#2 Manipulation durch: Die Autoritätsfalle, Selektive Information und Killerphrasen

Heute gibts Teil 2 zu den verschiedenen Manipulationstechniken (Teil 1 findet ihr Hier).

Vergesst bitte nicht, dass wir Menschen so etwas ständig in irgendeiner Form anwenden. Das ist per se auch nichts Schlimmes. Also nicht jeder, bei dem ihr so etwas wahrnehmt, möchte euch gleich etwas Böses. Sprecht es normal an, was ihr wahrnehmt und das ihr das Gefühl habt, dass ihr gerade zu etwas überredet werden sollt, was ihr gar nicht wollt. In den meisten Fällen ist derjenige dann selbst überrascht und das Thema lässt sich leicht aus der Welt schaffen. Sollte eine Klärung nicht möglich sein, zieht euch, wenn möglich, aus der Situation zurück.

Lasst euch bitte kein schlechtes Gewissen machen, weil ihr eine eigene Meinung habt und nicht alles machen wollt oder teilt, was ein anderer denkt oder von euch möchte.

Die Autoritätsfalle

Wir haben früh gelernt, dass wir auf Erwachsene hören müssen. Diese sind schon groß, sie haben viel mehr Erfahrung und wissen deshalb auch besser Bescheid, als wir.

Dieses Muster zieht sich so durch unser Leben. Da gibt es den Chef, den Mediziner, den Politiker usw. Und das ist per se nicht falsch, das ist mir ganz wichtig zu erwähnen.

Nehmen wir bspw. den Mediziner: Er hat es gelernt. Er arbeitet jeden Tag in diesem Beruf. Natürlich weiß der besser Bescheid, was in meinem Körper los ist, als ich, der vllt. Bürokaufmann o.Ä. gelernt hat. Genauso wie die Eltern manchmal eben wirklich Dinge besser wissen, als das Kind. Und diese Autorität erkennen wir an. Das ist sogar gut so.

Dadurch das wir aber gepolt darauf sind, dass wir Autoritätspersonen achten müssen und diese es stets besser wissen müssten als wir, sind wir leider auch leichter manipulierbar.

Ein Experiment von Stanley Milgram zeigt sehr deutlich, welch schlimmes Ausmaß dies annehmen kann:

Probanden wurden vom Studienleiter (der Autoritätsperson) angewiesen, anderen (vermeintlichen) Versuchsteilnehmern Elektroschocks zu verpassen, sobald diese eine Aufgabe falsch lösten. Bei jeder falschen Aufgabe, sollte die Stromstärke erhöht werden. Diese Teilnehmer waren Schauspieler, was die Probanden aber nicht wussten. Sie stöhnten sichtbar laut auf und schrien vor Schmerzen nach jedem „Stromschlag“. Den Probanden wurde gesagt, sie könnten sich jederzeit weigern die Stromschläge auszuführen, ohne das ihnen eine Strafe drohe o.Ä. Dennoch ☝ gingen 60% so weit, Stromschläge zu verteilen, die (wie ihnen auch gesagt wurde) hätten tödlich enden können (wären sie echt gewesen).

60% hätten jemand anderes getötet, nur weil dies eine vermeintliche Autoritätsperson gesagt hat! 60%, das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen (soviel auch dazu, warum so viele Leute Hitler folgten).

Prüft genau

Und nun übertragen wir das einmal auf unser aktuelles Leben. Überall, egal zu welchem Thema diskutiert wird, sitzen mittlerweile sogenannte ,,Experten“ . Man kann im besten Falle nachvollziehen, wo diese einmal studiert haben und wo sie vllt. angestellt sind, aber richtig ist dieser Expertenstatus oft nicht nachvollziehbar. Wenn man im Studium gut auswendig lernen konnte und danach eine Arbeitsstelle findet (und sich aus Rücksichtslosigkeit vllt durchsetzen/hocharbeiten konnte), ist dies noch kein Zeichen echten Wissens. Intelligenz kennzeichnet sich durch kreative und hollistische Denkvorgänge aus, nicht durch Auswendiglernen.

Weiter geht´s dann mit Coaches/Beratern, allmöglicher Lebensbereiche. Berater ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Im Prinzip kann sich also jeder, auch ohne Ausbildung, so nennen und mit irgendeinem Titel hört es sich eben besser an. Spätestens, wenn dann selbsternannte Männercoches vom Alpha-Mann sprechen, der seine Gefühle unterdrücken soll und über der Frau stünde, wird es langsam kritisch.

[ Es gibt jedoch viele wirklich fähige Berater, Coaches, Experten usw. – Aber achtet bitte auf eine gute Ausbildung und Lebenserfahrung + Selbstreflexion ]

Wichtig ist, dass euch nicht verwehrt wird, weitere Informationen zu suchen und überprüfen. Wenn jemand daher kommt und sagt: ,,Hey, ich bin Professor Doktor Doktor XY und was ich sage stimmt. Du brauchst das nicht überprüfen, eine 2. Meinung einholen oder dir gar selbst eine eigene/andere Meinung darüber bilden. ICH bin schließlich der Experte.“ , dann stimmt da definitiv etwas nicht.

Höchstwahrscheinlich will derjenige, mittels seiner Titel und seines Status‘ , seine eigene Meinung durchdrücken. Vorsicht ist da dann angesagt!

Nur weil jemand einen Titel besitzt, heißt das nicht auch gleich, dass er wirklich Ahnung von dem hat, worüber er spricht.

Selektive Information

Diese Manipulationstechnik schließt im Prinzip direkt an die vorhergehende an, denn beide werden gerne in Kombination genutzt.

Das man unrelevante Informationen (z.B wie jedermanns persönlicher Stuhlgang war) weglässt, ist vollkommen okay. Hier werden jedoch gezielt Informationen weggelassen, die anders (wären sie bekannt) vllt. zu einer gegenteiligen Meinung führen könnten (was aber nicht erwünscht ist).

Freigegebene Informationen werden also danach ausgewählt, welchen Nutzen sie der gewünschten Sache bringen. Manche Informationen werden dann vllt. auch besonders herausgestellt, mit Emotionen untermalt etc.

Man kennt das schlicht aus dem Bereich der Propaganda.

Wo also immer nur eine Meinung dargestellt und diskutiert wird, sollte man hellhörig werden.

(darunter fällt auch, wo eine Meinung/Sichtweise dämonisiert wird)

Killerphrasen

  • ,,Da kannst du nicht mitreden“
  • Das weiß doch jeder
  • Ach, und davon willst du nun Ahnung haben?“
  • Typisch Frau/Mann/…
  • ,,Das haben wir schon immer so gemacht“ oder ,,Das ist nun mal so“
  • ,,An deiner Stelle würde ich das auch behaupten“
  • ,,Das ist dumm/verrückt/idiotisch/interessiert keinen …. „
  • ,,Du nimmst immer alles persönlich“
  • ,,Dafür gibt´s Experten“
  • ,,Du bist ein Spinner/Verschwörungstheoretiker/Nazi/Schlafschaf … „
  • usw.

Killerphrasen sind DAS Totschlagargument. Wenn sie kommen, weiß man fast nichts mehr darauf zu antworten und das Gespräch ist vorbei.

Traurig ist dabei, dass kein normaler Austausch mehr stattfinden kann. Normalerweise (so sollte es zumindest sein) teilt jeder seine Ansichten und dann schaut man, ob man gemeinsam auf einen Nenner kommt oder eben nicht. Ich glaube, Menschen verwechseln heutzutage leicht, was eine gute Diskussion eigentlich ausmacht: Diese soll nicht von einer Sichtweise überzeugen, sondern neue Sichtweisen eröffnen.

Indem solche Phrasen allerdings benutzt werden, wird der andere mundtot gemacht. Egal was er dann weiterhin erzählt oder erzählen möchte, es ist nicht mehr möglich. Solche Sätze sind wie eine Dampfwalze, die man über andere hinwegrollen lässt.

Warum werden sie angewandt?

Natürlich zum einen, weil dadurch keine andere Meinung mehr zugelassen wird, aber auch, weil der andere vllt. selbst einfach keine Argumente mehr hat und auf so etwas ausweichen muss.

Meine ganz persönliche Meinung

Dies betrifft ganz aktuell unsere heutige Gesellschaft, die dermaßen gespalten ist, dass man sich kaum mehr traut zu sagen, man finde bspw., dass ein Politiker etwas gut macht oder eben nicht gut macht. Und das betrifft mittlerweile immer mehr Bereiche.

Es ist sehr schwierig geworden frei zu sprechen, ohne dafür verurteilt und angegriffen zu werden und Diffamation befürchten zu müssen. Entweder wird man als dumm, als Nazi (was mittlerweile dermaßen inflationär verwendet wird, dass völlig verloren geht, was ECHTE Nazis angerichtet haben und anrichten) oder als Schlafschaf/Regierungsidiot usw. betitelt.

Das ist nicht in Ordnung und macht einen normalen Diskurs, der uns weiter bringen könnte, gar nicht mehr möglich.

Mir persönlich macht es kaum mehr Spaß, mich mit anderen auszutauschen. Immer mehr Menschen glauben bereits die ultimative Wahrheit zu kennen und werden schnell polemisch und herablassend und/oder versteifen sich auf ihre bereits eingenomme Meinung nur noch fester, sobald man neue/andere Gedanken, als die eh schon zig Mal durchgekauten, einbringt.

Ich glaube, wir müssen dringlichst aus diesem ,Entweder – Oder‚ heraus und anfangen uns gegenseitig wieder zuzuhören, auch wenn wir manchmal vllt. ganz anderer Meinung sind und den Gegenüber anfangs überhaupt nicht verstehen können. Zuhören und nicht auf andere herabschauen.

Wenn man sich richtig austauscht (Austausch bedarf aber der Reaktion und dem Respekt beider Gesprächspartner), kommt man oft darauf, dass man gar nicht so unterschiedlich denkt, wie man Anfangs glaubte. Oder man kann zumindest schauen, wo liegen die Gemeinsamkeiten, statt sich nur auf die Unterschiede zu konzentrieren. Nur so kommen wir als Menschen und als Gesellschaft weiter. Nicht Gegeneinander!

Nicht immer nur die eine Meinung, die ich oder andere teilen, bringt uns weiter, sondern vor allem die gegenteiligen Meinungen und das uns noch Unbekannte. Wann ist uns dieses Wissen denn verloren gegangen?

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