Update Teil 2 – Social Media, Kontakte & Zukunft

[*30.November – Die Datumsanzeige scheint zu spinnen ⬆️, darum muss ich mich die Tage erstmal kümmern]

Schwupp, sind schon wieder mehrere Wochen seit dem ersten Teil vergangen 😅. Naja. heute geht’s aber endlich zu Teil 2 meines Updates.

Mails beantworten

Sowohl bei Whatsapp wie auch in meinem eMail-Fach sammeln sich Nachrichten, auf die ich teilweise nicht nur noch gar nicht reagiert habe, sondern im Gegenteil, manches noch nicht einmal gelesen oder abgehört habe.

Mir ist ganz besonders wichtig euch zu sagen, dass das nichts mit euren Nachrichten oder generell mit euch zu tun hat. Wenn ich etwas nicht angemessen finde, sage ich das meist auch recht deutlich. Außer auf Beleidigungen, Vorwürfe, etc. reagiere ich normalerweise auf alles, sofern es mir möglich ist. Ich fühle mich aktuell allerdings so ausgebrannt, dass es mir sehr schwer fällt mit Menschen zu interagieren. Ich bin momentan sehr im Rückzug, allerdings nicht aus (innerem) Zwang, sondern weil ich merke, dass ich das gerade brauche. Und daran strebe ich auch über den Winter nichts an zu verändern. Momentan nehme ich mir diese Zeit und Ruhe also ganz bewusst für mich. Heißt, dass eine Reaktion von mir auch erstmal weiterhin noch länger dauern kann.

Dementsprechend wird es vorerst auch weiterhin keine festen Tage geben, an denen ich Beiträge veröffentliche. Das werde ich in den nächsten Monaten ganz nach Gefühl machen.

Social-Media

Einige werden sich sicherlich schon gewundert haben: Derzeit sind alle meine Social Media-Kanäle dicht. Das fing damit an, dass ich im August kaum mehr klar denken konnte (siehe Update Teil 1). Die Depression wurde so stark, dass ich auch keinen Sinn mehr in meiner Arbeit sah. Ich dachte, ich würde sowieso keinen Mehrwert bieten und es wäre egal, ob ich nun hier bin oder nicht. Im Gegenteil dachte ich sogar, es wäre für alle anderen besser, wenn ich aufhöre. Das sind eben typische Gedanken der Depression. Ich teilte dann meine Gedanken ( „Sinnfragen“ ) auch auf Instagram und bekam daraufhin eine sehr merkwürdige, private Nachricht, die ich zugegebenermaßen bis heute nicht ganz verstehe.

Diese Nachricht bestand aus Vorwürfen, dass ich diejenige „weggetriggert“ hätte und ja mal eher hätte erwähnen können, das ich auf meinen Beitrag keine Antwort möchte (ich deaktivierte die Kommentare und erwähnte explizit, dass ich keine aufbauenden oder anderweitigen Reaktionen will, einfach weil ich damit in dem Moment nicht umgehen konnte – Allein trotz dieser Bitte sowas zu schreiben, empfand ich schon als Grenzverletzung). Mein Inhalt wurde dann als, Zitat: „Eimer Scheiße“ den ich „hingekotzt“ hätte, bezeichnet. Den Rest weiß ich nicht mehr, etwas mit „Tschüß, es war schön mit dir“ kam auf jeden Fall am Ende.

Was das mit mir machte

Diese Person kam aus meiner Community und ich glaube ihr, dass sie mein Beitrag wirklich getriggert hat, denn der hatte es vor lauter Hoffnungslosigkeit in sich. Und ich vergaß auch die Triggerwarnung. Jetzt ist es aber so, dass dieser Beitrag sich immer weiter aufbaute, man merkte also relativ zügig, welche Richtung er einschlug. Und hier sind wir bei der Eigenverantwortung: Wenn es dich triggert, hör auf zu lesen.

Ebenso gibt dir kein Trigger der Welt das recht, so mit mir zu sprechen. Diese Person befand sich auf meinem Profil, ich schrieb sie nicht persönlich an (so wie sie mich) o.Ä. Und wie man an meinem Beitrag unschwer feststellen konnte, hatte ich zu diesem Zeitpunkt sowieso schon keinen Lebenssinn mehr.

Egal wie sehr ihr von einem Video, Beitrag, Kommentar etc. getriggert werdet, es liegt in eurer Verantwortung, ob ihr den anderen dafür niedermacht oder euch zurückzieht und euch damit mit Fürsorge begegnet.

Diese Nachricht, die ich direkt am frühen Morgen nach meinem Beitrag las, ließ mich darin bestätigt fühlen, dass ich falsch bin. Das es auch falsch ist, seine Gefühle zu äußern, denn das führte schon damals zu Ausschluss und dem Gefühl, dass ich dem anderen damit schade. Lustigerweise schrieb ich sogar in diesem Beitrag „Sinnfragen“ , dass ich für jegliche Gefühlsäußerung früher von meiner Mutter Ärger, Strafe und Ablehnung erhielt. Und dann wird genau auf so einen Beitrag erneut mit Ablehnung, Beleidigung und der Androhung, dass man jetzt nichts mehr mit mir zu tun haben möchte, reagiert. Das war schon sehr schräg. In dem Moment hat es mich darin bestätigt, dass es nicht gut ist, seine Gefühle zu zeigen, dass was die Community ja aber angeblich ständig sehen möchte, um sich darin „wieder zu finden“ . Also merkt ihr diese Abstrusität?

Daraufhin veröffentlich ich auf Instagram noch einen Beitrag, worin ich meinen Rückzug ankündigte und meinen Gefühlen und Gedanken relativ „freien Lauf“ ließ.

Weitere Nachrichten

Und auch auf diesen Beitrag kamen weitere Mails, diesmal von anderen Personen. Einige wirklich lieb, andere so… naja. Mir ist es einfach ein Rätsel, was einen sich dazu entscheiden lässt, eine Nachricht (und teils echt lange) zu verfassen und dann abzuschicken, die solche grenzwärtigen Inhalte haben (von Selbstbetroffen wohlgemerkt).

In diesem letzten Beitrag war ich tatsächlich recht im Selbstmitleid gefangen. Aber auch das darf eben sein, solange es kein Dauerzustand bleibt. Auch das gehört zur Authentizität dazu, dass es auch schlechte Tage und Zeiten gibt und ich möchte genau da heraus, diese Phasen immer wieder zu verstecken und damit auch mich zu verstecken. Ich leide darunter, dass mich keiner wirklich kennt. Mich kann aber auch keiner wirklich kennen, wenn ich mich ständig verstecke. Und solange ich da wieder herausfinde und nicht in der Opferrolle gefangen bleibe bzw. andere für mein Leid und Glück verantwortlich mache, bin ich mit diesen Phasen mittlerweile auch ziemlich fein.

Einigen Personen hat dies allerdings so sauer aufgestoßen, dass mir mehrere Dutzend Personen direkt entfolgten (innerhalb von 2h) und es, wie erwähnt, teils wütende und teils auch sehr verletzende Nachrichten gab. Sorry not sorry, kommt damit klar oder geht weiter. Ich empfand das nach all der guten und kostenlosen (!) Arbeit für euch, eine Frechheit.

Eine Nachricht blieb besonders hängen

Diese Nachricht empfand ich als besonders unangenehm, da ich sie sehr belehrend, in der Situation völlig unangebracht und grenzüberschreitend wahrnahm. Ob das tatsächlich so gemeint war, glaube ich nicht. Womöglich wollte diese Person mir tatsächlich in irgendeiner Form helfen. Es geht mir also nicht um die Person oder den Inhalt generell, womöglich wäre er zu einem anderen Zeitpunkt von mir ganz anders aufgenommen wurden. Aber das war eben ein Zeitpunkt, wo ich sowieso generell mich als Fehler in der Welt ansah (und das so auch ansprach).

Bevor ihr irgend etwas abschickt, überlegt euch also bitte 3x, ob das der Person gerade wirklich hilft oder, noch besser, fragt vorher erstmal, ob ein Rat oder eine generelle Erläuterung gerade überhaupt gewünscht ist.

Der Einleitungssatz begann mit: „Dein Text ist sehr opferhaft, weshalb ich ihn kaum lesen konnte“ (dann lies ihn nicht?) – Das ist okay, das du das so empfunden hast. Und wenn das ein längerer Zustand wäre, ist es sogar gut, so etwas einmal anzusprechen. Aber wie kommt man in so einer (akuten) Situation darauf? Fast alle meiner Texte sprechen von Selbstverantwortung, vllt. hätte man erstmal einige davon lesen sollen, um die Sachlage besser zu verstehen. Die kannte sie nämlich scheinbar nicht.

Denn wie sie weiter mitteilte, ist mein Profil „nicht so interessant für mich“ (was mir damit bestätigte, dass sich für meine Arbeit keiner interessiert ➡ In der Depression gleitet man schnell in Superlative = „Wenn einer das sagt, sehen ALLE das so“ , dass entspricht natürlich nicht der Realität, wird in dem Moment aber oft so empfunden). Grund dafür nannte sie, weil ich nicht so viel persönliches teile ( „Ich weiß nicht, warum du das nicht machst“ ) . Wo ich mir wieder denke: Ich mache mich auf diesem Blog seelisch komplett nackt, wem Selfies mehr interessieren, den muss ich enttäuschen.

Mir geht es auch nicht darum, dass jemand mein Privatleben verfolgt, sondern um den Inhalt meiner Texte. Ich helfe Erkrankungen, sich selbst und andere besser zu verstehen. Ich bin aber nicht euer Therapeut oder eure beste Freundin. Sorry, dass ich das so hart sage, aber manchmal nehmen sich Menschen einfach einen Ticken mehr raus, als ihnen zusteht.

Und weiter schrieb sie dann, dass sie sich lieber lustige Tiervideos etc. anschaut. Und das ist genauso vollkommen okay wie das du mein Profil nicht so interessant findest, ich mache das selbst oft so. Man kann sich nicht nur mit Erkrankungen, Symptomen oder andern eher negativen Dingen beschäftigen. Wir brauchen einen Ausgleich. Allerdings musst du meine Sachen auch nicht lesen, ich habe dich nicht persönlich angesprochen oder eine Rechtfertigung von dir oder anderen verlangt. Ich sprach lediglich über meine Gefühle.

Warum erzählst du mir also all das? All diese Aussagen lösten nur in mir aus, dass ich falsch bin und etwas an mir ändern muss. Bis dato habe ich, soweit es mir in Erinnerung ist, auch noch nie einen Kommentar oder eine Nachricht von dieser Person bekommen, was diese Mail umso schräger für mich machte. Warum gerade da? Und was mir noch sehr hängen geblieben ist, war ein Satz, ganz am Ende: „Ich habe aufgehört die Welt retten zu wollen. Vielleicht solltest du auch kleiner denken“ – Ich empfand diesen Satz als unglaublich anmaßend.

Ich wollte meine Gefühle teilen, meine Sorgen und aktuellen Probleme. Was mich belastet und worüber ich mir Gedanken mache. Und es ist nun mal mein Blog, wo genau so etwas auch Platz finden darf. Nirgends wollte ich allerdings einen Ratschlag oder generell eine Reaktion, was ich auch deutlich sagte und weshalb ich auch bei diesem letzten Beitrag auf Instagram die Kommentare deaktivierte. – Leute, ich mache sowas nicht zum Spaß. Wenn ich die Kommentare ausstelle oder explizit sage, dass ich keine Reaktion möchte, dann möchte ich das auch nicht.

Warum spreche ich das an?

Weil ich mir wünsche, dass ihr demnächst richtig zuhört bzw. lest. Nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Menschen. Wenn ich sage, ich will etwas nicht, will ich es wirklich nicht. In diesem Fall, weil ich wusste wie empfindlich ich in dieser Phase bin und das ich alles 10x auf die Goldwaage legen würde. So wie es ja dann auch war.

Natürlich hilft mir positive Unterstützung, besonders in solchen Phasen, aber nicht jeder meint es gut und da ich weiß, wie sehr mich sowas in so einer Phase treffen kann oder ich Dinge auch missverstehe, will ich lieber gar keine Reaktionen.

Das Nächste ist: Reflektiert bitte erst einmal, warum ihr das gerade tippen oder sagen wollt. Ich kritisierte in diesem letzten Beitrag nämlich auch, dass immer weniger Reaktionen kommen, im Gegensatz dazu, wie viele den Beitrag anklicken. Und Social Media (das ist aber auch beim Google-Algorithmus ähnlich) lebt nun mal von Anklicken, Likes, Teilen und Speichern. Wenn ihr etwas gut findet, dann reagiert doch bitte darauf, egal bei wem. Teilt es, drückt gefällt mir, kommentiert. Irgendwas.

Wisst ihr, auf der einen Seite merke ich selbst die Unterversorgung guter Aufklärung. Es gibt noch so viele Stigmata, so viel Unkenntnis. Und genau das bekomme ich auch zurückgemeldet. Das Fremde oder die Angehörigen nicht verstehen und verurteilen. Nicht wissen wie man mit den Betroffenen psychischer Erkrankungen umgeht, gravierende Fehler machen, teilweise wirklich schädliche Ratschläge geben, usw. Dann liegt es aber auch an euch, zu unterstützen das solche Aufklärung unter die Menschen kommt. Wie soll Stigmatisierung abgebaut werden, wenn die Informationen nicht zu den Leuten kommen? Wenn auf Social Media wenig auf dich reagieren, dann sagt der Algorithmus: „Alles klar, ist unrelevant“ und deine Reichweite sinkt immer weiter.

Meine Arbeit und die anderer steht euch kostenlos zur Verfügung. Das ihr hin und wieder etwas teilt oder den Algorithmus pusht, ist da aus meiner Sicht nicht zu viel verlangt, auch wenn das einige so (laut mancher Aussagen aus den Mails) glauben.

Die Frage ist also, wolltet ihr mir das wirklich schreiben, um mir zu helfen u.Ä. oder habt ihr euch angegriffen gefühlt? Denn das war der erste Beitrag, nach 3 Jahren Arbeit, der so Negativ und hoffnungslos geschrieben war. Ich bezweifle, dass es wegen einiger Tage so drauf sein, so viele Leute in die Flucht schlägt, wenn man mich ja eigentlich ganz anders kennt. Schaut also bitte immer erstmal, warum ihr gerade so reagiert, wie ihr es tut.

Denkt also bitte ab und an darüber nach, dass hinter solchen Accounts auch immer Menschen stecken. Menschen mit Gefühlen und eigenen Problemen. Keiner von uns ist nur für euch da und darf beleidigt oder irgendwelche Sprüche gedrückt bekommen, weil euch etwas nicht passt.

Wie es jetzt mit SocialMedia weitergeht

Aber auch ich selbst habe meinen genügenden Teil dazu beigetragen, dass die Reichweite immer weiter sank. Ich war teilweise oft nur noch in Social Media online, wenn ich eben etwas postete und sonst nicht. Wenn du dich aber nicht integrierst , dann kannst du 1. nicht auf dich aufmerksam machen und 2. will der Algorithmus, dass du dich selbst auch am sozialen Miteinander beteiligst. Sprich: Selbst likst, kommentierst, usw. Likes habe ich zwar fleißig verteilt, dagegen aber so gut wie nie kommentiert. Auch das hängt so ein bisschen mit meinen sozialen Ängsten zusammen, da ich dachte, ich gehöre eh nicht dazu (was man auch nicht kann, wenn man sich nicht beteiligt) und die Angst hatte, das dann auch so gezeigt zu bekommen und zum anderen, weil ich eben selbst gar nicht so viel auf anderen Profilen unterwegs bin.

Social Media frisst so viel Zeit, die ich einfach gar nicht habe, um zusätzlich so viel Zeit dort zu verbringen, wie man es eigentlich machen müsste als Creator. Und die finanzielle Kapazität jemand dafür zu engagieren, wie viele es tun, habe ich nicht. Zudem fände ich es auch nicht richtig, wenn jemand in meinem Namen mit anderen interagiert.

SocialMedia macht mir persönlich aber auch viel Druck. Du musst als Creator regelmäßig posten, ich habe jedoch oft viele und längere Pausen gemacht und auch das sieht der Algorithmus nicht sehr gerne. Hinzukommt, dass ich mich im Laufe des letzten Jahres immer stärker verglichen habe. Andere Profile, die viel seltener posten und auch viel weniger umfangreich (wenn trotzdem mit sehr guten Inhalten) und viel mehr Aufmerksamkeit bekamen. Ich habe das lange versucht zu ignorieren und runterzuschlucken, weil ich ja weiß, dass das Schwachsinn ist mit dem vergleichen. Die anderen können überhaupt nichts dafür und trotzdem entwickelte sich bei mir eine Art depressiver Neid.

Und Social Media lädt eben auch sehr zum Vergleichen ein. Ich würde mir eine Plattform ohne all das Gelike, etc. wünschen, habe bisher allerdings noch keine gefunden.

Mit so etwas wie Neid hatte ich bisher nie großartig zu kämpfen und das mochte ich auch kein Stück an mir. Aber wie alles, war oder ist auch das nur ein Symptom. Bei mir wurde immer stärker das Gefühl angetriggert, wieder nicht dazu zu gehören, falsch zu sein und auch nicht wichtig für andere. Mir ist das z.B. mehrfach aufgefallen, dass wenn ich Geschichten aus meinem Leben teilte, oft gar keine Reaktion kommt. Während (und hier sind wir wieder beim Vergleichen) andere auf ihre Erzählungen so viel Mitgefühl und Anerkennung bekamen.

Bei mir nahm ich das nicht wahr und deshalb stieg wieder das alte Gefühl auf: „Hmm, dann ist es wohl doch nicht so schlimm bei mir. Dann übertreibe ich nur. Oder bei mir finden das Menschen einfach nicht schlimm genug.“ – Das Gefühl nicht ernst genommen zu werden und auch einfach nicht wichtig genug zu sein, dass jemand schlimm fände, was mir passierte.

Ich hatte also mit der Zeit immer mehr zu kämpfen und irgendwann wusste ich nicht mehr, wie ich das unterdrücken sollte. Deshalb meine ich, dass dieser depressive Neid, der entstand, auch nur ein Symptom dafür war bzw. ist, dass ich mir eben all das, was ich oft bei anderen wahrnehme, auch wünsche. Am Ende kann ich dafür aber nicht andere verantwortlich machen.

Ich glaube, dass ich im Schildern mancher Dinge oft sehr abgeklärt wirke, so als läge all das bereits in weiter Ferne. Oft relativiere ich auch selbst meine Erzählungen, weil ich denke, wenn jemand das dann nicht kümmert oder sogar darüber spottet, kann ich mich durch diese Relativierung „retten“ , da ich dann so tun kann, als fände ich es selbst nicht so schlimm. Dadurch würde ich meine Verletzung nicht so stark nach Außen tragen. Gleichzeitig signalisiere ich nach Außen damit aber auch, das ich es selbst gar nicht so schwer nehme.

Ich versuche daher erst einmal bei mir anzusetzen, mich selbst ernster zu nehmen. Denn dann bin ich auf die anderen nicht mehr so angewiesen und werde dahingehend logischerweise auch weniger getriggert. Ich denke, dann gehe ich auch wieder entspannter mit allem um.

Umgangston

Weiter geht mir aber auch der Umgangston auf Social Media ziemlich auf die Nerven. Daran kann ich nichts ändern, da es zu viele Menschen gibt, die aufgrund der Anonymität glauben, sie könnten sich alles erlauben. Viele sehen nur, was sie gerade selbst belastet und nervt und vergessen einfach (oder vllt gibt es manchen auch einen Kick), dass hinter dem anderen PC auch ein Mensch mit Gefühlen sitzt, den sie sehr stark und teilweise auch mit langfristigen Folgen verletzen können. Das treibt man nicht aus, das können nur diese Personen selbst. Ich kann aber für mich entscheiden, ob mir das meine Mühen und Nerven überhaupt wert ist.

Ich weiß nicht, ob man einfach nur ein dickes Fell braucht. Vllt. liegt es nämlich nicht am eigenen fehlenden, dicken Fell, sondern daran, dass es nicht okay ist sich so zu benehmen, wie es einige tun. Es ist einfach nicht in Ordnung. Aber gerade das Negative bekommt von uns Menschen so viel Aufmerksamkeit. Artikel mit Hatekommentaren darunter, haben mit die meiste Reichweite bei mir bekommen. Weil immer mehr darauf reagierten und dann so’n „Hate-Club“ entstand. Das ist doch irre. Was denkt ihr auch, warum viele Influencer gezielt Skandale inszenieren? Aber ich für mich finde es nicht okay. Ich bin nicht dafür da, mir die Unzufriedenheit anderer Menschen zu geben.

Ich muss also erstmal für mich schauen, was ich will und wie ich das erreiche. Es gibt viele Möglichkeiten die eigene Arbeit unter Menschen zu bringen. Ob ich dazu wieder zurück zu Social Media komme, kann ich aktuell nicht einschätzen. Mal denke ich Ja, mal denke ich Nein. Ich würde sagen, dass wird die Zeit zeigen.

Wohnung und Weiterbildung

Im Sommer bekam ich eine Mieterhöhung und so langsam kann ich mir meine Wohnung nicht mehr leisten. Das Problem daran ist: Es gibt kaum günstigere und ich fühle mich extrem wohl, wo ich derzeit lebe. Ich will hier also nicht wegziehen. Das hat mich zusätzlich in ein tiefes Loch gerissen (ja, wenn’s kommt, dann kommt’s gebündelt), mir jedoch auch den notwendigen Anstoß gegeben, mir eine neue Stelle zu suchen, die mir ein paar Euro mehr im Monat einbringt, womit ich zumindest hoffentlich erstmal die Wohnung weiterbezahlen kann. Mit der Wohnung ist das immer noch ziemlicher Mist, allerdings gab mir das auch wieder neue Motivation. Naja, und in einer neuen Wohnung hätte ich zumindest wieder freie Wände, um sie zu bemalen 😅. Also mal schauen, was daraus wird.

Jetzt schließen wir noch mit etwas sehr Positiven ab:

Ich mache derzeit nämlich eine Weiterbildung per Fernstudium zum psychologisch-, systemischen Berater und das macht mir sehr großen Spaß 💚.

Update Teil 1 – Mutterwunde, Ablehnung, Narzissmus und Reflexionen

Seit Sommer wurde es recht ruhig um mich und wie man an den letzten Beiträgen vllt. merken konnte, lag es daran, dass es mir nicht sehr gut ging.
Die letzten Monate waren sehr anstrengend, aus verschiedenen Gründen. Ein großes Thema spreche ich heute an. Generell wird es jedoch langsam wieder besser und viele mir bisher versteckte Themen konnte ich beginnen zu bearbeiten.

Der Beitrag wurde etwas länger als geplant, daher entschied ich mich dazu das Update in 2 Teile aufzuteilen. Im ersten erzähle ich euch das Kernthema, an welchen ich dieses Jahr bei mir arbeite. Im zweiten Teil gehe ich dann noch auf meine derzeit geschlossenen SocialMedia-Kanäle ein und erzähle, was es sonst noch so Neues gibt. Momentan bin ich im Beantworten von Nachrichten und eMails nicht sehr gut. Seit Monaten bleibt das teilweise auf der Strecke liegen, jenes spreche ich dann aber ebenfalls nochmal gesondert an. Den 2. Teil peile ich morgen an zu veröffentlichen, aber möglicherweise kommt er auch erst in ein paar Tagen. Wie ich es eben zeitlich schaffe mit dem Schreiben.

Dieses Update wird auch gleichzeitig mein Jahresrückblick sein, es wird zum Jahreswechsel also sehr wahrscheinlich keinen mehr geben.

Das aktuelle Thema

Dieses Jahr stand ganz im Thema Mutterwunde. Ich habe festgestellt, dass alles was in den letzten Monaten so an Erinnerungen, Gefühlen und Glaubenssätzen aufkam bzw. mir bewusst wurde, mit einem Kerntrauma bzgl. meiner Mutter zusammenhing/-hängt ( „Bindungstrauma“ ) .

Letztes Jahr war das Thema ‚benutzt-werden‘ riesen groß. Nicht weil ich im letzten Jahr viel benutzt wurde, sondern weil das Gefühl erstmals zu mir durchdringen konnte (wir sind hier also nicht bei einem aktuellen Trauma, sondern bei der Traumaaufarbeitung). Ich habe das vorher nie so bewusst und stark gespürt. Doch plötzlich war in meinem Kopf präsent, was mir all die Jahre angetan wurde. Vorher war mir vieles zwar rational klar, aber einfühlen konnte ich mich nur schwer. Es war wie wenn ich über das Leben eines anderen nachdenke oder spreche. Die Gefühle waren bis dato noch hinter einem dicken Schleier der Dissoziation versteckt.

Mir gingen dann all die vergangenen Kontakte durch den Kopf, wo ich immer wieder für die Zwecke anderer benutzt wurde und mich benutzen ließ. In Folge dessen rückte also auch das Thema ‚Grenzen-setzen‚ wieder sehr stark in den Vordergrund. Ich überprüfte noch einmal, wo überhaupt meine Grenzen liegen, was ICH will und was nicht und begann dies auch umzusetzen.
Letztes Jahr war daher wie die Vorstufe zu diesem Jahr.
Denn erst musste die Basis her, bevor es weiter gehen konnte. Alles baut aufeinander auf.

In diesem Jahr ging es dann nämlich an ein Kernthema: Die Angst vor Ablehnung. Ich beschreibe gleich näher, was es damit genau auf sich hat…

Diese Angst konnte ich ausfindig machen als Hintergrund meiner Depression, meiner Ängste (sozial wie beruflich) und meiner (Selbst)Isolation.
Hinter jeder Erkrankung steckt etwas. Eine Depression kann die Ursache eines hormonellen Ungleichgewichts oder Virus  sein, hinter ihr kann sich ein Verrat (von anderen oder an sich selbst, wenn man z.B. ständig die eigenen Grenzen übertritt) verstecken oder, wie in meinem Fall, fehlende (Selbst*)Liebe. Die Bandbreite ist da riesig.

* (denn ja, mir fehlt zwar scheinbar die Liebe vom Außen, jedoch ist das heute als Erwachsene nur ein Problem, weil ich mir diese Liebe bisher auch selbst nicht zur genüge gab. Dadurch machte ich mich abhängig von der Liebe des Außen und wie ich gleich erläutere, ist das was ich unter Liebe verstand – nämlich Missbrauch – der Grund, warum ich immer wieder genau das Gegenteil anzog. Umso mehr ich mir aber selbst Liebe entgegenbringe, umso weniger lasse ich sowas in mein Umfeld. Um Selbstliebe kommen wir also nicht herum, wenn wir heilen und etwas in unserem Leben positiv verändern möchten)

Was hinter meiner Depression steckt

Im Frühsommer diesen Jahres beschäftigte ich mich näher mit den verschiedenen Ursachen von Depressionen, weil ich herausfinden wollte was eigentlich hinter meiner steckt. Ich wollte sie endlich ein für alle mal loswerden. Ich war auch sehr guter Dinge, dass das klappen wird.
Nur leider ist die Depression ja auch nur ein Symptom. Sie verschwindet solange nicht, wie die Ursache nicht behoben wurde. So wie es mit den meisten Erkrankungen ist.

Um meine Depression besser verstehen zu können, ging ich gedanklich in die Situationen zurück, die bei mir einen schweren Schub auslösten. Und siehe da: Es waren überwiegend soziale Situationen.

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es waren tatsächlich, soweit ich mich erinnern kann, immer Situationen in denen wieder das alte Gefühl der Ablehnung aufkam. Das Gefühl keine Liebe zu erfahren, weggestoßen zu werden, falsch zu sein, keine Existenzberechtigung in dieser Welt zu besitzen.
26 Jahre befand ich mich in einer Dauerdepression und wie lange befand ich mich im Umfeld hochgradig toxischer und missbrauchender Menschen? Genau! Exakt 26 Jahre.
2 Jahre lang war danach die Depression komplett verschwunden. Noch nie meinem Leben hatte ich soviel Energie und Lebenslust verspürt. Ich kannte das ja gar nicht, der Zustand vorher war mein „Normalzustand“ . Und das war auch genau die Zeit, als ich den Kontakt zu allen abbrach und wegzog.

Und wann fing sie wieder an?
Als ich Kontakt zu einem sich wieder missbräuchlich verhaltenden Mann hatte.
Wann kamen stärkere Schübe? Wenn ich in den letzten Jahren soziale Streitigkeiten hatte, die mit Vorwürfen, Kontaktabbrüchen, nicht verstanden oder ernst genommen werden (denn das führte früher meist zu wirklich schlimmen Situationen), etc. einhergingen.

Also ging ich der Sache weiter auf die Spur: Warum ist das so? Warum war ich bei solchen Menschen? Wie kam ich dahin? Warum hauen mich solche Situationen manchmal so raus? Wo liegen die Trigger, welches Gefühl verursachen sie und was steckt hinter diesem Gefühl? Was will es mir sagen?

Was das mit meiner Mutter zu tun hat

WICHTIG: Es geht NICHT darum, meiner Mutter die Schuld für mein heutiges Dasein zu geben. Sie hat die Verantwortung für ihr damaliges Verhalten und die behält sie auch. Wie ich mich heute verhalte, liegt jedoch ebenso in MEINER Entscheidungsgewalt, wie ich sie von ihrer Verantwortung, aufgrund ihrer Kindheit, nicht freispreche. Ich kann nicht sagen: „Ist schon okay, du hattest es ja auch schwer. Da konntest du gar nicht anders, als so zu mir zu sein.“ – Nein, einfach nur nein. Dieses Argument zählt nicht. Aber wenn dieses Argument für sie nicht zählt, kann es auch für mich nicht gelten. Meine Mutter ist also nicht Schuld an meinem Heute. Um mich selbst zu verstehen und etwas an meinem Zustand ändern zu können, muss ich für mich aber die Hintergründe und Zusammenhänge verstehen.

Als Baby vergötterte mich meine Mutter. Niemand durfte mich ansehen, geschweige denn hochnehmen. Sie behandelte mich wie ihr kleines Püppchen … Und dann war es vorbei. Über Nacht kann meine Mutter an Dingen die Lust verlieren und ich gehörte dazu. Plötzlich wollte sie mich weder sehen noch etwas mit mir machen.

An meine Mutter kann ich mich in meiner Kindheit, bis ich den Kontakt vor 12 Jahren abbrach, nur als abweisend erinnern. Ich nervte sie und das gab sie mir auch stets deutlich zu verstehen. Sie schickte mich immer wieder weg („Hau ab!“ -„Mach dich auf dein Zimmer!“ ), gab abfällige Kommentare bis Beleidigungen über meinen Körper, mein Verhalten und mein generelles Dasein. Sie spottete über mich (das Mobbing aus der Schule setzte sich unter meinen Eltern also zuhause fort, als Hauptinitiator meine Mutter), glaubte mir nie etwas (unterstellte mir also pauschal schon das Lügen, dementsprechend konnte sie mich auch nicht schützen, denn sie hat mir ja nichts geglaubt).

Auch stand sie nie hinter mir, verteidigte mich nie, ekelte sich vor mir (z.B. durfte meine Wäsche nicht zusammen mit denen meiner Eltern in die Maschine) und war furchtbar eifersüchtig, wenn ich nur im gleichen Raum wie mein Vater war (statt Schutz gab es daher Vorwürfe).

Es gab also einen unglaublich starken und schnellen Wechsel von: „Du bist alles für mich. Ich hab dich soooo lieb“ zu: „Ich ertrage dich nicht eine Sekunde“ . Und als Kind kannst du noch NICHT reflektieren. Kinder beziehen alles auf sich. Die Fähigkeit zur Reflexion und zum Perspektivwechsel entwickelt sich erst später …

Warum Ablehnung so schlimm ist (für mich und das Gehirn)

Es ist also gar kein Wunder, dass ich das so auf mich bezogen habe. Das ich dachte, ich wäre das Problem. Und auch, dass diese Angst vor Ablehnung bei mir so stark ist. Denn als kleines Kind, und besonders als Baby, bist du auf die Fürsorge deiner Bezugspersonen angewiesen. Dein Überleben hängt buchstäblich davon ab, ob sie sich um dich kümmern oder nicht (das ist auch ein Grund, warum Vernachlässigung und psychischer Missbrauch in der Kindheit ebenso schwere Traumata hinterlassen kann, wie physische Gewalt).

Die Ablehnung in meiner Kindheit hat also zu einer Todesangst bei meinem kleinen Ich geführt. Deswegen ist sie noch heute manchmal so überwältigend. Aber soziale Ablehnung führt auch zu realen Schmerzen in unserem Körper, weshalb der Geist logischerweise Methoden versucht zu finden, diesen Schmerz zu umgehen (bei mir ist es Isolation, Soziale Ängste und Perfektionismus – bei andern sind das z.B. Unterwerfung, in Form von die Meinung anderer annehmen, „Mitläufer“ sein oder auch Aggression, nach dem Motto: „Angriff ist die beste Verteidigung“ , usw.)

Ablehnung ist per se kein schönes Gefühl. Niemand steht wirklich darauf abgewiesen zu werden und das aus guten Grund: Wir Menschen sind soziale Wesen und früher wie heute auf ein soziales Umfeld angewiesen. Einsamkeit macht bekanntlich psychisch wie physisch krank. Auch war die Chance zu überleben in einer Herde früher weitaus höher, als allein.

Soziale Ablehnung wird von unserem Gehirn als Schmerz eingestuft. Es unterscheidet nicht, ob du körperlich verletzt wurdest oder zurückgewiesen. Bei physischen Schmerz aktiviert unser Gehirn bspw. das natürliche Schmerzsystem, welches körpereigene Opioide freisetzt, um den Schmerz zu lindern. Eben diese werden auch in einer Situation sozialer Not und Isolation ausgeschüttet. Eine Studie hat gezeigt, dass Menschen mit einer höheren Resilienz mehr dieser Stoffe freisetzen, was erklärt, warum diese besser mit Widrigkeiten umgehen können.

Eine weitere Studie zeigte, dass Liebe unser Belohnungssystem aktiviert. Dieser Bereich hängt eng mit unserer Motivation, unserem Verlangen und unserer Emotionsregulierung zusammen. Dieser Bereich spielt aber auch bei Süchten eine Rolle. Bei sozialer Ablehnung kommt es daher auch nicht selten zu einer Art Entzugserscheinungen: zu starken Gefühlen des Unglücklichseins, zu Motivationslosigkeit, Sinn- und Hoffnungslosigkeit, Sehnsucht und zwanghaften Verhaltensmustern (auf der Suche nach der geliebten Person).

Der Schmerz nach einer Ablehnung ist also auch in unserem Körper real.

Glaubenssatz: Lovebombing = Liebe

Wie sich vllt. unschwer erkennen lässt, litt meine Mutter an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Ebenso wie ihre Mutter. Die NPS ist hier eine Reaktion auf ihr Trauma. Und ich will auch gar nicht wissen, wie viele Generationen der Missbrauch hier zurückreicht. Trauma vererbt sich und unreflektiert wird es auch durch das eigene Verhalten gegenüber den Kindern weitergegeben.

In meinem Leben kam ich nun immer wieder an ebenso narzisstische Menschen. In meinen Partnerschaften war ich quasi jedes Mal aufs Neue mit meiner Mutter zusammen. Sie verhielten sich ausnahmslos alle so, in verschiedenen Abstufungen jedoch. Also habe ich mich gefragt, wie das sein kann. Die haben ja kein Schild um den Hals hängen und teilweise war es auch nicht so, dass ich mir diese Leute (partnerschaftlich WIE „freundschaftlich“ ) aus einer großen Masse explizit ausgesucht habe. Sie waren manchmal einfach da. Was ich jedoch gemacht habe, war nach dem Erstbesten zu greifen (ich lebte ja schon immer überwiegend in Isolation, also nahm ich das, was da war – Ich bringe da gern dieses Beispiel mit der Wüste: Wenn du am Versdursten bist, nimmst du, was du bekommen kannst und sei es eine verdreckte Pfütze) und das waren eben diese Leute.

Aber WARUM machte ich das? Klar, Freund’s Wiederholungszwang ist mir bekannt. Dadurch habe ich verstanden, dass sich unaufgearbeitete Dinge wiederholen. Aber ich verstand noch nicht komplett, was dahinter steht. Ist das irgendeine überirdische Macht, handelt die Psyche wie ein eigenständiges Wesen oder wie kommt es dazu? Wisst ihr was ich meine?

Und vor kurzen ging mir dann endlich ein Licht auf: Die viele Aufmerksamkeit, die ich von meiner Mutter anfangs bekam, das vergöttern und idealisieren (= in der Partnerschaft kennt man es als ‚Lovebombing‘ ) habe ich als Liebe abgespeichert. Denn das war das Einzige in meiner Kindheit, was Liebe nahekam. Und bis heute springt in meinem Inneren etwas an, wenn jemand so zu mir ist. Weil ich denke, jetzt bekomme ich endlich Liebe.

Idealisierung ist jedoch keine Liebe. Idealisierung kommt immer aus der Polarität, es gibt da keinen Mittelweg. Wenn du jemand idealisierst, dann siehst du nur das, was du gerne sehen möchtest. Das, was sich dein Inneres wünscht. Das, was deinen inneren Schmerz tilgen kann, was ein Loch in dir stopft, etc. Aber du siehst nicht die echte Person. Idealisierung kann man jedoch nicht ewig aufrechterhalten, früher oder später holt dich die Realität ein.

Das sind dann diese Momente, wo der andere abgewertet wird. Denn dieser verhält sich gerade nicht, wie es in das idealisierte Bild passt. Dieser soll wieder die vorher idealisierte (Traum)Gestalt annehmen, er soll nicht so sein wie er ist, also wird kritisiert, gegaslighted, abgewertet usw. (Manipulation) und die Schuld bei ihm gesucht ( „Sie/Er ist plötzlich so anders. Sie/Er hat mich die ganze Zeit belogen“ – und schwupp wird aus Liebe Hass, nicht weil sie so eng beieinander liegen, sondern weil Idealisierung aus dem Ego stammt, ebenso wie Hass. Mit echter Liebe hat das nichts am Hut)

Es hat also gar nichts damit zu tun, dass ich mir gezielt (bewusst) solche Männer und Freundschaften aussuchte, sondern damit, dass ich ihr Verhalten am Anfang mit Liebe und Zuneigung gleichsetzte.

Trigger

Warum ließ ich mir das gefallen? Wieso bin ich nicht direkt gegangen, wenn mich Leute abwertend behandelt haben? Heute weiß ich, dass ich das nicht nötig habe. Und dennoch triggern mich manche Dinge immer noch so sehr, dass sie mich völlig aus der Bahn werfen.

Triggern kann dich nur, was in deinem Inneren ist. Ein Reiz kann nichts in dir hervorholen, was nicht bereits da ist. Im Sommer gab es bspw. eine private Situation, wo ich durch eine Aussage das Gefühl hatte, dass ich wieder überflüssig bin. Wieder falsch. Wieder der Störfaktor. Betonung liegt auf: Ich hatte das Gefühl. Das ist nämlich mein Filter, mit dem ich auf die Welt blicke, nicht automatisch aber auch die Realität. Mein Inneres scannt alles nach Ablehnung ab, nach potenzieller Gefahr und will mich schützen. Wenn irgendwas dem also Nahe kommt, ergreift mein Inneres Maßnahmen. Wenn du getriggert wirst, dann befindest du dich wieder in der alten Situation und genauso war es auch. Ich konnte nicht mehr klar denken.

Aber warum triggerte das so? Weil in mir eben immer noch etwas glaubt, dass ich tatsächlich überflüssig und ein Störfaktor bin. Genauso wie ich im Inneren immer noch zu einem Teil glaube dumm zu sein, wenn jemand meine Kompetenz angreift, usw. In mir kommt dann sofort der Gedanke: „Siehste, du hast wieder was falsch gemacht! Du bist eben doch falsch“ , denn wir erinnern uns: Das Kind von früher glaubte was ihm gesagt wurde und dachte wirklich es wäre der Fehler. Ich ließ mir das also so lange gefallen, weil ich unterbewusst dachte (und manchmal noch denke), dass sie recht haben, ich etwas falsch mache und das nur ändern muss, damit ich wieder geliebt werde.

Aber merkt euch: Für Liebe muss man NICHTS leisten!

Was für mich Idealisierung/Aufmerksamkeit war

Ein witziger Funfact: In Beziehungen erinnerte ich mich immer gern an die ersten Tage zurück, denn das waren stets die schönsten. Danach ging es meist rapide abwärts.

Wenn ich Idealisierung sage, dann klingt das so, als wäre ich da mit Komplimenten und Geschenken überhäuft wurden. Das machen nämlich viele so. Aber ich habe schon emporgehoben (und damit selbst idealisiert ☝!), wenn jemand gern Zeit mit mir verbringen wollte und nett zu mir war. Das war’s.

Egal ob Freundin oder Partner, am Anfang waren die Leute meist mega begeistert von mir. DIE beste Freundin. DIE Traumfrau. Sie waren nett, verbrachten gern Zeit mit mir und gaben mir das Gefühl, eine Lebensberechtigung auf dieser Welt zu haben. „So schlimm kann ich ja dann doch nicht sein“ , dachte ich mir. „Endlich mag dich jemand. Endlich gibt’s Liebe!

Und nach kurzer Zeit war das dann vorbei. Es war immer wieder wie damals: Ich ging den Leuten auf die Nerven, meine bloße Anwesenheit reichte oft. Man ignorierte mich, schwieg mich an, usw. Was am Anfang so toll an mir gefunden wurde, war plötzlich eine Todsünde. Völlig banale Dinge wurden als Erklärung genommen, warum man mich so behandelte, wie es dann getan wurde. Dinge, an denen man mir die Schuld gab. Ich war zu laut, zu leise, zu ordentlich, zu unordentlich, zu faul, zu engagiert, zu dumm, zu intelligent, zu verlogen, zu ehrlich, zu langweilig, zu aufgedreht, usw. usf. – Und all das kam oft aus dem Nichts.

Wenn es jemand partout stört, wenn bspw. die Wohnzimmertür offen gelassen wird, dann merkt man sich das einfach und schließt sie demnächst. Das sind normale Kompromisse. Aber diese „Gründe“ für den psychischen Missbrauch änderten sich jeden Tag. Was heute gut war, war morgen schlecht.

Also versuchte ich jeder potenziellen Fehlerquelle aus dem Weg zu gehen, um die negativen Reaktionen zu vermeiden (= Perfektionismus) und mich zu schützen. Und auch weil ich dachte, das es ja an mir liegen muss. Ich habe das nicht nur ständig gesagt bekommen, sondern ich war ja auch der (scheinbar) einzig gemeinsame Nenner. Also dachte ich weiter an mir als Wesen wäre etwas falsch.

Aber das sind Menschen, die selbst sehr unglücklich und unzufrieden mit sich sind. Aus diesem Grund idealisieren sie ja. Auch ihnen fehlte die Selbstliebe, so wie sie mir fehlte (= niedriger Selbstwert zieht meist niedrigen Selbstwert an). Ein mit sich selbst zufriedener Mensch benimmt sich nicht so. Dieser übertritt weder seine eigenen Grenzen noch die der anderen.

Zur Folge hatte dieser Perfektionismus dann irgendwann die Sozialphobie, denn egal was ich tat oder nicht tat, es war trotzdem nicht richtig. Meine Angst vor Menschen wurde immer größer, meine Angst die mir sagen wollte: „So geht das nicht weiter. Menschen verletzen uns, also müssen wir Menschen meiden“ . ➡ Unser Körper und unsere Psyche machen keine Fehler und sind auch nicht gegen uns, wir müssen nur lernen zu verstehen, was sie uns sagen wollen.

Fazit

Dieses Jahr ging es also in großen Schritten an meine sozialen Ängste. Eine sehr spannende Erkenntnis fand ich da auch, dass es mir ja eigentlich unheimlich wichtig ist, so selbstständig und frei, wie es gerade nur möglich ist, zu leben. Alles, was meine Freiheit einschränkt, macht mich wahnsinnig. Deshalb reagiere ich auch sehr allergisch auf Manipulation und Druck. Selbst in meinem Namen steht das Wort Freiheit schon, denn Franziska bedeutet so viel wie ‚die Freie‘ . Witzig, oder? Aber was tue ich? Ich nehme mir vor lauter Angst die eigene Freiheit. Wie viele Dinge tat ich in meinem Leben nicht, weil ich solch furchtbare Angst hatte, etwas falsch zu machen? Wie viele Dinge brach ich ab? Und wie lange sperre ich mich deshalb schon Zuhause ein?

Indem ich meiner Angst und meinen Symptomen nicht zuhörte, sie immer nur weg bekommen wollte – mir selbst dadurch nicht zuhörte! – habe ich mir auch ein großes Stück weit selbst die Freiheit genommen. Das was mir soo wichtig ist. Das war eine krasse Erkenntnis. Ich sah meine falsch verknüpften Überzeugungen gar nicht und hab dadurch mein Muster immer und immer wieder wiederholt. Nicht die Angst oder die Depression ist das Problem, sondern das ich ihnen nicht zugehört und sie nicht verstanden habe.

Erledigt ist durch diese Reflexionen und Erkenntnisse noch nichts. Aber dadurch ist viel ins Rollen gekommen und bietet mir jetzt eine neue Chance für eine bessere Lebensqualität.