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3 Leitsyptome eine (K)PTBS: #3 Intrusion (2) – Wiederholungszwang

Wie angekündigt, soll es heute um die Trauma-Reinszenierung gehen. Eine Form der Intrusion, die sich u.a im Handeln des Menschen ausdrückt…

Was ist der Wiederholungszwang?

Freud prägte den Begriff Wiederholungszwang anfang des 20.Jh. In seiner Arbeit dazu setzte er sich mit den Fragen auseinander, warum so viele neurotische Patienten Verhaltensweisen, die ihnen nachweislich schaden, einfach nicht ablegen können und stattdessen immer wieder erneut reinszenieren. Dieses ganze Szenario der Reinszenierung war aber natürlich schon lange vor Freud bekannt.

Alles im Leben neigt nämlich eigentlich zur Wiederholung: Einatmen – Ausatmen. Leben – Vergehen. Das Pumpen unseres Herzens … Und auch unsere Psyche wiederholt Dinge, vor allem die, die sie nicht versteht. Nicht begreift. Dinge die unbewusst in uns schlummern. Und selbstverständlich haben sich diesem Thema schon viele Menschen gewidmet.

Ich meine, kennt ihr das nicht auch? Immer wieder landen wir in den gleichen Beziehungsmustern: Wir geraten wiederholt an Männer, die Gewalt an uns ausüben oder wir sind schon wieder an eine Frau gekommen, die uns fremdgeht. An Freunde die uns ausnutzen, wir werden immer wieder Opfer von Mobbing oder erleben stets aufs Neue wie wir ausgeschlossen werden. Es gibt Dinge an uns, die wir einfach nicht schaffen abzulegen und Situationen, die sich wie ein Fluch wiederholen und wir verstehen nicht warum das passiert...

Und gerade bei diesen sich wiederholenden Beziehungsmustern und Erlebnissen denke ich mir oft, dass es doch meine Schuld sein muss. Wenn es in alledem immer nur diese eine Konstante – und zwar mich – gibt, welche andere Schlussfolgerung bleibt einen da eigentlich auch noch? Es können ja schließlich nicht immer die anderen sein.

Aber genau dieses Prinzip der Wiederholung erklärt eben, dass wir nicht selbst SCHULD sind. Stattdessen sind wir handelende und agierende Figuren in unserem eigenen Leben. Wir tragen nicht die Schuld für das Verhalten anderer uns gegenüber. NIEMALS! Nein, es zeigt uns eher auf, dass wir nicht ewig Spielball unserer Umgebung bleiben müssen. Das wir selbst auch eine Rolle in unserem Leben spielen dürfen, statt das das nur die Wünsche und Gelüste anderer tun. Um Schuld geht es dabei überhaupt nicht.

Warum kommt es dazu?

,,Was man nicht versteht, lässt einen nicht los.

Finde ich genial und total passend diesen Satz. Guckt mal, ein Trauma ist nicht immer nur eine Vergew*ltigung, ein Überfall oder eine Naturkatastrophe. So viele Dinge wirken traumatisch auf uns ein. Die frühe Trennung von unseren Eltern, Konflikte in der Familie usw. Natürlich sind die Ausmaße anders, aber d.h ja nicht, dass so etwas keine Folgen hat. Solange etwas aber noch unbewusst ist, wir also gar nicht begreifen, dass es da überhaupt etwas gibt, was in uns schlummert. Solange können wir es auch nicht in der Vergangenheit lassen, abschließen damit und nehmen es stattdessen immer wieder mit in unsere Gegenwart.

Bisher geht man davon (und da ist die Forschung noch lange nicht am Ende angelangt), dass diese ständige Reinszenierung stattfindet, weil wir dadurch versuchen können, den Ausgang der Situation, heute anders zu gestalten. Themen die uns damals ohnmächtig machten und verletzt und verständnislos zurückließen, könnten so durch erneutes Erleben umgestaltet werden. Der Kerngedanke ist also neu erleben, ein positives Ende herbeiführen, unsere Macht zurück gewinnen und das Thema so integrieren.

NOCHMAL: Das meiste passiert davon völlig unbewusst! Tipps wie: ,,Nun such die halt einfach mal einen anständigen Mann“ bringen daher nicht viel. Rational ist uns bewusst was besser laufen könnte, aber da wir die Ursache hinter all dessen nicht verstehen, können wir auch nichts verändern.

Formen der Reinszenierung

Beispiel 1: Gefahrvolle Situationen

Zum Beispiel neige ich dazu, mich in durchaus gefährliche Situationen mit fremden Männern zu begeben. Ich stoße in sehr merkwürdige Gruppen dazu und ich provoziere. Extrem. Nie böswillig, aber ich tue es. Alles andere wäre gelogen. Ich merke das, kann es aber nicht stoppen. Oder ich tue sehr unüberlegte Sachen. Meist ging das gut aus (=mehr Glück als Verstand). Allerdings gab es eben auch Fälle, wo es nicht so gut ausging. Wo es zu Übergriffen kam, verschiedenster Art. Gewollt oder bewusst provoziert habe ich davon jedoch nie etwas.

Dennoch, wenn ich das heute versuche zu reflektieren: Wenn ich mich in diese Situationen begeben habe, hoffte ich, dachte ich, dass diese Leute anders sind. Sie nichts mit mir anstellen und mich einfach nur lieb haben. So wie ich bin. Egal wie ich bin. Ich wollte das Gefühl haben okay zu sein. Natürlich war das meistens nicht der Fall, da ich mich in einem sehr toxischen Umfeld befand. Aber mein unbewusster (!) Wunsch, dass ich angenommen und nicht benutzt werde, stand im Vordergrund und der war (ist?) so stark, dass ich alles andere ignorierte.

Beispiel 2: Beziehungsstrukturen (Bindungstrauma)

Meine Mutter war ein sehr narzisstischer Typ Mensch, genau so wie er im Buche steht. Die Welt drehte sich um sie. Als ich ein Baby war, hat mir meine Oma einmal erzählt, war sie unheimlich versessen auf mich. Kaum einer durfte mich überhaupt halten oder gar sehen. Ich war ihr Püppchen. Bis zu ca. 1 Jahr, hielt sie mich quasi „unter Verschluss“. Dann verlor sie die Lust. Sowas war üblich für meine Mutter. Danach empfand sie mich zunehmends als störend. Sie fing an einen richtigen Hass und Ekel auf mich zu richten und ließ mich diesen auch deutlich spüren.

In meinem Erwachsenenleben geriet ich nun immer wieder in Beziehungsmuster zu Menschen, die mich am Anfang unheimlich toll fanden. In den Himmel lobten und, lustigerweise, nach kurzer Zeit das Interesse verloren. Aber nicht nur das, sie fingen an mich abstoßend zu finden. Sie projizierten ihren ganzen Hass auf mich und ich habe noch NIE eine Erklärung bekommen, warum das eigentlich so ist bzw. war. Ich blieb stets lediglich zurück, mit dem schlechten Gefühl das ICH schlecht bin. Unausstehlich. Jemand, der alle anderen vertreibt. Den niemand will.

Das Ding ist, wenn ich das näher und ehrlich betrachte: Ich begebe mich immer wieder in Beziehungen (partnerschaftlich, wie aber auch freundschaftlich) zu Menschen, die ähnlich narzisstisch veranlagt sind. Da mein Selbstwert eigentlich noch nie wirklich weit oben war, stellt die schnelle Belobigung von diesen Menschen, das schnelle ‚geliebt-werden‘ etwas dar, nach dem ich mich regelrecht verzerre. Eine Beziehung ist stabiler wenn sie langsam aufgebaut wird, klar, aber wenn du nie wirklich echte Liebe erfahren hast, bist du wie ein Junkie auf Entzug. Du nimmst alles was dem gleich kommt und dessen Wirkung sofort einsetzt = Schnelle „Liebe“. Auch promiskuitives Verhalten spielt(e) da mit rein (bei mir zumindest früher).

Beispiel 3: Beziehungsstrukturen (benutzt werden)

Dieses Muster durschaute ich erst vor kurzem. Meine Therapeutin riet mir vll einfach mal eine Art „Familienaufstellung“ zu machen. Dabei schrieb ich zu jedem Familienmitglied auf, was mir gerade so dazu durch den Kopf ging. Wie ich die Beziehung empfand. Ohne etwas herunterzuspielen, aus der Sicht des anderen sehen zu wollen o.ä

Meinen Vater habe ich vergöttert. Wir saßen oft lange draußen am Lagerfeuer oder drinnen am Kamin und redeten meist die halbe bis ganze Nacht lang. Wir fuhren mit den Hunden spazieren, gingen gemeinsam einkaufen oder verschworen uns gegen meine Mutter (wenn er und sie Streit hatten). Tolle Erinnerungen, die ich auch heute noch behalten werde. Egal was war (und was vll noch war). Wir sprachen, seit ich winzig klein war, über Gott, Politik und Familiengeschichten. Wir philosophierten oftmals ewig darüber. Nun stelle man sich einen Knirps von 3 Jahren vor, der über Politik mitredet. Ich fand das super toll, als Kind. Ich fühlte mich wichtig. Als wichtigen Teil seines Lebens. Jedoch kann ich mich nicht daran erinnern, dass sich die Gespräche auch einmal ernsthaft um mich drehten. Um meine Gedanken und Wünsche und wenn, dann nur mit viel Spott von seitens meiner Eltern. Es gab auch nichts was ich ihm im Vertrauen hätte erzählen können. Alles wurde meiner Mutter erzählt und ja …

Im Gespräch mit meiner Therapeutin fiel mir dann auf: Mich seinen Gesprächen anzupassen, seinen Themen folgen, war damals als Kind, besser als gar kein Reden. Ein 3-Jähriges Kind interessiert sich aber nicht wirklich für Politik o.ä. Er jedoch hat mich schlicht einfach nur benutzt. Ich war sein Freund- und Partnerersatz.

Und dieses Muster verfolgte ich vor allem in meinen freundschaftlichen Beziehungen. Menschen, bei denen es ausschließlich um sie ging. Ich hatte da zu sein. Ihrer Befriedigung zu dienen. Sicher erhob ich auch mal das Wort, über mich. Nach spätestens 10min bekam ich jedoch meist gesagt, nun sei aber auch mal gut. Die Welt drehe sich nicht nur um mich. Oder für mich wichtige Themen wurden ganz fallen gelassen. Es wird einfach darüber geschwiegen oder nicht ernst genommen.

Reinszenierung im Kinderspiel

Ganz deutlich wird die Trauma-Reinszenierung bereits im kindlichen Spiel. Das normale kindliche Spielen ist flüssig, es ist leicht und unbeschwert und ja, auch traumatisierte Kinder spielen ganz viel, ganz normale Spiele! Die Trauma-Reinszenierung findet nicht permanent statt!

Wenn sie aber einsetzt, dann wird das kindliche Spiel sehr düster. Verhaltensweisen wiederholen sich zwanghaft und lassen sich kaum unterbrechen. Gerade wenn Kinder sexuelle Handlungen immer wieder nachspielen wird das sehr deutlich oder ein anders…

Beispiel: Eine alte Schulfreundin erzählte mir von einem Spiel bei ihr, zwischen uns. Wir spielten mit Stofftieren. Als ich dran war, starb meine Figur, was sie jetzt nicht so super fand [Generell sterben IMMER die Figuren, mit denen ich spiele. Zugegeben ist das bis heute oft so. Im Spiel mit der 4-Jährigen Tochter meiner Freundin musste ich mich letztens z.B extrem zusammenreißen, ihre süßen Bauernhof-Kühe und Pferde nicht qualvoll abnippeln zu lassen 🙈]. Sie fand das damals nicht so toll und wollte das Stofftier reanimieren. Tod war halt irgendwie ein doofes Spiel für Kinder in unserem Alter. Meine Stimmung änderte sich aber abrupt ins Düstere und Kalte: ,,Was tot ist, kann man nicht wiederbeleben! Das bleibt tot!„.

Etwas anderes ist z.B das ich fast schon manisch eine Hand oder Fuß von meinen Puppen und Spielfiguren entfernt habe. Blut spielte zudem eine extrem große Rolle. Ich malte immerzu alles rot an. Bei meinen Stofftieren (die ich liebte, schließlich passten sie nachts auf mich auf) war es jedoch so, dass ich sie dadurch versuchte immer wieder zu verarzten und zu retten. Ein sehr anderes düsteres Spiel war einmal, als wir noch ein Häuschen im Wald hatten. Ich zog meinen Puppen sämtliche Kleider aus, band sie so mit dem Kopf nach unten an die Bäume, rings ums Haus, und ließ sie da „als Strafe“ hängen. Oder meine Schwester hatte z.B einen großen Teddy in ihrem Spielzeit, den sie regelmäßig vergewaltigte. Wortwörtlich. Meine Eltern tauften ihn „liebevoll“ ihren „Fic*bär“.

Nein, sowas sind keine normalen Kinderspiele. Das Trauma muss darin nicht automatisch 1:1 wiedergegeben werden, aber irgendetwas stimmt da ganz sicher nicht zuhause.

Die Übertragung

Zum Beispiel denken wir unwillkommen zu sein oder das uns jemand nicht mag. Wir machen das an allerhand Dinge aus. Der Reaktion des anderen. Seinen Blicken. Einer zu langen Pause, bis die Antwort des Gegenüber kommt, usw. Dieses eigene Gefühl übertragen wir jetzt auf den anderen. Wir halten unsere Vermutung für die Realität. Nehmen wir z.B an, wir wären unwillkommen, dann verhalten wir uns distanziert, kühl, deprimiert, vll sogar ablehnend (nach dem Motto: ,,Angriff ist die beste Verteidigung„). Unser Gegenüber sieht die Situation jedoch ganz anders: Vll war er gestresst. Oder wegen etwas genervt, das ihm vorher durch den Kopf ging oder was er eben erlebt hat (einen Streit z.B). Nichts, was mit uns zu tun hat. Durch unsere Reaktion, hervorgehend aus unsere Angst/Befürchtung, provozieren wir jedoch nun genau die Reaktion, vor der wir ja eigentlich Angst haben und die wir vermeiden wollen.

Beispiel wieder: Ich reagiere unheimlich auf die Stimmungen anderer. Wird die Luft dick, warum auch immer, ist mein erster Gedanke: ,,DU hast etwas falsch gemacht! Du musst irgendetwas tun, um das wieder gerade zu biegen!“. Dann gibt es aber in mir diesen Teil, der darauf wirklich keine Lust mehr hat, es anderen Recht machen. Der nicht kapiert, warum er länger für die Launen anderer herhalten sollte. Also reagiert dieser Teil teilweise wirklich schon sehr pissig. Bevor sich dieser Teil erniedrigt (indem er sich anpasst), geht er lieber auf Abstand oder bricht den Kontakt ganz ab. Mein Gegenüber ist dadurch natürlich vor den Kopf gestoßen und denkt sich das gleiche, was ständig in mir rum geht: ,,Warum darf ich nicht auch mal schlecht drauf sein? Was soll das jetzt?! Gut, dann lass es halt!“

Ergo = Derjenige geht selbst auch auf Abstand. Was meine innere Überzeugung nicht richtig zu sein, etwas falsch gemacht zu haben, abgelehnt zu werden, wieder bestärkt: ,,Da, schon wieder! Siehste, alle hassen dich!“.

Der Crux bei allem

Die Frage, die ich mir dabei immer wieder stelle: ,,Wie schaffe ich es nur mir, aus der Fülle der Menschen und möglichen Situationen, immer wieder toxische herauszusuchen?“ Es ist ja nicht so, als würden sie ein klar sichtbares Schild vor sich her tragen, oder? Als würde ich aus 99 super Leuten, die eine giftige Schlange heraussuchen. Absichtlich…

Gehen wir nochmal auf das mit der schnellen Liebe ein: Auch Narzissten fehlt es chronisch an erlebter, erhaltener Liebe. An innerer Fülle. Das wonach ich mich sehne, geben sie sofort, weil sie ebenfalls das gleiche wollen. Man ergänzt sich also, auch wenn letztendlich die Ausprägungen unterschiedlich sind. Was dann wieder zu einer Menge gegenseitigem Leid führt (ja auch Narzissten leiden).

Es gibt sie also, diese Anzeichen. Anzeichen, die wir bewusst ignorieren oder sogar herunterspielen. Meist weil unser unbewusster Wunsch der Traumaauflösung, der Wunsch nach einem glücklichen Ende, uns alles andere ausblenden lässt. Umso mehr wir uns danach sehnen, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit in toxische Umstände zu geraten. Nach einer Studie von Diana Russel wurden z.B 60% der vergewaltigten Frauen, bereits im Kindesalter vom Vater oder anderen nahestehenden Personen missbraucht. Das Risiko wiederholt missbraucht zu werden, steigt bei bereits misshandelten Frauen (oder auch Männern, obwohl diese auch oft, nicht alle!, eher mit Aggression nach Außen reagieren) um mehr als das Doppelte!

Wir kennen diese (gefährlichen) Situationen ja bereits. Sie sind uns bekannt. Wir haben nie gelernt, dass wir auch Grenzen haben dürfen. Es existiert so gut wie kein Selbstschutz. Nein sagen? Du sagst nicht Nein als Kind! Das darfst du dir gar nicht erlauben. Dein physisches und psychisches Überleben hängt davon ab, zu gehorchen. Mitzuspielen.

Was können wir also heute tun? Wie das verändern?

Wir können es uns bewusst machen. Unsere Verhaltensweisen und Muster durchschauen. Sie erkenn- und erlebbar machen.

Je weniger uns etwas in uns bewusst ist, desto eher wird es auf die äußere Umgebung, auf Situationen und Personen übertragen. Wir können unsere Muster nicht verändern, wenn wir nicht wissen, warum sie so sind, wie sie sind.

,,Es ist, als würden wir versuchen uns von unserem eigenen Schatten zu lösen, indem wir immerzu nach vorn springen.“

So wahr und so treffend, dieses Zitat. Erst wenn uns unser Verhalten bewusst wird und es nicht mehr nur wie ein Automatismus im Hintergrund abläuft, können wir beginnen neue Strukturen aufzubauen.

Das Verstehen dieser Strukturen löst nicht unser Problem jetzt, sofort und auf der Stelle. Das ist, nach dem Erkennen, ein langer Weg. Aber nur wenn wir sie eben erstmal verstehen können, können wir auch sehen, welcher Schmerz, welches Thema dahinter liegt. Welcher Schmerz aufgelöst werden möchte. Dadurch erforschen wir auch unsere eigenen Grenzen näher und lernen sie so, langsam, auch für uns zu vertreten. Das Erkennen unserer eigenen Innenwelt hilft uns also, neue Muster aufzubauen und selbst-bewusster zu handeln. Nicht mehr nur Opfer zu sein.

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Drama Baby! 💃

,,Als ich mich heute an diesem Papier schnitt, ich sage dir, dass hat so sehr geblutet. Ich hatte solch höllische Schmerzen dabei! Als würde mein Finger im ewigen Fegefeuer brennen. Dann hat sich das entzündet und eigentlich hätte mein Finger ja bestimmt amputiert werden müssen, aber ich habe das irgendwie durchgestanden. Das war so schrecklich! Nein hör bloß auf – Wie kannst du jetzt von deinem Krebs reden, wo ich dir sowas schlimmes von mir erzähle?! Bin ich dir nicht wichtig? Machst du dir überhaupt keine Sorgen um mich?! Ich kann es nicht fassen wie rücksichtslos du bist!“

Was sind die Merkmale einer Histrionischen Persönlichkeitsstörung?

Die Betroffenen zeigen nach DSM ein tiefgreifendes Muster übermäßiger Emotionalität oder ein ständiges Streben nach Aufmerksamkeit. Die Störung beginnt zudem im frühen Erwachsenenalter und das Verhalten zeigt sich in verschiedensten Lebenssituationen. Nach DSM müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Die Betroffenen fühlen sich in Situationen, in denen sie nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, unwohl.
  • In Kontakten zu anderen verhalten sie sich oft unangemessen sexuell-verführerisch oder provokant.
  • Sie zeigen einen rasch wechselnden, oberflächlichen Gefühlsausdruck.
  • Sie nutzen regelmäßig ihr Aussehen, um die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen.
  • Sie haben einen übertrieben nach Eindruck heischenden, wenig detaillierten Sprachstil.
  • Ihr Verhalten ist dadurch charakterisiert, dass sie ihre eigene Person dramatisieren, theatralisch sind und ihre Gefühle übertrieben ausdrücken.
  • Die Betroffenen sind suggestibel, das heißt, durch andere Personen oder Umstände leicht beeinflussbar.
  • Sie fassen zwischenmenschliche Beziehungen als enger auf, als sie es tatsächlich sind.

Nach ICD-10 können weitere Merkmale vorkommen, die aber für eine Diagnosestellung nicht unbedingt erforderlich sind. Dazu gehören

  • ein egozentrisches und selbstbezogenes Verhalten
  • das ständige Verlangen nach Anerkennung
  • eine fehlende Bezugnahme auf andere
  • eine leichte Verletzbarkeit
  • ständiges manipulatives Verhalten.

Wie entsteht eine histrionische PS?

Wie immer wird eine Zusammenspiel aus genetischen, wie äußerlichen Ursachen vermutet.

Was ich daran sehr interessant finde ist, wie wir Menschen bzw. unsere Psyche so total unterschiedlich reagiert- Der eine entwickelt eine emotional-instabile PS, der andere eine narzisstische PS usw. und natürlich sind all diese Störungen später, sowohl für die Betroffenen wie aber auch für die Angehörigen, sehr problematisch. Das Faszinierende dabei ist jedoch, dass unsere Psyche ganz individuell, d.h mit der für die jeweilige Person einzig passende Art, auf ein bestehendes Problem reagiert.

Gerade bei Persönlichkeitsstörungen können wir z.B auch sehr gut das Umkehrprinzip anwenden – Wenn ein Mensch, wie im Falle des Histrioniker`s, sehr viel Aufmerksamkeit, also den Mittelpunkt braucht. Wenn er stark dramatisiert, um auf seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen (,,Hier bin ich! Hier! Sieh mich an!“) – Ja dann können mir uns doch fast vorstellen, wie es früher zuhause wohl ausgesehen haben mag.

Gerade wenn die Eltern vll sehr abweisend und wenig Emotionen im Spiel waren. Wenn sich das Kind nicht geliebt, gesehen und sicher gefühlt hat. Ich meine, wie sollst du denn so auch anders reagieren als Kind, als zu lernen dir dann die Aufmerksamkeit durch Zwang zu nehmen (siehe Manipulation, Drama, künstliche Krisen, Selbstbezogenheit, ect) ?

Die kognitive Verhaltenstherapie geht z.B auch davon aus, dass gerade dieses starke emotionale Verhalten und dieses ‚Um-sich-selbst-drehen‘ dazu führt, dass die Betroffenen weniger objektives Faktenwissen aufbauen oder auch eine konkrete Erinnerung beibehalten zu können (wie z.B auch: ,,Ist die neue Kellnerin wirklich meine neue beste Freundin oder war sie einfach nur nett und ich habe das überbewertet?“). Damit wäre auch die leichte Beeinflussbarkeit und die oberflächliche Denk- und Sprechweise zu erklären. Durch den schwachen Selbstwert neigen sie zudem wahrscheinlich auch schneller dazu, das Gefühl zu haben, dass sie andere brauchen um sich besser zu fühlen.

Betroffen sollen ungefähr 2-3% der Bevölkerung sein.

Behandlungsansätze

Viele Betroffene leiden oft zusätzlich unter Depressionen, psychosomatischen oder auch dissoziativen Beschwerden und suchen deshalb meist sogar von selbst einen Psychotherapeuten oder Psychiater auf.

Ich denke, wichtig ist da das die Betroffenen lernen tiefer in ihre Gefühle und ihr Erleben einzusteigen und diese Bedürfnisse dann auch adäquat zu äußern. Gerade dieses ganze Drama wird ja nur verwendet, weil die Gefühlswelt sich eben so oberflächlich abspielt und vielen vll auch einfach gar nicht klar ist, was sie wirklich fühlen und warum sie sich benehmen, wie sie es tun.
Und, wie bei allen Persönlichkeitsstörungen, ist es natürlich wichtig das sie lernen ihren Selbstwert aufzubauen. Das es eben nicht die anderen sind, die sie brauchen.

Was gibt’s noch zu sagen?

Oft finden sich Histrioniker in Schauspielberufen wieder, aber z.B auch bei vielen Dragqueens. Definitiv sage ich dazu, das es viele Dragqueens gibt, die das tatsächlich der Kunst wegen machen! Aber es finden sich eben auch Histrioniker darunter.

Und soviel Verständnis ich dafür auch habe, setzen mir gerade die egozentrischen Persönlichkeitsstile stark zu. Auch meine Oma tendiert z.B sehr stark in diese Richtung, obwohl ich eine histrionische Persönlichkeitsstörung direkt vll eher mal ausschließen möchte.
Meine Oma hat aber IMMER alles was du hast und zwar doppelt so stark.

Beispiel:
Ich saß am Tisch und mir fiel auf das ich einen riesigen blauen Fleck am Oberschenkel hatte und da ich gar nicht wusste wo der her kam, schaute ich darauf und sagte etwas irritiert: ,,Wo kommst du denn her?“ – Ihre Reaktion (obwohl ich auf sowas eigentlich nicht mal eine Reaktion erwarte): ,,Also ich hab ja auch wieder Thrombosen im Bein und ach das tut ja weh“ –> und schon drehte sich das Gespräch wieder um sie.
Oder sie ruft an und ich höre mich etwas zerknautscht an. Sie fragt warum und ich sage ihr das ich einfach nicht sehr gut geschlafen habe – ,,Also ich hab auch ganz furchtbar geschlafen! Ich musste mehrmals die Nacht aufstehen und dann ging es mir so schlecht dabei und dann hatte ich wieder dieses Vorhofflimmern. Die ganze Nacht ging das„….usw.

Egal wer etwas über sich erzählt, eine kurze, belanglose Anmerkung reicht und schwupp: Das Gespräch liegt wieder auf Ihrem Leiden und dies wird dann endlos durchgekaut.
Und das erträgt man eine Zeit, aber auf Dauer schlaucht das einfach nur.

Meine Oma denkt auch an andere, so ist es nicht, aber wenn es um Gefühle und emotionale Bedürfnisse geht dann ist sie sehr stark egozentrisch und sowas saugt dir eben viel Energie ab.

Auch tiefergreifende Gespräche sind einfach nicht möglich. Sie kann sich darauf nicht einlassen und das, was so ein Mensch in seiner Kindheit wohl an Einsamkeit gespürt hat (weshalb er nun eben immer im Mittelpunkt stehen möchte), gibt er so, als Erwachsener, an seine Umgebung weiter.
In ihrer Gegenwart fühle ich mich extrem einsam und allein und das obwohl ich gleichzeitig auch meine schönsten Kindheitserinnerungen mit ihr verbinde.

Ich finde das ist nicht Sinn der Sache – Wir sollten nicht weitergeben was wir selbst erfahren haben. Natürlich passiert sowas nur sehr selten bewusst (und das ist auch KEIN Vorwurf!), trotzdem müssen wir irgendwas tun – So kann es doch auf dieser Welt nicht mehr weitergehen 😒

Psychopathie

Psychopathie ist an sich keine eigenständige Diagnose, sondern gilt als sehr schwere Form der Antisozialen Persönlichkeitsstörung. Das Spektrum von psychischen Krankheiten ist ja immer sehr groß, da gibt es nicht den einen Depressiven, den einen Narzissten und auch nicht den einen antisozial Persönlichkeitsgestörten.

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A-PS – Psychopathie

Angefangen links bei einer leichten antisozialen Störung, liegt die Psychopathie ganz rechts außen und gilt daher als die schwerste Ausprägung der Antisozialen Persönlichkeitsstörung. Oft geht sie auch mit einer Borderline oder Narzisstischen Komorbidität einher.

📊 Was macht einen Psychopathen aus?

Im Prinzip alles was auch zur Antisozialen Persönlichkeitsstörung dazugehört und noch etwas mehr.
Also d.h:

  • kein Schuldbewusstsein und damit auch
    keine Reue oder ein schlechtes Gewissen
  • ein Gefühl von Überlegenheit, starkes
    Selbstbewußtsein, hohe Arroganz
  • kein Mitgefühl / keine emotionale Empathie
    auch hier gilt wieder: zu kognitiver Empathie
    sind sie sehr wohl fähig (diese umfasst die
    Fähigkeit, die Gefühle, Absichten, Motive und
    Gedanken des Gegenübers nachzuvollziehen,
    ohne dabei die Gefühle selbst
    nachzuempfinden oder die gleiche
    emotionale Reaktion zu zeigen), während sie
    sich aber nicht in andere hineinfühlen können.
    Sie wollen es nicht nur nicht, sie KÖNNEN es
    nicht.
    –> Wenn man z.B ein Video sieht wo sich
    jemand auf sehr schmerzhafte Weise den
    Arm bricht, dann zuckt man kurz zusammen
    oder schaut weg. Das ist eine völlig normale
    Reaktion, weil man sich kurzzeitig,
    unterbewusst, in denjenigen hineinversetzt
    und mitfühlt. Bei Psychopathen zeigt sich
    dort allerdings gar keine Regung. Nicht nur
    äußerlich, auch in ihrem Gehirn zeigen sich
    die gleichen Auswirkungen, wie wenn sie
    sich süße Tiervideos anschauen würden.
    Das Gleiche bei dem Wort „Vergewaltigung“,
    welches bei einem ’normalen‘ Menschen im
    Normalfall eine Reaktion auslöst, bei
    ihnen aber rein gar nichts passiert.
    Man könnte auch über weiße Teller
    sprechen, es kommt auf das Gleiche raus
  • sehr manipulativ + krankhafte Lügner, was
    leider oft auch ihren (oberflächlichen) Charme
    mit sich bringt –> also da werden
    Komplimente, Bewunderung, Beleidigungen
    ect. ganz gezielt eingesetzt und nicht weil sie
    es wirklich so empfinden
  • Rücksichtslosigkeit, Egozentrik und
    Machtausübung über andere
  • keine tiefen Gefühle, u.a keine Angst
    –> ein ganz wichtiger Punkt! Psychopathen
    sind nicht dazu fähig tiefere Gefühle zu
    empfinden. Die meiste Zeit herrscht dort
    drin einfach nur eine gähnende Leere,
    weshalb viele ständig darauf aus sind
    diese Gefühlsleere durch irgendwelche
    adrenalinhaltige Beschäftigung zu füllen.
    Sie wissen nicht wie man sich verhält,
    wenn man wütend oder traurig oder erfreut
    ist, weil sie keinen Zugriff auf diese
    Emotionen haben. Deshalb lesen sie auch
    so energisch andere, sie schauen sich ab
    wie man wann richtig reagiert. Was in
    welcher Situation angemessen ist, um
    nicht aufzufallen. Auch das Gefühl der
    Angst fällt darunter. Wenn ich keine Angst
    empfinde, dann stört mich auch kein
    riskantes Verhalten. Wenn ich einen Mord
    begehe, dann sitzt mir nicht die Angst im
    Nacken erwischt zu werden, ich empfinde
    kein schlechtes Gewissen oder denke an
    die Angehörigen. Ich empfinde einfach nur
    Neugierde und Interesse, was wohl
    passiert wenn ich dies und jenes tue.
    Wenn ich schon kein Mitgefühl empfinde,
    empfinden die meisten zumindest Angst
    vor Ärger, wenn sie ihre Ziele und
    Wünsche ungeniert durchsetzen. Aber
    was wenn ich auch keine Angst empfinde?
    (seht ihr, auch die Angst ist an sich nicht
    schlimm, nur die Angst im
    Ungleichgewicht).
    Wisst ihr, für uns hört
    sich das alles sehr schlimm an (was es
    auch ist), aber ich versuche mich in
    jemand hineinzuversetzen der keine
    echten Gefühle empfinden kann und ich
    glaube es ist schrecklich. Nicht das ich
    denke das der Psychopath sehr leidet (und
    selbst wenn, ändert das nichts für ihre
    Opfer) und ich glaube, Gefühle fänden
    viele davon wohl auch eher hinderlich,
    aber stellt euch vor da ist einfach nichts.
    Immer….
  • aufgrund dieser Emotionslosigkeit kommt
    sehr schnell Langeweile bei ihnen auf
  • viele wechselnde Sexualpartner, aufgrund das
    sie zu keinen tiefen Beziehungen fähig sind
  • impulsives Verhalten, aber ☝ sie sind meist
    sehr kontrolliert
  • Kriminell + fehlendes Verantwortungsgefühl
  • meist schon früh in der Kindheit
    Verhaltensauffällig

📊 Bin ich jetzt auch ein Psychopath?

Ich glaube zu jeder Störung oder Krankheit die es gibt, kommt einem der ein oder andere Punkt bekannt vor, dass ist wie wenn man Erkältungssymptome googelt und raus kommt Krebs 😌. Wer ein paar narzisstische oder antisoziale Züge hat ist noch nicht gleich schwer gestört oder gefährlich, all das sind ja immer auch nur Richtlinien. Vor allem kommt es immer auf die Stärke der Ausprägung der einzelnen Punkte an (anhand davon wird der Psychopathie-Wert übrigens auch gemessen). Als Faustregel lässt sich sagen: Wer selbst (echte) Sorge hat ein Soziopath oder Psychopath zu sein, der ist sehr, sehr wahrscheinlich keiner, ansonsten aber ab zum Doktor 😉.

📊 Wo ist der Unterschied zum Soziopathen
und Narzissten?

Gerade Narzissten verhalten sich sehr ähnlich den Soziopathen, dennoch liegt der Unterschied darin das Menschen mit einer Antisozialen Persönlichkeitsstörung BEWUSST manipulieren.

Narzissten manipulieren auch ohne Ende, aber oft tun sie das sehr unbewusst. Sie handeln einfach, machen sich darüber aber keine weiteren Gedanken (was das jetzt aber auch nicht unbedingt besser macht 🤔😌), während Sozio-/Psychopathen jedoch ganz gezielt und bewusst ihren Gegenüber manipulieren und beeinflussen.

Der nächste Punkt ist die Empathie: Narzissten sind schon zu Empathie fähig, nur haben sie selten Interesse diese einzusetzen. Warum auch? Dabei würde es sich ja nicht um sie drehen 🤷‍
Auch geht es dem Narzissten vorrangig darum seinen schwachen Selbstwert aufrecht zu erhalten, durch die Bestätigung und Bewunderung von Außen (sonst fällt er nicht selten in eine schwere, depressive Krise). Das findet der Psychopath zwar auch nett, ist ihm aber nicht wichtig. Er ist nicht auf die Bewunderung und Bestätigung seiner Umgebung angewiesen.

Der Unterschied vom Sozio- zum Psychopathen ist der, das sich Psychopathen teilweise um einiges besser unter Kontrolle haben. Deshalb fallen die sie auch viel weniger auf.

Soziopathen sind meist viel impulsiver, sehr cholerisch und flippen oft unkontrolliert aus. Das tun die Psychopathen auch alles, aber eben nicht so unkontrolliert. Soziopathen sind daher meist im Gefängnis anzutreffen, während die richtigen Psychopathen oft gar nicht direkt (offensichtlich) mit dem Gesetz in Konflikt kommen, oft hohe Ämter begleiten oder eben auch gewiefte Serienmorde begehen 😉.

Dann ist da noch das Thema mit der Angst bzw den Gefühlen. Bei Psychopathen ist die Störung, wie gesagt, sehr stark ausgeprägt, dass betrifft auch die Emotionen.
Außerdem geht man davon aus das bei Soziopathen der Hang zur Psychopathie nur gegeben ist, je nach Erziehung usw. aber nicht weiter ‚ausbrechen‘ muss/hätte müssen, d.h man schätzt das Menschen mit einer leichten bis mittleren antisozialen Persönlichkeitsstörung gemacht werden, während richtige, ausgewachsene Psychopathen entweder auch durch traumatische Erlebnisse entstehen oder aber direkt so auf die Welt kommen.

4-5% der Bevölkerung sollen, ganz nebenbei, betroffen sein.
Mit der Intelligenz hat das mit der Psychopathie aber übrigens nichts zu tun. Ich denke die Schlauen sind uns eher bekannt, aber auch Menschen mit durchschnittlichen oder sogar niedrigen IQ können davon betroffen sein.

📊 Ist jeder Psychopath ein Mörder?

Nein.
Wie schon erwähnt gibt es von allem unterschiedliche Ausprägungen.

  • Da gibt es zum einem die brutalen und sadistischen Psychopathen, worunter auch die sexuell-sadistischen fallen. Das z.B ist ein Punkt, wo ich meine, dass nicht alle Menschen, die Kinder vergewaltigen auch Pädophil sind und nicht alle Pädophilen, auch Psychopathen sein müssen (ich nehme hier Pädophile zu 0% in Schutz, mir gehts nur darum das es 1x Menschen mit angeborener pädophiler Neigung gibt, die aber nie ein Kind anfassen, dann welche mit dieser Neigung, die auch zu Tätern werden und dann Wesen, ich nenne die Dinger nicht Menschen 🤷‍, die einfach nur Spaß am Leid anderer haben). Dutroux war z.B so einer, aber auch in der SM-Szene kann man sie antreffen (natürlich ist aber nicht jeder da ein Psychopath).
  • Und dann gibt es die, denen es hauptsächlich um Geld und Macht geht. Nicht jeder Psychopath wird also auch zum Mörder. Viele finden sich tatsächlich in der Wirtschaft wieder und fallen in dem Sinne gar nicht weiter auf (naja, in diesem Bereich fallen sie einfach nicht auf, weil solches Verhalten als normal angesehen wird – moralisch stechen sie dennoch stark ins Auge). Sollte es aber erforderlich sein jemand zu töten, dann würden diese trotzdem nicht davor zurückschrecken.

Aber ☝, nicht nur irgendwo in der Politik, Wirtschaft oder im stillen Serienmörderkämmerlein sind sie anzutreffen.
Ehrlich gesagt ist es sehr wahrscheinlich das jeder von uns schon mal (mindestens) einen über den Weg gelaufen ist oder im laufe seines Lebens noch über den Weg laufen wird, d.h die leben auch mitten in der Gesellschaft. Und wie gesagt, nicht alle Psychopathen sind super schlau 😉


Antisoziale Persönlichkeitsstörung / Soziopathen

Was ist eine Antisoziale-PS?

Das markanteste Kennzeichen dieser Störung ist, dass die Betroffenen regelmässig soziale Normen missachten und ihre eigenen Wünsche und Ziele, ohne Rücksicht auf andere, durchsetzen.

Ein wichtiger, springender Punkt ist da auch das Thema Empathie: Studien kamen zu dem Schluss, dass Antisozial-Persönlichkeitsgestörte Menschen tatsächlich kaum bis gar nicht zu Empathie fähig sind (was aber natürlich wieder nicht pauschal für alle zu sagen ist – Studien decken immer nur einen Teil ab). Ihr Gehirn ist ganz einfach nicht im Stande Empathie zu erzeugen. Das ist übrigens der entscheidende Unterschied zum Narzissten, denn diese sind sehr wohl in der Lage Empathie zu empfinden, „wollen“ (was auch oft Traumabedingt und nur eine Schutzfunktion ist!) es nur aber oft ganz einfach nicht, da sie keinen speziellen Nutzen für sich selbst darin sehen.

Desweiteren sind antisozialgestörte Menschen also auch nicht in der Lage dazu, sich in andere hineinzuversetzen, sie empfinden deshalb auch keine Schuld, Reue oder ein schlechtes Gewissen. Das sind alles Eigenschaften die den „Normal“bürger im Regelfall von Straftaten abhalten, also das sich in andere hineinversetzen, was tue ich dem anderen damit an usw. Da das dort aber nicht gegeben ist und zudem eine hohe Risikobereitschaft besteht, werden viele der Betroffenen sehr oft strafrechtlich auffällig. Sie stehlen, rauben, randalieren, prügeln und misshandeln.

[Ich wiederhole aber nochmal! : Das ist die grobe Beschreibung der Störung, nach ICD-10 und DSM-5, und nicht alles lässt sich in jedem Fall auf alle und jeden übertragen!]

Dieses aggressive Verhalten, zudem geprägt von einer niedrigen Frustrationsgrenze (plötzliches, schnelles Ausflippen), zeigt sich oft schon im Kindes- oder Jugendalter, wo die Kids dann Sachen zerstören, randalieren, sehr aufmüpfig werden, lügen, ständig Regeln missachten usw.

Dadurch das sie einfach kein Verständnis dafür haben warum es Regeln gibt und diese für ein gesundes Zusammenleben wichtig sind, das sie keine Schuldgefühle empfinden (schließlich wollen sie etwas und setzen es durch, sie verstehen nicht wo da das Problem liegen soll) und daher auch zu keiner Einsicht möglich sind (denn dafür bräuchten sie eben ein gewisses Maß an Empathie), greifen bei ihnen auch keine Bestrafungsmaßnahmen. Sie lernen daraus nichts und werden, nach ihrer Strafe, das Gleiche wieder tun – nämlich ihre eigenen Wünsche durchsetzen, denn sie verstehen den Sinn dahinter nicht, es nicht zu tun.

Nur weil Soziopathen aber nicht fähig sind die Gefühle anderer emotional zu verstehen, heißt das nicht das sie sie nicht kognitiv verstehen können. Ganz im Gegenteil sind sie darin meistens sogar wahre Meister.

Kognitive Empathie

Schaut, wenn du dich nicht in andere hineinversetzen kannst (ein gewisses Maß an Empathie haben wir ja sonst alle, egal ob wir es nun nutzen oder nicht), nicht mal annähernd, dann bist du quasi behindert im sozialen Leben. Das zwischenmenschliche ist das was unsere Kommunikation eigentlich bestimmt, nicht die Worte die wir sagen.

Nun musst du also einen Weg finden um in diesem zwischenmenschlichen Leben nicht weiter behindert zu sein. Ein Mensch dem der Arm fehlt, bekommt z.B eine Protese. Ein Mensch der andere nicht fühlen kann, muss lernen Sie zu lesen, vor allem wenn das wichtig ist um die eigenen Ziele durchzusetzen. Er liest sie wie ein Computer: ,,Sie sagen sie haben Angst, wie schauen sie dabei? Was sagen sie? Wie verhalten sie sich?“ – Er achtet auf Mikroimpressionen, auf (dir) unbewusste Gestiken und Mimiken, genau auf deine Worte.

Das kognitive Verständnis, wie du dich fühlst ist also da. Da er es aber nicht selbst fühlt, könnte er in vielen Fällen dieses Wissen evtl. nicht nutzen um dir zu helfen oder dich aus Herzen zu unterstützen, sondern könnte es für seine eigenen Zwecke einsetzen.

Genau dieses lesen und daher die Emotionen des anderen erkennen können, lässt ihn oft sehr charmant wirken. Merkt euch, dass sowohl Soziopathen wie auch Psychopathen ein nahezu perfektes Schauspiel nach außen tragen können. Sie können polarisieren und eine umwerfende Ausstrahlung haben, die Maske fällt dann meist erst im Privaten.

Wo wir auch schon zum nächsten Punkt kommen:
Antisozialgestörte Menschen müssen nicht zwangsläufig immer strafrechtlich auffallen oder gar im Gefängnis landen (wenn auch sie dort einen sehr großen Teil ausmachen). Sie können sogar sozial relativ gut angepasst und in ihrem Beruf sehr erfolgreich sein.

Wusstest ihr z.B (ihr wusstet es bestimmt 😂) das sehr viele (aber natürlich nicht alle!) Manager, Prominente, Firmenchefs und Politiker das Bild einer narzisstischen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung voll erfüllen? (Surprise 🥳) –> natürlich sag ich nicht welche, wegen Ferndiagnose und so 😉

Was sind nun die genauen Kriterien dafür ?

Nach ICD-10 liegen Auffälligkeiten des Charakters vor, nämlich Egozentrik, mangelndes Einfühlungsvermögen und eine mangelnde Gewissensbildung. Kriminelle Handlungen können vorkommen, sind aber für die Diagnose nicht zwingend erforderlich, zudem müssen mindestens 3 der folgenden Punkte zutreffen:

  • Die Betroffenen haben ein mangelndes Einfühlungsvermögen und zeigen Gefühlskälte gegenüber anderen.
  • Sie missachten wiederholt soziale Normen.
  • Sie haben eine Schwäche, Beziehungen und Bindungen zu anderen aufzubauen.
  • Sie haben eine geringe Frustrationstoleranz und verhalten sich oft impulsiv oder aggressiv.
  • Die Betroffenen empfinden nur geringe oder keine Schuldgefühle und sind unfähig zu sozialem Lernen.
  • Sie geben oft eine vordergründige Erklärung für ihr eigenes Verhalten ab und neigen dazu, andere unberechtigt zu beschuldigen.
  • Sie sind anhaltend reizbar.

Und nach dem DSM-5 zeigen solche Menschen ein tiefgreifendes Muster der Missachtung und Verletzung der Rechte anderer. Um die Diagnose zu stellen, muss die betroffene Person mindestens 18 Jahre alt sein. Das auffällige Verhalten besteht aber schon mindestens seit dem 15. Lebensjahr, und auch vorher war bereits eine Störung des Sozialverhaltens erkennbar. Die Symptome treten außerdem nicht im Verlauf einer Schizophrenie oder einer manischen Episode auf. Nach DSM müssen mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Die Betroffenen sind nicht in der Lage, sich an Gesetze und gesellschaftliche Normen anzupassen. Dies zeigt sich darin, dass sie wiederholt Handlungen begehen, die einen Grund für eine Festnahme darstellen.
  • Sie verhalten sich falsch, indem sie wiederholt lügen, betrügen oder Decknamen gebrauchen. Dieses Verhalten dient allein dem persönlichen Vorteil oder dem eigenen Vergnügen.
  • Sie sind impulsiv und nicht in der Lage, vorausschauend zu planen. Sie sind reizbar und aggressiv, was sich in wiederholten Schlägereien oder Überfällen äußert.
  • Sie missachten rücksichtslos ihre eigene Sicherheit und die Sicherheit anderer.
  • Sie verhalten sich durchgängig verantwortungslos und sind zum Beispiel nicht in der Lage, eine dauerhafte Tätigkeit auszuüben oder finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.
  • Die Betroffenen zeigen keine Reue, wenn sie andere Menschen gekränkt, misshandelt oder bestohlen haben. Dies zeigt sich in Gleichgültigkeit oder einer rationalen Haltung gegenüber den Ereignissen.

Gibt es Heilungschancen?

Ganz ehrlich?
Nein. Da es eine Persönlichkeitsstörung ist.

Man kann versuchen, und das wird viel in Gefängnissen getan, gewisse Sozialkompetenzen sowie die Impulskontrolle zu stärken. Einen völlig gesunden Menschen mit Einfühlungsvermögen usw. bekommt man dadurch aber nicht raus. Wie immer ist der Eigenantrieb wichtig. Will der Betroffene selbst eine Änderung, ist der größte Schritt schon getan, allerdings kommt das dort eher relativ selten vor. Viele, die in Therapie sind, sind es nur weil sie es als Auflage vom Gericht ect. bekommen haben. Die Erfolgsaussichten einer Therapie könnt ihr euch dort also ausrechnen.

Solltet ihr euch mit einem solchen Menschen in einer Beziehung befinden (auch familiär) dann achtet bitte gut auf euch. Ja, man kann zusammenleben und wenn der Wille da ist, kann das auch gut klappen. Wenn euch aber geschadet wird (emotional und/oder physisch), sucht einfach das Weite und glaubt nicht daran, dass ihr bald Hollywoods Superschnuckel zuhause sitzen haben werdet, wenn ihr es demjenigen nur recht genug macht. Das wäre Utopie.

Wie entsteht sowas?

Das Gleiche wie immer: Genetisch, durch die Umgebung und Erlebnisse usw.

Man geht davon aus das so eine Störung häufiger auftritt, wenn sie bereits bei einem Elternteil vorlag, was dann aber natürlich auch heißt das die Kindheit dementsprechend gewesen sein muss. Was dann auch schon der nächste Punkt ist:

Sehr viele haben eine sehr schlimme Vergangenheit, geprägt von Angst, Hass und Gewalt. Ich möchte da aber nochmal anmerken das es nicht alle sind ☝, also die Eltern sind jetzt nicht immer pauschal dafür zu verurteilen. Das ist genauso bei Narzissten. Nicht immer müssen die Eltern an allem Schuld sein, sondern es kann auch andere Gründe dafür geben (wenn auch nicht so oft). Bei vielen liegt aber ein Trauma zugrunde.

Es wurde außerdem festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit für antisoziales Verhalten erhöht ist, wenn eine bestimmte Genvariante und körperliche Misshandlung bzw. Missbrauch in der Kindheit zusammenkommen. Auch ADHS bei Kindern kann die Störung im Erwachsenenalter (zusätzlich zu den anderen Faktoren) begünstigen.


Hier noch ein Zitat:


,,Aus Sicht der Psychoanalyse haben die Betroffenen in der Kindheit einen Mangel an elterlicher Liebe erlebt und konnten deshalb kein „Urvertrauen“ zu anderen entwickeln. Dadurch können sie keine emotionalen Bindungen eingehen und entwickeln nur Beziehungen, in denen sie Macht ausüben können oder sich zerstörerisch verhalten“

„Die kognitive Verhaltenstherapie geht davon aus, dass auch Lernfaktoren bei der Störung eine Rolle spielen. So haben die Betroffenen das Verhalten möglicherweise von ihren Eltern übernommen. Es könnte auch sein, dass die Eltern aggressivem Verhalten besondere Aufmerksamkeit geschenkt haben oder rücksichtsloses, aggressives oder egoistisches Verhalten nicht unterbunden haben. Dieses Verhalten wurde somit belohnt und tritt in der Folge häufiger auf.“
–> Meine persönliche Meinung ist, das „antrainieren“, glaube ich, nicht ausreicht. Für das Problem mit der nicht vorhandenen Empathie, müssen schon genetische/physische Faktoren eine entscheidende Rolle mit spielen. Wie gesagt, dass ist aber nur meine Meinung als Laie.“

Betroffen sind übrigens 1 – 4% der Bevölkerung (überlegt mal WIE VIELE das sind 😨?!). Männer sind, Schätzungen zuweise, doppelt so häufig betroffen wie Frauen

Alles in allem glaube ich, dass sowohl Betroffene wie Angehörige sehr darunter zu leiden haben und am Ende können wir nur alles tun, präventiv zu arbeiten und dafür Sorge tragen, dass so viele schlimme, psychische Störungen viel weniger auftreten. Auch diese Menschen leiden, auch wenn man es als Opfer deren Verhaltns, oft gar nicht so wahrnimmt…

Gaslighting – Was ist das?

Gaslighting ist eine schwere Form der psychischen Gewalt, wobei der Täter, durch Macht und Kontrolle, sein Opfer soweit manipuliert, dass dieses seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr glaubt und beginnt die Wahrnehmung des Täters anzunehmen.

Soweit so gut, schauen wir uns das ganze aber einmal näher an:

Wer übt Gaslighting aus?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt:

Gaslighting (oder, ,,emotionale Manipulation“) ist DAS Standardwerkzeug von Narzissten, Sozi- und Psychopathen, aber ☝ auch „normale“ Menschen können es anwenden, d.h wenn du feststellst das dein Partner, deine Mutter, dein Chef, … solche Verhaltensweisen an den Tag legt, dann muss er/sie deshalb nicht gleich ein Narzisst o.ä sein.

Gaslighting wird, wider erwarten, nämlich meist gar nicht so bewusst benutzt, sondern geschieht oft ohne das der Gegenüber direkt eine bewusste Manipulation geplant hatte (was es aber auch nicht wirklich besser macht 😅 – Selbstreflexion könnte da helfen 😌).
Vor allem wenn man solche Verhaltensweisen von Anfang an durchgehen lässt und darauf einsteigt, können sie sich in einer Beziehung verfestigen und einen Automatismus annehmen.

Die 3 Phasen des Gaslighting

Phase 1.) Die Anfangsphase – es passiert
nur hin und wieder

Deine Standardreaktion: ,,Wovon redest du überhaupt?“

Beispiel: Du unterhälst dich nur mit jemand des anderen Geschlechts. Dein Partner ist rasend eifersüchtig und der Meinung du hättest hemmungslos geflirtet. Ein Nicht-Gaslighter würde nun vll sagen ,,Na gut, ICH habe ein Problem mit meiner Eifersucht, wahrscheinlich wollte er/sie mich mit seinem/ihrem Verhalten aber gar nicht verletzen.“

Der Gaslighter würde dagegen jedoch nie auf die Idee kommen das es eigentlich um seine Eifersucht, Unsicherheit und Paranoia geht. Er wird der Meinung sein, dass ER leidet unter deinem Verhalten und daran ist nur einer Schuld – DU! Du bist schuld, weil du in Wirklichkeit auf seine Gefühle scheißt. Ja ganz richtig, du willst ihn nur verletzen und machst das doch absichtlich! Aber es reicht nicht das er deine Boshaftigkeit nur erkannt hat, nein er wird auch noch alles dafür tun das du ihm zustimmst, wie boshaft du bist. Stimmst du ihm nicht zu, dann reagiert er strafend mit stundenlangen Beleidigungen, Drohungen, Beschimpfungen, Brüllen, Schweigen, usw.

Eine tatsächlich logische Reaktion darauf ist sich zu rechtfertigen: ,,Schatz, ich habe mit ihm/ihr nicht geflirtet. Wir haben uns nur ganz normal unterhalten. Wie kommst du nur darauf das ich dich absichtlich verletzen will?!“ –> Ein Nicht-Gaslighter würde jetzt vll sagen ,,Okay, ich glaube dir. Es tut mir leid, meine Eifersucht geht manchmal mit mir durch. Ich versuche das besser in den Griff zu bekommen.“

Dem Gaslighter wiederum würde das niemals einfallen. DU hast etwas falsch gemacht und DU musst das genauso sehen wie er. Wenn du es nicht so siehst und ihm nicht zustimmst, dann bist du in Wirklichkeit noch boshafter als angenommen, dann willst du ihn scheinbar noch mehr leiden sehen. Wie kannst du ihn/sie nur anlügen?! Perfide wird es dann wenn dir der Gaslighter plötzlich vorwirft DU würdest SEINE Wahrnehmung verdrehen wollen.

❗ In Phase 1 wunderst du dich noch über den Gasl. Wenn er dich kritisiert, einschüchtert, dir etwas vorwirft, usw. sagst du: ,,Ach komm schon“ oder ,,Das stimmt doch nicht“ (Rechtfertigung)
–> Du hast noch immer deine eigene Perspektive und fragst dich ,,Was stimmt mit IHM nicht?“

Ein weiteres Beispiel:

Ich räumte immer morgens die Küche auf. Irgendwann behauptete mein Freund jedoch er müsse das jeden Tag tun, wenn er von der Arbeit kommt und ich würde überhaupt nichts machen. Ich wusste jedoch ganz genau das ICH das jeden Morgen mache. ICH mit MEINEN Händen und das die Küche sauber war, wenn er kam. Er war allerdings der festen Überzeugung das er alles machen musste und da gab es auch keinen Weg, kein Argument ihm zu versichern das ICH es doch eigentlich erledige. Ich war nicht nur faul und ließ ihn mit dem Haushalt allein, sondern log ihn auch noch frech an…Das war seine Sicht und davon ließ er nicht ab.

❗SEINE Wahrnehmung war die einzig richtige. Eine andere Wahrnehmung existiert für den Gaslighter nicht. Er denkt etwas von dir und dann ist das eben so und das wird solange wiederholt bis du zustimmst.
Und irgendwann fragst du dich dann…

Phase 2.) Was stimmt mit MIR nicht?

Gaslighting funktioniert nur wenn wir uns auch darauf einlassen, d.h zum Gaslighting gehören immer 2.

Während wir in Phase 1 noch versuchen für unsere Meinung einzustehen und einen Kompromiss mit dem Gasl. zu finden, beginnen wir in Phase 2 nun immer mehr die Situation aus seiner Perspektive zu betrachten (,,Ich würde mich auch nicht gut fühlen an seiner Stelle. Ich kann ihn ja verstehen. Vll habe ich mich wirklich falsch verhalten.“) und versteht mich da nicht falsch. Dinge aus der Perspektive des anderen betrachten zu können, ist eine wichtige empathische Eigenschaft. Gefährlich wird es erst, wenn wir beginnen unsere eigene Perspektive dafür hintenanzustellen bzw. gar nicht mehr zu beachten.

Wir verstehen also unseren Gegenüber und da wir mit ihm in irgendeiner Vertrauensbeziehung (wichtig☝sonst funktioniert das Gasl. nicht) stehen, wollen wir meist auch von ihm/ihr anerkannt werden. Wir wollen das derjenige uns als guter/tüchtiger/liebenswerter…. Mensch betrachtet, jedoch hat dieser ja ständig etwas auszusetzen.

Nun geben wir uns also umso mehr Mühe demjenigen gerecht zu werden, natürlich auch aus Angst vor der Ablehnung, dem Brüllen usw. das sonst folgt.

Wenn er/sie nun also findet das: ,,…Ich so spät zu Bett gehe, um ihn/sie damit zu ärgern, vll ist das dann auch so? Mich würde das ja auch stören und klar, ich will ihn/sie nicht bewusst ärgern, aber was ist wenn ich es unterbewusst doch irgendwie will und tue? Vll merke ich es ja nur nicht?“
–> Hier fängt der Punkt an, wo man nicht mehr seine/ihre Wahrnehmung der Dinge in Frage stellt, sondern seine eigene. Man beginnt an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln.

Und wenn du dir noch so sicher bist, dass es nicht stimmt was er/sie sagt: „Was ist wenn er/sie doch ein bisschen recht hat?“ – ,,Vll sehe ja doch ICH die Sache falsch und nicht er/sie?“.

Der Gasl. will immer Recht haben und er wird versuchen dieses Recht mit aller Gewalt durchzusetzen. Entweder brüllt er dich in Grund und Boden oder er redet solange nicht mehr mit dir, bis du ihm zustimmst oder er beschimpft dich, erniedrigt dich, sagt dir immer wieder wie dumm du bist usw.
==> Er (der Gasl.) konditioniert dich darauf, zu denken wie er!

Du wirst versuchen diese übertriebenen Reaktionen zu vermeiden – du wirst dich anpassen. Wenn er/sie findet du flirtest mit jedem, dann versuchst du vll Gespräche mit Fremden zu vermeiden, um ihn/sie nicht zu verärgern und dem drohenden Streit aus dem Weg zu gehen. Oder du wirst perfektionistisch, um bloß keinen Fehler zu machen. Du möchtest ein Problem ansprechen oder möchtest vll wegfahren/ausgehen, aber du hast Angst vor seiner/ihrer Reaktion bzw weißt wie er/sie darüber denken wird, also lässt du es besser: ,,So wichtig war es ja eigentlich eh nicht“…

➡️ Du gibst dich Stück für Stück immer mehr selbst auf. Seine Wahrnehmung wird langsam zu deiner Wahrnehmung (,,Er/sie hat schon recht, irgendwie flirte ich wirklich mit jedem. Scheinbar merke ich das gar nicht. Wie schlimm ich bin!“ oder ,,Vll bin ich wirklich so dumm wie er/sie sagt“)

Phase 3.) Du übernimmst vollends die
Wahrnehmung des Gaslighters

Während du in Phase 1 noch versuchst den Gasl. zu überzeugen das er unrecht hat, wächst der Drang nach Verschmelzung in Phase 2 schon immer mehr. Du versuchst es ihm/ihr immer öfter recht zu machen. In Phase 3 jedoch ist der Drang nach Verschmelzung am größten geworden, du willst nur noch endlich seine/ihre Anerkennung bzw Liebe.

Du wirst apathisch und hast weder Energie noch Lust dem Gasl. zu widersprechen (,,Wozu auch, er hat doch recht?“). Wenn er/sie sagt du bist dumm oder unnütz, dann wird das auch so sein.

Du hast dich so sehr angestrengt und trotzdem kannst du ihm/ihr nicht gerecht werden. Weil derjenige schon von Anfang an völlig verklärt wurde (,,Der perfekte Mann!“ – ,,So eine aufopferungsvolle Mutter“…), bleibt die einzige Schlussfolgerung für das Opfer das nicht der Gasl. das Problem ist, sondern das Opfer selbst.
Er sagt die Dinge also nicht mehr nur, DU glaubst sie selbst.

–> Bsp. Er/sie ist von etwas verletzt:

Phase 1 = Du rechtfertigst dich ,,Ich hab das
nicht böse gemeint“

Phase 2 = Du glaubst du könntest vll schuld
sein

Phase 3 = Du WEIßT du bist schuld

Er sagt der Himmel ist grün, also glaubst DU der Himmel ist grün. Klar, du schaust hoch und er sieht blau aus, aber dann siehst DU eben falsch, irgendwas stimmt mit DIR nicht. Der Gasl. kann nicht unrecht haben.

Der Gasl. hat also recht und du unrecht, ist dort die Einstellung – sowohl vom Opfer, wie auch vom Täter. Im Prinzip leidest du unter einer Art der Gehirnwäsche.

Gaslighting ist schwerer emotionaler Missbrauch und keine Lappalie, wie man nun merken kann. Und tatsächlich verläuft alles ganz schleichend. Die Folgen in dieser Phase können nicht selten (schwere) Depressionen, Angstzustände, zerstörtes Selbstwertgefühl, (K)PTBS, körperliche Leiden usw. sein.

Frauen oder Männer, die vorher mitten im Leben standen und erfolgreich waren, können nach so etwas nur noch ein Schatten ihrer selbst sein, also vorsichtig wer mit dem Finger auf andere zeigt und der Meinung ist, ihm könnte das niemals passieren

(Zum 2. Teil: ,,Gaslighting – Wie wir uns daraus befreien“ geht’s Hier)

Buchhinweis:

–> ,,Der Gaslight-Effekt“ von Dr. Robin Stern (sehr empfehlenswert!)