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Das Ding mit den Drogen

Vor kurzem schaute ich ein paar Kurzreportagen über das ,,Frankfurter Bahnhofviertel”. Dort wurden Interviews mit verschiedenen Drogenabhängigen, die dort auf der Straße leben, geführt und auch einige Streetworker kamen zu Wort.

Boar und da sind krasse Geschichten dabei, aber auch Geschichten von Menschen, die die Drogen einfach nur mal ausprobieren wollten und dann quasi, mehr oder weniger, einfach dort hängen blieben.

Dabei musste ich an meine Erfahrungen denken und an die Menschen denen ich so begegnet bin, wie das alles anfängt und wo der Strudel einen hineinzieht. Natürlich lebte ich nicht auf der Straße und auch sonst war die Szene, in der ich mich befand, noch ein ganzes Stück von den Geschichten um das ,,Frankfurter Bahnhofsviertel” entfernt. Trotzdem glaube ich, fange ich jetzt erst an zu realisieren WO ich mich da damals wirklich befand.

Die ersten Versuche

Ähm, also meine ersten Erfahrungen machte ich mit dem Kiffen … boar🤔…da war ich glaube 18, oder so. Meine damalige beste Freundin rauchte seeehr viel davon und irgendwann hab ich´s auch mal probiert. Generell muss ich sagen war Cannabis aber nie meine Droge. Es gab schon mal witzige Momente, wenn man dann einen Lachflash bekommt und Unmengen von Schokolade in sich hineinstopfen will 😅. Dennoch kann ich mir an diesem beduselten, zugedröhnten Gefühl bis heute nicht viel abgewinnen.

Sie nahm auch chemische Drogen, was ich damals jedoch ganz schrecklich fand und davon auch stark Abstand nahm. Erst Jahre später, als ich mit meinem Ex-Freund zusammenkam, änderte sich das. Er konsumierte hin und wieder mal etwas, worauf ich irgendwie schwer klar kam.

Irgendwann, als er nicht da war, suchte ich aber und fand etwas von seinem Speed. Ich zog eine Nase davon und fand das Gefühl super. Wach, konzentriert, ich bekam einen totalen Laberflash. Kurz: Ich mochte das Gefühl einfach.

Warum tat ich das, obwohl ich doch eigentlich so dagegen war?

Hmm, ich glaube die Neugierde trieb mich doch irgendwann um und letztendlich habe ich es gemacht, weil ich mich ausgeschlossen fühlte. Nichts was man sich gerne eingesteht.

Allerdings blieb es erst einmal nur beim ,,probieren”.

Wie fing das Alles richtig an?

Erst später, nach der Trennung und nachdem mein Kind nicht mehr bei mir war, fing ich an mich mit diesem Thema richtig auseinander zu setzen.

…Das hört sich so süß an, sich ,,damit auseinander setzen”…

Soll ich´s ehrlich sagen?

Ich war psychisch ein absolutes Wrack und stopfte so gut wie alles in mich rein. Hauptsache ich musste nichts mehr fühlen.

Über meinen Ex kannte ich damals natürlich auch ein paar Leute, die damit etwas am Hut hatten. Erst zog ich aus dieser Stadt weg, landete aber nach wenigen Monaten dann doch wieder dort.

Gott! Diese furchtbare Einsamkeit hat mich damals um den Verstand gebracht. Ich musste wieder unter Menschen…

Naja, jedenfalls würde ich den Großteil der Freunde meines Ex als noch relativ ,,normale” Leute beschreiben. Die gingen arbeiten und konsumierten hin und wieder auf einer Party mal etwas. Die sogenannten Partydrogen: Ecstasy, Speed, Cannabis und manche auch mal Sachen wie LSD.

Über einen, mit dem ich damals noch Kontakt hatte und der schon eher in die Kategorie: ,,Ich hab ein Problem, aber ich wills mir nicht eingestehen” fällt, habe ich dann andere Leute kennengelernt.

Und wie das dann so ist….

Man bewegt sich ja nicht immer in den gleichen Kreisen, sondern der Eine bringt den Anderen zu Besuch mit. Und der Andere ist von seinem Abgefucktlevel vll schon 2 Stufen ,,weiter unten” als du. Dadurch lernst du wieder neue Leute kennen und schon hast du innerhalb weniger Monate einen Bekanntenkreis der nicht hin und wieder nur mal kifft, sondern der sich Ketamin reinpfeift.

Kennt ihr Ketamin*? Das ist ein Pferdebetäubungsmittel, Alter😂.

,,Die Scheiße ist noch nicht genug am dampfen? Komm ballern wir uns einfach ein Pferdebetäubungsmittel rein!”

Hab ich auch mal probiert. Probiert hab ich ganz viel. Nur solche Sachen wie Crack und Heroin waren noch außerhalb meines Dunstkreises.

*Ketamin wird übrigens auch sehr gerne als Vergewaltigungsdroge benutzt – Das “tolle” dabei ist, dass Opfer bekommt einen Teil noch sehr verschwommen mit, kann aber aufgrund seiner unscharfen Wahrnehmung nicht genau zuordnen, was da gerade passiert. Zudem ist die Suggestibilität erhöht. Manche dieser Freaks lieben es die Mädls (oder Jungs) nicht nur zu missbrauchen, sondern ihnen auch noch “Filme” einzubauen

Meine ,,Hauptdroge” blieb jedoch Speed. Du musst einfach nicht schlafen – Ahh nicht schlafen müssen, ist manchmal wirklich sooo schön. Außerdem mag ich die Nacht. Die Dunkelheit. Da bin ich für mich, ich hab meine Ruhe vor der Welt und alle Probleme stehen erstmal still.

Zum Aufstehen und funktionieren habe ich es trotzdem nie gebraucht. Wenn ich was genommen habe, wollte ich tagelang wach sein und nicht ,,funktionieren”. Mir ist das sowieso ein Rätsel wie man so eine Droge zum funktionieren brauchen kann 😅. Ich glaube auf mich wirkt sowas aber auch anders, als bei anderen scheinbar.

Ich war geistig aktiv, aber körperlich konnte ich mich selten einen Schritt bewegen. Aber ich fand es Klasse, dass ich so konzentriert war. Das ich meine Gefühle mit einem gewissen Abstand betrachten konnte (die waren einfach neutral) und vor allem machte sich in dieser Zeit mein mieser Selbstwert mal nicht bemerkbar.

Ich denke, das ist die eine Seite, die mir in der Drogenaufklärung oft fehlt. Es wird immer viel Angst gemacht, aber es hat ja einen Grund warum Menschen mit sowas anfangen.

Klar haben wir da das Ding mit dem ,Problemen unterdrücken’ usw., aber mal ganz ehrlich würde sich keiner (oder die wenigsten) solches Zeug reinpfeifen, wenn es nicht irgendwo auch noch andere positive Komponenten geben würde. Natürlich machen Drogen Spaß. Keiner nimmt diese Sachen, weil sie so besonders gut schmecken…

Aber was ist die Kehrseite?

Drogen sind das, wie man den Teufel beschreibt: Der Verführer, der dir die schönsten Dinge verspricht, aber dich am Ende in der Hölle schmoren lässt.

Sorry an jeden der sich jetzt denkt: ,,Wie kann sie sowas spießiges nur behaupten?!” und ich verteufle Drogen ja auch gar nicht per se. Ich halte niemand, der 1x in der Woche kifft oder 3x im Jahr etwas zieht, für einen Süchtigen, der sein Leben in den Sand gesetzt hat. Das ist Käse.

Ich denke aber das man selbst kaum merkt, wie es immer tiefer geht. Du fängst selten direkt mit der Heroinspritze, im Bahnhofsklo, an. Gibt es auch. Natürlich. Aber die meisten starten auf der Party oder bei Freunden, nur hin und wieder mal und irgendwo siehst du diesen Strudel gar nicht.

Und so aktiv oder glücklich du vll auf der Droge auch bist: Die Droge zaubert diese Gefühle ja nicht aus dem Nichts herbei, sondern nimmt sie aus deinem körpereigenen Speicher. Sobald die Wirkung nachlässt, ist nichts mehr mit aktiv oder glücklich sein. 3 Tage wach und dann schläfst du auch erstmal 24h, aber danach bist du auch nicht fit und ausgeruht. Die Erschöpfung bleibt.

Als ich damals dann von da weg bin und nichts mehr nahm, dauerte das bestimmt mindestens ein halbes Jahr bis diese Dauererschöpfung nachließ und das obwohl ich nicht mal regelmäßig konsumierte. Soviel dann auch zu dem Thema, warum manche die Nase zum ,,funktionieren” brauchen, denn schon brauchst du durch diese Erschöpfung mehr und mehr und mehr.

Und ich hatte damals in meinem Bekanntenkreis auch Mädchen, die sich für die Drogen prostituiert haben. Nicht am Straßenstrich, wie beim ,,Frankfurter Bahnhofviertel”, aber privat. Ich fand das damalas zwar schräg, aber so richtig realisiert habe ich das nicht. P-r-o-s-t-i-t-u-i-e-r-t für D-r-o-g-e-n. Alter, das kommt jetzt erst in meinem Kopf an!

Da war ich. Unter diesen Leuten. Ja ehrlich, ich schnalls jetzt erst. 4 Jahre später.

Und ich glaube, nein ich bin sogar ziemlich fest davon überzeugt, dass denen der ernst der Lage damals auch nicht wirklich bewusst war.

Falsche Freunde…

Die Menschen dort verlieren ihre Seele nach und nach. Ich kanns einfach nicht schön reden oder anders beschreiben. Ich meine, überleg mal was man sich da reinpfeift. Was in den Drogen alles drin ist. Kokain mit Rattengift und dann wundert man sich, warum die alle so aussehen und nicht mehr klar kommen…

Wenn ich überlege wie wir damals beklaut wurden. WELCHE Szenen sich da abspielten (vll erzähle ich das irgendwann mal separat, ich sagte damals aber immer wir sollten eine Kamera aufhängen und das mal filmen – sowas glaubt dir kein normaler Mensch).

Vergewaltigungen, Raub, Einbruch…Da war ich, Mann. Mittendrin. Und wie immer hab ich es geschafft, da zu stehen und meine momentane Umgebung für völlig normal zu halten 🤦‍♀️.

Viele Leute waren dort auch schon Obdachlos. Keiner schlief wirklich auf der Straße, aber viele wanderten von Sofa zu Sofa. Man nennt diese Leute auch ,,Sofahopper”, wer schon mal davon gehört hat. Und im Endeffekt hätten dort die meisten ihre Mutter wohl für 5g Gras verkauft, aber alle waren natürlich immer deine besten Freunde, wenn du sie gefragt hast 😂

Wie kam ich raus?

Keinen Plan, wie immer 😂

Ich zog weg und irgendwo wollte ich auch nicht mehr. Ich hielt diese Menschen und diesen Lebensabschnitt nicht mehr aus. Ob ich das bewusst wahrnahm damals, weiß ich aber wirklich nicht.

Mir war aber schon klar, dass ja nichts besser wurde, sondern nur schlimmer als zuvor. Also bevor ich mit meiner Vedrängunsodyssee anfing. Aber warum ich mir letztendlich nicht hier das gleiche Klientel gesucht habe (wie es ja meist so ist), weiß ich nicht.

Mittlerweile bekomme ich aber Panikzustände wenn ich mich an diese Zeit zurück erinnere, vll ist es das was mich so stark davon abhält. Dieses dahinvegetieren habe ich nicht mehr ausgehalten. Diese Falschheit und vor allem diese permanente Unsicherheit. Im Endeffekt lauerte da ja wieder überall und hinter jeder Ecke nur Gefahr. Die Menschen und ihre Reaktionen waren ja nie einzuschätzen.

Witzig irgendwie, wenn ich das so schreibe fällt mir was auf 🤔: Eigentlich war das genau die Situation, die ich vorher immer hatte. Ich hatte das erste Mal in meinem Leben eigentlich keinen Narzissten, Psycho o.ä mehr in meinem Leben und hab mir trotzdem direkt erstmal wieder eine Umgebung gesucht, wo ich weiter all diese Unsicherheit geboten bekam😅🤦‍♀️.

Aber was genau passiert ist weiß ich nicht. Ab und zu gibt es in meinem Hirn eine Art Kurzschluss und dann muss was anders gemacht werden. Mit dem Alkohol ging es mir kurze Zeit darauf ähnlich. Damit war von heute auf morgen Schluss, aber auch da: Keine Ahnung warum genau. Ich würde so gerne Tipps geben wollen, wie ich das geschafft habe, aber diesbezüglich ist da einfach nur gähnende Leere 😒.

Einen Entzug musste ich jedoch nie machen. Gott sei Dank hatte ich mit Entzugssymptomen weder beim Alkohol, noch bei den anderen Sachen Probleme. Ich denke diesbezüglich hatte ich wohl so einige Schutzengel…

Zucker – Eine Volksdroge?

Zucker? Eine Droge? Jetzt übertreibt sie aber…

Zucker kennt immerhin jeder, er wird ganz legal verkauft und wir nehmen ihn ständig zu uns. Genau genommen nimmt jeder Deutsche sogar ungefähr 36kg Zucker im Jahr zu sich, was grob geschätzt rund 100g pro Tag währen – Naja, das sagt zumindest die offizielle Statistik, wenn man jedoch bedenkt, dass sogar Leberwurst zu rund 3% aus reinem Industriezucker besteht, bin ich noch am überlegen ob 100g pro Tag wirklich reichen….

Aber wir schauen uns jetzt erstmal an:

Was ist eine Droge?

Das Wörterbuch sagt dazu:

,,Eine Droge ist ein pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Rohstoff für Heilmittel, Stimulanzien oder Gewürze”

Ursprünglich stammt der Begriff ,,Droge” vom niederländischen ,,droog” für ,,trocken” ab, d.h in seiner eigentlichen Bedeutung spricht man eigentlich von einem natürlichen, getrockneten Rohstoff aus der Natur (Blätter, Samen, Blüten, Wurzeln, ect.), der für die Herstellung verschiedener Mittel genutzt wird –> Daher stammt übrigens auch der Begriff des ,Drogisten’ bzw. der ,Drogerie’.

Im medizinischen Kontext verstehen wir unter einer ,,Droge” aber eine psychoaktive Substanz, die zu Bewusstseinsänderungen führt und eine Abhängigkeit (körperlich oder geistig) verursachen kann.

Wie wirkt Zucker in unserem Körper?

Zucker gelangt sehr schnell in unser Blut, wonach der Körper direkt mit der Insulinproduktion beginnt. Insulin wiederum ist ein Hormon, welches dafür zuständig ist den Zuckerspiegel in unserem Blut wieder zu senken, indem es den vorhandenen Zucker, zur Energiegewinnung, in sämtliche Organe und Körperzellen aufteilt bzw. ihn darin einschleust (darunter sind die Muskeln, Nieren, Leber, das Fettgewebe, usw.). Ist die Insulinproduktion jedoch gestört, wie beim Typ II – Diabetes, dann kann der Zucker nicht mehr in die Zellen gelangen, wodurch er sich im Blut anstaut.

Insulin hemmt übrigens auch den Abbau von Fettgewebe. Erst wenn dem Körper keine Kohlenhydrate zugefügt werden (wie z.B beim Intervallfasten oder der LowCarb Ernährung) und dadurch ein Insulinmangel entsteht, kann er für seine Energiegewinnung auf vorhandenes Fettgewebe zugreifen (worin Kohlenhydrate u.a als Notreserve gespeichert werden) – Wer abnehmen will, sollte also seine Kohlenhydratzufuhr deutlich einschränken.

So, aber weiter im Text 😅

Zucker ist nicht gleich Zucker

Also da haben wir es doch: Zucker gibt uns Energie, wo soll denn da jetzt das Problem sein?

Zucker wird eigentlich aus der Zuckerrübe hergestellt, welche in ihrer ursprünglichen Form noch viele Vitamine und Nährstoffe enthält. Nährstoffe, die für die Verarbeitung des Zuckers im Körper, eigentlich extrem wichtig sind.

Nun kam die Industrie aber irgendwann einmal auf die schlaue Idee, man könnte den darin enthaltenen Zucker ja einfach rausfiltern und so pur verkaufen. Gemacht wird das indem die Rüben gewaschen, zerkleinert, ausgelaugt und mit Kalk gereinigt werden (was bereits schon so gut wie alle Nährstoffe zerstört), dann wird der Zuckersaft getrennt, durch schwefelhaltige Säure gebleicht, eingekocht, ausgeschleudert und durch Knochenkohle gefiltert – Hört sich doch durch und durch gesund an, oder?

Es ist also ein Unterschied von welchem Zucker wir sprechen. Reiner Industriezucker (zu welchen übrigens auch der braune Rohrzucker gehört) hat absolut KEINERLEI Mehrwert für uns, ganz im Gegenteil braucht unser Körper nicht ein einziges Gramm davon.

Die fehlenden, eigentlich zur Verarbeitung des Zuckers benötigten (und im natürlichen Zucker auch enthaltenen) Nährstoffe, werden jetzt nämlich aus den umliegenden Organen und Zellen abgezogen, was wiederum zu einem Nährstoffmangel führt.

Karies (wenn das Zeug schon das härteste Material in unserem Körper durchlöchert, kann man sich vorstellen was es mit dem Rest macht), Fettsucht, ein schwaches Immunsystem, hyperaktive Kinder, Falten, Haarausfall, schlechte Augen,  Arthritis, Asthma, Multipler Sklerose, Osteoporose, Diabetes, Herzerkrankungen, eine zerstörte Darmflora (was Parasiten, wie Pilze, wiederum begünstigen kann –> der Candida steht z.B im Verdacht Krebs auszulösen) usw. sind übrigens nur ein kleiner Teil, der Folgen hohen Zuckerkonsums.

Anders sieht es mit naturbelassenen Zucker aus, wie z.B KokosblütenzuckerXylitol, Melasse, Yacon oder Stevia. Das heißt nicht das wir uns davon gleich Tonnen reinkippen sollten (so gesund sind die nun auch wieder nicht), aber sie stellen eine deutlich gesündere Alternative dar.

Warum wirkt Zucker wie eine Droge?

Unser Gehirn reagiert auf den aufgenommenen Zucker und setzt das Glückshormon Serotonin frei, ebenso die Hormone Dopamin und Opioid, welche für ein Gefühl von Leichtigkeit und Wohlbehagen sorgen. Außerdem steigert er kurzfristig unsere Konzentration und Aufnahmefähigkeit.

Wusstet ihr nun ☝, dass Kokain genau das Gleiche in unserem Gehirn macht? Es macht uns glücklich, entspannt, konzentriert und wir fühlen uns stark. Auf Kokain werden die gleichen Gehirnregionen angeregt und Hormone ausgeschüttet, wie beim Zucker. Ja und von diesen kann man tatsächlich süchtig werden, denn wir gewöhnen uns an ihre dauerhafte, hohe Ausschüttung und fehlt plötzlich der benötigte Stoff, fehlen auch die Hormone und es kommt zu Entzugserscheinungen.

Bei MDMA lässt sich das z.B gut beobachten, wie der Konsumierende einen Schwall von Glück erlebt, weil Unmengen von Serotonin ausgeschüttet werden. Lässt die Wirkung des MDMA nach, hört auch die Produktion des Serotoninhormons auf, zudem sind sämtliche Speicher geleert, was zu dem typischen schlaffen und depressiven Erleben beim ,,runter kommen” und danach führt.

Forscher der Princeton University machten zudem ein Experiment an Ratten, wo sie diese erst an Zuckerwasser gewöhnten und ihnen dann keins mehr gaben. Ergebnis war, dass die Ratten die gleichen Entzugssymptome wie bei Kokain oder Morphium zeigten.

Gruslig, oder?

Ich wiederum kann mich an eine abendliche Szene, von vor ein paar Jahren, erinnern. Wir hatten nicht mal ein Gramm Zucker zuhause und ich hatte soooo einen Heißhunger auf irgendwas Süßes. Irgendwann fiel mir ein, dass ich vor ein paar Tagen so eine kleine Stange Bonbons gekauft hatte und 2 davon noch rumliegen müssten. Ich durchsuchte, ohne Witz, jeden Quadratmillimeter der Wohnung, inklusive Sofaritzen ect., bis ich sie dann irgendwann fand und deshalb fast auf die Knie fiel.

Stellt euch diese Szene wirklich vor, wie bei einem Drogenjunkie, der irgendwo zitternd noch einen Krümmel Heroin sucht.

Früher hatte ich auch eine zeitlang eine Phase, wo ich jeden Tag 2 Tafeln Schokolade, nicht nur gegessen, sondern gebraucht habe! Ich bekam wirklich furchtbar schlechte Laune und wurde stark gereizt, wenn nicht genügend da war. Wie das eben bei einer Sucht so ist.

Was kann man also tun?

Ganz klar: Industriezucker reduzieren und/oder gegen bessere Alternativen austauschen.

Vor ungefähr 2 Jahren habe ich mal einen kalten Entzug gemacht. 2-3 Monate lang habe ich nicht einen Krümmel Industriezucker mehr angefasst und wenn ich es nicht mehr aushielt ( von diesen Momenten gabs genug), habe ich einen Löffel Honig vom Imker gegessen.

Ich bemerkte daraufhin tatsächlich eine kleine Besserung meiner Psyche, der Schlaf wurde etwas besser und vor allem hatte ich nicht mehr den ganzen Tag Appetit. Das war wirklich ein enormer Pluspunkt, denn vorher hätte ich den gesamten Tag lang, von morgens bis abends, essen können und meist war das nicht nur etwas Gesundes. Denn Heißhunger stillst du, in deiner Akutsucht, selten mit einem Stück Obst.

Mittlerweile ist es so, dass ich hin und wieder durchaus zu ein paar Pralinen oder auch ein paar Bonbons greife (Wie war das? Ein Sucht ist immer chronisch und kann nur unterdrückt, aber nie geheilt werden?😅). Jedoch kaufe ich mir diese dann ganz bewusst und habe Süßes nicht mehr dauerhaft zuhause vorrätig. Das hilft schon mal enorm, denn was nicht da ist, kann auch nicht gegessen werden.

Übrigens merke ich das aber sofort, falls ich mal wieder etwas Süßes zu viel esse, habe ich nämlich schnell kein Sättigungsgefühl mehr. Dann ist direkt wieder etwas kürzertreten angesagt.

Was hilft mir?

Bei Appetit auf etwas Süßes, hilft mir mittlerweile oft ein Shake aus Hafermilch und frischen Obst, alternativ noch ein Löffel Honig dazu.

Weiter greife ich in den allermeisten Fällen auf Kokosblütenzucker oder Honig zurück, wenn ich z.B backe oder Tee süßen möchte. Zudem koche ich viel selbst und achte bei anderen Lebensmitteln auf den Zuckerzusatz.

Genannt wird er auf den Verpackungen übrigens oft Glucosesirup, Traubenzucker (Glucose), Fruchtzucker (Fructose), Milchzucker (Laktose), Maissirup (Isoglucose) oder Malzzucker (Maltose) – Im Endeffekt wurde aber jeder von ihnen industriell hergestellt.

Das aller Beste wäre für unsere Gesundheit wahrscheinlich, wenn wir generell auf industriellen Zucker verzichten würden. Wer das aber nicht so einfach kann (worunter auch ich mich leider zählen muss🙈), bei dem hilft es sehr, einfach ein gesundes Mittelmaß zu halten. Hin und wieder ein Stück Schokolade, genauso wie mal ein Glas Wein, ist 10.000x besser, als sowas jeden Tag zu sich zu nehmen.

Indirektes SSV (Kompensieren, Süchte)

Wir haben im letzten Teil über die klar sichtbare SSV gesprochen.
Nun wenden wir uns dem selbstschädigenden Verhalten, welches nicht ganz so derart ersichtlich für die Umgebung ist, zu.

Was ist Kompensation?

Compensare ist lateinisch und bedeutet so viel wie “ersetzen” oder “ausgleichen”.

Wenn Menschen etwas kompensieren, dann ersetzen sie also etwas, dass in ihrem Innersten fehlt bzw. versuchen ein Ungleichgewicht auszugleichen – meist unbewusst natürlich.

Beispiele:

Bei der Sport- oder Schönheitssucht versuchen Menschen oft (nicht immer☝) einen sehr unsicheren und schwachen Selbstwert zu kompensieren, mit etwas das gleichermaßen wirkt, aber eben nicht ihr Innerstes (also das dauerhafte) sondern ihr Ego (das kurzweilige) anspricht.

Eine Frau die z.B von einer Schönheits-Op zur nächsten rennt, täglich 4 Stunden mit schminken verbringt oder ein völligst übertrainierter Mann (wo es also schon gesundheitschädlich wird), da kann man vll davon ausgehen, dass genau das ihr größter Mangel ist. Das sie sich nämlich selbst nicht schön finden (nur ist das ihr Innerstes, welches sie nicht mögen und lässt sich daher nicht äußerlich beheben). Das ist übrigens kein Vorwurf☝, DEFINITIV nicht!

Bei Menschen die krankhaft viel arbeiten oder sehr perfektionistisch sind, lässt sich davon ausgehen (wie gesagt: pauschalisieren lässt sich das niemals!) das sie sich selbst nicht gut genug sind und daher immer diesen Drang verspüren noch mehr, noch weiter zu machen – irgendetwas zu erreichen. Wenn ich mich selbst nicht gut genug finde, dann habe ich das Bedürfnis nach Außen hin zu zeigen WIE wertvoll ich doch aber bin.

Ich habe z.B auch einen total perfektionistischen Trieb in mir drin. Ich will ständig bloß keinen Fehler machen, da ich das Gefühl habe sonst nicht genug für andere zu sein. Das hat den Vorteil das ich sehr schnell lerne, aber den Nachteil das ich im Prinzip nie wirklich zufrieden mit mir sein kann – Perfektion ist ein utopisches Ziel und wird niemals nie erreicht werden, weil es einfach unmöglich ist es jeden und zusätzlich noch sich selbst, zu 100% recht zu machen.

Wer krampfhaft Einkaufen gehen muss, der könnte versuchen eine innere Leere, mit dem Anhäufen materieller Güter zu füllen.

Bei stark ausgeprägt, sexuell wechselnden Partnern wird oft eine fehlende oder fehlerhafte Beziehung zu einer damaligen Bezugsperson kompensiert.

Die typische Adrenalingier kann wiederum eine Ablenkung von Problemen sein, oder ein sich, durch ein inneres Leeregefühl, spüren wollen oder teilweise können dahinter sogar wirklich schon indirekte Suizidabsichten stecken.

Usw.

Ihr versteht das grobe Prinzip?

Das Innerste wird versucht durch etwas Äußeres (weil leichter greif- und sichtbar) zu ersetzen oder dadurch davon abzulenken (“nicht spüren wollen”).

Wer schlecht drauf ist und deshalb eine Tafel Schokolade isst, macht übrigens genau das Gleiche – er kompensiert ein inneres, schlechtes Gefühl 😉.
Jetzt werden manche sagen ” Ja, weil die Schokolade ja auch Glücksgefühle auslöst und uns daher besser drauf sein lässt” – Ja 😄, aber genau das machen alle anderen Kompensationsmöglichkeiten auch 🙃

Dann haben wir da natürlich noch die:

Kompensationsmöglichkeiten durch Alkohol, illegale Drogen und Medikamente

Ich habe z.B früher sehr oft zum Alkohol gegriffen, wenn es mir schlecht ging.

Was habe ich kompensiert? Definitiv Einsamkeit.

Menschen waren zwar immer irgendwie um mich herum, aber sehr, sehr selten Menschen bei denen ich das Gefühl hatte, da wäre mehr Interesse als diese oberflächliche Show, die ständig alle abziehen. Ich denke der ein oder andere weiß was ich meine.

Und dann war da damals auf jeden Fall das ein oder andere Gefühl das ich unterdrücken wollte bzw. einfach nicht wusste damit umzugehen.

Auch zu anderen Substanzen habe ich eine zeitlang gegriffen. Gerade aufputschende Mittel, bei denen ich nicht schlafen musste und die mich meine Gefühle nicht mehr so sehr spüren ließen, waren bei mir beliebt. Es gab Zeiten da wollte ich einfach nicht mehr einschlafen – einschlafen, aufwachen, träumen…

Süchtig war ich übrigens nie, auch wenn mir das gerne ständig jeder an jeder Ecke unterstellen wollte 😌 (lustig fand ich da die Leute, die sich am Tag 10g Amphetamin durch die Nase zogen oder 5g Gras pro Tag rauchten und mir dann erzählen wollten, ich solle mal weniger trinken…..Mehr sag ich dazu jetzt nicht) – Also mit süchtig meine ich, dass ich nie die Nase zum Aufstehen oder Funktionieren gebraucht habe. Beim Alkohol sah das eine zeitlang schon anders aus, aber Gott sei Dank kam es da nie zu einer körperlichen Abhänigkeit.

Ein Grund dafür war, meiner Meinung nach zumindest, das mir stets zu jeder Zeit bewusst war das ich kompensiere.

Die wenigen Male als mich jemand fragte warum ich tue was ich tue (und wo ich bei der Antwort keine Angst vor direkten, negativen Folgen für mich hatte), habe ich immer ehrlich geantwortet und auch mir selbst habe ich in diesem Zusammenhang nichts vorgemacht. Vll nützte das was…

Die Sucht fängt erst da an, wo die Kompensation unbewusst ausgeführt bzw. geleugnet wird, denn erst dann beginnt man den jeweiligen Ersatz als dringend benötigtes Mittel anzusehen (weil es den Ausgleich für etwas schafft, dessen Hintergrund man nicht versteht, verstehen will oder verstehen kann) und das sind dann meistens auch die Leute mit denen es wirklich keinen Spaß mehr macht, da sie ihre eigenen unterdrückten Sorgen und Probleme auf dich projizieren und selbst immerzu auf der Stelle tappen – wo es einfach kein weiterkommen mehr gibt (und das sind z.B viele der Menschen die ständig darüber reden wie “hart” sie “feiern”, die aber nur noch zum Totalabschuss weggehen).

Was kann ich tun?

Das wichtigste ist also erstmal, dass sich der Betroffene darüber im Klaren ist, das seine Verhaltensweisen einen Grund haben.

Wer weiß warum und mit was er gerade kompensiert, der kann sich langsam eine Alternativmöglichkeit einfallen lassen – also was kann er tun um das eigentliche Problem zu lösen und damit nicht weiterhin zu kompensieren bzw. zu verdrängen.
[ D.h alles übrigens nicht, das jede Art von Konsum direkt eine Kompensation ist – man kann sowohl mit Alkohol, wie auch mit anderen Sachen, entspannten Abend haben, OHNE deshalb gleich unter einem psychisches Problem oder einer Sucht zu leiden. Man kann ja auch Sport treiben oder Sex haben, ohne deshalb gleich danach süchtig zu sein ]

Ich persönlich habe irgendwann mal begonnen, konsequent auf Alkohol ect. zu verzichtent. Das ging ungefähr 1 Jahr lang so und auch heute trinke ich nur nochmal etwas, wenn ich mich mit einer Freundin treffe (Geburtstag, Spieleabend, usw.), aber nicht mehr wenn es mir schlecht geht, also ich betreibe nicht mehr dieses Betäuben, wie früher.

Zugegeben war das allerdings ein längerer Weg und in derAnfangszeit bestand in meinem Kopf, die Verbindung: mir geht es schlecht – ich will das mit irgendwas wegmachen, noch ganz stark. d.h ich musste diesem Drang schon jedesmal dolle widerstehen. 2019 gab´s diesbezüglich auch noch einmal einen Rückfall, wo ich kurzzeitig, als es mir schlecht ging, nochmal zum Alkohol griff. Und wer weiß ob das nicht wieder nochmal vorkommen wird…Ich weiß mittlerweile jedoch das jeglicher Konsum, zur Kompensation, das Problem am Ende nur größer und dadurch schlimmer macht und das will ich definitiv nicht mehr.

Als Angehöriger:

Macht dem Betroffen klar das alles eine Ursache hat und seid für ihn da, aber um Himmelswillen lasst diese dummen Ratschläge 🤦‍.

Wer Ratschläge verteilen will, der sollte dann auch helfen. Mir hat z.B immer nur jeder gesagt was ich falsch mache und was ich lassen soll, aber mir war selbst stets bewusst, was gut und was nicht gut ist.

Ich habe kompensiert weil ich keine andere Möglichkeit gesehen habe, weil ich allein völlig überfordert mit allem war und Ratschläge, sowie das Verurteilen wenn ich diese nicht einhalte, haben mir dabei nicht geholfen. Die Menschen ließen mich mit meinem Kernproblem ja trotzdem allein. Es war nach dem Ratschlag also alles wie vorher, nur mit dem zusätzlichen Druck “Wenn du nicht machst was derjenige sagt, dann will er nichts mehr mit dir zu tun haben”, aber den Ratschlag befolgen ging auch nicht, weil damit ja nicht mein Problem gelöst war.

Wenn ihr also nicht in irgendeiner Art und Weise helfen wollt oder könnt, dann haltet eure Klappe, hört auf zu verurteilen und schaut darauf wo ihr selbst kompensiert 😌.

Mein Ex-Freund hat mich damals z.B nach der Vergewaltigung beschimpft das ich das verdient habe, weil ich ein scheiß Junkie bin (glaubt mir, ich habe nicht einmal annähernd in einem Monat konsumiert was andere an einen Tag weghauen ) und das doch so wollte und bla bla bla …. Mal abgesehen das er und diese ganze Situation, die er fabrizierte, zu vielem beigetragen haben und er gar nicht das recht gehabt hätte das also zu sagen, sieht er mittlerweile selbst ziemlich ähnlich aus, wie diese krankhaften Bodybuilder…😉

Das Gleiche ist es mit Medikamenten:

Der eine wirft den anderen vor das er kifft oder sonst was, nimmt aber selbst brav jeden Tag seine Medikamente.
(Mir muss den Unterschied sowieso noch einmal jemand erklären warum Medikamente okay und illegale Drogen nicht okay sind🤷‍ Amphetamine z.B werden noch heute in der Medizin eingesetzt, als weißes Pulver ist es aber böse, Pfui, der Teufel🤦‍ Ich heiße Drogen deshalb ABSOLUT NICHT GUT, aber für mich ergibt sich da kein Unterschied zu legalen Medikamenten oder Alkohol – beides finde ich mindestens genauso schlimm und schädlich).