Vegetarische Lebensweise

Seit Anfang 2018, also seit jetzt nunmehr 3 Jahren lebe ich überwiegend vegetarisch. Warum, wie und welchen Schwierigkeiten man da über den Weg läuft, möchte ich euch heute einmal näher bringen.

Vegetarisch, Vegan und viele Untergruppen

Vegetarisch bedeutet generell auf Fleisch zu verzichten, während Veganer auf jegliche tierisch erzeugte Lebensmittel verzichten. Also d.h zum Fleischverzicht kommt zusätzlich ein Verzicht von Eiern, Milchprodukten (wie Butter, Milch, Joghurt, Schmand, etc.), Honig, usw. hinzu.

Vom Fleischlosen Essen gibt es dann aber noch mehrere verschiedene Unterkategorien:

  • Frutarier: Welche alles essen, was eine Frucht ist. Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Getreide fallen darunter. Der Sinn dahinter ist, von der Natur nur das zu nehmen, was diese abgibt, ohne das die Pflanze dafür sterben muss. Sachen wie Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl oder Möhren fallen da also raus, da dort die ganze Pflanze geerntet werden muss.
  • Lacto-Vegetarier: Sie essen pflanzliche Produkte, vermeiden aber Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und auch Eier. Milch, Käse und Honig wiederum können durchaus auf dem Speiseplan stehen, da dadurch der Nährstoffhaushalt ausgeglichen werden soll.
  • Ovo-Vegetarier: Verzichten zusätzlich zum Fleisch, Fisch und den Meeresfrüchten auch auf Milch, essen dafür aber Eier.
  • Pescetarier: Essen kein Fleisch von gleichwarmen Tieren, wie Rind, Kuh, Huhn usw. Dafür aber Fisch und andere Meeresfrüchte. Hier stehen vorrangig gesundheitliche Gründe, als ethische im Vordergrund (diese jeweiligen Gründe gelten generell natürlich nicht für alle!).
  • Flexitarier: Leben überwiegend vegetarisch oder sogar vegan, essen hin und wieder aber Fleisch und Fisch, auch wenn sie es größtenteils versuchen zu vermeiden.

Ja, viele Kategorien und manchen hilft es, für sich und die eigene Lebensweise, Einstellung etc. einen Begriff zu finden. Ich glaube jedoch, dass man sich nicht immer stur in eine Gruppe einordnen muss, sondern nach dem Leben sollte, was sich im Moment für einen richtig anfühlt.

Wie lebe ich und warum?

Ich lebe hauptsächlich vegetarisch, d.h ich ernähre mich größtenteils nur von Gemüse, Getreide, Kartoffeln usw., esse aber auch noch Käse (den ich leider abgrundtief liebe, warum das leider erzähle ich gleich), Eier und auch Honig. In den letzten 3 Jahren habe ich allerdings auch schon einmal wieder Fleisch und Fisch gegessen.

Meine Beweggründe spalten sich bzgl. Fleischverzicht auf in ethische, ökologische und gesundheitliche.

Ethische Gründe

Ich persönlich finde es gar nicht so schlimm zu töten, um zu essen bzw. überleben. Einen Menschen, der sich ein Reh im Wald schießt und dann mit seiner Familie 1 Monat davon lebt, würde ich im Leben nicht verurteilen. Warum auch? Das Tier hatte ein freies Leben und wenn es demjenigen dann vor die Flinte läuft, so gemein sich das auch anhören mag, hatte eben Pech. Ob es vom Wolf oder Mensch gegessen wird, da sehe ich pauschal keinen Unterschied 🤷‍♀️. Ähnlich sehe ich es bei einem Raubtier (da viele diese Tiere manchmal schlimm/bösartig finden, da sie töten). Wenn es nicht jagt und tötet, stirbt es. Entweder stirbt das gejagte oder das Raubtier. Das eine hat nicht mehr Recht, als das andere. Was die reine Natur angeht, darüber sollten wir nicht urteilen, finde ich.

Mein Problem liegt, bei uns, in der unmenschlichen Massentierhaltung. Ich weiß nicht, was wir Menschen uns einbilden, zu meinen, wir dürften andere Lebewesen einfach einsperren, quälen und schlachten, wie es uns beliebt, nur weil wir das Bedürfnis dazu haben. Ja, für den Konsumenten ist es einfach. Er kauft das Fleisch in der Kaufhalle und kann sich seines Gewissens frei sprechen. Er tut ja nix schlimmes, foltert und tötet ja nicht. Eben dieses überlässt er allerdings anderen, während er behauptet Tierlieb zu sein und niemals töten zu können. Man könnte das auch feige nennen, wäre man fies 😉. Wir beschweren uns über Gewalt, Folter usw. Der Holocaust ist uns allen ins Gehirn gebrannt, sowas wie rituelle Gewalt wollen viele gar nicht glauben, weil diese Dimension der Perversität, gar nicht in ihre Köpfe geht.

Aber wir tun doch genau das gleiche mit den Tieren, tagtäglich!

,,Wie im Kleinen, so im Großen.“ – Eins der hermetischen Grundgesetze. Wir halten uns für etwas besseres. Denken, die Tiere hätten keine Emotionen. Wir brauchen das, was sie uns geben (Fleischhaltung, Tierversuche, Zoos, usw.), also ist unser Handeln dadurch gerechtfertigt. Ja aber genauso dachten auch die Nazis, denken Diktatoren, denken die Mitglieder gewalttätiger, perverser Kulte. Genauso denken die Täter.

Dimensionen

Über 2 Millionen Tiere schlachten wir TÄGLICH allein in Deutschland! 2 Millionen! Jährlich schmeißen allein die Haushalte (die Supermärkte kommen extra dazu, deren Container voll sind) 570.000 Tonnen Frischfleisch weg, wobei fast die Hälfte davon noch essbar wäre. Das wären ungefähr 100.000 Kühe, 1,5 Millionen Schweine und 50 Millionen Hühnern, welche umsonst starben! Fisch, etc. davon noch ausgenommen. Weltweit werden ca. 12 Millionen Tiere weggeworfen! Hinzukommen „Notschlachtungen“ wegen Seuchen (stellt euch mal Massentötungen, wegen z.B Corona, bei Menschen vor!). Sie starben umsonst, sie erlitten all die Qualen umsonst. Nicht einmal den Respekt, sie zu essen, haben wir mehr. Wenn ein Kind entführt und getötet wird, fragen wir uns nach dem Sinn. Wir wollen einen Grund. Ein Mörder, der einfach nur so tötet, geht uns nicht in den Kopf. Er ist ein Psychopath. Ein Kranker. Bücher werden über ihn geschrieben und Filme gedreht. Wir Menschen schütteln über ihn (sie) den Kopf.

Aber genau das passiert täglich mit den Tieren! Welches Recht nehmen wir uns heraus, sie unter uns zu stellen? Zu behaupten, sie hätten keine Gefühle (das beruhigt am Ende doch nur unser Gewissen)?

Ähnlich der Massentierhaltung betrifft es die Jäger. Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass nur ab und an ein Reh oder ein Hase geschossen wird. Es gibt Quoten zu erfüllen. Solch hohe Quoten, sodass sogar die Jäger schon auf die Barrikaden gehen und sagen, dass es so viele Tiere gar nicht mehr gibt, wie sie schießen sollen. Nächste Frage: Welches Recht haben wir (und wer glauben wir, hat es uns gegeben?) zu bestimmen, wie viele Tiere einer Art im Wald leben darf? Stellt euch mal vor, so eine Quote würde es für Menschen geben. Das in China jahrelang Mädchen, nach der Geburt, getötet wurden (weil es angeblich zu viele gab), finden wir unmenschlich. Aber was ist das dann?

Wir schießen die Wälder leer, wundern uns dann, dass der Wolf die Schafe reißt und nutzen das wiederum als Begründung, auch diesen zu schießen. In meinen Augen sind wir Menschen Scheusale. Ich nehme mich da nicht großkotzig raus, keine Sorge. Solange wir aber ignorant dem Gegenüberstehen, was wir nicht-menschlichen Lebewesen antun, brauchen wir uns, meiner Meinung nach, nicht wundern, dass wir uns auch gegenseitig so furchtbare Dinge antun. Das Gefühl besser als andere, ihnen überlegen zu sein und uns nehmen zu können, was wir wollen, dass treibt uns an und das wird auch letztendlich verantwortlich für unsere eigene Zerstörung sein. Wir handeln nicht mit der Natur im Einklang, sondern destruktiv gegen sie. Destruktiv gegen unsere Heimat. Und auf Zerstörung folgt Zerstörung, auch wenn manche Kreise das anders sehen wollen. Aber das ist nur meine Meinung.

Ökologische Gründe

Weltweit leiden 690 Millionen Menschen an Hunger, während gleichzeitig 33% der weltweiten Anbauflächen, für die tierische Nahrung verwendet werden. Europaweit sind das sogar 60% des erwirtschaften Getreides, welches in den Tiertrögen landet. Nun stell dir doch mal vor, wie viele Menschen wir, nur mit einen Viertel weniger Anbaufläche für die Tierhaltung, ernähren könnten. Eine Corona-Impfung können wir fast wie aus dem Hut zaubern (sind ja auch die reichen Länder betroffen). Wir reden davon Impfungen nach Afrika und Indien usw. zu schicken, während die Menschen dort verhungern (während wir hier die Lebensmittel per Gesetz wegschmeißen, siehe Supermärkte), verdursten oder an Krankheiten wie Aids, Malaria usw. dahinsiechen. In meinen Augen ist das blanker Hohn.

Der nächste Punkt, den ich stark kritisch sehe ist, dieses ganze Globalisierungsding. Das die Staaten zusammenarbeiten, finde ich super und vom Grundgedanken her, sollte es auch so sein. Die Realität sieht leider meist ganz anders aus. Darauf gehe ich aber vll mal separat ein. Wo es mir bei diesem Thema geht ist, dass ich nicht nachvollziehen kann, warum Tiere hier geschlachtet, dann nach China verschifft, dort ausgenommen und der Rest wieder hier her zurück verschifft wird. Ähnliches z.B mit Garnelen, etc. Wir reden von einer Klimakrise. Diesel darf nicht mehr gefahren werden, Co2-Steuer, überall Verbote. Aber Frachtschiffe, welche nachweislich die meisten Emissionen ausstoßen, werden sogar subventioniert. Nein, ernst kann ich all das nicht mehr nehmen.

Gesundheitliche Gründe

Fleisch ist ein Grundnahrungsmittel, schon seit der Urzeit, so heißt es oft. Ist das wirklich so?

Ich glaube, Fleisch per se ist nicht wirklich dramatisch. Dramatisch sehe ich hauptsächlich all die Antibiotika, Schmerzmittel, usw., welche die Tiere bekommen. Ohne geht es kaum noch, da die Tiere so viel Stress erleiden und auf so engen Raum zusammenleben müssen, dass sie krank werden. Schweine z.B sind, entgegen der landläufigen Meinung, extrem reinliche und soziale Tiere und nun schaue man sich doch mal an, wie man sie hält…

Zudem kommt hinzu, dass man größtenteils nur noch auf Effizienz und Quantität schaut. Die Tiere essen überwiegend Abfälle und chemisch, ungesunde Pampe (billig herzustellen). Aber das bleibt doch nicht dort und verpufft dann in der Luft! Wir nehmen all diese Medikamente (weshalb ja hauptsächlich erst Sachen wie Multiresistente Keime entstanden) und genmanipulierte Sojanahrung, Fischabfälle, Zuckerpampe usw. auch in uns auf! Aus Studien über Organtransplantation wurde zudem die Erkenntnis gewonnen, dass Gewebe Emotionen speichert. Sogar Erinnerungen und bestimmte Stimmungen vom Spender, erlebten Organempfänger.

Nun stellt euch mal vor, wir würden tatsächlich all die Emotionen der gequälten Tiere, beim Essen ihres Fleisches, in uns aufnehmen. Würde bei dieser Überlegung noch jemand, all die wachsende Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung, verwundern?

Fleisch in der Verdauung

Fleisch gehört tatsächlich zu den Lebensmitteln, welche die längste Zeit zur Verdauung benötigen. Man geht von 24 bis sogar 72h aus. Je nach Stoffwechsel und Körperbau eben. Wenn ich nun davon ausgehe, dass uns die Natur ja nicht mit Feuer- und Handwerkskenntnissen erschaffen hat (sondern sich das erst entwickelte), dann liegt für mich die These recht nahe, dass wir uns ursprünglich von Pflanzen und Kleingetier, wie Maden, Würmern, Käfern etc. ernährt und nur (später) im Notfall auf Fleisch zurückgegriffen haben. In der Natur und aus früherer Sicht, gab es nicht jeden Tag essen und eine Nahrung, die solange verdaut, war daher, in Hungerperioden, sogar sinnvoll.

Auch unser restlicher Körperbau legt dies Nahe, da unsere Verdauung mehr auf pflanzliche Nahrung, als auf fleischliche, ausgelegt ist. Da Fleisch schnell zu Fäulnis neigt, ist der Darm von Fleischfressern nur 3x so lang wie ihr Körper, unserer dagegen 12x so lang. Dauerhaftes Fleischessen (wobei jedes Stück für sich, eben lange im Körper verweilt), führt daher nicht selten zu Fäulnisgiften im Körper. Auch unser Speichel ist, im Gegensatz zu reinen Fleischfressern, nicht säurehaltig genug, um das tierische Eiweiß aufzuspalten. Im Gegensatz zu reinen Fleischfressern sind wir z.B auch nicht in der Lage, Vitamin C von selbst zu bilden, sondern benötigen dies über die Ernährung. Und so weiter und so fort. Das wir Fleisch unbedingt benötigen würden, halte ich also für ein Gerücht 😉.

Letztendlich lassen sich für mich viele, durch Fleisch entstandene Zivilisationskrankheiten (darunter auch chronische Übersäuerung, Herzkrankheiten, usw.), also auf die Haltungs- und Ernährungsweise der Tiere, sowie unseren permanenten Fleischkonsum zurückführen. Am Ende kommt eben alles auf einen zurück, wenn oftmals auch nicht direkt so offensichtlich.

Was ich gut fände

Wie gesagt, verteufle ich das Fleischessen nicht per se. Ich verstehe nur nicht, warum es uns nur noch um Masse und demnach Geld geht 🤷‍♀️. Warum gehen wir nicht mehr in den Wald und schießen uns ein Tier? Warum gibt es nicht mehr den einen Fleischer (oder je nach Dorfgröße 2 oder 3) pro Ortschaft, wo nur 1x wöchentlich geschlachtet wird und trotzdem alle satt werden? Und wenn keine Lende mehr da ist, ist sie eben nicht mehr da. Warum müssen wir alles en masse auf Vorrat haben, wenn wir es am Ende eh nur wegwerfen und keinen Respekt mehr davor haben?

So billig wie möglich muss alles sein. Ein ganzes Hühnchen wird manchmal für 1€ verkauft. 1€! Ein ganzes Leben! Stell dir vor, du oder dein Kind würde getötet und für 1€ verkauft! Wie würden wir aus dieser Perspektive heraus, darüber denken? Die Bauern werden dadurch zudem arm. Dem Lebewesen wird keinerlei Respekt mehr entgegengebracht und wir werden nur kränker. Warum leben wir also so und halten es noch für normal?

Warum leben manche auch ohne Milch, Eier, Honig, usw.?

Weil es in dieser Industrie nicht besser aussieht. Die Milchindustrie ist keinen Deut besser, als die Fleischindustrie. Den Hühnern in der Eierindustrie geht es furchtbar. Kükenschreddern wird abgeschafft? Toll! Endlich! Aber tot durch Elektrobad oder Gas ist besser? Ich erinnere wieder an den Holocaust 😉. Oder schon mal gesehen wie der Honig beschafft wird? Was die Bienen dafür bekommen, wie er gemischt wird (von wegen gesund), usw.? Wie die Fische gefangen oder in Aquakulturen gehalten werden (ebenfalls Massentierhaltung)? All das, ja, all das, ist keinen Deut besser.

Vegetarier, Veganer und Co. sind also größtenteils keine ,,in diesem Jahr ist Cord Mode, ich mach mal mit“ Leute, sondern meist Menschen, die dieses Leid nicht mehr ignorieren können.

Radikale Vegetarier/Veganer

Wie überall gibt es aber auch hier wieder Menschen, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, ihre Einstellung zur Ideologie zu machen und andere mit Androhung von Kontaktabbruch, Bestrafung durch Ignorieren, Beleidigen, Verschmähen, Auslachen usw. von ihrer Einstellung zu überzeugen.

Ich halte das für falsch! Wenn ich eine Meinung habe, die aus dem tiefsten Inneren kommt, dann halte ich die natürlich für richtig. Und das darf und sollte ich auch! Eine Meinung soll ja aus einer tiefen Überzeugung kommen und nicht nur nachgequatscht werden. Ich darf diese Meinung deshalb aber nicht gleich jeden anderen überstülpen! Wir tun manchmal so, als wären wir selbst perfekt und müssten die anderen missionieren.

Umgedreht erlebe ich aber auch immer wieder Anfeindungen von Fleischessern, da sie sofort das Gefühl bekommen, man wollte sie zu irgendwas überreden oder man würde zutiefst ungesund leben. Wenn man mich fragt, erzähle ich natürlich meine Beweggründe. Auf der anderen Seite würde ich deshalb niemals meinem Kind, Freunden etc. das Fleisch essen verbieten oder sie deshalb abschätzig behandeln. Allerdings kommen die auch damit klar. Mit meinen Beweggründen, verstehen diese und fühlen sich deshalb trotzdem nicht angegriffen.

Ich glaube, wer sich derart stark angegriffen fühlt (ohne das man natürlich versucht ihn zu überreden oder ihn verurteilt), der merkt nur sein eigenes, unterdrücktes Gewissen und projiziert das auf denjenigen, der ihn dahingehend triggert. Ebenso nervt es, wie ein Alien wegen der Ernährung behandelt zu werden. Durchaus gestehe ich einem anderen Menschen soviel Eigenverantwortung zu, dass er sich selbst um seine Gesundheit kümmern kann, sich darüber informiert und danach entscheidet. Gleiches erwarte ich von meinem Gegenüber. Das er mir dies zugesteht und mich nicht bei jeder Gelegenheit belehren oder überreden möchte wieder Fleisch zu essen (das gilt ebenso für Vegetarier/Veganer gegenüber Fleischessern!).

Schwierigkeiten dieser Lebensweise/Entscheidung

Ich finde Fleisch total lecker und ich liebe Käse, Butter, Eier usw. Irgendwie musste ich also schauen, meine Überzeugungen und meine Lebensweise aneinander anzupassen. Aber ich bin definitiv die letzte, die perfekt ist und den Finger über andere erheben kann!

Eier esse ich weiterhin, wenn auch wenig. Wenig deshalb, weil ich sie nicht mehr aus dem Supermarkt hole, sondern schaue, dass ich sie von Privat bekomme. D.h von dort, wo ich sehen kann, dass es den Tieren gut geht. Derzeit beziehe ich sie von einer Freundin. Honig beziehe ich ebenfalls von einen kleine, regionalen Bauern, vor Ort. Auf Milch verzichte ich, diese habe ich durch Hafermilch ersetzt. Dennoch nutze ich weiterhin Butter, Käse, Sahne und Schmand. Die Alternativen wie Margarine, Soja-Sahne usw. sagen mir aus gesundheitlichen Gründen (industriell stark aufbereitet) nicht zu. Zudem fällt es mir sehr schwer ohne zu kochen, trotz das ich weiß, dass die Tiere dafür leiden müssen. Fleisch und Fisch esse ich an sich nicht mehr, trotz alledem packte mich in den letzten Jahren auch der Appetit und ich holte mir eine handvollmal eine Makrele, Lachs oder Hackfleisch.

Warum tat/tue ich das?

Dafür kann man viele Ausflüchte und Ausreden finden, letzten Endes aber weil ich dem Genussdrang nachgab/-gebe. Meiner Meinung nach nützt es nicht viel, sich zu etwas zu zwingen, sondern eine Entscheidung sollte aus tiefsten Herzen kommen. Ich kann mich noch so oft zwingen, einem Sucht-/Genussstoff nicht mehr nachzugeben, aber wenn ich der Ursache nicht auf dem Grund gehe, wenn ich es nicht wirklich will, dann bleibe ich nicht lange abstinent.

Ich habe festgestellt, umso mehr ich mich dazu zwingen will etwas nicht zu tun, umso stärker bricht es am Ende durch. Manchmal überkommt mich demnach also auch der Heißhunger auf Fleisch

Was tue ich bei Heißhunger?

  • Ich frage mich, ob es gerade wirklich ums Fleisch geht oder ob ich generell einfach nur Hunger/Appetit habe und dieser auch durch etwas anderes gestillt werden kann (meistens ist es auch einfach nur Hunger)
  • Ich kaufe nicht sofort Fleisch/Fisch, wenn der Appetit kommt, sondern lasse es mir lange durch den Kopf gehen und wenn, nehme ich mir vor, mache ich es bewusst und einige Tage später (selten kommt es dann nämlich wirklich dazu) und dann nur soviel, dass es für einmal essen reicht (nichts auf Vorrat)
  • Wenn mich der Gedanke über Tage/Wochen begleitet, hole ich mir etwas (in meinen Fall Hackfleisch, was ich roh esse) vom Fleischer oder Fisch (nicht aus der Aquakulter) – dabei rede ich mir aber nichts schön, von wegen ,,Ach das Tier lebte bestimmt gut“ oder ,,Na, das eine Stück macht auch nix“ (auch für ein Stück stirbt das Tier)

Genauso gehe ich bei den Milchprodukten vor. Ich versuche nur soviel zu kaufen, wie ich auch wirklich für bestimmte Gerichte brauche und diese koche ich so selten, wie es (in dieser Zeit) geht. Also d.h es gibt nur Käse zum Überbacken ab und an, aber keine Käseplatten, Käsebrötchen (außer manchmal auf Reisen) oder so. Ich versuche mir also in den Kopf zu holen, ob das gerade wirklich notwendig ist oder ob ich den Appetit/Hunger auch anderweitig stillen kann.

Wichtig für mich: Keine Ignoranz

Ich würde also niemals jemand verurteilen, weil er weiterhin Fleisch isst oder sagt, er kann nicht ohne. Das habe ich selbst jahrelang so gedacht und gemacht. Und mit Milchprodukten geht es mir noch immer so. Warum sollte ich mich plötzlich als etwas besseres fühlen oder jemand anderes krampfhaft überzeugen wollen? Ich sehe gesundheitlich viel bedenkliches im Fleisch essen und mein Blutbild ist weiterhin gut, trotz (fast) nur pflanzlicher Ernährung (die 3x Hackfleisch in 3 Jahren, haben es jedenfalls nicht rausgeholt). Trotzdem glaube ich, sollte das jeder für sich entscheiden. Jeder Körper ist anders und mancher reagiert vll tatsächlich auf eine fleischlose Ernährung nicht so gut. Wer bin ich das zu be- oder verurteilen? Und selbst wenn derjenige es nur von der Willenskraft her nicht schafft: Wer weiß in welchen Bereichen er dafür ein viel besserer Mensch ist, als ich? 🤷‍♀️

Ich finde es nur wichtig all dem bewusst und nicht mit Ignoranz zu begegnen. Wenn ich mir meine Ernährung schön rede, das Leid der Tiere und der Umwelt versuche absichtlich auszublenden (um mein Gewissen nicht zu belasten), dann handle ich ignorant. Iss Fleisch, Milch, usw. aber bewusst! Hab Respekt vor dem Leben, das gelassen wurde und nehme es nicht als selbstverständlich hin!

Und dann kann man, wenn man will, auch beginnen den Fleischkonsum von 3x täglich (Fleisch, Wurst, Aufstrich, usw.) auf 3x wöchentlich zu beschränken. Der Braten am Sonntag schmeckt meist sogar viel besser, wenn er etwas Besonderes ist, als wie sonst, Alltäglichkeit. Was glaubt ihr, was allein so ein Minimieren des Fleischkonsums für positive Folgen hätte, im Gegensatz zu unserer derzeitigen Lebensweise?!

Kauft das Fleisch vom Fleischer, statt in der Kaufhalle. Damit unterstützt ihr die regionalen Bauern und in vielen Fällen hatten die Tiere zumindest ein annähernd besseres Leben (auch wenn auch sie am Ende trotzdem alle in die Schlachthöfe verfrachtet werden 😒), als bei dem Fleisch, welches ihr in der Kaufhalle, abgepackt, bekommt. Man kann vieles tun, und manchmal reichen viele kleine Schritte, für eine große Veränderung aus!

Esst also ruhig Tierprodukte, aber bitte macht es bewusst!

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