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Wie geht Selbstreflexion?

Zuerst einmal: Was ist Selbstreflexion überhaupt?

Selbstreflexion beschreibt die Gabe, unsere eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen zu hinterfragen. Mit ihr haben wir die Möglichkeit einen Schritt beiseite zu treten und auf uns und unsere Handlungen und Empfindungen, aus einer anderen Perspektive, zu schauen.

Stellen wir uns unser Leben wie in einem Tunnel vor: Wir blicken stets immer nur gerade aus. All unsere Handlungen, Gedanken und Emotionen umspielen uns. Wir SIND unsere Handlungen, Empfindungen, usw. Eins bedingt das andere und so folgen wir diesem Tunnel, ohne daraus ausbrechen zu können. Sobald uns aber klar wird, dass all diese Dinge nur ein Teil von uns sind und nicht wir, bekommen wir die Möglichkeit sie von „außerhalb“ zu betrachten. Es ist, als würden wir aus dem Auto, das diesen Tunnel entlangfährt, aussteigen und es beim Fahren beobachten. Bei was brummt es, wann rollt es über etwas hinweg? Wir können aus der Beobachterperspektive andere Dinge wahrnehmen, als nur aus der Ich-Perspektive.

Selbstreflexion ist also die Fähigkeit uns selbst Wahrzunehmen. Uns Selbst über uns bewusst zu werden.

Warum ist Selbstreflexion so wichtig?

Ich persönlich erachte sie nicht nur als unablässig für den Weg der Traumaheilung, denn ohne sie bleiben wir in den Emotionen gefangen. Ich betrachte sie auch als einzigen Weg für die generelle Menschheit, etwas an den Umständen auf unserer Welt zu ändern. Ich persönlich glaube, dass all das Leid nur deshalb dermaßen große Ausmaße annehmen konnte, weil wir Menschen nicht mehr bewusst handeln und denken. Wir laufen wie auf Autopilot und zur Folge hat das, dass wir in der Opferhaltung verharren.

Die meisten Gewalttaten (gegen Menschen oder der Natur) basieren auf einem unreflektierten Inneren. Nehmen wir z.B das übersteigerte Ego, welches in einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung oft das größte Problem darstellt (weshalb man auch sagt, die Gesellschaft wird generell immer narzisstischer). Das Ego an sich, ist per se nichts Schlechtes. Es schützt unseren tiefen, inneren, verletzten Kern vor noch mehr Schmerz. Das Ego sieht die Welt allerdings nur aus seiner Perspektive. Das ist notwendig, um vor noch mehr Schmerz und Verletzung zu schützen. Ein wichtiger Punkt in der NPS Therapie ist daher, einen Perspektivwechsel einnehmen zu lernen. Zu verstehen, wie andere fühlen und warum man selbst tut, was man tut.

Kurzfristig gesehen ist diese (Ego) Strategie sinnvoll. Langfristig birgt sie allerdings viel Leid für unsere Umgebung und auch für uns Selbst. Verstehen wir unsere Handlungen (geprägt aus unseren Gedanken und Emotionen) nicht, beherrschen sie uns. Wir bleiben ein Opfer der Umstände und damit machtlos (was uns im Trauma – persönlichen und/oder kollektiven – gefangen hält). Selbstreflexion gibt uns also die Möglichkeit wieder handlungsfähig zu werden.

Ist Selbstreflexion angeboren?

Sprich, können wir das von Anfang an?

So wie es die Forschung bisher verlauten lässt und das glaube auch ich: Nein. Wir sind uns nicht von Beginn unseres Lebens an Selbst-bewusst. Im Laufe der Zeit erkennen wir uns im Spiegel als eigenständiges Wesen, das heißt jedoch noch nicht, dass wir uns selbst wirklich bewusst werden.

Wer bin ich?

Abseits aller Doktrin, die uns unsere Familien und das Kollektiv, in welchem wir aufwachsen, aufgibt.

Als Bsp. der vorherrschende „Schönheits“wahn: Will ICH schlank sein oder kommt dieser Wunsch von Außen? Fühle ich mich schlecht, wegen mir (bspw. bei Unter-/Übergewicht, weil ich mich schlecht bewegen kann, Gesundheitsprobleme habe etc.) oder weil ein bestimmtes Bild von mir erwartet wird? Folge ich dem was ICH WIRKLICH will oder einem Bild, was gar nicht mich selbst betrifft, welches ich aber (unbewusst) übernommen habe (= Introjektion)?

Ich persönlich glaube, dass wir auf die Welt kommen und das uns vorgegebene Weltbild übernehmen, wie wir es kennenlernen. Und das erachte ich so auch als richtig und wichtig für das Kind. Erst mit der Zeit werden wir bewusster und spüren, dass wir nicht nur Agieren können. Und ab da setzt die Fähigkeit zur Selbstreflexion ein. Ich sehe Selbstreflexion also nicht als etwas an, was wir von Beginn unseres Lebens können und auch nicht als etwas, was jeder Mensch ausbildet. Ich glaube, dass die Fähigkeit in jedem da ist. Ob wir uns aber dazu entscheiden sie anzuwenden, das bleibt jedem selbst überlassen.

Kann ich Selbstreflexion lernen?

Wenn wir tief im Trauma und tief in der Verletzung stecken, ist es erstmal normal nicht in die Meta- Ebene wechseln zu können. Wir sind (egal wann wir die Verletzung erleben) erstmal im kindlichen Zustand: Wir sind machtlos, auf unsere Außenwelt angewiesen. Um aus diesen Zustand allmählich herauszukommen, hilft es uns, Abstand zu alledem zu bekommen. Und das schaffen wir, indem wir in die Beobachterperspektive treten. Ich nenne jetzt einige Möglichkeiten bzw. Fragen, die man sich stellen kann. Letztendlich ist aber auch all das individuell. Am Anfang kann es vllt. auch helfen sich darüber Notizen zu machen:

Schritt 1 – Realitätscheck:

Beobachte erstmal nur die handfesten Dinge. Das was greif- und sichtbar ist. Ohne Emotionen, Wertungen etc., sondern ganz rational.

  • Was ist gerade passiert?
  • Was wurde gesagt/getan?
  • Wer ist beteiligt?
  • Wo bin ich gerade?
  • Wie begann die Situation und wie entwickelte sie sich?

Das hilft dir später beim Abgleich, ob deine Wahrnehmung und die Realität immer übereinpassen. Wenn wir z.B in eine Traumaresponse geraten, nehmen wir die Umwelt als aktive Gefahr wahr. Aufgrund eines Triggers ist das für unser Nervensystem auch richtig, d.h aber nicht automatisch, dass unsere Umgebung in diesem Moment tatsächlich auch eine Gefahr darstellt. Kann sein, muss aber nicht. Oft stoßen wir z.B andere Menschen vor den Kopf, weil wir in eben so eine Traumareaktion rutschen. Beispielsweise durch einen Satz oder eine Verhaltensweise des Anderen, die uns an früher erinnert, an etwas das Schmerz bedeutete. Der heutige Gegenüber kann aber ganz andere Absichten haben, als derjenige, an den wir erinnert werden.

Schritt 2 – Wahrnehmung:

Hier geht es jetzt darum, wie du die Situation empfindest. Daher ist der erste Schritt wichtig. So bekommst du den Vergleich zu dem, was tatsächlich im Äußeren ist und zu dem, wie sich die Situation für dich gestaltet. Wichtig ist: So oder so, das was du erlebst ist für dich real! Bei der Frage deiner Wahrnehmung ist auch unerheblich, wie die sich Situation im Außen tatsächlich darbietet. Hier geht es erstmal nur um DEINE Wahrnehmung:

  • Wie nehme ich die Situation wahr?
  • Was fühle ich? Mich bedroht? Eingeschüchtert? Klein? Unwichtig? Dumm? Weniger wert? Oder fühle ich mich wohl? Anerkannt? Gesehen?Verstanden? (…)
  • Fühle ich mich allein (aktiviert oft den Kampf- oder Fluchtmodus)? Oder fühle ich mich verbunden/unterstützt? (…)
  • Sind es Emotionen? Schmerz? Trauer? Wut? Leere? Innere Taubheit? (…)
  • Oder sind es Körperempfindungen? Schmerz oder Taubheit in den Gliedmaßen? Organen? Jucken? Kurzatmigkeit? (…)
  • Oder Unruhe?
  • Wo sitzen sie, die Emotionen oder Schmerzen? An welcher Stelle im Körper?

All das hilft uns, uns selbst besser zu verstehen. Wie denke und handle ich überhaupt? So kommen wir raus aus dem nur „Agieren“ und verstehen, wann wir was tun und wann wo was aktiviert wird.

Schritt 3 – Hinterfragen

  • Wann fühlte ich mich ähnlich? Habe ich ähnlich Empfindungen bereits einmal gespürt und wenn, wann und in welcher Situation?
  • WARUM fühle ich so? Warum fühle ich Wut, wenn man mir z.B ständig ins Wort fällt? Was steckt dahinter?
  • Welche Situation hat welche Empfindung bei mir ausgelöst? (Durch das Hinterfragen der Emotion lässt sich so auch schauen, was sie eigentlich bedeutet, woher sie kommt und warum sie in dieser Situation ausgelöst wird)

Das Hinterfragen unserer Empfindungen, Gedanken und Handlungen gibt uns die Möglichkeit zu verstehen, was dahinter steckt. Ich nehme etwas wahr, das löst einen Gedanken in mir aus, dieser wiederum ein Gefühl, welches zu einer Handlung führt. Wenn wir den Ursprung verstehen, haben wir die Möglichkeit aktiv einzugreifen und nicht nur mitgerissen zu werden.

Schritt 4 – Sichtwechsel

Wenn ich mich selbst und meine Handlungen besser verstehe. Wenn ich weiß was woraus resultiert, kann ich mich auch besser in den anderen hineinversetzen. Dabei geht es NICHT darum Handlungen zu rechtfertigen! In erster Linie geht es erst einmal darum, zu verstehen, warum Menschen tun was sie tun. Dabei verstehen wir oft schnell, dass das Wenigste in Wahrheit mit uns zu tun hat. Dinge die Menschen tun (egal welcher Gesinnung) haben immer etwas mit ihnen und ihrem Innersten gemein. Genauso wie die Dinge, die wir machen, immer etwas mit uns bzw. unserem Innersten zu tun haben. Das hilft uns Abstand zu bekommen. Eine Trennung zwischen uns und der Außenwelt (und z.B dem Täter) zu schaffen. Dadurch lernen wir, dass wir nicht dauerhaft machtlos sind und selbstverantwortlich unser aktuelles und zukünftiges Leben gestalten können.

Dass das Außen über unser Innerstes nur soviel Macht hat, wie wir sie ihm zugestehen.

Eine andere Möglichkeit

,,Wenn ich abends in den Spiegel blicke: Bin ich zufrieden mit mir oder nicht?“

Wenn sich in euch bei dieser Frage ein Wiederstand regt, geht in euch und schaut wo dieser sitzt. Was ist es mit dem ihr nicht zufrieden seid? Wenn es etwas Äußerliches ist: Was ist es? Was würdet ihr ändern wollen? Warum? Was wäre anders, wenn das verändert wäre? Was  würde es an eurer Zufriedenheit ändern? Was sitzt dahinter? Der Wunsch nach mehr Nähe? Fühlt ihr euch allein? Oder der Wunsch nach Liebe? Fühlt ihr euch nicht liebenswert? Warum? Woher kommt dieser Gedanke/dieses Gefühl?

Oder ist es ein innerer Zustand? Habt ihr das Gefühl etwas anderes erreicht haben zu wollen/müssen? Fühlt ihr euch zu faul? Was ist es, was ihr denkt zu wenig zu tun? Warum? Was würde das ändern? Oder habt ihr das Gefühl euch zu wenig durchzusetzen? Woher kommt das? Welche Situationen lösen das in euch aus? Wieso fühlt ihr euch dann so? Und warum könnt ihr nicht anders handeln? Was steht euch im Weg? Welcher Umstand? Welches Gefühl steckt hinter diesem Umstand?

Diese Frage kann als sowas wie eine „Fehleranalyse“ (beim PC) fungieren. Nicht wo ihr der Fehler seid, sondern wo der Missstand, die Blockade in eurem Leben ist. „Wo ist überhaupt dieser Missstand in meinem Leben? Das was mich nicht so leben lässt, wie ich es mir im Innersten wünsche.“ Woher rührt dieser Missstand? Wie äußert er sich? Wann taucht er auf? – Die Erkenntnis darüber ist meist der erste Schritt in Richtung Lösungsfindung. Und die taucht selten sofort auf, sondern ergibt sich mit der Zeit „von Selbst“ .

Das große ‚Warum‘

Selbstreflexion erlangen wir also, indem wir hinterfragen. Warum ist etwas wie es ist und woher kommt es?

Das sind Fragen, die die Menschheit schon seit je her angetrieben haben. Die Grundbausteine jeder Wissenschaft und Philosophie. Dabei geht es aber nicht darum, die endgültige Antwort zu finden. Leben ist ein Prozess. Unsere Wahrnehmung, unsere Empfindungen, Werte und Handlungen unterliegen ebenso einem Prozess. Es geht nicht um Perfektion, nie wieder schlechte Gefühle zu empfinden oder niemals wieder jemand zu verletzten. Das wäre super, entspricht aber nicht der Realität. Und darum geht es auch nicht.

Es geht darum, sich selbst, genauso wie alles im Leben, weiterzuentwickeln. Zu leben. Wenn wir uns selbst nicht gewahr werden, stagnieren wir. Wir kommen aus selbstschädigenden Handlungsmustern nicht heraus, ebenso wenig aus Gedankenspiralen und destruktiven Verhaltensweisen gegenüber unserer Umwelt. Wir bleiben im kindlichen Opferzustand hängen. Selbstreflexion bringt Selbstverantwortung mit sich.

Über das, was andere uns antun und was wir vllt. sogar durch die Natur (Katastrophen etc.) erfahren, haben wir keine Handhabe. Auch nicht über die Verletzungen, die diese in uns hinterlassen. Aber wir haben die Handhabe darüber, wie wir sie in unser zukünftiges Leben integrieren und wie wir selbst unserer Außenwelt gegenüber auftreten.

Wir selbst sind unsere Heilung. Kein Täter. Kein Staat. Keine Natur. Kein Universum und auch kein Therapeut. Der Impuls kommt aus uns, wenn wir es zulassen.

Erlernte Hilflosigkeit („Opferhaltung“) vs. Opfer sein

TriggerwarnungIm Beitrag könnte einiges Triggern, im fortlaufenden Text erkläre ich alles aber näher

Opferhaltung ist ein sehr negativ konnotiertes Wort und ich muss zugeben, dass auch ich damit auf Dauer nur schwer umgehen kann.
Mich strengt es besonders an, wenn entweder ausschließlich anderen die Schuld und die Verantwortung auf Änderung zugeschoben wird oder/und das Menschen ihre Leidspiralen immer und immer wieder durchkauen, was ich als Angehöriger bzw. Gesprächspartner sehr anstrengend finde, da es keine Veränderung gibt. Und wenn sich Leid immer wieder im Kreis dreht und dem scheinbar nicht entkommen werden kann, triggert das auch bei mir alte Ohnmachtsgefühle wieder an. Zudem kostet es auch unglaublich viel Kraft, die ich ehrlich gesagt nicht zur Verfügung habe. Daher ziehe ich mich meist zurück, sobald ich merke, dass derjenige (auf Dauer) in so etwas feststeckt und auch nicht vor hat, daran etwas zu verändern.

Dennoch ist es aber so, dass Menschen sich nicht aus Bösartigkeit oder „Faulheit“ so verhalten, sondern dahinter steckt ein Störungsmuster und zwar die erlernte Hilflosigkeit.
Weiter gibt es zudem auch noch einen Unterschied zwischen Opferhaltung und Opfer-sein, was leider viel zu oft durcheinander geworfen wird.
Schauen wir uns das alles einmal näher an …

Wichtig: Es ist absolut normal, sich auch einmal in die „Opferhaltung“ fallen zu lassen. Sich zu fragen was das alles soll und warum es ausgerechnet einem selbst so geht. In einem geordneten Maß hat dies m.E. sogar etwas Gesundes an sich. Heilung ist ein Prozess, ein Spektrum auf welchen man solche Gedanken und Gefühle nicht über Nacht ausstellen kann. Diese zuzulassen ist sogar sehr wichtig, denn jedes Gefühl gehört zu uns und es kann zudem dazu beitragen, Mitgefühl für sich selbst zu empfinden.

Gemeint ist heute also eher die generelle Denkeinstellung und nicht phasenweises Mitgefühl oder auch Hoffnungslosigkeit (u.a ein Symptom bspw. der Depression) mit und bei sich selbst. Es geht eher darum, ob derjenige generell mehr auf die Probleme in seinem Leben konzentriert ist, für deren Änderung er aber auf andere wartet. Oder ob er sich eher auf der Suche nach Lösungen befindet, denn jene Denkweise lässt uns (unveränderbares) akzeptieren und umwandeln lernen. Sie lässt uns zurück ins Leben finden. Stagnation dagegen ist der T*d.

Und auch hierbei geht es nicht um das Verurteilen, sondern darum zu verstehen, was dahinter steht. Manchmal kann ein Mensch nicht anders, als er gerade handelt. Und das ist okay.

Erlernte Hilflosigkeit

Der Begriff ‚erlernte Hilflosigkeit‘ beschreibt einen Zustand, bei dem der Betroffene glaubt seine Situation nicht verändern zu können und dafür auch selbst verantwortlich zu sein.
Zurückzuführen ist dieser Begriff auf Dr. Martin Seligman, der jenen, unterstützt durch Tierversuche, im Jahre 1967 prägte.

Ursachen

Betroffene gelangten früher meist in eine oder mehrere Situationen, in der sie tatsächlich handlungsunfähig und ohnmächtig waren. Beispiele können dafür Gewalttaten sein, aber auch Verluste oder schwere Krankheiten und Behinderungen.
Die Unkontrollierbarkeit der Situation prägte sich so stark ein, dass sich ihre Selbstwahrnehmung veränderte. Sie haben nicht mehr das Gefühl handeln zu können. Sie fühlen sich unfähig dazu, was zur Folge hat, dass sie ihre Selbstwirksamkeit verlieren. Was früher so war, wird noch heute als Realität angesehen (weil es auch noch immer die innere Realität ist = die alten Verletzungen sind noch nicht überwunden).

Auch Fehler, wiederholte Rückschläge oder bspw. ständige Abwertung und zu hohe (nicht erfüllbare) Erwartungshaltungen der Bezugspersonen können die erlernte Hilflosigkeit begünstigen.

„Die Grundaussage der Theorie über die erlernte Hilflosigkeit ist: Wenn Menschen oder Tiere in einer Situation die Erfahrung machen, dass sie ein bestimmtes Ereignis nicht kontrollieren können, entwickeln sie die Erwartung, in anderen ähnlichen Situationen auch keine Kontrolle zu haben“ 

(Fincham & Hewstone 2001, S. 252).

„[…] unkontrollierbare Konsequenzen verringern die Motivation, willentlich Verhalten auszulösen […]“.

(Seligman 1999, S. 34)

Symptome

Tritt heute eine ähnliche oder generell stressige Situation auf, reagieren sie (unterbewusst) wieder mit Hilflosigkeit. Sie nehmen sich als Opfer ihrer Umstände wahr, gegen die sie nichts ausrichten können. Das auch, wenn sich die Realität eigentlich ganz anders gestaltet und veränderbar wäre.
Zur Folge hat das, dass sie in der Situation verharren bleiben, keinen Ausweg sehen und oft immer tiefer in Depressionen und Angstzustände abrutschen.

Typische Denkweisen sind oft:

  • – „Es bringt doch sowieso nichts
  • – „Ich kann mir nicht selbst helfen
  • – „Ich kann das einfach nicht und werde es nie können“ (manche Dinge kann man wirklich nicht, der Unterschied liegt da, es zumindest zu versuchen und/oder sich stattdessen auf das zu konzentrieren, was man kann)
  • – „Es wird sich niemals etwas verändern/Das wird für immer so bleiben
  • – „Es trifft immer mich
  • – „Ich kann eh nichts tun. Was soll ich schon ausrichten?“
  • – „Es ist ausweglos
  • – „Selbst wenn ich mich anstrenge, ich versage sowieso

Folgen

Die erlernte Hilflosigkeit führt dazu, nicht aus dem Leid ausbrechen zu können. Sei es aus toxischen Beziehungsmustern oder auch aus dem eigenen destruktiven Denken. Zum Beispiel: Gedankenspiralen, Selbstabwertung, Trauer, Schwarz-Weiß-Denken, Ohnmachtsgefühle, usw.
So können auch keine Glaubensmuster verändert werden, was alles beim Alten belässt.

Wie in der Einleitung bereits angesprochen, führt die erlernte Hilflosigkeit aber auch zu Problemen im sozialen Feld. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen und da finde ich es sehr anstrengend, wenn jemand darin feststeckt. Denn mit der Zeit dreht sich mehr oder weniger alles nur noch um sein Problem und dieses wird hoch und runter durchgekaut. Und das meist, weil derjenige sich (logischerweise) unglücklich damit fühlt.

Es wird viel geklagt (generell oder situationsspezifisch), aber kein Versuch unternommen, etwas zu verändern (oft fängt diese Veränderung in uns an, bei Blockaden, Glaubenssätzen, usw.), weil auf Veränderung vom Außen gewartet wird ( „das Außen hat dafür gesorgt, dass ich mich so fühle und nur, wenn sich das wieder verändert, kann ich mich auch wieder besser fühlen“ ). Dieses Außen ist aber eben meistens wie es ist, sonst wäre die Situation ja auch nicht die, die sie ist.


Es ist sehr wichtig, über Probleme sprechen zu können. Nur ist niemanden damit geholfen, wenn es sich nur noch darum dreht und kein Ausweg in Sicht ist.


Eine Variante davon ist auch die Selbszverurteilung: „Hätte ich mich anders verhalten, dann wäre XY anders zu mir gewesen/bei mir geblieben“ – Nein, XY hat sich dir gegenüber verhalten, wie er es freiwillig entschieden hat, sonst wäre eine Vergew*ltigung ja auch gerechtfertigt, weil die Frau den Mann mit einem kurzen Rock“provoziert“ hat. Jeder entscheidet selbst, wie er sich verhält. Mag sein, dass dein Verhalten dazu geführt hat (z.B. übertriebene Eifersucht führt zur Trennung). Dann hat es aber nicht gepasst. Du bist ja gerade so, aus Gründen. Du kannst dich doch nicht verstellen (kannst du schon, aber dann ist der Andere eben auch nicht mit dir, sondern irgend einem Trugbild zusammen – und ob das so fair ist?), du musst diese Gründe doch erstmal anschauen und integrieren und wer weiß, ob dieser Partner dann überhaupt noch der Richtige wäre.

Wenn dir etwas an deinem Verhalten nicht gefällt: Schau dir die Hintergründe an und ändere es dadurch demnächst. Beschwere dich aber nicht nur darüber, dass XY deshlab ZX getan hat, weshalb es dir jetzt schlecht geht. Solange du den anderen nicht gerade psychisch missbr*uchst, ist sein Verhalten, SEINE freie Wahl. Lass diese Verantwortung also auch bei ihm und übernimmt du nur Verantwortung für deine Punkte.

Tipp:

Kommuniziert deutlich was ihr braucht. Manchmal will man das innere Leid einfach nur verbalisieren und jemand bei sich wissen, der einem zuhört. Das ist nicht nur okay, sondern auch mehr als wichtig.

Findet die Konversation in dieser Form statt: „Ich weiß nicht was ich tun soll … Was soll ich nur machen?… Was denkst du/Hast du einen Rat für mich?…“ , dann kommuniziert ihr damit, dass ihr auf der Suche nach Lösungen und Veränderung seid. Oft ist es jedoch so, dass das aber (noch) gar nicht wirklich „gewünscht“ wird (weil innere Blockaden das verhindern). Solange der Blick auf das Außen gerichtet ist, ist Veränderung auch nur schwer möglich, da Veränderung aus einem selbst kommen muss.

Diese Diskrepanz zwischen dem Gesagten und eigentlich Gewünschten führt daher schnell zu Konflikten mit anderen Personen, die das Gefühl bekommen (und dann Aussagen treffen wie): „Der will ja gar nichts verändern! – Der will doch Opfer bleiben!“ – usw.

Was man tun kann

Selbstverantwortung.
Nicht umsonst spreche ich in jedem 2. Beitrag davon. Ohne Selbstverantwortung,  bleibt man nämlich in der Opferhaltung gefangen.

Ich habe klein angefangen. Immer mal wieder Kleinigkeiten im Alltag, die mir zeigten, dass ich eben doch handlungsfähig bin.


Selbstreflexion ist auch unglaublich wichtig.
Denn darüber konnte ich z.B. herausfinden, warum ich mich manchmal so gelähmt fühle. Meist steckt meine Angst dahinter und herauszufinden woher diese Angst kommt und was mit ihr zusammenhängt, war da der Knackpunkt für mich.

Irgendwann kam auch der Moment, wo ich dachte, dass ich sowieso nichts mehr zu verlieren habe. Wenn ich ins Handeln komme und scheitere, was soll dann schon passieren? Es ist doch sowieso alles so unerträglich, dass ich es nicht mehr aushalte. – Ich schaue immer, dass ich eine Lösung finden kann. Irgendwo einen winzigen Schritt, der mir hilft, den Blick nicht dauerhaft auf das Leid zu richten, sonst würde ich kaputt gehen. Das würde ich nicht aushalten. Vieles im Leben sind Schutzstrategien der Psyche und meine dauerhafte Lösungssuche ist definitiv eine davon. Das ist die einzige Möglichkeit für mich, nicht in meinem Schmerz zu ertrinken. Das einzige, was mir aufgezeigt hat, dass das Leben doch lebenswert sein kann.

Das ist leider auch ein Grund, warum mir deshalb manchmal fiese Gedanken in den Sinn kommen, wenn jemand so felsenfest in seiner erlernten Hilflosigkeit steckt und sich weigert, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Weil ich mir dann denke: „So schlimm kann es dann ja doch noch nicht sein“ (natürlich ist es das trotzdem – solche Gedanken kommen meist aus dem Gefühl der eigenen Hilflosigkeit – Es geht bei sowas nicht ums Wollen, sondern um innere Blockaden, die man aufspüren und auflösen muss – Eins ist aber trotzdem wichtig:).

Denn das ist der wichtigste Punkt:
Der Wille zur Veränderung muss da sein (ist dieser nicht offensichtlich, gilt es sich den Sekudärgewinn anzuschauen, der ebenfalls das Überleben sichert – bspw. kann jemand nicht einfach mit dem Rauchen aufhören, weil das sein bisher einziger Weg ist Stress zu lindern).

„Das richtige Mindset“

Da kommen wir daher auch zu einem Thema, was ich sehr kritisch beäuge, weil es oft nicht differenziert genug betrachtet wird.
Im Prinzip ist das mit dem „richtigen Mindset“ nicht falsch. Es liegt nämlich in meiner Entscheidungsgewalt, wie ich über etwas denke.


Ein Bsp.: Ich saß bereits schon 9h im Zug. Alles hatte Verspätung, überall waren Leute und nervige, laute Kinder. Ich war sehr schlecht drauf und im innerlichen Hochstreß. Dann hielt der Zug in einem Bahnhof und zwar genau so, das gefühlt der einzige, dicke Sonnenstrahl mir ins Gesicht schien: „War ja klar. Irgendjemand hasst mich doch da oben“ war mein Gedanke. – Dann kam mir in den Sinn: „Obwohl, eigentlich mag ich doch die Sonne 🤔. Über was rege ich mich gerade auf?“ . Ich schloss die Augen und genoss die warmen Sonnenstrahlen, kam ein Stück zur Ruhe und hatte schon weniger das Gefühl, dass ich für irgendetwas bestraft werde. Ich hatte zwar nicht die Kontrolle über die äußeren Umstände, aber darüber, ob ich denke alles hasst mich oder denke: „Cool, wenigstens ein Lichtstrahl“ – im wörtlichsten Sinne. Die Umstände konnte ich nicht beeinflussen, wohl aber wie mit ihnen umgehe.

(Das heißt aber NICHT!, dass wir jede für uns negative oder problematische Situation rational beeinflussen können. Bei einer Depression, Angstzuständen, etc. hilft es oft tatsächlich wenig, nur „positiv“ zu denken. Ebenso kannst du dir auch keine Flashbacks einfach positiv umdenken. Wir sprechen hier nämlich von unterschiedlichen Hirnarealen. Kommt die Angst, kommt sie aus der Amygdala. Der rationale Verstand ist jedoch im Neokortex beheimatet, welcher heruntergefahren wird, sobald die Amygdala aktiviert ist. Es geht also nicht bei allem um eine bewusste Entscheidung, weil wir nicht auf jeden biologischen Vorgang in uns einen direkten, bewussten Einfluss nehmen können. – Stichwort: Differenzieren!)

Also ja, es liegt schon an uns, wie wir etwas betrachten und bewerten. Uns zu entscheiden anders zu denken, bringt uns auch aus der Ohnmacht und Opferhaltung.

Jedoch funktioniert das nicht auf der Ebene: „Du musst es nur genug wollen“ – Daran liegt es nicht und solche Aussagen machen Menschen nur Schuldgefühle und noch mehr das Gefühl, es nicht hinzubekommen. Das verstärkt zudem die Hilflosigkeit letztendlich nur noch weiter. Viele wollen eine Veränderung, aber schaffen es trotzdem nicht (solange innere Blockaden unentdeckt sind, sabotieren sie die Veränderung auch weiterhin). Es liegt also nicht direkt am: „Du willst es nur nicht genug“ , sondern m.E. daran, dass der Betroffene erst lernen muss, aufzuhören auf eine Veränderung der äußeren Umstände zu warten.

Warum ich Dinge „positiv“ sehe

Vor einiger Zeit beschwerte sich jemand im System darüber, ich wäre eine: „Eso-Tussi, die alles immerzu positiv sieht“ – Das fand ich ja schon fast ein bisschen beleidigend 😅.
Ich sehe Dinge nämlich nicht positiv, ich suche nach dem, was nützlich sein könnte. Positiv denken halte ich für Augenwischerei. Es nützt niemand etwas, wenn man sich Illusionen hingibt. Es ist wichtig die Realität so zu nehmen, wie sie ist.
Aber Probleme müssen eben nicht nur Probleme sein. Was passiert oder wie es einem geht, ist, kann und darf trotzdem Mist bleiben. Aber wenn ich bspw. mit jemand aneinander gerate, dann ist es doch sinnvoller zu schauen, was ich für mich nützliches aus der Situation ziehen kann, als mich nur darüber zu beschweren, oder?

Man kann an allem wachsen.
Nein, negative Situationen sind dazu nicht nötig und „müssen deshalb geschehen“ (wie im New-Age weit verbreitet). Aber manchmal geschehen sie eben einfach. Die äußeren Einflüsse haben wir nicht unter Kontrolle und wenn sie geschehen, dann kann ich mich entweder von ihnen überrollen lassen oder schauen, was ich letztendlich damit anfange.
Ich muss mich keinem Schicksal hingeben, ich lege mehr Wert darauf, mein Leben selbst zu gestalten. Auch wenn es manchmal sehr schwer ist. Das ist Freiheit für mich. Und die fängt für mich im Kopf, mit einer Entscheidung an. Der Entscheidung, ob ich Opfer bleiben will oder nicht.

Opfer sein

Jetzt ist das zwar alles so schön gesagt, aber nur weil man sich dazu entscheidet, ist man weder die Täter noch andere schreckliche Umstände los. Deshalb sage ich: Man muss da sehr differenziert ran gehen. Destruktive Beziehungen, Täterkontakt, Armut, Traumafolgen, etc. hängen noch mit vielen anderen Faktoren zusammen. Der erste Schritt muss jedoch irgendwann einmal gemacht werden und dieser beginnt im Kopf, bei mir selbst.

Dennoch bleibe ich Opfer meiner Erlebnisse. Ich bleibe ein Opfer von Gewalt. Auch würde ich ein Opfer eines Autounfalls bleiben, usw. Ich wurde ein Opfer der Umstände bzw. Anderer, als geschah, was geschah. Ich trage auch weiterhin die Folgen. Die Symptome und Narben.
Und ich werde auch immer sagen, dass ich ein Opfer von Gewalt war und bin. Opfer von einer Tat oder einem Umstand zu sein, ist etwas anderes, als erlernte Hilflosigkeit. Denn Opfer war/bin ich in der Situation. Ich kann danach aber entscheiden, ob ich (innerlich) auch weiterhin das Opfer bleiben möchte. Ob ich den Tätern/der Situation auch in meinen Gedanken weiterhin die Macht über mich gebe, sie als allmächtig betrachte oder nicht. Für meine Heilung heute, bin ich nämlich alleine zuständig. Das ist weder fair noch spaßig – ja – eine (produktive) Alternative dazu wüsste ich aber leider nicht.


Natürlich kann (und darf und sollte) ich mir Hilfe suchen. Auch geht es mir bspw. stets darum zu verstehen, warum bin ich so und oft möchte ich auch, dass andere diese Gründe verstehen. Nicht, um sie als Entschuldigung zu nutzen, sondern um Verständnis aufzubauen und dadurch den Druck herausnehmen. Das ist vollkommen okay. Finde Strategien, die dir den Weg erleichtern, solange du dich nicht auf Entschuldigungen ausruhst ( „Ich verhalte mich so, weil… und deshalb kann ich daran auch nichts verändern“ ).

Denn die grundsätzliche Heilung findet in uns selbst statt. Diese Arbeit kann mir keiner abnehmen, mich dabei höchstens begleiten und unterstützen.

Und wenn morgen jemand bei mir einbricht oder mich beleidigt o.Ä., dann war ich auch ein Opfer davon. Für diese Taten trägt derjenige, der sie begangen hat, die Verantwortung. Da helfen mir auch keine positiven Gedanken. Es ist und bleibt, was es ist. Ich darf traurig, wütend und verzweifelt sein. Das sind alles normale menschliche Reaktionen. Aber dann muss ich schauen, wie ich damit umgehe. Muss ich nicht, ist aber förderlich. Verzweifle ich daran oder arbeite ich mit der Situation und suche Lösungen heraus? Denke ich problem- oder lösungsorientiert?

Update Teil 1 – Mutterwunde, Ablehnung, Narzissmus und Reflexionen

Seit Sommer wurde es recht ruhig um mich und wie man an den letzten Beiträgen vllt. merken konnte, lag es daran, dass es mir nicht sehr gut ging.
Die letzten Monate waren sehr anstrengend, aus verschiedenen Gründen. Ein großes Thema spreche ich heute an. Generell wird es jedoch langsam wieder besser und viele mir bisher versteckte Themen konnte ich beginnen zu bearbeiten.

Der Beitrag wurde etwas länger als geplant, daher entschied ich mich dazu das Update in 2 Teile aufzuteilen. Im ersten erzähle ich euch das Kernthema, an welchen ich dieses Jahr bei mir arbeite. Im zweiten Teil gehe ich dann noch auf meine derzeit geschlossenen SocialMedia-Kanäle ein und erzähle, was es sonst noch so Neues gibt. Momentan bin ich im Beantworten von Nachrichten und eMails nicht sehr gut. Seit Monaten bleibt das teilweise auf der Strecke liegen, jenes spreche ich dann aber ebenfalls nochmal gesondert an. Den 2. Teil peile ich morgen an zu veröffentlichen, aber möglicherweise kommt er auch erst in ein paar Tagen. Wie ich es eben zeitlich schaffe mit dem Schreiben.

Dieses Update wird auch gleichzeitig mein Jahresrückblick sein, es wird zum Jahreswechsel also sehr wahrscheinlich keinen mehr geben.

Das aktuelle Thema

Dieses Jahr stand ganz im Thema Mutterwunde. Ich habe festgestellt, dass alles was in den letzten Monaten so an Erinnerungen, Gefühlen und Glaubenssätzen aufkam bzw. mir bewusst wurde, mit einem Kerntrauma bzgl. meiner Mutter zusammenhing/-hängt ( „Bindungstrauma“ ) .

Letztes Jahr war das Thema ‚benutzt-werden‘ riesen groß. Nicht weil ich im letzten Jahr viel benutzt wurde, sondern weil das Gefühl erstmals zu mir durchdringen konnte (wir sind hier also nicht bei einem aktuellen Trauma, sondern bei der Traumaaufarbeitung). Ich habe das vorher nie so bewusst und stark gespürt. Doch plötzlich war in meinem Kopf präsent, was mir all die Jahre angetan wurde. Vorher war mir vieles zwar rational klar, aber einfühlen konnte ich mich nur schwer. Es war wie wenn ich über das Leben eines anderen nachdenke oder spreche. Die Gefühle waren bis dato noch hinter einem dicken Schleier der Dissoziation versteckt.

Mir gingen dann all die vergangenen Kontakte durch den Kopf, wo ich immer wieder für die Zwecke anderer benutzt wurde und mich benutzen ließ. In Folge dessen rückte also auch das Thema ‚Grenzen-setzen‚ wieder sehr stark in den Vordergrund. Ich überprüfte noch einmal, wo überhaupt meine Grenzen liegen, was ICH will und was nicht und begann dies auch umzusetzen.
Letztes Jahr war daher wie die Vorstufe zu diesem Jahr.
Denn erst musste die Basis her, bevor es weiter gehen konnte. Alles baut aufeinander auf.

In diesem Jahr ging es dann nämlich an ein Kernthema: Die Angst vor Ablehnung. Ich beschreibe gleich näher, was es damit genau auf sich hat…

Diese Angst konnte ich ausfindig machen als Hintergrund meiner Depression, meiner Ängste (sozial wie beruflich) und meiner (Selbst)Isolation.
Hinter jeder Erkrankung steckt etwas. Eine Depression kann die Ursache eines hormonellen Ungleichgewichts oder Virus  sein, hinter ihr kann sich ein Verrat (von anderen oder an sich selbst, wenn man z.B. ständig die eigenen Grenzen übertritt) verstecken oder, wie in meinem Fall, fehlende (Selbst*)Liebe. Die Bandbreite ist da riesig.

* (denn ja, mir fehlt zwar scheinbar die Liebe vom Außen, jedoch ist das heute als Erwachsene nur ein Problem, weil ich mir diese Liebe bisher auch selbst nicht zur genüge gab. Dadurch machte ich mich abhängig von der Liebe des Außen und wie ich gleich erläutere, ist das was ich unter Liebe verstand – nämlich Missbrauch – der Grund, warum ich immer wieder genau das Gegenteil anzog. Umso mehr ich mir aber selbst Liebe entgegenbringe, umso weniger lasse ich sowas in mein Umfeld. Um Selbstliebe kommen wir also nicht herum, wenn wir heilen und etwas in unserem Leben positiv verändern möchten)

Was hinter meiner Depression steckt

Im Frühsommer diesen Jahres beschäftigte ich mich näher mit den verschiedenen Ursachen von Depressionen, weil ich herausfinden wollte was eigentlich hinter meiner steckt. Ich wollte sie endlich ein für alle mal loswerden. Ich war auch sehr guter Dinge, dass das klappen wird.
Nur leider ist die Depression ja auch nur ein Symptom. Sie verschwindet solange nicht, wie die Ursache nicht behoben wurde. So wie es mit den meisten Erkrankungen ist.

Um meine Depression besser verstehen zu können, ging ich gedanklich in die Situationen zurück, die bei mir einen schweren Schub auslösten. Und siehe da: Es waren überwiegend soziale Situationen.

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es waren tatsächlich, soweit ich mich erinnern kann, immer Situationen in denen wieder das alte Gefühl der Ablehnung aufkam. Das Gefühl keine Liebe zu erfahren, weggestoßen zu werden, falsch zu sein, keine Existenzberechtigung in dieser Welt zu besitzen.
26 Jahre befand ich mich in einer Dauerdepression und wie lange befand ich mich im Umfeld hochgradig toxischer und missbrauchender Menschen? Genau! Exakt 26 Jahre.
2 Jahre lang war danach die Depression komplett verschwunden. Noch nie meinem Leben hatte ich soviel Energie und Lebenslust verspürt. Ich kannte das ja gar nicht, der Zustand vorher war mein „Normalzustand“ . Und das war auch genau die Zeit, als ich den Kontakt zu allen abbrach und wegzog.

Und wann fing sie wieder an?
Als ich Kontakt zu einem sich wieder missbräuchlich verhaltenden Mann hatte.
Wann kamen stärkere Schübe? Wenn ich in den letzten Jahren soziale Streitigkeiten hatte, die mit Vorwürfen, Kontaktabbrüchen, nicht verstanden oder ernst genommen werden (denn das führte früher meist zu wirklich schlimmen Situationen), etc. einhergingen.

Also ging ich der Sache weiter auf die Spur: Warum ist das so? Warum war ich bei solchen Menschen? Wie kam ich dahin? Warum hauen mich solche Situationen manchmal so raus? Wo liegen die Trigger, welches Gefühl verursachen sie und was steckt hinter diesem Gefühl? Was will es mir sagen?

Was das mit meiner Mutter zu tun hat

WICHTIG: Es geht NICHT darum, meiner Mutter die Schuld für mein heutiges Dasein zu geben. Sie hat die Verantwortung für ihr damaliges Verhalten und die behält sie auch. Wie ich mich heute verhalte, liegt jedoch ebenso in MEINER Entscheidungsgewalt, wie ich sie von ihrer Verantwortung, aufgrund ihrer Kindheit, nicht freispreche. Ich kann nicht sagen: „Ist schon okay, du hattest es ja auch schwer. Da konntest du gar nicht anders, als so zu mir zu sein.“ – Nein, einfach nur nein. Dieses Argument zählt nicht. Aber wenn dieses Argument für sie nicht zählt, kann es auch für mich nicht gelten. Meine Mutter ist also nicht Schuld an meinem Heute. Um mich selbst zu verstehen und etwas an meinem Zustand ändern zu können, muss ich für mich aber die Hintergründe und Zusammenhänge verstehen.

Als Baby vergötterte mich meine Mutter. Niemand durfte mich ansehen, geschweige denn hochnehmen. Sie behandelte mich wie ihr kleines Püppchen … Und dann war es vorbei. Über Nacht kann meine Mutter an Dingen die Lust verlieren und ich gehörte dazu. Plötzlich wollte sie mich weder sehen noch etwas mit mir machen.

An meine Mutter kann ich mich in meiner Kindheit, bis ich den Kontakt vor 12 Jahren abbrach, nur als abweisend erinnern. Ich nervte sie und das gab sie mir auch stets deutlich zu verstehen. Sie schickte mich immer wieder weg („Hau ab!“ -„Mach dich auf dein Zimmer!“ ), gab abfällige Kommentare bis Beleidigungen über meinen Körper, mein Verhalten und mein generelles Dasein. Sie spottete über mich (das Mobbing aus der Schule setzte sich unter meinen Eltern also zuhause fort, als Hauptinitiator meine Mutter), glaubte mir nie etwas (unterstellte mir also pauschal schon das Lügen, dementsprechend konnte sie mich auch nicht schützen, denn sie hat mir ja nichts geglaubt).

Auch stand sie nie hinter mir, verteidigte mich nie, ekelte sich vor mir (z.B. durfte meine Wäsche nicht zusammen mit denen meiner Eltern in die Maschine) und war furchtbar eifersüchtig, wenn ich nur im gleichen Raum wie mein Vater war (statt Schutz gab es daher Vorwürfe).

Es gab also einen unglaublich starken und schnellen Wechsel von: „Du bist alles für mich. Ich hab dich soooo lieb“ zu: „Ich ertrage dich nicht eine Sekunde“ . Und als Kind kannst du noch NICHT reflektieren. Kinder beziehen alles auf sich. Die Fähigkeit zur Reflexion und zum Perspektivwechsel entwickelt sich erst später …

Warum Ablehnung so schlimm ist (für mich und das Gehirn)

Es ist also gar kein Wunder, dass ich das so auf mich bezogen habe. Das ich dachte, ich wäre das Problem. Und auch, dass diese Angst vor Ablehnung bei mir so stark ist. Denn als kleines Kind, und besonders als Baby, bist du auf die Fürsorge deiner Bezugspersonen angewiesen. Dein Überleben hängt buchstäblich davon ab, ob sie sich um dich kümmern oder nicht (das ist auch ein Grund, warum Vernachlässigung und psychischer Missbrauch in der Kindheit ebenso schwere Traumata hinterlassen kann, wie physische Gewalt).

Die Ablehnung in meiner Kindheit hat also zu einer Todesangst bei meinem kleinen Ich geführt. Deswegen ist sie noch heute manchmal so überwältigend. Aber soziale Ablehnung führt auch zu realen Schmerzen in unserem Körper, weshalb der Geist logischerweise Methoden versucht zu finden, diesen Schmerz zu umgehen (bei mir ist es Isolation, Soziale Ängste und Perfektionismus – bei andern sind das z.B. Unterwerfung, in Form von die Meinung anderer annehmen, „Mitläufer“ sein oder auch Aggression, nach dem Motto: „Angriff ist die beste Verteidigung“ , usw.)

Ablehnung ist per se kein schönes Gefühl. Niemand steht wirklich darauf abgewiesen zu werden und das aus guten Grund: Wir Menschen sind soziale Wesen und früher wie heute auf ein soziales Umfeld angewiesen. Einsamkeit macht bekanntlich psychisch wie physisch krank. Auch war die Chance zu überleben in einer Herde früher weitaus höher, als allein.

Soziale Ablehnung wird von unserem Gehirn als Schmerz eingestuft. Es unterscheidet nicht, ob du körperlich verletzt wurdest oder zurückgewiesen. Bei physischen Schmerz aktiviert unser Gehirn bspw. das natürliche Schmerzsystem, welches körpereigene Opioide freisetzt, um den Schmerz zu lindern. Eben diese werden auch in einer Situation sozialer Not und Isolation ausgeschüttet. Eine Studie hat gezeigt, dass Menschen mit einer höheren Resilienz mehr dieser Stoffe freisetzen, was erklärt, warum diese besser mit Widrigkeiten umgehen können.

Eine weitere Studie zeigte, dass Liebe unser Belohnungssystem aktiviert. Dieser Bereich hängt eng mit unserer Motivation, unserem Verlangen und unserer Emotionsregulierung zusammen. Dieser Bereich spielt aber auch bei Süchten eine Rolle. Bei sozialer Ablehnung kommt es daher auch nicht selten zu einer Art Entzugserscheinungen: zu starken Gefühlen des Unglücklichseins, zu Motivationslosigkeit, Sinn- und Hoffnungslosigkeit, Sehnsucht und zwanghaften Verhaltensmustern (auf der Suche nach der geliebten Person).

Der Schmerz nach einer Ablehnung ist also auch in unserem Körper real.

Glaubenssatz: Lovebombing = Liebe

Wie sich vllt. unschwer erkennen lässt, litt meine Mutter an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Ebenso wie ihre Mutter. Die NPS ist hier eine Reaktion auf ihr Trauma. Und ich will auch gar nicht wissen, wie viele Generationen der Missbrauch hier zurückreicht. Trauma vererbt sich und unreflektiert wird es auch durch das eigene Verhalten gegenüber den Kindern weitergegeben.

In meinem Leben kam ich nun immer wieder an ebenso narzisstische Menschen. In meinen Partnerschaften war ich quasi jedes Mal aufs Neue mit meiner Mutter zusammen. Sie verhielten sich ausnahmslos alle so, in verschiedenen Abstufungen jedoch. Also habe ich mich gefragt, wie das sein kann. Die haben ja kein Schild um den Hals hängen und teilweise war es auch nicht so, dass ich mir diese Leute (partnerschaftlich WIE „freundschaftlich“ ) aus einer großen Masse explizit ausgesucht habe. Sie waren manchmal einfach da. Was ich jedoch gemacht habe, war nach dem Erstbesten zu greifen (ich lebte ja schon immer überwiegend in Isolation, also nahm ich das, was da war – Ich bringe da gern dieses Beispiel mit der Wüste: Wenn du am Versdursten bist, nimmst du, was du bekommen kannst und sei es eine verdreckte Pfütze) und das waren eben diese Leute.

Aber WARUM machte ich das? Klar, Freund’s Wiederholungszwang ist mir bekannt. Dadurch habe ich verstanden, dass sich unaufgearbeitete Dinge wiederholen. Aber ich verstand noch nicht komplett, was dahinter steht. Ist das irgendeine überirdische Macht, handelt die Psyche wie ein eigenständiges Wesen oder wie kommt es dazu? Wisst ihr was ich meine?

Und vor kurzen ging mir dann endlich ein Licht auf: Die viele Aufmerksamkeit, die ich von meiner Mutter anfangs bekam, das vergöttern und idealisieren (= in der Partnerschaft kennt man es als ‚Lovebombing‘ ) habe ich als Liebe abgespeichert. Denn das war das Einzige in meiner Kindheit, was Liebe nahekam. Und bis heute springt in meinem Inneren etwas an, wenn jemand so zu mir ist. Weil ich denke, jetzt bekomme ich endlich Liebe.

Idealisierung ist jedoch keine Liebe. Idealisierung kommt immer aus der Polarität, es gibt da keinen Mittelweg. Wenn du jemand idealisierst, dann siehst du nur das, was du gerne sehen möchtest. Das, was sich dein Inneres wünscht. Das, was deinen inneren Schmerz tilgen kann, was ein Loch in dir stopft, etc. Aber du siehst nicht die echte Person. Idealisierung kann man jedoch nicht ewig aufrechterhalten, früher oder später holt dich die Realität ein.

Das sind dann diese Momente, wo der andere abgewertet wird. Denn dieser verhält sich gerade nicht, wie es in das idealisierte Bild passt. Dieser soll wieder die vorher idealisierte (Traum)Gestalt annehmen, er soll nicht so sein wie er ist, also wird kritisiert, gegaslighted, abgewertet usw. (Manipulation) und die Schuld bei ihm gesucht ( „Sie/Er ist plötzlich so anders. Sie/Er hat mich die ganze Zeit belogen“ – und schwupp wird aus Liebe Hass, nicht weil sie so eng beieinander liegen, sondern weil Idealisierung aus dem Ego stammt, ebenso wie Hass. Mit echter Liebe hat das nichts am Hut)

Es hat also gar nichts damit zu tun, dass ich mir gezielt (bewusst) solche Männer und Freundschaften aussuchte, sondern damit, dass ich ihr Verhalten am Anfang mit Liebe und Zuneigung gleichsetzte.

Trigger

Warum ließ ich mir das gefallen? Wieso bin ich nicht direkt gegangen, wenn mich Leute abwertend behandelt haben? Heute weiß ich, dass ich das nicht nötig habe. Und dennoch triggern mich manche Dinge immer noch so sehr, dass sie mich völlig aus der Bahn werfen.

Triggern kann dich nur, was in deinem Inneren ist. Ein Reiz kann nichts in dir hervorholen, was nicht bereits da ist. Im Sommer gab es bspw. eine private Situation, wo ich durch eine Aussage das Gefühl hatte, dass ich wieder überflüssig bin. Wieder falsch. Wieder der Störfaktor. Betonung liegt auf: Ich hatte das Gefühl. Das ist nämlich mein Filter, mit dem ich auf die Welt blicke, nicht automatisch aber auch die Realität. Mein Inneres scannt alles nach Ablehnung ab, nach potenzieller Gefahr und will mich schützen. Wenn irgendwas dem also Nahe kommt, ergreift mein Inneres Maßnahmen. Wenn du getriggert wirst, dann befindest du dich wieder in der alten Situation und genauso war es auch. Ich konnte nicht mehr klar denken.

Aber warum triggerte das so? Weil in mir eben immer noch etwas glaubt, dass ich tatsächlich überflüssig und ein Störfaktor bin. Genauso wie ich im Inneren immer noch zu einem Teil glaube dumm zu sein, wenn jemand meine Kompetenz angreift, usw. In mir kommt dann sofort der Gedanke: „Siehste, du hast wieder was falsch gemacht! Du bist eben doch falsch“ , denn wir erinnern uns: Das Kind von früher glaubte was ihm gesagt wurde und dachte wirklich es wäre der Fehler. Ich ließ mir das also so lange gefallen, weil ich unterbewusst dachte (und manchmal noch denke), dass sie recht haben, ich etwas falsch mache und das nur ändern muss, damit ich wieder geliebt werde.

Aber merkt euch: Für Liebe muss man NICHTS leisten!

Was für mich Idealisierung/Aufmerksamkeit war

Ein witziger Funfact: In Beziehungen erinnerte ich mich immer gern an die ersten Tage zurück, denn das waren stets die schönsten. Danach ging es meist rapide abwärts.

Wenn ich Idealisierung sage, dann klingt das so, als wäre ich da mit Komplimenten und Geschenken überhäuft wurden. Das machen nämlich viele so. Aber ich habe schon emporgehoben (und damit selbst idealisiert ☝!), wenn jemand gern Zeit mit mir verbringen wollte und nett zu mir war. Das war’s.

Egal ob Freundin oder Partner, am Anfang waren die Leute meist mega begeistert von mir. DIE beste Freundin. DIE Traumfrau. Sie waren nett, verbrachten gern Zeit mit mir und gaben mir das Gefühl, eine Lebensberechtigung auf dieser Welt zu haben. „So schlimm kann ich ja dann doch nicht sein“ , dachte ich mir. „Endlich mag dich jemand. Endlich gibt’s Liebe!

Und nach kurzer Zeit war das dann vorbei. Es war immer wieder wie damals: Ich ging den Leuten auf die Nerven, meine bloße Anwesenheit reichte oft. Man ignorierte mich, schwieg mich an, usw. Was am Anfang so toll an mir gefunden wurde, war plötzlich eine Todsünde. Völlig banale Dinge wurden als Erklärung genommen, warum man mich so behandelte, wie es dann getan wurde. Dinge, an denen man mir die Schuld gab. Ich war zu laut, zu leise, zu ordentlich, zu unordentlich, zu faul, zu engagiert, zu dumm, zu intelligent, zu verlogen, zu ehrlich, zu langweilig, zu aufgedreht, usw. usf. – Und all das kam oft aus dem Nichts.

Wenn es jemand partout stört, wenn bspw. die Wohnzimmertür offen gelassen wird, dann merkt man sich das einfach und schließt sie demnächst. Das sind normale Kompromisse. Aber diese „Gründe“ für den psychischen Missbrauch änderten sich jeden Tag. Was heute gut war, war morgen schlecht.

Also versuchte ich jeder potenziellen Fehlerquelle aus dem Weg zu gehen, um die negativen Reaktionen zu vermeiden (= Perfektionismus) und mich zu schützen. Und auch weil ich dachte, das es ja an mir liegen muss. Ich habe das nicht nur ständig gesagt bekommen, sondern ich war ja auch der (scheinbar) einzig gemeinsame Nenner. Also dachte ich weiter an mir als Wesen wäre etwas falsch.

Aber das sind Menschen, die selbst sehr unglücklich und unzufrieden mit sich sind. Aus diesem Grund idealisieren sie ja. Auch ihnen fehlte die Selbstliebe, so wie sie mir fehlte (= niedriger Selbstwert zieht meist niedrigen Selbstwert an). Ein mit sich selbst zufriedener Mensch benimmt sich nicht so. Dieser übertritt weder seine eigenen Grenzen noch die der anderen.

Zur Folge hatte dieser Perfektionismus dann irgendwann die Sozialphobie, denn egal was ich tat oder nicht tat, es war trotzdem nicht richtig. Meine Angst vor Menschen wurde immer größer, meine Angst die mir sagen wollte: „So geht das nicht weiter. Menschen verletzen uns, also müssen wir Menschen meiden“ . ➡ Unser Körper und unsere Psyche machen keine Fehler und sind auch nicht gegen uns, wir müssen nur lernen zu verstehen, was sie uns sagen wollen.

Fazit

Dieses Jahr ging es also in großen Schritten an meine sozialen Ängste. Eine sehr spannende Erkenntnis fand ich da auch, dass es mir ja eigentlich unheimlich wichtig ist, so selbstständig und frei, wie es gerade nur möglich ist, zu leben. Alles, was meine Freiheit einschränkt, macht mich wahnsinnig. Deshalb reagiere ich auch sehr allergisch auf Manipulation und Druck. Selbst in meinem Namen steht das Wort Freiheit schon, denn Franziska bedeutet so viel wie ‚die Freie‘ . Witzig, oder? Aber was tue ich? Ich nehme mir vor lauter Angst die eigene Freiheit. Wie viele Dinge tat ich in meinem Leben nicht, weil ich solch furchtbare Angst hatte, etwas falsch zu machen? Wie viele Dinge brach ich ab? Und wie lange sperre ich mich deshalb schon Zuhause ein?

Indem ich meiner Angst und meinen Symptomen nicht zuhörte, sie immer nur weg bekommen wollte – mir selbst dadurch nicht zuhörte! – habe ich mir auch ein großes Stück weit selbst die Freiheit genommen. Das was mir soo wichtig ist. Das war eine krasse Erkenntnis. Ich sah meine falsch verknüpften Überzeugungen gar nicht und hab dadurch mein Muster immer und immer wieder wiederholt. Nicht die Angst oder die Depression ist das Problem, sondern das ich ihnen nicht zugehört und sie nicht verstanden habe.

Erledigt ist durch diese Reflexionen und Erkenntnisse noch nichts. Aber dadurch ist viel ins Rollen gekommen und bietet mir jetzt eine neue Chance für eine bessere Lebensqualität.

Das Gefühl unwichtig zu sein

Leider ist das ein Gefühl, was sich sehr tief in mir abgespeichert hat.
Geprägt wurde es bereits früh in der Kindheit. Sofort fällt mir eine Situation ein, als ich mit meinen Eltern im Urlaub und am Pool war. Meine Eltern lagen vor dem Pool. Meine Mutter las und mein Vater zog sich um und machte irgendwas. Ich spielte im Pool, auf den ersten Stufen, wo ich noch stehen konnte. Ich war vllt. 6 oder 7 und konnte noch nicht schwimmen. Dann rutschte ich ab, in den tiefen Bereich und drohte zu ertrinken. Ich sank immer wieder unter, versuchte mich über Wasser zu halten, bis ich irgendwann die Stange am Rand des Pools sah und versuchte diese zu greifen, was eine gefühlte Ewigkeit dauerte. Ich dachte ich ertrinke. Naja, ich dachte es nicht nur, ich war gerade dabei.
Als ich endlich die Stange gegriffen bekam und mich rausziehen konnte, sagte ich meinen Eltern was passierte. Ich wollte Trost und Schutz, denn ich hatte gerade um mein Leben gekämpft. Aber sie lachten mich beide nur aus und sagten mir, dass ich gar nicht fast ertrunken wäre. Das hätte ich mir nur eingebildet. Ich würde mal wieder übertreiben. Nur Aufmerksamkeit wollen … Ich meine, sie saßen vllt. 3m daneben. Es ist unmöglich, dass sie das nicht mitbekommen haben.

Eine andere Situation fällt mir ein, als ich mit vllt. 4-6 Jahren (+-) einen schweren Holzstuhl die Dachbodentreppe heruntertragen wollte und stürzte. Ich fiel die gesamte Treppe rein und der Stuhl über mich drüber. Ich hätte mir das Genick brechen können. … Aber nichts. Keine Reaktion. Keine Besorgnis. Spott stattdessen, wie ich sowas Dummes auch machen kann. Ich hätte das ja besser wissen müssen. Selbst Schuld.

Manchmal ist der Gedanke heute erträglicher, dass sie das als „Abhärtung“ betrachtet haben und ich wenigstens den materiellen Nutzen hatte – irgendeine Bedeutung für sie – als so unwichtig für sie zu sein, dass sie nicht einmal mein Tod interessiert.

Wegwerfware.

Aber auch meine Oma kommt mir da in den Sinn. Warum hat sie die Augen so verschlossen, vor dem was passierte und mir nicht geholfen? Wenn ich heute mit ihr spreche, dann geht es nur um sie. Wie schlecht es ihr geht, was mit ihr ist und besonders keinerlei Verständnis für meine Handlungen:
Ich hätte doch bei meinem Ex bleiben können. Wie er mich behandelt hat? Egal. Ich hatte es doch finanziell gut dort.
Ich könnte doch mal meine andere Oma besuchen. Was sie mir angetan hat? Egal. Ist doch Familie.
Und warum nehme ich nicht endlich Kontakt zu meinen Geschwistern auf? Weil sie bei meinen Eltern leben und ich das nicht riskieren darf? Nach allem was meine Eltern taten? Egal. Ich übertreibe und bin eine schlechte Schwester.
Gut das meine Oma mir auch regelmäßig sagt, wie sehr mein Vater meine Schwester lobt. Was für ein gutes Mädchen sie ist.
Der bitterste Gedanke, den ich jemals wahrgenommen habe, war: „Wahrscheinlich fic*t sie auch noch besser als ich“ – Ich liebe meine Schwester und ich ertrage das Gefühl sie zurückgelassen und keinen Kontakt zu ihr zu haben nur mit unendlich viel Verdrängung und Dissoziation. Das ich so etwas dachte, fühlte sich wie mein persönlicher Tiefpunkt an.

Meine Oma war der einzige gute Punkt in meiner Kindheit. An sie habe ich die einzigen schönen Erinnerungen, die nicht mit etwas Schlimmen gekoppelt sind. Und trotzdem lebt sie in einer Scheinwelt. In einer Fake-Harmonie Welt, wo nicht der Täter zur Rechenschaft gezogen wird, sondern sich das Opfer nur mehr zusammenreißen muss. Ich fühle mich verraten von ihr. Ich fühle mich so unwichtig, dass ich es nicht mal wert bin, dass man mir zuhört oder zumindest meine Entscheidungen nachvollziehen kann. Das man nicht mal sauer darüber wird, was mir angetan wurde.

Und so geht es weiter.
Richtig in mein Gehirn eingesickert WIE egal ich Menschen bin, war nach der Gruppenvergewltigung. Meine „Freunde“ ignorierten es oder taten es ab, als hätte ich von einer Lappalie erzählt. Während sie mich gleichzeitig über Monate mit ihren Beziehungsdramen und anderen Mist volllaberten. „Es reicht jetzt auch mal mit diesem Thema“ , bekam ich gesagt, nachdem ich zum 2.Mal(!) darüber sprechen wollte und auch nur darüber, dass ich Zeugen für die Polizei suche und die Namen der Täter. Ich forderte noch nicht einmal Mitgefühl, obwohl ich es so dringend gebraucht hätte. Über Monate, Tag ein Tag aus, musste ich mir anhören, warum die Freundin Schluss gemacht hat und wie schlimm das doch war und unfair. …. Hmmm… Vllt. reagiere ich auch deshalb heute so allergisch auf Beziehungsdramen. Oder ich wurde ganz ignoriert oder das Thema schnell wieder umgelenkt auf etwas anderes, sobald ich etwas sagen wollte. Und der Vater meines Kindes verbot mir den Kontakt zu diesen deshalb. Weil ich so widerlich wäre und sicher kein guter Kontakt für es. „Sorry das ich mit hab vergew“ltigen lassen. Hast recht, ich bin ein schlechter Mensch“
Der Typ will heute auf Personenschützer machen, es ist so absurd … Ich meine, er ist furchtbar. Ich weiß das. Ein schrecklicher Mensch und selbst einer meiner Täter und trotzdem tut es weh. Denn andere Frauen beschützt er, wenn sie von ihrem Mann geschlagen werden. Es tut so weh, dass ich niemand genug bedeute, wengestens einmal sauer zu werden. Das es bei allen scheinbar schlimm ist, nur bei mir nicht.

Das ist nur mein Gefühl, das ist mir bewusst.
Aber warum hört das nicht auf?

Auch meiner besten Freundin damals war es das nicht wert. Auch sie überging die Geschichte. Über alles mögliche regte sie sich auf, aber nicht darüber.
Meine Therapeutin damals fand es erst schlimm, weil ich an organisiertes Verbrechen geraten bin und nicht „Nur bei jemand fremdes im Bett aufwachte“, wie sie es sagte. Wir konnten in der Therapie auch keine wirkliche Traumaarbeit machen, weil ich ja kaum Erinnerungen an die Traumata in der Kindheit habe. Aber ich hatte doch so viele im Erwachsenenalter, an die ich mich erinnere. Keins davon sprach sie an, im Gegenteil überging sie vieles, wenn ich darüber sprechen wollte. Das fühlte sich so an, als wären diese Traumata wohl einfach nicht schlimm genug gewesen. Nichts für die Traumatherapie … Aber wenn ich mich mit anderen Menschen unhalte, dann haben sie nicht all diese Dinge erlebt und werden trotzdem ernst genommen. Machen trotzdem Traumaarbeit. Was war denn an meinen Erfahrungen anders?
Ich würde es einfach nur so gerne verstehen. Ich nehme mich heute ernst und ich find all diese Dinge sehr wohl schlimm. Und die Menschen reagieren doch auch auf andere. Warum wird bei mir stets so verhalten reagiert?

Nicht ernst genommen werden, unwichtig sein…
Ich weiß heute, dass das ein großer Trigger bei mir ist und Trigger lassen einen die Welt nicht unbedingt immer real betrachten. Oft interpretiert man Dinge falsch, weil sie einen so an das Schlimme von früher erinnern. In der heutigen Realität sind diese Sachen aber manchmal ganz anders.
Heute hab ich mich selbst auch lieb, sodass ich wirklich keinen logischen Grund weiß, warum man ausgerechnet mich ignorieren sollte. Ich weiß nicht, was an mir so schlimm sein sollte, dass man alles Mögliche auf der Welt schlimm findet, nur nicht das, was mit mir ist.
Rational weiß ich das.
Und das sage ich mir auch immer wieder.

Aber warum wird es dann immer wieder angetriggert? Liegt das nur an mir? Interpretiere ich das nur falsch? Bei anderen Dingen tue ich das doch auch nicht so stark. Oder erwarte ich einfach zu viel?

Das Gefühl anderen unwichtig zu sein, wie soll ich das aber selbst auflösen, ohne die anderen? Ohne positive, neue Erfahrungen? Ohne Erfahrungen, die mir das Gegenteil zeigen?

Wenn ich heute einer Freundin schreibe, dass meine Depressionen gerade wieder in einer schweren Phase sind und keine Antwort darauf kommt, tut das weh. Ich fragte sie, warum sie darauf gar nicht reagiert hat und sie sagte, dass sie nicht wusste wie. Ich glaube ihr das, sie ist kein schlechter Mensch und auch keine schlechte Freundin. Aber es tut trotzdem weh.
Noch viel mehr weh tut es, weil ich weiß, dass sie auf sowas reagieren kann. Denn mit einer anderen Freundin von ihr schreibt sie lange Chats. Geht auf sie ein, tröstet sie, ist für sie da. Während auf mich und wenn ich etwas erzähle, was mich gerade belastet, nur ein: „Hmm, ja echt doof…. Du, weißte was bei mir grad los ist?“ kommt. Das tut soooo weh. Warum bin ich es nicht wert, dass man mich tröstet oder für mich genauso da ist? Warum denken Menschen ständig, dass ich das nicht brauche? Warum ist es bei anderen so schlimm, aber bei mir so selbstverständlich?

Es tut auch weh wenn Menschen zu mir nach Hause kommen oder mit mir telefonieren und als erstes von sich und ihren Problemen erzählen. Und wenn ich von mir etwas nur irgendwo zwischendurch schnell einschieben kann. Schnell, weil es sich für mich so anfühlt. Ich muss die Lücke abpassen, die der andere im Reden lässt, um kurz etwas von mir zu erzählen. Und oft sind das auch nur Beispiele, die ich dann anbringe, weil es thematisch zu dem passt, was der andere erzählt. Also nichts, wo es wirklich um mich geht, sondern mit dem Erzählten möchte ich dem anderen dann zeigen: „Du bist nicht allein“ – „Ich verstehe dich“ – „Ich habe damals so und so reagiert, vllt. hilft dir diese Perspektive“ – usw.
Selbst wenn ich sage: „Mir geht es heute nicht so gut“ , dann wurde trotzdem einfach über sich geredet. Auch wenn ich gerade nicht über meine Themen sprechen möchte, würde ich mir so wünschen, dass man trotzdem einfach für mich da ist. Mir zeigt, dass es trotzdem mal um mich gehen darf. Egal wie. Und nicht nur umgedreht.

Ich bin gerne für andere da. Wirklich gerne. Aber ich verstehe nicht, warum bei diesen nicht der Gedanke aufkommt, dass ich das vllt. genauso brauchen könnte? Das ich es genauso brauchen könnte, dass es mal nur um mich geht und man mir einfach nur zuhört. Aufmerksam, ohne auf die Sekunde wartend, wo man endlich wieder über sich reden kann.
Aber auch das bilde ich mir nur ein. Nehme nur ich so wahr, wurde mir schon so oft gesagt … Ich weiß es nicht. Vielleicht. Vllt. fällt denjenigen das aber auch nicht auf und sie schieben deshalb alles von sich und geben meiner Wahrnehmung die Schuld.

Dann denke ich mir und manchmal sagen sie es auch, dass es ihnen eben so schlecht geht, dass sie keinen Raum für mich haben. Das ist okay und eine wichtige Grenze.
Aber wenn das ständig oder fast überwiegend der Fall ist, frage ich mich schon manchmal: „Geht es mir dann einfach doch nicht so schlecht? Sind die anderen doch schlimmer dran, als du? Denn wenn du dich zurückhalten kannst, um für denn anderen da zu sein und der das nicht kann, dann muss es dem ja schlechter gehen“ und weil ich das denke, halte ich mich dann wieder zurück. Bin weiter für den anderen da, höre zu, mache mir Gedanken und trete damit über meine eigenen Grenzen. Aber ich äußere doch schon deutlich wie es mir geht. Warum hören das die anderen nicht?
Und da bin ich wieder an dem Punkt, wo ich mich frage, wie laut ich rufen muss, um gehört zu werden?

Es wird zwar gesagt und angeboten: „Wenn du reden willst…“ , aber ich kann dann doch nicht reden. Sie hören gar nicht richtig zu. Sind mit etwas anderem nebenbei beschäftigt, abgelenkt, geistig nicht richtig anwesend, gelangweilt. Es tut so weh, wenn ich sehe, wie der Blick so langsam abtriftet, weil derjenige sich langweilt. Gelangweilt von meinem Schmerz ist. Von meinem Kampf ums Überleben.
Oder sie reden ständig zwischenrein. Also nicht so normal, weil einem ein Gedanke kommt, sondern ich werde dann so komplett überredet, sodass ich gar nicht richtig weiterreden kann und es doch wieder nur um den anderen geht.
Wieso nehme ich das denn wahr, wenn nichts davon stimmt? Wovon werde ich denn dann getriggert? Ich will es einfach nur verstehen, dann könnte ich vllt. auch besser damit arbeiten.

Oder es geht generell überwiegend nur noch um die Themen des anderen.
Beziehungstress, während ich da sitze und davon erzähle, dass ich Angst habe, dass noch Täterkontakt besteht, weil es Indizien dafür gibt. Während auch bei mir weiter im Trauma zu meinem Kind gerührt wird, von Täterseite. Während Traumaerinnerungen hochkommen usw. Es ist so viel los und wenn es dann im Chat oder Gespräch immer wieder auf dieses eine Thema des anderen zurückswitcht, fühlt es sich wieder an, als wäre ich unwichtig. Nur für andere da. Um benutzt zu werden….

Das ist so stark dieses Thema, seit letztem Jahr.
Manchmal ertrage ich es kaum noch. Dieses Gefühl für niemand wichtig zu sein. Nur für den Gebrauch. Ja, es ist schön, dass die Dissoziation fällt, aber das bringt auch soviel Schmerz ans Tageslicht.

Ja, die Menschen sagen, es ist nicht so. Das sie mich nicht benutzen.
Und das will ich ihnen auch glauben. Mein Umfeld ist lange nicht mehr das Gleiche, wie es das früher war. Auch meine Antennen für ausnutzendes Verhalten sind viel besser, ebenso ziehe ich heute sehr starke Grenzen.
Wie gesagt, rational weiß ich auch, dass es Quatsch ist. Es gibt keinen Grund, warum ich weniger als andere Wert sein sollte. Auch ich bin nicht der Nabel der Welt, bei dem alles anders ist.
Aber das Gefühl geht nicht weg.
Und ich habe ja Reaktionen kennengelernt, wenige, aber sie waren da, die mir zeigten: „Ah, so sieht es also aus, wenn jemand schlimm findet, was man dir antat“ – Wenigstens weil die Sache an sich schlimm ist. Ob ich demjenigen wichtig war, dass kann ich deshalb trotzdem nicht fühlen.

Und ich weiß nicht, was ich tun soll.
Soll ich noch mehr Menschen aussortieren? Da bleiben nur noch 2 übrig. Oder muss ich es einfach akzeptieren, weil die Welt und die Menschen nun einmal so sind? Aber bei anderen können sie das doch auch.
Oder jammere ich gerade nur herum? Gebe ich anderen die Schuld, muss ich mich noch mehr selbst kümmern?
Oder liegt es daran, dass ich noch immer die falschen Menschen anziehe? Muss ich erst noch mehr heilen?
Muss ich mich noch mehr anstrengen und meine Trigger bearbeiten? Liegt es daran? Bewerte ich alles nur falsch?
Aber irgendwie ist es mir auch zuwider, dieses „noch mehr machen müssen“ – Sind das nicht auch Traumagedanken? Das man erst dies und jenes tun muss, um sich geliebt zu fühlen? Weil es nicht reicht, das man einfach ist?
Aber wenn es an den Anderen liegt, dann kann ich auch nichts tun. Nicht handeln. Das ist also genauso Mist und nicht akzeptabel für mich.

Ich will das alleine schaffen. Niemand anderes dazu brauchen, auf niemand angewiesen sein. Obwohl auch das wieder nur Traumagedanken sind, oder?
Aber da ist sowieso der Punkt, wo ich scheitere. Ich weiß nicht wie ich das alleine hinbekomme. Ich habe Selbstliebe aufgebaut und trotzdem wünsche ich mir das Gefühl, auch einmal für jemand anderes wichtig und bedeutend zu sein.
Ja, manche Leute sagen es wäre so, aber ihre Handlungen lassen mich das nicht fühlen.

Ich stehe hier an einem Punkt, wo ich nicht weiß, wie ich das ohne die Hilfe anderer schaffe. Zumal es dabei ja um andere geht. Aber genau davor habe ich Angst. Denn dazu muss ich anderen erst einmal zeigen, dass ich sie brauche und wenn ich noch nicht mal das Gefühl habe, das ICH gesehen werde, wenn ich mit „Bröckchen“ (obwohl Depressionen und Vergew*ltigung jetzt auch keine Bröckchen sind) ankomme, dann wird es nur umso schlimmer, umso offener und verletzlicher ich mich noch zeige und wieder keiner Reaktion kommt. Ich will auch einfach nicht mehr darum kämpfen müssen, gesehen und geliebt zu werden. Jemand wichtig zu sein.
Ich fühle mich hier in einer Pattsituation, weil ich nicht weiß, wie ich dieses Thema ohne andere schaffe. Aber auch nicht, wie ich es mit schaffen soll. Ich gebe mir wirklich Mühe, aber es haut nicht hin. Keine Ahnung

Angst vor Bewertung (Sozialphobie)

(Triggerwarnung – M*bbing, psychische Gew*lt)

Seit meiner Kindheit fühle ich mich unter Menschen nicht wohl. Ich schämte mich immerzu für alles Mögliche, was letztendlich dazu geführt hat, dass ich viele Dinge vermieden habe.
Mein Abitur habe ich z.B. 2x angebrochen, weil ich mich so furchtbar unwohl in der Schule fühlte. Ich hasse Gruppenaktivitäten und vieles Schöne, was ich gern getan hätte oder tun würde, habe ich aus Scham und Angst vor Menschen nicht getan.

Vor einigen Tagen hatte ich dann einen Traum. Eigentlich ein recht banaler.
Ich saß wieder mit meiner alten Schulklasse im Klassenzimmer. Wir waren alle schon erwachsen, aber ich fühlte mich genauso unwohl wie früher. Ich war kurz davor abzuhauen und da fragte ich mich im Traum, wie ich es all die Jahre geschafft habe, jeden Morgen mit Bauchschmerzen in die Schule zu gehen.

In der Schule wurde ich manche Tage völlig in Ruhe gelassen und an anderen Tagen wurde ich gemobbt. Alles was ich sagte oder tat wurde auf die Goldwaage gelegt. Über teils völlig banale Dinge wurde gelacht und gespottet. Ich wusste nie was es war. Was ich sagen und nicht sagen konnte, ohne ausgelacht, nachgemacht und beleidigt zu werden. Wenn ich wo lang lief schubste man mich manchmal, zog mir das Bein weg oder den Stuhl, wenn ich mich setzen wollte. Aber ich wusste nie wann das passiert. Manchmal sprachen die anderen ganz normal mit mir und manchmal beleidigten sie mich. Heute sprach meine Freundin noch mit mir, morgen verschwor sie sich mit den anderen gegen mich. Ich konnte die Situation nie einschätzen. Nie vorhersagen wann man sich gegen mich wandte und wann nicht. Was heute okay war, war es morgen schon nicht mehr.

Und wenn ich von der Schule nach Hause kam, ging das Gleiche weiter.
Meine Eltern lachten mich eigentlich permanent aus und verspotteten mich wegen alles möglichen. Manchmal wie ich aussah, manchmal wie ich sprach oder wie ich mich bewegte. Irgendetwas gab es immer zum lachen.
Ich erinnere mich an eine Situation, als ich klein war (noch vor der Schule, max. frühe Grundschulzeit) und wir im Restaurant saßen. Wir waren im Urlaub und sind vom Hotel zu Fuß dorthin gelaufen. Als wir mit Essen fertig waren sagte ich, dass ich jetzt satt wäre und wir fahren könnten. Und meine Eltern lachten.
Ich wusste das wir zu Fuß dort waren. Aber sie lachten, wenn ich solche Sachen sagte. Schenkten mir Aufmerksamkeit. Und ich dachte sie würden freudig über mich lachen. Ich war immer so naiv. Damals sagte dann mein Vater irgendetwas dazu und da begriff ich das erste Mal, dass sie mich auslachten. Das sie verachteten wie dumm ihr Kind in ihren Augen war, was sie mir auch immer und immer wieder, meine ganze Kindheit durch erzählten. Heute weiß ich, dass ich alles andere als dumm bin. Doch früher glaubte ich das und es tat weh.

Es tat weh von jedem ausgeschlossen zu werden. Es tat weh ausgelacht und von allen immer wieder als falsch (in allen Ausführungen) beschimpft zu werden. Und es tat weh all das allein durchstehen zu müssen.

Meine Eltern waren genauso willkürlich wie meine Mitschüler. Was heute niemand interessierte, war morgen der Aufhänger mich nieder zu machen.
Wenn ich in der Schule über den Gang lief, wusste ich nie ob ich in Ruhe laufen kann oder ob mich wieder jemand ins Visier nahm.
Wenn ich zuhause die Treppe hoch lief, wusste ich nie ob ich ohne Ärger oben ankomme oder ob meine Mutter wieder irgendetwas störte. Einmal lief ich zu laut, das andere Mal war ich fröhlich und das ging gar nicht. Was für ein furchtbares Kind ich doch sei: „Okay, fröhlich sein ist gefährlich und mit Ärger verbunden. Check ✅“

Ich war immer in Habachtstellung.
Es war ja nie vorherzusehen wann Gefahr kam und wann nicht. Jedes Wort, jede Geste, jede Bewegung konnte und wurde viel zu oft gegen mich verwendet. Und als ich später erwachsen wurde, wurde es nicht besser. Es gab keine neuen, besseren Erfahrungen, die mir hätten zeigen können das es nicht mehr notwendig ist ständig auf der Hut zu sein.
Bsp.: Ich kochte für mich und meinen Ex-Freund und schenkte uns gerade Wasser ein. Da waren wir frisch zusammen und es entbrannte ein riesiger, böser Streit, weil ich das Wasser „zu aggressiv“ eingegossen hätte [Ja, genau so habe ich auch geguckt – Ich hatte nicht einmal schlechte Laune, sondern freute mich aufs Essen].


Und so lief das mit allen möglichen Menschen ab. Völlig willkürliche Dinge waren plötzlich aus dem Nichts ein Weltuntergang. Einmal fragte ich einen „Freund“ z.B. nur, wie es einem anderen „Freund“ gehe, von dem ich lange nichts gehört hatte. Ich weiß bis heute nicht was an dieser Frage so dramatisch war, dass man mir direkt drohte das Jugendamt einzuschalten und dafür zu sorgen mir mein Kind weg zu nehmen. Ich wurde furchtbar beschimpft, aus Wohnungen geworfen, aus dem „Freundes“kreis  ausgeschloßen, Kontakte beendet usw. Oft wusste ich nicht einmal was ich überhaupt gemacht haben soll. Teilweise hatte ich wirklich nicht mal etwas gemacht und die Dinge die ich „gemacht habe“ wurden so aus dem Kontext gerissen, dass es überhaupt nichts mehr mit mir oder meiner Intention zu tun hatte.

Mein Ex-Freund flippte bspw. einmal aus und sprach mich wochenlang nicht mehr an, weil ich einen Planschpool kaufte. Einige Tage vorher waren wir bei seiner Mutter zu Besuch, die einen hatte und dem Kleinen gefiel es total. Mein Ex-Freund meinte daher das wir uns auch einen holen sollten. Also ging ich vor der Arbeit los und organisierte einen coolen für den Balkon, pumpte ihn mit einer Fußpumpe auf und füllte ihn mit Eimern Wasser voll. Ich wollte sowohl meinen Ex wie auch mein Kind überraschen, wenn sie von der Arbeit und Kindergarten nach Hause kommen. Ich habe mich gefreut und wollte etwas Schönes tun und dafür gab’s Strafe. Was er mir alles vorwarf weiß ich gar nicht mehr. Irgendwas das ich ihn hintergangen hätte und dann habe ich einen Blackout.
Ähnlich als ich damals nur gut gelaunt die Treppe hochhüpfte und meine Mutter sich dadurch beleidigt fühlte…

Generell kam fröhlich sein auch im Erwachsenenalter nur mittelmäßig gut an. Wenn ich mich über etwas freute oder auf etwas stolz war, waren es meist die „Freunde“ die betonten was ich aber trotzdem noch alles falsch mache. Oder es kam einfach gar keine Reaktion oder nur eine Phrase, nur dass es schnell danach wieder um diese Leute oder etwas anderes ging. Früher interpretierte ich das so, dass ich eben nicht wichtig bin. Oder das so viel an mir falsch ist, dass ich wirklich nicht stolz sein bräuchte, wenn ich 1x etwas gut mache.
Heute bin ich eben allein auf mich stolz.

Der Glaubenssatz das ich immer aufpassen muss, niemand vertrauen und bloß nicht entspannen darf, weil jederzeit die nächste Gefahr um die Ecke kommen kann, wurde also mein ganzes Leben lang bestätigt.
Heute weiß ich, dass ich diese Menschen in meinem Erwachsenenleben anzog, weil die alten Wunden noch nicht geheilt waren. Und ich hielt diese Menschen auch aus einem wichtigen Grund in meinem Leben: Ich kenne ihre Verhaltensweisen. Ich weiß wie ich darauf reagieren muss. Das habe ich ja mein Leben lang trainiert. Das ist mir bekannt. Und Bekanntes wirkt sicher. So absurd das auch ist. Dass das Unsichere sicher wirkt.
Menschen die anders sind, machen mir dagegen Angst, weil ich sie nicht einschätzen kann.
Also blieb ich unbewusst beim Bekannten, aus Angst dass das Neue noch Schlimmeres bringen könnte. Ich zog immer wieder die gleichen Menschen, wie diese aus meiner Kindheit, an und bestätigte mir damit selbst meinen Glaubenssatz. Allerdings verspielte ich mir damit auch die Chance auf neue, schönere Erfahrungen.

Manipulative und selbstverantwortungslose (die Grundlage für Schuldzuweisungen und Drama) Menschen lasse ich heute nicht mehr in mein Leben.
Aber die ständige Angst bewertet (=angegriffen) zu werden und die damit verbundene Scham („Ich mache bestimmt wieder etwas falsch“ ) ist noch heute da.

Am Morgen nach dem Traum begriff ich all das eben Beschriebene. Ich erkannte, fühlte warum ich immer noch diese Angst habe. Jetzt kann ich endlich die Ursache dieses Glaubenssatzes verstehen.

Jede Aktivität von mir könnte Menschen veranlassen wieder genauso willkürlich zu handeln. Daher bleibe ich innerlich dauerangespannt und unsicher. Und umso mehr Menschen da sind (wie draußen, im Zug oder in Kaufhallen z.B.) und umso fremder mir der Mensch ist, je mehr potenzielle Gefahr besteht. Auch dieser innere Streß ist ein mir bekannter Zustand und wirkt daher sicher. Entspannung ist gleich Gefahr. Im entspannten Zustand könnte ich möglicherweise zu spät reagieren oder leichtsinnig werden, was früher, als ich noch auf andere angewiesen war, katastrophale Auswirkungen gehabt hätte. Also bleibt die Habachtstellung. Die Angst und die Scham (die mich schützen soll, etwas falsch zu machen, was wieder Probleme bringen könnte). Der Hochstreß. Die Sozialphobie.

Nach all den Jahren, wo für andere ständig alles falsch war, was ich tat. Wo ich keine schöne Erinnerung in Verbindung mit Menschen besitze, die nicht mit etwas Negativen verknüpft ist. Wirklich keine. Nach all diesen Jahren lief jedoch irgendwann das Fass bei mir über. ▶️ Wenn ich eh alles für andere nur falsch machen kann, dann muss ich ja auch nicht mehr darauf achten alles richtig zu machen 😅. Wie heißt es so schön? Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
Das war die Zeit wo ich anfing Selbstvertrauen aufzubauen. Als ich begann zu sehen das meine schönsten Erinnerungen, ohne negative Verknüpfung, aus Momenten stammten, wo ich mit mir allein war. Da begriff ich, dass ich niemand mehr nötig habe der meine Grenzen nicht respektiert. Der mich manipuliert, ignoriert, runtermacht und klein hält.

Ich war alleine traurig, wütend und glücklich. In den schlimmsten und schönsten Zeiten meines Lebens war ich alleine. Wenn ich das schaffe, dann brauche ich auch heute keine anderen Menschen. Menschen wünsche ich mir in meinem Leben, natürlich. Erwachsene Menschen die mit mir gemeinsam den Weg gehen, aber ich BRAUCHE niemand mehr. Denn letztendlich sind Abhängigkeiten nichts anders als den anderen zu benutzen. Und ich will kein Leben mehr führen das sich nur ums Benutzen dreht. Heute kann ich meine Bedürfnisse alleine befriedigen. Und das erwarte ich auch von den Menschen, die Teil meines Lebens sein wollen.
Die Abhängigkeit bröckelte mit der Zeit also langsam und die Standfestigkeit wuchs.

Die Sozialphobie ist immer noch da.
Aber heute tue ich Dinge, die ich mich früher niemals getraut hätte. Vieles tue ich heute eben weil es mir Angst macht. Einiges tue ich jedoch auch immer noch nicht, dass muss ich aber auch nicht. Nicht alles auf einmal, sondern alles mit seiner Zeit.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass mir dieser Glaubenssatz deshalb jetzt so bewusst wurde. Das diese ganzen Glaubenssätze in den letzten Monaten deshalb hoch kommen, weil ich jetzt die Möglichkeiten dazu habe etwas daran zu verändern. Weil die nötige Vorarbeit dazu erledigt ist, sodass diese endlich angegangen werden können.

Ich bin so müde. Ich habe einfach keine Lust mehr mich nach anderen auszurichten. Mir ständig Gedanken zu machen, ob und warum jemand sauer auf mich ist oder sein könnte. Was ich wieder falsch gemacht haben könnte. Weh tut der Gedanke noch immer, aber ich richte mich nicht mehr danach aus. Soll jeder sein Drama haben, aber ich will jetzt endlich glücklich sein. Ich habe für Drama einfach keinen Platz mehr.

Glaubenssätze auflösen

Ich habe euch doch letztens von den Hintergründen meines schlechten Körpergefühls erzählt.
Gestern gingen wir in der Kunsttherapie dann einen anderen Glaubenssatz an bzw. haben ihn aufgedeckt.
Ich finde das total cool.

Also ich versuche mal von vorn anzufangen:

Ich habe aktuell das Gefühl, dass hier das Thema (bzgl Heilung) dran ist, sich von anderen Menschen bzw. deren Erwartungen und Meinungen zu lösen. Letztendlich hängt all das ja bei mir mit Dingen wie der Sozialphobie, der verdrehten Körperwahrnehmung und dem Perfektionismus generell zusammen. Auch das Gefühl einfach nirgends dazu zu gehören oder warum mich solche Dinge so verletzen, wie z.B als meine beste Freundin meine Beiträge mal als zu lang und nervig betitelt hat. Etwas das ja mein Innerstes widerspiegelt (also der Blog).

Es ist aktuell ein großes Thema für mich, anderen nicht mehr die Macht über meine Gefühle zu geben. Ich möchte nicht mehr aus Angst etwas falsch zu machen, mich zuhause einschließen oder mir den Tag oder Tage ruinieren lassen, weil irgendjemand an mir auslässt, wie unzufrieden dieserjenige letztendlich nur mit sich selbst ist. Ich möchte und versuche aktuell aktiv daraufhin zu arbeiten, dass das nicht mehr so stark meine Gefühlswelt bestimmt. Das ich das dort lassen kann, wo es hingehört. Beim anderen.
Dieses Thema steht also gerade an. Allerdings gar nicht so aktiv bewusst. Es taucht einfach diesbzgl. ein Thema nach dem anderen auf.

Und gestern wollten wir dann in der Therapie mit einem Glaubenssatz ins EMDR.
Wir haben also versucht zu schauen, welche Situation zu diesem Thema passt (und welche mich getriggert hat) und noch nicht so lange her ist. Welche Gefühle diese Situation ausgelöst hat.
Wir nahmen dann eine, wo ich mich direkt in meiner Kompetenz angegriffen/verletzt gefühlt habe. Mittlerweile weiß ich was ich kann, triggern tut mich dieses Thema trotzdem so stark, weil es die Dauerbotschaft meiner Mutter in der Kindheit war: „Du bist zu dumm für die Welt“ gepaart damit ausgelacht und verspottet zu werden. Viel Zeit meines Lebens verbrachte ich daher damit, mich mit allen möglichen Themen zu beschäftigen, sodass ich ja überall Bescheid weiß und man mir nicht mehr vorwerfen kann, ich wäre dumm.
Das ist natürlich nicht möglich. Es ist unmöglich in allen Bereichen des Lebens 100% alles zu wissen.

Mit dieser Situation gingen wir dann ran und schauten welche Gefühle dahinter stehen. Und dann weiter, was z.B hinter dem „Ich fühle mich dann total klein und dumm“ steckt.
Es kamen dann Sachen auf wie: „Ich bin wertlos“ – „Ich bin falsch und schlecht“ , aber irgendwie fühlte sich das noch nicht passend an. Also noch nicht so, als wäre das schon der Glaubenssatz. Sondern mehr so, als wären das nur Teile davon.
Da stand also noch etwas dahinter.
Dann hatten wir das Gefühl: „Ich werde nicht gesehen. Ich bin unbedeutend. Kein Individuum. Nichts besonderes. Ich kann jederzeit ausgetauscht werden.“ , aber es hat sich immer noch nicht so angefühlt, als wäre das allein schon der Glaubenssatz. So richtig ‚Klick‘ macht es noch nicht, meinte ich zu ihr.
Das die Gefühle wertlos und falsch zu sein, aber aus dem Gefühl des nicht gesehen zu werdens resultieren, konnte ich ausmachen. Wie eine Kette. Das Eine löst das Andere aus. Und alles hängt zusammen.

Und dann kam mir in den Kopf, was ich in dieser Situation, welche ich so triggernd fand und welche wir mit in die Therapie nahmen, fühlte: „Ich will doch einfach nur lieb gehabt werden“ – Es geht bei solchen Situationen (oder wenn ich Angst vor dem bewertet werden habe, etc.) also nicht darum, dass ich mich in meiner Kompetenz angegriffen fühle o.a, sondern eigentlich um das Gefühl abgelehnt zu werden. Keine Liebe zu bekommen.

Das Gefühl nicht geliebt zu werden. Das ich für mein Sein gar keine Liebe verdient habe, ist der Glaubenssatz hinter diesen Themen. Und dieses Gefühl löst wie in einer Kette erst das Gefühl unsichtbar und unwichtig zu sein aus. Austauschbar zu sein. Und dann falsch und wertlos. Klein und dumm. Nicht dazugehörig. Und um das zu vermeiden entwickelte ich meinen Perfektionismus. Nichts falsch machen, in der Hoffnung dann Liebe zu bekommen.

Und dann kam noch was anderes lustiges.
Irgendwas sagte die Therapeutin zur letzten Stunde, wo ich ihr ja davon berichtet habe, was ich bzgl des Körpergefühls herausgefunden habe. Und da hat es richtig ‚Klick‘ gemacht. Dieses berühmte Aha-Erlebnis:
Das hängt alles zusammen. Wie 2 Seiten einer Medaille.
Bei der Körperwahrnehmung war es der Glaubenssatz, das Gefühl, dass nur mein Körper an mir wichtig ist. Das er zum benutzen da ist und ich nur über meinen Körper sowas wie „Liebe“ erhalten kann. Und sobald etwas daran kaputt oder nicht mehr schön ist, werde ich aussortiert und bekomme überhaupt keine Liebe mehr (ich mein, ich weiß, dass das sowieso keine Liebe ist/war, aber es war halt das, was dem am nächsten kam). Dieses Gefühl: „Du bist nur zum benutzt werden da. Das ist deine ganze Existenzberechtigung“ .
Und diese sozialen Triggerthemen (wie oben angesprochen), da ist es das Gefühl keine Liebe verdient zu haben, weil das ja auch immer exakt diese Botschaft war. Nicht einfach so. Nicht ohne Gegenleistung. Das ich keine Liebe bekomme, einfach nur weil ich ich hin. Im Gegenteil, ich sein war immer mit Liebesentzug verbunden. Bedeutete immer eine Bestrafung.

Und beide Glaubenssätze hängen zusammen.
Das was hinter dem verdrehten Körpergefühl steckt und dem schnell verletzen Selbstwert. Das ich eigentlich ständig nur für andere lebe. Dauernd im Außen bin. Beides basiert auf den Glaubenssatz, dass ich selbst als Mensch nicht existiere, nur das was man an mir benutzen kann. Also bloß nichts falsch machen, immer sehen den anderen zu Diensten zu sein. Alles andere oder wenn ich das falsch mache (bzw. die Gefahr droht) ist das mit extrem viel Stress im Nervensystem verbunden. Unbewusst. Und das löst wiederum diese Kette von Gedanken und Emotionen aus. Angst, Einsamkeit, das Gefühl falsch und wertlos zu sein, usw.
Ich sage ja, wie 2 Seiten einer Medallie.
Und ich dachte erst es wären unterschiedliche Themen.
Total lustig.

Übrigens auch mal ein kurzes Update zu dem Thema mit dem Körpergefühl:
Seitdem mir die Ursache klar wurde, hat es sich stark verbessert. Ich würde immer noch gerne abnehmen wollen, also so komplett weg ist es nicht. Aber ich esse wieder relativ normal. Irgendwann hat sich ja mein ganzer Tag nur noch darum gedreht, was ich essen kann und wie viel davon und zu welcher Uhrzeit usw. Und dann hatte ich ein mega schlechtes Gewissen, wenn ich mich nicht daran gehalten habe (weil ich aus Einsamkeit oder Stress gegessen habe), was auch wieder extrem viel Stress im Nervensystem ausgelöst hat.
Und das ist so nicht mehr der Fall. Wie gesagt, es ist nicht komplett weg. Das würde ja aber auch fast an Hexerei grenzen, wenn. Aber es hat sich normalisiert. Der Weg in die Akzeptanz zum eigenen Körper zu gehen, statt dagegen anzukämpfen hat sich als umsetzbar und effektiv erwiesen 👍. Also für mich, hier und jetzt.

Ich für mich merke, dass ich sehr gut damit arbeiten kann, an die Ursache der Gefühle etc. zu kommen. Dem Gefühl und der Glaubenssatz was hinter dem Trauma liegt. Das erweist sich (aktuell) für mich als besser und produktiver, als detailliert immer wieder in die Traumata einzutauchen. Damit will ich nicht die Sinnhaftigkeit dieser Therapiemethode kritisieren und wer weiß, ob das in ein paar Jahren vllt für mich effektiv ist. Nur aktuell merke ich größere Fortschritte mit der Methode, wie wir in der Kunsttherapie arbeiten (wo wir uns teilweise ja sogar nur 1x pro Monat sehen), als in den 2 Jahren wöchentliche Gesprächs-/Traumatherapie.

Hintergründe meines schlechten Körpergefühls

Gestern hat sich was aufgetan, das muss ich heute mal berichten:

In der Jahresrückschau erzählte ich doch davon, dass ich aktuell eine ganz schlechte Körperwahrnehmung habe und mich viel dicker und unförmiger fühle, als ich eigentlich bin und mich das sehr belastet.
Und dann sprach ich in dem Beitrag auch an, dass es da einen dahinterliegenden Gedanken gibt, der der Meinung ist, ohne tollen Körper kann man auch keinen tollen Partner finden, der einen lieb hat.

So und das Ganze hab ich die letzten Tage mal noch weiter hinterfragt und kam zu einer wirklich spannenden, aber auch krassen Erkenntnis.

Also die (bisher nicht bewusste) Gedankenkette ist die:
„Wenn ich zunehme oder etwas anderes mit meinem Körper passiert, ist er nicht mehr perfekt. Wenn mein Körper nicht mehr perfekt ist, will mich keiner mehr. Und wenn mich keiner mehr will, dann bleibe ich ganz allein.“

Übersetzt heißen diese Gedanken ➡️: „Mein Körper ist das Einzige, wofür man mich will. Wenn mein Körper nichts mehr taugt, dann gibt es keinen Grund mehr, dass jemand etwas mit mir zu tun haben möchte.“

Ist das nicht krass?!
Was da hinter diesem Symptom mit der verdrehten Körperwahrnehmung für ein Glaubensmuster steckt? (bei mir, dass muss so nicht für andere gelten!)

Vor allem da ich ja das Gegenteil möchte. Ich möchte keine Oberflächlichkeit und ich möchte nicht von meinen Mitmenschen für das gewollt oder „geliebt“ werden, wie ich aussehe oder was ich leisten kann. Nicht für gutes zuhören oder nen netten Hintern oder sonst was. Meinetwegen möchte ich wertgeschätzt werden. Weil ich so bin wie ich bin. So handhabe ich das ja auch bei anderen.
Und vor allem im letzten Jahr kam ja auch dieses Gefühl des ‚benutzt werdens‘ extrem stark durch. Sobald ich Manipulation oder Ausgenutzt, warm gehalten werden oder ähnliches gerochen habe, habe ich einen cut gesetzt.
Ich will also das genaue Gegenteil, während der Körper aber noch in diesem alten Glaubenssatz feststeckt.

Und das das noch da ist, ist aber irgendwo auch logisch. Darauf basieren ja, mehr oder weniger, die allermeisten (unverarbeiteten) Traumata hier. Benutzt werden.
Und vor allem lernst du ja auch früh schon, dass du nicht deinetwillen geliebt wirst, sondern nur dann „Liebe“ und Nähe bekommst, wenn dein Körper gebraucht wird.
Also kein Wunder das hier diese innere Panik aufkommt, wenn daran irgendwas nicht mehr „perfekt“ ist (obwohl das ja auch eine subjektive Sache ist, ich glaube hier gibt es wahrscheinlich davon einen individuellen, inneren Maßstab), dass es dann nie wieder jemand geben wird, der etwas mit einem zu tun haben möchte.

Der Gedanke eines äußerlich intakten Körpers, ist mit dem Bedürfnis von Nähe und Zuneigung (weil es die nur so gab), immer noch verknüpft. Kein perfekter Körper bedeutet (im kindlichen bzw. traumatisierten Kopf) dann auch keine Zuneigung. Deshalb auch diese Panik. Und auch diese innere Einsamkeit wahrscheinlich, die wieder oft hoch kommt, weil die Angst da ist, niemand könnte einen mehr wollen. Was ich nur so spannend finde ist, dass das jetzt so durch kommt. Ich habe ja kein Gewicht, was ich noch niemals zuvor hatte und passe auch weiterhin in meine ganze alte Kleidung hinein.

Ich hab das zwar schon vor ein paar Tagen in Worte fassen können, aber gestern hat es erst richtig Klick gemacht, was für ein krasser Glaubenssatz das ist. Das ich mich unbewusst selbst so abwerte bzw. auf das reduziere, was man von mir benutzen könnte. Und das es nichts sonst an mir gibt, was man gut finden würde. Nichts außer den Körper. Fand ich irgendwie total erschreckend, aber auch cool, dass sich das jetzt so klar herauskristallisiert hat.

Die Symptomatik passt auch zu den aktuellen Themen und zu dem, dass ich scheinbar mehr ins generelle fühlen komme.
Ich sehe das daher gerade als positives… oder naja, eher produktives Zeichen. Zeigt mir nämlich, dass scheinbar einiges im Gange ist und einiges an Trauma sich gerade in der Verarbeitungsphase befindet bzw. dahin eingetreten ist 👍