Update: Was ist gerade los?

Ich versuche das jetzt irgendwie einmal relativ strukturiert aufzuschreiben.

Zur Zeit geht’s mir extrem schlecht. Seit ca, ich weiß nicht genau, 3 Wochen ungefähr, hab ich das Gefühl ich finde überhaupt keinen Boden mehr unter den Füßen.

Ich stolpere derzeit von einem emotionalen Flashback in den nächsten und momentan empfinde ich sie richtig schlimm, weil kaum eine Erholung mehr dazwischen kommt. Die Gedanken dabei werden extrem mies und destruktiv. Ich fühle mich wie ein Pingpongball, der die ganze Zeit hin und her geschleudert wird und überhaupt keine Kontrolle mehr hat und bekommt.

Ich ertrage es nicht, wenn sich mein Kind oberkörperfrei in meiner Nähe aufhält. Geht nicht. Ich raste aus wenn er mir ohne T-Shirt zu nahe kommt. Da steigt so eine extreme Panik in mir auf. Kuscheln geht kaum. Keine Nähe. Bloß nicht zu Nahe kommen. Ich versuche das zu deckeln, sodass er das nicht so mitbekommt. Ich rede davon, dass ich einfach etwas Platz brauche. Das es so heiß ist und viel zu warm zum kuscheln. Ich sage, dass ich Kopfschmerzen habe und mich mal eben etwas hinlegen muss oder das ich eben duschen oder ins Nebenzimmer gehe, nur um dort dann so leise wie möglich zu weinen. Ich will ständig nur noch weinen.

Aber was willst du dem Kind denn erzählen? Deine Mutter rastet völlig irrational aus, keine Ahnung warum, sorry, aber komm mal damit klar?!

Nähe. Nähe ist zur Zeit sowieso ganz schlimm. Ich ertrag sie nicht.

Und ich bekomme meine Gedanken kaum noch geordnet.

So geht das die ganze Zeit und ich bekomm das nicht mehr in den Griff. Ich versuche mir immer wieder zu sagen, dass das nur meine Gedanken sind. Dass das nicht die Realität ist. Nur meine Gedanken. Aber es funktioniert nicht. ,,Die Welt hasst dich. Jeder hasst dich. Du bist Abschaum. Niemand braucht dich. Niemand will dich. “ – Ich denke das momentan nicht nur. Ich WEIß es. Ich bin in meiner tiefsten Faser davon überzeugt. Natürlich ist mir rational klar, dass ich es nicht weiß. Ich weiß nicht was andere denken. Es sind verfickt nochmal meine Gedanken. Nur meine Gedanken.

Ein Nachbar im Haus … ab und an hört man mal laute Musik von ihm. Eine Woche lang hatte er es sehr übertrieben und die ganze Zeit kam dieses „Bumbumbum“. Das hat etwas in mir ausgelöst. Etwas herauf geholt. Seitdem ertrage ich es nicht mal mehr, wenn von irgendwo aus dem Haus, nur für 2 Sekunden, dieser monotone Basston kommt. Ein Hämmern. Ein Klopfen. Irgendwas monotones. Ich würde dann am liebsten aus meinem Körper raus. Fliehen. Ganz weit weg. Ausrasten. Um mich schlagen. Schreien – Ich tue es nicht. Ich bin ja hier nicht alleine. Ich konnte Panik immer wunderbar unterdrücken. Ich weiß das sich das dämlich anhört. Panik unterdrücken. Es ist schließlich Panik. Irgendwie habe ich es aber immer geschafft, sie im Hintergrund ablaufen zu lassen. Nicht auffallen. Weitermachen. Nicht spüren. Wie ein Kind, dass sich die Augen zuhält: ,,Wenn ich die Panik nicht sehe, ist sie auch nicht da.

Aber das klappt immer schlechter. Ich kann sie immer schwerer unterdrücken. Wenn ich mein Kind abhole, muss ich eine längere Zugstrecke fahren. Ich fahre ständig mit dem Zug durchs halbe Land. Das hat mir selten etwas ausgemacht. Diesmal fuhren wir eine andere Strecke, durch einen Tunnel. Die Dunkelheit. Die Enge. Die Menschen. Alles verschwamm und diese furchtbare Panik. Gleich passiert etwas schlimmes. Es ist zu eng. Raus. Ich will raus! Das passierte mir noch nie. Zusammenreißen hat oberste Priorität.

Und wo soll ich zuhause hin, wenn die Panik aufsteigt? Der Mann über uns in der Wohnung hat so eine aggressive, laute Stimme. Ich zucke immer wieder zusammen, wenn er schreit. Jemand läuft im Treppenhaus. Panik. ,,Niemand kommt rein. Niemand KANN rein! Es ist alles abgesperrt. Du bist erwachsen. Niemand kommt hier rein!“ – Wie ein Mantra sage ich das auf.

Ich bekomme das nicht mit Skills in den Griff. Jämmerlich fühle ich mich deshalb. Bei andern klappt es doch auch. Bei dir früher auch. WAS IST VERDAMMT NOCHMAL LOS?? – Lüge. Skills haben noch nie funktioniert, wenn ich mich so gefühlt habe.

Niemand kam jemals zu mir ins Zimmer! Woher kommt also diese scheiß Panik?! Warum hab ich solche Angst vor dieser lauten Stimme des Mannes?! Es war alles gut. Keine Gewalt. Es war alles gut! – Das nächste Mantra.

Ich will Hilfe rufen. Ich will um Hilfe bitten. Aber ich kann nicht. Statt Hilfe zu sagen, stoße ich alle von mir weg. Statt zu sagen bitte hilf mir, ich schaff das nicht allein, schlage ich wie wild um mich.

Wir haben gemalt: So fühlt es sich an. Gefangen in der eigenen falschen Maske von Fröhlichkeit und Alles ist gut, während der tiefe Kern nie an die Oberfläche dringen darf. NIEMALS. Denn darin ist es düster und dunkel. Niemand würde ihn ertragen und dann bin ich wieder allein. Ich versuche mit meiner Maske Anschluss zu finden, aber am Ende fühle ich mich trotzdem IMMER getrennt von den anderen. Ich weiß das die Welt nicht überall bunt ist und alle glücklich sind. Aber es fühlt sich so an. Alles ist so weit weg. Weit entfernt von mir. Ich bin grau. Gehöre nicht zu dieser Welt.

Ich hab mich mit dem kleinen Teil meiner Familie, mit dem ich noch Kontakt habe, überworfen. Die Familiendynamik ist generell sehr destruktiv. Als ich wieder öfter da war und dort übernachtete, fingen auch die somatischen Beschwerden wieder an. Schmerzen. Panik beim gemeinsemen Essen. Aber deswegen hab ich mich nicht mit ihnen gestritten. Ich hätte das ignoriert. Wie immer. Es war eine Kleinigkeit, auf die ich beharrte. Und ich weiß ehrlich nicht, ob ich Grenzen gezogen habe (die dort definitiv wichtig sind!) oder ob ich mir unbewusst einen Grund gesucht habe, mich von ihnen zu isolieren. Der Grund war fast schon lächerlich. Seitdem telefonieren wir nicht. Reden nicht. Ich werde nicht anrufen. Mein Stolz. Der Gedanke: Gibst du nach, öffnest du wieder Tür und Angel, dass man dich benutzt. NIE WIEDER!

Und nun hab ich´s geschafft, mich mit meiner Freundin zu überwerfen. Ich werde sie nicht beste Freundin nennen. Geht nicht. Klappt in meinem Hirn nicht. Ich hatte eine beste Freundin und damit verbinde ich viele schlimme Gefühle. Viele Gefühle von Verrat. Jedes Mal kommt mit diesem Wort alles wieder hoch. Es ist vieles so ähnlich. Vieles aus der Zeit damals. Die langen Telefonate. Ich bin ehrlich. Ich öffne mich. Mir liegt was an ihr. Und das bedeutet Gefahr. Verrat. Keine engen Freundschaften. Obwohl es genau das ist, was ich will und brauche.

Also treib ich sie weg. Unbewusst. Gedanklich schon länger, nun handfest. Ich will das gar nicht. Ich will es wirklich nicht. Aber ich kann auch nicht mehr reagieren. Ich schäme mich in Grund und Boden – Ich kann das wegen der Scham nicht bereinigen. Ich denke nur an mich – Also tue ich nichts mehr, weil sie besser ohne mich dran ist. Jeder ist das. Ich bin wütend – Ich suche mir immer Gründe, um auf nahe Menschen wütend zu sein, denn so kann ich sie leichter von mir stoßen. Kann sie einfach aus meinem Leben ausschließen. Sind sie jetzt berechtigt oder nicht, diese Gründe? Ziehe ich Grenzen oder isoliere ich mich unbewusst, aber doch mutwillig? Woher soll ich das wissen!

Ich hab noch eine Freundin. Ich schreibe eben mit ihr, als ich das hier tippe. Zeige mich fröhlich und mache Witze – Ich fühle genau das Gegenteil. Letztens übernachtete ich bei ihr, nach unserem D&D Abend. Es war ein toller und witziger Abend. Mir bereiten diese Abende extrem viel Spaß und ich mag die Leute sehr. Zur Nacht ging es mir nicht sehr gut und sie kam morgens zu mir rein. Ich erzählte ihr plötzlich was ich in meinem Kopf los ist. Die Vermutungen. Die Gedanken. Es war ein offenes und ehrliches und auch schönes Gespräch. Sowas macht die Bindung enger. Und wo stehe ich nun gerade im Kopf? Auf starker Distanz zu ihr. Ich entferne mich gedanklich bereits. Ich gehe nicht mehr zu dem D&D Abend. Nie mehr. Die Leute da werden bald merken wie furchtbar du bist. Sei nicht du. Sei alles, aber einfach nur nicht du. Das schaffe ich nicht! Sie werden dich hassen, wenn du ihnen zeigst wer du bist. Du redest zu viel. Du denkst falsch. Handelt falsch. DU BIST FALSCH! Sie werden es merken und dann hassen sie dich auch. Entfern dich, dann tut es nicht weh. Du brauchst niemanden! Doch verdammt, brauche ich!

Ich isoliere mich, weil ich denke das mich keiner will und bestätige mir damit meine eigenen Befürchtungen. Mir ist bewusst, dass ich mir das alles selbst antue. Ich stoße die Menschen weg. Ich isoliere mich. Niemand anderes ist dafür verantwortlich. Das ist stets meine erste Reaktion bei Emotionen, Nähe und Schmerz: Wegstoßen. Ignorieren. Flüchten. Ich will schon seit einiger Zeit nur noch meine Sachen packen und abhauen. So wie ich es immer getan habe. Ich stoße alle weg und verschwinde dann. Lasse alles hinter mir. Nur physisch. Psychisch nie … Dabei muss ich ständig an den Fragenbogen, aus den ersten Therapiestunden, denken: Haben Sie Probleme mit Nähe?, war eine der Fragen. Nö, ganz normal. Keine übermäßigen Probleme. Nähe kann ich zulassen.

Merkt irgendjemand was davon? Ich glaube nicht. Ich versuche krampfhaft alles hinter dieser Alles ist gut-Maske zu verstecken. Bis es überläuft. Bis ich nicht mehr kann. Dann spüren es andere. Aber sie spüren nicht das, was wirklich los ist. Sie bekommen nur meine Wut ab. Die ist echt, aber nur ein Teil von allem.

Während der eine Teil von mir weg will, will der andere fest gedrückt werden. Nicht alleine sein, aber allein sein ist der einzige Weg, sagt der andere. Ich ertrage dieses hin und her in meinem Kopf kaum noch!

Der Selbsthass ist zeitweise so stark, so unerträglich, dass ich mir am liebsten die Haut vom Körper ziehen möchte. Der Körper. Die nächste Baustelle. Den mochte ich immer. Ich bin schlank und habe eine tolle Figur. Ich weiß das. Rational. Aber seit einiger Zeit ertrage ich diesen Körper nicht mehr. Ich sehe ihn an, ich fasse ihn an und mich überkommt der pure Ekel. Fett. Überall Fett. Überall ist alles so ekelhaft daran. Nun mache ich wieder mehr Sport. Ich versuche es. 2 Monate hab ich das völlig schleifen lassen, es war keine Energie dafür da. Dann keine Kohlenhydrate mehr abends. 2x am Tag essen. Ich habe nie Diäten gemacht! Nie! Aber so ist es jetzt zumindest etwas erträglich.

Es wäre so einfach. Ich bräuchte es nur sagen. Hilfe. Bitte halt mich. Bitte halt mich einfach nur fest. Aber es geht nicht. Allein dieser Gedanke daran ist mit Einsamkeit verbunden. Mit Verrat. Mit Ablehnung. Deshalb wächst meine Wut. Meine Wut schon von vornherein. Ich bin so extrem wütend zur Zeit. Wütend auf all die Lügen. Die Heuchelei. Die Ablehnung. Die Einsamkeit. Den vielen Schmerz. Es gab nie Hilfe. Warum also jetzt? Warum sich das antun? Den Schmerz vergrößern? Ich weiß, rational, dass genau diese Gedanken mindestens genauso viel Schmerz mit sich bringen, aber ich kann es nicht bewusst steuern oder ändern. Warum Herrgott nochmal nicht?!

Ich habe viele Beiträge schon vor einiger Zeit vorgeschrieben. Veröffentlichen werde ich demnächst trotzdem keine. Ich lese meine alten Beiträge durch und ich möchte am liebsten drauf kotzen. Die Wortwahl. Die Gedanken. Die Informationen. Alles falsch. Alles zum lachen. Nichts mit Wert. Zu lang. Und schon wieder so lang. Perfekt soll alles sein. Aber ich sehe überall Fehler. Ich ertrag das momentan nicht noch mehr davon zu machen. Auch Mails kann ich vorerst nicht beantworten. Ich versuche mich da jetzt schon seit Tagen dranzusetzen, aber gerade geht´s nicht. Es tut mir leid. Mir käme jedes Wort wie reine Heuchelei vor.

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