wächst in einem Elternhaus auf, welches ebenfalls mindestens einen narzisstischen oder anderweitig sich stark toxisch verhaltenden Elternteil hat. Immer wieder wird es dann zu Situationen gekommen sein, wo du dich erst einmal beweisen musstest. Du musstest etwas leisten um „Liebe“ zu erhalten. Und wurdest immer wieder reglementiert, kritisiert und zurechtgewiesen. Ein gesunder Selbstwert („ich bin gut so wie ich bin“ ) konnte sich also nie entwickeln. Auch Selbstbehauptung hat man nie lernen können, denn wehe du hast widersprechen wollen.

In dieser Zeit lernte man, dass man nur gewollt und akzeptiert wird, wenn man sich anpasst. Perfekt wird für den anderen. Das kennt man. Diese Situation ist bekannt und alles Bekannte bietet für uns immer eine gewisse Sicherheit (auch wenn es noch so toxisch ist). (Emotionaler) Missbrauch ist als Liebe erlernt worden ➡️ An dieser Stelle möchte ich unbedingt auf meinen Beitrag zum Wiederholungszwang verweisen.

Aufgeschlüsselt

Wenn du nun gelernt hast, dass emotionaler Missbrauch normal ist, wirst du dir auch unbewusst wieder jemand suchen, der ähnlich agiert. Wie gesagt, es ist das Bekannte. Das hat aber nichts mit „na dann biste auch selbst Schuld“ zu tun. So einfach funktioniert unsere Psyche dann leider doch nicht.

Wir rutschen wieder zurück in das Muster, man müsste erst geben, um etwas zu erhalten. Wir glauben ja auch immer noch, dass wir um unserer Selbstwillen niemals geliebt werden könnten. Letztendlich sind wir hier wieder beim gleichen Thema, wie in den meisten anderen Beiträgen: Wir befinden uns wieder im alten Trauma. Man passt sich meist vollständig an die Bedürfnisse des anderen an, wenn man denkt, man müsse für ihn perfekt sein, um dessen Liebe (Bestätigung!) und Sicherheit zu erhalten. Wenn wir keine Selbstbehauptung besitzen und nicht für uns eintreten können („ich bin ja eh nichts wert“ ), dann werden unsere Grenzen auch immer wieder übertreten. Wenn wir uns selbst keinen Wert geben können, benötigen wir jemand anderes dazu.

Indem wir versuchen uns um den anderen herum zu biegen, um eben die gewünschten Sachen (Liebe, Sicherheit, etc.) zu erhalten, versuchen wir aber gleichzeitig auch (meist unbewusst!) Kontrolle über denjenigen zu erlangen: ,,Wenn ich das und das tue, bringe ich den anderen da und dazu („ich habe es in der Hand“ ➡️ der oft unbewusste Wunsch sich in der Traumasituation nicht mehr ohnmächtig zu fühlen)“ . Und so werden wir durch unsere Selbstaufgabe nicht nur zum Spielball der Krankheit des anderen (ob nun Alkoholsucht, Narzissmus, usw.), womit wir auch ihm kein Stück helfen. Im Gegenteil. Sondern auch wir tragen unseren Teil zu der toxischen Beziehung bei.

Selbstverantwortung

ES GEHT NICHT UM SCHULD!

Weder um „selbst schuld“ , noch darum man hätte Schuld an der toxischen Beziehung (dann würden wir wieder dahin abgleiten, selbst die Verantwortung für alles allein übernehmen zu wollen = Kontrolle „wenn ich Schuld bin, kann ich es Nächstes mal besser machen“ ).

Es geht viel mehr darum zu sehen, warum wir in solche Situationen geraten (denn das zeigt uns wo unsere Wunde liegt und wie wir sie heilen können). Was dahinter steckt. Zu sehen, warum gebe ich meine Bedürfnisse, Wünsche und Ziele für den anderen komplett auf? Warum habe ich das Gefühl, ohne den anderen nicht leben zu können? Warum brauche ich krampfhaft seine Bestätigung, wofür ich alles tun würde? Wieso bleibe ich in dieser Beziehung? Was sind die Gründe dafür? Und ganz wichtig: Die eigene Definition von Liebe zu hinterfragen, kann krasse Erkenntnisse zu Tage fördern (ich bin da übrigens immer noch bei – es ist also ein langer Prozess und wir werden trotzdem immer mal wieder in toxische Situationen geraten – das ist mehr als normal und auch völlig okay!).

(Perspektivenwechsel) – Warum Narzissten in solche Beziehungen geraten

Oft klingt es so, als würde der Narzisst (gezielt) vom Betroffenen ausgesucht oder umgedreht. Realität ist aber, dass sich in solchen Beziehungen meist 2 bindungsgestörte Menschen finden. Dieses Narzisst und Empathen Ding, da bin ich immer etwas vorsichtig. Das hört sich an, als käme der „arme, gute, überempfindsame Empath“ einfach so in die Fänge des „bösartigen Narzissten“ . Mir ist diese Anschauung etwas zu schwarz-weiß/gut-böse gedacht.

Es gibt zwar oft die Meinung, Narzissten kämen bereits so auf die Welt und da ich kein Mediziner bin, werde ich auch nicht versuchen dem zu widersprechen. Ich persönlich teile aber die Meinung, dass die meisten narzisstischen Menschen, sicher auch durch eine physische Prädestination, sich letztendlich aber durch äußere Einflüsse so entwickelten. Den meisten Narzissten liegt ebenfalls ein Trauma zu Grunde (dazu kommt auch bald nochmal ein Beitrag). Während der Co-Narzisst versucht Kontrolle durch Unterwerfung zu erlangen (siehe Beitrag „Die 4 Traumareaktionen“ ), versucht es der Narzisst durch Dominanz.

Ein Mensch der zu Unterwerfungsreaktionen neigt, ist für jemand der Dominanz ausüben möchte logischerweise auch ein besserer Partner, als jemand der gesunde Grenzen setzt und sagt: „Hör mal, mach dein Zeug, aber so garantiert nicht mit mir. Das habe ich nicht nötig.“ . Dahingehend bin ich mittlerweile auch der Meinung, lohnt sich die Frage immer mal: „Ist das hier wirklich Liebe? Von meiner und von der Seite des anderen aus? Oder sind wir nur eine „Trauma-Nutzgemeinschaft“ ?“ (also wir stellten fest, daß vieles was wir damals als Liebe ansahen, auch von unserer Seite aus eigentlich überhaupt keine echte war).

Was kann man tun?

Lernen Grenzen zu ziehen und sich selbst wertzuschätzen.

Ja, hört sich an, wie so eine dämliche Floskel. Als müsse man nur wollen und schwupp die wupp klappt alles. Wenn man das so einfach könnte, wäre man ja schließlich gar nicht erst in so einer Verstrickung. Aber letztendlich ist das der einzige Nenner, auf den ich es wüsste herunter zu brechen.

Es ist mega unfair, dass man Dinge überhaupt erfahren hat, die zu solchen Reaktionen führen. Und noch unfairer ist es, dass man schon wieder in einer missbräuchlichen oder zumindest, nett gesagt, ungleichmäßigen Beziehung steckt. Es ist unfair, dass man überhaupt erst Missbrauch erfährt und dann auch noch mit den Folgen sehen muss klar zu kommen, um den gleichen Rotz nicht wieder zu erleben. Das definitiv!

Nur leider ist das Leben nicht fair. Wir sind geprägt von Hollywood, wo die „Guten“ immer gewinnen und die „Bösen“ zur Rechenschaft gezogen werden. So ist aber die Realität nicht. In der Realität passieren schlechte Dinge und sie müssen weder immer einen Sinn haben, noch werden sie stets ausgeglichen und bereinigt.

Wir können (und so sollte es sogar sein) Hilfe in Anspruch nehmen. Egal bei was. Aber letztendlich kann all das nur eine Unterstützung sein. Uns kann die Hand zum Aufstehen gereicht werden. Heilen müssen wir jedoch selbst. Wenn wir also zu solchen Beziehungen neigen und daran etwas ändern wollen, bleibt uns kaum etwas anderes übrig, als Selbstachtung und -liebe zu erlernen und umzusetzen.

Der neuste Trend

Ne, tatsächlich werde euch jetzt nichts von der neusten Lederhandtasche in Lachsrosa (das ist die einzige Farbe, die ich im Bereich rosa noch kenne😂🙈) erzählen.

Nö, immer wenn ich mich ziemlich einsam fühle und kacke drauf bin, packe ich Tiktok aus (jaja, ich weiß wie effektiv Soziale Medien sind, wenn man sich schlecht fühlt 😅). Und wisst ihr welcher neue Trend mir da stark ins Auge sticht?

Fehler machen.
Unperfektion.

Ja, es gibt tatsächlich Menschen, die ihre Fehler zugeben. Die nicht immer in der perfekt sitzenden Hose vor der Kamera sitzen. Kennt ihr diese Hosen und diese Pose?
Bauch rein. Arsch und Brüste raus und das alles schön on von der Seite filmen.
Sorry für den Ausdruck, aber selbst Mobby Dick sähe in dieser Pose aus wie ein unterernährtes Laufstegmodel 🤷‍♀️.
Und was hat das zur Folge?
Also diese Sucht nach Perfektion in unserer Generation?

Das wunderschöne, junge Mädels ihren Körper hassen. Das wir in einer immer zunehmend surrealer und imaginativeren Welt leben, wo keiner auch nur eine öffne Pore, eine Hautfalte oder gar sonst einen Fehler zeigen darf.
Perfektion.
Pseudoperfektion.

Versteht mich nicht falsch.
Ich bin ein Fan davon, dass wir alle das bestmögliche aus uns heraus holen sollten. Aber ich meine das, was wirklich in uns steckt. Das wir unseren wahren Wert nicht auf halber Strecke liegen lassen sollten.
Nicht, dass wir uns bis zur Unkenntlichkeit verunstalten. Das wir uns gegenseitig das blaue von Himmel herunterlügen und uns dafür eigentlich alle nicht mehr als selbst hassen.

Denn die Wahrheit ist, dass auch der perfekt trainierteste Körper Hautfalten am Bauch hat. Spätenstens beim sitzen. Das es Bullshit ist, dass man nur hübsch wäre, wenn man die perfekten Maße hat. Was bitte sind denn die perfekten Maße? Was ist normal? Das was die Mehrheit irgendwann mal als normal festgelegt hat. Wann haben wir angefangen Pickel oder verstopfte Poren als fehlerhaft anzusehen? Einen natürlichen Körper?

Kommt, jetzt bin ich gerade im Schwafelfieber, also erzähl ich euch auch diese Geschichte 😅:

Vor Jahren nahm ich einmal LSD (und das wird um Himmels Willen keine Hyme an Drogen – Ich habe da echt crazy und kaputte Leute kennengelernt. Probiert euch gerne aus, aber Drogen braucht man definitiv für keinerlei Erkenntnisse) und saß draußen. Ich hasste Insekten. Tue ich eigentlich immer noch. Diese vielen, kleinen krabbelten Wesen machen mich ganz wahnsinnig. Und mal ehrlich: Sie sind echt hässlich. Ach kommt schon. Schönheit liegt da wahrlich im Auge des Betrachters, will man meinen.

Joar und da sind wir auch schon da, worauf ich hinaus wollte. Ich hasse diese Viecher. Aber dann saß ich so da draußen in der Wiese und überall krabbelt etwas über die Decke. Über mich und saßen neben mir. Auf mir.
Ich betrachtete sie.

Und ich habe noch nie so etwas schönes gesehen.
Ich meine das jetzt nicht auf die: „Uh year Hässlichkeit ist so schön“-Tour. Sie waren, sie sind nicht hässlich. Nicht mal im entferntesten. Ich meine das ernsthaft. Und hier spricht ein richtiger Phobiker.
Was für unglaublich schöne, filigrane Wesen.
Wisst ihr was den Unterschied gemacht hat?
Tatsächlich meine Betrachtungsweise.

Habt ihr euch diese Tiere mal angesehen? So richtig? Das war der Moment als ich die Unperfektion so lieben gelernt habe. Und nein, nicht die Unperfektion von Wesen und Menschen die halt hässlich sind. Was für ein absurder Begriff. Ich rede von der echten Unperfektion die das Leben ausmacht. Wären wir alle gleich, alle dem mal wieder aktuell vorherrschenden Ideal gerecht werdend (was, wir wir ja wissen, sich eh permanent ändert – versucht man dem hinterherzukommen, braucht man eine echt gute Ausdauer), wären wir nichts als Roboter. Bioroboter.
Wollt ihr das?
Ich nicht.
Definitiv nicht.

Ich sehe das z.B so, dass Äußerlichkeit definitiv eine Rolle beim ersten Eindruck spielt. Beim darüber Nachdenken ob ein jener bzw eine jene überhaupt für mich sexuell in Frage kommt. Alles andere halte ich für gelogen. Aber das, was ich für schön empfinde, sagt dem anderen überhaupt nicht zu. Es scheint also gar kein allgemein gültiges Ideal zu geben, dem wir alle entsprechen müssten (männlich, wie weiblich oder was auch immer dazwischen). Alles liegt an UNSERER Betrachtungsweise. An dem was wir schätzen und gut finden.

Und was wollen wir bitte demnach mit jemand der uns nicht so gut findet, wie wir sind? Der uns nur gut findet, weil wir 10cm dicke Schminke auftragen oder eine Rolle spielen? Der uns nicht mag mit all unseren Makeln (und aber ebenso auch all unseren Vorteilen)?
Ich liebe diesen Trend, wo Menschen endlich einmal zu dem stehen, wer sie sind.
Sich mit all ihren Haut- und „Fett“falten (fies ausgedrückt, ich weiß – aber wisst ihr, dass mein Gesamtfettanteil bei 22% liegt und ich meinen Körper trotzdem teilweise so ekelhaft finde? Ihn am liebsten mit seinem ganzen „Fett“ im nächsten Ozean versenken würde? Auch da spielt also die Betrachtungsweise eine enorm große Rolle und nicht irgendein als „normal“ angesehenes Ideal) zeigen.
Ich liebe es, weil es mir die Kraft und die Zuversicht gibt, mich auch zu zeigen. Wir können uns so gegenseitig die Kraft geben, sein zu können, wer wir wirklich sind. Durch Ehrlichkeit. Scheiß auf die, die lieber der Illusion hinterherhängen wollen.

Sind wir doch mal ehrlich: Was passiert schon wirklich, wenn wir uns mit unseren Fehlern zeigen? Hassen uns Menschen? Klar. Sowieso und immer 😅. Wer von allen geliebt wird, macht definitiv was falsch und passt sich zu sehr an. Aber ab- und ausgestoßen wird man doch nur, wenn wir wirklich ehrlich sind, von Leuten, zu denen weiterer Kontakt eh keinen Bestand hätte. Höchstens auf der Basis: „Ich bin für dich da, aber stecke all mein persönliches zurück. “ Kein Mensch, den wir wirklich in unserem Leben wollen, also so wirklich im Sinne von (okay, ich rede jetzt vllt auch nur von mir): Dieser Mensch gibt uns genauso viel, wie er nimmt. Was wollen wir mit dem Rest? Hand aufs Herz. Was wollt ihr mit Menschen vor denen ihr ein Schlankheitsideal, eine perfekt reine Haut (so toll diese auch ist) oder sonst welche Perfektion vorspielen müsst? Was wollt ihr, was wollen wir mit diesen Menschen in unserem Leben?

Ich liebe also all die Menschen, die sich mit all ihrer psychischen Nicht-Perfektion zeigen. Die erzählen, wie scheiße es ihnen oft geht. Wie unperfekt sie im Alltag laufen. Wie sie sich im zwischenmenschlichen daneben benehmen und wie fucking normal ihr Körper ist, trotz angeblicher Makel.
Ich liebe diesen Trend!
Und hoffe so sehr, dass es ein Trend ist, der Bestand hat! Das brauchen wir! Keine Wir-sind-alle-so-perfekt-Illusion!

Wir wachsen nicht, indem wir uns alle gegenseitig vorlügen wie perfekt wir sind.
Sind wir nicht. Punkt.
Keiner von uns.
Gott sei Dank!
Stellt euch vor, wie langweilig das Leben dann wäre!
Wir wachsen nur. Wir können uns gegenseitig nur helfen (und damit gesellschaftlich wachsen), wenn wir unsere Unperfektion offen zeigen.
Nein. Fehler machen ist nicht schlimm. Fehler vertuschen (und das tun ich, du, wir alle – einfach weil wir so aufgewachsen sind, wo Fehler etwas ganz schlimmes sind), das schadet uns allen wirklich.
Ich liebe jedes einzelne Video, wo Frauen ihre Pickel zeigen. Ich liebe jedes einzelne Video, wo Männer über ihre Verletzlichkeit sprechen und verdammt nochmal merke ich, wie es mir besser geht, wenn ich über meine „Fehler“ spreche.

Mehr als Ich sein kann ich nämlich nicht. Entweder werde ich dafür geliebt oder gar nicht. Alles andere ist nur Show, die irgendwann zusammenbricht und keinen Bestand hat. Und das will ich nicht.
Wollt ihr das? Ein Leben basierend auf einer Show?
Nein? Dann rufe ich hiermit auf: Zeigt euch mit all euren Fehlern. Das ist sowas von geil! Ich liebe diesen Trend!

Was ich mir von anderen wünschen würde

Bitte versteht das hier jetzt nicht wie eine Auflistung von Vorwürfen an die Welt da draußen.

Bei allem, was ich hier anspreche, muss auch ich lernen, darauf zu achten. Bspw. manches nicht zu relativieren, so nobel die Gründe auch sein mögen (z.B weil man die Situation für den anderen entschärfen möchte), usw. Dementsprechend bin ich der Meinung, dass vieles auch von anderen einfach unbeabsichtigt und auf keinen Fall bzw sehr, sehr selten aus böswilligen Gründen geschieht. Ich denke es hilft aber, wenn man seine eigenen Bedürfnisse und Gedanken dazu einfach einmal laut äußert und ausspricht (naja, eher ausschreibt 😄).

Versteht diesen Beitrag also mehr als eine Wunschliste, so wie zu Weihnachten. Aber ebenso als eine Art Anleitung, für persönliches Wachstum, an die auch ich mich versuchen will zu halten. Schließlich möchte ich nicht von anderen ganz viel Rücksicht und Liebe erwarten und selbst benehme ich mich wie die Axt im Walde.

1. Kein Relativieren

Das steht für mich ganz oben auf der Liste. Bitte nehmt mich ernst!

Dieses: ,,Ich bin auch manchmal schlecht drauf“ oder ,,Das war doch gar nicht so wild“ oder ,,Es hätte ja auch schlimmer kommen können“ oder ,,Du musst das nur positiv sehen“ usw. lösen in mir das Gefühl aus, dass das was ich fühle und gerade erlebe oder erlebt habe nicht ernst genommen wird. Ich fühle mich dann falsch und lächerlich. Ich denke dann, dass ich übertreibe und mich nicht zu sehr anstellen darf. Aber dadurch das ich mich dann selbst nicht ernst nehme, kann ich auch nicht heilen. Und ja, natürlich ist das richtig, dass wir uns zu aller erst selbst lieben und glauben usw. müssen. Aber wir sind nicht getrennt von der Außenwelt. Wir können das nicht im Alleingang schaffen. Und wenn du da immer wieder die gleichen Botschaften von deiner Außenwelt bekommst, wird es eben einfach schwer mit dem neue Glaubenssätze aufstellen.

2. Keine Phrasen

Bitte hör mit richtig zu und verwende keine Phrasen wie: ,,Du steigerst dich in was hinein“ oder ,,Du bist doch nur getriggert“ oder ,,Du übertreibst total“ usw. Auch das fällt alles wieder unter: Bitte nimm mich ernst!

Wenn ich etwas sage oder emotional reagiere, dann tue ich das, weil es mich gerade ehrlich belastet. Egal ob es die jetzige Situation ist oder ich tatsächlich durch das Jetzige „nur“ getriggert wurde (wo trotzdem die aktuelle Situation eine Rolle spielt) und es etwas Altes mit hochholt. Wenn du solche Phrasen verwendest, dann hört und fühlt sich das so an, als wären meine jetzigen Gefühle absolut unrelevant und nervig. Irgendwas, was durch eine dumme Laune der Natur ausgelöst wurde und gleich wieder vorbei ist. Wie eine Fehlfunktion bei einem Computer.

Frag doch einfach nach. Such einen Dialog mit mir. Vll auch nicht sofort in der Situation. Warte ruhig bis du dich und ich mich beruhigt haben. Aber wisch mich nicht mit sowas weg.

3. Kein Vergleichen

Das mache ich selbst schon ständig. Bitte tu mir das nicht auch noch an!

Vor fast 2 Jahren erzählte ich einem damaligen Freund von meiner Diagnose und das ich in eine Fachklinik möchte. Eine die sich wirklich mit Trauma auskennt und nicht wieder eine, die alles nur noch schlimmer macht. Er erzählte mir dann von einer, in der er war und das ich da unbedingt hin soll. Dort wären sogar Frauen gewesen die Reinigungsmittel getrunken hätten und denen es deshalb viel schlim… Da biss er sich auf die Zunge. Ich weiß aber was er sagen wollte: ,,Denen es viel schlimmer ging, als dir.“ Sowas tut einfach nur weh.

Ich habe eine fantastisch fest sitzende Maske. Die kann ich auch in Extremsituationen kaum ablegen. Nicht vor außenstehenden Menschen. Und nur weil ich viel lächle und mit anderen kaum über das rede, was gerade WIRKLICH in mir und privat (wenn ich alleine bin) los ist, heißt das nicht, mir fehlt nichts oder „weniger“ als anderen. Nur weil ich nicht jeden, bei jeder Begegnung all meine Traumata in allen Einzelheiten um die Ohren klatsche und ständig betone WIE schlecht es mir doch geht, bin ich nicht „weniger schlecht dran“.

Und seht ihrs? Schon fange wieder damit an: Ich rechtfertige mich. Ich fange an zu erklären und machen. Das will ich aber gar nicht. Ich will einfach nur ernst genommen werden. Ich fühle mich durch solches Vergleichen minderwertig und unsichtbar. Unrelevant. ,,Die anderen sind wichtig, aber nicht du.“ – Das ist die Botschaft, die dadurch immer wieder bei mir ankommt.

4. Erklären, statt übergehen

Manchmal ist es so, dass man einfach nicht weiß wie man auf etwas reagieren soll. Das ist total normal. Aber wenn ich mich schon einmal traue, mich ein wenig zu öffnen und über meine Gefühlswelt zu reden, dann ignoriere das bitte nicht.

Mit ignorieren meine ich, dass einfach gar nicht mehr reagiert wird, aus Angst vllt. das Falsche zu sagen oder aus Überforderung o.ä. Wenn ich dir etwas sehr privates erzähle und du mich daraufhin anguckst wie ein Esel, der ne andere Sprache spricht und dann einfach schnell das Thema wechselst, verletzt mich das. Für mich ist es okay, wenn du über bestimmte Themen nicht reden willst. Solche Themen haben wir alle. Oder wenn du mit der Situation gerade total überfordert bist oder what ever. Aber dann sag mir das einfach. Mit sowas kann ich umgehen. Wenn ich jedoch einfach ignoriert werde, dann signalisiert mir das wieder: ,,Du bist unwichtig“ und noch viel schlimmer, holt das Dinge hoch und ich fühle mich wieder wie ein Gegenstand. Einer der höchstens zum benutzt werden gut ist.

Manchmal hilft ein einfaches: ,,Wie fühlst du dich?“ oder ,,Was brauchst du gerade?“ oder ein ehrliches: ,,Ich habe dich gehört und stehe hinter dir“ schon vollkommen aus. Es müssen keine Lösungswege vorgeschlagen (das Problem lösen kann eh niemand außer man selbst) oder sonst was getan werden. Das Gefühl nicht allein zu sein und Rückhalt zu bekommen, reicht mehr als aus. Es ist nicht schön immer allein zu sein und sich durch ignoriert werden, weiter allein zu fühlen.

5. Keine leeren Versprechungen

Oder auch: Meine das, was du sagst.

Für mich ist Sicherheit unglaublich wichtig. Mir ist bewusst, dass es sowas wie Sicherheit eigentlich nie gab oder geben wird. Man kann nichts voraus planen und sich immer sicher sein. Trotzdem habe ich nicht das normale Resilienz-Paket von vllt. manch anderem. Um überhaupt irgendwie durch den Tag zu kommen, brauche ich ein gewisses Maß an gefühlter Sicherheit. Alles andere bedeutet für mich Hochstress.

Wenn du mir jetzt immer wieder Zusagen machst, aber nichts davon einhältst, dann steigt auch mein Stresslevel. Für dich mag das nicht von Bedeutung sein, aber für mich ist es sehr wichtig das ich wieder lerne Vertrauen aufzubauen. Wenn ich aber ständig mit dieser Unsicherheit konfrontiert bin und nie richtig einschätzen kann, wann sich wer wie verhält, bleibe ich in diesem Dauer-Hochstresszustand, weil das: ,,Du kannst NIEMAND vertrauen und glauben“ permanent bestätigt wird. Es sind manchmal tatsächlich die kleinen Sachen, die entscheidend sind.

6. Keine Ratschläge

,,Ratschläge sind auch nur Schläge“ – Das lese ich oft. Ich will Ratschläge aber gar nicht so allgemein verteufeln. Ich denke die Art der Kommunikation und ob man mit dem Vorgeschlagenen in Resonanz gehen kann, spielt da immer eine sehr große Rolle. Und da sind wir eigentlich auch schon beim Kernpunkt: Die Kommunikation.

Ratschläge werden oft auf dieser: ,,Du musst das so und so machen“ und ,,Na ich hab alles schon genauso durch und weiß es deshalb besser„-Tour rüber gebracht. Nein, du hast so etwas noch niemals GENAUSO durchgehabt. Niemand ist gleich. Auch wenn du denkst, du wüsstest wie ich ticke, ist das nicht so. Du siehst die Welt aus deiner Perspektive und ich aus meiner. Also respektiere bitte meine Meinung, über mein Leben. Du hast etwas ähnliches durch und kannst mir deshalb davon erzählen wie du gehandelt hast. Das bietet mir die Chance, einen Weg aus einer anderen Perspektive zu sehen. Es ist eine neue Sichtweise und eine neue Möglichkeit, die mir dadurch eröffnet wird. Tun muss ich davon aber überhaupt nichts, weil niemand weiß, ob dieser Weg FÜR MICH der Richtige sein wird oder nicht.

Zeig mir neue Wege. Zeig mir neue Sichtweisen. Aber bitte nötige mich nicht dazu, diese auch zu übernehmen. Lass mich selbst entscheiden. Das heißt auch kein: ,,Na wenn du meinst“ o.ä. Nichts was ein schlechtes Gewissen/Gefühl auslösen soll, weil ich eine eigene Entscheidung treffe und nicht deine exakt übernehme.

7. Loyalität

Eigentlich ist das unter (echten) Freunden oder Partnern eine Selbstverständlichkeit. Eigentlich.

Sagen wir, ich habe Streit mit Person XY, wegen irgendwas zwischenmenschlichen. Irgendwas, wegen was man sich halt mal streitet. Dann ist das ein Ding zwischen mir und dieser Person. Ich kann mit jemand anderes darüber sprechen, mich auskotzen oder mir Rat holen. Zu erwarten das derjenige, mit dem ich darüber spreche, wegen sowas jedoch Partei ergreift, halte ich für nicht richtig. So die normalen Streitthemen, die es eben mal gibt, sollte man untereinander klären und nicht zu einem Parteienkrieg erklären. Das halte ich für kontraproduktiv und meine ich damit also auch nicht.

Mir geht es darum, dass im Fall eines definitiv missbräuchlich stattfindenden Verhaltens (emotional, physisch und/oder sexuell) nicht auf: „Ne, ich bin da total neutral“ gemacht wird. Früher habe ich solches Verhalten immer und immer wieder durchgehen lassen. Heute gibt’s dafür, von mir, keine 2. Chance mehr. Es kann einfach nicht angehen, dass man sich selbst als Freund o.ä betrachtet, aber dann mit Menschen zusammen sitzt und chillt, die mir offensichtliche Gewalt zugefügt haben. Heute, rückblickend und reflektierend, muss ich wirklich sagen: „Wie Charakterlos muss man sein, wenn man bei traumatisch, missbrauchenden Verhaltensweisen auf Neutralität bestehen möchte?„. In diesem Fall ist für mich Schweigen Zustimmung.

Schaut, da ist eine Person die dich jeglicher Macht beraubt. Demütigt, verletzt und hilflos fühlen lässt und dann sitzt du, als eigentlicher Freund da und regst dich nur nicht nicht auf, sondern verbringst weiter freiwillig deine Zeit mit diesem Menschen. Man muss manches gar nicht sagen, die Handlung spricht oft mehr als tausend Worte. Die glasklare Botschaft ist, egal ob dir das bewusst ist oder nicht, dass du 1. Meinen Schmerz überhaupt nicht siehst und ernst nimmst und 2. Das dir die Person, die sich akut missbrauchend verhielt (wir reden hier nicht von einem Fubar), wichtiger ist, als ich. Das Signal ist: „Lieber übersehe/relativiere/rechtfertige ich akuten Missbrauch, als das ich für dich Position beziehe und einstehe„.

Von fremden Menschen ist dieses Verhalten verletzend, aber von einer Person, der man Vertrauen schenkt (einem Freund eben) ist es für mich persönlich nicht minder traumatisierend, als der Missbrauch (welcher Art auch immer) selbst. Von so einer nahestehenden Person ist es die Bestätigung wertloser zu sein, als ein Mensch der sich derart abartig verhielt.

Ich persönlich habe mittlerweile solche Menschen aus meinem Leben entfernt. Vllt. regt es aber den ein oder anderen, der einen auf Schweiz versucht zu machen, mal zum darüber Nachdenken an. 100pro ist das meist nicht die beabsichtigte Botschaft, aber ob Absicht oder nicht ändert ja nichts an den Auswirkungen 🤷‍♀️.

8. Kein Druck

Ja, es gibt Menschen die unter Druck zu Höchstleitungen auflaufen. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ganz im Gegenteil funktioniert unter Druck bei mir überhaupt nichts mehr.

Indem du mich also ständig darauf hinweist, was dir an mir oder meinem Handlungen falsch erscheint (ausgenommen KONSTRUKTIVE Kritik) und wie ich das denn endlich mal besser machen könnte, hilfst du mir nicht im geringsten. Wenn man Resilienz aufbauen möchte/muss, dann ist es wichtig und wertvoll auch einmal wieder positive Seiten an sich oder generell dem Leben zu erfahren. Ich mein jetzt nicht permanente und völlig unangebrachte Lobhudeleien damit. Sondern eher, dass man mal versucht nicht nur die negativen Dinge anzusprechen, sondern genauso die positiven. Wir neigen als Menschen heutzutage so sehr dazu unseren Mund nur aufzumachen, wenn uns etwas nicht passt. Und konstruktive Kritik ist, wie gesagt, definitiv wichtig und richtig. Nicht nur für die gegenseitige Kommunikation, sondern auch für das persönliche Wachstum.

Das ganze andere, ständige Gemecker führt aber in den meisten Fällen nur zu Selbstwert und -bewusstseins Problemen. Zu Druck und dem Gefühl erst dies und jenes erfüllen zu müssen, um vollwertig zu sein. Nehmen wir die Beispiele A.: Obwohl ich immer recht schlank war, kamen früher (als noch Kontakt bestand) ständig Kommentare meiner Oma wie dick meine Oberschenkel mal wieder geworden wären. Wenn dein Gegenüber 300kg wiegt und du dir ernsthaft gesundheitliche Sorgen um denjenigen machst, dann geht ein ähnlicher Hinweis mögl. klar. Aber welchen produktiven Nutzen hat solches Gemecker? Mit solchen oder ähnlichen Aussagen erreichst du doch nicht mehr, als das der andere unter Druck gerät etwas schlimm zu finden oder plötzlich verändern zu „wollen“, was ihn überhaupt nicht gestört hätte. Es ist dein Problem. Mach es nicht zu dem des anderen.

Oder B.: Las ich z.B mal auf einen Profil einer KPTBS-Betroffenen einen Kommentar, dessen Aussage grob war: „Du machst jetzt schon so lange Therapie, warum bist du immer noch nicht weiter gekommen? Eigentlich müsstest du schon mal bisschen besser klar kommen“ – Was soll so etwas deinem Gegenüber bringen? Das mag ja deine Meinung sein und das ist durchaus okay, aber was denkst und erwartest du, bringt dieser Kommentar? Ich sag’s dir. Nichts anderes als Druck und Selbstvorwürfe (was den Selbstwert wieder negativ beeinflusst). Mag vllt gar nicht so gemeint sein, aber ich finde mittlerweile, dass man von einem erwachsenen Menschen durchaus erwarten und verlangen darf, dass er vorher auch mal darüber nachdenkt, ob die beabsichtigte Aussage gerade für irgendwem einen echten und produktiven Nutzen hat oder zumindest zu einem produktiven Diskurs beitragen kann.

9 Formen von Amnesie

Was ist Amnesie?

Das Wort Amnesie leitet sich aus den griechischen Begriffen “a” (nicht, ohne) und “mnesis” (Erinnerung) ab und steht für einen Gedächtnisverlust.

Meistens wird die Amnesie durch etwas bestimmtes ausgelöst und ist zeitlich begrenzt. In seltenen Fällen kann es aber auch dazu kommen, dass sich die Erinnerungen nie wieder einstellen.

Ursachen für Amnesien

Organische:

  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch
  • Vergiftungen
  • Gehirnerschütterung
  • Migräne
  • Demenz
  • Epilepsie
  • Schlaganfall
  • Hirntumor
  • Gehirn- und Hirnhautentzündungen
  • Herzstillstand
  • organisch bedingte psychische Störungen
  • Mangelernährung ( Thiaminmangel)

Psychische:

  • extreme Stressbelastung (psychisches Trauma)
  • Psychosen

Formen von Amnesien

1. Anterograde Amnesie

So sogenannte vorwärtswirkende Amnesie kommt am häufigsten vor. Dabei ist das Kurzzeitgedächtnis gestört und Betroffene können neue Gedächtnisinhalte nur noch schwer abrufen. So werden neue Sachen oft schon nach 1-2 Minuten wieder vergessen. Im Prinzip wird also alles vergessen, was nach der Ursache für die Anterograde Amnesie passiert.

Meist kennt man diese Form der Amnesie aus dem Bereich der Demenz und Alzheimer. Dort wird sie also durch neurodegenerative Krankheitsprozesse verursacht. Als weitere Ursache kommen aber auch Läsionen im Gehirn (z.B durch Kopfverletzungen oder Schlaganfälle ausgelöst) in Frage, sowie Nervengifte.

2. Kongrade Amnesie

Bei der kongraden Amnesie existiert eine Amnesie für das schädigende Ereignis selbst (psychisch oder physisch). Dabei erinnert man sich aber trotzdem noch an alles vor dem Ereignis und auch an alles danach.

3. Retrograde Amnesie

Betroffene erinnern sich hier an nichts mehr was vor dem auslösenden Ereignis stattfand. Man kann sich z.B absolut nicht mehr daran erinnern, was vor einem Unfall geschah und was ihn überhaupt ausgelöst hat. Oft ist die retrograde Amnesie zeitlich begrenzt und Betroffene bekommen ihre Erinnerungen bereits nach wenigen Minuten, Stunden oder Tagen zurück.

Auslöser für eine retrograde Amnesie könnten z.B traumatische Erfahrungen sein (also starker psychischer Stress) oder auch Infektionen. Genauso könnten aber auch eine Mangelernährung (Korsakow-Syndrom), ein Schädelhirntrauma oder neurochirurgische Eingriffe in Frage kommen.

4. Transiente globale Amnesie

Bei der transienten globale Amnesie kommen die anterograde und retrograde Amnesie zusammen. Diese Form der Amnesie tritt meist schlagartig auf und Betroffene können sich meist an nichts mehr aus der nahen Vergangenheit erinnern (retrograd). Ebenso nehmen sie keine neuen Inhalte mehr auf bzw. können sich diese nicht mehr merken (anterograd). Meist wissen die Betroffenen noch wer sie selbst sind, können sich aber nicht mehr erinnern wo sie sind und wie sie da hin kamen.

Als ich vor ein paar Jahren retraumatisiert wurde, brachen plötzlich die Blackouts durch und wurden für mich bemerkbar. Vorher (und leider auch heute oft wieder) habe ich die einfach nicht bemerkt (Amnesie für die Amnesie). Logischerweise fand ich das damals ziemlich gruselig und hab im Internet gesucht und geschaut, was denn mein Problem sein könnte. Ja und da bin ich auf die transiente globale Amnesie gestoßen. Ich habe da z.B über eine Frau gelesen, die in ihrem Auto saß und das noch sicher eingeparkt und abgestellt hat. Sich aber weder daran, noch an die Zeit vor dem Einparken oder danach erinnern konnte. Der fehlten einfach mehrere Stunden.

Deshalb dachte ich, dann kann ich nur das haben (Spoiler: War nicht so😅). Die transiente globale Amnesie ist nämlich auch nichts schlimmes. Die hört sich total gruselig an, hat aber (soweit bisher bekannt) keine schlimmen Ursachen oder Folgen. Von daher hatte ich eine Erklärung für die Blackouts, hatte auch keine Angst mehr das es etwas schlimmes sein könnte und hab’s deshalb dann halt einfach so hingenommen und auch nicht untersuchen lassen o.ä. Ab und an hab ich halt mal nix mehr mitbekommen – Gehörte dann eben einfach zu mir.

Sie kann übrigens zu Amnesien von 1-24h führen und kommt bei den meisten nur einmalig vor. Außerdem bleiben, bis auf die Amnesie für diesen Zeitraum, keine Schäden zurück.

5. Globale Amnesie

Sie gilt als die schwerste Form der Amnesien. Auch hier kommen anterograde und retrograde Amnesie zusammen, also es besteht sowohl keine Erinnerung mehr an die Vergangenheit und zudem können auch keine neuen Erfahrungen mehr abgespeichert werden. Gespeicherte Abläufe die vor der Amnesie erlernt worden, wie Fahrrad- oder Autofahren, können die Betroffenen aber meist noch ausführen.

In ihrer vorübergehenden Form kennt man sowas nach zu viel Alkohol oder auch durch Drogen- oder Medikamentenmissbrauch (Benzos z.B).

6. Amnestisches Syndrom (Korsakow-Syndrom)

Dabei ist das Langzeitgedächtnis gestört, weshalb sich Betroffene nicht mehr an länger zurückliegende Ereignisse erinnern können. Aber auch das Kurzzeitgedächtnis kann ebenfalls gestört sein, weshalb manche dann Neues nicht mehr richtig lernen können. Sie haben Probleme sich zeitlich zu orientieren und wirken oft auch desorientiert. Gewohnte Handlungsabläufe stellen dabei meist jedoch kein Problem dar. Viele Patienten füllen ihre Gedächtnislücken dann auch mit erfunden Material.

Meist tritt diese Form der Amnesie bei Langzeitalkoholikern auf, aber auch Erkrankungen des Gehirns können eine Ursache dafür sein (organisch amnestisches Syndrom).

7. Infantile und Puberale Amnesie

Von der infantilen Amnesie sind die allermeisten Menschen betroffen. Bei ihr geht es nämlich darum, dass man alles vergessen hat, was vor dem 3. Lebensjahr passiert ist.

Die puberale Amnesie ist jedoch schon etwas spezifischer. Bei ihr wird alles vergessen, was sich um sexuelle Inhalte vor der Pubertät dreht. Jugendliche vergessen dabei also beim Eintreten und fortlaufen der Pubertät, dass sie jemals Doktorspiele gemacht haben oder sich anderweitig mit sexuellen Inhalten beschäftigten. Aber auch das Vergessen/Verdrängen eines erlebten sexuellen Missbrauchs zählt mit dazu.

8. Psychogene (dissoziative) Amnesie

Die dissoziative Amnesie ist eine Unterform der kongraden Amnesie, bei der ein traumatisches Erlebnis und/oder ein hohes Stresslevel Ursache für das Nicht-Erinnern ist. Autobiografisches wird schneller vergessen, Allgemeinwissen bleibt wiederum verfügbar. Dabei kommt es meist also auch zu einer retrograden Amnesie, eine anterograde fehlt jedoch. Neues kann also ganz normal aufgenommen und abgespeichert, altes jedoch nicht mehr abgerufen werden. Dabei kann die Amnesie von wenigen Sekunden oder Minuten bis hin zu mehreren Jahrzehnten reichen.

Wie das Gehirn so etwas überspielen und einem vorgaukeln kann, dass man sich an alles erinnern würde, habe ich in „Falsche Erinnerungen“ schon mal beschrieben. Mir fiel das tatsächlich erst im Laufe der letzten 2 Jahre richtig auf, WIE VIEL mir eigentlich wirklich fehlt.

9. Amnesien zwischen dissoziativen Persönlichkeitsanteilen

Das ist nochmal ein bisschen was anderes, als die dissoziative Amnesie. Die Anteile sind zwar ebenfalls durch dissoziative Barrieren von einander getrennt, welche einmal durch traumatische Erlebnisse entstanden. Jedoch kommt es dann später zur Amnesie („Blackout“) wenn die Anteile untereinander wechseln (eben weil sie durch diese Barrieren getrennt von einander sind) und nicht nur, wenn etwas traumatisches passiert. Das ist also anders, als bei der kongraden, retrograden usw.

Guckt, stellt euch die dissoziativen Wände im Gehirn und zwischen den Anteilen jetzt einmal wie die Wände in diesem Parkhaus vor. Auf jeder Parkebene steht ein Auto und links ist für alle der Ausgang. Den Ausgang stellen wir uns jetzt als das „vorn/draußen“ sein vor. Auf dem linken Bild kann das untere Auto nach vorn fahren. Für diese Zeit, wo das untere Auto raus fährt, parkt das obere und bekommt nichts mit.

Und das gleiche auf dem rechten Bild. Dort muss das untere Auto warten, während das obere Auto rausfahren kann und auch nur das obere Auto in diesem Moment mitbekommt, was sich draußen abspielt. Das untere kanns ja nicht mitbekommen, da es drinnen parkt und durch die dicke Wand nichts sehen kann. Wenn wiederum zwischen manchen Parkebnen/Autos die Wände Löcher haben, wie bei einem Gitter z.B, dann kann es sein, das auch das Auto das noch drin parkt ein bisschen was von dem mitbekommt, was das andere Auto „draußen“ erlebt.

Ohwei, war das Beispiel jetzt überhaupt nachvollziehbar 🤔😅?