Zucker – Eine Volksdroge?

Zucker? Eine Droge? Jetzt übertreibt sie aber…

Zucker kennt immerhin jeder, er wird ganz legal verkauft und wir nehmen ihn ständig zu uns. Genau genommen nimmt jeder Deutsche sogar ungefähr 36kg Zucker im Jahr zu sich, was grob geschätzt rund 100g pro Tag währen – Naja, das sagt zumindest die offizielle Statistik, wenn man jedoch bedenkt, dass sogar Leberwurst zu rund 3% aus reinem Industriezucker besteht, bin ich noch am überlegen ob 100g pro Tag wirklich reichen….

Aber wir schauen uns jetzt erstmal an:

Was ist eine Droge?

Das Wörterbuch sagt dazu:

,,Eine Droge ist ein pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Rohstoff für Heilmittel, Stimulanzien oder Gewürze”

Ursprünglich stammt der Begriff ,,Droge” vom niederländischen ,,droog” für ,,trocken” ab, d.h in seiner eigentlichen Bedeutung spricht man eigentlich von einem natürlichen, getrockneten Rohstoff aus der Natur (Blätter, Samen, Blüten, Wurzeln, ect.), der für die Herstellung verschiedener Mittel genutzt wird –> Daher stammt übrigens auch der Begriff des ,Drogisten’ bzw. der ,Drogerie’.

Im medizinischen Kontext verstehen wir unter einer ,,Droge” aber eine psychoaktive Substanz, die zu Bewusstseinsänderungen führt und eine Abhängigkeit (körperlich oder geistig) verursachen kann.

Wie wirkt Zucker in unserem Körper?

Zucker gelangt sehr schnell in unser Blut, wonach der Körper direkt mit der Insulinproduktion beginnt. Insulin wiederum ist ein Hormon, welches dafür zuständig ist den Zuckerspiegel in unserem Blut wieder zu senken, indem es den vorhandenen Zucker, zur Energiegewinnung, in sämtliche Organe und Körperzellen aufteilt bzw. ihn darin einschleust (darunter sind die Muskeln, Nieren, Leber, das Fettgewebe, usw.). Ist die Insulinproduktion jedoch gestört, wie beim Typ II – Diabetes, dann kann der Zucker nicht mehr in die Zellen gelangen, wodurch er sich im Blut anstaut.

Insulin hemmt übrigens auch den Abbau von Fettgewebe. Erst wenn dem Körper keine Kohlenhydrate zugefügt werden (wie z.B beim Intervallfasten oder der LowCarb Ernährung) und dadurch ein Insulinmangel entsteht, kann er für seine Energiegewinnung auf vorhandenes Fettgewebe zugreifen (worin Kohlenhydrate u.a als Notreserve gespeichert werden) – Wer abnehmen will, sollte also seine Kohlenhydratzufuhr deutlich einschränken.

So, aber weiter im Text 😅

Zucker ist nicht gleich Zucker

Also da haben wir es doch: Zucker gibt uns Energie, wo soll denn da jetzt das Problem sein?

Zucker wird eigentlich aus der Zuckerrübe hergestellt, welche in ihrer ursprünglichen Form noch viele Vitamine und Nährstoffe enthält. Nährstoffe, die für die Verarbeitung des Zuckers im Körper, eigentlich extrem wichtig sind.

Nun kam die Industrie aber irgendwann einmal auf die schlaue Idee, man könnte den darin enthaltenen Zucker ja einfach rausfiltern und so pur verkaufen. Gemacht wird das indem die Rüben gewaschen, zerkleinert, ausgelaugt und mit Kalk gereinigt werden (was bereits schon so gut wie alle Nährstoffe zerstört), dann wird der Zuckersaft getrennt, durch schwefelhaltige Säure gebleicht, eingekocht, ausgeschleudert und durch Knochenkohle gefiltert – Hört sich doch durch und durch gesund an, oder?

Es ist also ein Unterschied von welchem Zucker wir sprechen. Reiner Industriezucker (zu welchen übrigens auch der braune Rohrzucker gehört) hat absolut KEINERLEI Mehrwert für uns, ganz im Gegenteil braucht unser Körper nicht ein einziges Gramm davon.

Die fehlenden, eigentlich zur Verarbeitung des Zuckers benötigten (und im natürlichen Zucker auch enthaltenen) Nährstoffe, werden jetzt nämlich aus den umliegenden Organen und Zellen abgezogen, was wiederum zu einem Nährstoffmangel führt.

Karies (wenn das Zeug schon das härteste Material in unserem Körper durchlöchert, kann man sich vorstellen was es mit dem Rest macht), Fettsucht, ein schwaches Immunsystem, hyperaktive Kinder, Falten, Haarausfall, schlechte Augen,  Arthritis, Asthma, Multipler Sklerose, Osteoporose, Diabetes, Herzerkrankungen, eine zerstörte Darmflora (was Parasiten, wie Pilze, wiederum begünstigen kann –> der Candida steht z.B im Verdacht Krebs auszulösen) usw. sind übrigens nur ein kleiner Teil, der Folgen hohen Zuckerkonsums.

Anders sieht es mit naturbelassenen Zucker aus, wie z.B KokosblütenzuckerXylitol, Melasse, Yacon oder Stevia. Das heißt nicht das wir uns davon gleich Tonnen reinkippen sollten (so gesund sind die nun auch wieder nicht), aber sie stellen eine deutlich gesündere Alternative dar.

Warum wirkt Zucker wie eine Droge?

Unser Gehirn reagiert auf den aufgenommenen Zucker und setzt das Glückshormon Serotonin frei, ebenso die Hormone Dopamin und Opioid, welche für ein Gefühl von Leichtigkeit und Wohlbehagen sorgen. Außerdem steigert er kurzfristig unsere Konzentration und Aufnahmefähigkeit.

Wusstet ihr nun ☝, dass Kokain genau das Gleiche in unserem Gehirn macht? Es macht uns glücklich, entspannt, konzentriert und wir fühlen uns stark. Auf Kokain werden die gleichen Gehirnregionen angeregt und Hormone ausgeschüttet, wie beim Zucker. Ja und von diesen kann man tatsächlich süchtig werden, denn wir gewöhnen uns an ihre dauerhafte, hohe Ausschüttung und fehlt plötzlich der benötigte Stoff, fehlen auch die Hormone und es kommt zu Entzugserscheinungen.

Bei MDMA lässt sich das z.B gut beobachten, wie der Konsumierende einen Schwall von Glück erlebt, weil Unmengen von Serotonin ausgeschüttet werden. Lässt die Wirkung des MDMA nach, hört auch die Produktion des Serotoninhormons auf, zudem sind sämtliche Speicher geleert, was zu dem typischen schlaffen und depressiven Erleben beim ,,runter kommen” und danach führt.

Forscher der Princeton University machten zudem ein Experiment an Ratten, wo sie diese erst an Zuckerwasser gewöhnten und ihnen dann keins mehr gaben. Ergebnis war, dass die Ratten die gleichen Entzugssymptome wie bei Kokain oder Morphium zeigten.

Gruslig, oder?

Ich wiederum kann mich an eine abendliche Szene, von vor ein paar Jahren, erinnern. Wir hatten nicht mal ein Gramm Zucker zuhause und ich hatte soooo einen Heißhunger auf irgendwas Süßes. Irgendwann fiel mir ein, dass ich vor ein paar Tagen so eine kleine Stange Bonbons gekauft hatte und 2 davon noch rumliegen müssten. Ich durchsuchte, ohne Witz, jeden Quadratmillimeter der Wohnung, inklusive Sofaritzen ect., bis ich sie dann irgendwann fand und deshalb fast auf die Knie fiel.

Stellt euch diese Szene wirklich vor, wie bei einem Drogenjunkie, der irgendwo zitternd noch einen Krümmel Heroin sucht.

Früher hatte ich auch eine zeitlang eine Phase, wo ich jeden Tag 2 Tafeln Schokolade, nicht nur gegessen, sondern gebraucht habe! Ich bekam wirklich furchtbar schlechte Laune und wurde stark gereizt, wenn nicht genügend da war. Wie das eben bei einer Sucht so ist.

Was kann man also tun?

Ganz klar: Industriezucker reduzieren und/oder gegen bessere Alternativen austauschen.

Vor ungefähr 2 Jahren habe ich mal einen kalten Entzug gemacht. 2-3 Monate lang habe ich nicht einen Krümmel Industriezucker mehr angefasst und wenn ich es nicht mehr aushielt ( von diesen Momenten gabs genug), habe ich einen Löffel Honig vom Imker gegessen.

Ich bemerkte daraufhin tatsächlich eine kleine Besserung meiner Psyche, der Schlaf wurde etwas besser und vor allem hatte ich nicht mehr den ganzen Tag Appetit. Das war wirklich ein enormer Pluspunkt, denn vorher hätte ich den gesamten Tag lang, von morgens bis abends, essen können und meist war das nicht nur etwas Gesundes. Denn Heißhunger stillst du, in deiner Akutsucht, selten mit einem Stück Obst.

Mittlerweile ist es so, dass ich hin und wieder durchaus zu ein paar Pralinen oder auch ein paar Bonbons greife (Wie war das? Ein Sucht ist immer chronisch und kann nur unterdrückt, aber nie geheilt werden?😅). Jedoch kaufe ich mir diese dann ganz bewusst und habe Süßes nicht mehr dauerhaft zuhause vorrätig. Das hilft schon mal enorm, denn was nicht da ist, kann auch nicht gegessen werden.

Übrigens merke ich das aber sofort, falls ich mal wieder etwas Süßes zu viel esse, habe ich nämlich schnell kein Sättigungsgefühl mehr. Dann ist direkt wieder etwas kürzertreten angesagt.

Was hilft mir?

Bei Appetit auf etwas Süßes, hilft mir mittlerweile oft ein Shake aus Hafermilch und frischen Obst, alternativ noch ein Löffel Honig dazu.

Weiter greife ich in den allermeisten Fällen auf Kokosblütenzucker oder Honig zurück, wenn ich z.B backe oder Tee süßen möchte. Zudem koche ich viel selbst und achte bei anderen Lebensmitteln auf den Zuckerzusatz.

Genannt wird er auf den Verpackungen übrigens oft Glucosesirup, Traubenzucker (Glucose), Fruchtzucker (Fructose), Milchzucker (Laktose), Maissirup (Isoglucose) oder Malzzucker (Maltose) – Im Endeffekt wurde aber jeder von ihnen industriell hergestellt.

Das aller Beste wäre für unsere Gesundheit wahrscheinlich, wenn wir generell auf industriellen Zucker verzichten würden. Wer das aber nicht so einfach kann (worunter auch ich mich leider zählen muss🙈), bei dem hilft es sehr, einfach ein gesundes Mittelmaß zu halten. Hin und wieder ein Stück Schokolade, genauso wie mal ein Glas Wein, ist 10.000x besser, als sowas jeden Tag zu sich zu nehmen.

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