Hoffnung: Freund oder Feind?

*Triggerwarnung*

Hoffnung.

Hoffnung, dass es anders wird.

Dass nicht immer alles so bleibt, wie es ist.

Dass es anders sein kann.

Uns Menschen bleiben so viele Möglichkeiten.

Ich habe sie immer gesehen, selbst in den hoffnungslosesten Momenten.

Irgendwo ist es anders.

Irgendwann ist es anders.

Es gibt diese andere Welt, ich muss sie nur finden.

Das war mein Rettungsanker.

Ich weiß nicht, woher, aber ich habe dieses tiefe Gefühl von Liebe in mir. Wie es sein könnte. Wie schön es war (wo?) und sein könnte.

Ich will so gerne nach Hause, dorthin, wo alles gut war (wohin?).

Hoffnung, das ist etwas, was den Antrieb zum Leben gibt.

Aber ist sie real oder nur Einbildung?

Ich weiß es nicht.

Das erste Mal in meinem Leben weiß ich es wirklich nicht. Oder vllt. weiß ich es auch und will es mir nur nicht eingestehen.

Macht das (meine) Hoffnung nicht automatisch zum Irrglauben?

Ich weiß es nicht.

Hoffnung hat mich flüchten lassen. Vor jedem einzelnen Täter, vor jeder täterähnlichen Situation … Am Ende.

Hoffnung hat mich kämpfen lassen. Mich nie aufgeben lassen.

Ich habe in den letzten 10 Jahren so unfassbar viel aufgearbeitet.

Mich jedem Gefühl gestellt. Sie hat mich jedem Anteil ohne Angst entgegentreten lassen.

Und das hatte schöne Ergebnisse.

Keine inneren Beleidigungen mehr. Kein Kampf mehr gegeneinander.

Du darfst darüber nicht reden. Du darfst nicht weiter darüber nachdenken. Ich muss sonst tun, was ich nicht will. Das weißt du, oder?“ – Jedes Mal, wenn ich etwas Neues über die Tätergruppe, den Kult, herausfand und so sehr darüber reden wollte, konnte ich es nicht.

Meine Stimme verließ mich. Selbstverletzung, Selbstisolation und Su*izid(absichten) überfielen mich.

Wir haben einen Deal, vergiss ihn nicht.“ – Nein, tue ich nicht.

Ich will mich an kein einzelnes Gesicht erinnern. Der Aktionismus würde mich überfallen und ich würde versuchen, dagegen vorzugehen.

Aber wir haben einen Deal.“ – Keinen einzigen würde ich verraten.

Nicht wegen meines Lebens – es interessiert mich nicht,  sondern weil ich an ihre „Mission“ glaube.

Absurd, oder?

Die Täter interessieren mich einen Scheiß.

Menschen, die mir wehgetan haben, interessieren mich einen Scheiß.

Aber ich glaube trotzdem daran.

Und:

Du darfst darüber nicht reden. Du darfst nicht weiter darüber nachdenken. Ich muss sonst tun, was ich nicht will. Das weißt du, oder?“ – Wie viel Vertrauen und Wohlwollen unserer Seele gegenüber steckt darin?

Niemand von ihnen müsste so mit mir reden, so entgegenkommend.

Kein Kampf.

Oder?

Wir alle müssen Dinge tun, die wir nicht wollen.

Wir versuchen heute wenigstens gemeinsam, so gut wie möglich, unser Innerstes zu retten …

(Und die „Mission“?)

Aber was würde es auch ändern, würde ich mich an Täter erinnern und sie verraten?

Nichts.

Die Veränderung muss in der Gesellschaft, dem Rahmen drum herum, geschehen.

Retten …

Das habe ich so oft versucht.

Alles und jeden.

Ja, jetzt erst verstehe ich, dass ich ständig versucht habe, anderen das zu geben, was ich mir selbst so sehr gewünscht habe:

Ernst genommen werden.

Gesehen werden.

Akzeptiert und verstanden werden.

Ich wollte so viele Menschen retten.

Mich retten.

Warum existiert dieser Blog?

Ich wollte anderen Betroffenen die Akzeptanz geben, die ich nicht gefunden habe. Die Informationen geben, die mir andere („Die könnten sonst faken“) verweigert haben.

Aber vor allem wollte ich, dass Menschen verstehen, dass nicht sie der Fehler sind.

Ich dachte, dass würde dazu beitragen, dass Menschen aus all der Schuld und Scham heraustreten und verstehen, welche Macht sie selbst haben könnten.

Ich wollte mit meinen Beiträgen zur Selbstreflexion anregen und zur Heilung jedes Einzelnen beitragen.

Und Heilung besteht nicht nur aus Verständnis und Validierung, sondern auch aus Handlungen.

Ich habe mir so sehr eine andere Welt gewünscht.

Aber Menschen wollen sich nicht verändern.

Sie wollen, dass der Schmerz aufhört.

Ende.

Sie sehen nicht, dass jeder Einzelne zu der Veränderung in der Welt beiträgt.

Jedes Verständnis der psychologischen Vorgänge dazu beiträgt, sich nicht mehr im (eigenen und gegenseitigen) Kampf zu begegnen.

Jede Reflexion zur Erweiterung des eigenen Horizonts beiträgt, dass sie einem die Arroganz nimmt, besser als der andere über etwas Bescheid zu wissen.

Und auch ich habe so viel verstanden.

Warum Menschen Emotionen gerade nicht tragen können. Sie nicht besser auf mich oder andere reagieren können.

Warum sie gerade dort sind, wo sie sind.

Und ich habe so sehr versucht, ihnen zu helfen.

Auf sie einzugehen.

Sie dort abzuholen, wo sie gerade sind.

Mich zu retten.

Mich abzuholen, wo ich war.

Ich hatte so sehr die Hoffnung auf eine andere Welt und habe versucht, Lösungen zu finden, wie wir dorthin kommen.

Hoffnung …

Aber Hoffnung rettet nicht die Welt.

Hoffnungslosigkeit jedoch auch nicht.

Verzwickt, oder?

(Aber vllt. ist es auch nicht die Aufgabe von Betroffenen, die Welt zu retten.)

Hoffnungslosigkeit … Ich habe nie verstanden, wie Menschen diesen Zustand aushalten.

Ich habe immer versucht, da herauszukommen, egal wie stark die Hoffnungslosigkeit wurde.

Weil ich sonst mit meinen Gefühlen endgültig konfrontiert gewesen wäre.

Hoffnungslosigkeit hat für mich den T*d bedeutet. Tut es noch heute.

Ich habe nie verstanden, warum Menschen darin verharren. Tue es heute noch nicht.

Lösungen finden. In jeder noch so ausweglosen Situation das finden, was ich Produktives daraus ziehen und nutzen kann.

Ich glaube an eine höhere Macht.

Alles muss einen Sinn haben.

– Warum eigentlich? –

Weil ich sonst bereits vor vielen Jahren gest*rben wäre.

Intellektualisierung ist meine bevorzugte Bewältigungsstrategie. Alles muss einen Sinn haben.

Alles muss erklärbar sein.

Ein bisschen Halt in einer Welt, die keinen bereithält.

Sinn bringt Hoffnung und Hoffnung hält mich am Leben.

Machen wir einen kurzen Switch zum letzten Jahr:

Ich habe so viel aufgearbeitet.

Von über 500 Anteilen sind wir noch knapp über 200.

Ich habe fleißig Therapie gemacht und auch jeden einzelnen Tag währenddessen aufgearbeitet.

Und es hat viel gebracht.

Du darfst darüber nicht reden. Du darfst nicht weiter darüber nachdenken. Ich muss sonst tun, was ich nicht will. Das weißt du, oder?“ – Keine Erleichterung, aber zumindest kein Kampf, kein innerer gegenseitiger Hass mehr, oder?

Es gibt Momente, wo ich unfassbar dankbar dafür bin.

Wie schön es ist, sich mit seinem Inneren austauschen zu können.

Zu dürfen.

Keine Sicherheit, aber wenigstens kein Kampf mehr.

Ich bin des Kämpfens so müde.

Aber die Welt „draußen“ … sie ist nicht so, wie wir es uns gewünscht haben. Mehr wie wir es gesagt bekamen.

Niemand ist da. Dort bist du allein. Niemand versteht dich. Nur bei uns bist du Zuhause.“

Die Welt hier draußen:

Sie ist so kalt.

Niemand glaubt uns.

Nicht einmal, wenn wir „nur“ sagen, wir sind am Ende.

Jeder sieht irgendwas, aber nicht das, was ist.

Für jeden Krümel müssen wir so sehr kämpfen, aber wir sind so müde des Kämpfens.

Wir wollen, aber da ist keine Reserve mehr.

Keine Ressourcen.

Kein Auffangnetz.

Nichts.

Ich habe vor einem halben Jahr den Kontakt zu unserem restlichen Umfeld abgebrochen. Den restlichen zwei Menschen.

Wir sind in der Therapie endlich so weit, dass wir wirklich Hilfe annehmen wollen. Müssen.

Bereits seit 2–3 Jahren.

Wir haben gelernt, unsere Gefühle zu spüren.

Sie anzusprechen.

Sie auszudrücken, klar und deutlich:

Ich fühle mich durch dieses Verhalten verletzt. Ich wünsche mir XY. Kann nicht mehr tragen. Ich brauche Hilfe, Unterstützung.“

Und damals dachten wir, wenn wir das endlich lernen, sagen zu können, dann wird etwas anders.

Hoffnung.

Wir sind schließlich bisher der Fehler gewesen.

Wir haben es nicht genau genug angesprochen.

Waren nicht klar genug.

Wenn WIR es anders machen, wird es anders.

Jetzt sind wir klar.

Klarer als jemals jemand zu uns.

Aber immer noch HÖRT uns niemand.

So ist die Welt nun mal nicht aufgebaut.

Es liegt nicht immer nur an dir selbst. Die Menschen bleiben immer noch die, die sie sind.

Wie schön das wäre, wenn sich dadurch alles ändert.

Wie viel Kontrolle das gäbe.

Switch zurück in die Vergangenheit:

Wir waren getriggert und schrieben einer Freundin unseren Zustand und:

Ich habe das Gefühl, ich könnte t*t umfallen und niemand würde sich dafür interessieren.“

Und ihre Antwort war, abends 20:30 Uhr:

Krass. Ich muss jetzt aber schlafen. Melde mich morgen.“

Am nächsten Tag, erst kurz vor Mittag (nachdem sie bereits Bilder gepostet hatte), kam ein YouTube-Short mit dem Titel: „Der Luxusklodeckel“.

Ich habe das Gefühl, ich könnte t*t umfallen und es würde niemanden interessieren.

– „Stimmt, es interessiert mich nicht. Aber hast du eigentlich schon dieses Video über den Klodeckel geschaut, das mich mehr interessiert als deine Gesundheit oder Gefühle?

Jahrelang haben wir genau dieses Verhalten immer wieder entschuldigt.

Weil der andere eben nicht anders kann.

Ihm das schwerfällt.

Er mit Emotionen nicht so gut kann.

Wir vllt. zu viel erwarten.

(Nun, wir können selbst während schlimmster Traumata anderen zuhören – also erwarten wir wirklich zu viel, wenn wir uns wünschen, dass andere wenigstens mal 10 Minuten nur für uns haben und nicht sofort anfangen, wieder über sich oder andere Themen zu reden?)

Wir nicht klar genug waren.

Uns nicht klar genug ausgedrückt haben.

Irgendeinen Grund gab es immer zu verstehen.

Aber dieses Verhalten zeigte sich in 95 % unserer sozialen Kontakte.

Und auch wenn es nicht genauso war (in den restlichen 5 %), so durfte es doch immer nur kurz um uns gehen, bevor es wieder um den anderen ging.

Wir haben so viel Verständnis gehabt.

Haben unsere Probleme und Gefühle hinten angestellt, wenn wir gemerkt haben, der andere ist gerade in einer Krise.

Er braucht uns.

Aber wozu hat es geführt?

Dass wir immer alleine waren. Mit allem.

Wir müssen immer unsere Gefühle alleine regulieren.

Unsere Erlebnisse alleine tragen.

Und die der anderen dazu mit.

Haben wir Grenzen gezogen, gab es Streit, Ablehnung oder Unverständnis.

Das nimmst du falsch wahr!“

Also haben wir gelernt, immer für andere da zu sein.

Immer.

Weil wir immer dachten, anderen geht es gerade schlimmer. So sagte sie es ja auch so oft.

Und was Menschen sagen, stimmt, oder?

Wir haben nicht erkannt, dass die meisten Menschen schon beim kleinsten bisschen aufschreien, weil wir das nie getan haben.

Weil wir stark sein mussten.

Verantwortung für alles und jeden tragen mussten – immer.

Wir haben bis zum allerletzten Schluss durchgehalten.

Für jeden und alles.

Weil das doch bitte unsere Aufgabe ist?!

Unsere Daseinsberechtigung?!

Nur wenn wir für andere existieren, haben wir eine Daseinsberechtigung.

Nur wenn wir alle Verantwortung tragen – jeden Schmerz, jede Schuld, jede Begierde, jede Scham, jedes Problem (und dessen Lösung finden) – haben wir die Chance auf ein bisschen Nähe.

Nähe.

Wir lieben sie so sehr.

Einmal gesehen werden.

Gehört werden.

Verstanden werden.

LIEBE erfahren.

LIEBE …

Doch nur ein bisschen.

Und sei sie mit noch so viel physischer oder emotionaler Gewalt oder Vernachlässigung verbunden – Hauptsache irgendwann einmal ein bisschen Nähe.

Verbundenheit.

Für ein bisschen zwischenmenschliche Liebe hätten wir alles getan.

Haben wir ALLES getan.

Aber sie kam nie.

Nie.

Und wir fragen uns, ob sie uns überhaupt jemals bestimmt war?

Hatten wir jemals die Chance darauf oder war alles nur ein dummer Scherz – jeder Versuch –, der nur zu noch mehr Leid führen sollte?

Wir fühlen uns wie ein Verdurstender in der Wüste:

Jede noch so dreckige Pfütze bedeutet für dich eine Lebensrettung … auch wenn sie dich innerlich bereits vergiftet.

Du lebst nur ein Leben auf Pump.

Dein Leben hörte bereits ab der 2. verseuchten Pfütze auf und trotzdem bist du noch weiter gekrochen.

Weil du Hoffnung hattest.

Irgendwann ist es aber abgelaufen, dieses Leben auf Pump, weil du trotz deiner Versuche, aus den Dreckpfützen zu trinken, innerlich vergiftest.

Egal, wie viel Hoffnung du noch in dir trägst.

Unser Maß an dem, was wir von anderen tragen können, ist erreicht.

Kein einziges „Ich“ oder „Mir aber“ ertragen wir mehr.

Die verständnisvolle Seite in uns würde sagen:

Du hast zu spät reagiert. Du hättest viel eher genauso laut schreien sollen wie alle anderen.“

Aber wir haben gelernt, dass wir das nicht dürfen.

Grenzen setzen bedeutet unseren Untergang.

Unsere Nicht-Existenz.

Ich-Sein bedeutet die Nicht-Existenz.

Bedürfnisse äußern und versuchen, sie durchsetzen zu wollen, bedeutet die Nicht-Existenz.

Das haben wir von Tätern gelernt.

Und von der angeblich anderen Welt genauso weiter gespiegelt bekommen.

Unsere Hoffnung auf Änderung war sinnlos.

Wir existieren nur, wenn wir benutzbar für andere sind. Egal auf welcher Ebene.

Alles andere existiert nicht.

Darf nicht existieren.

Täter sind keine Sonderlinge.

Sie sind jene, die zumindest ernsthaft zu ihren Absichten stehen.

Die uns niemals angelogen haben.

Ihr seid nichts wert“ – Das war ihre ehrliche Meinung. Damit konnten wir arbeiten.

Aber ein: „Nein, klar bist du wichtig. Du fasst das nur falsch auf“, immer und immer wieder, während unsere Worte übergangen, relativiert oder als Schwachsinn abgetan wurden, hat alles nur viel schlimmer gemacht.

Die „helle Welt“ hat uns gezeigt, dass wir tatsächlich keinen Platz haben.

Dass sich jeder verschissene Arsch nur um sich selbst dreht.

Aktuell wurden die Epst***-Files bekannt – etwas, über das wir bereits 2018 auf Facebook geredet haben (ohne jemals selbst von diesem Netzwerk betroffen gewesen zu sein), und jahrelang waren wir deshalb Verschwörungstheoretiker.

Wir haben weiter versucht, politisch aufzuklären, aber genau solche Themen machten uns zu Außenseitern.

Auf unserem Blog hier hielten wir uns also zurück und versuchten, die Menschen an die psychologischen Hintergründe heranzuführen.

Ihnen zu erklären, dass eine „Elite“ nicht ausgeschlossen ist, aber niemals die Geschicke der gesamten Welt in der Hand hat.

Dass es an uns liegt und selbst, sollte diese „Elite“ zu Sturz gebracht werden, sich nichts ändert, solange der einzelne Mensch seinen Blickwinkel nicht ändert.

Wir wollten die Menschen über diesen Weg zu einer Veränderung unserer Welt bewegen.

Und jetzt sehen wir von eben jenen, die all das immer als absolute Verschwörungstheorie abgetan haben (obwohl manche selbst von ritueller Gewalt betroffen sind und damit ständig der Verschwörungstheorien bezichtigt werden), so tun, als hätten sie das schon immer vertreten.

Keine Entschuldigung, keine Einsicht.

Nur ein weiteres: „Ja okay, das stimmt. Ist ja klar. Aber der Rest sind Verschwörungstheorien.“

Es geht weiter wie gehabt.

Es gibt keine Gerechtigkeit.

Keine Einsicht.

Keine Veränderung.

Das sehen wir jetzt.

Wir dachten so lange, wenn die Menschen nur verstehen würden …

Aber sie wollen es nicht.

Sie wollen nicht sehen, wie es uns geht.

Sie wollen nicht sehen, wie es der Welt geht oder was wirklich passiert.

Stattdessen wollen sie in ihrer Welt bleiben.

IMMER auf Kosten anderer.

Weil es das einfacher macht.

Irgendjemand trägt es schließlich.

Irgendjemand ist immer da, um es für sie auszuhalten.

Aber damit gibt es niemals Veränderung.

Niemals, wenn Menschen nur sich selbst sehen.

Wir sagen: „Wir sind am Ende“, und sie hören: „Ich kann auch noch mehr von dir tragen, gib ruhig her!

Die Welt sagt: „Ich bin am Ende. Es geht so ab hier nicht mehr weiter“, und Menschen verstehen: „Da geht noch was.“

Wir haben Angst, wieder in unsere alte Hoffnung zu verfallen.

Sie hält uns in einem Leben voller Schmerz gefangen.

Wir haben heute Angst vor der Hoffnung.

Jener Hoffnung, dass alles anders wird.

Alles einen Sinn hat.

(Wo ist schon der Sinn und die Gerechtigkeit für all jene Opfer, die niemals so wie wir hier sprechen können werden? Für all jene, die gest*rben sind, die jetzt gerade st*rben und bald st*rben werden? Was sind sie? Kollateralschaden? Ein notwendiges Übel, damit G*tt unsere Welt heile macht?)

Wir glauben an G*tt – aber wo ist der Sinn in all den Jahrhunderten, Jahrtausenden tiefster, abscheulichster Gewalt?

Ist all das ein Spiel? Oder einfach nur sinnloser Zufall?

Wir haben Angst, dass uns die Hoffnung zurück in die Gewalt zieht.

Hoffnung hat uns so weit gebracht …

Aber am Ende nur weiter den gleichen Schmerz fühlen lassen.

Obwohl ich nicht weiß, ob das so ist.

Ist es so?

Wir versuchen, uns an allem festzuhalten, und all dieses sagt uns:

Du befindest dich gerade in einem notwendigen Vakuum, einer notwendigen Leere“, und wir wollen das so gerne glauben.

Aber ist das so?

Oder befinden wir uns das erste Mal richtig für längere Zeit in der Realität?

35 Jahre werden wir bald und wir haben 35 Jahre Schmerz hinter uns, und ich frage mich:

Wie viel Schmerz und Leid muss ein Mensch ertragen können?

Wann ist es genug?

Ab wann darf ein Mensch ein bisschen Glück erfahren?

Ab wann hat er genug getan?

Wann darf er sich einmal sicher fühlen – nur in einem einzigen Lebensbereich wenigstens?

Wann hat man genug erlebt, dass man sich nicht permanent vor anderen rechtfertigen muss oder verantwortlich für deren Probleme gemacht wird?

Ist es irgendwann genug?

Ist es jemals genug?

Oder ist das unsere Lebensaufgabe?

Schmerz ertragen, bis wir t*t umfallen?

Unser Körper setzt bereits aus.

Die Hände nicht mehr benutzbar. Der Rücken, der Unterbauch und die Erschöpfung treiben täglich die Tränen in die Augen.

Aber Gott sei Dank haben wir ja noch die Dissoziation, damit wir jederzeit trotzdem für andere funktionieren können.

Auch wenn der Körper nicht mehr kann, steht er bereit – wenn auch nur noch wenige Stunden.

Wir existieren in einem Vakuum.

Und Menschen hören uns nicht.

Nehmen uns nicht ernst („Da geht noch was“, „Mir geht’s schließlich schlechter“).

Nur funktionieren sollen wir.

Was wir wollen, brauchen und wünschen, hat noch nie gekümmert und auch jetzt ist es nicht anders.

Entweder wir funktionieren und gehen daran kaputt oder wir sind allein.

Also sind wir allein.

Und werden daran kaputt gehen.

Wie du Hoffnung empfindest, ist dein Ding.

Das geht mich nichts an.

Finde sie. Sie ist wichtig.

Aber ich will sie gerade nicht mehr finden.

Sie hat uns so weit gebracht, aber uns auch so viel Schmerz gebracht.

Ich habe genug Schmerz für 20 Leben.

Ich ertrage einfach keinen mehr.

Will keine Hoffnung mehr.

Will sie nicht mehr tragen.

Gar nichts mehr.

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