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Hüllen-ANP

(ANP = anscheinend normaler Persönlichkeitsanteil)

Da die Frage nach mehr Informationen dazu letztens aufkam, wollte ich heute mal näher darauf eingehen.

Ich möchte den Beitrag gerne ich 2 Hälften teilen. Einmal werde ich erzählen warum ich, wie ich ja in dem einen Beitrag angeschnitten hatte, mit dem Begriff „Hüllen-ANP“ in Resonanz gehe und wie ich das wahrnehme. Im zweiten Teil möchte ich über die Hüllen-Programmierung sprechen.

Bitte haut das beides jetzt aber nicht in einen Topf. Ich erzähle nur mein persönliches Erleben zu etwas, sage damit aber nicht, dass ich diesbezgl. einer Programmierung unterliege.

Teil 1 – Mein Erleben

Als ich erstmals davon hörte

Als ich erstmals direkt von dem Begriff „Hüllen-ANP“ hörte, war das abseits der rituellen Thematik bzw. ging es aus dem Text nicht klar hervor, das dies nur in diesem Kontext vorkommt. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich so eine Hüllen-Funktion ebenfalls in einem reaktiven Dis-System entwickeln kann, wenn es früher notwendig war. Allerdings sind das gerade nur Überlegungen von mir. Nehmt das jetzt also nicht als wissenschaftlich fundierte Aussage oder so 😅.

Einige Zeit, bevor ich von diesem Begriff las, sprach Tina von D.I.S Ding in einem Video darüber, dass sie sich eher wie eine Art durchlässigen Schleier (sie benutzte aber glaub ich irgendeinen anderen Begriff 🤔) wahrnimmt, durch den die anderen hindurch agieren. Und da ist mir fast ein Stein vom Herzen gefallen. Ich war ja anfangs recht viel in den Dis-Gruppen unterwegs und irgendwie wirkte das bei denen alles so anders. Also nicht das da nicht auch Leute drin waren, die mein Erleben kannten. Nur hab ich sie halt nicht gefunden. Und das hat mich sehr irritiert und (was auch sonst) wieder an der Diagnose zweifeln lassen. Als Tina das dann erzählte, dachte ich so: „Puh krass, okay. Es kennt also doch jemand 😅“ . Das heißt jetzt nicht, dass mein Erleben mit ihrem beschriebenen zu 100% identisch ist. Nur das ich mit der Richtung etwas anfangen kann.

Und mit dem Begriff „Hüllen-ANP“ war ich dann recht froh endlich auch einen Begriff gefunden zu haben, der mein Erleben eigentlich ziemlich gut in einem Wort zusammenfasst.

Wie ich es empfinde/erlebe

Alles wäre soviel einfacher, wenn ihr alle den Film „Pacific Rim“ kennen würdet 🙈. Damit kann ich so vieles beschreiben. Für alle die ihn nicht kennen, versuche ich das jetzt aber nochmal auszuführen: Im Film gibt es eine Art riesige Roboter, in deren Kopf Menschen einsteigen, sich mit ihnen verbinden und sie dadurch steuern können. Die Piloten des Roboters können durch eine riesige Scheibe im Kopf rausschauen und verbinden dann ihr Gehirn mit dem Roboter, weshalb sich z.B sein Arm bewegt, wenn sie ihren im Inneren bewegen usw. (Mir fällts gerade beim Schreiben auf, dass ich uns die ganze Zeit schon unbewusst mit einem Roboter vergleiche 🤦‍♀️)

Stellt euch den Körper jetzt als den Roboter vor und im Inneren nehmen meistens 2 bis 3 Leute Platz. Sie sind die, die in diesem Moment zusammen den Körper steuern und mit der Außenwelt (durch Verbindung mit dem Roboter) agieren. Und ich nehme mich selbst nicht so wahr, dass ich auf einem dieser Stühle im Inneren sitze, sondern eher als dünne Membran, die sich an der Innenseite des Roboters (Körpers) befindet (wer sich also mit dem Roboter verbindet, verbindet sich auch automatisch mit mir, was ich aber meistens nicht mitbekomme). Quasi zwischen Roboter und den anderen (inneren) Personen geschaltet. Ich kann rausgucken, ich kann auch den Körper bewegen usw. Also ich bin nicht handlungsunfähig oder so. Aber ich habe eigentlich ständig das Gefühl das andere durch mich durch handeln, während ich aber stehenbleibe und den Roboter mime.

Wie ein Fenster das stehenbleibt und von Außen gesehen werden kann, während andere von Innen (Achtung: Metapher) es anmalen, öffnen, schließen, durchsprechen o.ä. Man sieht nur das Fenster von Außen und ob es bemalt ist, geputzt, welche Geräusche herauskommen oder sonst was. Aber man sieht nicht wer es von Innen so herrichtet, wie man es gerade sieht. Es bleibt einfach das Fenster. (Ich hab immer so komische Beschreibungen, oder? Irgendwie hab ich immer das Gefühl, das versteht doch kein Schwein😅).

Allerdings heißt das nicht, dass ich immer alles (im Außen) mitbekomme. Ich kann ausgetauscht, ausgeknipst (oder was auch immer die dann machen) werden und dann habe ich eine klassische Amnesie. Auch kann ich nicht entscheiden wer sich auf die Stühle setzt. Ein inneres Aussehen hab ich trotzdem, also zumindest nehme ich mich etwas (wenn auch nicht gravierend) anders als den Körper wahr, genauso wie ich etwas jünger als der Körper bin. Irgendetwas von mir existiert also schon, wenn ich auch manchmal nicht genau weiß, was ich bin und was nicht 😅.

Hüllen-ANP bei DDNOS

Bei der DDNOS bzw. pDis ist der ANP meistens auch eine Hülle, durch den die anderen hindurch agieren. Deshalb lässt sich die Multiplizität dort oft auch so schlecht erkennen, denn die „Hülle“ checkt ja meist selbst nicht das das alles nicht sie ist. Gerade für die Diagnostik fallen da außerdem meist auch die z.B für die Dis üblichen Amnesien weg. (Alles weitere äußert sich dort dann im Prinzip genauso, wie weiter unten beschrieben)

Viele Tätergruppen bauen deshalb auch das Prinzip der DDNOS in ihre Programmierung mit ein. Bspw. kann es einen ANP (der als Frontperson agierten soll) mit DDNOS geben, hinter dem sich aber das eigentliche, komplexere System befindet. Weder der Betroffene, noch der behandelten Arzt/Psychologe kann dadurch etwas von der wahren, inneren Komplexität mitbekommen. Und Zugriff auf Traumata, spezielles Wissen (zum Kult) oder was aktuell noch so abgeht, ist dadurch natürlich auch nicht vorhanden.

Teil 2 – Hüllenprogrammierung

Die Hüllen-Programmierung wurde meist bei älteren Systemen, bis Ende der 70/Anfang der 80 Jahre vorgenommen. Allerdings gehe ich davon aus, dass kleinere Gruppen durchaus auch später noch darauf zurückgriffen. Es ist ja auch immer eine Frage der Intention, der bisherigen Funktionalität, des Geldes (um auf dem „neusten Stand“ zu bleiben), usw. Will heißen, dass sehr wahrscheinlich nicht Schnitt 1985 ALLE Gruppen sofort damit aufgehört haben. Lediglich das sie nicht mehr so weit verbreitet ist. UND ☝ auch nicht alle Tätergruppen haben (früher) darauf zurückgegriffen. Bei allem weiteren werde ich mich jetzt auf Zitate berufen, da ich persönlich euch kein Insiderwissen erzählen kann. Also … einfach weil ichs nicht hab 😅.

Was macht sie aus?

,,(…) trainieren organisierte Tätergruppen ihre Kandidaten, eine Frontperson zu haben, die ein schwaches oder gar kein wirkliches „Selbst“ hat, durch das die Innenleute hindurchsprechen können. Die Hülle auf der Frontseite überbrückt die inneren Switchs, sodass der Mensch in keiner Weise multipel wirkt. (…) die Wechsel sind subtil und für andere nicht leicht zu erkennen, weil die Stimme immer gleich bleibt. Wenn die Frontperson eine Hülle ist, dann variiert ihr Verhalten in Abhängigkeit dazu, welche anderen Anteile gerade im Bewusstsein (…) vorne sind. Hüllenpersönlichkeiten empfinden eine innere Leere, fühlen sich abgestumpft und sind häufig depressiv.“

aus „Werde wer du wirklich bist“ von Alison Miller, S. 66

Weiter gibt sie ein Bsp. (Beispiel heißt aber auch, nicht bei jedem läuft es gleich ab, wie z.B bzgl. Reime, etc.) einer Betroffenen an (gleiche Seite):

,,Um meinem Persönlichkeitssystem eine neue Struktur zu verpassen, musste eine Kombination aus vier Innenpersonen ständig gleichzeitig in meinem Bewusstsein präsent sein, auch wenn jeweils nur eine von ihnen tatsächlich vorne sein konnte. Damit wurde zweierlei sichergestellt: Dass ich auf die Außenwelt immer normal (statt multipel) wirkte und dass ich in jeder gegebenen Situation nur zu den richtigen Fähigkeiten und der korrekten Wissensbasis Zugang hatte. (..) Der „Kontrolleur“ betätigte die richtige Kombination aus Schaltern, um die richtigen Innenpersonen „direkt unter der Oberfläche“ zu holen. Von wo aus sie sich dann je nach Situation abwechselten. Anleitungen an die Innenpersonen, die gerade vorne waren, liefen währenddessen in meinem Kopf in Form von Liedern und Reimen ab.“

Wie sie funktioniert

,,Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass das System sich in Wahrheit co-präsentiert. Wenn auch nicht co-bewusst. Damit eine Hüllenprogrammierung funktionieren kann, muss den Hüllen-Anteilen beigebracht werden, die gemeinsame Co-Präsentation mit den anderen Innenpersonen im System zuzulassen. Andere Innenpersonen im Hintergrund sind sich vllt. nicht immer bewusst, dass das geschieht. Und vor allem die Hülle im Vordergrund weiß nicht, dass zum Zweck der Co-Präsentation durch sie „hindurchgegangen“ wird. (…) Ein wichtiger Schritt ist, den Hüllen-Anteilen und den anderen Innenpersonen die Erkenntnis zu ermöglichen, dass sie sich auf diese Weise gezeigt haben und warum sie es getan haben. Innenpersonen im Hintergrund könnten daraufhin anfangen, sich zu zeigen, ohne durch die Hülle zu gehen. Und die Person wird eine Zeitlang möglicherweise „multipler“ erscheinen, während Akzentuierungen des Verhaltens auftreten oder sich junge Innenpersonen zeigen. Was hier tatsächlich passiert, ist, dass der Hintergrund sich präsentiert, ohne sich durch die Hülle zu tarnen.“

Beschreibung der ehemaligen Programmiererin Slavi aus dem Buch „Jenseits des Vorstellbaren“, S. 57

Weiter fand ich dazu …

,,Schalenprogrammierung ist eine Art Programmierung, die dazu benutzt wird, um eine äußere „Schale“ oder „Maske“ zu erschaffen, durch die andere Abspaltungen von innen hindurch sprechen können. Sie dient dazu, die Multiplizität vor der Außenwelt zu verbergen. Sie funktioniert äußerst gut bei sehr stark fragmentierten Systemen und auch bei einer Person mit besonders hohen Grad von Spaltungsfähigkeit.

Wie es gemacht wird: Bei der Schalenprogrammierung verwendet der Trainer oft eine durchsichtige Plastik oder Gasmaske und stellt sie vor der Person auf. Sie wird extrem traumatisiert , geschockt und mit Drogen betäubt. Der Trainer sagt ihr (der/den vorderen Abspaltungen), dass sie die Maske sind, die sie sehen. Ihre Aufgabe sei es, eine Schale oder Stimme zu sein, um die anderen dahinter abzudecken. Diese Teile werden so traumatisiert, dass sie sich wortwörtlich nur wie eine Maske sehen, mit keiner wirklichen Substanz oder Körper. Andere Innenpersonen werden dann zu der „Schale“ gerufen, um deren Stimme zu benutzen, damit ihre eigenen Stimmen versteckt bleiben. Dies erlaubt eine größere Spaltung der Person, die von außen unerkannt bleibt. Innere Anteile lernen, sich durch diese Schale darzustellen. Die Schalen-Abspaltungen sehen sich selbst immer als „klar/durchsichtig“ und besitzen keine Farbe, sofern es Farbencodierungen in anderen Systemen gibt.“

aus „Wie der Kult Menschen programmiert“ von Slavi, S. 58f

Wie innere Kommunikation aussehen kann

Ich muss jetzt den gleichen Satz, wie beim Beitrag zum Co-Bewusstsein, verwenden: ,,Klar, schreib erstmal was, wovon du so gaaarr keine Ahnung hast.“ Toootaaal hilfreich für andere 😂

Im Bezug auf das Leugnen und Zweifeln stellte das für mich lange echt ein großes Problem dar. Ich habe Fachbücher und -artikel am Anfang verschlungen, weil ich wissen wollte: ,,Wie läuft das mit der Kommunikation jetzt genau ab? Kann das bei mir sein, wenn das so und so ist oder ist das jetzt nur meine rege Fantasie?“ . Irgendwie dachte ich nämlich, es darf bloß ganz klare und laute Stimmen im Inneren geben und alles andere hängt dann nicht mit diesem Thema zusammen. Mittlerweile können wir das ein bisschen differenzierter sehen…

Stimmen hören

Ich hab das schon in anderen Beiträgen erwähnt. Da es für mich anfangs aber ein unglaublich wichtiges Thema war und ich auch mehrfach danach gefragt wurde, möchte ich das nochmal aufgreifen. Ich ging anfangs davon aus, dass „Stimmen hören“ automatisch und immer so gemeint ist, dass die Stimmen auch akustisch wahrgenommen werden. Akustisch heißt: Ein männlicher Anteil redet z.b im Inneren mit männlicher tiefer Stimme. Ein anderer mit männlich hoher Stimme. Es ist eine klar kindliche, frauliche usw. Stimme hör- und deshalb auch auseinanderhaltbar.

Hier ist das nicht der Fall.

Manchmal kann ich eine Stimmfarbe kurzzeitig wahrnehmen. Kindlich oder männlich. Meist ist es jedoch so, dass die „Stimmen“ eher in der gleichen Form erscheinen wie normale Gedanken. Bsp.: Es gibt eine Gedankenstimme, die aber nicht akustisch erscheint, sondern anders. Das ist die, die z.B erscheint, wenn ich lese oder denke, aber nicht automatisch auch meine Stimme im Außen ist. Sowas dürften die meisten kennen. Und in dieser Form der „Stimme“ erscheinen meist auch die anderen. Der Unterschied (zur Lesestimme usw.) ist der, das sie sehr intrusiv sind. Sie „drängen“ sich quasi auf. Sie kommen nicht von mir. Sind „lauter“. Intensiver. Eindringlicher. Als würden sie aus einem anderen Teil der Wohnung kommen und nicht aus meinem Mund (übertragen auf das Innerliche).

Weiter dachte ich lange Zeit, es müssten immer klare und ausformulierte Sätze erscheinen. Bei einigen ist das nämlich so. Hier nicht. Meist kommen nur einzelne Worte/Wortfetzen und der Rest des Satzes erscheint mehr als eine Art „Gefühl“ (ich höre/weiß also trotzdem was gesagt wird – Hier ist aber kein Körpergefühl damit gemeint). Ich weiß quasi was gesagt/gemeint ist, ohne das aber ein Wort für Wort ausformulierter Satz gesprochen wird.

Das Problem dabei

In der Therapie saß ich dann da und wenn meine Therapeutin fragte, was die anderen zu einer Sache/einem Vorhaben meinen/denken, dann konnte ich schwer direkt darauf antworten. [Ich] erwartete von uns, dass sofort jemand sagt: ,,Ja, also ich denke da dies und jenes und dann noch das dazu“ . Manchmal passiert das, meist ist es aber so das ich da sitze und die Frage gar nicht beantworten kann. Wenn ich aktiv am Reden/in der Situation bin, ist das hier kein lautes herum Geschreie, sondern viele äußern sich dann anders (dazu gleich mehr).

Für mich war das dann in der Situation aber wiederum ständig die Bestätigung: ,,Siehste, du bildest dir das alles ein. Du lügst und bindest jeden einen Bären auf!“ , weshalb ich dann wieder blockte und ein konstruktives Arbeiten in der Therapie diesbezüglich oft schwer möglich war. Mittlerweile tasten wir uns aber ganz langsam an die verschiedenen Arten der Kommunikation heran. Und das bringt wiederum etwas Entspannung rein. Dabei versuche ich als Mantra zu behalten: ,,Was gerade nicht möglich ist, ist eben nicht möglich. Nur weil das Eine aber nicht geht, schließt es das andere nicht aus.“ . Das klappt mal besser, mal schlechter.

(Übrigens hab ich gehört, kann sich das mit der Zeit bessern. Also wenn z.B durch die Therapie der Innenkontakt gestärkt wurde, kann es auch sein das man die anderen klarer und deutlicher hören kann. Muss aber nicht)

Weitere Möglichkeiten der Kommunikation

Wie gesagt, wir sprechen jetzt nur von dem, was wir bisher ausmachen konnten. Dabei will ich unbedingt erwähnen, dass es Systeme gibt, wo die einzelnen Anteile unterschiedlich kommunizieren (so wie auch hier). Das es aber ebenso Systeme gibt, wo alle Reden oder wo sich alle nur über Gefühle äußern (es also gar kein Stimmen hören gibt), usw. So unterschiedlich wie wir alle als Individuum sind, ist auch das, was wir wahrnehmen! Wenn bei dir niemand redet, heißt das nicht, dass er nicht da ist. Das alle (p)Dis-Systeme Stimmen hören müssen, ist längst überholt!

Gefühle und Körperreaktionen

Hier nehme ich zumindest klar wahr, dass ich selten allein da bin. Um sich mitzuteilen muss hier niemand nacheinander rauswechseln. Im Prinzip bin ich ständig irgendwie beeinflusst, nur ist es ein langer Weg und eine schwierige Aufgabe auszuklamüsern, wann etwas rein von mir kommt und wann jemand anders seine Finger mit ihm Spiel hat.

Vieles funktioniert hier auch über Gefühle. Nicht nur: ,,Boar, den finde ich jetzt aber total scheiße!“ (also direkte Gefühle wie Ablehnung, Wut, Trauer oder Freude, die parallel im direkten Kontrast zu meinem Empfinden stehen können). Sondern auch Botschaften werden über Gefühle mitgeteilt. Das „Halt den Mund“ taucht bei uns zwar auch als klare Sätze auf, oft jedoch sogar eher als Gefühl. Dann stellt sich dieser unbeschreibliche Drang ein, jetzt bloß kein weiteres Wort mehr zu sagen. [Ich], die das rational betrachtet und den Sinn dahinter nicht versteht, versucht dann weiter zu reden. Manchmal kann das dann klappen (wenn z.B nur Scham-Anteile etwas gegen das Reden hatten) oder es kann aber auch sein, dass der Mund plötzlich wie zugeklebt ist oder ich anfange zu dissozieren.

Ich verliere dann total den Faden. Weiß nicht mehr um was es überhaupt ging. Oder hab gedanklich noch das Gefühl da, was ich sagen wollte. Kann es aber nicht mehr ausdrücken. Die Worte fehlen dazu. Als würde sie jemand unter Verschluss halten/wegnehmen. Das kann sowohl im Gespräch mit Außenstehenden passieren, wie aber auch wenn ich selbst nur über etwas nachdenke. Es gibt Themen, wenn ich mich diesen nähere, da gibt es einfach kein Weiterkommen. Der Vorgedanke ist weg und erst recht der, wie es weiter gehen sollte. Rein das Gefühl bleibt bestehen, dass doch da gerade etwas war und es jetzt irgendwie nicht weiter geht.

Das kann dann auch Schmerzen an verschiedenen Körperstellen zu Folge haben („Hör jetzt auf damit, sonst tut es gleich noch mehr weh!“ ) oder das „ich“ plötzlich aufstehe, weil mir etwas ganz anders einfällt, was ich machen muss (sodass das Thema nicht weiterverfolgt werden kann).

Innere Bilder

Das hat lange gedauert, das zu kapieren. Ich habe das immer als Einbildung, Pseudo-Halluzination usw. abgetan. Tue ich auch jetzt noch oft, aber ich kann mittlerweile den entsprechenden Anteil(en) auch zugestehen, dass das ihre Art der Kommunikation ist.

Damit ist gemeint, das z.B abends im Bett (also meist bei Ruhe, das kann aber auch tagsüber auftauchen) innere Bilder erscheinen. Verschiedene. Für mich ist noch immer sehr schwer auszuklamüsern, was nun eine Art der Kommunikation, was ein Bild anderer (im Innen) und was eine bildhafte Intrusion ist. Also an sich lässt es sich schon auseinander halten. Mit inneren/anderen Personen kann ich manchmal sprechen (bzw. sie bewegen sich auch, agieren, reagieren), bei Intrusionen fühlt es sich wie die Vergangenheit an (auch wenn ich nicht jede Szene selbst kenne) und auch maladaptive Träume fühlen sich ganz anders an. – Da spielt halt das Leugnen-Ding mit rein und so, naja.

Bei den Bildern (in Form der Kommunikation) ist es dann so, dass derjenige Anteil keine Worte verwendet, sondern mir über Bilder mitteilt was er gerade von etwas hält. Das (Bild) kann auch manchmal etwas recht banales sein. Das funktioniert so ähnlich, wie wenn sich z.B das Unterbewusstsein mittels Bild-/Symbolsprache in den Träumen bemerkbar macht. Ist er/sie/es z.B gerade gut drauf, kann auch mal etwas total witziges kommen, wo ich dann lachen muss und denke: ,,Äh ja, oookay? 😂. Schön das du darüber so einen Spaß hast.“ .

Oder es kommen sehr düstere Bilder. Zur Unterscheidung: Da gibt es einmal die Bilder, die wie die Darstellung eines Traumas aus der Sicht eines anderen aussehen und dann gibt es die, die manchmal einem Gruselfilm gleichen (Fratzen, Monster, Clowns, Verletzungen, usw.). Die aber keinen (konkreten) realen Charakter haben, sondern mehr ein deutliches Gefühl/Wahrnehmung widerspiegeln. Statt Worte wie etwas erlebt wird/wurde, also ein entsprechendes Bild dazu. Als würde sich jemand Stummes versuchen über Bilder mitzuteilen.

Schriftlich

Viele Systeme arbeiten mit sogenannten Kontaktbüchern, wo jeder die Möglichkeit hat, sich schriftlich in einem gemeinsam zugänglichen Buch auszudrücken und mitzuteilen. Das klappt hier überhaupt nicht. Also so null komma niente nada gar nicht 😅🙈. Was aber möglich ist, ist das z.B eine eMail an die Therapeutin geschrieben wurde (was aber eher selten passierte) oder auch das an manchen Beiträgen auf dem Blog andere mitarbeiten. Dann wird zwar trotzdem oft mir das tippen überlassen, aber fast keine Aussage in den entsprechenden Texten kommt auch tatsächlich rein von mir. So im Lesen solcher Mails und Texte im Nachhinein, lese ich dann sehr oft andere heraus.

Andere müssen dich, wenn sie schriftlich kommunizieren wollen, also nicht immer komplett rauskicken (mit Amnesie) oder für dich klar auffällig deine Hand/Finger übernehmen (obwohl ich schon von Depersonalisation sprechen würde 🤔 – in dem Moment check ich das meist nur gar nicht so richtig). Vllt interessant dazu noch zu sagen ist, dass ich beim Schreiben dieser Texte zwar meist dabei bin (und oft auch Erinnerung daran habe mit dem Schreiben angefangen zu haben), aber nicht mehr weiß um was es eigentlich ging, was wir da schrieben oder was überhaupt das Thema des Textes war. Das stelle ich dann erst im Nachhinein fest.

Weiter gibt’s bei uns aber z.B auch eine Form der inneren, schriftlichen Kommunikation und zwar über Post-it’s. Der klebt dann halt einfach nur im Inneren und nicht nicht irgendwo im Außen. Ist aber genauso beschriftet. Lustigerweise sind diese Post-it’s scheinbar nur leider irgendwie nie für mich bestimmt 😅. Ich seh den halt kleben und lese auch den Text darauf, aber in der nächsten Sekunde ist der Post-it dann direkt wieder weg und mit dazu das, was drauf stand. Also ich weiß noch wie viel Text und das überhaupt Text darauf war und das ich den auch gelesen habe, aber irgendjemand klaut mir dann einfach das Wissen über den Inhalt 🤷‍♀️. Der Briefverkehr scheint mich wohl nix anzugehen 😅.

Wie gut die Kommunikation momentan bei uns abläuft

Ich würde sie eher als sehr einseitig beschreiben.

Wer im inneren Bock hat kommentiert oder redet. Wenn ich Bock habe zu reden, bekomme ich jedoch nur selten eine Reaktion oder gar die, die ich erwarte/mir erhoffe.

Klar kann ich Fragen stellen und bekomme manchmal auch Antworten. Vor allem mit denen, die eh meist mit da sind, klappt das mittlerweile recht gut. Antwort heißt dabei aber auch, dass ich durchaus mal 3 verschiedene Antworten bekommen und logischerweise damit so gut wie gar nichts anfangen kann.

Das heißt aber nicht, das wir nicht manchmal echt gute Diskussionen führen oder auch miteinander lachen können. Das heißt lediglich, dass es hier halt einfach nur nicht so hinhaut, wie oft beschrieben oder von einem selbst (mir) auch gewünscht wird. Vor allem da ich leider zu vielen einfach gar keinen Kontakt habe/bekomme.

Und auch ein Problem ist hier, dass wenn der Kontakt besser wird (obwohl ich nicht weiß, an was es letztendlich wirklich liegt), das Leugnen wieder unglaublich stark anfängt (auch wenn sich das für manche blöd anhören mag, aber das unterliegt eben nicht immer deiner bewussten Kontrolle, von wegen „Dann hör halt einfach auf damit“ ). Und danach ist es dann ein bisschen so, als würde ein Reset-Knopf gedrückt und alles wieder auf Anfang zurückgesetzt. Bisher war das 2x so. Aktuell hatten wir so einen Fall im Winter.

Q&A Teil 1 (+ DisDing +SeelenNetzwerk)

Sooo, es ist soweit 🥳.

Den 1. Teil des Q&A findet ihr auf YouTube bei dem Kanal von DisDing. (Link)
Dort beantworten wir eure Fragen aus der Perspektive von 3 Systemen, was ich ehrlich gesagt echt ganz cool fande.
Ich entschuldige mich allerdings gleich vorab: Unsere Kamera ist echt furchtbar, wir haben für die Aufnahme das Tablet genutzt und… naja😅. Uuund wir haben teilweise echt schon wieder Spasmen im Gesicht. Das passiert meist bei viel Stress und so mega angenehm die Gespräche für die Videos auch waren, war das vorher echt Hochstress für uns. Also gerade der Entschluss sich mit Gesicht im Video zu zeigen und so über diese Themen zu sprechen. Außerdem zappeln wir echt viel rum.
Naja, aber ihr werdet das schon überleben 😅.
Die Fragen im Video liste ich euch gleich auf.

Weiter geht’s dann mit einem 2. Video auf dem Kanal von SeelenNetzwerk. (Link)
Dort kommentieren wir Dis-Memes und quatschen über unsere Erfahrungen diesbezgl. Schaut dort auch unbedingt einmal vorbei!

Wir hatten auf jeden Fall mega viel Spaß bei den Videos und fanden die Gespräche echt klasse!

Die Fragen zum Q&A Teil 1

#1 – Wie macht sich ein Wechsel bemerkbar?

#2 – Wie wirken sich Depressionen bei euch aus?

#3 – Wie geht ihr mit Zweifeln um?

#4 – Habt ihr Probleme mit Angststörungen?

#5 – Kann eine Dis/pDis auch „nur“ durch emotionalen Missbrauch entstehen?

#6 – Strebt ihr eine Fusion an?

#7 – Was macht ihr in eurer Freizeit?

#8 – Wie kann ich klären ob ich eine Dis habe? Wurdet ihr schon mal fehldiagnoztiziert?

#9 – Wie groß ist euer System?

#10 – Wer geht in die Therapie? Bringt sie euch etwas?

#11 – Habt ihr/Familie/Freunde vor der Diagnose etwas bemerkt?

#12 – Woran metkst du das du dissoziierst?

#13 – Werden innere Stimmen manchmal zu bestimmten Zeiten konkreter? Kannst du sie von deinen Gedanken unterscheiden?

Q&A – Teil 2

Nein keine Sorge, ihr habt den 1. Teil nicht verpasst.

Für Teil 1 haben wir uns nämlich mit Dis Ding und SeelenNetzwerk zu einem kleinen YouTube-Plausch getroffen (🥳👏) . Ende der Woche müsste daher der 1. Teil des Q&A als Video online kommen. Wenn es soweit ist, gebe ich euch dann aber auf jeden Fall nochmal bescheid, inkl. Link!

Heute starten wir aber erst schon einmal mit den Fragen, die wir nicht mehr ins Video mit geschafft haben aufzunehmen… Vor ein paar Tagen kamen nochmal ein paar (zusammenhängende) Fragen herein, für die ich aber gerne einen eigenen Beitrag machen möchte. Also nicht wundern das die hier fehlen. Ich beabsichtige diesen für nächsten Sonntag fertig zu bekommen, sodass auch die ganze Q&A Sache nächste Woche abgeschlossen ist und ihr nicht ewig warten müsst. Allerdings kann es auch sein, dass wir erstmal wieder eine kurze Pause einlegen. Ich weiß es ehrlich gesagt gerade noch nicht.

#1 Bemerkst du wenn du „weg“ bist und wie ist das für dich?

Nein ich merke nicht, wenn eine andere Person herauswechselt und ich für diese Zeit nicht anwesend bin. Ich habe dann einfach eine Amnesie (Blackout). Oft ist es sogar auch so, dass mir Stunden fehlen können, aber ich (beim wiederkommen) noch (bzw. wieder) an der gleichen Tätigkeit sitze. Mir fällt der Wechsel dann maximal anhand der fehlenden Stunden auf.

➡️ So etwas kann z.B zum Sinn haben (also von den anderen so beabsichtigt), dass der Frontperson eben der Wechsel nicht auffällt. Was die dann in dieser Zeit tun – keine Ahnung 🤷‍♀️.

#2 Wie erlebst du Co-Bewusstsein?

Bei der Frage würde ich euch einfach direkt auf einen Beitrag von mir zum Co-Bewusstsein weiterleiten. Der ist zwar schon ein bisschen älter, aber im Prinzip kann ich nicht so extrem viel Neues dazu sagen.

#3 Hast du viele Amnesien?

Alltagsamnesien? Ne, ich glaube nicht. Aber dazu muss man halt auch sagen, dass es äußerlich gerade recht ruhig ist und das nicht wirklich notwendig sein dürfte bzw. ich es, wenn, eh nur sehr selten checke. Also man muss ja zu den Amnesien sagen, dass das auch nicht immer welche von Stunden oder Tagen sind. Minuten Amnesien gibt es hier auf jeden Fall viele. Das definitiv. Oder was sehr, sehr häufig vorkommt ist, dass ich mich generell kaum an den Tag erinnern kann. Dazu habe ich dann keinen kompletten Blackout, aber was wirklich vorgefallen ist, weiß ich auch nicht mehr.
Aber so Situationen, dass ich mich plötzlich in einer ganz anderen Stadt wiederfinde, die gibt es eigentlich nicht.

#4 Kannst du dich an deine Kindheit erinnern?

Temporär ja. Also ich habe auf jeden Fall so ein Bild im Kopf, was konstant erscheint. Erst bei näheren hinschauen habe ich bemerkt, dass ich eigentlich kaum Erinnerungen habe. Also Weihnachten, Geburtstage, Ostern oder andere Feiertage: Da gibt es jeweils vllt 3-4 einzelne Szenen, das war es. Und auch sonst fangen die Erinnerungen, die man vllt als annähernd konstant/flüssig/zusammenhängend bezeichnen könnte, wohl eher so ab 12/13 Jahren an. Frühstens. Vorher ist viel schwarz, aber mein Hirn hat die wenigen Erinnerungen halt auf die dementsprechende Länge gestreckt (siehe auch „Falsche Erinnerungen„), sodass es mir immer vorkam, als wüsste ich eigentlich sehr viel.
Es gibt, was ich im Abgleich mit einer alten Schulfreundin so festgestellt habe, allerdings schon eeeecht viele schwarze Stellen. Also mega viele Situationen die in meinem Hirn einfach so gar nicht existieren 😅🤷‍♀️ .

Auch erzählte sie z.B mal, dass ich früher in der Schule zu Wochenbeginn oft meinte, dass ich das gesamte Wochenende durchgeschlafen hätte und daher nichts davon wüsste oder mich auch deshalb nicht mit ihr treffen konnte. Davon weiß ich überhaupt nichts mehr und ohne den Abgleich mit ihr, wüsste ich davon bis heute nichts. Auch in einem früheren Tagebuch gibt es teilweise Monate bis zu einem Jahr Abstand zwischen den Einträgen. Inwieweit das mit einer Amnesie zusammenhängt oder ich da einfach nur keine Lust hatte reinzuschreiben, weiß ich nicht.

Und so im Alter von vllt 6-11 existieren fast überhaupt keine Erinnerungen. 2-3 vllt, aber das auch nur ohne konkrete zeitliche Zuordnung. Meine Grundschulzeit fehlt fast komplett.

Um die Frage also zu beantworten: Ich denke, dass ich mich sehr gut erinnere. Erinnere mich in Wirklichkeit aber an so gut wie überhaupt nichts.

#5 Kennst du dissoziative Situationen manchmal auch als „Ich bin mir voll bewusst, aber mein Hirn ist komplett lahmgelegt“ ?

Also ich weiß nicht, ob ich das so richtig verstehe, aber ich antworte jetzt einfach mal so, wie ich es mit diesem Kontext verbinde.

Also hier gibt es sehr oft die Situation, dass ich z.B total abtrifte oder auch im Supermarkt vor einem Regal stehe und ewig vor mich hinstarre. Ich bin dann noch da, aber es funktioniert halt nichts mehr. Es fühlt sich ein bisschen so an, als wäre im Kopf einfach etwas falsch verdrahtet worden. Du stehst da und checkst schon was abgeht (ich höre und sehe auch andere Menschen), aber kannst halt nicht wirklich etwas tun. Manchmal funktioniert es dann, dass ich wenigstens von Innen rufen und drauf aufmerksam machen kann, dass gerade nichts geht. So ein: „Nun mach schon. Spring wieder an!“ . War das damit gemeint? Wenn ja, dann kenne ich das definitiv auch so.

#6 Ich habe keine visuellen Flashbacks. Ist das normal?

Ja! Definitiv ja! Ich dachte am Anfang auch, dass man nur ein Trauma haben kann, wenn man visuelle Flashbacks hat, wie man das halt so aus Filmen oder auch der Literatur kennt. Tatsache ist aber, dass ich mittlerweile, glaube 🤔erst einen richtigen, „typisch“ visuellen Flashback im Alltagsbewusstsein hatte. Überwiegend sind es tatsächlich emotionale oder somatoforme (körperliche), gustatorische (schmecken – z.B kam ich im Sommer mal gar nicht klar, weil erst das Wasser bei meiner Freundin wie Blut schmeckte und ich noch dachte: „Naja, die haben halt einen hohen Eisenanteil im Wasser“, aber später einmal schmeckte auch mein Wasser so. Du trinkst dann und willst dich am liebsten direkt ins Glas übergeben, weil es einfach so widerlich ist), usw.

Was ich allerdings öfter habe sind visuelle Flashbacks in Träumen. Das ist halt schwierig zu erklären, wo da der Unterschied zu normalen Alpträumen liegt. Ich persönlich finde aber, wenn man so einen Flashback erstmal im Traum hatte, weiß man das es einer war. Also klar gibt es da die Zweifel (Zweifler), die all das trotzdem abstreiten. Aber man merkt den Unterschied einfach. Ich verlinke euch dazu nochmal den Beitrag, den ich dazu mal schrieb. Vllt hilft der da etwas.
Aber so generell habe ich auch kaum visuelle Flashbacks und ich denke das ist auch relativ normal bei einer kPTBS bzw. gerade wenn eine dissoziative Störung noch dazu kommt. Hätte man, via Flashback, das Trauma jedesmal vor Augen gerufen, wäre doch auch alles viel zu leicht 😅. Also der Sinn einer dissoziativen Störung ist es ja, traumatisches so gut wie möglich aufzuspalten. Logischerweise werden daher auch Details des Traumas weiterhin von einem ferngehalten. Interessant wäre dazu auch noch zu sagen, dass du auch einen visuellen Flashback haben kannst, aber dir von einer anderen Innenperson die Erinnerung daran wieder geklaut wird, sodass eine Amnesie für den Flashback entsteht.

#7 Mir wurde eine Dis diagnostiziert, ich höre aber keine Stimmen. Hörst du Stimmen? Habt ihr eine gute Kommunikation und wie habt ihr das geschafft?

Also das mit den Stimmen habe ich ja schon mal in ‚pDis/Dis – Formen und Unterschiede‚ näher erklärt. Ja, du kannst auch eine Dis haben, wenn du keine Stimmen hörst. Stimmen kommen (akustisch oder auch nicht akustisch) oft vor, sie sind aber keine Voraussetzung.

Zur Kommunikation: Nein 😂. Unsere Kommunikation ist absolut unterirdisch. Also so zu vllt einer handvoll existiert ein recht „guter“ Kontakt (aktuell sogar zu noch weniger), aber das war es auch schon. Und die sind genauso unwissend wie ich. Das wir uns jetzt also über etwas wirklich relevantes austauschen könnten, davon lässt sich höchstens träumen 😅.
Ich weiß jedoch aber eigentlich, dass z.B sowas wie Meditation zu einer besseren Kommunikation bei uns führt. Bevor ich von der Diagnose wusste und noch recht viel meditiert habe, klappte das super (aber Vorsicht! Viele kommen auf Meditation gar nicht klar!). Also ich dachte da zwar noch, es wären Außerirdische oder irgendwelche esoterischen Tierchen 😅, aber wir haben sehr viel gesprochen.

Seit der Diagnose bzw. seit Realisierung klappt das mit dem Meditieren nicht mehr wirklich. Ich blocke da total und auch alles was an inneren Kommunikationsversuchen ankommt, schmettere ich sehr oft ab.
Auch in der Therapie werden Versuche die Innenkommunikation zu verbessern sehr abgeschmettert (von anderen, aber auch von mir). Also von daher, so nach insgesamt 2,5 Jahren jetzt, kann ich auch nur sagen das die Kommunikation echt noch seeehr schlecht ist und wir auch der Meinung sind, dass das wohl noch ein echt langer Weg sein wird. Man weiß nie was kommt, aber wir rechnen nicht damit, dass wir in den nächsten Jahren einen besonders guten Kontakt herstellen können.

#8 Kannst du die anderen sehen? Seid ihr sehr unterschiedlich?

Nach Außen hin definitiv nicht. Es wechseln aber halt meist auch nur die entsprechenden Anteile heraus, die sich in der Situation ohne Probleme wie die sonst nach außenhin zu erscheinende Person ausgeben können. Nach Außen hin wird man das kaum merken.
Obwohl ich da jetzt noch dazu sagen muss, dass auch ICH (also die, die den Blog größtenteils führt) im Inneren anders als der Körper aussieht, ein anderes Alter hat (ob ich auch einen anderen Namen hab, weiß ich nicht – Franzi fühlt sich richtig und gut an – obwohl wir da auch zu zweit drauf reagieren 🙈, auf Franziska wiederum reagiere ich echt allergisch und fühle mich auch nicht wirklich angesprochen 🤷‍♀️) und ich meistens eigentlich auch nur eine Rolle spiele. Also so fühle ich mich zumindest. Ich könnte euch jetzt nicht sagen, WAS genau die für Außenstehende zu sehende Frontperson ausmacht und was ich dafür spiele, aber das bin auch nicht 100%ig ich. Vllt ergeben wir auch im Mix zusammen, dass was andere sehen und als „Franziska“ kennen 🤔. Keine Ahnung, kann ich euch gerade nicht sagen 🤷‍♀️.

Innerlich sind wir aber definitiv sehr verschieden.
Also so generell ist unser System sehr Fabelwesenlastig. Logischerweise sind einige Anteile KOMPLETT unterschiedlich zu anderen. Es gibt z.B Dämonen in unseren System, die eher ein geringschätziges Empfinden gegenüber der menschlichen Welt/den menschlichen Empfindungen haben. Und die darfst du auch nicht in Gespräche setzen, wo es nur im Ansatz um Okkultismus geht😅. Da gibt es SEHR deutliche Meinungen, die nicht unbedingt den meinen entsprechen und die ich manchmal auch eher unter Verschluss halten würde (und oft auch gehalten werden).

Aber es gibt z.B auch mindestens einen Vampir. Es gibt Narben auf dem Körper, die allein nur aus dem Grund zugefügt wurden, dass man an das Blut heran kommt. Vampire und so halt😅. Also gerade bei Blut gehen einige richtig ab. Das ist schon seeeeeehr unterschiedlich zu mir bzw. dem normalen Alltagsteam. Oder es gibt z.B jemand der eher wie ein Geist ist. Wie eine formlose Wolke. Also ja, wir sind INNERLICH definitiv SEHR unterschiedlich.

Auch Meinungen, Alter und Aussehen unterscheiden sich stark. Also richtig stark. Aber alles was so nach Außen wechselt (was jetzt aber auch nur mein aktuelles Empfinden/Wahrnehmen ist – vllt ändert sich diese Meinung irgendwann), tut so, als wäre es genau das Gleiche, wie das/der Vorhergehende.

Achso und zu dem sehen können: Ja, das kann ich. Teilweise. Als innere Bilder, die auftauchen. Manchmal ist es aber auch so, dass sich eine Person zeigt, ohne das ich ein Bild sehe. Ich bekomme dann ganz viele Gefühle dazu und habe dadurch ein Bild vorm inneren Auge. Das ist aber richtig blöd zu beschreiben.

#9 Habt ihr eine innere Welt?

Äh, keine Ahnung? 😅
Also, ja. Es gibt definitiv eine Welt in der ich die anderen z.B sehe. Die ist sehr grün. Also, ich glaube, ich habe bisher fast jeden irgendwo in einer grünen Natur-Umgebung gesehen.
Und dann gibt es noch einen anderen, eher „mechanischen“ Teil.
Aber das meiste davon kann ich eigentlich nicht betreten, weshalb eine Aussage dazu recht schwierig ist.
Aber es gibt definitiv auch Orte, die wohl mehr imaginativ sind, glaube ich. Also so, wie wenn man in der Therapie einen sicheren Ort erschafft. Ich weiß nicht recht. Irgendwann waren diese Landschaften einfach da, aber gleichzeitig waren sie auch eine Art imaginatives Ding🤔. Wieder schwer zu beschreiben.

#10 Träumst du manchmal von den anderen bzw. kann jemand anderes den Traum
träumen, aber du bist ebenfalls mit im
Traum?

Also erstmal: Ja ich träume von den anderen. Wir begegnen uns schon lange im Traum und einige habe ich ich erst über die Träume (äußerlich) kennengelernt. Das passierte aber schon lange vor der Diagnose (bzw. dem Wissen darum, da eine Diagnose ja schon 4 Jahre, bevor ich davon wusste, existierte). Im Traum bin ich sehr oft eine andere Person. Ich sehe mich als andere Person in einem Spiegel, erlebe deren Leben oder oft gibt es z.B auch eine Kommentatorstimme.
In manchen Alpträumen z.B führt mich diese Kommentatorstimme durch den Traum. In einem Haus voller Dämonen und Monster z.B sagte sie mir mal wo ich hingehen muss, um sicher zu sein. Oder steht mir zur Seite, wenn Träume bzw Traumtode (also eigene) zu schlimm zu werden scheinen, etc.

Manchmal haben wir auch so eine Art „Filmträume“. Dort ist es dann so, als sähe man einen Film über andere, ohne das man selbst involviert ist. Inwieweit das aber mit der Diagnose zusammenhängt, weiß ich nicht.

Ob jemand anderes den Traum aber träumt und ich bin nur dabei, kann ich nicht wirklich beantworten.
Es ist schon so, dass ich in Träumen manchmal nur eine Art „Statistenrolle“ habe, aber inwieweit das dann ein Traum eines anderen ist oder nicht, weiß ich nicht.

Was ich aber manchmal habe/bekomme sind eine Art von „Intrusion“. So würde ich sie jedenfalls beschreiben. Das sind dann aber keine Träume, höchstens vllt maladaptive Träume (sehr lebhafte Tagträume) 🤔. Dort sehe ich dann Erlebnisse aus der Beobachterperspektive. Als Beispiel sah ich ein kleines Mädchen gefes*elt in einem Keller. Das bin dann aber nicht ich, sondern ich sehe da andere Personen. Normale Intrusionen erlebt man ja sonst auch eher aus der Ego-Perspektive.

Wir, [Ich], Ich, „Ich“, Anteile, innere Personen – Was ist gemeint?

Manchmal verwenden wir hier ein paar komische Zeichen/Bezeichnungen, die vll auf den ein oder anderen erstmal befremdlich wirken können. Daher wollten wir mal eine kurze Legende dazu machen, wann was wie gemeint ist:

[Ich]

Damit bin ich (Franzi) gemeint, die auch sonst den Blog überwiegend verwaltet. Damit drücke ich meine ganz persönliche und eigene Meinung aus.

Ich

Damit ist der Körper als Gesamtperson gemeint bzw derjenige der einfach gerade schreibt. Das ist hier nicht wirklich leicht auseinander zu halten, ob man gerade alleine ist (wo ich nicht mal weiß, ob das überhaupt vorkommt🤔) oder wer man gerade überhaupt ist. So leicht erkennbar wie in manchen Dokus oder in Filmen dargestellt (wo immer nur eine Person da ist und es daher klar ersichtlich ist), empfinde ich das auf jeden Fall nicht. Oft sind wir auch wieder im Leugnen drin, dann fällt logischerweise auch nur der Begriff ICH, egal wer gerade da ist oder vorwiegend agiert. Manchmal regt sich auch nur einer auf oder schreibt etwas aus seiner Perspektive (obwohl vll trotzdem mehr da sind, was man jetzt aber nicht unbedingt checkt), dann fällt ebenfalls der Begriff.

Und, ganz wichtig: wird das ICH generell eigentlich für alles was mit Außenstehenden (vor allem außerhalb des Blogs) zu tun hat verwendet. Du kannst ja nicht in irgendeiner Mutti-Facebookgruppe oder so anfangen ständig in der WIR-Form zu reden 😅. Also kannst’e schon, birgt aber unnötiges Stresspotenzial. Im realen zwischenmenschlichen Gespräch ist da zudem auch eine Blockade drin. Nicht mal vor unserer Therapeutin klappt das mit dem WIR. Beim Schreiben geht das besser.
Außerdem muss und wollen wir auch gar nicht, dass ständig alles ausklamüsert wird (von uns und anderen in der Öffentlichkeit) wer und wie viele nun ganz genau da sind. Wenn’s für [MICH] offensichtlich und gerade relevant ist, dann erwähne ich das schon mal am Rande mit. Aber sonst ist der Körper im Alltag und im Außen (also gegenüber Fremden oder Bekannten) eine Gesamtperson und so agiert bzw redet man auch.

„Ich“

Ich erkläre es am besten an einem Bsp: Ich bin mit anwesend, XY reagiert jedoch sehr forsch auf irgendwas. Im Nachhinein checke ich, dass diese Reaktion gar nicht von [MIR] kam, weiß aber auch nicht wer es war. Wenn ich jetzt über diese Situation z.B schreiben will, kann ich logischerweise weder sagen XY war es (entweder weil ich den Namen nicht sagen will oder eben weil ich es selbst nicht weiß), noch das [ICH] es war, daher dann das „ICH“.

Wir/Uns

Logischerweise ist damit die Mehrzahl von Personen/Ansichten gemeint. Das hat aber nichts damit zu tun, das dann immer auch mehrere gleichzeitig schreiben und sich quasi hin und her schubsen dabei 😅. Zum Beispiel wenn [ICH] schreibe über.. . k.A… Wie toll Blumen sind. Als Bsp. Und 2 andere finden das in dem Moment (oder in einem vorhergehenden, wo wir drüber sprachen) auch, dann spreche ich in der Mehrzahl. Einfach weil es nicht nur meine Ansicht ist. Oder es geht z.B um eine Entscheidung, die nicht alleine getroffen wurde.

Wenn wir in der WIR-Form sprechen heißt das aber nicht ALLE sind der gleichen Meinung. Das wird wohl sehr wahrscheinlich niemals vorkommen 😂🙈. Damit ist wirklich eher gemeint, dass da gerade mehrere die gleiche Ansicht haben. Die stehen dann da übrigens auch nicht in Reih und Glied und sagen ihr Zeugs, oder so. Ich weiß auch selten genau, was von wem kommt (so gut ist die Kommunikation nämlich noch nicht wirklich). Manche werfen einfach ihren Senf dazu ein und andere teilen sich z.B über ein Gefühl mit. Und dann geht ICH sagen halt manchmal schwer, weil du einfach in dem ganzen Thema gerade nicht allein denkst oder entscheidest.

WIR kann aber auch heißen, es sind gerade bewusst wirklich mehrere da/gleichzeitig aktiv. Oder wenn es z.B um so Themen geht wie „unsere Wohnung, unser Körper, unsere Mutter, usw.“ – Es ist nach wie vor nur ein Körper, logischerweise bewohnen wir also auch alle die gleiche Wohnung, etc.

Warum sagen wir Anteile?

Letztens wurde kommentiert, dass dieser Begriff im Rahmen der Dis eher nicht so passend ist. Und der Sinn dahinter ist für mich klar nachvollziehbar: Anteile hat jeder Mensch, nur sind sie bei der (p)Dis soweit abgespalten, dass sie ein eigenes Bewusstsein entwickelt haben. Und ja, mich nervt es auch, wenn jemand sagt: ,,Ach, das haben wir doch alle“ – Ja ne, habt ihr eben nicht. Das ist etwas komplett unterschiedliches.

Zur Unterscheidung: [ICH] kann auch verschiedene Rollen haben. [ICH] kann witzig oder traurig sein. [ICH] benehme mich privat anders, wie bei öffentlichen Terminen, usw. Das sind unterschiedliche Rollen, die man einnimmt – Ja, hier kommt auch nicht für jeden Schrips ein anderer raus. Wenn jemand anderes aber kommt, dann ist der kein Zuhause-Ich oder Arbeits-Ich, sondern eine eigenständige Persönlichkeit mit eigenem Denken, Fühlen und Handeln. Er ist keine Rolle von [MIR] selbst, sondern jemand eigenständiges mit Bewusstsein.
Dahingehend ist uns auch oft schon der Begriff „Mensch/en“ über den Weg gelaufen, also das einige diesen in dem Zusammenhang lieber mögen. Da würden wir zustimmen, da das jedem Anteil seine eigene Lebendigkeit zuspricht und nicht zu etwas kaltem, klinischen herabstuft.

Warum sagen wir nun also trotzdem vornehmlich „Anteil/e“?

Aus 2 Gründen:

  • 1. Sind wir trotzdem alle nur ein Teil von einem Gehirn. Jeder von uns ist ein (An)Teil eines Gehirns und eines Körpers. [MICH] eingeschlossen. Daher finden wir den Begriff „Anteile“ gar nicht so unpassend. Jemand natürlich stumpf nur als Anteil zu bezeichnen nimmt ihn durchaus die Lebendigkeit. Definitiv. Da stimmen wir zu. Etwas ähnliches meinte ich ja schon mal, als ich über die verschiedenen „Rollen“ wie Beschützer, usw. geredet habe. Keiner von uns ist ja nur ein Begriff, eine Aufgabe, Anhängsel o.ä, sondern wir haben ein Bewusstsein. Und nur weil wir alle Teil eines Gehirns (also etwas Materiellen) sind, nimmt uns das ja nicht in irgendeiner Form die Lebendigkeit. Einer Einzelperson, mit Bewusstsein, die auch nur auf das eine Gehirn zugreift, würde man diese ja schließlich auch nicht absprechen. Letztendlich und da kommen wir zu Punkt …
  • 2. Ist dieser Begriff aber auch der für andere am leichtesten zu verstehende. Ich rede auf dem Blog ja nicht nur über (p)Dis. Das findet ja erst in letzter Zeit viel mehr Beachtung, weil ich mich endlich damit ansatzweise arrangieren kann. Heißt: Es sind hier auch nicht nur Menschen unterwegs, die automatisch wissen, was ich gerade meine. Und ich finde, ich kann anderen Leuten (die also nicht betroffen sind oder dieses Thema regelmäßig verfolgen) nur schwer verständlich machen, was ich meine, wenn ich von anderen „Menschen„, etc. rede. Nicht weil das falsch wäre, sondern weil ich dann das Gefühl habe, in jedem Text zu viel extra erklären zu müssen. Also wann sind reale außenstehende Personen gemeint, wann innere usw., zumal wir ja auch keine Namen von den anderen nennen.

Also kurz: Wir finden den Begriff „Anteil“ für andere am leichtesten zu verstehen und auch nicht gänzlich unpassend.

Innere Personen

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, mag ich diese Bezeichnung gar nicht. Mir fällt nur immer nix anderes dafür ein. „Innere Personen“ suggeriert irgendwie, dass sich alle nur „drin“ aufhalten, während [ICH] hier draußen alles manage und das ist Schwachsinn. So gesehen ist jeder eine innere Person, sobald er nicht „draußen“ unterwegs ist. Auch ich. Der Einfachheit halber und um für andere verständlich zu machen, was gerade gemeint ist, benutzen wir diesen Begriff aber trotzdem. Vll fällt uns ja irgendwann noch was besseres ein…

(Erzwungene) Soziale Isolation

Ja, der Titel ist irgendwie kacke, aber mir fiel kein passenderer ein 🤷‍♀️. Im Beitrag von vor ein paar Wochen „Wie Selbstbestrafung auch aussehen kann“ (die beiden Beiträge hängen also zusammen) meinte ich ja, dass ich nochmal auf das Ding mit der sozialen Isolation, in Bezug auf Selbstbestrafung, näher eingehen möchte.

Edit: Ich les das gerade Korrektur und dabei fällt mir auf, dass ich schon wieder dermaßen um den heißen Brei herumrede. Es geht kurz und einfach um andere (innere) Personen, die ein Problem mit manchen Themen haben.

Naja, wollen ist die eine Sache

Können die andere. Nein, nicht weil mal wieder ,,Das daaarfst duu nicht maachen“ (stellt euch das bitte total theatralisch gesagt vor, wie in so einem schlechten Hollywoodstreifen – Ja ich werd schon wieder fies 🙈) kommt. Nö, eher hätte ich das wohl gleich abtippen sollen. Wenn dann einige Zeit ins Land gegangen ist, habe ich so gut wie keinen Zugang mehr zu dem was da ablief (brauch also auch gar keiner sagen ,,Sei mal still“ ). Also schon. Ich notiere ja auch immer so ein paar Sachen, während solcher Phasen. Aber irgendwie auch nicht.

Stellt euch meinen Kopf wie eine große Schublade vor, in der sich ganz viele Aktenorder befinden, die mit Karteikarten von einander getrennt sind. Während so einer „Phase“ befinde ich mich im Aktenordner XY und dann springe ich einfach wieder 3 Aktenordner zurück in den „Alles ist doch total normal. Gibt’s etwa ein Problem?“ . Und hier in dem Ordner ist alles so chillig (okay, jetzt übertreibst du), dass ich gar kein Verständnis mehr dafür hab, was in Aktenordner XY so schlimm gewesen sein soll. Versteht diesen Vergleich einer?🤔

Naja, ist ja auch Wurst. Wir tun alle einfach so als ob. Ich hab mich auf jeden Fall entschlossen eine E-Mail von uns (an unsere Thera.) hier zu veröffentlichen. Dann kann ich danach nämlich näher drauf eingehen. Das macht es ein bisschen leichter, einen Faden zu finden. Selbstverständlich (oder leider, je nachdem ob aus unserer oder eurer Sicht gesehen) habe ich die Mail zensiert. Erstmal habe ich sie gekürzt und dann die wichtigen Stellen mit „(…)“ ersetzt. Ihr könnt sie dann mit lesen oder auch nur den anderen Teil. Ich denke eine Triggerwarnung braucht es aber nicht.

Die Mail (1. Teil)

,,Hallo Frau (…),
ich versuche das was die letzten Tage los war irgendwie einmal zusammenzufassen. (…)
Am Mittwochmorgen zeigte es mir auf Facebook eine Erinnerung an, von einem Beitrag den ich letztes Jahr postete. Es ging um einen Text von Frau Huber, der sich um (…) drehte. Ich mag gerade nicht näher darauf eingehen. Und ich weiß nicht genau, was dann der ausschlaggebende Grund war, warum oder was da genau passierte. Ich war auf jeden Fall sehr getriggert. Meine Körper fühlte sich an, als würde er brennen, meine Haut fing an zu jucken und es fühlte sich an, (…) Aber das rollte alles langsam an und kam nicht schlagartig.

Ich tippte dann einfach ins Handy ein, was im Kopf los ging. Welche Worte und Gedanken sich immer wiederholten und veröffentlichte das, ohne drüber nachzudenken, auf dem Blog. Normalerweise bereite ich alle Beiträge vor und lese sie mehrmals Korrektur, bevor ich sie öffentlich stelle. Aber da tippte ich einfach auf veröffentlichen, weil mir das in dem Moment so richtig vorkam. Weil es einmal so echt war und nicht mit so vielen Filtern überzogen und verpackt.

(…) Das ich das veröffentlicht habe, war, glaube ich, nicht so gut. Ich bekomme die genaue zeitliche Abfolge bzw. was was ausgelöst hat aber nicht mehr so gut auf die Reihe, daher versuche ich das einfach niederzuschreiben wie ich es im Kopf habe. (…) Wir sind dann jedenfalls raus. Und ich lief so schnell es nur ging. Sodass es bereits weh tat. Ich wollte das es weh tut. Und dann hab ich irgendwie einen Hänger im Kopf.“

Kommentar dazu

Es ging um einen Post den ich veröffentlichte (ist mittlerweile wieder rausgenommen). Das war ne unüberlegte Handlung, ich weiß auch gar nicht warum ich das gemacht hab. Ich hab das später noch versucht zu retten, indem ich noch etwas dazu schrieb. Mit eher mittelmäßigen Erfolg. Allerdings weiß ich bis heute nicht, was so dramatisch daran war, aber gut. Der war aber nicht der Auslöser. Das hat irgendwie alles komisch zusammengespielt und lag wahrscheinlich eher daran, dass ich mich mit einem bestimmten Thema gedanklich „zu viel“ auseinandergesetzt habe bzw. es kurzzeitig tatsächlich ernsthaft in Betracht zog. Naja egal, weiter im Text…

Die Mail (2. Teil)

,,Als (…) da war, kamen mir manchmal Sachen komisch vor. Schon im Sommer habe ich das beobachtet. Also, also ich komm mir so dämlich vor darüber überhaupt nachzudenken. Ich weiß nicht, er wusste so oft Dinge gar nicht mehr und er war so oft einfach ein anderer (…) und dann wieder ganz normal und ja keine Ahnung. Ich fand einfach Dinge komisch. Und an irgendeinem Abend ging mir auch (…) so durch den Kopf und so Sachen eben. Und ich weiß nicht mehr ob ich am Mittwoch, also am gleichen Tag wie oben, auf diesen Gedanken kam oder vorher. Es fühlt sich an, als hätte ein Sturm in meinem Kopf gewütet und jetzt liegt nichts mehr da, wo es mal lag oder liegen sollte.

Ich hoffe das Sie irgendwie verstehen worauf ich vllt. hinauswill / was ich meine. Ich kann das nicht sagen oder ausschreiben. Bei dem Gedanken daran, kommt da gerade unheimlich viel Scham auf, aber das löst auch noch mehr aus. Ich muss das irgendwie versuchen nur anzureißen.

Auf Instagram folgt mir und folge ich einer Betroffenen, die auch eine Dis hat (…). Ich weiß nicht warum ich das gemacht habe, aber mir fiel niemand anderes ein, den ich hätte fragen können. Also jemand der so direkt betroffen ist. Ich hab gar nicht viel geschrieben, nur kurz angerissen um was es mir geht und wie und ob überhaupt man sowas überhaupt bei (…) merken kann. (…) Ihre Antwort war sehr freundlich und sie hielt sich auch sehr an der Oberfläche auf. Da war also nichts schlimmes (…) Nach ihren Antworten wimmelte ich sie jedoch, so gut es ging, gleich wieder ab und sagte das ich nicht näher darauf eingehen will und da auch nichts ist. Ich weiß nicht, ich hätte nicht schreiben dürfen und ich weiß auch nicht warum ich das gemacht habe. Und ich weiß auch nicht warum ich das ausgerechnet an diesem Tag machen musste.

Auch hier fehlt mir die zeitliche Abfolge. Im Kopf jedoch ging ein totales Chaos los. Und ich verstehe das nicht. (…) Aber nachdem ich dieser Frau geschrieben habe, ich weiß nicht, vllt. war es zu konkret was ich angesprochen habe, wirklich ich weiß es nicht, aber da ging ganz viel los.
(…) ,,Nie mehr darfst du dich mit anderen so austauschen. Nie mehr. Gar nicht mehr mit ihnen schreiben. Du kannst nicht mit anderen in Kontakt treten. Schäm dich. Du lügst. Du lügst jeden an und alle merken es.“ (…)
Ich kann mich nur mit Mühe und Not zusammenreißen und nicht den ganzen Blog löschen. Ich will das nämlich nicht. (…) Aber diese Gedanken mit niemand mehr zu sprechen sind überwältigend. Es ist kein Verbot. (…) Das ist anders. (…) fühlen sich an, als kämen sie von mir selbst. „

Kommentar dazu

Ja da ging es um eine Sache, die ich auch hier nicht näher erläutern werde. Nachdem ich geschrieben hatte, ging es zwar richtig los, aber ich glaube das war nur das Tröpfchen, was das Fass zum Überlaufen brachte. Es ging wahrscheinlich um das Thema, das da im Kopf präsent war. Mittlerweile hat sich einiges wieder gelegt und mir ist auch wieder klar, dass mir Gedanken daran auch schon einige Zeit vorher kamen. Immer mal wieder. Und ich weiß nicht, ob der Trigger vorher diese Gedanken dann so konkret im Kopf gemacht hat oder was es nun war. Auf jeden Fall ging hier ganz schön was los und ich hatte immer weniger Kontrolle. Jetzt ist alles wieder ganz weit weg geschoben und auch emotional total abgekapselt. Also alles wieder chillig. Oder, naja, so in der Art jedenfalls.

Was ich da auch anspreche ist das, was im Kopf abgespult wurde. Mit „es ist kein Verbot“ meinte ich, dass niemand sagt „Du du du☝ , dass darfst du aber nicht“ . Mir war bewusst das diese Gedanken nicht von mir kommen, sie wurden aber so rüber gebracht, als kämen sie von mir selbst. Das ist echt scheiße zu beschreiben. Und die waren nicht primär darauf ausgelegt mir zu erzählen wie kacke ich bin. So wie ich das oft von den üblichen Beleidigungen und Beschimpfungen kenne. Die haben durch ihre Worte/Gedanken eher zu einer Trennung zur Außenwelt hin geführt. Ich versuch’s gleich nochmal besser zu erklären. Das ist echt doof zu beschreiben irgendwie.

Die Mail (3. Teil)

,,In Folge kam auch das Leugnen wieder so stark. ,,Nichts ist echt. Nichts von alle dem.“ (…) Als wir uns gestern gesehen haben war das so laut im Kopf. ,,Das ist alles eine Lüge. Ich lüge. Und ich brauche keine Therapie. Das ist Schwachsinn.“ Ich weiß nicht warum ich trotzdem hinkomme. Ich glaube, weil ich nicht aufhören will in die Therapie zu kommen. Aber ist das nicht wieder ein Beweis für meine Lügen? Wenn es so schlimm wäre, käme ich nicht mehr. Und dann muss ich an meine Familie denken. (…) Gerade die Paranoia macht mir momentan sowieso starke Probleme, da mir manche Dinge wieder hochkamen, wie z.B die Emails meiner (…) damals oder auch das mein (…) genau dem Tag, nachdem ich den Antrag für den Fonds ausgefüllt habe, aufkreuzte usw. (…)

Und ich möchte gerne mit Ihnen darüber reden (…)
Als ich dann gestern bei Ihnen saß wollte ich so viel ansprechen und sagen, aber es ging nicht. Also es ging wirklich nicht. Ich will es sagen und ich habe die Worte im Kopf, aber sie gehen nicht über meine Lippen. Da zu sein fühlte sich schon so falsch an. Und als wir dann draußen waren und ich neben Ihnen lief, ging es die ganze Zeit in meinem Kopf: ,,Feind. Feind. Feind.“.
Ich weiß, dass Sie nicht mein Feind sind, aber ich weiß nicht was ich gegen diese Gedanken, und das was sie in meinem Körper auslösen, tun soll und wenn ich leugne, dann richtet das aber auch soviel in mir an. So viel Selbsthass. Der ist kaum erträglich.

Ich komme nur aus allem raus, wenn ich zurück in meine Filterblase rutsche, wo alles nur ein Spiel ist und alles nicht echt. Nicht real. Und wenn ich mit Ihnen rede, also das was wirklich los ist, dann kann ich nicht in dieser Blase bleiben und dann geht das im Kopf wieder los. Und ich weiß nicht, wie ich das stoppen kann. Wenn ich mit anderen rede, so über das Echte was gerade los ist, nicht über das Freigegebene, dann löst das etwas aus, über das ich nicht weiß, wie Herr darüber werde. Wie ich dann weiterleben soll. Es übernimmt einfach meine Gedanken und Gefühle.

Es ist wie eine Parallelwelt. Eine Welt, in der ich und meine Gedanken jetzt existieren, aber diese fühlt sich so oberflächlich an. Dort fühle ich mich so einsam, weil ich mit niemand reden kann und wo mich niemand wirklich kennt. Und eine, wo meine echten Gedanken sitzen, aber die darf ich nicht betreten. Vllt. will ich es auch nicht. Aber vllt. will ich es nur nicht, weil dann sofort dieses Chaos im Kopf los geht. Aber vllt. bin ich auch ein zwanghafter Lügner. So oder so möchte ich, dass das weg geht, aber ich weiß nicht wie. Wirklich nicht. Immer wenn Sie mit etwas anfangen, was mein Innerstes betrifft, baut sich diese große Mauer auf und da kommt soviel Scham. Ich weiß nicht, wie ich das ändern kann und das löst wieder soviel Ohnmacht und Verzweiflung in mir aus. (…)“

Was war da denn nun los?

[Nur kurz zu oben noch: Weil in der Therapiestunde halt gar nichts ging, sind wir zusammen raus spazieren und im obersten Absatz geht es um Familienmitglieder. Zu dem Familienmitglied bzgl des Fonds bestand bis dato, seit einiger Zeit, kein Kontakt mehr. Nun allerdings wieder.]

Das war wie ein Domino-Effekt. Erst wurde ein Stein umgeworfen und dann fiel einer nach dem anderen. Wie eine Lawine im Kopf, die los geht und mich komplett überrollt und mitzieht. Es geht dann mit „harmlosen“ Dingen los, wie Gedanken z.B das ich mit niemanden reden darf. Aber das sind nicht die typischen „Halt deinen Mund“ -Dinger, so wie wenn es eine Person „neben dir“ sagt, sondern das ist überwältigend. Das kapert meinen ganzen Kopf und Körper. Und umso mehr ich dann versuche mit jemand in Kontakt zu treten (wie z.B meiner Therapeutin), umso intensiver wird das. Und ich bringe dann auch kein Wort raus, selbst wenn ich es noch so sehr will. Auch das Leugnen spielte plötzlich wieder eine große Rolle (obwohl das längst besser war).

Da gibt’s dann keine anderen (inneren) Personen mehr, denn dazu bräuchte man ja ein Trauma. Und man glaubt am besten, dass man gerade auf dem totalen Holzweg ist, sich Sachen einbildet und total irre ist, wenn man noch nie ein Trauma erlebt hat, oder nich? Wie gesagt: Mir war das parallel dazu aber alles bewusst und das da gerade irgendwas komisches abgeht, aber ich hatte keine handhabe mehr darüber. Das geht dann weiter (also wenn ich von einen Thema/Vorhaben z.B nicht ablasse), dass ich mich selbst verletzen will oder auch tue, bis hin zu starken Selbstmordgedanken. Ähm … und wo ich halt auch nicht weiß, ob es da letztendlich eine Grenze gibt. Vll nachvollziehbarerweise versucht hier aber auch keiner wirklich auszutesten, ob es eine Grenze geben könnte.

Und was hat das jetzt mit der Isolation zu tun?

Das begrenzt sich eben nicht darauf, dass ich dann nur über ein bestimmtes Thema nicht reden kann. Ich spüre richtig, wie sich eine Mauer zwischen mir und der Außenwelt reinschiebt. Trauma-Betroffene fühlen sich generell von anderen getrennt und nicht mit ihnen verbunden. Das ist auch hier ein üblicher Zustand. Aber die meiste Zeit bekommen wir zumindest so ein gewisses Level hin. Dann geht aber gar nichts mehr. Es kommt diese unglaubliche Überzeugung, dass es furchtbar schädlich ist, mit jemand Kontakt zu haben. Das wird mir nur schaden.

Man darf das aber nicht verwechseln: Meine Alltagsmaske (für andere) funktioniert trotzdem weiterhin (fast) fehlerfrei. Ich kann Smalltalk halten (wenn unbedingt nötig), Witze reißen usw. Ich kann bei allem bleiben, was oberflächlich und kurzweilig ist. Aber wehe es geht an irgendwas anderes. Das braucht auch überhaupt nichts mit dem Thema zu tun haben. Ich wollte meiner Freundin z.B etwas anderes sagen, was mir auf dem Herzen lag. Aber sofort bröckelte die all-days-smiley-Maske und ich bekam kein Wort mehr heraus. ,,Nicht reden. Das ist schwach. Du musst JETZT nach Hause.“ (➡ Ich war bei ihr zu Besuch – Ein Abend den ich dann auch wirklich bereute. Wir hatten wieder D&D-Abend und da der nur so selten stattfindet und sich alle drauf freuen, wollte ich nicht absagen. Das ging dann am laufendem Band, sodass die Gesellschaft der anderen Leute teilweise fast unerträglich wurde und ich am liebsten heulend rausgerannt wäre.)

Es kommt einfach diese überwältigende Überzeugung auf, dass es das Beste und Gesündeste für mich ist, jegliche Kontakte auf ein absolutes Minimum zu begrenzen. Kontakte sind nicht gut. Kontakte sind böse. Und bloß nicht den Mund aufmachen, dann zeigen dir die Kontakte nämlich wie böse und schädlich sie wirklich sind … Ja, das trifft es so in etwa. Heute, jetzt und hier, bin ich übrigens der Meinung das ich da total übertreibe. So schlimm wars gar nicht. Ne kurze Down-Phase: ,,Pff, mach mal nicht so ein Drama draus“ – Tja 🤷‍♀️😏

Arten dissoziativer Persönlichkeitsanteile – Teil 2

So und heute solls dann ein bisschen detaillierter um die verschiedenen „Jobs“ gehen. Ich habe dazu im Internet gestöbert und wollte das gerne so aufschlussreich wie möglich schreiben (sodass alles mit abgedeckt ist), aber ganz ehrlich? Viele unterteilen das ganz unterschiedlich und auch teilweise in zig Arten von Anteilen. Das ist mir zu kompliziert 😅.

Wir nehmen deswegen jetzt einfach mal die üblichen/gängigsten Formen und das, wo wir uns eher zurecht finden bzw. wie wir sie benennen würden. Falls ihr da aber manches anders wahrnehmt, könnt und dürft ihr uns jederzeit voll gerne ergänzen😊 .

Übrigens: Das sind jetzt alles keine unveränderlichen Rollen, sondern sie sind eher fluid. Die sexuellen Anteile lassen sich z.B sowohl zu den Beschützern, wie auch zu den Täter-Anteilen rechnen. Die nicht-menschlichen können sowohl Beschützer, Kinder, Täterintrojekte etc. sein. Usw. Das soll einfach alles nur eine grobe Übersicht darstellen.

Die Beschützer

Beschützende Anteile sind die, die versuchen die Gesamtperson (also alle Anteile und den Körper) vor weiterem Leid und Traumata zu schützen. Sie greifen auch oft ein, wenn ein traumatisierter Anteil getriggert wird und stellen sich dann vor diese. Aber wie ich schon in „Innere Landkarte erstellen“ sagte, erkenne ich bei fast allen irgendwo eine schützende Intention heraus 🤷‍♀️. Wir nehmen hier jetzt einfach die üblichen, die auch sonst da mit hinein gezählt werden:

Die kämpferischen Anteile:

Das sind die, die auch sehr forsch nach Außen agieren. Die z.B eine starke Abwehrhaltung einnehmen („Warum sollte ich hier jetzt mitwirken?!“ = es ist eine große Skepsis da, die eigentlich das gesamte System dadurch beschützen will).

Oder auch die, die aggressiv (körperlich oder durch Beleidigungen z.B) nach Außen reagieren. Das wirkt auf andere sehr befremdlich (und gerade körperliche Aggression ist definitiv Außenstehenden nicht zuzumuten) und teilweise auch sehr auf einen selbst. Letztendlich soll dieser (prophylaktische) Angriff auf andere aber auch nur wie ein Schutzwall wirken. Stellt euch das wie eine Art Mauer vor, die eine Gruppe Überlebender in einer Zombieapokalypse gebaut hat. Und auf dieser Mauer befinden sich jetzt jede Menge Schützen, die auf die kleinste Bewegung außerhalb der Mauer feuern. Das ist nicht böse gemeint, sondern soll stattdessen die Überlebenden hinter der Mauer schützen.

Junge; Alter; verpiss dich“ – Daran merke ich oft, dass hier jemand mit da ist, der sehr ablehnend und stinkig reagiert. Der ist durchaus ein wenig launisch. Ich persönlich empfinde seine Art aber als unglaublich hilfreich, gerade wenn wir wieder mal vor Angst und Scham im Erdboden versinken könnten. Die ganze Angst und Scham ist dann nämlich wie weggepustet und statt wie ein verschüchtertes Opfer aufzutreten, strahlen wir Stärke aus.

Die rationalen Anteile:

Mit dieser Bezeichnung können wir was anfangen. Ob es die jetzt so auch offiziell gibt, weiß ich nicht. Diese Anteile reagieren nicht stark emotional in irgendeine Richtung, sondern übernehmen die Situation/Handlung eher ruhig und besonnen, um den (möglichen) Schaden auf ein Minimum zu reduzieren. Das kann dann z.B zur rationale Entscheidung führen, die jetzige Situation ganz schnell zu verlassen oder in ein Gespräch sehr ruhig und besonnen einzugreifen.

Die sozialen Anteile:

Die sozialen Charaktere sind hier die, die freier nach Außen agieren. Das heißt nicht, dass sie nicht auch vorbelastet sein können. Viel mehr fallen ihnen soziale Interaktionen einfach leichter als mir (oder anderen). Einige mögen die Gesellschaft von anderen (was hier oft zu Diskrepanzen führt: Der eine will sich verabreden und tut es sogar. Der andere, mich eingeschlossen, bekommt deshalb ne Krise). Andere wiederum tun das zwar nicht (Gesellschaft anderer übermäßig mögen), können deshalb aber trotzdem recht gut mit Außenpersonen/-situationen umgehen.

Ich persönlich bin z.B gar nicht so nett und selbstbewusst, wie ich manchmal wirke/gesagt bekomme. Aktiv ist dabei oft noch jemand anderes (/andere). Gerade z.B die, die ich in „Innere Landkarte“ angesprochen hatte, ist da meist mit aktiv. Fast schon überschwänglich. Wenn sie mit anwesend ist, merke ich das daran, dass ich auf einmal plappere wie ein Wasserfall und auch noch Gefallen daran finde. Sie geht auch eher die sozialen Risiken ein, wo ich und andere sich manchmal innerlich an die Stirn schlagen und sich fragen ob das gerade wirklich Not tut. Sie ist wohl eher die draufgängerische, würde ich sagen. Wäre ich rein nur im sozialen z.B anwesend, dann wäre unser Auftreten wahrscheinlich ein nicht immer so positives🙈. Ich mag schon Kontakte, manchmal jedenfalls. Mit meiner sarkastisch-zynischen Art gäbe es aber wahrscheinlich viel mehr Anstoßpunkte.

Die Täteranteile – Eigentlich auch nur Beschützer

Hört sich erstmal befremdlich an. Ich jedoch empfinde sie – durchaus natürlich als extrem anstrengend und teilweise sehr destruktiv (klar, das auf jeden Fall) – aber auch als sehr beschützend.

Als Bsp. will ich die hier extrem lauten „Halt deinen Mund„-Anteile nehmen. Die sind manchmal so krass übergreifend, über das gesamte System, dass nicht nur Worte und Gedanken entzogen werden (sodass ein weiterreden kaum mehr möglich ist), sondern das sie auch zu diesem extremen Leugnen bis hin zu Selbstmordgedanken/-absichten führen. Ich weiß aber, dass dieses Verhalten, teilweise zumindest, auch nur einen Schutz bieten soll. Zum einen natürlich vor den Tätern. Denn normalerweise sagen dir Täter ja nicht: ,,Ohja, geh ruhig raus und erzähl allen was los war. Das macht überhaupt nichts. Dir wird deshalb auch gar nichts schlimmes passieren.“

Zum anderen hat einer auch einmal durchsickern lassen, dass zumindest er einen Schutz vor zu viel (Trauma)Information geben will. Sagen wir mal so: Es stoßen da 2 unterschiedliche Meinungen aufeinander und ich finde seine Methoden nicht unbedingt sehr hilfreich, kann aber auch seine Sicht der Dinge verstehen.

Wenn wir nicht drüber reden und leugnen, bleibt die Sache unreal. Unreal heißt auch, dass der Schutz vor dem Trauma weiter gegeben ist. Sofern der (die) ANP(’s) mit in das Trauma einbezogen werden, bedeutet das auch, dass das ganze System durcheinander gebracht wird, was das normale Weiterleben stark beeinflusst. Die Mittel sind vll übel, aber der Sinn dahinter (von den Anteilen selbst – die Rede ist nicht von den Tätern) ist kein Böser.

Täterloyale-Anteile

Und das betrifft auch genau jene. Ich weiß, dass es Anteile gibt, die bestimmte Praktiken nicht nur tolerieren, sondern sogar gut finden. Für jede Praktik gab es ursprünglich einmal einen nachvollziehbaren Grund. Egal ob man diesen nun moralisch gut oder schlecht findet. Wir leben in einer Welt, in der wir manche Dinge nicht immer von Anfang an frei entscheiden und bewerten dürfen, da unser Überleben davon abhängt.

Stell dir vor, du wächst in der Wildnis auf und bist zum Überleben gezwungen Tiere zu töten – Nur als Beispiel. Auch wenn du Tiere toll findest, würdest du verhungern, würdest du es nicht tun. Moralisch kann man das schlecht finden, aber in dieser Situation ist es notwendig. Du tust es, um weiter leben zu können und rechtfertigst dadurch deine Tat. Es ist nicht nur eine Ausrede, es ist Realität in diesem Moment und dieses Weltbild bleibt eben bestehen. Zu den täterloyalen können dann übrigens auch die inneren Berichterstatter zählen. Also die, die den Tätern noch immer erzählen was gerade so abgeht, beabsichtigt und getan wird.

Die Täterintrojekte

Bei einer Projektion übertragen wir unsere inneren Zustände auf eine andere Person. Was uns an uns selbst stört, auch wenn es uns vll nicht einmal bewusst ist, sehen wir in anderen und stören uns daran bzw. kritisieren es. Bei einer Introjektion ist es jetzt genau das Gegenteil. Die inneren Zustände (Angst, Lust, Begierde, usw.) des anderen, nehmen wir in uns auf und denken nun, es wären unsere eigenen Empfindungen. So kann es dann z.B zu Anteilen kommen, die sexuelle Lust gegenüber Kindern oder bei Vergewaltigungen empfinden u.ä. Ich schrieb dazu aber schon mal Hier einen eigenen Beitrag.

Die sexuellen Anteile

Also hier gibt es die, die Sex lieben und diesen eigentlich auch viel öfter praktizieren würden, als er stattfindet. Und das sind auch die, die eine sehr krasse Reaktion beim Sex zeigen. Ich persönlich bin beim Akt anwesend (also kein Blackout, soweit ich zumindest weiß). Habe allerdings keinerlei Empfindung dabei. Also ich empfinde schon ein angenehmes Gefühl und mag vor allem die Nähe, aber ein Orgasmus o.ä ist nicht möglich. Ginge es nach mir, könnte ich auch total teilnahmslos rumliegen. Es gibt aber jemand (welche? – k.A) die sehr stark körperlich reagieren und damit auch die Männerwelt bisher (soweit die Rückmeldung) sehr glücklich machten. Für mich persönlich war das früher immer sehr schräg, da meine Wahrnehmung und die des Partners (über den Körper) total auseinander trifteten. Warum das alles einmal nötig war, versuche ich momentan jedoch irgendwie noch weit von mir wegzuschieben.

Es gibt außerdem die (wo ich nicht weiß, inwieweit es vll die gleichen wie oben sind), die hemmungslos flirten (bei Männern wie auch bei Frauen) und wo ich heute manchmal denke: ,,Jetzt reicht es aber!„. Durchaus kann es da aber auch zu sehr witzigen Situationen kommen. Z.B wenn ich mit einem Mann unterwegs bin und plötzlich die bin, die die Frau hinter der Theke abzuschleppen scheint und nicht er, so wie der sich das anfangs vorstellte 😂🙈.

Und dann gibt es noch jene, die eher in das Repertoire „Täteranteile“ fallen, da sie … Naja… sehr merkwürdige, sexuelle Vorstellungen haben. Vll führen wir das irgendwann mal näher aus.

Die überwachenden Anteile

Oft gibt es sogenannte Gatekeeper, die sich darum kümmern wer wann nach außen geschickt wird. Es ist also nicht so, dass jeder nach Lust und Laune wechseln darf, wie er gerade Bock hat. Bei manchen Systemen (und auch manchen Anteilen) ist das schon so, aber meist gibt es jemand, der dafür zuständig ist, zu schauen was gerade los ist und wer gerade am sinnvollsten im Draußen agieren kann.

Von hier weiß ich (bisher) das es jemand gibt, die schlichtend im Inneren wirkt und schaut was wann gerade angemessen ist. Das bedeutet nicht, dass nicht trotzdem jemand irgendetwas Unangemessenes sagen kann oder unvorteilhaft herauswechselt. Stattdessen heißt das nur, dass z.B ein sexuelles Täterintrojekt nicht in aller Öffentlichkeit plötzlich von seinen Vorlieben/Gedanken anfängt zu erzählen o.ä. Schließlich könnte das schlimme Folgen haben. Ob sie jetzt aber wirklich diese „Gatekeeper“-Funktion inne hat, weiß ich nicht.

Es kann dabei aber auch Anteile geben, die einfach nur zuschauen und gar nirgends eingreifen. Protokollanten z.B. Das sind Anteile die zwar alles mitbekommen und abspeichern, jedoch nicht eingreifen (können). Hier gibt es auch jemand, mit dem ich mal sprach, bevor ich von allem wusste. Der ist eher wie so eine formlose Rauchwolke, die weit „oben“ thront und zuschaut (genau genommen nehme ich ihn rechts oben im Kopf wahr, wahrscheinlich entsteht deshalb dieses Bild er säße oben 🤔)

Nicht-menschliche Anteile

Der Name erklärts ja schon. Da können jetzt drunter fallen: Tierische Anteile, Fabelwesen (Feen, Elfen, Drachen, Zauberer, usw.) oder auch religiöse. Hier gibt es z.B einen jungen Dämon. Früher dachte ich oft, ich würde in Wirklichkeit von einer Dämonenfamilie abstammen. Das Denken/Gefühl kam jedoch eigentlich von ihm. Er meckert auch immer sehr rum, wenn ich in seinen Augen Dämonen in ein schlechtes Licht rücke😅 . Auch Engel, Teufel, Götter usw. können vorhanden sein. Sogar Gegenstände sind übrigens möglich. Also Anteile dir sich z.B für einen Tisch oder Stuhl halten. Da es hier (soweit bisher bekannt) sowas aber nicht gibt, kann ich dazu nicht viel sagen. Anteile können auch menschlich sein, aber dazu Flügel haben oder Tentakel. Sie können ihre Gestalt wechseln usw.

Ich glaube bei uns gibt es übrigens einen Zwerg. Ich hab da allerdings null Zugang zu. Wir wurden nur einmal getriggert. [Ich] war total dissoziiert und plötzlich war da diese Überzeugung ein Zwerg zu sein. Also so richtig mit Statur und allem drum und dran. Das war als wäre sein Körper in dem großen Körper drin bzw. als würde die Hälfte des Körpers einfach oben „überhängen“ und er war selbst total irritiert, was da jetzt los ist. Das war voll schräg.

Die verletzten (Trauma) -Anteile

Hier brauchen wir eigentlich nicht viel erklären, oder? In gewisser Weiße haben natürlich auch alle vorhergehenden mit einem Trauma zu tun. Es gibt aber auch die, die rein nur dafür entstanden sind, das Trauma zu ertragen. Das Alter spielt dabei jetzt erst einmal keine Rolle. Es gibt bei uns z.b eine Jugendliche bzw. junge Erwachsene (das Alter ist unklar), die immer wieder in Träumen auftaucht und auch in einer Art Intrusion, die Dinge mit meinem Vater erlebt hat. Dinge, wovon weder ich noch andere etwas mitbekommen haben (und es daher leugnen). An sie gibt es (bisher) kein rankommen, keine Kommunikation o.ä. In den Träumen endet es meist so, dass sie Tod ist oder im Koma liegt. Daher gehe ich davon aus, dass sie sich vll auch derzeit noch in einer Art Stasis befindet. Ist aber nur eine Vermutung.

Dann kann es Anteile geben, die rein die Schmerzen des psychischen Missbrauchs auf sich genommen haben (den man vll selbst kognitiv mitbekam, aber nicht fühlte). Dabei erinnert man sich zwar an Worte, Verhalten usw. empfindet aber erst etwas, wenn per Trigger der entsprechende Anteil dazu hervorgeholt wird. Welcher dann im Hintergrund (oder auch Außen) das Denken und Handeln beeinflusst. Oder die den physischen Missbrauch auf sich nahmen und nur dafür rauskamen oder eben den sexuellen usw. Das sind dann alles meist auch die Anteile, die emotional und für andere (Außenstehende) fast schon unlogisch (der Situation nicht entsprechend) agieren. Und jene, vor die sich dann oft die „Beschützer“ werfen.

Sie sind es, die quasi wie ein Nerv offen liegen und über die sich dringend sofort eine Art Schutzschirm legen muss, da der Schmerz sonst zu groß wird, würden sie noch weiter verletzt. Sie kamen wenn es unerträglich wurde und gingen wenn die Lage für die anderen wieder aushaltbar war. Das auch diese Anteile also nicht immer nur am weinen sind, sondern manchmal ganz schön viel Wut in sich tragen, ist irgendwo schon verständlich, oder? Jene sind übrigens auch die, die meist sehr viel Scham in sich beherbergen und auf den Rest übertragen (auch das ist ein Schutzmechanismus). Auch selbstverletzendes Verhalten kommt bei ihnen oft vor.

Die kindlichen Anteile

Du, die könnte man in jede dieser oberen Kategorien packen. Ich möchte sie trotzdem mal extra erwähnen.

Alison Miller meinte nämlich mal, dass selbst die, die sich für z.B 20 , 30 oder 40 Jahre halten in Wirklichkeit kindliche Anteile sind (weil in der Kindheit entstanden). Ich kann das hier nur so angeben, kann aber nicht wirklich sagen, ob das bei uns so wohl (für alle) stimmt oder nicht. Ist aber auch irgendwo Wurst, denke ich. Wenn sich jemand als 30 Jährige/r fühlt, weiß ich nicht ob das so Not tut, den jetzt aufzuzwingen das er eigentlich erst 6 ist 🤷‍♀️.

Die kindlichen Anteile sind oft auch die traumatisierten. Dennoch gibt es auch die, die ganz „normale“ Kinder sind. Hier gibt es z.b eine Kleine die sehr fröhlich, leider aber auch manchmal sehr naiv ist. Dieses berühmte: ,,Der weiße Van parkt da und hält nen Lolli raus“ und sie springt drauf an. Das hört sich im ersten Moment furchtbar gefährlich an, dennoch ist es auch sie, die uns manchmal aus der Paranoia herausholt. Die Spaß am Leben hat und viel Positives sieht. Die sich über die kleinsten Dinge mega freut und die unbeschwert durchs Leben geht. Auf der einen Seite gefährlich, auf der anderen aber so unglaublich wichtig und wertvoll.

Dann gibt es die, die einfach nur spielen und Kind sein wollen oder die, die bereits als Kind Aufgaben von Erwachsenen übernommen haben. Die, die sehr verschüchtert sind oder die einfach nur bei irgendjemand auf den Arm genommen und gedrückt werden wollen. Meistens ist es hier so, dass deren Emotionen und Bedürfnisse übergreifen und sie eher selten (ich kann nicht sagen wie oft, da keine Information darüber da sind – Wir leben wie gesagt allein, da lässt sich sowas schwierig abgleichen) herauswechseln. Ich bin dann also noch ich (sprich anwesend), aber sie handeln und „fordern“ durch mich. Und da merke ich oft auch die eher beschützenden Anteile, die versuchen schnell wieder eine Trennung/Distanz reinzubringen (zumindest vor anderen Leuten). Das Verhalten der Gesamt-Person wirkt dann oftmals auf andere sehr widersprüchlich.

Arten dissoziativer Persönlichkeitsanteile – Teil 1

Letzte Woche (in „Innere Landkarte„) sprach ich es schon mal an: Ich persönlich kann nicht gut mit dieser Art von Rollenverteilung arbeiten oder vll fällt es mir auch einfach nur sehr schwer. Da wir noch ziemlich am Anfang stehen und kein guter Kontakt untereinander herrscht bzw. viele (mich eingeschlossen) eher noch viel zu weit voneinander getrennt sind, haut das einfach nicht so gut hin. Außerdem fühlt es sich etwas falsch an zu sagen XY ist ein Beschützer und ZX ist ein Täterintrojekt usw. Irgendwie nimmt ihnen das … ja, die Lebendigkeit?

Wisst ihr was ich meine? Das ist so wie wenn man sagt: ,,Ich bin Krankenschwester.“ Ja ne, eigentlich bist du keine Krankenschwester, sondern du arbeitest als Krankenschwester. In erster Linie bist du aber immer noch du. Ein Mensch mit Bewusstsein und Leben und kein starrer Beruf, so als wäre man nur ein Roboter. Und so kommt es mir eben auch vor, wenn ich dann so Rollen an alle vergeben will. Ich mag es lieber zu sagen XY wirkt gerade beschützend, so als wäre es sein Job. So wie es meiner ist, sich um den Alltag zu kümmern …

Hmm naja, irgendwie gibts da auch nicht soviel Unterschied, wie man das wohl letztendlich sagt 🤔. Hach ich weiß auch nicht, irgendwas stört daran einfach.

Aber das ist sowieso nur die momentane Meinung und ich weiß ganz genau, wie sehr es helfen kann manches zu kategorisieren (ich als Listen-Fan😅). Es kann so vieles einfach greifbarer und echter machen und daher gucken wir uns jetzt auch mal das ganze Thema der verschiedenen Arten von Persönlichkeitsanteilen näher an…

ANP – Anscheinend normaler Persönlichkeitsanteil

Darunter falle ich. Hallo. Guten Tag 🙋‍♀️😄

Wenn wir uns die gesamte Person als einen Kuchen vorstellen und diesen Kuchen nun in viele kleine Stückchen teilen, dann ist jedes Stück immer noch ein Teil des ganzen Kuchens, gleichzeitig aber auch ein eigenständiges Stück für sich. Bei den ANP’s handelt es sich dabei um das Stückchen Kuchen, dass sich um den normalen Alltag kümmert. Also d.h einkaufen gehen, putzen, Termine wahrnehmen, usw. Das ist der Anteil, der die meiste Zeit nach Außen hin agiert und deshalb leider fälschlicherweise auch von vielen als die „Ursprungspersönlichkeit“ wahrgenommen/eingeteilt wird.

Ich will nicht ausschließen, dass das bei einigen vll sogar so ist (ich weiß es ja nicht). In den meisten Fällen ist es aber so, dass wir auch nur ein Teil des Ganzen sind. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass selbst bei einer Ego-State Disorder oder einer pDis (wo es ja eigentlich nur einen ANP gibt) dieser nichts mehr mit der „reinen“ Ursprungspersönlichkeit zu tun hat. Allerdings könnte man da jetzt anfangen zu philosophieren und wenn wir das machen, haben wir letztendlich noch 5000 Wörter hier stehen 😅.

Bei einer Dis ist es so, dass sich mehrere Anteile um den Alltag kümmern, also sprich es gibt mehrere ANP’s. Es gibt Dis-Systeme, wo manche ANP’s tatsächlich sogar komplette Parallelleben nebeneinander her führen. Hier würde ich jetzt (momentan) behaupten, ist das eher nicht der Fall. Bei uns gibt es auch keinen permanenten starren Wechsel, sodass immer nur einer da ist, sondern meist sind mehrere da und greifen ineinander über.

ANP’s – Gefühle und Traumata

Ein weiteres Merkmal eines ANP ist, dass er sich meistens an keine Traumata erinnern kann und seine Gefühlswelt eher sehr flach ausfällt.

Das heißt aber nicht, dass ein ANP keine Emotionen und Gefühle haben kann, nur reichen sie meist nicht so tief. Als Beispiel:

Links, das bin ich. Rechts bezeichne ich als „normal“. Ich kann durchaus verschiedene Gefühle haben, aber es ist eher, als würde ich da aus einer flachen Schale schöpfen. Dabei ist der Teil, oberhalb der Linie, meine Wahrnehmung/Empfindung. Bei mir herrscht die Rationalität und das Analysieren vor. Wenn [Ich] Emotionen empfinde ist es immer so, als wäre da noch viel mehr möglich, aber ich habe keinen Zugriff darauf. Als wären sie eben nicht sehr ausgeprägt.

Und das Gleiche ist es, was die Traumata betrifft. Ein ANP kann durchaus auch Traumata erlebt haben und sich daran erinnern. Dass das immer alles ausschließlich auf die EP’s zurückfällt mag bei einigen so sein, hier jedoch definitiv nicht. Viele Traumata, die so im normalen (erwachsenen) Alltagsleben stattfanden, habe auch ich mitbekommen. Auf jeden Fall zumindest rational.

Weitere Merkmale

Da unsere Aufgabe die ist, im Alltag so normal wie möglich zu agieren, sind wir es auch meist, die als letzte etwas von den anderen mitbekommen. Wenn du anfängst das Ausmaß so einer Traumafolgestörung zu erkennen und was nötig ist, bis sich Persönlichkeitsanteile abspalten, dann funktionierst du in aller Regel erstmal nicht mehr so super im Alltag. All dem gegenüber amnestisch und ablehnend/verleugnend eingestellt zu sein, ist also irgendwo notwendig, um die Aufgabe, den Alltag so normal wie möglich weiter zu führen, auch umsetzen zu können.

Was oft noch bei vielen Alltagspersönlichkeiten zu beobachten ist, sind verschiedene Zwänge, diffuse Ängste und Depressionen. Ich würde zwar sagen, das ist hier auch so. Allerdings kann ich das noch nicht wirklich einschätzen, was von wem kommt. Die Zwänge gehören, glaube ich, z.B nicht ausnahmslos zu mir, da sie nur temporär auftreten.

Wenn ich von mir spreche, kann ich aber auf jeden Fall sagen, dass [Ich] keine große Entscheidungsgewalt hier habe. Ich bin hier also weder die „Hauptperson“, noch die, die den Ton angeben kann. Ich kümmere mich einfach nur um die normalen, anstehenden Dinge.

Um das aber nochmal zu betonen: Ich kümmere mich zwar um die alltäglichen Dinge. Das ist mein Job. Ich bin aber trotzdem mehr als einfach nur ein Anteil mit starrer Aufgabe. Das trifft auf uns alle zu (irgendwas wurmt einfach an dieser Rollenverteilungssache 🤔🤷‍♀️).

EP – Emotionaler Persönlichkeitsanteil

Das sind die, die normalerweise auch in irgendeiner Form mit dem Trauma in Verbindung stehen. Oft stecken sie zeitlich auch noch irgendwo dort fest, wo sie entstanden. Wenn so ein Anteil vollständig rauswechselt kann es so z.B sein, das die Person plötzlich total regressiv wird und sich wie ein kleines Kind verhält, sehr wütend oder traurig wird o.ä.

Was ich wiederum oft mitbekomme ist, wenn so jemand (innerlich) in die Nähe zu mir kommt, dass ich z.B oft kurzzeitig nicht mehr weiß wo und wann ich bin. Also ich bin schon noch da (kein Blackout), bekomme aber dessen Gedanken und Gefühle in voller Breitseite zu spüren. Manchmal wirkt es auch, als würde sich das Zimmer verändern (was es optisch aber nicht wirklich tut). Letzens war es z.B so, dass ich kurzzeitig dachte ich wäre wieder in meinem alten Elternhaus, im Wohnzimmer. Das war kein Flashback im herkömmlichen Sinne (von heute nach damals zurück), sondern mehr so als wäre „ich“ von früher, plötzlich in die heutige Zeit katapultiert worden (also genau umgedreht) und muss mich erstmal orientieren. Oder „ich“ denke, dass ich doch in einer ganz anderen Stadt sein oder einem anderen Bett aufwachen müsste und das da gerade irgendwas nicht passt, usw.

Und generell kann sich so alles, was diejenigen Personen und Fragmente fühlen und denken, intrusiv auf den Anteil auswirken der gerade vorn ist. Wie ich oben schon ansprach, hat hier auf jeden Fall jemand krassere Zwänge als ich. Und diese bekomme dann auch ich zeitweise (wenn derjenige eben gerade Nahe ist) stärker zu spüren.

Sooo und nun ließe sich dann in weitere „Kategorien“ einteilen. Also Beschützer, Täteranteil, nicht-menschliche usw. Das besprechen wir dann aber im 2. Teil, nächste Woche.

Sind alle Anteile destruktiv?

Wir wollten dazu mal was los werden, weil wir gestern ein entsprechendes Video dazu gesehen haben. Es ging um eine Betroffene, die darüber erzählte, wie sie mit allem umgeht und am besten damit fährt…

Um was es ging – Triggerwarnung!

Sie erzählte, dass sie ihren Anteilen keinen Raum mehr gibt. Das sie ihnen mitteilte, dass ihr auftreten nicht mehr erwünscht ist und sie ihnen nicht genehmigt nach Außen hin zu kommunizieren oder gestattet in der physischen Welt irgendwie in Erscheinung zu treten. Sie dürfen aber weiterhin als innere Ratgeber fungieren, sodass sie sich selbst besser verstehen kann. Sie möchte den Tätern dadurch keine Macht mehr geben, da jene die Persönlichkeiten ja programmiert haben und meint sie würde ganz gut damit fahren, da sie z.B auch kaum noch dissoziiert etc. Als sie dann anfing darüber zu reden, dass diese Anteile ja generell eh destruktiv sind, mussten wir leider abschalten. Wir wissen also nicht, was danach noch kam.

Vorweg:

Sie hat von Anfang an gesagt, dass das nur ihre Meinung ist und sie niemand einen Rat etc. geben möchte. Und uns geht es in diesem Beitrag nicht darum, ihre Umgangsweise mit allem zu kritisieren. Einfach weil uns das nicht zusteht. Wir müssen alle unseren eigenen Weg finden, um mit dem Trauma und der heutigen Situation für uns richtig umzugehen. Und wenn es sich für sie so richtig anfühlt, wer sind wir dann darüber den Finger zu erheben?

Um was es uns geht

Nein, darum solls nicht gehen. In uns haben diese Worte aber viel ausgelöst. Ganz viel Angst und Panik. Erstens davor, dass ich wieder alle anfange zu verleugnen und wir sind da gerade einen kleinen Schritt vorangekommen. Nämlich spüre ich und habe es auch schon mehrfach deutlich gesagt bekommen, dass ich einige damit (dem Leugnen) sehr verletze und nichts liegt mir ferner, als irgendjemand weh zu tun. Daher habe ich das Versprechen abgegeben, dass ich zumindest ihre Existenz versuche nicht mehr zu leugnen. Natürlich kommen immer wieder Zweifel und ich fange alles an abzustreiten. Aber wir versuchen jetzt im Inneren drüber zu reden und ich werde dann gerne auch wieder, von ein/zwei, an mein Versprechen erinnert.

Logischerweis steigt bei einigen da aber trotzdem wieder Angst auf, dass sie erneut verleugnet und ignoriert werden.

Zum anderen ist da aber auch die Angst, was das jetzt wieder im Außen auslösen könnte. Wir haben recht Glück mit unserer Therapeuten, da sie uns eigentlich immer das Gefühl gibt, dass niemand unerwünscht ist und sich jeder jederzeit gerne zeigen kann. Wir wissen aber, dass nicht alle so ticken und auch andere Therapeuten oder Menschen gern mal mit dem: ,,Wenn du dem Raum gibst, treibst du die Spaltung nur weiter voran“ um die Ecke kommen. Und dieser Gedanke irgendwas verschweigen, unterdrücken und ignorieren zu sollen, triggert hier extrem viel an. Wie gesagt: Es steigt eben Angst und Panik auf.

Uns gehts also jetzt mehr darum, mal unsere Sichtweise darüber darzulegen. Einfach um das vll auch (außenstehenden) Leuten näher bringen zu können. Wir wollen dabei nicht diese Frau oder irgendjemand der ähnlich denkt, fühlt und handelt kritisieren oder bekehren! Und falls das an einer Stelle so rüber kommen sollte, tut uns das aufrichtig leid.

Zu unserer Meinung

Wir haben schon einige Beiträge vorgeschrieben und ab Sonntag soll dann auch der nächste Beitrag zum Thema Anteile und Persönlichkeiten kommen. Dort sagen wir das auch nochmal:

Hier gibt es keine Hauptperson. Klar denke/dachte ich das auch manchmal. Man hat nun mal ein Bewusstsein und erlebt die Welt draußen. Es ist irgendwie schwer sich da vorstellen zu wollen, man wäre kein vollwertiger Mensch und nur irgendein Anteil von was anderem. Deshalb, und das sagen wir im kommenden Beitrag auch, empfinden ich und andere hier das auch nicht so. Wir empfinden keinen Anteil als unwichtig und unrelevanter oder gar unechter als sich selbst. Jeder ist ein vollwertiges Wesen für sich und kein abgebröselter Klumpen von irgendwem. Ich kann da aber natürlich nicht für alle sprechen, weil ich nicht die Meinung nicht von jedem zu diesem Thema kenne.

Aber zu sagen: ,,Ich bin die Hauptperson und sage wo es hier lang geht“ fühlt sich für uns total falsch an. Das tut weh, allein der Gedanke.

Sind alle Anteile destruktiv?

Persönlichkeiten spalten sich aufgrund schwerer Traumata ab. Das nicht alle vor Glück Funken sprühen, dürfte ja irgendwie klar sein. Das Spektrum von welchen die den Körper verletzen, die anderen weh tun möchten oder fleißig Kontakt zu den Tätern halten, kann da riesengroß sein. Ja, ich empfinde das Verhalten einiger durchaus als sehr destruktiv und für heute schädlich.

Jetzt stell dir aber mal vor, alles was du kennst ist vergewaltigt zu werden. Du kennst nur diese Momente. Kein fröhliches Spielen mit Freunden oder tolle Sonntagsausflüge, weil diese Erlebnisse die anderen hatten. Oder alles für was du lebst, ist die Schmerzen für andere zu übernehmen. Das die das nicht fühlen müssen und weiter funktionieren können. Das wenigstens irgendwer sowas wie eine Kindheit hat. Ist das da wirklich so schwer zu verstehen, dass einige die Schnauze voll haben? Das sie wütend sind oder aggressiv oder nicht gut auf die zu sprechen, denen sie all das abgenommen haben???

Sorry, hier steigt da grad echt viel Wut auf.

In unseren Augen geht man nicht durch die Angst, wenn man alle und alles von sich schiebt und unterdrückt. Wir sehen das zwar auch so, dass es nicht sehr praktisch ist immer wieder in ein Trauma einzutauchen. Und gerade dazu neigt ein traumatisierter Mensch, ganz klar. Die anderen Persönlichkeiten sind aber keine leidigen Überbleibsel eines längst vergangenen Traumas, die man jetzt nur ignorieren braucht und dann wird schon alles. Stell dir mal vor Alter, du übernimmst den ganzen Rotz für jemand und zum Dank sperrt der dich in ein dunkels Zimmer und sagt er will nix mit dir am Hut haben. Bloß weil de kein grünes Glücksmariechen in seinen Augen bist. Aber ihn beraten darfste noch. Echt Junge, da könnt ich kotzen

,,Hausbesetzer“

Das Wort hab ich letztens gelesen. Eine Therapeutin verwendete es auf ihrer Website stellvertretend für ‚Anteile/Innenpersönlichkeiten‘.
Sie hat dann zwar noch versucht zu erklären wie sie das meint, aber trotzdem hats mich bei dem Wort irgendwie geschüttelt…

Also ich lege da ja fast meine Hand dafür ins Feuer, dass die, die am Anfang da war, jetzt nicht mehr da ist. Und ich lege ausserdem fast meine Hand dafür ins Feuer, dass ich auch nicht die Gleiche wie die von vor ein paar Jahren bin.
Das würde ja dann aber bedeuten ich wäre auch ein Hausbesetzer 🤔.
Und wie geht man mit Hausbesetzern um? Na man wirft sie raus oder der Hauseigentümer findet einen Kompromiß mit ihnen, dass sie halt bleiben dürfen, solange sie sich benehmen, oder?
Aber wer soll denn dieser Hauseigentümer sein? Und viel wichtiger: Wohin sollte ich denn gehen, wenn ich raus geworfen werde? Ich mein, ich bin doch hier geboren. Wäre ich jetzt aus einem anderen Körper hier rein geschlüpft, so nach dem Motto: ,,Nö, ich bleib jetzt hier. Hier gefällts mir viel besser, als da drüben. Ätschi Bätsch😝“, dann würde ich das ja verstehen.
Aber wir sind doch alle Teil von einem Gehirn.

Außerdem impliziert das Wort Hausbesetzer irgendwie so etwas Negatives. Jemand der da nicht hingehört, will einfach nicht aus dem Haus rausgehen. So verstehe ich das Wort. Ich bin mir aber ziemlich sicher, ich lege sogar wieder fast meine Hand dafür ins Feuer, dass hier jeder da hingehört, wo er gerade ist. Jeder ist aus einem triftigen Grund entstanden, übernimmt nen Haufen Aufgaben und dann wirst’e einfach ‚Besetzer‘ genannt 😅.
Ne du, da schüttelts mich immer noch