Archiv der Kategorie: Trauma

Arten von Trauma

Den Unterschied von Monotrauma (also einem Erlebnis) und komplex Trauma (mehrere Traumata bzw Traumata über einen langen Zeitraum hinweg) sind wohl vielen soweit bekannt. Doch es gibt noch viel mehr Begrifflichkeiten bzw. Unterschiede. Im Prinzip wiederholen sich einige in ihrem Inhalt, haben aber andere Namen zur genaueren Definition bekommen und das wollen wir uns heute einmal näher anschauen…

Schock- bzw Monotraumata

Hier ist die Rede von EINEM Trauma, welches im Körper abgespeichert wird. Zum Beispiel könnte dies ein Autounfall sein, ein Überfall, eine Vergewaltigung usw. – Das ein Schocktrauma immer in Erinnerung geblieben sein muss, ist jedoch eine Fehlannahme, die die Wissenschaft bisher längst aus dem Weg räumen konnte. Auch hier kann die Erinnerung an das Trauma so schrecklich sein, dass das Gehirn die sie aus dem Gedächtnis entfernt hat.

Als Folge wird übrigens meist eine PTBS angesehen, inkl. Depressionen, Dissoziationen usw. Auch hier können die Dissoziationen bereits sehr schlimm werden, so das z.B ein Assistenzhund für das normale Alltagsleben benötigt wird.

Traumata Typ1 (entspricht dem Monotrauma)

Einmalige Ereignisse die plötzlich und unerwartet auftreten und akute Lebensgefahr bedeuten, z.B der Verlust eines Kindes, ein Autounfall oder eine lebensbedrohliche Diagnose, wie z.B Krebs etc.

Entwicklungs- oder Multitraumata

Bei einem Entwicklungstrauma ist die Rede von Traumata, die über einen längeren Zeitraum stattfinden. Kinder die z.B mehrmals bzw. über eine längere Zeit missbraucht werden. Ob nun emotional, körperlich (Schläge z.B) oder se*uell. Aber auch bei Erwachsenen, die sich z.B längere Zeit in einer missbräuchlichen Umgebung aufhalten (narzisstischer Missbrauch oder Krieg, Folter, etc.), wird mittlerweile von komplexer, also langanhaltender Traumatisierung gesprochen. Zu einem Trauma, langanhaltend erlebt, können aber auch mehrere Traumata aufeinander folgen, die zu einen Entwicklungstrauma führen. Also z.B emotionaler und se*ueller Missbrauch zusammen, usw.

Traumata Typ2 (entspricht dem komplex Trauma)

Sich langanhaltend wiederholente Ereignisse aus denen es kein Entrinnen gibt und welche mit Todesangst, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Scham und Demütigung verbunden sind, wie z.B Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung im Kindesalter, Kriegs- sowie Foltererfahrungen, langanhaltendes Mobbing, Vertreibung oder Gefangenschaft , usw.

Kumulative Traumata

Traumata die erst in ihrer Kombination zum Trauma werden, z.B ist eine Beleidigung noch nur verletzend. Ständige Beleidigungen, Beschämungen, usw. (wie beim Mobbing z.B) wiederum können zu einem kumulativen Trauma führen.

Sequentielle Traumata

Schwere, mehrfache Traumatisierungen die in einem besatimmten Zeitraum stattfinden. Zum Beispiel se*ueller Missbrauch in den Jahren zwischen 7-12 oder Kriegsfolter zwischen 2012-2016, usw.

Sekundär-Traumata

Hier geht es um Menschen, die ein Trauma nicht aus 1. Hand sondern eher aus der „Beobachterperspektive“ erlebten. Jemand der also z.B einen Mord oder schlimmen Autounfall etc. mit ansehen muss, kann ebenfalls ein Trauma davontragen. Das ein guter Freund z.B damals so etwas in der Art aus einer Vergew**tigung meinerseits davontrug, war für mich nicht verständlich. Ich dachte damals: ,,Hä, mir ist das doch passiert? Und wenn mir das nix ausmacht (aber auch nur aus dem Grund der Dissoziation😉), warum beschwert der sich jetzt?“ . Aber er hatte halt alles hautnah miterlebt. – Ehrlich, ich war schon ein bisschen mies. Ich hatte wenig Verständnis. Generell wusste ich nicht, warum man sich bei sowas so haben konnte.

Was da aber stattfand, war bei demjenigen eine Traumatisierung 2ten Grades, die im Übrigen ebenso zu Flashbacks, Intrusionen, Schlafstörungen, Angstattacken, etc. führen kann. Durch direkte Erzählung usw. kann so etwas z.B auch oft Psychologen treffen, weshalb es auch so wichtig ist, dass sich diese abgrenzen können. Wenn der Psychologe also Grenzen aufstellt, ist das nicht, weil er mit eurem Zeug nichts weiter am Hut haben möchte, sondern weil es wichtig ist, dass er sich selbst schützt. Ein ebenfalls traumatisierter Helfender bringt schließlich wenig Hilfe.

Keine Ahnung wer es nachvollziehen kann, aber ich bin da z.B anfangs recht arrogant rangegangen, von wegen: ,,Hallo? Ich musste den Rotz doch erleben, nun hab dich mal nicht so, nur weil du dir das anhören sollst. Ich versteh das Problem nicht?!“ – Jaaaaa. Nein. Helfenden so etwas unvermittelt mitzuteilen (am besten noch in meinem Denken) kann böse Folgen haben. In Foren wiederum hab ich gelesen, keine Triggerwarnung könnte zu einer sekundär Traumatisierung führen. Ich persönlich (was aber keine medizinische Meinung ist!) bezweifle das jedoch und glaube, man ist dann „nur“ getriggert. Vllt kommt es auch auf die Art der detaillierten Erzählung an. Generell sollte man trotzdem bedenken, nur weil etwas nicht so schlimm auf einen selbst wirkt (wegen der Dissoziation!) kann es auf andere ganz anders wirken!

Man-made Traumata

Ereignisse, die von Menschn verursacht wurden. Also z.B Überfälle, Vergew**tigungen, Krieg, Folter, emotionaler Missbrauch, etc.

Akzidentelle Traumata

Ereignisse, die nicht durch andere Menschen verursacht wurden und auch (teilweise) dem Zufall unterliegen, z.B Naturkatastrophen, Unfälle (nicht menschengemacht), usw.

Kollektive Traumata

Erlebnisse die von mehreren Menschen gleichzeitig erlebt wurden, wie z.B Krieg oder Terrorattentate, aber auch Naturkatastrophen, …

Big-T-Traumata

Lebensbedrohliche oder zumindest als lebensbedrohlich wahrgenommene Ereignisse, wie z.B Terrorakte, schwere Krankheiten, operative Eingriffe, plötzliche Verluste (von Nahestehenden), Kriegs- oder Folterakte, Angriffe auf die körperliche-, emotionale- und/oder soziale Existenz. usw.

Small-T-Traumata

Weniger bedrohliche Ereignisse als beim Big-T-Traumata, welche aber trotzdem mit Angst, Schrecken, Beschämung, Verunsicherung und Schuldgefühlen verbunden sind und denen man nicht ausweichen kann.

Die 4 Traumareaktionen

Was ist eine Traumareaktion?

Unsere Wahrnehmung beginnt im Hirnstamm (auch Reptiliengehirn genannt). Dieser gilt als ältester Teil des Gehirns und ist für unser Überleben zuständig. Er kümmert sich um unsere Atmung, unseren Blutdruck oder Herzschlag. Aber auch unsere Reflexe (Schlucken, Husten, Niesen, etc.) und Instinkte (Flucht, Kampf, sexueller Trieb, usw.) steuert er. Trifft nun eine Information auf den Hirnstamm, die als problemlos gilt, wird sie weiter in das Großhirn geleitet, wo sie verarbeitet und abgespeichert wird. Erst wenn sie dort landet, werden wir uns darüber bewusst und fangen an über sie nachzudenken.

Signalisiert die Information jedoch Stress und damit eine Gefahr, geht der Körper in den Autopilot-Modus und übernimmt für uns. Ab hier wählt unser Reptiliengehirn aus welche Reaktion für uns gerade am besten zum Überleben geeignet ist. Darüber haben wir keine bewusste Kontrolle mehr.

In der frühen Zeit der Menschheit waren die biologischen Stressreaktionen eine überlebenswichtige Art und Weise auf eine drohende Gefahr zu reagieren. Tauchte ein Säbelzahntiger vor uns auf, war schließlich keine Zeit große Pläne zu schmieden. Wir mussten augenblicklich handeln, wenn wir überleben wollten. War die Gefahr gebannt, ließ auch das Notfallprogramm in unserem Körper wieder nach.

Das Problem dabei

An sich gibt es erstmal überhaupt kein Problem. Wie gesagt, dient all das unserem Schutz. Leider, würde ich behaupten (das ist also nur mein Gedankengang) , befindet sich der Großteil der Menschen heute regelmäßig im Überlebensmodus und reagiert demnach mit einer der (gleich folgenden) Stressreaktionen.

Leistungsdruck („Wer nichts leistet, ist nichts wert“ ), Konkurrenzdenken und (emotionale) Oberflächlichkeiten machen es möglich. Trauma ist nicht immer eine Vergewaltigung oder ein misshandeltes Elternhaus. Trauma fängt da an, wo wir bereits als kleine Kinder lernen, dass wir nicht gut sind, wie wir sind. Das wir so nicht reichen. Dahingehend, würde ich behaupten, ist der Großteil der Menschen traumatisiert, was sie wiederum dauerhaften Stress aussetzt und zu einer (unkommunikativen) Gesellschaft wie der derzeitigen macht.

Wenn wir aus den Stressreaktionen nicht mehr herauskommen, befinden wir uns zudem in und mit unserer Umwelt nicht nur in einem dauerhaften Überlebenskampf, sondern die mobilisierte, freigesetzte Energie (durch die Stresshormone) kann sich auch nicht mehr entladen. Sie speichert sich im Körper und kann dadurch zu allerhand chronischen (körperlichen wie psychischen) Beschwerden und Krankheiten führen.

Die 4 Traumareaktionen

Kampf (Fight)

= Wir versuchen fehlende Sicherheit und Kontrolle (Ohnmachtsgefühl) durch Dominanz und Macht wiederzuerlangen – Nach dem Motto: ,,Angriff ist die beste Verteidigung

Zum Beispiel:

  • Impulsivität
  • Verbale Verteidigung
  • Aggressionen, Konfliktsuche
  • Kontrolle
  • Wutausbrüche (auch schreien, beleidigen, diskriminieren, …)
  • Um sich schlagen wollen
  • Die Fäuste ballen
  • Körperliche oder psychische Gewalt
  • Schnell „hochkochen“
  • Selbstverletzung (nach innen gerichtete Wut/Aggression)

Flucht (Flight)

= In Stresssituationen flüchten wir vor Konflikten, Verantwortung, Gedanken und Gefühlen – Nach dem Motto: ,,Was ich nicht sehe, ist auch nicht da

Zum Beispiel:

  • Perfektionismus („wenn ich perfekt bin, werde ich geliebt und bekomme Sicherheit“ )
  • Sucht
  • Workaholic (chronische Beschäftigung)
  • Ängste/Zwänge
  • Nicht still sitzen können – „Weglaufreflex“
  • Sich verstecken wollen
  • Aus Konfliktsituationen fliehen (sich der Gefahr entziehen)
  • Kontakte abbrechen (Verlassensangst)

Erstarrung (Freeze)

= Wenn Kampf oder Flucht unmöglich sind, erstarren wir, als letzte Schutzmaßnahme, um Schmerz oder Gefahr nicht mehr zu spüren – Nach dem Motto: ,,Wenn ich nicht hier bin, kann man mir auch nichts tun“

Zum Beispiel:

  • Dissoziation (⬇)
  • Sich von der Welt abgetrennt fühlen/Umwelt als unwirklich wahrnehmen „Wie in einem Traum“ (Derealisation)
  • Den eigenen Körper nicht mehr spüren (Depersonalisation)
  • Tagträume (sich in Traumwelten zurückziehen)
  • Den Körper nicht mehr bewegen können (Stupor)
  • Sich wie blockiert fühlen
  • Nicht mehr sprechen können
  • „Ins Leere starren“
  • Nichts mehr fühlen können (Gefühle sind abgespalten)
  • Taubheit
  • Selbstisolation

Unterwerfung (Fawn)

= Wir versuchen Sicherheit zu gewinnen, indem wir uns den Anforderungen, Bedürfnissen und Wünschen des anderen anpassen – Nach dem Motto: ,,Wenn mich der Feind mag, verletzt er mich nicht“

Zum Beispiel:

  • Sich unterordnen
  • Es allen recht machen wollen
  • People Pleasing (innerer Drang die Erwartungen anderer zu erfüllen, um diesen zu gefallen)
  • Drang von anderen gemocht werden zu wollen (Wunsch nach Sicherheit in zwischenmenschlichen Beziehungen)
  • Die eigenen Bedürfnisse und Grenzen ignorieren/übergehen (lassen)
  • Von eigenen Emotionen getrennt sein (Je weniger eigene Bedürfnisse, Grenzen und Emotionen man hat, desto leichter kann man sich an die des anderen anpassen – In der Kindheit war das vllt notwendig, um potenziellen Zorn oder Misshandlung zu vermeiden)
  • Das Bedürfnis sich ständig zu entschuldigen
  • Angst die eigene Meinung zu vertreten
  • Co-Abhängigkeiten
  • Konfliktvermeidung, Ja-sagen
  • Selbstkritik, Selbsthass (und daraus resultierende Selbstverletzung)
  • Eigene Wünsche, Gefühle und Gedanken nicht äußern können
  • „Helferkomplex“ (auch sich ausnutzen lassen oder ausgenutzt fühlen)
  • Sich einschmeicheln
  • Konfliktvermeidung
  • Selbstwertprobleme (sich nicht gut/ausreichend genug zu fühlen)
  • Sich für die Reaktionen anderer verantwortlich fühlen
  • Die Absichten oder Taten des anderen entschuldigen/relativieren

Wie gehe ich mit einer Trauma-Antwort um?

Mache dir zuerst einmal bewusst, dass deine Reaktion gerade nicht rational entschieden wurde. Ein altes Trauma, eine ungeheilte Wunde in dir wurde angetriggert!

Wenn dir das bewusst wird, kann es dir helfen dich von der Situation etwas zu distanzieren und deinen Blick wieder auf die Meta-Ebene zu richten. Du (bzw. dein Inneres) wiegst dich aktuell in Lebensgefahr. Schaue was ist es, das dir solche Angst macht. Welche Angst kommt durch die momentane Situation wieder hoch?

Mache dir bewusst wo und wann du dich aktuell befindest (Zeitcheck). Wenn deine körperliche Versehrtheit gerade nicht akut gefährdet ist, dann kann dir keiner etwas tun. Du bist in Sicherheit! Es fühlt sich nur nicht so an, weil eine Wunde aus einer Zeit wieder aufgerissen ist, als für dich allein sein, ignoriert werden, keine Liebe zu erhalten, usw. wirklich lebensbedrohlich war. Du warst darauf angewiesen! Aber heute sind wir erwachsen, heute sind wir nicht mehr so auf die anderen angewiesen wie früher. Auch wenn es sich anders anfühlt, ist unser Leben dadurch nicht mehr in akuter Gefahr.

Achte auf deine Atmung. Ist sie sehr flach und/oder schnell? Dann versuche tiefer und ruhiger zu atmen, das reduziert den Ausschuss von Stresshormonen. Wenn jemand mit involviert ist, schaue ob du mit demjenigen darüber sprechen kannst. Sage ruhig das zu angetriggert bist, deshalb sind deine Gefühle zur derzeitigen Situation noch genauso echt und ernst zunehmen. Versuche dich wieder zu erden, lenke dich erstmal ab und schlafe eine Nacht darüber, bevor du eine Entscheidung triffst oder z.B eine wütende Mail schreibst. Weitere Möglichkeiten um wieder etwas herunterzufahren, findet ihr auch im Beitrag: 1.Hilfe bei Flashbacks.

Freeze

Kennt ihr das auch, dass euer Hirn euch ständig vorgaukelt, ihr hättet alles unter Kontrolle?

Gestern Nacht triggerten die Schritte über uns in der Wohnung.
Angst. Panik.
,,Schritte! Er kommt!“
Ich komme wieder zurück und checke wo ich wirklich bin: ,,Das ist eure Wohnung. Hier kommt niemand. Ihr seid allein.“, aber ich bewege meinen Körper nicht mehr.
Ich kann nur noch da liegen und ins Zimmer starren.
,,Ich könnte das jederzeit beenden. Bräuchte mich nur drehen.
Warum machst du es dann nicht?
Es ist gerade entspannend, deshalb liege ich so.

Irgendwie bin so benommen.
Ich fühle meinen Puls im Hals, auf dem Kissen schlagen. Ich bin also noch hier.
Aber Ich fühle meinen Körper kaum noch. Ist er noch da? Meine Arme sind ganz taub. Sind sie noch dran?

Oh, mein Daumen hat gezuckt! Mein Körper muss also noch da sein!
Meine Muskeln entspannen sich kurz und da merke ich erst: Oh Gott, so angespannt bin ich?! Mein ganzer Körper ist ja ganz steif!
Langsam tut was weh.
Das ist unbequem!
Ja, dann ändere doch die Position. Du kannst das doch angeblich.
Ja kann ich. Jederzeit. Ich will nur nicht. Es ist bequem so. Ich bin so entspannt.

Wieder Panik.
Es könnte jemand kommen.
Beweg dich endlich!
Ich kann.
Ich kann mich drehen, nur um auf der anderen Seite wieder festzufrieren.
Aber ich kann das jederzeit ändern! Ich will nur nicht

Ja ne, is klar. Verarsch dich ruhig weiter 🤦‍♀️.
Mir fällt das immer öfter auf. Ganz vieles wurde bisher unter: ,,Ich mach das freiwillig und hab alles unter Kontrolle“ verbucht. Logischerweise fand ich viele Dinge deshalb auch nie wirklich auffällig oder komisch. Bis vor einiger Zeit hätte ich z.B auch behauptet solche Sachen noch nie erlebt zu haben. Dabei passiert das ständig.

Ich hielt das anfangs (beim Lesen) immer für einen totalen Kontrollverlust über den Körper, wie bei einer Schlafparalyse. Ist es im Prinzip auch. Aber anders. Ganz anders.
Wenn andere was beschreiben, hört sich das für mich immer so krass an. So nach sich klar und deutlich erkennbaren Dingen. An einem selbst fühlt sich das alles aber irgendwie immer ganz anders an. Viel subtiler.
Also wenn man hinschaut und es klar und deutlich als das erkennen und benennen kann, dann zeigt sich das alles schon deutlicher. Aber vorher ist alles so in den normalen Alltag eingebaut, dass es einem kaum auffällt. Mir geht’s zumindest so 🤷‍♀️. Also d.h nicht das es nicht trotzdem stört und dich beeinflusst, du siehst es halt nur als was völlig normales an. Nicht als irgendwas, dass einen Hintergrund hat und behandelt werden kann und vll auch sollte.

3 Leitsyptome eine (K)PTBS: #3 Intrusion (2) – Wiederholungszwang

Wie angekündigt, soll es heute um die Trauma-Reinszenierung gehen. Eine Form der Intrusion, die sich u.a im Handeln des Menschen ausdrückt…

Was ist der Wiederholungszwang?

Freud prägte den Begriff Wiederholungszwang anfang des 20.Jh. In seiner Arbeit dazu setzte er sich mit den Fragen auseinander, warum so viele neurotische Patienten Verhaltensweisen, die ihnen nachweislich schaden, einfach nicht ablegen können und stattdessen immer wieder erneut reinszenieren. Dieses ganze Szenario der Reinszenierung war aber natürlich schon lange vor Freud bekannt.

Alles im Leben neigt nämlich eigentlich zur Wiederholung: Einatmen – Ausatmen. Leben – Vergehen. Das Pumpen unseres Herzens … Und auch unsere Psyche wiederholt Dinge, vor allem die, die sie nicht versteht. Nicht begreift. Dinge die unbewusst in uns schlummern. Und selbstverständlich haben sich diesem Thema schon viele Menschen gewidmet.

Ich meine, kennt ihr das nicht auch? Immer wieder landen wir in den gleichen Beziehungsmustern: Wir geraten wiederholt an Männer, die Gewalt an uns ausüben oder wir sind schon wieder an eine Frau gekommen, die uns fremdgeht. An Freunde die uns ausnutzen, wir werden immer wieder Opfer von Mobbing oder erleben stets aufs Neue wie wir ausgeschlossen werden. Es gibt Dinge an uns, die wir einfach nicht schaffen abzulegen und Situationen, die sich wie ein Fluch wiederholen und wir verstehen nicht warum das passiert...

Und gerade bei diesen sich wiederholenden Beziehungsmustern und Erlebnissen denke ich mir oft, dass es doch meine Schuld sein muss. Wenn es in alledem immer nur diese eine Konstante – und zwar mich – gibt, welche andere Schlussfolgerung bleibt einen da eigentlich auch noch? Es können ja schließlich nicht immer die anderen sein.

Aber genau dieses Prinzip der Wiederholung erklärt eben, dass wir nicht selbst SCHULD sind. Stattdessen sind wir handelende und agierende Figuren in unserem eigenen Leben. Wir tragen nicht die Schuld für das Verhalten anderer uns gegenüber. NIEMALS! Nein, es zeigt uns eher auf, dass wir nicht ewig Spielball unserer Umgebung bleiben müssen. Das wir selbst auch eine Rolle in unserem Leben spielen dürfen, statt das das nur die Wünsche und Gelüste anderer tun. Um Schuld geht es dabei überhaupt nicht.

Warum kommt es dazu?

,,Was man nicht versteht, lässt einen nicht los.

Finde ich genial und total passend diesen Satz. Guckt mal, ein Trauma ist nicht immer nur eine Vergew*ltigung, ein Überfall oder eine Naturkatastrophe. So viele Dinge wirken traumatisch auf uns ein. Die frühe Trennung von unseren Eltern, Konflikte in der Familie usw. Natürlich sind die Ausmaße anders, aber d.h ja nicht, dass so etwas keine Folgen hat. Solange etwas aber noch unbewusst ist, wir also gar nicht begreifen, dass es da überhaupt etwas gibt, was in uns schlummert. Solange können wir es auch nicht in der Vergangenheit lassen, abschließen damit und nehmen es stattdessen immer wieder mit in unsere Gegenwart.

Bisher geht man davon (und da ist die Forschung noch lange nicht am Ende angelangt), dass diese ständige Reinszenierung stattfindet, weil wir dadurch versuchen können, den Ausgang der Situation, heute anders zu gestalten. Themen die uns damals ohnmächtig machten und verletzt und verständnislos zurückließen, könnten so durch erneutes Erleben umgestaltet werden. Der Kerngedanke ist also neu erleben, ein positives Ende herbeiführen, unsere Macht zurück gewinnen und das Thema so integrieren.

NOCHMAL: Das meiste passiert davon völlig unbewusst! Tipps wie: ,,Nun such die halt einfach mal einen anständigen Mann“ bringen daher nicht viel. Rational ist uns bewusst was besser laufen könnte, aber da wir die Ursache hinter all dessen nicht verstehen, können wir auch nichts verändern.

Formen der Reinszenierung

Beispiel 1: Gefahrvolle Situationen

Zum Beispiel neige ich dazu, mich in durchaus gefährliche Situationen mit fremden Männern zu begeben. Ich stoße in sehr merkwürdige Gruppen dazu und ich provoziere. Extrem. Nie böswillig, aber ich tue es. Alles andere wäre gelogen. Ich merke das, kann es aber nicht stoppen. Oder ich tue sehr unüberlegte Sachen. Meist ging das gut aus (=mehr Glück als Verstand). Allerdings gab es eben auch Fälle, wo es nicht so gut ausging. Wo es zu Übergriffen kam, verschiedenster Art. Gewollt oder bewusst provoziert habe ich davon jedoch nie etwas.

Dennoch, wenn ich das heute versuche zu reflektieren: Wenn ich mich in diese Situationen begeben habe, hoffte ich, dachte ich, dass diese Leute anders sind. Sie nichts mit mir anstellen und mich einfach nur lieb haben. So wie ich bin. Egal wie ich bin. Ich wollte das Gefühl haben okay zu sein. Natürlich war das meistens nicht der Fall, da ich mich in einem sehr toxischen Umfeld befand. Aber mein unbewusster (!) Wunsch, dass ich angenommen und nicht benutzt werde, stand im Vordergrund und der war (ist?) so stark, dass ich alles andere ignorierte.

Beispiel 2: Beziehungsstrukturen (Bindungstrauma)

Meine Mutter war ein sehr narzisstischer Typ Mensch, genau so wie er im Buche steht. Die Welt drehte sich um sie. Als ich ein Baby war, hat mir meine Oma einmal erzählt, war sie unheimlich versessen auf mich. Kaum einer durfte mich überhaupt halten oder gar sehen. Ich war ihr Püppchen. Bis zu ca. 1 Jahr, hielt sie mich quasi „unter Verschluss“. Dann verlor sie die Lust. Sowas war üblich für meine Mutter. Danach empfand sie mich zunehmends als störend. Sie fing an einen richtigen Hass und Ekel auf mich zu richten und ließ mich diesen auch deutlich spüren.

In meinem Erwachsenenleben geriet ich nun immer wieder in Beziehungsmuster zu Menschen, die mich am Anfang unheimlich toll fanden. In den Himmel lobten und, lustigerweise, nach kurzer Zeit das Interesse verloren. Aber nicht nur das, sie fingen an mich abstoßend zu finden. Sie projizierten ihren ganzen Hass auf mich und ich habe noch NIE eine Erklärung bekommen, warum das eigentlich so ist bzw. war. Ich blieb stets lediglich zurück, mit dem schlechten Gefühl das ICH schlecht bin. Unausstehlich. Jemand, der alle anderen vertreibt. Den niemand will.

Das Ding ist, wenn ich das näher und ehrlich betrachte: Ich begebe mich immer wieder in Beziehungen (partnerschaftlich, wie aber auch freundschaftlich) zu Menschen, die ähnlich narzisstisch veranlagt sind. Da mein Selbstwert eigentlich noch nie wirklich weit oben war, stellt die schnelle Belobigung von diesen Menschen, das schnelle ‚geliebt-werden‘ etwas dar, nach dem ich mich regelrecht verzerre. Eine Beziehung ist stabiler wenn sie langsam aufgebaut wird, klar, aber wenn du nie wirklich echte Liebe erfahren hast, bist du wie ein Junkie auf Entzug. Du nimmst alles was dem gleich kommt und dessen Wirkung sofort einsetzt = Schnelle „Liebe“. Auch promiskuitives Verhalten spielt(e) da mit rein (bei mir zumindest früher).

Beispiel 3: Beziehungsstrukturen (benutzt werden)

Dieses Muster durschaute ich erst vor kurzem. Meine Therapeutin riet mir vll einfach mal eine Art „Familienaufstellung“ zu machen. Dabei schrieb ich zu jedem Familienmitglied auf, was mir gerade so dazu durch den Kopf ging. Wie ich die Beziehung empfand. Ohne etwas herunterzuspielen, aus der Sicht des anderen sehen zu wollen o.ä

Meinen Vater habe ich vergöttert. Wir saßen oft lange draußen am Lagerfeuer oder drinnen am Kamin und redeten meist die halbe bis ganze Nacht lang. Wir fuhren mit den Hunden spazieren, gingen gemeinsam einkaufen oder verschworen uns gegen meine Mutter (wenn er und sie Streit hatten). Tolle Erinnerungen, die ich auch heute noch behalten werde. Egal was war (und was vll noch war). Wir sprachen, seit ich winzig klein war, über Gott, Politik und Familiengeschichten. Wir philosophierten oftmals ewig darüber. Nun stelle man sich einen Knirps von 3 Jahren vor, der über Politik mitredet. Ich fand das super toll, als Kind. Ich fühlte mich wichtig. Als wichtigen Teil seines Lebens. Jedoch kann ich mich nicht daran erinnern, dass sich die Gespräche auch einmal ernsthaft um mich drehten. Um meine Gedanken und Wünsche und wenn, dann nur mit viel Spott von seitens meiner Eltern. Es gab auch nichts was ich ihm im Vertrauen hätte erzählen können. Alles wurde meiner Mutter erzählt und ja …

Im Gespräch mit meiner Therapeutin fiel mir dann auf: Mich seinen Gesprächen anzupassen, seinen Themen folgen, war damals als Kind, besser als gar kein Reden. Ein 3-Jähriges Kind interessiert sich aber nicht wirklich für Politik o.ä. Er jedoch hat mich schlicht einfach nur benutzt. Ich war sein Freund- und Partnerersatz.

Und dieses Muster verfolgte ich vor allem in meinen freundschaftlichen Beziehungen. Menschen, bei denen es ausschließlich um sie ging. Ich hatte da zu sein. Ihrer Befriedigung zu dienen. Sicher erhob ich auch mal das Wort, über mich. Nach spätestens 10min bekam ich jedoch meist gesagt, nun sei aber auch mal gut. Die Welt drehe sich nicht nur um mich. Oder für mich wichtige Themen wurden ganz fallen gelassen. Es wird einfach darüber geschwiegen oder nicht ernst genommen.

Reinszenierung im Kinderspiel

Ganz deutlich wird die Trauma-Reinszenierung bereits im kindlichen Spiel. Das normale kindliche Spielen ist flüssig, es ist leicht und unbeschwert und ja, auch traumatisierte Kinder spielen ganz viel, ganz normale Spiele! Die Trauma-Reinszenierung findet nicht permanent statt!

Wenn sie aber einsetzt, dann wird das kindliche Spiel sehr düster. Verhaltensweisen wiederholen sich zwanghaft und lassen sich kaum unterbrechen. Gerade wenn Kinder sexuelle Handlungen immer wieder nachspielen wird das sehr deutlich oder ein anders…

Beispiel: Eine alte Schulfreundin erzählte mir von einem Spiel bei ihr, zwischen uns. Wir spielten mit Stofftieren. Als ich dran war, starb meine Figur, was sie jetzt nicht so super fand [Generell sterben IMMER die Figuren, mit denen ich spiele. Zugegeben ist das bis heute oft so. Im Spiel mit der 4-Jährigen Tochter meiner Freundin musste ich mich letztens z.B extrem zusammenreißen, ihre süßen Bauernhof-Kühe und Pferde nicht qualvoll abnippeln zu lassen 🙈]. Sie fand das damals nicht so toll und wollte das Stofftier reanimieren. Tod war halt irgendwie ein doofes Spiel für Kinder in unserem Alter. Meine Stimmung änderte sich aber abrupt ins Düstere und Kalte: ,,Was tot ist, kann man nicht wiederbeleben! Das bleibt tot!„.

Etwas anderes ist z.B das ich fast schon manisch eine Hand oder Fuß von meinen Puppen und Spielfiguren entfernt habe. Blut spielte zudem eine extrem große Rolle. Ich malte immerzu alles rot an. Bei meinen Stofftieren (die ich liebte, schließlich passten sie nachts auf mich auf) war es jedoch so, dass ich sie dadurch versuchte immer wieder zu verarzten und zu retten. Ein sehr anderes düsteres Spiel war einmal, als wir noch ein Häuschen im Wald hatten. Ich zog meinen Puppen sämtliche Kleider aus, band sie so mit dem Kopf nach unten an die Bäume, rings ums Haus, und ließ sie da „als Strafe“ hängen. Oder meine Schwester hatte z.B einen großen Teddy in ihrem Spielzeit, den sie regelmäßig vergewaltigte. Wortwörtlich. Meine Eltern tauften ihn „liebevoll“ ihren „Fic*bär“.

Nein, sowas sind keine normalen Kinderspiele. Das Trauma muss darin nicht automatisch 1:1 wiedergegeben werden, aber irgendetwas stimmt da ganz sicher nicht zuhause.

Die Übertragung

Zum Beispiel denken wir unwillkommen zu sein oder das uns jemand nicht mag. Wir machen das an allerhand Dinge aus. Der Reaktion des anderen. Seinen Blicken. Einer zu langen Pause, bis die Antwort des Gegenüber kommt, usw. Dieses eigene Gefühl übertragen wir jetzt auf den anderen. Wir halten unsere Vermutung für die Realität. Nehmen wir z.B an, wir wären unwillkommen, dann verhalten wir uns distanziert, kühl, deprimiert, vll sogar ablehnend (nach dem Motto: ,,Angriff ist die beste Verteidigung„). Unser Gegenüber sieht die Situation jedoch ganz anders: Vll war er gestresst. Oder wegen etwas genervt, das ihm vorher durch den Kopf ging oder was er eben erlebt hat (einen Streit z.B). Nichts, was mit uns zu tun hat. Durch unsere Reaktion, hervorgehend aus unsere Angst/Befürchtung, provozieren wir jedoch nun genau die Reaktion, vor der wir ja eigentlich Angst haben und die wir vermeiden wollen.

Beispiel wieder: Ich reagiere unheimlich auf die Stimmungen anderer. Wird die Luft dick, warum auch immer, ist mein erster Gedanke: ,,DU hast etwas falsch gemacht! Du musst irgendetwas tun, um das wieder gerade zu biegen!“. Dann gibt es aber in mir diesen Teil, der darauf wirklich keine Lust mehr hat, es anderen Recht machen. Der nicht kapiert, warum er länger für die Launen anderer herhalten sollte. Also reagiert dieser Teil teilweise wirklich schon sehr pissig. Bevor sich dieser Teil erniedrigt (indem er sich anpasst), geht er lieber auf Abstand oder bricht den Kontakt ganz ab. Mein Gegenüber ist dadurch natürlich vor den Kopf gestoßen und denkt sich das gleiche, was ständig in mir rum geht: ,,Warum darf ich nicht auch mal schlecht drauf sein? Was soll das jetzt?! Gut, dann lass es halt!“

Ergo = Derjenige geht selbst auch auf Abstand. Was meine innere Überzeugung nicht richtig zu sein, etwas falsch gemacht zu haben, abgelehnt zu werden, wieder bestärkt: ,,Da, schon wieder! Siehste, alle hassen dich!“.

Der Crux bei allem

Die Frage, die ich mir dabei immer wieder stelle: ,,Wie schaffe ich es nur mir, aus der Fülle der Menschen und möglichen Situationen, immer wieder toxische herauszusuchen?“ Es ist ja nicht so, als würden sie ein klar sichtbares Schild vor sich her tragen, oder? Als würde ich aus 99 super Leuten, die eine giftige Schlange heraussuchen. Absichtlich…

Gehen wir nochmal auf das mit der schnellen Liebe ein: Auch Narzissten fehlt es chronisch an erlebter, erhaltener Liebe. An innerer Fülle. Das wonach ich mich sehne, geben sie sofort, weil sie ebenfalls das gleiche wollen. Man ergänzt sich also, auch wenn letztendlich die Ausprägungen unterschiedlich sind. Was dann wieder zu einer Menge gegenseitigem Leid führt (ja auch Narzissten leiden).

Es gibt sie also, diese Anzeichen. Anzeichen, die wir bewusst ignorieren oder sogar herunterspielen. Meist weil unser unbewusster Wunsch der Traumaauflösung, der Wunsch nach einem glücklichen Ende, uns alles andere ausblenden lässt. Umso mehr wir uns danach sehnen, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit in toxische Umstände zu geraten. Nach einer Studie von Diana Russel wurden z.B 60% der vergewaltigten Frauen, bereits im Kindesalter vom Vater oder anderen nahestehenden Personen missbraucht. Das Risiko wiederholt missbraucht zu werden, steigt bei bereits misshandelten Frauen (oder auch Männern, obwohl diese auch oft, nicht alle!, eher mit Aggression nach Außen reagieren) um mehr als das Doppelte!

Wir kennen diese (gefährlichen) Situationen ja bereits. Sie sind uns bekannt. Wir haben nie gelernt, dass wir auch Grenzen haben dürfen. Es existiert so gut wie kein Selbstschutz. Nein sagen? Du sagst nicht Nein als Kind! Das darfst du dir gar nicht erlauben. Dein physisches und psychisches Überleben hängt davon ab, zu gehorchen. Mitzuspielen.

Was können wir also heute tun? Wie das verändern?

Wir können es uns bewusst machen. Unsere Verhaltensweisen und Muster durchschauen. Sie erkenn- und erlebbar machen.

Je weniger uns etwas in uns bewusst ist, desto eher wird es auf die äußere Umgebung, auf Situationen und Personen übertragen. Wir können unsere Muster nicht verändern, wenn wir nicht wissen, warum sie so sind, wie sie sind.

,,Es ist, als würden wir versuchen uns von unserem eigenen Schatten zu lösen, indem wir immerzu nach vorn springen.“

So wahr und so treffend, dieses Zitat. Erst wenn uns unser Verhalten bewusst wird und es nicht mehr nur wie ein Automatismus im Hintergrund abläuft, können wir beginnen neue Strukturen aufzubauen.

Das Verstehen dieser Strukturen löst nicht unser Problem jetzt, sofort und auf der Stelle. Das ist, nach dem Erkennen, ein langer Weg. Aber nur wenn wir sie eben erstmal verstehen können, können wir auch sehen, welcher Schmerz, welches Thema dahinter liegt. Welcher Schmerz aufgelöst werden möchte. Dadurch erforschen wir auch unsere eigenen Grenzen näher und lernen sie so, langsam, auch für uns zu vertreten. Das Erkennen unserer eigenen Innenwelt hilft uns also, neue Muster aufzubauen und selbst-bewusster zu handeln. Nicht mehr nur Opfer zu sein.

3 Leitsymptome einer (K)PTBS: #3 Intrusion (1)

Traumatische Erlebnisse bzw. posttraumatische Reaktionen gehen meist mit ein und den gleichen Hauptsymptomen einher. In den letzten beiden Beiträgen schauten wir uns die Hypervigilanz und die Konstriktion näher an. Heute soll es dann um die Intrusion gehen….

Aufgrund der Länge des Beitrags habe ich mich aber entschieden ihn aufzuteilen. Nächste Woche gibt es dann noch den 2.Teil, der sich mit intrusiven Handlungen bzw. der Traumareinszenierung näher befassen wird.

Was sind Intrusionen?

Intrusionen können wir als das genaue Gegenteil der Konstriktion verstehen. Während die Konstriktion versucht, die traumatische Erinnerung aus dem Bewusstsein zu verdrängen, schiebt die Intrusion sie, ohne Vorwarnung und mit Nachdruck, direkt in das aktuelle Tagesbewusstsein.

Sinn und Zweck haben aber beide. Die Eine möchte uns vor den überflutenden Gefühlen des Traumas schützen, die andere möchte es ins Bewusstsein drängen, sodass es aufgelöst werden kann.

Weiter konnte man anhand verschiedener Tierversuch nachweisen, das sich Erlebtes bei anhaltend hoher Konzentration von Adrenalin und anderen Stresshormonen im Blut, stärker einprägt. Der Psychiater Bessel van der Kolk vermutet, dass dabei die sprachliche Kodierung im Gedächtnis außer Kraft gesetzt wird und das Zentralnervensystem die Gedächtnisspuren deshalb in der visuellen oder sensorischen Form abspeichert. Was eine Erklärung dafür wäre, warum traumatische Erlebnisse eher in Form von Bildern, Gerüchen oder Gefühlen wieder auftauchen, sich aber kaum in eine flüssige sprachliche Form bringen lassen.

Diese noch lose abgespeicherten Erinnerungen in uns, sind zudem mit einem Auslösereiz (Trigger) gekoppelt. Etwas was unmittelbar mit der traumatischen Situation zusammenhing. Trifft die traumatisierte Person nun später auf einen dieser Trigger, wird die entsprechende Erinnerung hervorgeholt.

Welche Formen der Intrusion gibt es?

Intrusionen können sich auf verschiedenen Wegen bemerkbar machen. Sie tauchen in Form von Albträumen wieder auf, schieben sich gedanklich mitten am Tag in unser Bewusstsein, holen uns direkt ins Trauma in Form eines Flashbacks zurück oder wiederholen das Trauma in unseren Handlungen. Wir wollen uns diese unterschiedlichen Varianten einmal näher anschauen:

Albträume

Albträume sind ein sich wiederholendes Merkmal nach traumatischen Erlebnissen. Einen Albtraum an sich hatte natürlich jeder Mensch schon einmal. Belastende Gedankengänge und Erfahrungen tauchen nachts in Form wilder Bilder wieder auf und lassen uns oftmals ängstlich hochschrecken. Da bei einem Trauma diese Erfahrung jedoch nicht abebbt, erleben wir die nächtlichen intrusiven Bilder und Gefühle auch dauerhaft und wiederholt. Dort kann das Trauma exakt 1:1 dargestellt werden oder aber es tritt abgewandelt auf. Da ich aber bereits schon mal einen eigenen Beitrag zum Thema Albträume und (nächtliche) Flashbacks geschrieben habe, möchte ich an dieser Stelle auch auf diesen Artikel verweisen.

Flashbacks

Dann haben wir da als nächstes die Flashbacks, eine Unterkategorie der Intrusionen. Beim Flashback wirst du zeitlich und räumlich direkt zurück ins Trauma geworfen. Der Flashback kann auf emotionaler, visueller, körperlicher, gustatorischer (Geschmack) oder auf olfaktorischer (riechen) Ebene auftreten. Wie sich diese einzelnen Flashbacks bemerkbar machen und durch was sie sich unterscheiden habe ich ebenfalls in einem anderen Beitrag, und zwar in Flashbacks und Intrusionen, näher erläutert.

Gedanken

Auch hier wird, wie beim Flashback, per Trigger ein Bild oder Gefühl hervorgeholt. Beide unterscheiden sich jedoch in ihrer Intensität. Während man beim Flashback vollständig geistig, körperlich und zeitlich in das Trauma zurückgezogen wird und es erneut durchlebt, bleibt man bei der Intrusion zeitlich und räumlich noch im Hier und Jetzt.

Ich persönlich kann da übrigens fast dauerhaft keinen Trigger bei mir ausmachen. Sie kommen einfach und teilweise sogar ziemlich, ziemlich oft. Da sie (bei mir zumindest) nur einen kurzen Augenblick bleiben und dann wieder verschwinden, sind sie auch nicht übertrieben störend, finde ich. Die „normale“ Intrusion ist mir zumindest 1000x lieber als ein Flashback.

Wo ist der Unterschied zur normalen Erinnerung?

Wenn ich mich z.B an letztes Jahr grillen erinnern möchte oder ich unterhalte mich darüber und die passende Erinnerung wird dazu aktiviert, dann sehe ich diese zwar bildlich vor mir, aber sie wirkt fade, leicht ausgegraut.
Die Intrusion dagegen ist lebendig. Du siehst eine vergangene Szene nicht nur, sondern du bekommst sie mit deinen ganzen Gefühlen und Empfindungen von damals aufgedrückt. Ich fühle mich dann auch wieder genau wie zu der Zeit, als wäre ich dort zurück zu Besuch. Gleichzeitig kann ich aber normal im Außen weiteragieren. Wenn so etwas z.B draußen auf der Straße kommt, stört es also (für das Agieren in der Umgebung) eigentlich kaum. Erhalten bleiben kann jedoch das ungute Gefühl, das mit dieser Intrusion mitkam, welches einem durchaus manchmal ganz schön die Laune in der momentanen Situation vermiesen kann.

Weiter holst du die Intrusion nicht bewusst hervor, sondern sie kommt einfach. Ist auch Wurst ob du gerade Lust hast oder nicht. Wegwedeln, sowie manche „normale“ Erinnerungen, kann man sie jedenfalls nicht, zumindest nicht sonderlich gut.

Intrusionen von Nebensächlichkeiten oder auch: Intrusionen bei KPTBS?

Ich wunderte mich lange sehr, weil ich eigentlich kaum eine Intrusion hatte, welche das Trauma direkt widerspiegelt. Bei mir kommen eigentlich eher, vom Gefühl her, völlig nebensächliche Dinge. Das war natürlich ein gefundenes Fressen für mich, vor meiner Therapeutin und auch vor mir selbst darauf zu beharren, dass niemals etwas schlimmes passiert sein kann. Traumatisierte Menschen sehen und erleben das Trauma schließlich in all seinen Poren immer wieder erneut. Träume lassen sich anders erklären, visuelle Flashbacks habe ich nicht und meine Intrusionen … Hey komm schon 🤷‍♀️.

Also erstmal sei gesagt ☝️: Es gibt tatsächliche auch positive Intrusionen und Flashbacks. Scheint zwar widersprüchlich, aber es können durchaus auch schöne Sachen intrusiv auftauchen. Wer so etwas erlebt, spinnt also nicht.

Ich habe bei diesen „Nebensächlichkeiten“ jedoch selten ein positives Gefühl. Höchstens neutral, würde ich behaupten. Die Situationen an sich wirken meist aber wie mitten aus dem Leben gegriffen, also hab ich versucht dem, in den letzten Monaten, mal etwas auf die Spur zu gehen…

Ein Blick in die Vergangenheit…(Triggerwarnung!)

Da ich mich eigentlich dauerhaft von einem toxischen Umfeld ins Nächste stürzte, hatte ich vor 3 Jahren tatsächlich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl von Ruhe. Narzissten scharrte ich, genau genommen, permanent um mich. Ich hielt ich mich zudem in verschiedenen Szenen auf, die wirklich nicht gerade gesund waren: Von Kontakten mit der türkischen Mafia oder Koksern mit Knarre für ihre Raubüberfalle, zu Psychotikern die plötzlich einen Elektroschocker in ihrem Wahn zückten oder sonst was für Dramen heraufbeschworen. Großdealer im Haus, mit festen Arbeitszeiten über organisierte Vergewaltigungen, gehörte alle zu diesem Umfeld.

Es gab Situationen wo jemand eben einfach mal „verschwand“ oder wo jemand anderes mit 30 Messerstichen, unter der Folie eines Gartenteichs, gefunden wurde. Es gab Situationen wo es unter verschiedenen Dealern nicht mehr nur um harmlose Streitereien ging, weil viel zu hohe Summen im Spiel waren. In dem anderen Kreis kam es zu permanenten Diebstählen, Dramen, Intrigen, Übergriffen usw. Vieles davon, kommt heute erst wieder wirklich zurück bzw wird mir bewusst. Für mich war das alles aber immer völlig normal. Egal in welcher Szene ich mich befand und ob da Gewalt, Idiotie (nett ausgedrückt) oder eher Geld und völlige Ignoranz die Überhand hatten. Ich empfand diese Dramen nervig, aber nie als das, was sie eigentlich waren: Traumatisierend.

Auch meine Beziehungen (partnerschaftlich und freundschaftlich) hatten es in sich, was ich damals jedoch natürlich nie so gesehen habe. Erst jetzt im Rückblick muss ich mir selbst manchmal ganz schön an den Kopf greifen: Ich ging z.B mal mit jemanden eine Beziehung ein, der mir vorher erzählte, dass er seiner Ex-Freundin ein Kissen aufs Gesicht drückte und es erst weg tat, als sie sich nicht mehr bewegte. Er dachte sie sei tot. Aber damit nicht genug: Als Teenager, im Heim, hat er einen anderen Jungen umgebracht. Ein Schlag ins Gesicht, blöd getroffen, Junge tot. Keiner verrät ihn und ich so: „Ja jeder hat doch seine Macken oder? 🤷‍♀️ Komm, wir versuchen’s mal❤️“ 🤦‍♀️🤦‍♀️

Was ich damit sagen will….

Den emotionalen Missbrauch und die permanenten Ausnahmezustände habe ich geschafft, seit meiner Kindheit, dauerhaft aufrechtzuerhalten, bis ich ungefähr 27 war. Ich kann mich an kein Jahr erinnern, wo es auch nur einmal wirklich Ruhe gab. Im Bereich psychischer Missbrauch schaffte ich da ein recht konstantes Level, möchte ich meinen. Und dazu kamen noch ein paar andere Sachen, die sich aber auch oft im Kontext zu früher recht ähnlich waren.

Und alles was da nun an scheinbar nebensächlichen Intrusionen auftaucht, ob nun aus der Kindheit oder von später, hängt eigentlich immer und automatisch mit einer dieser Lebenssituationen zusammen, die eben traumatisch war.
Da das Trauma so langanhaltend war (ohne wirkliche Unterbrechung) bzw die Traumata immer wieder neu auftraten, kann es auch nicht DIE EINE Szene geben. So wie es z.B bei einem Überfall o.ä. der Fall wäre. Nicht die Einzelsituation war traumatisch, sondern die gesamte(n) Lebensepisode(n), weshalb logischerweise auch diese vielen unscheinbar wirkenden Intrusionen auftauchen. Der Moment isoliert, wirkt normal, zu betrachten gilt aber die Gesamtsituation, in der ich dauerhaft im Ausnahmezustand lief.

Bei KPTBS möchte ich daher behaupten, dass es normal ist, nicht permanent ‚die eine‚ traumatische Situation wieder zu erleben, sei es nun als Intrusion oder Flashback. Viel mehr sollte man bei den einzelnen (auftauchenden) Episoden schauen, was drum herum dazugehört.

Intrusion als Handlung

Wie man hier vll schon herausließt scheint sich auch ein vergangenes Trauma gerne, im Laufe des Lebens, zu wiederholen. Die Traumareinszenierung ist ebenfalls eine Form der Intrusion, welche ich, aufgrund der Länge des Artikels, aber gerne ausführlicher im nächsten Beitrag besprechen möchte. Mir persönlich helfen meist Beispiele anderer Betroffener sehr weiter, blinde Flecken bei mir selbst leichter zu erkennen. Darauf wollen wir dann nächstes Mal näher eingehen.

Intrusive Gedanken stoppen

Wie ich schon erwähnte, gibt es kaum ein Mittel die intrusiven Gedanken oder Gefühle vom Auftauchen abzuhalten. Um sich jedoch nicht darin zu verlieren, kann man es mit Achtsamkeitsübungen versuchen. Im Hier und Jetzt bleiben, sich ablenken…

  • Zählt laut auf, was ihr gerade macht. Jeden Schritt. Zum Beispiel: ,,Ich schalte jetzt den Computer an. Nun setze ich mich auf meinem Stuhl. Ich öffne Programm XY.“ usw. Oder: ,,Ich öffne den Kühlschrank und nehme die Gurke heraus. Jetzt lege ich sie auf das Schneidebrett. Ich nehme ein Messer in die Hand und schneide eine Scheibe ab. Nun noch eine…“ usw. usf.
  • Versucht es mal mit Imaginationsübungen, wenn euch ein Gefühl vereinahmt. Vor allem das mit der Wassersäule hilft mir da oft sehr weiter. Schaut ruhig einmal Hier vorbei, dort habe ich einige Imaginationsübungen (u.a das mit der Wassersäule) bereits beschrieben.
  • Dann das Übliche: Sport, Musik (am besten richtig laut mit Kopfhörern), Gerüche. Ihr könnt etwas malen, ein Videospiel auspacken, usw.
  • Weiter Möglichkeiten, was z.B auch bei Flashbacks helfen kann, habe ich im Artikel 1.Hilfe bei: Flashbacks schon näher erklärt

3 Leitsymptome einer (K)PTBS: #2 Konstriktion

Traumatische Erlebnisse bzw. posttraumatische Reaktionen gehen meist mit ein und den gleichen Hauptsymptomen einher. Wir wollen uns in diesen Beiträgen einmal die Hypervigilanz, die Intrusion und Erstarrung näher anschauen…

Was ist Konstriktion?

In der Psychologie wird der Begriff Konstriktion für das geistige Erstarren, nach einer traumatischen Erfahrung, verwendet.

Ist weder Kampf noch Flucht möglich, fallen wir bei einem Angriff in eine Art Totstellreflex. Wir erstarren, körperlich, vor allem aber psychisch. Und in der Folge wird jede Erinnerung an das Trauma krampfhaft, bewusst und unbewusst, versucht zu vermeiden.

Wie äußert sie sich?

  • kaum bis kein Schmerzempfinden mehr
  • das Zeitgefühl verändert sich (z.B kann die Umgebung wie in Zeitlupe erlebt werden oder das Erlebnis kann in überhaupt keinen zeitlichen Rahmen mehr gebracht werden, etc.)
  • Sinneseindrücke werden nicht mehr registriert
  • die Wahrnehmung verzerrt oder verändert sich (z.B wird man völlig ruhig und emotional distanziert zum oder während des Ereignisses, Gleichgültigkeit, man verliert jegliche Kampfbereitschaft und Urteilsfähigkeit, man fühlt sich nicht selbst betroffen oder als wäre alles nur ein Traum, Derealisation und Depersonalisation, usw.)
  • starrer, betäubter Blick (Emotionslosigkeit)
  • körperlicher und/oder geistiger Lähmungstzustand (sich wie betäubt fühlen, kann sich aber eben auch in Form eines Stupor, der körperlichen Lähmung, darstellen)
  • Lust- und Freudlosigkeit, innere Leere
  • abgespaltene Erinnerung/Amnesie, es können auch nur die Bedeutung oder Gefühle zu einer Erinnerung fehlen

Warum und wie kommt es zu dieser Erstarrungsreaktion?

Konstriktive Symptome sind der hypnotischen Trance sehr ähnlich, welche zum ganz normalen Spektrum menschlicher Bewusstseinszustände gehört. Forscher gehen davon aus, dass sie aktiviert wird, sobald wir einem traumatischen Erlebnis ausgesetzt sind bzw. waren.

Hypnose selbst verwendet man in der Medizin teilweise z.B sehr ähnlich wie Morphium und andere Opiate, da sich durch sie unerträgliche Schmerzen mildern lassen. Es lässt sich also davon ausgehen, dass unser Körper die Konstriktion einsetzt, um uns vor schrecklichen Qualen und Schmerzen zu beschützen.

Es wird vermutet, dass ein Trauma die Regulation der körpereigenen opiatähnlichen Substanzen dauerhaft verändert, was die langanhaltenden konstriktiven Symptomen, auch nach Abklingen der akuten Gefahr, erklären würde.

Die genauen biologischen Faktoren, die zu dieser Erstarrung führen, sind dennoch noch nicht vollständig geklärt.

Wann wird Konstriktion problematisch?

In der akuten Gefahrensituation scheint die Konstriktion ein wahrer Segen zu sein. Ich glaube, ohne sie hätte man viele Traumata gar nicht lebendig überstehen können.

Da ihre Kernaufgabe aber das Vermeiden von lebensbedrohlichen (oder ähnlichen) Situationen ist, werden natürlich auch die traumatischen Erinnerungen (bildliche, emotionale, usw.) vom normalen Bewusstsein ferngehalten. Sie können so deshalb natürlich auch nicht integriert werden, was dem Genesungsprozess mächtig im Weg steht. Wir können durch die innerliche Erstarrung und das ständige Unterdrücken keinerlei neue, positive Erfahrungen und Verknüpfungen sammeln, welche für die Trauma-Verarbeitung allerdings unerlässlich sind. Stattdessen bleibt das Trauma weiter unterdrückt in uns verborgen und wird sich deshalb auch weiter durch allerhand unangenehmer Symptome bemerkbar machen. Das dauerhafte Vermeiden (ausgelöst, wie erwähnt, durch das veränderte Zentralnervensystem) hält uns letztendlich tatsächlich weiter im Trauma gefangen.

Wenn wir immer wieder bestimmte Situationen vermeiden bzw. bei Trigger in unbewusste Vermeidungsstrategien abgleiten, signalisieren wir unserem Gehirn damit , dass es mit seiner Angst recht hatte und wir uns immer noch in akuter Gefahr befinden. Statt beim nächsten Mal leichter damit umgehen zu lernen, verstärken wir unsere Angst also nur zusätzlich. Dies führt wiederum zu noch mehr und noch stärker ausgeführten Vermeidungsverhalten und dementsprechend mehr Lebenseinschnitten und Leid. Das kann dann irgendwann auch zu allerhand Sachen wie Zwängen, Phobien usw. führen.

Das dieser Teufelskreislauf dazu führt, dass wir immer weniger Hoffnung auf Besserung empfinden und demnach auch nicht mehr fähig sind, für uns eine Zukunft zu sehen, dürfte nun sicher auch kaum einen verwundern. Ich kann z.B zwar sowas einzelnes wie Weihnachten planen, aber meine echte Zukunft (wie Ziele, Wünsche, Job, soziales Umfeld, Beziehung, Kind, usw.) existiert einfach nicht. Der Gedanke daran fühlt sich schon absolut abstrakt und unrealistisch an. Als würde ich in ein schwarzes Loch greifen.

Zusätzliche Probleme

Weiter entwickeln Betroffene, durch den Wunsch irgendwie wieder Sicherheit zu gewinnen und die Angst in den Griff zu bekommen, oft zusätzliche (oft unbewusste) Trauma-Coping-Mechanismen, wie z.B:

  • Dissoziation (die sich auch in den normalen Alltag einschleicht)
  • Vermeidungsstrategien, aus Angst vor Triggern oder erneuten Traumata ➡ z.B Isolation, manche verändern auch ihr Aussehen (nach einer Vergewaltigung z.B) oder ihr Verhalten, usw.
  • das Rationalisieren der traumatischen Auswirkungen, sodass das Ausmaß der empfundenen Angst gar nicht wahrgenommen wird, eine Handlung wird bspw. völlig losgelöst vom Trauma betrachtet Bestimmte Orte werden z.B strikt gemieden, ohne zu wissen warum – Oder meine panische Angst z. B davor, mit dem Kopf unter Wasser zu kommen konnte ich jetzt erst mit einem Ereignis aus der Kindheit verknüpfen. Obwohl das Wissen bestand, dass diese Situation definitiv traumatisch war und faktisch 1:1 zu meiner heutigen Angst passen würde, konnte ich keine Verbindung ziehen. Ich zogs nicht mal in Betracht, ich handelte einfach nur. Die szenische Erinnerung war recht emotionslos und daher nicht schlimm. Die Angst, Ohnmacht, Wut, Einsamkeit und Todespanik, die ich dafür teilweise im Wasser empfand, war zwar Kacke, aber so allein für sich auch „erträglich“. Jetzt wo ichs verbinden kann, tauchen auch Gefühle von Verrat, Schmerz und Machtlosigkeit auf, also die miesen. Solange rein nur die Angst vorm Wasser bestand (die natürlich auch noch da ist), konnte ich diese unangenehmen Gefühle durch Vermeiden umgehen. Ich hatte in Wahrheit keine Angst vorm Wasser selbst (weshalb Konfrontation auch nix brachte), sondern vor dem, was damit verknüpft ist. Das Trauma fand zwar im Wasser statt, war aber erst durch das Verhalten meiner Eltern wirklich traumatisch. Ohne diesen Zusammenhang zu kennen, bleibt logischerweise auch eine reine Angsttherapie recht erfolglos.
  • ein Aberglaube wird entwickelt: PTBS-Betroffene suchen nach guten oder bösen Omen/Vorzeichen und richten ihr Leben danach aus ➡ Versuch Kontrolle zurück zu erlangen

Substanzen – künstlich herbeigeführte Konstriktion

Viele Trauma-Betroffene versuchen auch durch Alkohol oder Drogen ähnliche unterdrückende Effekte zu erzielen. Albträume, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Wut, aber auch intrusive Erinnerungsfetzen werden dadurch zu mildern versucht. Bei Kriegsveteranen mit PTBS, die sich längst nicht mehr im Kampf befanden, litten z.B 85% unter Alkohol- und Drogenproblemen. Andere Studien kommen zu einem Ergebnis von 75% bei Trauma-Patienten. (K)PTBS-Betroffene scheinen also zu einem sehr hohen Prozentsatz anfällig für Suchterkrankungen oder zumindest betäubende Verhaltensweisen zu sein. Sie versuchen dadurch intrusive Zustände zu verdrängen und unterdrücken. Das ist dann bewusste Traumavermeidung durch Hilfsmittel. Konstriktion geschieht dagegen oft unterbewusst und automatisiert. Meistens wird dann zu Substanzen gegriffen, wenn die innere Konstriktion nicht mehr greifen kann, weil sich intrusive Zustände dazwischenschieben. Leider Gottes führen beide Coping-Strategien aber eben so oder so nicht wirklich zu einer Besserung, da sie beide die Erinnerungen vom Bewusstsein fernhalten.

Und jetzt?

Ist das nicht toll, was man rational immer alles so weiß?

,,Vermeidung, Verdrängung und Unterdrückung sind also nicht gesundheitsförderlich? Super. Ich mach dann mal trotzdem weiter, ne?“ Genauso läuft das hier ab. Mir ist z.B durchaus bewusst, dass es mir durch dieses permanente ‚zuhause-verkriechen‘ schlechter statt besser geht und was tue ich? Genau, mich noch mehr zuhause verkriechen 🤦‍♀️.

Von daher: Keine Sorge wenn ihr viele schlaue Ratschläge und Informationen hört oder lest. Etwas rational wissen und es dann auch umsetzen können, sind 2 unterschiedliche Paar Stiefel. Nicht weil man nicht genug will oder zu faul oder dumm ist, sondern weil es einfach Gründe gab, warum solche Strategien überhaupt entwickelt wurden. Sowas behebt man nicht durch gut zureden oder durch das Lesen oder Hören von ein paar „Tipps“. Es braucht Zeit und viele verschiedene Stationen, sowie Versuche bis sich sowas nach und nach verbessert. Wir können es nur immer wieder in kleinen Schritten angehen und uns ausprobieren. Durch keinen Ratgeber der Welt wird sich jedoch von heute auf morgen etwas grundlegend verändern. Ihr macht also nichts falsch, wenn ihr nicht direkt freudestrahlend durch die Gegend hüpfen könnt.

Und ganz ehrlich? So richtig ‚Mach dies und jenes und dir gehts wieder prima‘-Tipps hab ich diesbezüglich auch noch nicht gefunden.

Was mache ich und wie kann man versuchen es trotzdem anzugehen?

  • Macht euch bewusst warum und was ihr gerade verdrängt oder vermeidet. Das ist schmerzvoll, das ist ekelhaft und es ist alles andere als lustig, aber notwendig. Wie gesagt bringt uns das rationale Wissen natürlich nicht die Heilung, aber es ist der 1. Schritt in diese Richtung. Wir erkennen das Problem damit an und geben ihm eine Existenzberechtigung.
  • Auch hier kann es helfen, es wieder schriftlich zu machen. Das macht das Problem greif- und sichtbarer: Was vermeide ich gerade? Was versuche ich zu unterdrücken? Warum tue ich das? Welche Emotionen oder Reaktionen würde es sonst in mir auslösen? Was war der aktuelle Auslöser (Trigger), um in mir den Drang nach Verdrängung oder Vermeidung hochzuholen? Wie versuche ich zu vermeiden? Welche (bewusste oder unbewusste) Strategie wende ich gerade an? In welchen Lebenslagen hat sie mir bisher geholfen? Warum könnte ich sie entwickelt haben? Und welche Folgen hat sie heute für mich?
  • Wenn negative Emotionen hochkommen (ich spreche jetzt vom langsamen zulassen, nicht von Flashback o.ä) könnt ihr versuchen sie nun mit etwas positiven zu koppeln. Wenn ihr z.B total gerne malt, könntet ihr eure Emotionen lieber versuchen aufzumalen, anstatt sie im Alkohol zu ertränken. Ihr lasst sie so zu, beschäftigt euch bewusst damit, aber verliert euch nicht darin.
  • Hinterfragt eure Gefühle und Emotionen: Fühle ich gerade nur Wut? Was ist da noch los? Warum will ich gerade in Arm genommen werden? Warum fühle ich mich gerade so unwohl? Was war der Auslöser? Empfinde ich gerade wirklich Hass/Ablehnung oder steckt dahinter vll Angst? Angst wovor? usw. – Der Sinn ist einfach achtsames Wahrnehmen der inneren Vorgänge.
  • Belohnt euch nach beängstigenden Situationen: Ich fing damit an, dass bei Terminen, die schon Tage vorher Panikattacken und Ängste auslösten, anzuwenden. Wichtig war: Der Termin wird nicht abgesagt. Das Problem nicht umgangen. Dann gab und gibt es nach Erledigung z.B einen Schokokuchen, wir gucken einen tollen Film oder schlafen am nächsten Tag richtig aus und kuscheln uns auf die Couch, ohne Telefon o.ä. Deshalb habe ich immer noch Panikattacken und Angst, aber durch diesen positiven Anreiz, diese innere Beruhigung im Kopf, tatsächlich nicht mehr ganz so stark.

3 Leitsymptome einer (K)PTBS: #1 Hypervigilanz

Traumatische Erlebnisse bzw. posttraumatische Reaktionen gehen meist mit ein und den gleichen Hauptsymptomen einher. Wir wollen uns in den kommenden Beiträgen einmal die Hypervigilanz, die Intrusion und Erstarrung näher anschauen…

Hypervigilanz (Übererregung)

Kommen wir in eine gefährliche und sehr stressige Situation, reagiert unser Körper mit Alarmbereitschaft sowie erhöhter Konzentration und Wachsamkeit, was natürlich auch logisch ist, da wir sonst überhaupt nicht adäquat auf eine echte und akute Gefahrenlage reagieren könnten ➡ ,,Oh ein Tiger! … Kannst du mal bitte kurz warten? Ich muss mir erstmal meine Nägel zu Ende lackieren.“ – Kannst’e machen, geht halt nur in die Hose 🤷‍♀️ und das weiß unser toller Körper natürlich auch. Ist diese Gefahrensituation dann wieder vorbei, beruhigt sich auch unser Nervensystem wieder. Die Stresshormone werden weniger und unser Stresspegel gelangt langsam wieder zu einem normalen Grundniveau.

Nach einer traumatischen Situation, also etwas was einfach zu viel für unsere Psyche ist, verändert sich unser Nervensystem jedoch nachhaltig. Das ist vor allem der Fall, wenn es zu mehreren oder langanhaltenden Traumata kam.

Unsere psychologische Angstreaktion und unsere physiologische Alarmbereitschaft beschränkt sich von nun an nicht mehr nur auf eine Notfallsituation, sondern bleibt dauerhaft bestehen. Das normale Grundniveau besteht also gar nicht mehr bzw. ist so nicht mehr abrufbar. Im Prinzip befinden wir uns permanent im Flucht- oder Kampfmodus, was zu stark erhöhter Wachsamkeit führt (Arousal = allgemeiner Grad der Aktivierung des zentralen Nervensystems, welcher durch Wachheit, erhöhter Reaktionsbereitschaft, Wachsamkeit und verstärkter Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist).

Da der Betroffene das traumatische Ereignis nicht verarbeiten konnte (und es demnach immer noch aktuell in seinem Gehirn, Körper und Psyche besteht), existiert auch immer noch die ständige Alarmbereitschaft. Jederzeit könnte etwas passieren, etwas gefahrvolles, auf das er vorbereitet sein muss. Bewusst geschieht sowas natürlich nicht, sondern das vegetative Nervensystem speichert diese Informationen und reagiert ohne unser (bewusstes) Zutun.

Auch bestimmte Wiederholungsreize, die für Nicht-PTBS-Betroffene höchstens nervig/unschön wären, kann man nicht ausstellen. Wenn eine bestimmte Person bei mir z.B immer wieder das gleiche Verhalten zeigt, kann ich nicht anders, als mit einer Triggerreaktion/Flashback zu reagieren. Dir bleibt selbstverständlich die Wahl, so eine Person nicht länger in deine Nähe zu lassen oder der entsprechenden Situation aus den Weg zu gehen, was selbstverständlich auch das Gesündeste wäre. Dennoch gibt es aber immer wieder Personen oder Situationen, denen man eben nicht entgehen kann und auf den folgenden Triggerreiz kannst du nicht mehr bewusst reagieren/agieren. Du kannst nicht sagen: „Och, das haben wir schon so oft durch. Nö heute mal nicht“, so gerne du das auch möchtest und dir vornimmst. Dein Körper reagiert, nicht dein Kopf.

Wie sich Übererregung zeigt

  • ständige Alarmbereitschaft
  • Schlafstörungen, wie spätes Einschlafen, ständiges, nächtliches wach werden, Albträume, usw.
  • psychosomatische Beschwerden (wie z.B steifer Nacken, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Verspannungen, Bauchkrämpfe, usw)
  • leichtes und schnelles Erschrecken (auch auf die kleinsten Geräusche)
  • ständig auf alles gefasst sein „Hab-Acht-Haltung“
  • schnelles und übermäßiges reagieren auf Ärger, unverhältnismäßige Wutausbrüche
  • ständiges abscannen der Umgebung und anderer Menschen
  • erhöhtes Angstniveau, ständige Angst- und Panikattacken
  • permanentes Gefühl nicht gemocht und ausgeschlossen zu werden
  • paranoide Zustände: Eine Person , dicht hinter einem, wird schon als Gefahr angesehen (bis hin zur sozialen Phobie)
  • starkes Schwitzen, erhöhter Herzschlag oder Atemprobleme in der Nähe anderer Menschen
  • kleine Rückschläge wirken bereits lebensbedrohlich und katastrophal
  • innere Unruhe/innere, dauerhafte Anspannung

Hypervigilanz und Hochsensibilität

Beides ist sich ziemlich ähnlich, da beide extrem auf Reize bzw. Reizüberflutung reagieren. Hochsensibilität kann jedoch auch angeboren sein, ohne das ein traumatisches Ereignis vorliegt. Genauer auf das Thema möchte ich jedoch in einem eigenen Beitrag, nach den 3 Traumaleitsymbtomen, eingehen. Da werde ich dann auch nochmal auf die Unterschiede etc. näher zu sprechen kommen.

Was kann ich tun?

Also erstmal:

Es ist extrem schwierig dagegen anzugehen und Tipps „gegen sowas“ hören sich in meinen Ohren oft an an wie: ,,Tu mal das und das und wenn es nicht klappt, hast du es einfach nur nicht richtig gemacht oder es nicht genug gewollt“. Selbstverständlich ist das selten so gemeint, aber ihr wisst schon, oder? Da ist dann dieser Druck da, so als wäre mit dieser „Patentlösung“ alles vorbei und vergessen. Ich empfinde das so jedoch nicht die Spur… Ich könnte auch nen Kopfstand machen und trotzdem wäre diese permanente Alarmbereitschaft noch da und um Himmels Willen, die ist sowas von anstrengend 😩😒.

Seht solche Vorschläge auch wirklich nur als Vorschläge und zwar als solche, die vll mal zwischenzeitlich und kurz helfen KÖNNEN. Als die mir damals in der Klinik z.B mit ihren Skills kamen und nix davon half, bin ich fast verzweifelt. Ich dachte: „Alter, bei jedem hilft das, nur bei dir nicht. Was läuft nur schief mit dir? Du willst wohl gar nicht, dass es dir besser geht?!“. Ja … nein. Es hilft bei den meisten einfach nur nicht alles genauso gut und vor allem auch nicht ständig oder langanhaltend. Wer mit solchen „Tricks“ die Übererregung ganz wegbekommt, der soll sich bitte melden. Dessen Name wird dann bestimmt das neue Fachwort für Wunderheilung … 😅

Nein, die ist ein Teil von uns und sogar ein sehr wichtiger. Würde sie nicht existieren, hätten wir viele Gefahrensituationen sehr wahrscheinlich gar nicht überstanden und wären nicht mehr hier. Sie erfüllt ihren Zweck und zwar solange bis wir das Trauma verarbeitet haben. Für uns ist das selbstverständlich ziemlich doof und nervig, für unseren Körper ist sie jedoch überlebensnotwendig und erst wenn er das nicht mehr so sieht, wird sie auch nachlassen. Natürlich hat Hypervigilanz viele psychosomatische Beschwerden zur Folge, Schlafprobleme usw. und für uns erscheint sie heute, rational betrachtet, nicht mehr logisch und sinnvoll, aber solange das Trauma noch wie „gerade erst geschehen“ in uns existiert, muss (aus Sicht unseres Körpers) auch diese ständige Alarmbereitschaft bestehen bleiben.

Nun zu den „Tipps“

  • Kommen wir in eine traumanahe Situation bzw erleben etwas ähnliches, wird ganz viel Energie in uns freigesetzt. Diese Reaktion soll der Flucht oder dem Kampf dienen und bleibt auch weiterhin in uns bestehen. Eine Möglichkeit wäre jetzt z.b diese angestaute Energie in Sport umzuwandeln. Umso angespannter du innerlich wirst, umso mehr kannst du versuchen diese Energie „abzubauen“ indem du laufen gehst (joggen, wandern, schnelles laufen zum Bäcker z.B, usw.), gegen einen Boxsack oder ein Kissen boxt, gegen einen Ball trittst, etc.
  • Wenn du nachts total schreckhaft aufwachst, wäre es eine Möglichkeit ein Nachtlicht anzumachen. Das ist übrigens der perfekte Zeitpunkt euch mal Baby-Joda vorzustellen 😁.

Ja man, ich liebe Star Wars 😁 und Baby-Joda kommt in „The Mandalorian“ vor. Direkt musste erstmal das Stofftier und das Nachtlicht her und seit er da ist, schläft es sich nachts viel besser ein. Bevor er kam und ich nachts aus einem Albtraum aufwachte, machte ich meinen LED-Schlauch, der sich am Bett befindet (und dezentes Licht bietet), an. Ihr seid damit nicht schwach oder „kindisch“. Jemand in euch hat Angst und dieserjenige darf, muss sogar, beruhigt werden. Auch wenn keine dissoziativen Anteile bestehen, existiert ein inneres Kind in euch, das vor etwas Angst hat und total angespannt ist. Seid lieb zu ihm, gebt ihm das Gefühl von Sicherheit.

  • Achtet auf eure Sicherheit! Ihr dürft ansprechen, wenn euch jemand zu schnell fährt, wenn euch jemand zu Nahe kommt und ihr das nicht wollt oder wenn ihr eine Reaktion nicht einschätzen könnt. Wenn ich z.B mit einer Freundin schreibe und lange keine Reaktion mehr kommt, dann beziehe ich das sofort auf mich (und ja, es ist mir peinlich das gerade zuzugeben, hat schon wieder was von Schwäche in meinen Augen). Mittlerweile kann ich das einschätzen, dass irgendwann etwas zurückkommt (man vergisst eine Nachricht halt mal oder hat gerade keine Zeit, als wäre ich da anders – Ohne scheiß, ich kann manchmal richtig lange nicht reagieren, ohne böswillige Absicht) und versuche mich dadurch zu beruhigen, was auch hilft. Mit der Zeit lerne ich, dass nicht direkt etwas schlimmes folgen wird, wenn man mal nicht sofort reagiert (nicht reagieren hatte manchmal gleich schlimme Folgen im Nachhinein, wie direkt in die Luft gehen) oder wenn jemand auch mal blöd/genervt guckt. Langsam, aber ich lerne. Meine Therapeutin meinte aber mal, dass ich durchaus einfordern darf (mit vorheriger Erklärung warum, versteht sich von meiner Seite aus), dass man mal schnell schreibt: „Hey, gerade keine Zeit. Ich meld mich morgen“, einfach damit ich dann nicht 24h in Alarmbereitschaft aus Angst vor dem nächsten Drama sitze, sondern die Situation einschätzen kann.
  • Manchmal hilft mir auch einfach nur Ablenkung. Nö, das ist sicher nicht die beste Methode, wegen ignorieren, verdrängen usw. Aber du hast auch nicht permanent Kapazität, dich um all deinen Mist zu kümmern. Wenn die Anspannung überhand nimmt, hilft mir manchmal auch ein spannender Film, eine interessantes Videospiel oder gute Musik, die mich ablenkt.
  • Mir ist z.B auch sehr wichtig, dass ich eine Situation vorher zumindest grob einschätzen kann. Ich HASSE Überraschungen, vor allem wenn man mir vorher was von einer Überraschung erzählt. Ich widere darin sofort Gefahr. Auch bei einem nahestehenden Menschen. Sowas dürft ihr sagen. Ihr dürft vorher fragen was in dem Meeting stattfinden wird oder wo ein Ausflug hingeht oder das ihr euch erstmal nur mit der einen Person (statt mit den weiteren 5 fremden Freunden) treffen wollt. Oder alles andere, was euch das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Nein, das kommt nicht immer gut an. Aber jeder der das nicht versteht, dem fehlt auch die Empathie zu verstehen was mit euch los ist. Deswegen ist dieser Mensch nicht böse oder schlecht, nur ganz ehrlich? Habt ihr dafür wirklich Energie? Energie es dieser Person recht zu machen, euch zu verstellen?
  • Hört sich vll blöd an, aber: Umarmt euch einfach mal selbst. Wenn ich das Gefühl habe, innerlich zu platzen, nehme ich mich manchmal selbst in den Arm. Oder: Manchmal imaginiere ich mir auch eine Person, die mich in den Arm nimmt. Habe ich schon in frühster Kindheit gemacht und klar ist niemand real vorhanden, aber nur das Gefühl, gerade nicht allein zu sein, hilft extrem etwas der Anspannung zu mindern.

Trigger – Was sind das?

Trigger ist englisch und bedeutet ,Auslöser‘ bzw. ,auslösen‘.

Wir haben da also erst einmal ein Erlebnis, was für uns unaushaltbar ist und uns in völlige Ohnmacht versetzt. Unser Körper stößt nun Unmengen an Stresshormonen aus, was dazu führt das der Hippocampus und die Amygdala nicht mehr richtig zusammenarbeiten können. Normalerweise sind beide dafür zuständig, die wahrgenommenen Eindrücke mit den Emotionen und dem Zeit- und Raumgefühl zu verknüpfen.

Nun können aber diese Emotionen (Amygdala) und in der weiteren Folge, die zeitliche und geographische Zuordnung (Hippocampus) nicht mehr richtig, wie sonst, miteinander kombiniert und anschließend in unser Langzeitgedächtnis (Großhirnrinde) integriert werden.

Dadurch kommt es u.a zu Gedächtnislücken bzgl. des Traumas, aber auch zu separiert gepackten Emotionen in uns. Das ganze Ereignis, mit allem was dazu gehört, bleibt also irgendwo in der ,,noch-zu-bearbeiten“ Schublade liegen.

Und nun ist es auch nicht so, dass diese Emotionen und Körperempfindungen plötzlich in eine Raumkapsel gepackt und ins endlose Nirvana geschossen werden, sondern sie bleiben weiterhin in uns existent, nur eben sehr konfus und ungeordnet.

Begegnet uns jetzt irgendetwas, was mit diesem schlimmen Ereignis in irgendeiner Form zusammenhängt, werden diese konfusen Emotionen und Empfindungen hervorgeholt. Der Trigger ist also der Auslöser, um unverarbeitete Erinnerungen hervorzurufen.

Was kann so ein Auslöser sein?

Alles.

Völlig egal ob Gerüche, Geräusche, ein Geschmack, ein Gefühl, etwas das man sieht, eine Person z.B oder was auch immer man sich sonst noch vorstellen kann. Alles was in irgendeiner Form mit dem Erlebnis in Verbindung steht, ist als Trigger möglich.

Beispiele:

  • Ich wache morgens auf und höre diesen einen Vogel zwitschern…Und das Zwitschern hört sich an sich nicht schlimm an, aber … aahrrrr
  • Ich denk mir: ,,Gut stehst’e auf, machst dir das Radio an, um auf andere Gedanken zu kommen“ … … ,,Euer fucking ernst?! Dieses sch*iß Lied jetzt?!“ – Problematische Lieder habe ich da bisher 2 ausmachen können
  • Jetzt kommt der Frühling wieder und da gibt es diese Tage, wo ich raus gehe und mich am liebsten direkt übergeben möchte – Es ist die Luft, diese warme Frühlingsluft und mir ist bewusst wie bescheuert sich das anhört, ich mag die ja eigentlich auch total gerne. Und ich weiß auch noch nicht in welcher Kombination da genau das Problem da ist – Vll die Temperatur + Luftfeuchtigkeit + Sonne und Wind oder keinen Plan, jeden Tag ist es auf jeden Fall nicht so.
  • Letztens war ich bei meiner Freundin und ihre kleine Tochter spielte mit dem Schlüssel an der Tür rum – Das war allerdings echt das erste Mal, dass ich damit ein Problem hatte.
  • Manchmal kann es auch ein banaler Satz, eine Wortkombination sein.
  • usw.

Wie gesagt, alles kann möglich sein und oft macht es tatsächlich auch erst die richtige Kombination aus.

Wie reagiert man dann?

Auch das ist völlig unterschiedlich und ich reagiere z.B auch nicht jeden Tag auf den gleichen Trigger. Manche Tage komme ich schwer klar, weil mich vieles triggert und andere Tage hab ich überhaupt keine Probleme. Das, und die Unkenntnis über die eigenen Traumata, macht es auch schwer die eigenen Trigger klar auszumachen und demnach zu vermeiden.

Ganz klar spielt es bei mir aber auch eine Rolle, ob ich allein bin oder in Gesellschaft. Gerade in der Öffentlichkeit wird man es bei mir wohl eher selten erleben, dass mich ein Trigger völlig aus der Bahn haut. Dazu funktioniert meine Alltagsmaske viel zu gut.

Mögliche Reaktionen sind generell aber:

  • manchmal bekommst du kaum noch Luft
  • dein Herz fängt an zu rasen und du schwitzt
  • ganz oft habe ich diesen starken Brechreiz, manche übergeben sich auch
  • man zittert
  • man ist total schwach und kann sich kaum noch bewegen
  • oder man hat das Gefühl gleich in Ohnmacht zu fallen (oder tut es auch)
  • Schmerzen oder andere körperliche Symptome können auftreten
  • Angst- und Panikattacken
  • du fängst an zu dissoziieren
  • es wirft dich in Flashbacks (visuelle, emotionale, usw.)
  • oder es wechselt sogar ein anderer Anteil raus

Beispiele wieder:

1.) Ich liege morgens im Bett und draußen hupt ein Auto (wie das halt so ist, in einer Wohngegend), sofort steigt aber die Angst auf, da könnte jemand reinkommen und schon friert mein Hirn fest, ich starre in die Gegend und nichts geht mehr.

2.) Dann gibt es ein bestimmtes Thema, bei welchen ich manchmal sofort einen übelsten Juckreiz am ganzen Körper bekomme.

3.) Mich triggert z.B auch der Mund-und Nasenschutz stark. Mal kurz geht, aber nach ca. 10 – 15 min wird mein ganzer Körper pelzig, ich bekomme keine Luft mehr, Panik steigt auf und es fühlt sich an als würde mich jemand, jeden Moment einfach aus dem Bild ziehen (geil finde ich dann solche Reaktionen wie: ,,Meinst du nicht, du schiebst da deine Psyche nur ein bisschen als Ausrede vor?“ – …. )

4.) Ich denke über eine bestimmte Sache nach, mit der ich eigentlich überhaupt nichts verbinde und plötzlich habe ich ein Bild vor Augen, von einem Mädchen mit dem…naja…was gemacht wird, Angst und Panik steigt auf und ich spüre das Adrenalin richtig.

5.) Oder ich neige z.B dazu, Dinge gerne mal laut mit mir auszudiskutieren und da ging es um das Thema ,Aufnahmen‘. Ich hab überlegt, warum ich schon als Teenager so eine Paranoia hatte und irgendwie ständig dachte, dass irgendjemand Aufnahmen von mir macht, wenn ich mit jemand intim werde. Ohne Scheiß, hab ich das ständig und überall vermutet. Jedenfalls sprach ich laut darüber – Es dauerte nicht lange, da brach in Tränen, also schon nem richtigen Heulanfall aus, krampfte total (aber kein Krampfanfall) und kratzte mir währenddessen auch den Handrücken rot. Ich persönlich habe aber überhaupt nicht verstanden was da gerade das Problem ist und hab echt Hardcore einfach weiter geredet, als sich mein Körper etwas beruhigt hatte.

Und ich bin dann halt auch so stur und denke: ,,Ja aber darüber reden wir jetzt eben. Ich will das jetzt besprechen!“ und mache einfach weiter (manchmal bin ich echt ein richtiges Ar*chloch, fürchte ich 😒). Naja, bevor ich da dann weiter fröhlich triggern konnte, gabs ein ziemlich schroffes Machtwort von Innen und ehrlich gesagt hab ich erst da begriffen, wie empathielos ich da eigentlich reagiert habe. Mir selbst ging es ja nicht wirklich schlecht, das war mehr wie 2 Gefühle und Gedanken parallel nebeneinander. Ich hab aufgepasst was passiert, aber nicht das empfunden, was diese Reaktion gerechtfertigt hätte, weshalb ich nicht verstanden hab, warum man darüber jetzt nicht reden kann.

–> Und sowas passiert tatsächlich auch häufiger, also das ich z.B in Embryonalstellung da liege und weine, zittere und Angst habe usw, gleichzeitig, also parallel dazu, aber die Szenerie innerlich beobachte und denke, dass doch alles super ist und es mir total gut geht, weil ich das auch wirklich so empfinde.

Voll mies, oder? Wie einer dieser Narzissten, der genervt neben dir steht, mit den Augen rollt und sagst du sollst mal hinne machen, während du am Boden hockst und weinst.

6.) Oder was z.B auch möglich ist: Es gibt da einen Kinderfilm auf den auf den ich gar nicht klar komme (und auch nicht auf dessen Realverfilmung). Ansehen geht aber meist schon erstmal. Mich überkommt zwar während des Schauens oft ein unwohles Gefühl oder es tritt danach Schwindel und Kopfschmerzen auf, aber sonst passiert da noch nix weiter. Erst wenn ich dann schlafen gehe, kommen diese crazy Träume, von denen ich aber so gut wie NICHTS mehr weiß, beim Aufwachen. Alles was mir dazu in Erinnerung bleibt, ist tatsächlich nur dieses Gefühl. Ein Gefühl als würde es dich immer weiter hineinsaugen und alles an diesem durch und durch schwarzen Ort ist so furchtbar endlos und unerträglich und morgens fühle ich mich dann wie nach einem Marathon.

Ich bin zwar generell kein Fan von diesem Film, aber irgendwie stehen immer alle anderen toootaal darauf (🙄), weshalb ich ihn früher wirklich auch schon häufiger gesehen habe. Weil die Reaktion aber so versetzt auftritt, hat es wirklich lange gedauert diesen Zusammenhang herauszufinden.

Alpträume und (nächtliche) Flashbacks

Ohne Schlaf könnten wir nicht überleben. Stellt euch vor was unser Körper den ganzen Tag für Höchstleistungen erbringen muss – Wenn ihr mich fragt: Wir suchen auf dieser Welt ständig nach Wundern, doch laufen wir selbst jeden Tag in einem herum.

Da finde ich es irgendwie nur fair, wenn unser Körper nachts endlich einmal zur Ruhe kommen darf. Im Schlaf erholt sich nämlich unser Stoffwechsel, die Abwehrkräfte, wertvolle Energie kann generiert werden und auch unser Bewusstsein kann sich endlich einmal ausruhen und darf das Unterbewusstsein an die Arbeit lassen.

Nun ist es aber leider so das unser Unterbewusstsein nicht immer nur Blümchen und Sonnenschein für uns im Angebot hat und gerade wer unter viel Stress leidet oder betroffen von einer PTBS oder kPTBS ist, findet nachts nicht immer den eigentlich notwendigen, erholsamen Schlaf.

Erstmal: Was sind Alpträume?

Einen Alptraum hatte wohl jeder schon mal – Einmal wird man von einem Verfolger gejagt, das nächste Mal fällt man in einen tiefen Schacht oder manchmal rast auch eine riesige Flutwelle auf einen zu. Nicht selten erwacht manch einer dann schon mal schreiend oder um sich schlagend, das Haar völlig zerzaust und schweißgebadet.

Im Volksmund gibt es den Alp oder Alb, früher nannte man ihn Mahr oder bei den Römern Incubus (oder weibl. Succubus), ein Dämon der dem Schlafenden den Samen, die Energie und die Seele stiehlt.

Der Nachtalb dürfte uns wohl am bekanntesten sein. Ein Geist, der sich nachts auf die Brust des Schlafenden setzt und fest zudrückt, was oft zu Fieber, Herzklopfen, Nachtschweiß und Angst führen soll. Eine feinstoffliche Energie also, die uns Nachts Angst macht.

Nun nehmen wir uns die Alptraumszenarien noch einmal her: Der Verfolger ist oft ein Problem in unserem realen Leben, vor welchen wir davon laufen. Der tiefe Schacht lässt uns in ein Loch fallen, aus welchen wir nicht mehr heraus wissen – Wir treten auf der Stelle und die riesige Flutwelle stellt oft ein Problem, eine Situation oder eine Angst dar, die uns zu überrollen scheint und in der wir befürchten, zu ertrinken.

All diese Alptraumszenarien haben ihren Ursprung in verdrängten bzw. uns nicht direkten, bewussten Emotionen (Träume übermitteln uns immer eine Botschaft, die wir noch nicht kennen!) und was sind Gedanken und Emotionen? Sie sind nicht greifbar, sie sind feinstofflich, reine Energie also und diese „überfallen“ uns Nachts.

Im Traum werden nämlich all diese unterdrückten Emotionen, Ängste und Sorgen in eine bildliche Form verpackt, sodass wir sie verstehen können – Wie beim Spiel Scharade.

Tatsächlich dienen sie also der Bewusstmachung und Verarbeitung. Wenn wir diese wertvollen Botschaften dann sogar erkennen und verstehen lernen, können wir sie auch in unseren Alltag integrieren und die Angst vor den unbewussten Sorgen abbauen, was den Stress im Tagesbewusstsein minimiert.

Was sind nun Flashbacks in Träumen?

Was Flashbacks sind, das besprachen wir ja schon einmal in einem anderen Beitrag .

Wir sprechen da also von isolierten Erinnerungen, die durch einen bestimmten Auslöser (Trigger) hervorgerufen werden können.

D.h Flashbacks sind auch nicht wirklich 1:1 gleichzusetzen mit Alpträumen. Während in Alpträumen nämlich unsere innersten Gedanken und Befürchtungen, in teilweise fast schon abstrakten Bildern, zum Vorschein kommen, zeigen sich die Flashbacks in einer ganz anderen Art der Beschaffenheit, da sie tatsächlich einen Teil der reellen Vergangenheit wiedergeben.

Was meine ich mit ,andere Beschaffenheit‘?

Sie fühlen sich anders an. Fester, echter, realer einfach.

Aber auch da gibt es wieder Unterschiede Beispiele:

Der direkte, visuelle Flashback:

Im Traum war ich einmal im Klo meines Elternhauses. Ein winziges Zimmer und ich sah mich als kleines Kind, vll höchstens 5-6 Jahre alt. Mein kleines Ich hockte an der Heizung, umschlang die Arme und schrie voller Panik. All das sah ich, als würde ich diese Szene aus der oberen Ecke des Zimmers betrachten. Ich wachte auf und zwar von meinem Schrei, der durch die ganze Wohnung hallte – Dieser Traum fühlte sich an, als wäre ich in der Zeit zurückgereist und hätte live daneben gestanden.

Fühlen, hören, schmecken:

Ja auch das ist hier wieder möglich. Es fühlt sich dann einfach anders an, als im normalen Traum. Ich kürze den Traum jedoch ab: Ich hörte den Todesschrei einer jungen Frau und ich schwöre ich habe sowas noch nie zuvor in meinem (bewussten) Leben gehört. Also so eine Art von Schrei. Ich habe früher sehr viele Horrorfilme geschaut und da schreit ja oft eine Schauspielerin, aber das kann man nicht mal im Ansatz vergleichen. Dieser Schrei ging durch Mark und Bein und blieb mir tagelang im Ohr. Noch heute schaudert es mich, wenn ich daran denke. Aber auch Berührungen die sich so echt anfühlen, als würde man sie woher kennen usw. kann Teil solch einer isolierten Erinnerung sein. Wichtig finde ich da auch immer das Gefühl, mit welchen man aufwacht.

Die verschachtelten Flashbacks:

Mir fällt leider gerade kein besserer Begriff ein😅. Gemeint ist damit das der Traum zwar eine reale Erinnerung zeigt, aber die Szenerie drumherum eine ganz andere ist, z.B kann da auf einmal ein Bär mit rumlaufen. Oder es ist eine reale Szene, aber in einer ganz anderen Umgebung. Ihr erlebt die Situation, seid z.B aber plötzlich im dunklen Weltall – Das Gehirn vermischt dann die Erinnerung, also den Flashback, mit den dazugehörigen Gefühlen in Bildform. Im Weltall seid ihr dann vll, weil man sich in dieser damaligen Situation ganz allein, einsam und verlassen gefühlt hat. Schwerelos, von allem abgetrennt.

(Trigger – Anfang) Ein Beispiel von mir wieder:

Ich träumte von einer Villa (das Haus kenne ich so nicht, jedoch den Anstrich und die Fenster) und einer Frau die darin vor etwas weglief. All das war völlig aus der Beobachterperspektive und zwischendrin stand ich mit Gott vor dieser Villa und sagte zu ihm, dass ich nicht wissen will, was darin passiert. Dann sieht man die Frau, wie sie auf einem Hometrainer sitzt (Fahrrad). Hinter ihr, auf einem Sitz, ein Monster, fast wie ein Dämon und der Hintergrund leuchtet rot-braun. Fast ein bisschen wie man sich die Hölle vorstellt. Das Monster jagt sie ständig, fängt sie aber nicht (weil es eben ein Standfahrrad ist und sich beide nicht bewegen können).

Szenenwechsel – Gleiche Kulisse, aber diesmal liege ich am Boden und jemand würgt mich. Ich weiß in diesem Moment das ich gleich sterben werde, es fühlt sich so an. Ich fühle die Schmerzen, aber ich fühle mich auch schon total weit weg, wie losgelöst. Dann wache ich auf und musste für den Rest der Nacht erstmal das Licht anlassen. Das schräge ist, dass ich die Straße kenne, wo diese Villa im Traum stand. Ich kann sie nur nicht zuordnen, als würde einem etwas auf der Zunge liegen, aber es fällt einem einfach nicht ein.

Im Januar träumte ich dann das ich in einem Bett liege. Ich in der Mitte, rechts liegt … (ich mag hier nicht verraten wer) und links von mir eine Frau. Über ihr liegt ein Mann, den ich kenne und sie ruft ,,Nein!“ und versucht sich zu wehren, aber er hört nicht auf, er macht einfach weiter. Erst sehe ich das aus der Perspektive der Frau, dann bin ich Ich und sehe wie er sie würgt „währenddessen“ und denke im Traum das ich doch diese Szene von mir kenne. Dass das etwas ist, was mir passiert ist. Dann hört er auf und dreht sich zu uns um und meint wir sollen Platz machen, da das eben ja nur die „Vorspeise“ war. Ich dachte ,,Nicht wieder!“ und lief voller Panik weg und versuchte mich zu verstecken. (Trigger – Ende)

–> Manchmal kann es da also sein, dass man einen Flashback nachts erlebt, aber es wirkt mehr als hätte man eine wahre Begebenheit, als Film nachgedreht. Vll sind es andere Darsteller oder eine andere Kulisse, aber die Situation an sich fühlt sich so dermaßen echt und real an, als wäre man live da oder hätte sie schon einmal gesehen/erlebt.

Bindungstrauma

Wir Menschen sind schon eine interessante Art. Wer schon einmal die Geburt eines Tierbabys gesehen hat, ob live oder im Fernsehen, der weiß wie schnell die Kleinen da schon auf den Beinen sind.

Wir scheinen da jedoch ganz anders – Wenn wir auf die Welt kommen können wir, gelinde gesagt, mal so gar nichts 😄. Geht man rein vom Überleben in der freien Natur aus, müssten unsere Kinder eigentlich noch weit länger im mütterlichen Schoß bleiben.

Was brauchen Babys?

Als Baby sind wir nicht in der Lage allein zu überleben. Das beginnt bei der Nahrungsaufnahme, geht über das Bedürfnis der Nähe, bis hin zur Emotionsregulation.

Wir sind auf unsere Mutter (oder eine andere Bezugsperson) angewiesen, wir kennen ja noch gar nichts. Wir wissen nicht was wir gegen das Gefühl des Hungers tun sollen. Woher sollen wir überhaupt wissen was das für ein Gefühl ist, bis uns jemand hilft dieses Bedürfnis zu stillen und wir dadurch überhaupt erst einen Zusammenhang herstellen können? Wir wissen als Baby nicht was wir tun sollen, wenn wir traurig sind oder Angst haben oder wenn wir uns allein fühlen. Wenn uns das niemand beibringt, woher soll dieses Wissen kommen?

[Friedrich II. wollte übrigens mal, durch ein Experiment, herausfinden welche Sprache Babys von Natur aus sprechen, also ohne den äußeren Einfluss ihrer Eltern ect. Die Ammen sollten sich nur um die Grundbedürfnisse der (Waisen)Kinder kümmern, d.h essen, wickeln usw. Sie durften sie jedoch nicht hoch nehmen und mit ihnen sprechen. Ergebnis war das ein beträchtlich großer Teil starb, weil er einfach keine Nähe erhielt und der andere Teil, nach 2 Jahren, gerade mal ein Ziegenquäken von sich gab]

Schaut, auch wir Erwachsenen wissen oft nicht wie wir uns gerade fühlen und wenn man nicht weiß, dass man z.B gerade Angst empfindet, kann man auch nichts dagegen tun. Wir können nur reagieren. Der Erwachsene schlägt in diesem Fall dann vll wütend um sich, das Baby wiederum schreit.

Nun ist es aber so das wir Erwachsenen noch ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung haben uns zu beruhigen. Was jedoch soll ein Baby tun, das weder aufstehen und sagen kann was los ist, noch bisher jemals irgendeine Form der Selbstregulation kennengelernt hat?

Für kleine Kinder ist es daher Überlebenswichtig das sie eine Bezugsperson haben, die sie beruhigt und die ihnen zeigt das sie sicher und beschützt sind. Das alles gar nicht so schlimm ist, dass sie jederzeit geliebt werden und nicht alleine sind. Wenn sie z.B traurig sind ist es notwendig für sie, anhand von Mimik, Gestik und Körperhaltung zu erkennen das alles okay ist. Die Signale der Mutter (o.ä) sind unabdingbar für dieses kleine Wesen.

Und nun halten wir uns noch einmal diese tollen Ratschlag von früher vor Augen, wo es hieß man müsste Kinder schreien lassen sodass „sie es mal lernen“. Der Gedankengang dahinter ist der, dass Babys die Eltern nur schikanieren wollen und daher frühzeitig erzogen werden müssen.

Nein, liebe ältere Generation: Babys haben Angst oder sind einsam und brauchen dringend ihre Eltern, die sie beruhigen! Tieren gesteht man kein eigenes Denken zu, aber von Babys erwartet man sie würden heimlich Intrigen gegen die Eltern spinnen…Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen 🤦‍♀️

Was ist nun also ein Bindungstrauma?

Fehlt den kleinen Menschen also eine Person, die ihnen hilft ihre Emotionen kennenzulernen und zu regulieren, wenn sie z.B oft schreien oder allein gelassen werden oder wenn die Mutter selbst überfordert ist (z.B durch psychische Erkrankungen) und dem Kind dadurch direkt oder indirekt vermittelt das es zu viel ist, sich ihre Unruhe stark auf das Kind überträgt (und sich das Kind daher im Dauerangstzustand befindet) oder wenn die Bezugspersonen ständig wechseln (also keine konstante Beziehung vorhanden ist) – Ja, dann kann es zu einem sogenannten Entwicklungs- bzw. Bindungstrauma kommen.

Aber dann müsste doch fast jeder so ein Trauma haben?

Haben sie doch auch😅. Erwachsene die sich schnell zu viel fühlen, die ihre Emotionen schlecht regulieren können, die schwer Nähe zulassen oder, im anderen Extrem, krampfhaft Nähe suchen usw. – All das sind Folgen eines Entwicklungstraumas. Nicht immer muss es also körperliche und/oder sexuelle Gewalt sein.

Gerade wenn wir in frühen Jahren keine Geborgenheit erfahren und uns stattdessen ständig nach einer möglichen Gefahr umschauen müssen (,,ist die Mutter wieder gereizt, kommt sie zu mir oder nicht“ usw.), bleibt unser Gehirn in diesem Dauerstresszustand. Erhöhte Wachsamkeit, Hochsensibilität, vermehrte Schreckhaftigkeit, chronische innere Unruhe u.v.m kann dadurch also entstehen.

Oder stellt euch vor, das Kind bekommt schon in seinen allerersten Tagen vermittelt das es stört, die Mutter (oder Vater) keine Zeit und Lust für es hat, seine Bedürfnisse zu viel und nicht erwünscht sind – Ja was soll sich daraus für ein Selbstbild und -wert entwickeln?

Beispiel:

Meine Mutter ist eine Frau die sich sehr für Dinge begeistern kann und sich dann da auch richtig reinhängt. Irgendwann kam sie z.B mal auf die Idee unseren Garten auf Vordermann zu bringen. Sie steckte Unmengen an Geld, Zeit und Arbeit in diesen Garten und er war wirklich schön. Vogeltränken und Statuen stellte sie auf, ein künstlich angelegter Bach mit kleiner Brücke, ein kleiner Teich, überall Blumen und immer alles top gemäht. Wunderschön einfach.

Das ging so ein Jahr lang. Im nächsten Jahr verwilderte er total und war wirklich nicht mehr schön anzuschauen – Sie hatte einfach keine Lust mehr darauf. All das investierte Geld, die Mühe und die Arbeit spielten keine Rolle mehr.

Nun hat aber natürlich nicht der Garten ein Bindungstrauma davon getragen 😅, nein, meine Mutter machte das mit allem so. Auch ich bildete da keine Ausnahme.

Meine Oma erzählt oft, wie mich im 1.Jahr nicht einmal jemand ansehen, geschweige denn hochnehmen durfte. Dann verlor sie die Lust, wahrscheinlich weil so ein Kind ja nicht ewig das kleine Püppchen ohne eigenen Willen bleibt. Nach ungefähr einem Jahr war ich überall, nur nicht mehr bei meiner Mutter.

Alles was ich von ihrem Verhalten mir gegenüber in Erinnerung habe ist Ablehnung, Genervtheit, Eifersucht und teilweise sogar richtiger Ekel. Ja, meine Mutter hat sich vor mir geekelt – Kein besonders schönes Gefühl.

Und dieses Muster, das mich Menschen erst total toll finden und nach kurzer Zeit wegstoßen, teilweise mit einem richtigen Hass und Abscheu, ja dieses Muster begleitet mich bis heute. Es ist noch gar nicht so lange her, wo ich diesen Zusammenhang erstmals kapiert habe.

Das mag daran liegen das ich immer wieder dazu neige mich narzisstischen Menschen zuzuwenden, ob nun partnerschaftlich oder auch freundschaftlich. Dennoch fragst du dich ja irgendwann selbst einmal was mit dir nicht stimmt, wenn Menschen immer wieder auf diese Weise Abstand zu dir nehmen.

Wenn du die einzige Konstante in diesen Gleichungen bist, natürlich ist für dich dann irgendwann die einzig logische Schlussfolgerung das DU falsch bist und das DU das Problem bist. Permanente Selbstzweifel und -abwertung sind da z.b eine Folge von.

Du bist nicht der Fehler

Das Problem liegt an dem Menschen selbst, an deiner Mutter oder deinem Vater oder wer auch immer deine Bezugsperson dargestellt hat. Aber nicht an dir. Es konnte nie an dir liegen – Du warst ein kleines Kind und jedes Kind ist so richtig, wie es zur Welt kommt. Kein Kind ist falsch.

Ich habe auch viele Fehler gemacht bei meinem Sohn, einfach weil meine Psyche nun mal auch nicht topfit ist, aber mein Sohn war NIE das Problem. Egal wie nervig er manchmal war oder wie gestresst ich mich fühlte, das Problem war immer ich bzw. meine Psyche, nie er. Ich bin nun Erwachsen und es liegt nun bei mir nicht jeden Fehler weiter zu geben, den meine Eltern gemacht haben. Mit ihm zu reden, ihn Dinge zu erklären und ihm das Gefühl zu geben, dass ich ihn so liebe, wie er ist – egal was passiert.

Ich verurteile auch meine Mutter nicht dafür, natürlich ist da oft Wut und Unverständnis, aber verurteilen will ich sie nicht als grundsätzlich böse oder schlecht o.ä.

Wir leben in einer Gesellschaft die mittlerweile nun mal völlig kaputt ist (kein Wunder nach all diesen Kriegen ect.). Wir machen alle Fehler, die einen ein paar schlimmere, die anderen ein paar weniger gravierende. Das können wir nicht vollständig verhindern.

Wichtig finde ich nur zu verstehen warum wir so sind, wie wir sind und zu lernen was wir unseren Kindern weitergeben sollten und was nicht. Was sie brauchen und das ist vor allem Liebe und Nähe 😊