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Täterintrojekte

Was sind Projektionen?

Wir alle kennen sie – Projektionen.
Wir haben auf der einen Seite den Projektor stehen und dieser wirft sein Bild/Film auf die ihm gegenüberliegende Leinwand.

Im Falle von uns Menschen ist das so, dass wir oft viele unserer innersten Verhaltensweisen, Wünsche, Begierden, Abneigungen ect. auf die uns gegenüberstehende Person projizieren. Wenn nun ein Mensch z.B sehr eifersüchtig ist, kann es passieren das ihm genau diese Verhaltensweise an seinem Partner besonders auffällt und er diese ausgesprochen oft kritisiert, ohne zu merken das es eigentlich sein eigenes Verhalten ist, welches ihn stört.

Er projiziert etwas aus seinem Innersten auf die ihm gegenüberliegende Leinwand, sieht dort den (in diesem Fall unangenehmen) Film ablaufen und bildet sich nun ein, er käme von der Leinwand selbst, ohne aber zu merken das dieser Film eigentlich von ihm stammt.

Was ist nun Introjekte?

Eine Introjektion ist nun genau das Gegenteil.

Wir nehmen eine Verhaltens- oder Denkweise von unserem Gegenüber, in unser Innerstes auf und denken nun es käme von uns selbst.


Beispiel:

In meinem Kopf steckt immer wieder dieser Gedanke “Du lügst! Sei still, dir glaubt sowieso keiner.”

Ich persönlich bin ein Mensch der sehr gerne analysiert, für mich ist das essentiell wichtig, um zu wissen warum was wie geschieht. Also bin ich der ganzen Sache einmal auf die Spur gegangen…

Tatsächlich war es so das ich früher als Kind sehr viel gelogen habe. Ich denke ich habe die ganze Bandbreite durch, was man seinen Mitschülern und Lehrern so erzählen kann, warum man wieder nicht zur Schule kommt oder nicht am Sportunterricht teilnimmt 😅. Und auch in anderen Gelegenheiten habe ich oft gelogen, da sich die Wahrheit selten positiv anbot. Schlussfolgerung wäre jetzt also das ich aus der Erfahrung mit mir selbst weiß das ich oft gelogen habe und dies sich daher in mir verfestigt hat, also der Gedanke das ich lüge.

Nun ist das aber schon lange nicht mehr der Fall, d.h ich weiß selbst ganz genau wann ich die Wahrheit sage und wann nicht und warum ich das tue. Wenn ich nun etwas erzähle das der Wahrheit entspricht, weiß ich das ich dies aus meiner inneren Überzeugung (aufgrund von Fakten oder meiner persönlichen Meinung) stammt und nicht gelogen ist. Umso wichtiger mir das Erzählte aber ist, umso größer ist dieses Innere “Du lügst!”.

Rational gesehen ergibt das überhaupt keinen Sinn, da ich alleine durch die innere Selbstbeobachtung so ein selbst eingebautes Programm längst durchbrochen hätte.
Wenn ich in dem Moment wo ich etwas sage zu 100% weiß das es der Wahrheit entspricht, ist es vollkommen unlogisch das ich mir selbst vorwerfe zu lügen.

Anders sieht es aber aus wenn ich diese Botschaft aus dem Außen so verinnerlicht habe, das ich nun denke ich würde es mir selbst sagen bzw. denken.
DAS ist ein Täterintrojekt.

Ein anderes Beispiel:

Männer (natürlich auch Frauen) die in ihrer Kindheit geschlagen wurden oder gesehen haben wie z.B ihre Mutter geschlagen wird, neigen sehr häufig dazu selbst ihre Kinder und/oder Frauen zu schlagen (täterimitierendes Verhalten).

Warum sie das tun, wissen sie meist selbst nicht wirklich. Natürlich spielen da noch einige andere Faktoren eine Rolle, wie mangelnde Impulskontrolle, falsche Wutkompensation, …. Trotz alledem steckt meist der Täter noch immer in ihnen bzw. in ihrem Verhalten.
Das Gleiche gilt für Sexualverbrechen – die meisten Sexualverbrecher waren in ihrer Kindheit selbst in irgendeiner Form Opfer von sexueller Gewalt.

❗Wichtig❗➡ unsere Vergangenheit ist lediglich eine Erklärung für unser heutiges Verhalten, NIEMALS eine Entschuldigung!
Aufgrund der Erkenntnise über unsere Vergangenheit können wir unsere derzeitigen Verhaltensweisen bearbeiten und zum Positiven verändern, wer aber etwas Schlechtes tut und ganz genau weiß das es schlecht ist, kann nicht aufgrund seiner schlechten Vergangenheit mit einer milden Strafe rechnen! Ihr seid nun erwachsen und verantwortlich für das was ihr anstellt und diese Verantwortung müsst ihr auch übernehmen!

Noch ein Beispiel:
Viele Frauen (und natürlich wieder Männer) kenne diesen inneren Gedankengang “Du bist nichts wert” oder “Du bist nicht gut genug”.

Auch das ist ein Täterintrojekt.

Unsere Eltern oder Großeltern müssen solche Botschaften nicht immer gezielt bösartig eingesetzt haben. Oft werden solche Botschaften sogar sehr subtil vermittelt, durch Situationen und Sätze wie: “Musst du immer so schlechte Noten schreiben?!” ; “Warum musst du dich immer so benehmen?!” ; “Reiß dich zusammen, wenn die anderen das können, kannst du das auch!” oder “Wenn du dich so benimmst, wird dich nie ein(e) Mann/Frau wollen” usw usf.

Ich sag es nochmal: Eltern müssen das nicht böse meinen und in den wenigsten Fällen ist ihnen überhaupt bewusst, was sie da anrichten. Viele geben auch nur weiter was sie selbst erfahren haben. Es geht auch nicht um Schuldzuweisungen, wichtig ist aber für uns zu verstehen, das diese Gedanken NICHT WIR SELBST sind. Nur dann können wir sie durchbrechen.

Was können wir dagegen tun?

Auch Täterintrojekte sind “Programme” (nicht im Sinne der rituellen Programmierung!) die wir hacken können und dazu brauchen wir nicht einmal den Täter.

Achtsamkeit spielt da eine extrem große Rolle. Wichtig ist ja erst einmal herauszufinden welche Meinung und Worte überhaupt zu uns gehören und welche zu denen gehören die uns immer und immer wieder solche Botschaften vermittelt haben. Mir hilft es ab und zu meinen (destruktiven) Gedanken zu folgen, um herauszufinden woher sie kommen und warum sie da sind.

Beispiel:
Warum sollte ich mir selbst sagen das ich schlecht bin, woher kommt das? Warum tue ich das? Und da dürft ihr euch nicht mit den oberflächlichen Erklärungen abspeisen lassen, die euer Gehirn euch, wie in diesem Beispiel, bringen wird => “weil ich keine Karriere mache”, “weil ich hässlich bin”, “weil ich dick bin”, “weil ich Single bin”… usw.

Fragt euch dann weiter: Ja, warum findest du dich dick oder hässlich und was ist das Problem daran? Was stört DICH selbst wirklich und was stört dich, weil du denkst das es das Außen stören könnte? Was hat das damit zu tun das du schlecht bist? Wo ist die Verbindung und wo kommt diese Verbindung her?

Also versteht ihr das Prinzip? Klamüsert eure Gedanken soweit aus das ihr erst einmal wisst, welche überhaupt eure eigenen sind. Dann könnt ihr versuchen ein neues, eigenes “Programm” aufzuspielen, indem die negative, in sich verankerte, Sichtweise in eine realitätsnähere, positive umgewandelt wird.
Und schämt euch in gar keinem Fall professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist EXTREM schwer sowas selbst zu lösen!

Täterintrojekte bei dissoziativen Störungen

Bei einer dissoziativen Störung, wie der Dis oder pDis, ist es möglich das sich diese Täterintrojekte soweit abgespalten sind, dass sie autonom reagieren und denken können (weshalb sie aber auch irgendwann eine Änderung in ihrem Verhalten bewirken können).

Gibt es positive Introjektionen?

Die gibt es 😊.

🌞Introjektionen können auch auf positiver Art und Weise stattfinden.

Unser Gehirn ist so gestrickt das wir schnell auf Emotionen anspringen. Das geht bei negativen, aber genauso gut eben auch bei positiven Emotionen. Verhält sich unser Gegenüber z.B sehr offen und liebevoll zu uns, ist es also ebenso möglich das wir diese Verhaltensweise in uns aufnehmen und somit an andere weitergeben 😊
Ist doch irgendwie ein Grund sich netter und aufmerksamer anderen gegenüber zu verhalten, oder?😁