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Zweifel vs. Lügen

,,Wissen Sie wovor ich manchmal Angst habe? “ – ,,Nein, wovor denn?“ – ,,Das ich eines Tages hier her komme und Sie mich wegschicken. Das Sie dann wütend sind und sagen, dass Sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, weil sie meine ganzen Lügen durchschaut haben“ .

Mit dieser Aussage ging ich einmal in eine Therapiestunde. Ich saß im Wartezimmer und plötzlich überkam mich die fürchterliche Angst, dass genau das passieren könnte.

Das Gefühl zu Lügen ist aber anders als die Zweifel. Wenn wir an der Diagnose zweifeln, dann sind wir unsicher. Unsicher ob das alles stimmen kann, ob man sich das nicht doch alles nur einbildet. Ob man das nicht vllt doch nur alles erzählt und macht, weil man Aufmerksamkeit möchte oder etwas anderes für alles der Grund ist, was wir uns nur nicht eingestehen wollen. Man fragt sich dann: ,,Existieren die anderen wirklich oder bin das alles ich? Erfinde ich das alles nur? Haben sich auch die Behandler getäuscht? Oder habe sogar ich sie getäuscht?“ – Akzeptanz all dessen würde dazu führen, dass man auch das Trauma anerkennen, akzeptieren und realisieren muss. Oder das Erinnerungen bewusst werden, die aus einem guten Grund nicht mehr zugänglich sind.
Deshalb zweifelt man (oft).
Man ist sich unsicher und schwankt ständig zwischen Akzeptanz und dem Schmerz des nicht wahrhaben wollens/könnens. Und das kann einen extremen Leidensdruck mit sich ziehen.

Wenn mich jedoch das Gefühl überkommt, ich wäre ein Lügner, dann zweifele ich nicht mehr. Ich bin ÜBERZEUGT davon, dass ich lüge.

Als ich vor Wochen von der Massage kam (die der Fonds für s. Missbrauch übernimmt – Naja, zumindest wenn er denn auch mal zahlen würde), stand ich z.B danach zuhause in der Küche, bereitete das Essen zu und hatte auf einmal diese Sätze (+ dazugehörige Überzeugung) im Kopf:
,,Krass wie du es geschafft hast den Fond davon zu überzeugen, du wärst missbraucht worden und das die dir das jetzt einfach bezahlen. Naja, das klappte ja aber nur, weil du deine Therapeutin auch davon überzeugen konntest. Wahnsinn wie du das gemacht hast! Du hattest ein ganz normales, schönes Leben und hast es geschafft, jeden von deinen Märchen zu überzeugen! Das ist schon fast wieder beeindruckend!

Und das sind dann keine Gedanken, ob ich das VLLT gemacht haben könnte, sondern ich bin felsenfest davon überzeugt. Daran lässt sich dann nicht rütteln.
Ich lüge.
Die ganze Zeit.

Da hilft dann auch kein Realitycheck mehr, keine Listen oder Gegenüberstellungen. Nichts.
Diese Überzeugung ist so stark, so überstülpend, so absolut und nicht mit den Zweifel-Phasen vergleichbar (obwohl diese wirklich auch sehr stark und extrem belastend sein können!).
Da ist einfach keine Kontrolle mehr darüber möglich.
Auch egal welches Argument hergenommen wird (z.B das es Amnesien, Stimmen hören oder andere Symptome bereits gab, lange BEVOR ich überhaupt wusste was eine Dis ist), es wird von Innen ein Grund gefunden, dieses „logisch“ aus dem Weg zu räumen.
Und zwar damit, dass ich einfach Lüge. Chronisch.
,,Ich bin krank, wirklich krank“ ist dann immer wieder im Kopf. Krank, weil ich so ein abartiger Lügner bin. „Ich habe mein Lügen nicht mehr im Griff. Ich kann es einfach nicht beenden. Ich bin wirklich richtig krank und sollte mich lieber darauf behandeln lassen!“ (und im schlimmsten Fall kommen dann leider auch Selbstverletzungsgedanken/-handlungen verschiedenster Art).

Auch wenn ich manchmal Kommentare oder Mails bekomme, worin man mir sagt man finde sich in meinen Beschreibungen wieder, verstehe „ich“ das dann oftmals gar nicht.
,,Ich lüge doch. Ich erfinde das doch alles nur?! Wie kann sich da jemand darin wiederfinden?
Und dann werde „ich“ ganz verzweifelt.
,,Schau was für ein verdammt guter Lügner du bist! Bei wie vielen Menschen du geschafft hast, dass sie dir glauben! Therapie, Fonds, Podcast, Videos und ein Blog! Wenn die wüssten, dass du alles nur erfindest! Du bist gefährlich und schwer gestört! Die schadet allen Menschen nur!“ .

Die Angst zu lügen, begleitet Sie ja aber öfters…“ antwortete die Therapeutin damals auf unsere Befürchtung.
Ja, richtig, sie ist sehr oft präsent.
Aber warum?
Wir können schon lügen.
Ganz klar.
Und wir können genauso unauffällig lügen, wie wir uns Schmerz nicht anmerken lassen können. Wenn es notwendig ist und z.B irgendetwas Privates (durch Außenstehende) bedroht scheint.
Aber wir haben noch nie über unsere Geschichte gelogen. Es im Gegenteil eher noch relativiert.
Also woher kommt diese Angst oder gar diese Überzeugung?

Weil damals immer gesagt wurde, man wäre ein Lügner? Nichts würde stimmen, was man sagt. Und scheinbar gäbe es nicht mal einen erkennbaren Grund für diese ganzen Lügen (etwas das unsere Mutter stets betonte – ein Kind, das ihr aus reiner Willkür das Leben kaputt zu machen versucht).
Hat sich diese Überzeugung bei einigen deshalb so im Inneren verfestigt??
Ich weiß es nicht.

Update: Zweifel ausklamüsert…

Soo, eigentlich sollte heute der Beitrag zur Hochsensibilität kommen. Der ist auch schon fertig geschrieben und wartet nächste Woche dann eigentlich auch nur auf seine Veröffentlichung.

Der letzte Beitrag haute bei uns allerdings etwas rein, naja eher das ich ihn nun doch so veröffentlicht habe, und das hat das momentan eh schon desolate Gefühl der letzten Wochen nicht gerade verbessert.

Das wird jetzt gleich ein bisschen zusammengewürfelt, verzeiht mir das. Das wurde alles nicht an einem Tag geschrieben, sondern es sind eher Schnipsel von verschiedenen Tagen die ich jetzt einfach, mehr oder weniger, versucht habe zusammenzupacken (und so wenig zu schönen, wie es geht), da die alle irgendwie miteinander zusammenhängen. Ich wusste nicht ob ich überhaupt etwas davon veröffentlichen sollte/will und ja … Da es mir jetzt wieder etwas besser geht, hab das jetzt trotzdem mal gemacht, weil es einfach auch einen kleinen Einblick in die aktuelle Lage gibt.

Was Anfang der Woche los war/geschrieben wurde

Alle anderen haben so schlimme Sachen erlebt und du jammerst hier rum! Du hattest Glück in so einer Familie aufzuwachsen! Hat es dir etwa an etwas gefehlt?!“ – Sei einfach nur still, in Herrgotts Namen 🤦‍♀️
Da habe ich mich doch tatsächlich erbost darüber zu sprechen, dass zuhause irgendwie ein paar Kleinigkeiten schief liefen. War ja nicht das erste Mal. Und da sind sie wieder, die Erinnerungen, wie toll doch früher alles war.

Das sind vll 4-5 Szenen, immer die gleichen, die jedes Mal ausgepackt und mit Schleifen verziert vorgehalten werden. Und ich höre meine Mutter. Nicht metaphorisch. Nein, in echt. Obwohl nein, jetzt auch nicht akustisch. Ich höre sie im Kopf. Ich höre sie lachen. Mich auslachen. Das ich mich doch nur aufspielen will. Aufmerksamkeit und diese furchtbaren Lügen. Aber das war ja schon immer mein Problem, diese Lügen.

Ja du, ich erinnere mich wieder. Natürlich. Wie wir lachend und Händchen haltend alle zusammen über Blumenwiesen gehüpft sind und währenddessen haben wir freudestrahlend glückliche Liedchen geträllert (Scheiße man, erinnert nur mich dieses Bild gerade an die Manson-Familie😂). Ja, es war wunderbar. Alles war toll. Mein Fehler.
Ich frage mich nur, wenn immer alles so toll war, warum lösen dann auch diese „tollen“ Erinnerungen, die als Argument für meine Lügen gelten sollen, ein unwohles Gefühl in mir aus? Warum will ich dann mit keiner Faser meines Seins die Zeit auch nur um eine Sekunde zurückdrehen? Nein, ich gehöre nicht zu jenen Menschen, die gern wieder Kind wären. Warum nicht, wenn alles nur so vor Glück geglitzert hat?
Keine Antwort, schon klar… Weil ICH im Denken falsch bin. Achja. Tschuldige, ich vergaß.

Jedes Mal wenn ich einige Szenen zusammenbekomme und ein Teil an das andere versuche zu setzen, geht diese endlos Leier wieder los. Und dann denke ich wieder: „Hey, du musst es mit Empathie versuchen. Die meinen es nicht böse. Red mit ihnen.“ – ,,Sind wir hier auf nem Eso-Seminar oder was?!“ tönts von anderer Seite…„Stimmt. Wozu sich zum Eimer machen und Süßholz raspeln? Aber reden wäre eigentlich schlauer“… Aber wie gehtn das? Ehrlich jetzt. Ich hab nicht mal das Gefühl, dass mir jemand zuhört, geschweige denn darauf antwortet. Und in der Therapie erst. Mensch das geht ab. Die prügeln sich förmlich darum auch mal reden zu können. „Halt die Klappe“ wird öfters von Innen eingeworfen. Gilt das schon als Therapieteilnahme?
Ehrlich man, ich komm dort mir vor wie der größte Lügner … Lügen … Achja, da war ja was.

Dauerbeschallung hilft, dass ich wenig bis nichts mitbekomme. Hab ich schon lange festgestellt. Krampfhaft ablenken. Also lenken wir uns halt krampfhaft ab. Nein Moment. Ich lenke krampfhaft ab? Ehrlich, ist mir Jacke wie Hose.
Kommunikation haben wir jedenfalls drauf 👍🤦‍♀️ Volle Möhre.
Braucht vll jemand Tipps?

Endlich der richtige Vergleich

Heute fand ich in der Therapie endlich den richtigen Vergleich dafür, wie ich mich fühle.
,,Nicht in der Realität“ – ,,Im Nebel“ – ,,Hinter einer Scheibe“ … Ja, das passt zwar alles, hat es aber irgendwie nie so richtig auf den Punkt getroffen.

Vor vielen Jahren hatte ich mal einen Autounfall mit meinem damaligen Freund. Wir schleuderten zwischen den Leitblanken hin und her wie ein Pingpongball, bis wir dann letztendlich irgendwann zum stehen kamen. Das Auto war Totalschaden, uns ist aber, Gott sei Dank, nichts weiter passiert. Ich blieb jedoch einfach sitzen und weigerte mich das Auto zu verlassen, weil ich dachte, dass wir gleich weiterfahren können. So als wäre nichts geschehen. Ich habe das gar nicht realisiert, dass jetzt hier für uns Schluss ist. Das sich dieses Auto, von selbst, keinen Millimeter mehr fort bewegen wird. Oder das ich dringend aus diesem Auto raus sollte, weil es mitten auf der Straße stand. Ich begriff den ernst der Lage gar nicht.

,,Es ist doch alles gut. Nur ein Kratzer. Wir können einfach weiterfahren. Nichts passiert.

Ich stand unter Schock, nur wusste ich das damals nicht. Sagt einem ja auch keiner 😅

Und GENAUSO fühlt es sich an. Mein ganzes Leben. Ich bin da und ich habe sicherlich auch den ein oder andern Rums mitbekommen, aber NICHTS davon realisiere ich richtig. Ich lebe mein Leben genauso, wie ich damals in diesem Auto saß. Für mich ist das alles wie ein „Spaß“. Ein witziges Abenteuer. Ich sehe z.B die „Innere Landkarte“ vor mir, aber ich begreife das trotzdem nicht. Checke langsam das Ausmaß der nur bekannten Traumata, aber das wirkt alles nicht echt. Damals dachte ich, es wäre doch völlig übertrieben das jetzt Polizei, Abschleppdienst usw. zur Unfallstelle kommen, weil doch nichts schlimmes passiert ist. Und so denke ich über alles in meinem Leben. Ein Trauma anerkennen, die Folgen anerkennen, das ist für mich fast schon Humbug, weil das alles wie ein riesiger Fake wirkt. Nichts davon ist doch schließlich schlimm oder dramatisch gewesen.

Ich habe das heute erst begriffen: Das ist eine Schockreaktion. Ich lebe vor mich hin, wie im Schock. Im Dauerschockzustand.

Was steckt hinter den Zweifeln?

Der Plan war es eigentlich heute einen Vertrag zwischen den Alltagspersönlichkeiten und einigen anderen Anteilen auszuhandeln. Allerdings haperte es da an einigen Ecken und meine Therapeutin und ich überlegten, warum ich so blocke. Die Überlegungen waren vll solche Sachen aufzunehmen, wie das denen, die sich mitteilen wollen, diese Möglichkeit zumindest im geschützten Rahmen der Therapie gegeben wird. Und im Gegenzug sollten die Anteile, die mehr Wert auf Verschwiegenheit legen, mehr Raum bekommen auch mal sein zu dürfen, wie sie sind bzw mehr Gehör finden.

Ich finde das eigentlich eine super coole Sache und bin total für Kompromisse usw. zu haben und ich will das auch wirklich. Ihnen die Chance für mehr Raum geben. Aber es geht nicht. Ich blocke so extrem und deshalb überlegten meine Therapeutin und ich, warum das so sein könnte. Sie fragte mich, was ich den befürchte, wenn ich sie mehr zulasse:

,,Ich könnte ja lügen. Da ist gar nichts. Weil ich das alles bestimmt gar nicht bin (Viele) und wie peinlich dann.“ – Naja, der übliche Krams halt. Aber kennt ihr dieses Gefühl, wenn du etwas sagst (oder auch hörst) und es macht einfach nicht Klick? So war das da auch: ,,Ne, da muss also noch was anderes hinter stecken. Das kann nicht der einzige Grund sein.“ Und so langsam wurde das dann ein bisschen klarer im Kopf.

Bäääm alter, was für ne Überraschung

Würde ich das wirklich zulassen: die Stimmen, die Dissoziationen, die Blackouts, vor allem die Gefühle! Also ich meine so richtig in meinem Kopf für voll nehmen (da ist das Zeugs ja sowieso), dann müsste ich mich ja auch allem anderen stellen (bahnbrechende Erkenntnis, oder?😅). Ich beschrieb das meiner Therapeutin so:

,,Derzeit steht das alles noch wie ein zugeschnürtes Päckchen in einer Ecke des Zimmers. Da steht zwar was rum und da KÖNNTE evtl. dies und jenes drin sein, könnte aber eben auch nicht. Momentan ist alles nichts als reine Spekulation. Und wenn ich es jetzt aber anfange zu öffnen, dann wird all das plötzlich Realität und ich weiß nicht ob ich dazu wirklich bereit bin.“

Was ich jetzt so manchmal merke, wenn mal so ein Brocken „Scheiße alter, das war real“ zu mir durchschwappt, ist heftig. Ich kann damit nicht gut umgehen. Ich kann zwar kopfmäßig mega viel analysieren und reflektieren und machen, aber ich weiß nicht ob ich wirklich auch die Gefühle zu irgendwas im Körper haben möchte. Also kopfmäßig ja, weil mir bewusst ist, dass es sonst sowieso keine Heilung gibt. Aber im tiefsten Inneren sieht das anders aus, weshalb ich wahrscheinlich so blocke, was ich auch nicht bewusst abstellen kann. Und ich kann so logischerweise auch keinen richtigen Kontakt zu den anderen aufbauen/zulassen, weil ich mich dann automatisch ganz viel mehr stellen müsste.

Wie es mir gerade geht

Ehrlich gesagt hat aber alleine schon diese Erkenntnis, das alles ein unheimliches Stück realer gemacht. Als ich nach der Therapie zuhause ankam, war ich einfach nur am weinen. Und dieses penetrante Angstgefühl ist seit dieser Woche wieder dolle da. Das ist keine konkrete Angst vor etwas, wie sonst wohin zu gehen o.ä. Das ist eher dieses: ,,Gleich passiert irgendwas schlimmes“, was meinen ganzen Körper durchfährt. Mir macht es dann bereits schon Angst nur aus der Decke hervorzukriechen und vom Sofa aufzustehen, um bspw. auf Toilette zu gehen, wo ich dort angekommen deswegen dann total in Tränen ausbreche (also weil ich unter der „sicheren“ Decke hervor musste).

➡ [ Mir hilft es da übrigens etwas, wenn ich im liegen mit den Beinen leicht hin und her wippe, was den ganzen Körper sacht schunkelt. Das beruhigt und gibt ein kleines Gefühl von Geborgenheit.]

Momentan gehen mir auch einige Szenen aus der Kindheit durch den Kopf, die in mir sehr viele Folgefragen aufwerfen und deren Antwort ich aber gar nicht weiß, ob ich sie eigentlich wirklich wissen will. Simultan dazu fange ich, glaube, gerade an viele Dinge aus der nahen Vergangenheit zu verarbeiten, was unglaublich viel Wut in mir aufsteigen lässt. Vieles wird mir jetzt erst richtig bewusst. Wie ich mich behandeln lassen und was ich alles geschehen lassen habe. Es gibt immer wieder diese vielen Momente, wo ich wegen der kleinsten Dinge die Tränen nicht eine Sekunde mehr zurückhalten kann und völlig zusammenbreche. Gestern Abend, beim Abwasch war wieder so einer dieser Momente. So unglaublich viel Trauer und Wut stieg in mir auf (gefühlt aus dem Nichts)und letztendlich musste mein Pfannenwender dran glauben, den ich wütend durch das Zimmer warf, als wäre er der Stellvertreter auf den ich all meine Wut lenken kann.

Naja, aber das olle Plastikding war eh nicht so hübsch anzuschauen 😅🙈

Die Einsamkeit nagt sehr. Mehr die Innere, als die Äußere, glaube ich. Das Gefühl sich nicht richtig mitteilen zu können. Niemanden. Nicht weil gar niemand zuhören würde, sondern mehr weil ich für viele Gefühle, die derzeit in mir hochkommen, keine Worte finde. Ich rede zwar und versuche irgendwas zu erklären, aber es passt einfach nie. Und manche Dinge existieren in mir und ich weiß gar nicht, was es überhaupt ist, geschweige denn das ich es in Worte packen könnte.

Heute war allerdings ein sehr angenehmer Tag. Endlich scheint die Sonne und es ist wieder etwas warm. Ich konnte raus, auf die Wiese. Ich liebe es dort. Die Wiese liegt auf einer Lichtung und ist umschlossen von Wald. Dort ist es so wundervoll ruhig und still. Nur die Vögel und ab und an ein paar Insekten die über meine Decke huschen . Wenn ich mich dort aufhalten kann, kehrt immer so eine unglaublich schöne Stille in mir ein 😊.

Artifizielle Störung (und imitierte Dis)

Grrr, in mir sträubt sich gerade alles das zu schreiben 😑. Ansprechen, was das ist, will ich es aber trotzdem mal…

Als ich nämlich mal wieder tief in meinem Wahn steckte, dass ich mir alles nur einbilde und alles dramatisiere usw., bin ich auf die Artifizielle Störung gestoßen. Eigentlich wollte ich mir mit der Suche irgendwie mein: ,,Ich bin ein Lügner und nichts von dem was ich erzähle stimmt“ bestätigen (maaasochiiiistisch – ich sag´s doch 🤦‍♀️), ich schaff´s aber trotzdem immer mal wieder mich da rauszuziehen.

Besprechen wir jetzt also erstmal was das oben genannte ist und später erzähle ich euch, wie ich das abgleiche bzw. mich da dann versuche wieder rauszuholen.

Lest das bitte nur, wenn ihr stabil seid und euch nicht gerade in einer Phase des Zweifels bzgl der (p)Dis befindet! Ansonsten geht lieber direkt weiter zu „Mein Senf dazu“ und überspringt den Rest.

Was ist eine artifizielle Störung?

(Achtung! Ich finde das sehr triggend!)

Im ICD-10 ist sie als F68.1 Artifizielle Störung [absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen Symptomen oder Behinderungen] angegeben.

,,Der betroffene Patient täuscht Symptome wiederholt ohne einleuchtenden Grund vor und kann sich sogar, um Symptome oder klinische Zeichen hervorzurufen, absichtlich selbst beschädigen. Die Motivation ist unklar, vermutlich besteht das Ziel, die Krankenrolle einzunehmen. Die Störung ist oft mit deutlichen Persönlichkeits- und Beziehungsstörungen kombiniert.“

Ist die Störung auf einen selbst bezogen, nennt man es oft auch das Münchhausensyndrom. Die Betroffenen geben wiederholt vor an einer Krankheit zu leiden. Sie übertreiben die Symptome stark oder lügen diesbezüglich und sie stellen sich oft kränker oder stärker beeinträchtigt dar, als sie sind.

Vorgetäuscht werden kann im Prinzip alles: Von verschiedenen Schmerzzuständen, Herzerkrankungen, Atemstillstände, epileptische Anfälle bis hin zu psychologischen Beschwerdebildern.

Symptome

  • Sie nennen Symptome die auf eine bestimmte Krankheit hindeuten (wie z.B einen Herzinfarkt) oder können aber auch Symptome nennen, deren Ursache auf verschiedene Erkrankungen hinweisen
  • Oft wissen sie über die Erkrankung, die sie vortäuschen, meist sehr gut bescheid (gutes medizinisches Wissen)
  • Sie können evtl. Änderungen an der Krankenakte vornehmen, um zu beweisen das sie krank sind
  • Es kann vorkommen, dass sie sich selbst Schaden zufügen, um bestimmte Symptome hervorzurufen (z.B stechen sie sich in den Finger, um einer Urinprobe Blut beizumischen)
  • Durch ihr umfangreiches Wissen, wissen sie die Behandler oft gezielt zu täuschen, welche sie dann in Kliniken einweisen oder sogar Operationen veranlassen
  • Die Täuschung geschieht absichtlich, der Grund ihres Handels bleibt ihnen jedoch größtenteils unbewusst
  • Betroffene wandern oft von Arzt zu Arzt und von Klinik zu Klinik

Das Klinikum Stuttgart sagt dazu:

,,Sie reagieren auffällig empathielos auf den Leidensdruck anderer.

Es besteht eine hohe Komorbidität mit dissozialen
Persönlichkeitsstörungen, Borderlinestörungen, depressiven Syndromen, Essstörungen, narzistischen und histrionischen Persönlichkeitsstörungen“

Diagnose

Ärzte erkennen diese Störung oft an folgenden Punkten:

  • Die Krankengeschichte der Patienten ist oft sehr dramatisch, dennoch aber widersprüchlich
  • Die Behandlungen und Eingriffe machen die Symptome nicht besser, sondern oft schlimmer (nach anfänglicher, kurzer Besserung finden die Betroffenen neue, andere Symptome oder verschlimmern die vorherigen)
  • Sie unterziehen sich freiwillig und gewollt diagnostischen Tests und (gefährlichen) Eingriffen
  • Sie wollen nicht, dass die Ärzte mit Angehörigen sprechen
  • Andere Erkrankungen wurden ausgeschlossen
  • Es gibt Hinweise auf Fälschungen, Übertreibungen oder Änderungen der Vorgeschichte
  • Es gibt keine offensichtlichen Gründe oder Anreize für den Betroffenen, die Erkrankung vorzutäuschen (z.B ein milderes Strafverfahren dadurch, Schadensersatzansprüche, usw.)

Fügt eine Person einer anderen Schaden zu, wie z.B Mütter ihren Kindern nennt man das das Münchhausen-by-proxy-Syndrom. Dort präsentieren sich die Mütter oft besonders besorgt und aufopferungsvoll und bestehen auf medizinische Eingriffe (bei den Kindern), bei welchen sie meist weniger besorgt sind.

Ursache

Genau geklärt, wann und warum so etwas auftritt, wurde es noch nicht. Höchstwahrscheinlich haben die Betroffenen in früher Kindheit viele Traumata erlitten, weshalb sie das Gefühl hatten nicht gesehen zu werden. Die Störung kann daher auch ein Leben lang bestehen bleiben.

Das Klinikum Stuttgart äußert diese Möglichkeiten:

,,Als mögliche Motive, allerdings ohne empirischen Nachweis werden u.a. diskutiert:

  • Verschaffen von Aufmerksamkeit, Fürsorge und Einzigartigkeitsgefühlen
  • Regulation von Effekten und Spannungen
  • Reinszenierung traumatischer Erfahrungen
  • Regulierung und Stabilisierung konfliktreicher Paarbeziehungen“

Und:

,,Trotzdem sind diese Patienten krank und benötigen Hilfe! Sie können für ihr Verhalten nicht oder nur teilweise moralisch verantwortlich gemacht werden.“

Was ist eine imitierte Dis?

Die imitierte Dis kann jetzt eine Form der artifiziellen Störung sein. Der Betroffene glaubt selbst darunter zu leiden, erfindet die Symptome jedoch.

Auffällig ist dabei meist, dass die Betroffenen ihre Symptome und „Persönlichkeitsanteile“ besonders begeistert und betont zur Schau stellen, was im Gegensatz zur typischen Verleugnung der Dis/pDis steht. Ebenfalls werden die Symptome meist nur sehr oberflächlich beschrieben und gehen daher wenig in die Tiefe. Auch werden eher die bekannten Symptome genommen und vieles, was sonst für die dissoziativen Störungen üblich, aber eher unbekannt ist, ausgelassen.

(Unbewusste) Gründe können dafür sein, dass Betroffene eine besonders ausgefallene oder schwerwiegende Erkrankung haben möchten. Möglich wäre aber auch die Imitation (was dann keine artifizielle Störung wäre), weil sie einer Haftstrafe entgehen wollen oder andere Vorteile daraus ziehen möchten.

Mein Senf dazu…

Dadurch ergibt sich jetzt auch ein klareres Bild für mich, warum so viele Dis-Betroffene anderen so was wie Hier (,,Die faken doch alle“) unterstellen. Ich könnte mir vorstellen, im Zuge der Verleugnung, sind so einige ebenfalls auf die artifizielle Störung gestoßen und übertragen das jetzt einfach auf andere – Wer sich selbst nicht glaubt, glaubt auch anderen nicht.

Vieles was da beschrieben wird, habe ich in den Trauma-Gruppen so nämlich (als Vorwurf gegenüber anderen) teilweise wortwörtlich gelesen.

Um das aber nochmal klar zu stellen: IHR HABT, nur weil es so etwas gibt, TROTZDEM NICHT DAS RECHT DAZU, JEMAND SO ETWAS ZU UNTERSTELLEN!

Ich muss immer wieder darauf zurückkommen: Mit welchem Recht wollt ihr wissen, anhand weniger Informationen, dass da gerade jemand faket? Weil bei euch etwas anders ist? Ihr anders damit umgeht? Sorry man, das ist so dermaßen arrogant und überheblich 🤷‍♀️.

Ich streite auf gar keinen Fall ab, dass es das gibt. Aber ich glaube nicht das irgendjemand, der mit den Leuten nix weiter am Hut hat, das Recht zusteht, so zu tun als wüsste er ob jemand ehrlich an etwas erkrankt ist oder nicht.

Zudem finde es auch sehr schwierig mich mit dieser Störung überhaupt näher auseinanderzusetzen, weil ich mir sowieso schon ständig einrede, dass ich mit allem lüge und völlig übertreibe. Ob man sich das als Betroffene dann gegenseitig noch vorwerfen muss (sodass man sich nicht einmal dort aufgehoben fühlen kann und ständig im Rechtferigungszwang ist) halte ich für fragwürdig.

Bin ich davon betroffen?

Keine Ahnung. Vielleicht?

Ich versuche (wenn die Verleugnung sehr stark wird) immer wieder zu reflektieren, was da steht und was bei mir Tatsache ist. Ich geh da mal kurz etwas näher drauf ein…

Also: Ich bin z.B nicht überzeugt von meinen Symptomen und schwäche sie eher ab, als das ich sie besonders darstelle. Mich kotzt das eigentlich im Gegenteil sogar extrem an, dass mein Erleben allein zuhause ein ganz anderes ist, als das in der Öffentlichkeit. Manchmal wünsche ich mir wirklich, ich könnte etwas davon nach Außen präsentieren. Einfach weil ich das Gefühl habe, dass man mich dann vll ernster nehmen würde. Das man dann sehen würde, wie es mir wirklich geht. Mitleid will ich da jedoch keins (damit kann ich sowieso nicht umgehen, das ekelt mich an), nur ernst genommen werden (also nicht ständig dieses: ,,Wieso? Sie sehen doch gut aus, ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihnen etwas fehlt“).

Ich erachte mein Leiden weiter auf keinen Fall als schlimmer oder wichtiger, als das der anderen. Das Gegenteil ist eher der Fall. Mit verschiedenen Symptomen und Krankheiten kenne ich mich recht gut aus, würde ich behaupten. Was aber auf jeden Fall daran liegt, dass mich interessiert was mit mir los ist und wie ich mir oder aber auch anderen helfen kann. Generell interessiert mich das Thema Psychologie schon seit meiner Kindheit stark.

Symptome erfinde ich keine, sondern ich erzähle was und wie ich es erlebe. Dennoch kommt es mir zu jeder Sekunde vor, als würde ich lügen. Aber auch da lässt sich eben schnell ein Faktencheck machen: Erlebe ich die Sachen wirklich, die ich erzähle oder erlebe ich sie nicht? Fertig. Glauben tue ich mir deshalb trotzdem nicht wirklich besser, aber objektiv lässt sich so zumindest auf ein Ergebnis kommen.

Seit ich mich mehr mit den verschiedenen dissoziativen Symptomen beschäftigt habe, nehme ich auch mehr wahr. Das trifft zu. Allerdings habe ich eigentlich fast alles davon auch vorher schon erlebt (also es ist nix neues für mich). Ich glaube, ich achte mittlerweile nur mehr darauf was wann wie auftritt. Vorher habe ich vieles einfach gar nicht als „unnormal“ angesehen.

Anteile besonders präsentieren?

Anteile stelle ich auch auf keinen Fall zur Schau. Solange ich das unter Kontrolle halten kann, lasse ich niemand raus 🙈 und rede auch möglichst nicht über sie. Auch nicht bei meiner Therapeutin. In meinem Büchlein habe ich verschiedene Namen stehen und auch Skizzen, von denen, die ich im Inneren glaube gesehen zu haben. Allerdings hat das noch keiner zu Gesicht bekommen und ich gebe auf meine Notizen auch keine Garantie. Einmal sagte ich meiner Therapeutin den Namen einer Persönlichkeit, was aber ziemlich nach hinten los ging. Nicht von seitens der Thera. aus, mehr weil es im Inneren deshalb ziemlichen Tumult gab.

Ich merke die Veränderung im Inneren schon manchmal und bestimmt wäre es sinnvoll, das in der Therapie auch direkt anzusprechen, um endlich mit damit arbeiten zu können, aber dazu ist meine Schamgrenze einfach zu hoch. Ich versuche es lieber zu ignorieren und so zu tun, als wäre nichts. Außerdem, selbst wenn ich es ansprechen würde, hätte ich eh das Gefühl gerade eine riesengroße Lügengeschichte aufzutischen. Das belastet mich dann zusätzlich, weshalb ich das darüber-Reden auch stark versuche zu vermeiden.

Aber ganz ehrlich?

Selbst wenn…

…es bei dir anders ist, weil du vll einen guten Kontakt zu deinem Innensystem hast und sich deine Leute eben einfach so zeigen wollen wie sie sind, ist das keine Bestätigung für das da oben.

Jeder geht mit der Sache anders um. Manche Verleugnen krass alles was dazu gehört, manche nicht. Manche wollen ihr System so anerkannt haben, wie es ist und manche nicht.

Selbst wenn du vll von Klinik zu Klinik „wanderst“, weil du dringend Hilfe suchst, welche du einfach nicht bekommst, ist das auch keine Bestätigung. Du suchst eben einfach nur Hilfe.

Nur weil du vll nicht die gleichen Symptome wie andere hast oder bei dir andersrum tatsächlich die „Lehrbuchsymptome“ im Vordergrund stehen und du darüber reden möchtest, ist das auch keine Bestätigung dafür, dass du dir alles nur einbildest oder es imitierst.

Ich glaube, gerade wer sich immer wieder fragt, ob er sich alles nur einbildet, übertreibt, lügt usw., da ist es eher wahrscheinlich das die Symptome auch echt sind. Ich meine, aus welchem Grund solltest du dir das alles einbilden und ausschmücken und dich gleichzeitig runtermachen dafür? So richtig Sinn ergibt das nicht 🤷‍♀️. Genau genommen, würde dieses Verhalten an sich schon sehr gespalten wirken 😉.

Im Endeffekt hilft aber vll auch eine Gegenüberstellung von dem was du tatsächlich erlebst (vll mit einem Ereignis, welches dir als Beispiel dient), wobei du dir nicht ganz sicher bist und von dem was nicht (was du aber sagst zu erleben). Schreib es auf. Mach greifbar, was sich sonst nur in deinen Gedanken abspielt. Bestimmt stellst du dann fest, dass du dir gar nicht soviel ausdenkst, wie du glaubst.

Und denkt bitte daran, dass wir von klein auf eingeredet bekommen haben, dass unsere Wahrnehmung falsch ist und wir nur schauspielern und lügen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sowas speichert sich tief drin ab und verankert sich fest in unserem Denken! Das wir uns nicht glauben, uns für Lügner halten und denken wir würden alles nur für Aufmerksamkeit machen, ist doch völlig logisch. Was soll man denn anderes glauben, wenn man genau diese Worte, über sich, sein halbes Leben lang gehört hat?

Zweifel (Update)

Ne, die sind immer noch nicht weg😂

Und wenn die solange anhalten, dann kann doch auch nix sein, oder? Denk ich mir zumindest 😅

Ich stieß letztens auf den Blog, einer Betroffenen, und der war so toll gemacht! Nach nicht mal über einem Jahr wusste sie schon größtenteils was damals vorgefallen war, sie konnte Innenpersonen (grob) beschreiben und zuordnen und ich sitz da und werd einfach nur wieder unsicher.

Nein irgendwie ist es gar nicht schlau für mich, mich mit anderen Betroffenen zu beschäftigen, weil ich dieses Drecks Vergleichen einfach nicht abstellen kann.

Was andere können…

… und ich nicht – ,,Ja, komm heul wo anders rum“, denk ich mir. Als wär es für andere so einfach.

Trotzdem, ich bekomms nicht gebacken. Ne innere Landkarte, das ist die Aufgabe. Ja, das hab ich letzten Herbst schon mal gemacht. Jetzt hab ich ein paar nette Bildchen dazu gepackt, es wurden ein paar Gefühle mehr. Ich kann 2-3 sogar grob mit Aufgabe und Aussehen bestimmen, aber trag ichs auf der Landkarte ein? Natürlich nicht. Wir müssen ja immer schön im Konjunktiv bleiben. Vielleicht, könnte, eventuell. Könnte ja immerhin auch alles falsch sein. Und wehe etwas falsch machen!

Ich bin jetzt seit 3 Jahren strikt allein zuhause, merke ich. Zum einkaufen und für notwendige Termine gehe ich vor die Tür. Derzeit nehme ich keine Blackouts wahr. Es sind Kleinigkeiten zuhause, wovon man behaupten könnte, dass ich mich nicht daran erinnere. Kleinigkeiten. Die lassen sich aber auch anders erklären. Ich weiß nicht viel von meiner Vergangenheit. Bruchstücke, aber das lässt sich auch mit einer dissoziativen Amnesie erklären. Blackouts in Hochstressstiuationen. Auch das lässt sich rational erklären, denke ich mir.

Nein, das denke ich mir nicht nur. Das ist auch so.

In der Therapie…

Kommen das erste Mal andere durch. Ich habe das erste Mal, vor jemand fremden, keine Zugriff mehr auf mein Denken, auf meine Handlungen und meine Worte (zumindest so, dass es mir auffällt). Ich merke das erstmals. Glaube ich zumindest. Sie fragte das letzte Mal, dass erste Mal, ob das, was ich da erzählte, meine ,,Aufgabe“ wäre und ich spürte die Überraschung im Inneren. Das angesprochen werden, brachte die Überraschung. Das erste Mal wird aktiv, im Ansatz, über Innenanteile geredet. Das Problem war bisher nicht meine Thera., sondern ich. Ich habe bisher klar verständlich gemacht, dass ich dieses Thema nicht abkann. Und kaum habe ich die „Landkarte“ angefertigt, bahnt sich schon das nächste, innere Desaster an – ,,Das ist nicht echt, du Simulant! Hör endlich auf damit!

Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich mehr oder weniger in Isolation. Es gab Situationen wo ich im Nachhinein merkte, dass ich nicht anwesend war (Blackouts also, ohne Erinnerung daran, dass ich welche hatte), aber es gibt so gut wie keine Situationen, wo ich bewusst das Gefühl hatte, nicht steuern zu können, was ich da gerade tue. Nie nahm ich das wirklich zu 100% bewusst wahr. Im Nachhinein, ja. Aber im Nachhinein kann man sich ja viel zusammenreimen, denke ich mir.

Auf der einen Seite, denke ich, momentan also das wohl doch etwas dran ist, auf der anderen Seite wächst genau deshalb der Zweifel immer mehr. Ein ekelhaftes zur Schau stellen ist das, was ich da mache. Umso mehr „Bestätigung“ aus dem Inneren kommt (sich etwas zeigt oder versucht zu kommunizieren), umso mehr ist das meine Bestätigung für meine Lügen und ich blocke ab. Umso weniger „Bestätigung“ aus dem Inneren kommt (,,ja wo ist Anteil XY, der erzählt wer und was er ist und was er hier treibt??“), desto unsicherer werde ich. Weder das eine, noch das andere kann ich behaupten, ohne unsicher zu werden.

So empfinde ich das. Wenn da jemand wäre und wäre es nur ein Ego-State, dann könnte ich den doch endlich mal klar benennen. Dann könnte ich damit doch mal was anfangen, ohne diesen Selbsthass dabei zu verspüren. Ohne das Gefühl zu lügen. Dann, denke ich mir, wäre da mehr, müsste da doch mal, so wie bei anderen, jemand erscheinen und sagen: ,,Hey ich bin die Gertrude und die Sache ist die und die“, aber nix. Ich tümpel immer noch da rum, wo ich am Anfang war. Im Gegenteil, hab ich das Gefühl, als wäre ich 3 Schritte zurückgegangen. Keine Kommunikation mehr, kein Wahrnehmen der anderen. Nix. Latent, wenn ich mich anstrenge. Man kann sich aber auch in vieles reinsteigern, denke ich mir.

Das eigentliche Problem

Sind, glaub ich, gar nicht die Anteile an sich, sondern das, was mit Trauma damit verbunden wäre. Emotionaler Missbrauch, ja. Das weiß ich (witzig das ich es immer noch unter „lapidaren Scheiß“ verbuche). Und dadurch kann eine dissoziative Störung entstehen. Und gut ist. Sense. Damit kann man doch arbeiten, oder? Will ich ja. Und dann kommen die Träume. Keine visuellen Flashbacks am Tag. Obwohl auch da schon Bilder erschienen sind, ohne Gefühl, ohne irgendwas. Nur Bilder. Sind auch das Flashbacks??

Ich hab meine Thera. immer noch nicht gefragt oder ihr davon erzählt. In meinen Beitrag über Flashbacks behaupte ich jedenfalls, dass das welche wären, also nur Bilder (immer wieder überraschend was ich da so schreibe 🤦‍♀️). Aber gut. Träume sind Träume. Bilder kann man sich im Unterbewusstsein ausdenken. Nix klares. Und das macht mich wahnsinnig! Dieses ständige: ,,Also da war doch das und das“ und dann wieder dieses: „Sag mal, bist du noch bei Trost?! Leuten dies und jenes zu unterstellen?!“

Und z.Z ist so gut wie gar kein Innenkontakt mehr vorhanden. Ein Grund mehr mich darin bestätig zu fühlen, dass alles nur Quatsch ist. Ich meine, war der je vorhanden? Vll hab ich mir das nur eingebildet. Gespräche einer einsamen Irren, mit sich selbst…

Warum hören denn alle anderen die ,,anderen“? Und können mit denen reden und arbeiten? Und bekommen ihre Blackouts mit? Oder haben plötzlich Erinnerungen? Warum ist hier alles weg, sobald ich damit arbeiten will? Habe ich sie vergrault? Waren sie nie da? Herrgott! Bring einer diesen Schwachsinn zum Schweigen oder wenigstens auf einen Nenner!!

Ich bin noch nie in einer anderen Stadt „aufgewacht“. Für mich gibt es nur mein zuhause. Ich bin immer zuhause. Als ich noch in der Stadt lebte, gab es Hinweise, dass ich die Wohnung verließ (Taschen mit Schuhen und T-Shirts, Hosen usw. – die auf Übernachtungen wo anders schließen ließen, Nummern + Namen im Telefonbuch, die ich nicht kenne, etc.), aber jetzt nix. Ich bin zuhause, für mich allein. Da ist auch niemand den ich fragen könnte. Bei den 2 menschlichen Kontakten im Monat funktioniere ich normal. Ganz normal. Keine Besonderheiten. Alles frühere lässt sich auch rational erklären.

Wäre da jemand anderes, würde der nicht rausgehen? Würde der nicht Dinge tun? Dinge endlich sagen? Das müsste doch auffallen.

Trauma

Ich les mich tot, habe ich das Gefühl. Wie ein Trauma funktioniert. Wie all das biologisch/psychologisch funktioniert. Und ich könnte den meisten, für fast alles, ne psychologische Erklärung liefern, aber ich selbst denke mir, dass ein Trauma in diesen Ausmaßen nicht möglich wäre. Nicht bei mir. Ich wüsste doch davon, denke ich mir. Irgendwas wüsste ich. Irgendein Indiz.

Und ehrlich? Die gibt es. Aber bei mir … bei mir sind die ,,übertrieben, ausgedacht, zugespitzt„. Mach ich mich jetzt selbst „Besonders“, weil ich denke ich wäre die Einzige, die so furchtbar ist, dass ihr nicht mal jemand etwas antun könnte und es für all das eine andere Erklärung gibt oder weil ich denke, ich wäre so ekelhaft, dass ich nicht mal den ehrlichen Umgang mit mir selbst lernen kann? Ehrlich zu sich selbst sein? Als Einzige zu dumm dafür? Beides ist ein Hervorheben, was ich in meinen Augen nicht „verdiene“. Wo kommt das nur her?? Boar langsam macht mich das wahnsinnig! Dieses Denken. Dieses völlig verquere Denken! Eigentlich finde ich mich nämlich toll … Ja komm, da muss keiner mehr folgen können.

Mittlerweile lese ich gar nichts mehr. Ich schaue kaum bis gar nicht mehr in andere Dis-Kanäle rein oder bin in Selbsthilfe-Gruppen unterwegs. Weil alles die Zweifel, die eigene Unfähigkeit, das eigene ,,Ich kann das einfach nicht“ antriggert. Denn das bestätigt die Zweifel, das Gefühl zu lügen. Das Gefühl unrecht über andere zu denken (,,als wäre dir etwas schlimmes passiert! Als würden die sowas tun!“) . Das Gefühl schlecht zu sein, so wie man ist. Ehrlich, da kommen Gefühle hoch von: ,,Du bist so unwichtig, dass dir nicht mal der letzte Ar*ch etwas hätte antun wollen“ – Selbst für ein Trauma bist du zu unwichtig! Alles Selbstdarstellung!“ – Klar. Viele Traumabetroffene denken so, aber nun stell dir doch mal vor, diese Gedanken haben recht?! Die Chance steht 50-50.

Ich würde das gerne alles neutral angehen wollen. Neutral nur das behandeln wollen, was gerade da ist, aber es geht nicht. Die Oberfläche behandeln bringt keine Besserung, merke ich, und das darunter liegende ist durchsetzt mit Selbsthass und Ablehnung. Da ist kein Weg ran. Viele Vermutungen müssen nicht mal im Ansatz stimmen, aber um sich klar zu werden, was wahr ist und was nicht, muss man all das ja erstmal neutral angehen können. Indizien untersuchen und dann als wahr, möglich oder unwahr aussortieren können. Boar, aber wie macht man das??

Wie kommt man an diesen Punkt, sich selbst erstmal ein Trauma zuzugestehen? Sich selbst zuzugestehen, dass es okay ist verletzt zu sein? Wie kommt man an den Punkt sich selbst erstmal ernst nehmen zu dürfen? Schwäche zu zeigen? Die Maske abzulegen? Auch vor sich selbst?

Alles perfekt machen

Ich trau mich kaum etwas zu meiner Thera. zu sagen, weil ich denke das all das, bevor ich es sage, erstmal Hand und Fuß haben muss. Ich kann doch nix sagen, was dann vll gar nicht stimmt, denke ich mir. Und sie versucht mich immer wieder zu beruhigen und zu sagen, dass wir hier nicht vor Gericht sind. Das sich Erinnerungen und Gefühle erst finden dürfen. Dass das ein langer Prozess ist und wir nur das angehen, was gerade aktuell ist. Und sei es am Ende nur eine Fantasie.

Aber das funktioniert in meinem Denken nicht. Was ich sage, darf nicht unwahr sein, denke ich mir. Wenn ich jetzt etwas unwahres sage, und sei es nur im Ansatz, dann glaubt sie mir doch nie wieder ein Wort! Wenn ich jetzt etwas unwahres denke, wie kann ICH mir dann jemals wieder in die Augen schauen? Ich bin doch die einzige Person, der ich vertrauen kann und wenn ich jetzt etwas behaupte, was dann so gar nicht stimmt, wie soll ich mir jemals wieder vertrauen können? Aber ohne eine Theorie gibt es keinen Fortschritt. Ohne eine These, die bewiesen oder widerlegt werden kann, gibt es keinen Wachstum. Das ist mir bewusst. Umsetzen kann ich es trotzdem nicht.

Und deshalb, weil ich nichts meiner Gedanken beweisen kann, möchte ich mich derzeit am liebsten vor mir selbst verstecken. Verkriechen. Nichts mehr fühlen. All das ausblenden, was innerlich da ist. So tun, als wäre alles wie vorher. An der Oberfläche kratzen. Denn all das Innere ist ja unwahr. Ich würde das so gern akzeptieren. Glauben. Aus tiefstem Innern.

Ich hab das Gefühl, dass all das für meine Depression momentan zuständig ist. All diese verlogenen Gedanken, aber abstellen kann ich sie nicht. Ich kann die Träume nicht abstellen. Ich kann die Gefühle nicht abstellen. Und ich kann meinen Selbsthass über meine eigene Unfähigkeit nicht abstellen. Das Gefühl nicht stark genug für meine Innenwelt zu sein. Nicht stark genug für die Außenwelt. Stark genug für das, was ich doch können müsste. Nicht stark genug für die Wahrheit, wie auch immer sie aussehen mag. Und nicht stark genug für das, was ich fühle. Für nix stark genug einfach. Das fuckt einfach nur ab!

,,Die faken doch nur“

Ich bin masochistisch veranlagt, mittlerweile bin ich mir da ganz sicher 🤦‍♀️

Liebe Franziska, es hatte einen Grund warum du dich aus diesen Online-„Selbsthilfe“gruppen abgemeldet hast. Nur mal so.

Keine Ahnung was das ist. Die Einsamkeit? Die Suche nach Menschen, die einen verstehen? Oder der krampfhafte Versuch, sich seine Wahrnehmung von der Außenwelt bestätigen zu lassen, alá ,,du bist nicht verrückt und bildest dir was ein“?

Kannst du nicht einfach deinem eigenen sch*iß Gefühl vertrauen, ohne das dir ständig jemand sagen muss, dass es nicht falsch ist? – Ne irgendwie bekomme ich das nicht gebacken. Krank oder?

Aber okay, erstmal zurück auf Anfang. Wovon rede ich hier schon wieder?

Dissoziative Störungen und der Vorwurf des ,,fakens“

Die multiple Persönlichkeitsstörung wurde erstmals ☝ 1980 in das offizielle Diagnosehandbuch aufgenommen, obwohl bereits vor weit über 100 Jahren die ersten Theorien dazu aufgestellt wurden. Wie im Beitrag über Freud´s Verführungstheorie schon angeschnitten, wurden fast alle dieser Theorien aber wieder verworfen oder einfach gar nicht weiter verfolgt. Zur Folge hatte das, dass das Prinzip der autonomen Anteile bis noch vor relativ kurzer Zeit als Einbildung, Wahnvorstellung bis hin (in religiös geprägten Gegenden) zur Besessenheit deklariert wurde.

Noch heute gibt es viele Ärzte und Therapeuten die diese Diagnose (u.ä) vollends abstreiten und die Betroffenen daher auf alle möglichen anderen Diagnosen behandelt werden, was letztendlich aber zu keiner Besserung führt. Von Seiten der Mediziner kann ich das nur schwer nachvollziehen.

Was ich jedoch nachvollziehen kann ist, dass Nicht-Mediziner und Außenstehende dem Thema gegenüber erstmal mit Skepsis begegnen. Ich denke, das liegt einfach daran, weil viele den Mechanismus hinter den dissoziativen Störungen noch nicht verstehen. Wie auch, wenn man nie damit zu tun hatte? Dennoch finde ich natürlich informieren wichtig, bevor man urteilt☝.

Fühlt man sich wenigstens unter Selbstbetroffenen verstanden?

Also, wie man sieht ist es nicht gerade leicht von der Außenwelt ernst genommen zu werden (bis auf meiner Therapeutin und meinen beiden Freundinnen würde ich deshalb wohl auch kaum jemand in der realen Außenwelt vor den Latz knallen, dass ich Stimmen höre o.ä).

Und nun frage ich mich einfach, warum sich Betroffene von dissoziativen Störungen (und umso weiter es das Spektrum „hoch“ geht, umso schlimmer wird das) ständig gegenseitig vorwerfen zu lügen und zu faken?

Hat irgendjemand dazu mal eine vernünftige Erklärung?!

Ich hab mich aktuell wieder in einer Gruppe angemeldet, in der ich schon mal war und wo zwar unheimlich viel gezickt wurde, ich bisher dieses ,Unterstellen´ jedoch nicht so erlebt habe. Angemeldet, rein und direkt wieder in einen fetten Trigger gelaufen. Masochistisch veranlagt, ich sag´s doch.

Was war da los?

  • Der 1.Punkt wo bei mir schon die Wut hochkochte war, weil einer Threaderstellerin von einer anderen Person erstmal erklärt wurde, dass sie gar keine Anteile und Täterintrojekte hat (wohlgemerkt das Spektrum bzgl. Anteile ist sehr groß).

Ich persönlich finde das eine riesengroße Frechheit, einfach weil ich der Meinung bin das einer völlig fremden Person nicht zusteht, anhand von wenigen Informationen im Internet, so eine Aussage zu treffen. Wohlgemerkt: Viele Ärzte brauchen für so eine Diagnose Monate bis Jahre und die wollen das direkt über so einen/ein paar Threads ganz genau wissen. Wenn ich das Gefühl habe jemand steigert sich in etwas rein, dann darf ich das ansprechen. Natürlich.

Aber meiner Meinung nach kann man eher sowas schreiben wie: ,,Du ich habe das und das wahrgenommen, anhand dessen was ich jetzt lesen konnte und mir kamen dazu diese und jene Gedanken. Kannst du mit diesen etwas anfangen oder so gar nicht?“ – Wenn man es denn schon unbedingt ansprechen muss.

Sowas ist noch einmal eine ganz andere Aussage, als: ,,Du hast gar keine Anteile“ Punkt. Aus. Ende. ?????

  • Der 2.Punkt der die Wut in Wallung hielt, war das diese Person das rausgehauen hat … und dann wars das. Die Threaderstellerin fühlte sich dadurch (verständlicherweise) sichtlich genötigt, sich zu rechtfertigen und man las einfach das sie dadurch aufgewühlt war. Aber nichts. Keine Reaktion darauf.

Vll regt mich das so auf, weil ich eine ähnlich Situation selbst schon einmal hatte (in einer anderen Gruppe), wo einfach etwas rausgekotzt wird und dann gibts keine Reaktion mehr darauf. Für mich ist das sowas wie: Derjenige sagt was und fühlt sich damit so völlig im Recht, dass es eigentlich Wurst ist wie du drauf reagierst. Das es eigentlich egal ist ob es stimmt oder nicht, weil der Gegenüber schon beschlossen hat, dass seine Aussage richtig ist. Genau solche Art von Unterstellungen hat meine Mutter eigentlich permanent betrieben und genau deswegen stört mich das vll auch so stark.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte

  • Der 3.Punkt und da wars dann auch wirklich vorbei mit meiner inneren Ruhe (oder wie auch immer man diesen Zustand nennen will😅) war, als unter einem anderen Beitrag darüber diskutiert wurde, dass immer mehr Leute die Anteile in der Therapie eingeredet bekommen. Das es ganz viele in der Gruppe gibt, die gerne Anteile hätten und sich deshalb so darstellen, aber nur wenige, die wirklich welche haben (FREMDEN Leuten wurde also erstmal pauschal das Lügen und gezielte Manipulieren unterstellt).

Dann wurde da aufgezählt wie viele sich Anteile einfach einreden. Das viele einfach nur jemand wollen, den sie die Schuld in die Schuhe schieben können und deshalb Anteile erfinden. Wie diese Leute über Symptome lesen und jene dann plötzlich an sich entdecken und sich deshalb bestätigt fühlen. Wie die Ärzte dann deshalb darauf reinfallen und falsche Diagnosen vergeben. Das die Leute aber eigentlich auch nur sehr viele Probleme haben (was für ein widerliches, gekünsteltes Mitleid), sonst würden sie ja nicht so lügen. Und bla bla bla ….

Was macht das mit mir?

Mir ist bewusst das ich mir nicht jeden Schuh anziehen und mich angesprochen fühlen muss. Hab ich mich diesmal, in dem Sinne, auch nicht. Also ich ging jetzt gar nicht davon aus, dass ich damit gemeint sein könnte o.ä.

Das ändert aber nichts daran, was diese Aussagen in mir auslösen. Sofort fühlen sich sämtliche Zweifel in mir nämlich wieder bestätigt. Ich denke ja selbst ständig das ich nur lüge, nur Aufmerksamkeit will und gar kein Recht habe, mich schlecht zu fühlen, weil mir ja nichts fehlt. Genau sowas bestätigt das dann sofort wieder.

Ich hab richtig Probleme in meinem Kopf jetzt diese Gedanken wie: ,,Bestimmt hast du dir die Symptome auch nur angelesen. Eigentlich fehlt dir gar nichts. Was für ein kranker Simulant du bist!“ zu unterdrücken. Oder Gedanken wie: ,,Vll will deine Therapeutin auch nur gerne mit Anteilen arbeiten. Du kannst der vll gar nicht glauben oder sie ernst nehmen, wenn sie dir was sagt! Die will dich auch nur manipulieren!“ usw. usf.

Das ist richtig übel und ich habe zu kämpfen, mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass ich diese Symptome schon vorher hatte. Also bevor ich darüber las. Das ich eine Diagnose in diesem Bereich schon hatte, bevor ich mit Dissoziation und Anteilen überhaupt etwas anfangen konnte. Das meine Therapeutin mir gar nichts einredet bzgl. Anteilen. Das wir ganz im Gegenteil sogar, sehr wenig davon sprechen und immer nur dann, wenn ich mich dazu bereit fühle.

Wenn dann aber aufgezählt wird warum und wie man den Ärzten auch nicht glauben darf. Das man auch den Symptomen nicht richtig glauben kann, weil die könnten ja eingebildet sein usw. Dann sind das einfach all die Ankerpunkte, an denen ich mich versuche festzuhalten, um mich selbst und mein Erleben ansatzweise ernst nehmen zu können. Und die werden einem dadurch einfach entzogen. All diese Ankerpunkte werden einfach hingestellt als ,,auch nicht vertrauenswürdig“. Und nun muss ich mich zusammenreißen, mein bisschen Vertrauen in mich und auch in meine Therapeutin nicht wieder zu verlieren.

Ja ist das denn der Sinn einer Selbsthilfegruppe??

Warum ich mich so aufrege

Ich habe darauf auch ziemlich klar meine Meinung deutlich gemacht und das ich dieses Verhalten, in solchen Gruppen, nicht okay finde. Und ich finde natürlich durchaus, dass man darüber mal sprechen darf und ich glaube auch das es Menschen gibt, die sowas wirklich simulieren. Es ist ähnlich wie bei einer Vergew*ltigung, wo es auch Frauen gibt die sowas erfinden. Und genau das nimmt echten Betroffenen dann die Glaubwürdigkeit. So kann man das auch auf anderes übertragen. Daher verstehe ich das schon.

Trotzdem kann ich das doch nicht einfach pauschal anderen unterstellen. Und gerade in solchen Gruppen, wo die meisten Probleme haben sich selbst zu vertrauen und sich zu glauben, finde ich es nicht okay solche Diskussionen, noch mit dieser Wortwahl, zu führen. Vor allem mit dem Hinweis, dass sich auch viele solcher ,,Simulanten“ in dieser Gruppe aufhalten würden. Sodass sich schön erstmal jeder fragen kann, ob er nicht auch dazu gehört.

Soviel Verständnis, was das in anderen auslöst oder auslösen könnte, sollte man doch erwarten können, oder nicht?

Erwarte ich da etwa zu viel?

Auf meine Reaktion wurde dann zum Teil mit Unverständnis (,,Du bist ja drauf„), gar nicht oder sogar lachend reagiert. Ich schildere meine Emotionen dazu und werde ausgelacht. Was soll ich´n davon halten?

Auch da wieder: Auslachen war bei meinen Eltern Gang und Gäbe. Kann niemand wissen, ist aber auch einfach keine empathische und angemessene Reaktion. Null.

Ich will denen ja gar keine böswillige Absicht unterstellen, aber ich finde schon das man ein bisschen mehr darauf achten kann WO man sich befindet und WAS man da WIE sagt. Da gehts auch nicht darum den anderen „den Bauch zu Pinseln“ (wie permanent unterstellt), sondern einfach um Rücksichtnahme. Vll kann man sich auch einfach mal daran zurückerinnern, wie es einem selbst am Anfang bzgl Leugnen etc. ging oder in Betracht ziehen, dass nicht jeder gleich mit der Situation umgeht, wie man selbst.

Täterverhalten

Gefühle und Empfindungen ausreden und weg geredet bekommen. Nicht ernst genommen werden. Sich übergangen fühlen, weil andere über dich besser bescheid wissen wollen, als du. Vermittelt bekommen, dass man lügt. Das man sich alles nur einbildet. Das man sich nicht so anstellen sollen usw.

All das kenne ich von Tätern und dann sagt man den Leuten das, dass sie sich gerade genauso verhalten und dann wird das auch einfach nicht ernst genommen. Dann wird argumentiert, dass man ja „nix sagen dürfe“ , weil andere dann direkt damit anfangen, dass dies Täterverhalten wäre usw. Ja wenn es das doch aber ist?! Wenn ich das so empfinde? Oder jemand anders das so empfindet?

Da bekommst´e gleich als Nächstes vermittelt, dass das Gefühl man wäre gerade in die Tätersituation zurückversetzt (und fühlt sich deshalb wieder ähnlich hilflos, übergangen, schlecht usw.) auch nur eine Einbildung ist. Und eine Nervige noch dazu, weil die anderen ja jetzt nicht einfach ihre Meinung sagen dürfen. Die sollen plötzlich auf dein Mimimi Rücksicht nehmen… So fühlt sich das für mich an.

Und das löst auch direkt wieder Scham aus. Scham weil ich mich schlecht fühle und das vll sogar noch äußere.

Aber wenn se sich damit besser fühlen…

Ich jedenfalls finde es nicht okay, dass sich manche benehmen, als müsste man erstmal eine 100seitige Beweisschrift vorlegen und ein Aufnahmeritual bestehen, bevor man ernst genommen werden darf. Oder bevor einem das Recht zuteil wird, nicht ständig das eigene Erleben ausgeredet zu bekommen, nur weil die das anders kennen oder erleben.

Aber ☝, selbst schuld. Was hängste dich auch überall rein🤦‍♀️. Ein Punkt an dem ich ansetzen muss –> Ar*chiges Verhalten lernen zu ignorieren

Destruktive Stimmen, Leugnen und Innenkontakt(probleme)

,,Verlogene Schl*mpe!“ – ,,Du willst doch nur Aufmerksamkeit!“ – ,,Hör endlich auf zu lügen, du F*tze!“

Schön wenn man so gesittet miteinander reden kann, oder? Ganz ehrlich? Jeden normalen Menschen, der so mit mir spricht, würde ich mit dem Ar*ch nicht mehr angucken 😒

Aber rudern wir nochmal zurück und schauen uns erstmal an:

Was hat es mit diesen destruktiven Stimmen überhaupt auf sich?

[Woher diese Stimmen generell kommen und wer oder was sie sind, habe ich Hier und Hier schon mal näher erklärt]

Als destruktive Stimmen bezeichne ich jene Anteile, die eben mit solchem Zeug, wie da oben, um sich werfen. Bei mir geht das z.B sofort los, sobald ich das gesamte Thema Anteile, dissoziative Störung ect. auch nur eine Spur ernster nehmen möchte.

Ich fange mal kurz von weiter vorn an:

An sich „höre“ ich schon Stimmen seit ich denken kann bzw. ist mir schon sehr, sehr lange bewusst das ich nicht allein in meinem Kopf bin (hört sich das nur für mich so völlig gaga an?). Ich höre jedoch keine Stimmen wie man das oft aus Filmen kennt, wo dir dann eine lautstarke Stimme ins Ohr flüstert ,,Du musst jetzt das und das tun“ – Nein, meine Stimmen sind ähnlich wie Gedanken, nur manchmal höre ich tatsächlich auch eine klare Stimmfarbe und Befehle erteilen sie mir eigentlich auch keine.

Bis vor, na sagen wir ungefähr 1,5 Jahren, habe ich da alle möglichen Sachen hinter vermutet: Aliens die mit mir Kontakt aufnehmen, eine 2. Seele die in mir wohnt, von einem Geist oder Dämon besessen zu sein usw. und ja, heute muss ich über diese Einfälle auch etwas schmunzeln 😅.

Für mich war das aber okay, weil es einfach normal war – Obwohl, einmal gab es schon eine witzige Situation, als ich mich selbst fragte ob ich wohl verrückt bin, wegen den Stimmen und mir eine Stimme antwortete das ich es nicht bin – Ja was biste jetzt? Wenn dir eine Stimme sagt, das du nicht verrückt bist, weil du Stimmen hörst…🤔🤔

Bis dahin existierte also auch eine Form von Innenkontakt – Wir haben ständig irgendwie miteinander kommuniziert, mir war eben nur nicht so wirklich bewusst was das ist.

Vor ca. 1,5 Jahren las ich dann, durch einen dummen Zufall, ein Buch über eine Frau und deren Geschichte und plötzlich kam mir an ihren Schilderungen so vieles bekannt vor. Ich beschäftigte mich deshalb das erste Mal richtig mit dem Thema Dissoziation und stieß kurz danach plötzlich auf einen alten Klinikbericht (wie ich darauf stieß ist eine längere Geschichte) von mir aus dem Jahre 2015 und las die Diagnose des damals behandelten Arztes…Ich wusste bisher von dieser Diagnose jedoch nichts.

Warum nicht? Weil dieser Klinikbericht bis dahin spurlos verschwunden war. Auch meiner damaligen Psychiaterin gab ich ihn scheinbar nie. Natürlich hatte ich den Bericht früher mal grob gelesen und ich habe auch noch ein paar Szenen, aus der Klinik, im Kopf. Ich weiß z.B noch das der Arzt damals darauf bestand einen Test bzgl. Dissoziationen zu machen, jedoch habe ich mich entlassen bevor ich nochmal mit dem Arzt reden konnte. Ich fragte mich die ganzen Jahre, was bei diesem Test wohl herauskam…Tja… Entweder habe ich das Ergebnis von dort tatsächlich nie gesehen oder direkt wieder dissoziiert.

Gut: Diagnose jedenfalls gesehen (ich kürze die Geschichte mal ab😅), kurz „realisiert“, mit meinem Erleben abgeglichen und erstmal, mehr oder weniger, nach Innen ein freudiges: ,,Hello and Welcome – Zeigt euch ruhig, ich komm absolut damit klar“ gerichtet …

Und es passierte zum Anfang auch viel, bis ca. letzten Sommer – Ich rutschte in immer tiefere Depressionen und die Zweifel wurden immer lauter: ,,Bei dir ist das nicht so. Die anderen nehmen ganz andere Sachen wahr. Die hören richtige Stimmen (mittlerweile habe ich aber von einigen gehört, das sie auch keine direkten auditiven Stimme hören). Die haben viel Schlimmeres erlebt. Du bildest dir hier was ein. Stell dich nicht so an.“ usw.

Nun bin ich mittlerweile seit letztem Jahr April in Therapie und irgendwas veränderte sich plötzlich. Aus, für mich bis dahin eigentlich immer noch aberwitzige Spekulationen, wurde auf einmal ein Stück weit mehr Realität. Ich versuchte die Anteile am Anfang auch ernst zu nehmen und ihnen Raum zu bieten, aber dann gings los….

Beleidigungen, Vorwürfe und verhärtete Fronten

Sobald ich mittlerweile auch nur geringfügig versuche dieses Thema ernst zu nehmen (also das vll ein Anteil da ist, das ein inneres System vorhanden sein könnte –> Jaja, immer schön im Konjunktiv bleiben😑), bricht es in mir drin los: Ich werde überschwemmt mit einem Selbsthass, wie ich ihn noch nie zuvor an mir erlebt habe. Von anfangs noch relativ humanen inneren Sätzen bzgl. des Zweifelns, kommen mittlerweile richtig bösartige und verletzende Beleidigungen.

Das geht tatsächlich soweit das ich, fast wie auf Knopfdruck, sofort schlimme Suizidabsichten bekomme (die komischerweise aber direkt wieder nachlassen, sobald ich dieses Thema abstreite oder aus meinem Kopf verbanne und auch anders sind, als die Suizidgedanken, die durch die Depressionen manchmal aufkommen). Mit Bildern im Kopf überschwemmt werde, von teilweise wirklich gewaltvollen Handlungen gegenüber mir selbst usw. – Und nein, dass ist nicht üblich für mich.

Es fühlt sich fast so ein bisschen an, wie so 2 muskelbepackte Security-Männer, die sich in den Türrahmen stellen und sagen: ,,Nix da, verzieh dich. Hier kommst du nicht rein!“ – Wie ein riesiger Schirm, der sich über alles drüber legt und dann wird auch sofort alles angezweifelt, jemals in irgendeiner Form traumabetroffen gewesen zu sein.

Dann komme ich mir vor wie der letzte Dreck, der sich den aller größten Mist zusammenspinnt und ja, ich habe gehört das dieses Leugnen scheinbar viele betrifft. Irgendwo ist das ja auch logisch – Wer will sich schon eingestehen das man bisher vll in einer völligen Parallelwelt gelebt hat, in der immer alles Heididei ist, während sich in der Realität das genaue Gegenteil abzeichnet.

Das andere auch ihr Trauma oder mögliche (ich sag doch – im Konjunktiv gehts) Anteile leugnen, macht es aber für mich trotzdem nicht besser oder erträglicher oder glaubhafter. Nur weil andere auch zweifeln, ändert das für mich so rein gar nix😅 . Ich denke dann: ,,Klar zweifeln andere, aber die wissen trotzdem das es so ist. Ich bin dagegen ein riesengroßer Lügner!“ und dann denke ich: ,,Dann hör halt endlich mal auf zu lügen“, aber das funktioniert auch nicht, weil ich ja nur erzähle was ich erlebe und würde ich es anders beschreiben, würde ich ja erst recht lügen – Verzwickte Situation, oder?

Also versuche ich überhaupt nicht mehr darüber zu reden. Meiner Therapeutin lasse ich hin und wieder etwas Schriftliches (wie das hier in der Art) zukommen, mehr geht nicht.

Denn solange ich schreibe, bleibe ich auf der kognitiven, analytischen Ebene – Ich kann über mich reden, wie über ein fremdes Studienobjekt (ja so kommts mir manchmal vor😅), wodurch ich weiterhin so tun kann, als wäre alles ganz weit von mir entfernt.

Derzeit bin ich deshalb z.B auch nur noch krampfhaft damit beschäftigt mich in irgendeiner Form abzulenken – Bloß keinen klaren Gedanken mehr fassen können, bloß keine Stimmen hören, bloß nichts wahrnehmen – Auf der einen Seite aus Angst davor was dann wieder passiert bzw. aus Angst vor den Beschimpfungen, vor den Emotionen die dann kommen und den Drang zur Selbstverletzung….

….Keine Ahnung allerdings wie lange das noch so „gut“ gehen wird und wann mir das alles um die Ohren fliegt.

Und auf der anderen Seite?

Kommt die Blockade auch sehr stark von mir…

Ich hab zwar am Anfang große Töne gespuckt das ich für alles offen bin und sich jeder blicken lassen darf, aber jetzt erst wird mir klar, wie krass ich mich da manchmal selbst belügen kann. Ich komme auf das Thema nicht klar, auch wenn sich meine Alltagsmaske ständig etwas anderes vorlügen will.

Wenn mich meine Therapeutin fragt, welcher Anteil da so denkt oder reagiert o.ä: Ich bekomme es nicht gebacken. Ich spüre meine innere Blockade so stark, das ich sie fast anfassen kann.

Irgendwann lernt man ja mal im Leben das man sich nur selbst helfen kann. Das man niemanden dazu braucht und natürlich wünsche ich mir tief im Inneren immer noch jemand der mich beschützt und der hilft, aber ich bin eigentlich sehr stolz darauf so vieles, so alleine hin zu bekommen und ich habe das Gefühl, wenn ich nun Anteilen zugestehe das sie durchaus auch ihre eigene Meinung haben oder das sie vll etwas ganz anders empfinden als ich, dass ich dann auch noch mein letztes bisschen Kontrolle weggebe.

Natürlich spüre ich, dass nicht alles von mir selbst kommt oder wenn jemand anwesend ist. Ich merke doch selbst das ich nicht immer alles zu 100% mitschneide, wie z.B in der Therapie. Ich spüre das ich manchmal nur als Zuschauer neben dem Anteil stehe, der z.B gerade furchtbare Angst bekommt, weil wir draußen Geräusche hören und die Angst da ist, jemand könnte reinkommen.

Natürlich spüre ich das alles, aber ich habe das Gefühl, wenn ich es gedanklich zulasse das da jemand anderes ist, dann habe ich nicht mehr die alleinige Kontrolle über meine Heilung. Dann brauche ich da plötzlich den anderen Anteil dazu, aber ich weiß ja nicht mal wie ich an die richtig herankomme. Daher blocke auch ich momentan jeglichen Kontakt ab. Mir ist das einfach zu viel – Und das ist schwer sich einzugestehen, denn ich will so eine Person nicht sein. Gegenüber (Außen)Menschen würde ich mich schließlich niemals so verhalten…

Stell dir vor, du kommst zu einer Person und willst der was erzählen und die ruft jedes mal, sobald du den Mund aufmachst: ,,Klappe!“ – Wie verletzend und mies, oder? Genauso verhalte ich mich derzeit aber.

Ich versuche meine Beweggründe schon immer mal wieder, wenn ich nicht gerade alles abstreite, nach Innen zu kommunizieren. Ob das nun aber irgendjemand wirklich hilft, weiß ich auch nicht 🤷‍♀️

Destruktive Stimmen mit Sinn?

Durchaus kam bei mir deshalb schon der Gedanke auf, ob diese „destruktiven“ Stimmen deshalb vll mich schützen wollen, indem sie alles abstreiten. Letztendlich bezweifle ich das aber.

Ich denke es geht generell um Systemschutz, zumindest in irgendeiner Form. Vll ist die Zeit noch nicht reif dafür oder vll soll ich mich generell nicht damit beschäftigen. Vll wittern sie auch Gefahr bei mir. Keinen Plan, ganz ehrlich nicht 🤷‍♀️

Ich bin mir auch 100% sicher das sie ihren Zweck haben und alles genau so richtig machen, wie sie es für angebracht halten und ich versuche dafür auch Verständnis aufzubringen, aber irgendwo bin ich es auch langsam Leid ständig zu versuchen für alles und jeden Verständnis zu haben, obwohl man mir nicht mal sagt Warum Was Wie ist. Es ist ja nicht so das ein Suizid z.B irgendjemand von uns etwas bringen würde, eher im Gegenteil 😒

Naja, mal gucken wie sich das weiter entwickelt, derzeit sehe ich uns da jedenfalls in einer ganz schönen Pattsituation. Ist ja schließlich nicht so das ich aufgeschlossener werde, wenn man mich ständig beleidigt (und ich weiß das sind nicht viele, die sich so benehmen – 2 nehme ich da momentan wahr – trotzdem überschatten die gefühlt alles) oder so als hätte im Innen irgendjemand groß Lust auf ein harmonisches Schwätzchen, wenn er ständig den Mund verboten bekommt.

Schauen wir einfach mal, wann das wieder entspannter wird 😅